Ein wenig Niedergeschlagen

  • Hallo Zusammen,

    Irgendwie ist heute nicht mein Tag. Habe letzten Donnerstag meine zweite EC erhalten und war danach eigentlich gut drauf. Freunde waren, wir sind mit den Hunden spazieren gewesen ( was sehr schön war) und es war eigentlich ein entspanntes Wochenende.

    Heute ist irgendwie alles anders. Ich hab fühl mich unausgeglichen, schlapp, total angespannt, hab das Gefühl von Angst... Ich kann das leider nicht richtig beschreiben... Kennt Ihr das auch? Sind solche Schwankungen während der Chemotherapie normal?

    Ich sitze bei schönem Wetter im Garten und kann das schöne gerade nicht richtig genießen. Das macht mich irgendwie traurig.

    Alles aufmunternde von meinem Mann kommt nicht richtig bei mir an. Wenn er sagt ich soll mich ausruhen und mich was hinlegen, dann meine ich das er mich loswerden will... Was totaler Blödsinn ist.

    Ich bin froh wenn der Tag heute irgendwie an mir vorbei geht und morgen ein, hoffentlich, besserer Tag beginnt.

  • Liebe Sassenach,

    diese Tage kennen wir hier alle. Langsam fängt deine Seele an, das ganze Ausmaß zu realisieren, dazu kommt, dass die Chemo natürlich dem

    Körper sehr zusetzt und die Wirkung der NW-Medis vor allem des Cortisons nachlässt und damit setzt eben auch körperliches Unwohlsein ein.

    Ich war/bin an den beiden Tagen nach der Infusion immer iwi fit und habe ne Menge Energie, ab Tag 3 gehts dann bergab auch mit der Stimmung. Ich versuche mir dann für jeden Tag einen Plan zu machen und abzuarbeiten, damit ich nicht in meiner Depri-Stimmung hängen bleibe.

    Ich habe auch ein Problem mit der Ausruherei (allerdings gönne ich mir eine Stunde Mittagschlaf) Mir hilft es eher irgendwas zu tun oder zu unternehmen. Meistens reicht ein Spaziergang, um die trüben Gedanken zu verscheuchen. Sicher geht auch deine schlechte Stimmung wieder vorbei.

    LG

    Ute

    Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. (Molière)

  • Hallo Sassenach,

    ich habe nach den ECs immer 2 bis 3 sehr gute Tage gehabt. Erst danach ging es bergab. Da habe ich dann 2-3 Tage fast nur geschlafen oder zumindest auf dem Sofa rumgelümmelt. Es war alles zu viel. Keine Handarbeit, kein Buch und erst recht kein Fernseher konnten mich locken. Nach dem Aufstehen, ins Bad und dann Frühstücken war schon soooo anstrengend, dass ich mich wieder hinlegen musste.

    Ich konnte aber auch nicht spazieren gehen. Keine 500 Meter und ich brauchte eine längerer Pause mit hinsetzen.

    Es war wirklich ätzend. Aber nach den 3 Tagen war dann wieder alles wie weggeblasen bis zur nächsten EC.

    Während der Zeit erschien es mir natürlich sehr lang, aber letztlich sind es ja doch "nur" 4 Infusionen und rückblickend ging die Zeit dann doch schnell vorbei.

    Mir scheint, es ist das Beste, dass man sich einfach darein ergibt und es so hinnimmt. Dagegen ankämpfen und hadern nützt nichts. Lass Dich von Deinem Mann verwöhnen und versuche, die hässlichen Gedanken dabei gar nicht aufkommen zu lassen (auch solche Gedanken kannte ich - aber das war schon fast in einem anderen Leben). Ich weiß, dass das sehr leicht gesagt ist und wenn die Seele trauert oder Angst hat, klappt das nicht so gut.

    Dafür sind hier aber immer genügend mitfühlende Leserinnen, die Dich gerne auffangen, wenn es Dir zu schwer wird und Du Deinen Frust mal abladen musst / möchtest.

    Ich wünsche Dir für die nächsten Chemo-Ladungen so gut wie keine Nebenwirkungen und für Deine Seele nur Sonnenstrahlen.

    LG Wally

  • Liebe Sassenach,

    ich glaube, solche Tage kennen wir alle, ob mit Chemo oder ohne. Manchmal braucht die Seele einfach eine Pause. Ist ja auch kein Wunder, man hat ja nicht nur körperlich durch die Therapien, sondern auch psychisch eine Menge zu verarbeiten. Da kann man ja nicht die ganze Zeit gut drauf sein. Aber lass dir gesagt sein, es wird wieder besser !

    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Hallo, erstmal danke für Eure Unterstützung und die lieben Worte.

    Aber irgendwie komm ich heute aus dem Tief nicht so wirklich raus. Nachdem ich den Rat meines Mannes gefolgt bin und mich erstmal ins Bett gekuschelt habe, bin ich gegen 17 Uhr aufgestanden. Das Tat schon super gut. Danach hab ich für uns gekocht, wir haben uns gut unterhalten - wieder alles ok. Ich fühlte mich auch irgendwie besser.

    Keine zwei Stunden später heule ich nur noch rum, mir tut auf einmal alles weh ( und davor hab ich Angst) habe Bauchweh und liege jetzt wieder im Bett. Ich fühle mich irgendwie so hilflos, kann auch keinem erklären was in mir vorgeht. Ich fühl mich so leer, so einsam.... Ich will das Gefühl nicht haben.

    Ich hoffe so sehr das ich morgen einen besseren Tag habe. Es ist so anstrengend 😭😔

  • Irgendwo habe ich mal gelesen: "Es gibt Tage, von denen man sich wünscht, dass sie so still und leise wie möglich verschwinden." So einen Tag hast du wohl heute erlebt, liebe Sassenach. Aber jetzt ist er schon fast vorbei. Und morgen kommt ein neuer. Und der wird besser. Bestimmt :).

    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Liebe Sassenach

    Lass Dich mal drücken, wenn ich darf:hug:. Solche Tage hatte ich Anfang des Jahres recht oft . Auch bei der Ersterkrankung überkam es mich , besonders in der Anfangsphase. Aber ich denke das gehört zum seelischen Verarbeitungsprozess. Zu Angang wo die ganzen Untersuchungen sind , die Chemo noch fremd ist , da funktioniert man nur . Später kommt einem alles zu Bewusstsein. Man setzt sich mit der Krankheit Krebs intensiver auseinander. Das führt nachher in späteren Tagen zu einer Besserung und einem Fortschritt in der seelischen Verarbeitung. Ich habe das zumindest so erlebt. So kommt

    Frau wieder aus dem Loch heraus.

    Ich denke die Chemo bringt auch den Hormonhaushalt durcheinander . Das ist vielleicht mit ein Grund für diese Heultage. Lass es ruhig zu . Auch hier schreib Dir das von der Seele .

    Liebe Grüße und gute Nacht :sleeping:

    alesigmai52

  • Liebe Sassenach,

    meine Erkrankung liegt jetzt schon 15 Monate hinter mir(man wie die Zeit vergeht), aber diese Tage wo man sich zu nichts aufraffen kann und man denkt, dass das ganze Leben einen mal kann, habe ich immer wieder mal. Und ich hatte keine Chemo. Dieses auf und ab der Gefühle wird uns wohl jetzt begleiten, vielleicht weil man alles viel intensiver hinterfragt. So einen Bluestag hatten wir vor der Erkrankung bestimmt auch schon, jetzt denken wir viel zuviel darüber nach. Auf der anderen Seite freut man sich über alltägliche Begebenheiten ebenfalls viel intensiver. Und diese Glücksmomente kommen bei dir auch wieder;)

    LG

    Kalinchen

  • Danke das Ihr mich gestern alle so aufgefangen habt. Das tat mir echt gut.

    Der heutige Tag war etwas besser. Habe mir kleine Highlights gesetzt. War viel draußen, hab mehrfach gut gegessen und überlege gerade, ob ich mich für den schönen Tag mit einem Glas Wein belohnen soll.

    Meint Ihr das wäre schlimm? Meine Chemo war letzte Donnerstag.....

  • Liebe Sassenach,

    wie schön, dass es dir heute wieder besser geht :). Rausgehen und gut essen tun sowohl Körper als auch Seele gut, da hast du alles richtig gemacht. ;)

    Auf Alkohol würde ich aber besser verzichten, mir wurde zumindest gesagt, dass Alkohol während der Chemozeit absolut tabu ist. Du kannst dich ja auch mit einem leckeren Saft oder einem anderen Getränk, welches dir gut schmeckt, belohnen. ;)

    LG und schönen Abend noch

    Pschureika

  • Mein Chefarzt hat mir gesagt, dass ein Gläschen Wein (nicht gerade am Chemotag) nicht schadet, wenn es schmeckt und einem gut tut. Während der EC habe ich in der letzten Woche vor der nächsten Gabe ab und zu ein Glas Wein genossen, sogar sehr genossen. Das hat mir gut getan, war ja auch nicht so oft. In diesem Sinne: Zum Wohl und auf bessere Zeiten!

    Liebe Grüße

    Jonna

  • Hallo,

    Natürlich weiß ich das man am besten keinen Alkohol trinken sollte. Aber so ab und zu... Sowie Jonna das auch hält finde ich ok.

    Ich hab mir gestern Abend noch einen leckeren Tee gemacht und bin dann sanft eingeschlafen.

    Schlaf und Ruhe ist wahrscheinlich doch das beste..

  • Liebe Sassenach,

    das kenne ich auch, obwohl meine Krebserkrankungen im letzten Jahr war und ich außer drei Ops und Bestrahlung (Brust) auch nichts hatte. Das seltsame ist, dass ich solche Tage erst habe, seit ich wieder voll im Berufsleben stehe und in einem Großraumbüro sitze.

    Mit ist alles zu laut, die Gespräche zu oberflächlich, ich merke, meine Wahrnehmung hat sich geändert, meine Seel auch. Ich brauche viel mehr Ruhe.

    Ich habe es jetzt grade wieder ganz doll, konnte mich kaum noch aufraffen, war ständig den Tränen nahe.

    Ich habe mich jetzt eine Woche krankschreiben lassen, schlafe viel und lese.

    Meine Gynäkologin meinte auch, dass das völlig normal sei, denn eine Krebserkrankung sei ein Trauma, das man erst einmal verarbeiten muß, das kann dauern.

    Und für die anderen gilt man ja als "gesund", die können das schwer verstehen, das macht es nicht leichter. "Du musst das vergessen und hinter Dir lassen, nach vorne schauen ...", ist einer dieser sinnetleerten Sprüche, die ich so kriege von Menschen, die gar nicht wissen, was wir so alles durchmachen.

    Dabei geht es darum gar nicht, ich bin einfach schneller kaputt, nicht nur körperlich, auch seelisch. Ich brauche Ruhe und Ruhe, und wenn ich darauf nicht höre, dann falle ich in ein tiefes Loch und möchte mich einfach nur verstecken.

    Ich habe in einem anderen Thread geschrieben, dass ich mich manchmal fühle, als sei ich unvorbereitet von einem Laster überrollt worden, ich habe überlebt, aber in meinen Träumen taucht der Laster immer mal wieder auf. Das ist das Trauma, dann kriege ich Angst, mit geht es nicht gut, ich fühle mich schlapp und antriebslos.

    Lass Dich mal drücken.

    Milli

  • Liebe Sassenach!

    Hatte auch wiederholt Tage, an denen meine Psyche Achterbahn fuhr; vor allem bergab. Es war grausam. Gott sei Dank gehen sie vorbei. Das ist bei mir wie die schlimmen Tage nach der Chemo waren; auf einmal legt sich der Schalter um, und man erkennt sich selbst wieder. Ich habe mich an dem Gedanken festgehalten: es wird vorbeigehen. Und das hat es immer wieder getan :)

    Liebe Milli!

    Ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich stehe seit April wieder im Beruf, und es ist viel anstrengender, als ich es gedacht hatte. Außer den kurzen Haaren sieht man mir nichts an, und alle beteuern mir, wie gut ich aussehe. Aber mein Empfinden ist ein ganz anderes. Ich halte mich weitgehend zurück, weil ich nicht ständig bemitleidet werden möchte. Und dass sich KollegInnen über Kinkerlitzchen aufregen, versuche ich zu ignorieren; mit mehr oder weniger Erfolg ;)

    Ich wünsche Dir gute Erholung im jetztigen Krankenstand und möchte Dich ermutigen, ihn noch auszudehnen, wenn Du das Gefühl hast, es ist alles noch zu viel und zu anstrengend. Ich wünsche Dir auch, dass der Laster, der Dich wieder und wieder überrollen will, wegbleibt! Sollte er das nicht tun, rate ich Dir, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir haben genug durchgemacht; wir brauchen unseren erholsamen Schlaf ;)

    Nach meinen OP´s und während der Chemos hatte ich öfters das Bild vor Augen, ich wurde von einer Lawine überrollt, und jetzt muss ich schauen, wie mein zerschundener Körper sich wieder zusammenfügt. Er ist immer noch am ausheilen, aber die Lawine verfolgt mich Gott sei Dank nicht weiter.

    Wünsche Euch ganz viel Kraft und Mut! Es ist zu schaffen :thumbup:

    Marie Louise