Liebe Katara ,
der Krebs ist ein extrem mieser Verräter. Es tut mir leid, dass es dich nun auch erwischt hat. Du bist noch so jung!
Die erste Zeit nach der Diagnose ist für uns alle sicherlich die schwierigste gewesen.
Du fragst, was uns geholfen hat. Ich schreibe dir mal meine meine Bemühungen auf:
1. Ich habe Unmengen von Steinen in den Rhein geworfen und mit ihnen Herr K. (So nenne ich den Mistkerl, der bereits seit 21 Jahren meinen Körper besetzt hält, aber zum Glück nicht (immer) meine Psyche).
2. Ich habe sehr viel über Brustkrebs gelesen, online, aber die Überlebensprognosen ganz schnell ignoriert. Denn: Jede von uns ist ein Individuum und somit verläuft die Tumorerkrankung bei jeder von uns anders. Und so gesehen, habe ich schon mehrere Überlebensstatistiken gesprengt.
3. Ich habe mich ziemlich schnell für eine psychoonkolgische Therapie entschieden um dort über meine Ängste und körperlichen Veränderungen durch OP und Medikation zu sprechen.
4. Ich habe versucht trotz der Erkrankung zu denken: "Das Glas ist halbvoll" und eben nicht "Das Glas ist halb leer".
5. Ich habe meine entstehenden Depressionen mit nicht abhängig machenden Antidepressiva behandelt und nehme sie bis heute.
6. Ich habe immer mit Blick auf die Jahreszeiten gelebt, ganz besonders nach dem extrem aggressiven Angiosarkom. Das heißt ich sagte mir: Jetzt hast du den Frühling erlebt, also wird der Sommer folgen. Ich habe mir also immer gewünscht die nächste Jahreszeit erleben zu dürfen.
7. Ich habe mich (bei wem auch immer) dafür bedankt, dass ich noch lebe und sozusagen Demut entwickelt.
8. Ich bin viel spazieren gegangen und habe die Schönheit der Natur wahrgenommen und darüber staunen können.
9. Heute gehöre ich zu den Frauen mit Metastasen, aber ich gehe weiterhin in mein Sportstudio, ich nehme meine Erschöpfung (Fatigue) an, ruhe mich nachmittags aus, damit ich später wieder fitter bin.
7. Ich habe in den drei Anschlussheilbehandlung jedes Mal einen Torso aus Speckstein gestaltet, der sozusagen alle körperlichen Veränderungen dokumentierte. Und durch Zeichnungen mit Aquarellfarben habe ich meine Gemütsverfassung wiedergegeben.
Zuhause habe ich mich dann um eine Kunsttherapie gekümmert.
8. Als ich körperlich wieder fit war, habe ich wieder gearbeitet. Durch die nachfolgenden Tumorerkrankungen musste ich leider mein Stundenkontingent reduzieren - bis zur Berentung konnte ich leider nur noch auf einer halben Stelle arbeiten.
Das sind also meine Strategien gewesen. Und ganz wichtig war für mich immer der Austausch in Foren für Krebserkrankte. Speziell der Austausch hier hat mir immer Kraft gegeben.
Ich wünsche dir, dass du deinen Weg finden wirst. Leider müssen wir akzeptieren, dass unser Leben nie mehr so sein wird, wie vor der Krebserkrankung.
Einen guten Austausch hier wünscht dir
Angie
Angie