Jetzt bin ich krank!

  • Hallo an Alle,


    ich hatte am vergangenen Donnerstag meine erste OP (Entfernung Wächter und einsetzen des Port). Am Freitag wurde ich gleich früh aus dem Krankenhaus entlassen. Da interessiert es offensichtlich nicht, ob man sich selbständig waschen oder gar an- bzw. ausziehen kann. Okay, ich gebe ja zu, ich war froh nach Hause zu kommen - doch im nachhinein muss ich sagen: ein Tag länger im Krankenhaus wäre besser gewesen. Man traut sich einfach zu viel zu. :huh:


    Jetzt merke ich das ich krank bin. Beide Arme kann ich nicht optimal bewegen, ist halt nach der OP auch normal und ich bin schneller schlapp. Ich bin jetzt eben krank X( . Und langsam werde ich auch zur Heulsuse. Immer wieder schießen mir die Tränen in die Augen, auch wenn es gar nicht um den Krebs geht.
    Da nun bald meine Chemo beginnt (am Montag habe ich den ersten Termin bei der Onkologin, aber bestimmt erstmal Vorgespräch) war ich gestern beim Friseur und habe meine kurzen Haare auf ganz ganz sehr kurz schneiden lassen. Sehe ich jetzt komisch aus ?( Mein Mann meinte ich sehe aus wie ein Lausbub ^^ ; tja wem's gefällt. Und am Freitag habe ich ein "Fotoshooting" gebucht. Die Idee hatte mein Sohn: Mutti mach' doch eine professionelle Fotostrecke: vor - mittendrin - nach der Chemo. Und wenn ich dann eine Glatze habe, wollen er und mein Mann sich auch eine schneiden/rasieren lassen. Kann man dies verhindern? Jetzt bin ich erstmal am überlegen, welche Klamotten ich mitnehme. Ja, ja ich weiß - Luxusprobleme.


    Allen, denen es momentan auch nicht so toll geht: Kopf hoch - wir schaffen das ALLE! Denn: Immer wieder geht die Sonne auf!


    Danke für's zuhören. Running Queen

    Habe keine Angst etwas Neues anzufangen!
    Denke immer daran: Amateure haben die Arche gebaut und Profis die Titanic.

    Einmal editiert, zuletzt von Saphira () aus folgendem Grund: Überflüssige Zeilenschaltungen entfernt.

  • Hallo Running Queen,


    ich empfinde deine Gefühlswelt als ganz normal. Ich hab genau das gleiche durchgemacht. Und auch nach der vierten Chemo kommen mir oft genug die Tränen, auch wenn es nichts mit der Erkrankung zu tun hat. Ich versuche es dann anzunehmen. Gelingt mir nicht immer, aber immer öfter. Ich habe mir zu Hause die Haare von meinem Partner abrasieren lassen. War komisch, aber dadurch das er es gemacht hat, war es ok. So haben wir beide gelitten... ^^ . Auch er und meine Schwester waren am überlegen ob sie sich die Haare abrasieren, aber das haben sie dann gott sei dank doch nicht gemacht. Man sagt mir nach, dass ich eine schöne Kopfform ohne Haare hätte....naja, wenn se meinen... :rolleyes:


    Auch ich hatte arge Probleme mit meinen Armen nach der OP. Auf einem Mittwoch Port legen und zwei Tage später OP. Das dauert seine Zeit. Ich hab zwischendurch immer mal die Narbe beim Port etwas langgezogen und bewegt, damit sie nicht festwächst. Den Tip hatte mir meine Physiotherapeutin gegeben.


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die erste Chemo. Du schaffst das. Und die Haare deiner Männer sollten ruhig auf deren Köpfen bleiben. ;)


    LG

  • Hallo Running Queen,
    wir können ja einen Heulsusen-Club aufmachen. Ich hab in der Zeit nach der Diagnose Anfang Januar auch mehr geheult, als in den 48 Jahren vorher. Kommt mir zumindest so vor!! Ich kann nicht mal mehr die Waltons gucken, ohne dass mir die Tränen kommen. ;( Aber vielleicht ist das auch ein Teil meiner Persönlichkeit, der nie leben durfte und ich versuche jetzt, ihn zu integrieren.---und zu kontrollieren. LG, bellydancer

  • ja, alles normal, diese Gefühlsausbrüche haben (gehabt) in verschiedenen Variationen sicher alle. Man kann mit der Diagnose Krebs nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, eine Zeitlang geht das, dann erwischt es einen aber wieder...und man braucht dazu gar nicht mal an Krebs gedacht zu haben - man wird dünnhäutiger! Und alles braucht Zeit...


    Fotoshooting, prima :thumbup: . Und deine Männer mit Glatze willst du nicht? Ich stelle mir zwar auch vor, dass sie vielleicht mit Haaren besser aussehen, ,aber ich sehe auch ihre Solidarität. Vielleicht ist es für sie auch sehr wichtig, symbolisch zu zeigen, dass sie deine Last mittragen? Angehörige sind doch so oft so hilflos uns gegenüber und vielleicht haben sie dann das Gefühl was tun zu können?
    Ist halt sone Überlegung, aber wenn du sie dir gar nicht gut haarlos vorstellen kannst/magst, drücke ich dir die Daumen, dass du sie vom "enthaaren" abhalten kannst... :)


    Alles Liebe, viel Kraft
    und Sonne im Herzen,
    Wölfin :hug:

    Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

    (Buddha, Siddhartha Gautama, ca. 563-483 v.Chr.)

  • Hallo Running Queen!


    Das ist überhaupt nicht schlimm, wenn Du heulen musst. Lass es raus!
    Ich konnte nicht heulen, hatte immer innerlichen Druck, kam aber nichts.
    Besser so!


    Du schaffst das auch mit der Chemo. Ist ganz normal, dass Du Angst hast.


    Dass Deine Männer sich auch eine Glatze schneiden lassen wollen,
    ist doch Solidarität mit Dir. Aber wenn Du das nicht willst, sage es ihnen.


    Du kannst du auch hier ausweinen und wirst getröstet werden.


    Viel Kraft für die Chemo!


    Liebe Grüße


    Reigenlilie

  • Ich sage mir immer,alles raus was keine Miete zahlt, weinen gehört dazu, das habe ich auf meiner reha gelernt. Gefühle und auch schwäche, schwach sein, nie wieder ganz die alte sein, keine 100%mehr geben können zulassen. Sich an dem erfreuen was geht und auch schwäche zeigen können. Man ist nach so einer Krankheit nicht mehr dieselbe. Wir sind Menschen die etwas furchtbares erlebt haben, durchmachen mussten. Wir waren so lange stark, wir dürfen auch mal weinen!!!!


    Ganz liebe grüße


    Sally

    Aus der Liebe wächst die größte Kraft :love:

  • Hallo Running Queen,


    wahrscheinlich ist es wirklich so, dass die Diagnose erst dann zu einem durchdringt, wenn tatsächlich die ersten Therapieschritte eingeleitet sind.


    Da die Diagnose und auch die anstehenden Therapien große Anspannung auslösen, reagieren wir wohl auf alles Emotionale sensibler als wir das normalerweise kennen. Mir ging es so wie vielen hier: ich hab nach der Diagnose und während der Therapien auch oft geweint. Manchmal um meine Gesundheit, manchmal wegen Traurigkeit, manchmal wegen aus Wut oder eben auch, weil ich einfach "gerührt" war. Irgendwie kam ich mir manchmal vor wie ein Springbrunnen, der auf Knopfdruck Wasser produziert ;( . Besser wurde es erst, als ich so langsam mein Gleichgewicht wiedergefunden und mich in mein Leben nach Krebs zurückgewurschtelt habe.


    Also heule einfach, wenn es Dir danach ist - Du bist in bester Gesellschaft :)


    Ansonsten wünsche ich Dir, dass sich die Unannehmlichkeiten und Schmerzen, die noch von der OP kommen, bald legen und dass Du bei Deinem Vorgespräch auf eine verständnisvolle Ärtzin triffst, die Dir die Therapie und alles, was Du möglicherweise wissen möchtest, gut erklären kann.


    Viele Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

  • Liebe Running Queen,


    ich glaub das mit dem verheult sein kennt hier jeder. Mach dir nix draus - das geht vorbei.


    Ich kann dir aus eigener Erfahrung versichern auch die Schmerzen lassen nach - am Schlimmsten fand ich die Schmerzen nach dem Einsetzen des Port. Das ist bei mir jetzt 4 Wochen her - die erste Woche mit dem Port empfand ich als die Hölle - aber gestern war ich zum ersten mal ganz beim Badminton - ich hab zwar recht "vorsichtig" gespielt - aber das ging ohne Schmerzen und Probleme. Auch die Kondition kommt zurück. Wenn man zu Hause ist, dann ist man halt einfach automatisch aktiver als im Krankenhaus - da merkt man halt schon, das das Ausruhen gut tut.


    Ich hab heute die 4 von 12 Chemos gehabt - ich hab mir das alles viel viel schlimmer vorgestellt als es ist. Klar da reagiert jeder anders und es kommt auch drauf an, was für Medikamente man bekommt. Aus deinem Nickname schliesse ich, dass du vor deiner Erkrankung sportlich aktiv warst - man muss das Level schon ein bisschen runterschrauben, aber man kann durchaus sportliche Aktivitäten machen - es tut gut und ich glaube es hilft das alles besser durchzustehen.


    Die Idee mit den Fotos und auch den Vorschlag deiner Männer aus Solidarität " oben ohne" zu tragen find ich total find ich total Klasse. Ich würd sie machen lassen - nur wenn es dich richtig stört, dann sag es einfach - dass sie lassen sollen, weil das dein Wunsch ist - das wird bestimmt akzeptiert.


    Und num zum Schluss: Hab keine Angst vor der Chemo - wenn dir nach Heulen ist, dann heul - und denk dran: es wird alles wieder gut.


    :hug:
    Kaktus

    "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas schönes bauen."

  • Hallo Running Queen,


    was du beschreibst mit "jetzt bin ich krank" kenne ich nur zu gut. Im Krankenhaus selbst hatte ich das nicht so empfunden, ICH bin doch nicht krank, ich bin halt hier weil ich operiert wurde. Zu Hause sah das allerdings wesentlich anders aus. Vor allem als meine Mutter nach der Port OP da war und mich betütelt hat - was ich natürlich auch genossen habe - DA war ich krank. Da war ich träge. Da hatte ich Schmerzen. Da hab ich gejammert. Da durfte ich krank sein. Als sie weg war war das rum. Da musste ich mich wieder selbst am Schopfe packen und mir sagen ich bin doch nicht mehr krank, es wurde alles rausoperiert.


    Als Luxusproblem sehe ich das nicht, schließlich hat niemand mit so einer Last zu kämpfen wie du gerade. Du darfst krank sein (aber nicht zu sehr ;-) ), du darfst grundlos heulen. Du darfst grad alles und brauchst dir kein schlechtes Gewissen deswegen machen.


    Ich hoffe deine anstehende Chemotherapie verträgst du gut und die Zeit vergeht wie im Flug - auch wenn man's anfangs nicht glaubt.


    Viele Grüße
    inebine