Wie sage ich es meinem Kind?

  • Liebe Rheinkies ,


    denke, du wirst wissen wann der richtige Zeitpunkt für so ein Gespräch ist.

    Es gibt Bücher zu dem Thema, vielleicht findest du eins, was für euch passt.

  • Rheinkies von deinen Hirnmetas hatte ich noch gar nichts mitbekommen.:rolleyes: Das tut mir sehr leid.

    Sich das Hospiz erst mal unter "normalen Umständen", wo die Mama wieder mit nach Hause kommt anzuschauen hört sich für mich tröstlich an. Und sogar noch mit den Alpakas. Mach das nach deinem Gefühl!! :hug:

    Ich schulde meinem Leben noch Träume und meinen Träumen Leben!

  • Ihr lieben Vielen,


    Ich habe alle eure Beiträge gelesen und sie helfen mir alle! Im Moment mag ich nur nicht auf jede einzelne eingehen, ich denke das ist aber ok für euch. Ich werde es tatsächlich nach meinem bzw. unserem Bauchgefühl machen (der Papa ist ja auch da und entscheidet natürlich mit 😊).

  • Hallo Rheinkies


    Hut ab für deine tolle Haltung und deine klaren Gedanken! Ich selber bin "normale" Erzieherin in einem Kindergarten und würde an deiner Stelle auch das Angebot des Hospizes annehmen. Deine Tochter scheint für ihr Alter viel zu verstehen. Sie haben bestimmt andere Arten und Sprechweisen, um einem Kind das ganze kindlicher näher zu bringen. Vielleicht gibt's ja auch irgendwie Gesprächskreise in deiner Nähe für Kinder?


    Ich wünsche euch von Herzen alles Gute! Ihr scheint eine tolle Familie zu sein! Das ist das wichtigste!

  • Rheinkies

    Liebe Andrea, ich bin froh, dass dir unsere Gedanken und Reflexionen weiterhelfen!

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du nicht jeder einzelnen antwortest. Mit Sicherheit geht es den anderen auch so.

    Mir fehlt im Moment auch oft die Kraft , hier so viel zu schreiben.

    Kraft einteilen und Prioritäten setzen- das lerne ich im Moment anders und neu. Bewusster.

    Gut, dass es deinen Mann gibt, der die Situation mit trägt!

    Mir ist bei dem einen Beitrag von Debo30 nochmal klarer geworden, um wieviel anspruchsvoller die metastasierte Situation ist. Ob es nun die medizinische Ebene betrifft oder die soziale....Ich ziehe meinen Hut vor eurer Stärke im Umgang damit. Allein mit dem Kontrollverlust umzugehen, mit der Unberechenbarkeit der Situation.

    Jetzt fehlen mir die Worte! ....

    Meine Jüngste sagte gestern: Mama, ich bin durch das alles auch stärker geworden!

    Ja, da hat sie Recht!

    Und das kann genau dann passieren, wenn eine offene angemessene Auseinandersetzung mit den Kindern stattfindet.

    Herzlich

    Amanda

  • Liebe Rheinkies, ich habe keine Metastasen aber den größten Respekt vor Dir! Seinen Kindern so etwas beizubringen ist alles andere als einfach, mir hat es damals das Herz zerrissen meinen Kindern zu erklären das ich Krebs habe.

    Wann du das Thema sterben ansprechen solltest, kann ich dir nicht sagen, ich denke das ist auch sehr individuell. Jedes Kind ist anders und jede Erkrankung ja auch. Was ich aber für absolut richtig halte ist deine Ehrlichkeit gegenüber deiner Tochter, denn Ehrlichkeit gibt Sicherheit, und Sicherheit nimmt Angst!

    Natürlich kindgerecht aber du bist Mutter das muss man dir nicht sagen.

    Ich denk das du das mit dem Hospiz im Rücken gut schaffen wirst den richtigen Zeitpunkt zu finden.

    Ich wünsche dir von Herzen noch viel viel Zeit mit deiner Tochter und alles Gute!


    LG Kleene

  • Hallo,


    Ich wollte euch berichten, dass unsere Tochter die Frage gelöst hat, indem sie mich gefragt hat. Wir haben in der Nachbarschaft eine Mutter, die an Gebärmutterhalskrebs gestorben ist. Mit dem Sohn kommt unsere Tochter jetzt bald in eine Klasse (er ist dann in der zweiten, klassenübergreifendes Lernen). Ich habe es ihr gesagt wie es ist, dass ich an Krebs sterben werde, aber nicht weiß wann. Sie hat dann sofort das Thema gewechselt.


    Heute habe ich es nochmal angesprochen, und ihr erklärt, dass ich nicht einfach plötzlich weg bin, sondern, dass es ein Prozess ist. Und dass es mir im Moment gut geht. Und habe ihr meine Gefühle geschildert (dass ich traurig bin).


    Ich glaube es braucht Zeit das Ganze zu verarbeiten.


    Ich habe ihr gesagt, dass ich immer mal wieder davon reden werde. Weil ich es wichtig finde, dass sie nicht alles mit sich alleine ausmacht. Und dass ich immer mal wieder von mir erzähle, wie ich mich fühle. Dass ihr das vielleicht auch hilft ihre Gefühle zu verstehen und zu äußern.


    Ich habe gerade eine Fledemaus als Krafttier geschenkt bekommen. Ich habe sie gefragt , was sie glaubt was nach dem Tod passiert. Sie glaubt, dass wir als Tier wiedergeboren werden. Da habe ich gesagt vielleicht werde ich ja eine Fledermaus. Dann kann ich euch bewachen, wenn ich uns Haus fliege. (Wir haben ein paar Fledermäuse, die regelmäßig bei uns „speisen“.)


    Nun möchte sie auch ein Krafttier haben 😊


    Ich bin sehr froh, dass der Anfang gemacht ist. Den Rest ergibt die Zeit. Man wird wahrscheinlich nicht alles richtig machen, aber es ist besser als wenn man gar nichts sagt.


    Jetzt steht erst einmal der Alpaka-Hospiz-Besuch an. 😊


    Nochmal danke für euer vielfältiges Input, es hat mir sehr geholfen.

  • Rheinkies … ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie furchtbar der Gedanke für dich sein muss , deine Tochter irgendwann verlassen zu müssen und wie schwer es für dich sein muss sie darauf vorzubereiten.

    Ich kann mir nur wenige Dinge vorstellen, die mich mehr verzweifeln lassen würden.

    Ich habe in den vielen Jahren in denen ich mit Eltern und Kindern zusammen gearbeitet habe immer wieder feststellen können, dass die meisten Eltern die fähigsten Spezialisten für ihre eigenen Kinder sind und ich bin mit sicher, dass du den genau richtigen Weg gehst, für deine Tochter.

    Ich bin mir sicher, dass du nicht wirklich etwas falsch machen wirst.

    Vielleicht fallen dir beim reflektieren einiger Situationen oder Unterhaltungen im Nachhinein Dinge auf oder ein, die du anders, vermeintlich besser äußern würdest, aber das würde ich als Außenstehende und ja auch als jemand der etwas geschult mit diesen Dingen ist, nicht hoch bewerten.

    Im Nachhinein könnten wir immer alles irgendwie besser und gerade in deinem Fall hast du weder ein Handbuch, noch Erfahrungen oder Vorbilder, an denen du dich orientieren könntest . Eure Situation ist so selten und individuell, da kannst du nur deiner Empathie und deinem Gefühl folgen.

    Du hast hier mehrfach gezeigt, dass du beides hast und dazu kommt noch deine unfassbare Stärke.

    Ich finde es sehr tröstlich und wichtig, dass du deiner Tochter die Möglichkeit gibst, sich vorzubereiten und dass ihr nicht die Möglichkeit verstreichen lasst euch zu verabschieden, Dinge an- und auszusprechen, ehrlich zu sein.

    Auch wird es dein Mann sicherlich leichter haben, wenn deine Tochter traurig und verzweifelt sein wird, aber nicht verbittert oder enttäuscht. Sie wird leiden aber du gibst ihr die Chance, dass sie irgendwann diesen Schicksalsschlag annehmen kann, weil sie nicht angelogen wurde und kein Vertrauen verlieren muss.

    Ich übermittelt manchmal auch Todesnachrichten, meist nach Unfällen, Suiziden oder nach anderen Umständen, die aber alle überwiegend unverhofft und plötzlich passiert sind.

    Das sich nicht verabschieden oder sich darauf vorbereiten zu können, lässt viele Angehörige verzweifeln.

    Was euch allen bevorsteht ist einfach schrecklich und ungerecht.

    Aber, dass du so stark und voller Liebe bist, euch alle darauf vorzubereiten finde ich tröstlich und ich habe den größten Respekt davor.

    Ich wünsche dir viel Kraft und sei nicht so streng mit dir, wenn du vielleicht denkst, das war jetzt nicht so glücklich.

    Deine Liebe und, dass du überhaupt diese Gespräche zulässt sind die Dinge, die zählen und wofür dir deine Tochter dir irgendwann einmal sehr dankbar sein wird.

  • Liebe Rheinkies

    Deine liebevolle Erziehung und Beziehung zu deiner Tochter hat in ihr eine elementare Urkraft wachsen lassen, die es ihr erlauben wird, mit deinem Tod fertig zu werden. Sie hat diese Resilienz in sich, dank dir. Sie wird ihren Weg gehen und sie wird ihn gut gehen. Ich habe so viele junge Menschen begleitet, sie sind heute lebensfroh und sind nicht am Tod eines Elternteils zerbrochen. Das ist mir ein grosses Anliegen, dass du das weisst.

    LG, Viviane

  • Liebe @Viviane1968


    Danke, dass du mir das sagst. Das hilft mir sehr!


    Es ist tatsächlich meine große Angst, dass sie es nicht packt. Aber ich kann ihr dabei nicht helfen. Das müssen sie und ihr Papa alleine schaffen.


    Ich fange auch an daran zu glauben, dass sie es packen. Mein Mann ist zwar immer noch überfordert- aber wer ist das nicht im Moment bei uns? Aber er kann seine Gefühle ausleben - auch Wut. Das ging lange nicht. Er kann sie reflektieren und die Gründe im Nachinein analysieren. Das ist eine ganz wertvolle Ressource!


    Außerdem gibt es ja noch, Oma, Freunde, Tanten, Onkel, die auch alle da sind und helfen werden.


    Es tut trotzdem so verdammt weh!

  • Liebe Rheinkies


    Ich drücke dich jetzt ganz fest und halte dich in deinem Schmerz. Ich bin auch Mutter und weiß genau, was du durchmachst, da meine Prognose vor drei Jahren einstellig war und wir Kinder haben. Deine ganze Familie wird deine Tochter umsorgen und behüten und vergiss nicht, du lebst in ihr weiter, die Hälfte deiner DNA ist sie, ihr seid zusammen aus meiner naturwissenschaftlichen Sicht. Sie wird Halt finden in deiner großen Familie, später vielleicht im Glauben, und ganz bestimmt in sich selbst, da du sie mit Liebe aufgezogen hast, die zu dieser inneren Stärke führt, von der ich gesprochen habe.

    Kennst du das Buch 999 Frag... an mi.h?

    LG , Viviane

  • Ich möchte euch gern die Rückmeldung geben, dass es eine gute Entscheidung war, unsere Tochter jetzt schon „ins Boot“ zu holen. Sie hat jetzt - genauso wie wir - die Möglichkeit sich mit dem Sterben und dem Tod auseinander zu setzen. Im Moment überlegen wir vor allem, wie wohl das Leben nach dem Tod aussieht.


    Aktuell ist: die Hälfte meiner Seele wird mein Krafttier, die Fledermaus 🦇 und flattert abends um unser Haus. Die andere Hälfte ist überall - so kann ich immer dabei sein. 💕


    Freitag gehen wir uns zusammen das Hospiz - und natürlich die Alpakas - anschauen. Auch wenn ich es hoffentlich noch nicht so schnell benötige: wer weiß was die nächsten Monate passiert. Die Corona Zahlen steigen ja wieder. Wenn es euch interessiert, dann werde ich weiter berichten.

  • Liebe Rheinkies,


    Auch ich finde es bewundernswert, wie Du an alles herangehst.

    Das mit Deinem Kind ist natürlich eine der größten Herausforderungen und ich ziehe meinen Hut vor Dir und Deinem Mann.

    Bitte berichte weiter, wenn Du das möchtest.

    Auch aus Deinem Weg und Deinem Verhalten kann ich viel für mich mitnehmen.

    Ich danke dir herzlich dafür.


    Brauche es eigentlich nicht zu erwähnen: Dir und Deiner tollen Familie von Herzen das Allerbeste.


    Zimtmaus