Jule39 - Ohnmacht - woher nehmt ihr die Kraft

  • Ich halte das nicht mehr aus.

    Diese Ohnmacht gegenüber der Erkrankung.

    Dieses Gefühl das alles so sinnlos ist und diese schrecklichen Gefühle der Todesangst.

    Dieser Vertrauensverlust in den Körper und nicht zu wissen was in ihm vorgeht .

    Und dieser komplette Verlust von Leichtigkeit. Das ist kein Leben mehr . Jeden Tag nur zu denken das man bald sterben wird obwohl es ja kein Arzt gesagt hat.Aber im Kopf ist es so präsent .

    Und überall im Internet diese schlimmen Prognosen,Statistiken,Überlebensraten ect.... Es macht mich so verrückt .

    Manche sind so fröhlich hier im Forum ,können trotz der Erkrankung vieles genießen .Wo nehmt ihr diese Kraft her und die Zuversicht? Wie schafft ihr das?

  • Liebe Jule39 , wie schafft man das?

    auch wenn das jetzt hart klingt, du hast immer eine Wahl. Die erste und wichtigste Entscheidung ist die FÜR oder GEGEN das eigene Leben.


    entscheidest du dich dafür, hast du einen sehr wichtigen Schritt getan. Dann, und erst dann, kannst du überlegen, wie du weitergehst.


    du hast jeden Morgen die Wahl, was gutes für dich zu tun. Egal was, ein Bad nehmen, einen Termin beim Friseur machen, schöne Blumen kaufen und Dich daran erfreuen.

    Du kannst dir Unterstützung organisieren, eine Hilfe kann das Forum sein. Freunde, Verwandte, Organisationen, psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen...


    das nutzt aber alles nichts, wenn du dich gegen das Leben entscheidest oder dich in Depression fallen lässt und gar nichts mehr machst.

    Was willst du?


    ganz liebevolle Grüße :hug:

  • Hallo Jule39 ,


    Ich habe zwar keinen Brustkrebs, aber ich möchte dir trotzdem ein paar hoffentlich tröstende Worte da lassen.
    meine Prognose ist eher schlecht. Prozentzahlen will mir keiner nennen, ich halte das auch für wenig sinnvoll. Genau wie googeln das schlimmste ist, was du tun kannst. Die Daten sind teils sehr veraltet, außerdem ist jede Situation so anders, abhängig von so vielen einzelnen Faktoren, dass deine Ärzte am besten darüber Bescheid wissen. Und wenn die dir so eine gute Prognose geben dann Versuch darauf zu vertrauen.

    Hast du dir professionelle Hilfe geholt? Du hast Anspruch auf eine Psychologin. Am besten du sprichst es in deiner Klinik einmal an.


    Meine Diagnose kam auch wie ein Schlag. Das geht wohl leider jedem so. Ich habe so viel geweint und Panik bekommen, ich war wochenlang nicht mehr zu gebrauchen. Diese Phase ist bewältigt und ich kann neuen Mut fassen.
    setze dir schöne Ziele... du hast schon so viel geschafft.

  • Hallo Jule39 ,

    ich kann dir nur den guten Rat geben nicht zu googeln.

    Das es hier so viele positive Frauen gibt ist doch toll, sie freuen sich, dass die leben! Rückschläge, Zweifel, Angst gehören dazu, doch dafür ist ja auch dieses Forum, dass man wieder auf die positive Seite gelangt. Du solltest auf gar keinen Fall den Kopf in den Sand stecken, es haben so viele geschafft, du schaffst das auch. Hast du niemanden um dich rum, der dir wieder Freude am Leben gibt, Mann, Kinder, Eltern, Freunde? Nimm die Hilfe an oder hol dir psychologische Hilfe.

    Liebe Grüße Michaela

  • Liebe SveniBanani ,

    ich habe von Anfang an eine Psychoonkologin in Anspruch genommen und seit kurzem eine Psychoonkologin.Leider hat bisher nichts geholfen.

    Seit gestern bekomme ich neue Antidepressiva ,da ich es sonst nur mit Tavor über den Tag schaffe.

    Ich wünschte mir ich hätte niemals gegoogelt,aber das ist zu spät und wie ich das alles aus meinem Kopf bekommen soll weiß ich nicht.

  • Liebe Jule39


    Ich glaube, wir alle kennen diese Ohnmacht und Angst vom Anfang.

    Krebs ist eine Diagnose, die viele unweigerlich mit Tod in Verbindung bringen. Das ist ja aber nicht so.

    Unsere hochtechnisiertes Leben mit Internet und Co. ist da tatsächlich nicht immer hilfreich. Viele Informationen machen eher Angst als dass sie helfen.


    Wie Du das alles wieder aus Deinem Kopf bekommst?

    Ich denke mit Übung.

    Und mit eigenen Erfahrungen, die ja durchaus hoffnungsvoll und positiv sein können - und sicher werden.


    Mein Motto: Nichts ist so schlecht/schlimm, als dass es nicht noch für irgendetwas gut ist.

    Wofür? Das muss jeder für sich raus finden.


    Mich hat die Diagnose demütiger dem Leben gegenüber gemacht.

    Optimistischer, liebevoller im Umgang mit den Menschen, die mir wichtig sind.


    Glaube und Vertrauen - das wünsche ich Dir!

  • Jule39 ,

    als ich schlimme Sachen gegoogelt oder gelesen oder gehört habe war oft das einzige was mir wirklich geholfen hat ein Gespräch mit meinem Prof. Er war der einzige, der mich beruhigen und wieder auf andere Gedanken bringen konnte. Ich vertraue ihm sehr und seine Meinung ist mir sehr wichtig.
    wer konnte dich bisher am meisten beruhigen? Denkst du ein offenes Arztgespräch wäre auch was für dich?
    egal was ich ihm gesagt habe, er konnte immer wieder gegensteuern und mir Hoffnung geben, wieder gesund zu werden...

  • Kiki_72 genau das hat die Diagnose auch mit mir gemacht ☺️
    mich hat es auch in gewisser Weise wach gemacht. Ich war etwas eingeschlafen und langweilig. Habe oft Verabredungen abgesagt, schöne Dinge sausen lassen und so weiter. Seit Diagnose mache ich einfach. Ich nehm Verabredungen wieder wahr und diese Floskel „ja ja wir müssen unbedingt mal wieder was machen“ gibt es nicht mehr... jetzt heißt es „ja lass uns direkt einen Termin finden“


    es hat also nicht nur schlechte Seiten gehabt... auch wenn es das beschissenste überhaupt ist, dieser scheiß Krebs 😕

  • Die erste Zeit nach der Diagnose ist die schlimmste. Wenn man noch nicht weiß, was da eigentlich in einem wuchert und wie es weiter geht.


    Das mit dem Googeln ist so eine Sache. Ich persönlich habe es als sehr informativ erlebt. Allerdings war ich auch vor der Diagnose schon mit der Internetrecherche vertraut und kann sinnvolle Informationen von solchen trennen, die nichts bringen. Ich hab mir alles an Wissen angelesen, das ich brauchte, Unnützes weg geschoben. Anschließend dann mit meinen Ärzten besprochen.


    Meine Diagnose war 2017 und seit mehr als zwei Jahren bin ich in der Nachsorge. Bisher war immer alles ok. Ob das so bleibt? Wer weiß das schon? Ebenso könnte ich morgen eine neue, andere Diagnose bekommen. Etwas anders schlimmes könnte passieren...


    Auch bei mir hat sich mit der Diagnose einiges verändert. Alles nehmen, wie es kommt, wann es kommt. Achtsamer sein, mehr Genießen.


    Von einem meiner Hunde habe ich mich trennen müssen. Jetzt habe ich wieder einen Halbstarken Labbi von 18 Monaten zu Hause. Der fordert mich nicht nur, sondern macht auch einfach nur Spaß. Zusammen haben wir neue Leute kennen gelernt, die heute einen Platz in meinem Leben haben.

  • Liebe Jule39 diese Statistiken sind nur mathematische Berechnungen von Fällen in der Vergangenheit, die haben mit uns in der Gegenwart gar nichts zu tun und sie sagen absolut nichts über unsere Zukunft aus. Es sind statistische Wahrscheinlichkeiten, die eigentlich gar nichts aussagen, weil sie das auch gar nicht können, die kennen Dich und deinen Krebs gar nicht, wie sollten sie dann etwas über deine Prognose sagen können? Ich habe auch gegoogelt und es nicht aus dem Kopf bekommen, vergiss es einfach, es sagt nichts über dich aus, lebe hier und jetzt, Du lebst und das musst Du jeden Tag nutzen. Niemand weiß, wie lange er lebt, uns ist es jetzt nur ganz bewusst vor Augen geführt worden, nutze es und gib Gas, mache schöne Dinge, nutze jeden Tag und über alles andere brauchst Du dir gar keinen Kopf zu machen, das bringt uns nicht weiter und niemand kann in die Zukunft sehen. Mir sagte ein Arzt, wie auch immer ihre Prognose vermeintlich aussieht, sie haben immer noch die Chance morgen vom Blitz getroffen zu werden, so wie alle anderen auch :hug:

    Lg Kessu

  • Liebe Kiki_72 ,

    in meinem Kopf ist das so eingebrannt mit Krebs-Tod . So viele sind an Krebs verstorben . 2 Großcousin,Oma,Opa ,ExSchwiegermutter , hier im Dorf 2 junge Frauen die ich gut kannte letztes Jahr ect.... Im Fernseh hört man nichts anderes mehr als der oder die erlag dem Krebsleiden.

    Wie soll man denn dann aus dem Kopf rausbekommen,das es nicht so sein muss?

  • Liebe Jule39 , jeder geht anders mit der Erkrankung um. Es kommt auch viel auf die innere Einstellung an. Ich wurde im Aufwachraum informiert, dass es bösartig ist. Was genau, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Mir wurde gesagt, dass Chemo und/oder Bestrahlung vom Krankenhaus koordiert werden würde. Punkt. Da lag ich erstmal. Meine erste Frage die ich mir stellte, uff, wie lange... Das war das erste und auch das letzte Mal. Ich hab niemanden danach gefragt. Es kann mir keiner beantworten. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich war ein fröhlicher Mensch und bin es immer noch. Sogar ein wenig mehr wie früher. Ist es mal stressig, dann mache ich es mir entspannter. Bockt mein Kind in der Klasse, dass ich betreue, gehe ich einfach mal in den Flur oder auf den Schulhof. Jagt ein Termin den nächsten, dann mache ich mir die Planung für das nächste Mal anders. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag mindestens einmal herzlich zu lachen. Das tut mir sehr gut. Einen Psycho-Onkologen hab ich bis heute nicht gesprochen. In der Reha hatte ich zwei Gruppentermine mit einer Psychologin. Und zwei zum Thema Schlafprobleme. Viele profitieren von einem Psychologen. Wenn Du so durch bist und Dich im Hamsterrad drehst, dann nimm bitte einen in Anspruch. Man ist schneller in einer Depression drin, als man gucken kann. Statistiken sind für den ... Mach doch der Statistik einen Strich durch die Rechnung. Lebe! Lese gute Bücher, informiere Dich über Deine Behandlungsmöglichkeiten, doch nicht über den Krebs selber. Das macht Dich nur fertig. Natürlich sterben auch viele, leider. Hier im Forum sind auch schon viele nicht mehr da. Das ist sehr traurig. Doch es gibt auch noch die andere Seite. So viele Frauen sind schon ganz lange hier! Das sind die Mutmacher! Ich hab mir gesagt, ich kann morgen die Tür rausgehen und ein Auto fährt mich um. Dann ist es auch vorbei. Lebe! Lache! Liebe!

    LG Jojo

  • Liebe Jule39 ja die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu sterben ist generell hoch, ist ja eine der häufigsten Todesarten. Vielleicht wirst Du irgendwann an Krebs sterben, vielleicht an etwas anderem. Ändert es etwas, woran wir sterben oder wann? Wir wissen es jetzt nicht, wenn man eine weit fortgeschrittene Krebserkrankungen hat, kann es irgendwann klar sein, dass man daran in absehbarer Zeit stirbt. An diesem Punkt bist Du aber nicht und es reicht völlig aus, sich erst dann damit zu befassen. Wie Viviane1968 immer sagt "Lebe das Leben und nicht die Krankheit ". Ich will diesem Mistviech nicht gönnen, mir den Tag zu vers..., also strecke dein Gesicht der Sonne entgegen und lebe 🌻

  • Liebe Jule39 ,

    auf die Schnelle konnte ich nicht finden, welche Krebsart du hast.

    Grundsätzlich gilt aber für alle Krebsarten, dass in google Einträge drinstehen, verfasst von klugen und dummen Laien bis zu Experten und dazu noch ganze alte sowie topaktuelle Meldungen. Der medizinische Fortschritt ist dabei nicht oder so gut wie nie berücksichtigt. Was drinsteht steht drin und wird nicht angepasst. Darum machen die meisten Suchergebnisse unnötig Angst. Seriöse und aktuelle Informationen findest du bei http://www.krebsinformationsdienst.de

    Und noch etwas: jeder kennt Menschen, die an verschiedenen Krebserkrankungen gestorben sind. Aber jeder kennt auch Menschen, die den Krebs besiegt haben.

    LG, Moni13

  • Du scheinst selektiv zu lesen unschuldig beobachten. Du siehst und scannst „ Tod“ und „Krebs“. Dadurch ziehst du dir das aktiv ins Gemüt.


    Der Schlüssel ist: mal in die andere Richtung zu schauen. Mutmachgeschichten zu lesen. Du bist nicht ausgeliefert. Wenn dir das nächste Mal „Tot“ einfällt, stehst du auf, drehst dich um und sagst laut und deutlich „ Leben“!


    immer wieder. Versuche es.

    Ich drück die Daumen

  • Liebe Jule39 !


    Natürlich ist die Diagnose Krebs ein Schock, v.a. wenn man überhaupt nicht damit gerechnet hat ( wie ich und mehrere Gynäkologen). Glücklicherweise bin ich nicht in Panik, sondern in Wut verfallen, und habe mir geschworen, dass "das Biest" mir nicht mein Leben zerstören soll. Meine erste Reaktion war der Kauf eines "verrückten" bunten Kleides und roter Stiefletten ( mit 69) .


    Was den Tod angeht, so hatte ich ohnehin schon vor der ersten OP ein Testament bei einem Notar gemacht und dann auch noch eine verbindliche Patientenverfügung ( in Ö : nach ärztlicher Beratung, beim Notar, für die Ärzte verpflichtend). Ich habe mir genau überlegt , was mir wichtig ist, was ich an Behandlungen akzeptiere und was nicht. Diese Verfügung gilt natürlich auch in anderen Fällen, z.B. nach einem Unfall.


    1986 bin ich wenig mitgenommen aus einem Unfall gekommen, das Auto hatte Totalschaden. Danach habe ich mir überlegt, was ich im Leben gerne unbedingt machen will, und das dann auch in Angriff genommen. Die Reisen waren schon in den nächsten Urlauben möglich, das Zweitstudium erst nach der Pensionierung. Ich habe daher nichts, dem ich als verpasste Chance nachtrauere, und kann mich auf das Jetzt konzentrieren. Ich habe mir vorgenommen, an jedem Tag etwas Schönes zu erleben- was zugegebenermaßen während der Chemo nicht immer einfach war, aber ich habe mich immer über meine Hamsterchen freuen können. Jetzt mache ich nur das, was ich will und was mir Freude bereitet- nette Menschen treffen, Kultur erleben, ein spannendes Buch lesen , in den Zirkus oder Tiergarten gehen usw.


    Wie lange bekommst Du schon Antidepressiva? In der Regel muss man sie einige Wochen lang nehmen, ehe die antidepressive Wirkung einsetzt.

    Ich wollte meine nach einer überstandenen Depression gerade absetzen, als ich die Krebsdiagnose bekam, jetzt nehme ich sie aber weiter.


    Alles Gute wünscht Dir Gerda