Krebs "light"

  • Milli

    Hallo liebe Milli,

    Vielen Dank für deinen Text..

    Deine gyn hat so recht... ich habe genau das nach der op gesagt...ca 2-3 Tage danach war das... ich fühle mich wie vergewaltigt...Mir haben sämtliche körperöffnungen weh getan... es fühlte sich einfach nicht mehr nach meinem Körper an....

    Schon erstaunlich,das mein eigenes Gefühl sogar von einer Gynäkologin, die es ja wissen muss, genau so gesehen wird.

    Vielen Dank für die "Umarmung " :)

    LG

  • Liebe Nicole1989 ,

    ich kann dich so gut verstehen....! Bei mir war eine Hysterektomie notwendig, ohne hätte ich nicht überlebt; mein Kopf weiß auch, dass ich keine andere Wahl hatte und froh sein kann, dass die Therapie angeschlagen hat und ich jetzt krebsfrei bin! Aber trotzdem hadere ich noch oft damit, dass ich kein zweites Kind bekommen konnte... Alle sagen immer, sei froh, dass du schon ein Kind hast, aber trotzdem kann den unerfüllbaren zweiten Kinderwunsch nicht unterdrücken und kann es auch schwer erklären.... Ich habe das Gefühl, überall nur noch Geschwisterkinder zu sehen und meinem Kind kann ich das nicht geben (bin selber mit mehreren Geschwistern aufgewachsen). Und dann immer die Frage: Hätte ich in jüngeren Jahren schon die Kinderplanung angehen sollen? Habe ich die Schwangerschaft und die ersten Monate mit meinem Kind genug genossen? Jetzt, wo ich sowas nie wieder erleben kann...

    Bitte haltet mich nicht für verrückt...

  • Oh Mann. Ich kann Euch alle so, so gut verstehen! Es war bei mir jetzt auch nicht die reine Freude mit der OP, und die Angst ist bei mir jetzt wirklich ständig im Hinterkopf, zumal diese Nachsorgen wirklich lachhaft sind (bisschen Ultraschall, "ach, da ist ja gar nichts mehr, haha"), aber ich war wenigstens mit dem Kinderthema durch. Krebs oder seine Vorstufen so früh wie Ihr zu haben, sollte gesetzlich verboten werden. :*

  • Spes13

    Du sagst es...hast du die zeit genügend genossen mit deinem einzigen kind... das sind dinge,da schießen mir so oft sie Tränen ein... unser ersten jahr(meinem kind und mir) war sehr schwierig... ich hätte heut gern so vieles anders gemacht... ich hab immer gesagt, beim zweiten....

    Hätte ich gewusst,dass mir die Chance genommen wird, hätte ich nie so lang gewartet...

    Also liebe Spes13 ich kann dich sehr gut verstehen...und fühle genauso....

    Lg

  • Nelli66

    Es ist eben Fluch und segen zugleich...

    Für den einen so,für den anderen so...

    Ich glaube, von "Vorstufe" kann man in meinem Fall nicht mehr reden.. wie auch immer man es nennen mag...

    Trotzdem danke,für deinen Zuspruch...

    Lg

  • Ihr Lieben, Milli , Nicole1989 , il Fiore , Spes13 , Summerinthecity

    - was Ihr alle durchmachen musstet und immer noch durchmacht, physisch und psychisch, hat mit „Krebs light“ meiner Meinung nach NICHTS zu tun.


    Allein diese Riesen OPs (habe Wertheim-Meigs gegoogelt und es kam mir das pure Grausen) waren definitiv keine kleinen Eingriffe.


    Ihr alle habt - wieder meine persönliche Meinung - allen Grund Eure Sorgen, Nöte, Ängste und Probleme im Forum kund zu tun und, vielleicht, dadurch ein klein bisschen Erleichterung zu erfahren.


    Ich glaube mit „Krebs light“ sind in diesem Thread diejenigen gemeint die relativ gut durchgekommen sind, vielleicht nur Vorstufen hatten, vielleicht „nur“ kleine OPs (wie z.B. BETs) ohne Chemo, oder eine Erhaltungstherapie bekommen ohne große Beeinträchtigungen - und denen es deshalb manchmal komisch vorkommt, sich hier auch neben Schwerstkranken Luft zu machen, vielleicht sogar deswegen ein schlechtes Gewissen bekommen, so nach dem Motto „ich habe gar kein Recht hier zu sein“.


    So wie gistela oder auch ich selbst.

    Ja, auch ich mit meinen vielen Metas und ganz bestimmt verkürzter Lebenserwartung zähle mich zu denen mit „Krebs light“.

    Ich hatte keine lange Krankheitsgeschichte, keine OP, keine Chemo, keine Bestrahlung, eine relativ schonende Erhaltungstherapie mit wenig Nebenwirkungen, keine kleinen Kinder, keine finanziellen Sorgen, eine gute Lebensqualität. Und eine pragmatische und eher optimistische Einstellung.

    Trotz allem ist mir meine Situation bewusst, dass es jederzeit anders sein kann und ich von „Krebs light“ zu „Krebs ganz schlimm“ kommen kann, und ich hab auch meine düsteren und traurigen Tage.

    Darum bin ich hier.

    Und natürlich für praktische Tipps und schon mal vorsorglich „einlesen“ in andere Therapien ...


    Ich hoffe Ihr versteht was ich sagen will und dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt.

    Uns allen alles Gute.

  • Summerinthecity , alle die so eine oder ähnliche OP durchmachen mussten, haben meine vollste Bewunderung, dass Ihr trotzdem das Leben irgendwie meistert.
    Verkürzte Scheide, unerfüllter Kinderwunsch, Angst dass es damit nicht erledigt ist, Angst die Vorsorge könnte nicht gründlich genug sein - das alles ist ein Riesen Packen !

  • Nicole1989 , bitte les nochmal was ich geschrieben habe.

    Es ist nicht „nur“ diese OP und es ist nicht „Krebs light“, finde ich.

    Und niemand weiß wie lang oder grausam der Weg bis zum Ende noch sein wird, das kann nicht das Kriterium sein, sonst dürften im Forum ja nur diejenigen schreiben, die quasi am Ende angelangt sind.

  • Curly 66

    Es geht um mein eigenes empfinden... ich habe das Gefühl dass die Gesellschaft bei Krebs immer den ganzen anhang erwartet,wie chemo und Bestrahlung... Ansonsten könnte man ja gar nicht davon reden ,dass man diese Krankheit hat... man ist nach der op für alle geheilt... aber dabei fängt dort oft erst alles an...für mich jedenfalls....

    Also, bitte nicht falsch verstehen... Mein empfinden,wie ich persönlich es wahrnehme...

  • KatzenMom 64

    Ich hatte selbst Gott sei dank nur eine Vorstufe. Körperlich geht es mir gut und wie Milli und Summerinthecity sagen, ich weiß nicht was die beiden durchmachen, ich glaube man kann sowas auch nicht erahnen.

    Mir macht es seelisch zu schaffen, dass die Schwester von meinem Freund eben diesen Krebs hatte und ich mehr schlechtes Gewissen ihr gegenüber empfinde.

    Das macht das für sie da sein nicht leichter.

  • Liebe KatzenMom 64 , auch ich danke Dir für Deine lieben Worte. Das tut sehr gut, denn viele denken, ach, Gebärmutter raus, nicht so schlimm.

    Wertheim-Meigs ist schon eine andere Nummer.

    Was heißt Bewunderung? Du hast doch auch Dein Päckchen zu tragen, das bewundere ich auch sehr. 😘

  • il Fiore , ein schlechtes Gewissen ist kein guter Ratgeber. Freu Dich, dass Du mit einem blauen Auge davongekommen bist und sei einfach für sie da.

    Ein schlechtes Gewissen trennt Dich nur von ihr und hilft ihr absolut nicht.

  • Ja Nicole1989 , durch Dich eigentlich habe ich mich gerade daran erinnert das ich 2003 eine Hysterektomie hatte....da war an Brustkrebs noch kein Gedanke...irgendwie hab ich jeden Gedanken an diese Geschichte bisher unter den Teppich gekehrt....jetzt isses wieder hochgeholt...hm,....ich hatte es irgendwie erfolgreich verdrängt. Ich denke,es ist für jede Frau hier,egal welche Diagnose,egal welche Einstufung,egal ob mit oder ohne Chemo oder Bestrahlung und egal ob eine,oder mehrere Operationen immer einfach schwer und nix mit light....ja,das denk ich

  • il Fiore , dann wäre es gut wenn Du zur Schwester Deines Freundes keine Platitüden sagst ... „ich kann es verstehen“ ... „ich kann mitempfinden“, sondern eher so was wie „ich versuche mir vorzustellen was du jetzt mitmachst, ich bin für dich da, du kannst dich jederzeit bei mir ausheulen ...“ und ihr ganz praktische Hilfe, z.B. im Haushalt anbietest, wenn es Dir möglich ist.

    (Aber das weißt Du sicherlich schon alles.)

    Und viele Besuche, ohne dass sie extra Arbeit damit hat, also Kuchen, Salate, Kasserollen usw mitbringen ... und einfach für sie da sein. Das müsste auch in Corona-Zeiten möglich sein.


    Ein schlechtes Gewissen ist absolut unangebracht, weder sie noch Du habt Euch die Erkrankung oder Schwere der Erkrankung ausgesucht.

    Es ist Schicksal, ihr hattet keinen Einfluss darauf.

    Ein schlechtes Gewissen sollte man nur haben für etwas das man selbst verursacht hatte.

  • Ich gehöre auch zu den "Glückskindern".

    Kleiner Minitumor (G1-2), keine befallenen Lymphknoten, keine Metastasen.

    Ich wurde minimalinvasiv operiert (Uterus und Ovarien komplett entfernt), keine Chemo, keine Bestrahlung.


    Das ist jetzt 2 3/4 Jahre her. Und ja ich finde schon, dass es irgendwie "Krebs light" war. Sehr früh entdeckt und eben viel Glück gehabt.

    Auf der anderen Seite wiederum sind die 5 Jahre noch nicht rum. Meine Nachsorge wurde schon dieses Jahr beendet. Abstrich gibt es auch keinen mehr obwohl mein Gyn im Januar noch sagte wie wichtig das wäre weil ja die Krebszellen mit der Menstruation die Vulva berührten und das so verteilen könnten.

    Die gutartigen Tumore in den Brüsten sind auch wie ein Damoklesschwert. Zur Zeit ist das aber eine unnötige OP. Corona geht zu Recht vor.

    Das ist schon ein sehr seltsames Gefühl.


    Dann habe ich erst vor 5 Wochen eine sehr gute Bekannte an Darmkrebs verloren. Sie hatte nach 6 Jahren ein Rezidiv was sie innerhalb von 4 Wochen ausgeknockt hat. Nach 5 Jahren schaut niemand mehr so richtig hin. Man gilt ja als geheilt. Aber eigentlich wird man das Damoklesschwert doch niemals wirklich wieder los.


    Es ist seltsam. Einerseits soviel Glück gehabt zu haben aber trotzdem so ein komisches Gefühl immer wieder zu haben. Bei all den anderen wirklich schlimm betroffenen Menschen sollte ich eigentlich viel mehr Demut zeigen. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil es schürt noch Ängste.

  • KatzenMom 64 Milli


    Danke für eure lieben Worte.

    Momentan ist sie im Krankenhaus, da dürfen wir wegen Corona nicht hin.

    Wir haben aber telefonisch Kontakt und ich höre ihr eben viel zu und sage dann auch wenn mir einfach die Worte fehlen, bei uneinfühlsamen Ärzten etc.

    Wir hoffen momentan einfach, dass nichts gefunden wird, aber auch wenn es kein Krebs ist auch mit anderen Lungenkrankheiten ist halt nicht zu spaßen.

    Ich halte auch viel ihrem Mann den Rücken frei, indem ich andere drauf hinweise einfach nicht täglich bei ihm anzurufen, ihm nachzusehen wenn er am Telefon mal genervt ist. Gerade das täglich anrufen und nachfragen belastet ihn doch sehr.

    Ich beruhige die Andern dann, dass es normal ist, dass man auf Ergebnisse warten muss, auch wenn es schwer fällt.


    Und doch finde ich Milli, dass man euch bewundern kann, wie ihr mit der Situation und auch mit den -Mitmenschen, die keine Ahnung von eurer Situation haben - sich vllt. trotzdem bewusst oder unbewusst einmischen umgeht.

    Ich wüsste nicht, ob ich so stark wie ihr wäre.

    Ich denke mir im Alltag oft, wenn ich mal nicht weiter weiß, oder einfach in einer Situation überreagiere was würden die 'Mädels' im Forum jetzt raten.😊