Sagt Ihr Eurem Umfeld, dass Ihr Krebs-krank seid?

  • Hallo in die Runde,


    es müsste eigentlich einen entsprechenden Thread geben, denke ich mir, aber unter "Umgang mit der Erkrankung" zwar alles mögliche an Threads gefunden, aber einen solchen nicht, und bei der Suchfunktion wohl auch nicht die richtigen Stichworte eingegeben.


    Habt Ihr Eurem Umfeld mitgeteilt, dass Ihr Krebs-krank seid?

    Ich nun immer öfter. Erst Freunden, dann auch mehr Leuten.

    Konnte so auch erklären, warum ich mich recht zurückgezogen hatte und nicht mehr so aktiv bin wie früher in einer ehrenamtlichen Angelegenheit.

    So macht es bei mir mehr Sinn, auch wenn ich es nicht im ganzen Ort mit dem Megaphon herausposaune.


    Viele Grüße, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Liebe gistela


    ich habe von meiner Erkrankung nur meiner Familie und 4 engsten Freunden erzählt. Für mich war wichtig nicht ständig darauf angesprochen zu werden und Mitleidsbesuche wollte ich auch nicht haben. Erst als alle Therapien abgeschlossen waren habe ich es den anderen erzählt.


    LG

    Elfriede

  • Zunächst natürlich sofort der Familie. Ich lebe in einem Dorf und wenn ich dauerhaft mit Mütze herum laufe, bzw, im Hochsommer am Haus auch mit Glatze, da bleibt nichts verborgen.

    Ich wollte auch nicht herum eiern, wenn ich Verabredungen nicht einhalten konnte oder mich einfach aus einigen Dingen stärker zurück gezogen habe.


    Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht, eher im Gegenteil.


    Ich will mit mir und meinen Gefühlen ehrlich sein, dann will ich es auch für andere.

  • gistela , ja das ist eine gute Frage. Ich bin normalerweise ein sehr offener, vor allem sehr ehrlicher Mensch. Aber wenn es um so was sehr persönliches geht, fällt es mir schon schwer. So blöd es sich anhört, ich will nicht die "Krebskranke" sein und ehrlich gesagt bin ich Corona sogar etwas dankbar, daß ich mich doch zuhause verkriechen kann.


    Vor allem wegen der Arbeit, Meinem engesten Team sag ich alles, die wissen komplett Bescheid, Mein Chef das meiste, darüber hinaus nur sehr wenige Menschen (klar die Familie und sehr enge Freunde, von denen ich nicht sehr viele habe). Das ist alles super, aber vor allem ist mir wichtig, daß es nicht in der Firma rumgeht. Das wird sich vermutlich über kurz oder lang nicht vermeiden lassen, aber da auch mein Mann dort arbeitet ist es ein wenig "schwierig" für mich. Ich mag das nicht, ich mag auch nicht, daß er auf mich angesprochen wird.


    Klar, er ist jetzt öfter mal weg und als Gruppenleiter wirft das schon Fragen auf. Bisher konnten wir es aber ganz gut "verheimlichen". Vielleicht stehe ich anders dazu, wenn mich die Heimlichtuerei irgendwann stresst oder aber die ersten Erfolge (hoffentlich) in der Therapie zu sehen sind. Ich denke, das ist auch mein persönliches Problem mit den Haaren. Himmel, die wachsen wieder, ich wäre sogar gespannt wie ich mit Glatze aussehe. Aber es ist nunmal DAS äußerliche Anzeichen... und ich will alles, aber kein Mitleid. Mitgefühl ja, aber es gibt auch so viele Leute, die halt einfach nur "wissen wollen", ohne echtes Interesse. Das brauch ich nicht.

  • Ich habe immer allen Freunden und natürlich der Familie von meinen Krebskrankheiten erzählt. Beim 1. Mal, als ich noch berufstätig war, auch dem AG und den Kolleginnen. Mir war und ist wohler, wenn ich ehrlich bin. Nicht um Mitleid oder dergleichen zu bekommen sondern weil ich mir nahestehenden Menschen gegenüber immer ehrlich bin. Und Krebs zu haben, ist ja kein Makel, genauso wenig wie andere Krankheiten. Durch meine Offenheit ist es auch anderen möglich, offen mit mir umzugehen. Das Thema Krebs ist aber nicht Gesprächsthema Nr 1. Das würde ich auch gar nicht wollen.

    Als Vorteil sehe ich auch, wie sich einige "Freunde" und Bekannten verhalten. Sie melden sich nicht mehr. Daher habe ich die, für mich erleichternde Entscheidung getroffen, mich von ihnen zu trennen.

    Was wahrscheinlich schon lange überfällig war.

  • Ja, Naticatt , das ist auch so ein Thema. Vielleicht will man es gerade auch aus diesem Grund nicht erzählen, damit man eben diese Enttäuschungen nicht erleben muß. Ich hab es bisher nur wenigen erzählt und selbst da tun sich schon Abgründe auf. Ich weiß, solche Leute braucht man nicht im Leben, dennoch tut es weh

  • Ich habe es 5 Freunden und meinem Arbeitgeber gesagt. Es meiner Mutter zu erzählen hat mich extreme Überwindung gekostet. Sie ist selbst seit längerem in einer schwierigen gesundheitlichen Lage und ich hatte unheimliche Sorge, sie zusätzlich zu belasten.

    Mittlerweile hab ich es ihr gesagt und bin froh, es getan zu haben. Immerhin ist sie meine Mutter und wäre furchtbar gekränkt gewesen, wenn ich sie nicht einweihe und ins Vertrauen ziehe.

    Ich bin erst ganz am Anfang meiner Therapie und ich hab noch 5mal Chemo, die OP und ein weiteres halbes Jahr Therapie vor mir (pfffffffff daran darf ich gar nicht denken). Daher befürchte ich, dass es mit der Zeit nicht dabei bleiben wird, niemand einweihen zu können. Genügt, wenn es sich rumspricht, wenn man mich sieht...

  • Liebe Claudi209 .

    Ja, das stimmt. Ich war auch zu Anfang sehr verletzt. Dann wurde ich wütend, denn ich würde mich nie so verletztend verhalten. Schließlich erkannte ich, dass ich mit solchen Menschen nichts zu tun haben will. Ich bin es mir wert, geschätzt zu werden.

    Trotz dieser Erfahrungen bereue ich nicht, offen mit der Erkrankung umzugehen. Denn das Verheimlichen und nicht darüber zu reden, kostet sehr viel Energie. Und die brauche ich dringender für meine Behandlungen.

    Aber jeder Mensch ist anders und geht anders damit um. Ich komme mit meinem Weg gut zurecht und so ein bisschen gesunder Egoismus tut mir sehr gut. 😊

  • Bei meiner Ersterkrankung habe ich auch nur wenige Freunde und natürlich die Familie informiert.


    Jetzt mit den Hirnmetas bin ich ganz offen, allein schon, um meine Gleichgewichtsstörungen und Sehprobleme zu erklären.

    Ich brauche Rücksichtnahme und fast immer bekomme ich sie auch.

    Habe fast ausschließlich Mitgefühl und Hilfe erfahren und eigentlich keine schlechten Erfahrungen mit meiner Offenheit gemacht.

    LG Katzi64

  • ich halte es ähnlich wie claudi209, ein paar enge arbeitskollegen und chef sind informiert und enge freunde.

    da ich keine chemo habe, fällt optisch nichts auf. dank covid fallen viele persönliche termine und events weg und es sitzen eh alle daheim wie ich.

    ich möchte in erster linie keine gutgemeinten ratschläge.

    selbst bei engen freundinnen gab es welche, die mir zb mit implantaten in den ohren gelegen sind, obwohl ich mehrmals schon geäußert hatte, dass ich das nicht will. das war anstrengend.

  • Bei mir ist das Problem, dass ich ehrenamtlich organisatorisch sehr aktiv war, v.a. auch seit es der "Chefin" hier gesundheitlich immer schlechter ging, dann bekam sie eine - dreimal dürft Ihr raten - Krebsdiagnose.

    Hatte zum Glück schon viel mit ihr zusammengearbeitet und war auf diese Weise etwas eingearbeitet.

    Und ich "wuppte" den "Laden" gut und ich fand es auch sehr erfüllend, und war sonst keiner da, der sich um den Job "gerissen" hätte.

    Aber seit meiner Diagnose... oft angekündigt ich schicke eine Rundmail oder schreibe dies und das, und stattdessen... ewig nix.

    Jetzt geht es wieder aufwärts bei mir, aber deutlich mühsamer als früher.
    Musste dann allmählich sagen, was der Grund ist.

    Bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht.

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Ich finde es total interessant, wie viele es dem Arbeitgeber offen kommuniziert haben. Es ist ja kein muss, zu sagen, was man hat.

    Meine Chefs wussten auch Bescheid, weil alles sehr kurzfristig war, ich aber im Vorfeld wusste, wann ich ausfallen werde.

    Ich fande es einfach nicht richtig nichts zu sagen, oder zu lügen.

    Ich mag den offenen Umgang auch mehr, das vereinfacht vieles.


    Meiner Familie habe ich es auch erst sehr viel später gesagt. Ich wollte mich da aber eher nicht in der Frage, lasse ich die Konisation machen oder nicht beeinflussen lassen.

    Tatsächlich wollte ich auch niemanden belasten.

    Arbeitskollegen und meine Freundin (auch Kollegin) werden es nach dem Homeoffice persönlich erfahren.

  • Ich bin von Anfang an ziemlich offen mit der Diagnose umgegangen, wie ich es auch mit meiner Depression oder dem Diabetes mache. Negative Erfahrungen gab es nicht viele. Traurig gemacht hat mich, dass eine gute Bekannte seitdem nicht mehr zu meinem Leben gehört. Sie konnte damit nicht umgehen, aber es auch nicht aussprechen. Also zog sie sich komplett zurück.


    Es gibt natürlich Menschen, mit denen ich offener spreche. Die meisten wissen halt, dass ich Brustkrebs habe, die komplette Therapie hinter mich gebracht habe und dass es mir jetzt gut geht.


    Sehr angenehm und fast schon erholsam waren Gespräche mit meinen ehemaligen Arbeitskollegen (Pflegekräfte, Ärzte). Da konnte ich auch ganz nüchterne Gespräche führen. Die Leute im medizinischen Bereich sind gut darin, den Emotionalen Abstand zu halten. So konnte ich einige wirklich nüchterne Gespräche über verschiedene Sachen führen, die mir wirklich geholfen haben.

  • Am Anfang habe ich es nur meiner Familie erzählt. Dann habe die Nachbarn mitbekommen, dass ich im KH war. Dann hat mein Mann es 1 Nachbarin erzählt udn jetzt wissen es alle rund herum.


    Dann kamen Fragen, weil ich vermisst wurde, dann habe ich es nach und nach vielen erzählt und habe bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil dann hört man erst mal wer noch alles betroffen ist.


    Ich gehe offen damit um, denn es betrifft ja so viele Menschen, ob selber oder als Angehöriger.

  • Ich bin auch ganz offen mit meiner Diagnose umgegangen, das hat mir sehr geholfen. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, aber durchweg positiv. Solchen Freunden, die sich nicht oder nur selten melden, darf man nicht böse sein, sie sind unsicher. Wenn mir etwas an diesen Menschen liegt, rufe ich sie von mir aus an und berichte, wie es mir geht. Ich telefoniere zur Zeit viel, auch wegen Corona, jedoch nicht , wenn es mir schlecht geht. Das möchte ich meinen Bekannten ersparen. An diesen Tagen habe ich zwei gute Freundinnen, die mich dann wieder aufrichten. Und natürlich rede ich mit meinen Freundinnen nicht nur über meinen Krebs.

  • Ich habe auch offen über den Krebs gesprochen. Einzelheiten habe ich aber nur guten Freunden - ich habe nur sehr entfernte Verwandtschaft- erzählt. Im Seniorenheim habe ich Bescheid gesagt, weil ich ja immer wieder im Spital war- auch die Chemos waren mit meist einem Tag Spitalsaufenthalt verbunden. Außerdem wollte ich, dass es bekannt ist, falls ich einmal Hilfe gebraucht hätte.


    Sonst habe ich den Krebs eher beiläufig erwähnt, etwa bei Terminabsprachen und bei verwunderten Blicken auf Turban und Maske ( noch vor Corona) im Theater. Mir haben daraufhin sehr viele Frauen erzählt, dass sie vor Jahren ebenfalls Krebs gehabt haben- was ja wieder für mich eine Ermunterung war.


    Einen Arbeitgeber habe ich nicht mehr, und bei der ehrenamtlichen Tätigkeit im Bezirksmuseum wissen die Kollegen , was los ist- schließlich war ich ja einige Monate lang nur recht beschränkt einsatzfähig. Auch mein Damenkränzchen von ehemaligen Schulkolleginnen, das sich monatlich trifft, wusste Bescheid, die Organisation hat während meiner Behandlungszeit eine andere Frau übernommen.


    Kurz gesagt, ich habe überall dort über den Krebs gesprochen, wo sich direkte Auswirkungen auf mein Leben - wie Einschränkungen bei Treffen, Müdigkeit usw.- gezeigt haben. Ich bin nur auf Verständnis gestoßen.

  • Mein näheres Umfeld weiß eigentlich bescheid.

    Meine Chefin und meine Kollegen sind total lieb. Ich finde es auch zu kompliziert irgendwelche andere Aussagen oder Erklärungen zu finden. Ich gehe mit meiner Erkrankung offen und unverkrampft um, auch wenn es mich ordentlich erwischt hat, und bin bisher damit sehr gut und positiv gefahren.

    Ich habe den Eindruck, je unverkrampfter ich bin, dann ist es auch mein Gegenüber. Und doofe Sprüche hat noch keiner gemacht, wenn es aber jemand tun würde, gibt's nen passenden Spruch zurück, da bin ich selbstbewust genug für.

    Und ich bin tolerant und locker den anderen gegenüber, wenn sie mal etwas unsicher sind und nicht genau wissen, was sie sagen sollen. Das empfinde ich nicht als schlimm.

    Ich bin bisher aber eigentlich nur auf Verständnis gestoßen.


    Liebe Grüße

    Kuestenkind_70

  • Manchmal ist es, glaub ich, einfacher es den Leuten einfach zu erzählen. Die meisten sind eh bloß neugierig und wenn ihre Neugier dann erstmal befriedigt ist, halten sie sich eher zurück. So zumindest meine Erfahrung.


    lg

    Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen lässt. (Goethe)

  • Liebe StarkeFrau10

    ....da ist was Wahres dran, denke ich auch.

    Aber wenn ich daran denke, hatte viel bei meiner Arbeit mit Menschen zu tun, es auch ihnen noch während meiner Arbeit quasi zu sagen, naürlich noch vor der Perücke... - wären die Reaktionen, besondes von einigen Frauen sicher sehr anstrengend für mich und meine Nerven gewesen. Ist natürlich eine individuelle Wahrnehmung.

    Da sage ich dir bei der Gelegenheit gerne noch ein schnelles und liebes Hallo, tut mir leid, dass es wieder eine so junge Frau getroffen hat?(

    Alles Gute,

    lG 18-09-Sonnenschein