Wiedereingliederung

  • Hallo Ihr Lieben,
    neulich rief mich eine Frau an, die Probleme mit dem Arzt hatte mit der Wiedereingliederung. Bei mir war das auch nicht so ganz einfach. Meine Personalstelle hat mir damals das Formular so korriegiert, wie sie es brauchte, um auf meine Bedürfnisse eingehen zu können und meine Ärztin hat es dann genau so noch mal richtig ausgefüllt. Ich hatte eine recht lange Wiedereingliederung, die mit 2 Stunden täglich begann und alle 2-3 Wochen um eine Stunde aufgestockt wurde. Meine Firma war sehr entgegenkommend und hat alles mitgemacht. Schließlich hat sie in dieser Zeit nichts für mich zu zahlen brauchen, weil ich ja noch Krankengeld hatte. Meine Arbeitsleistung war also für die Firma kostenlos, was gerne angenommen wurde. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

  • Hallo zusammen,
    ich hole das Thema mal etwas nach oben.
    Auch wenn es für mich derzeit noch nicht aktuell ist, würde ich mich freuen, hier ein paar Erfahrungen zu lesen. z.B. Wann, also wie lange nach der Diagnose und den Therapien, habt Ihr mit der Wiedereingliederung begonnen? oder Wie lange hat die Wiedereingliederung gedauert? Was passiert, wenn man die Wiedereingliederung nicht schafft, weil die Psyche nicht mitmacht?
    Irgendwann werde ich auch mit einer Wiedereingliederung beginnen, habe aber jetzt noch Probleme damit, überhaupt an meine Arbeit zu denken. :(


    Ich würde gerne Eure Erfahrungen dazu lesen.


    Nächtliche Grüße :sleeping:
    Romy

  • Das Thema interessiert mich auch. Ist das von Firma zu Firma anders. Ich bin im öffentlichen Dienst. Wer hat da Erfahrungen und kann mich informieren?

  • ich bin auch im öffentlich dienst. bekomme jetzt Chemo, OP, Bestrahlung, Kur und dann Wiedereingliederung dauert wohl 8 Wochen von 2 auf 8 std. wenn alles klappt geht im Januar los
    sally :rolleyes:

  • Ein herzliches Guten Morgen in die Runde,


    meine erste Wiedereingliederung musste ich nach einigen Wochen abbrechen. Zuviel Anstrengung im psychischen Bereich. :thumbdown:
    Nicht die Krankheit hat mich runter geholt. Nein. Die Erwartungshaltung der Kolleginnen. Nach dem Motto: Wenn sie wieder zur Arbeit kommen dann sind sie doch gesund. Und gesunde machen alles. Und ruhen sich nicht auf der Wiedereingliederung aus. Die besprochenen Stunden wurden ausgedehnt. Verbal wurde gesagt, ich könne jetzt heimgehen. Und dann wurde der nächste Arbeitsauftrag direkt hinterhergeschoben. Naja, wenn sie jetzt gehen, dann muss das wohl die Frau XYZ machen. NAJA!!!!!! ;(
    Da fühlte ich mich so mies, dass ich durchhielt bis nix mehr ging. Und dann wurde gesagt: Tja, wenn man Krebs hat sollte man wohl besser nicht so tun als wäre alles gut.
    Ich kann euch sagen, Worte können Waffen sein. :thumbdown:
    Jeder, der eine schwere Zeit durchstehen muss, egal ob Krebs, Herzinfarkt oder sonstwas, jeder ist froh, wenn das Leben wieder einen Anflug in die Normalität anbietet. Und dann so etwas.
    Ich möchte euch bitten, sorgsam auf die Signale zu achten die ihr erhaltet. Und sorgsam auf eure Signale, wenn es zu viel wird.


    Ich hatte im Mai 2011 eine längere Krankheitspause wegen einer Metastase am Schlüsselbein. Da OP relevante Abklärungen Zeit und Kraft kosten, wurde ich krankgeschrieben. Zwei Biopsien, ein PET CT und viele Wochen später stand fest, es ist noch unklar wie verfahren wird. Ich also zur Ärztin und besprochen, ich möchte arbeiten so lange es - nichts - zu tun gibt in meiner Behandlung.
    Das war eine Überforderung für meine Kolleginnen. Sie konnten nicht damit umgehen, dass mir die Arbeit hilft, da ich sie sehr gerne tat. Sie konnten nicht verstehen, weshalb es mir nicht - tierisch schlecht geht - und ich war ihnen suspekt. Obwohl es mir soweit körperlich sehr gut ging, habe ich die Arbeit wieder eingestellt.
    Dieses beäugt werden mit kopfschütteln, nur weil ich deren Bild einer krebserkrankten Frau nicht entsprach, das hat mich mehr geschädigt als ich je geglaubt hätte.
    Ich wurde also wieder aus dem - Arbeitsverkehr - gezogen und habe meine Energie anderweitig genutzt. Und das hat mir die Kraft gegeben, den Weg weiter zu gehen.
    Ich bin wieder so aktiv dass ich manchmal eine Bremse brauche. Und ich liebe die Energie, aber ich liebe mittlerweile auch meine PAUSEN :D


    Also, lasst euch Zeit und bedenkt, dass auch psychisch eine riesige Aufgabe zu bewältigen ist. Schaut genau hin wie die Vorgesetzten und Kollegen damit umgehen, wenn ihr wieder einsteigen wollt. Und ich weiß, es gibt ganz viele, die sich echt freuen wenn eine erkrankte Person wieder zur Arbeit gehen. Es gibt Kollegen, die Anteil nehmen und es ernst meinen.
    Das ist es was ich euch wünsche. Freie Bahn in die Wiedereingliederung. Freie Bahn zur Arbeit, die euch gefällt. Und den Mut, zu sagen, wenn es doch noch nicht so gut geht.
    Man kann eine Wiedereingliederung stoppen und später neu starten. :thumbsup:
    Ich wünsche allen hier Kraft und Heilung
    phönix

  • Hallo Phönix.
    Ich habe deinen Beitrag gelesen.Der Inhalt ist total gut und aufmunternd. Es gibt sehr viele Betroffene, die sich sofort wieder ins Arbeitsleben stürtzen.Bedenken aber nicht, das alles sehr viel Kraft kostet.Das Wort Eingliederung sollte man ja auch nutzen, damit man nicht auf der Strecke bleibt. Wenn nicht alles sofort klappt bei der Arbeit, darf das schlechte Gewissen nicht siegen. Das Wort bremsen und Pausen sollte jeder Betroffene in Anspruch nehmen.Sehr vielen Betroffenen werden froh sein, deinen unterstützenden Inhalt zu lesen und umzusetzen.Ich habe nach meiner Brustkrebserkrankung vor 10 Jahren nur an mich gedacht. Hatte kein Problem damit, meinem Chef und den Kollegen die Stirn zu zeigen.Ich wollte ja gesund werden.Wenn ich nicht mehr konnte, bin ich nach Hause gegangen.Heute bin ich froh darüber, das ich mich nur um meinen Körper und meine Psyche gesorgt habe.Keiner kann so gut mitreden wie wir, denn es wird nie wieder so werden ,wie vor der Krankheit. Wünsche ein sonniges Wochenende
    Gruß Lilli

  • Oh man, soviel Ehrlichkeit tut einfach nur gut. Ich danke Euch beiden für diese Beiträge. Mein Herz ist zerissen, was soll ich tun? Eure Ansichten haben mir geholfen, mein Zweifeln besser zu verstehen. Ich bin einfach noch nicht bereit, innerlich, mich dem Alltag entgegen zu werfen. Erstens habe ich durch die Chemo Polyneuropathie in den Beinen, grausam und zweitens ist mein Kollegium nich die beste Adresse für irgendein Mitgefühl. Es sind pure Egoisten, glaubt mir. Mich graut es regelrecht davor, dort wieder erscheinen zu müssen und unehrliche Phrasen über mich ergehen zu lassen. Traurig, aber wahr. :S

  • hallo


    meine Rückkehr in den Beruf soll nach mir und meiner Ärztin anfang februar starten, bekommt man in dieser Zeit noch Krankengeld oder schon wieder Gehalt? ich würde gerne mit 2strd anfangen und dann aufstocken.


    lg sally

  • Hallo Salli, hallo Fanny.
    Das Krankengeld läuft während der Eingliederung ganz normal weiter, wie bisher. Die Krankenkassen rechnen dann mit dem Arbeitgeber ab. Macht eure Eingliederung so, wie mit dem Arzt besprochen. Wenn euch während der Eingliederung die Kraft verlässt, und ihr schlapp macht, geht nach Hause, und ruht euch aus. Es ist nicht gut und auch nicht nötig, den vollen Einsatz gleich zu bringen. Meine Eingliederung hat 8 Monate gedauert. So konnte ich mich langsam wieder einfügen. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Schreibt, wenn ihr noch Fragen habt.
    L.G.Lilli

  • Hallo Sally und Fanny,
    kann mich Lisas Rat nur anschließen, dann nach Hause zu gehen, wenn euch die Kraft verlässt. Ich habe insgesamt schon zwei Wiedereingliederungen hinter mir, bin also sozusagen zwangsweise zu einer "Expertin" geworden, was berufliche Wiedereingliederung betrifft:
    - Die erste war 2006 nach meinem 1. BK und ich begann natürlich auch stundenweise, aber leider, leider habe ich dabei übertrieben. Die Folge war ein absoluter Erschöpfungszustand. Ich glaube, ich wollte mir und anderen beweisen, dass ich wieder voll belastbar bin.
    - Die zweite war im August 2010 nach meinem Angiosarkom und da ging ich alles langsamer an, aber dennoch habe ich meinen Körper und meine Seele nochmals völlig überfordert. Die Folge war ein erneuter Erschöpfungszustand, den ich dann aber mithilfe eines Fußknöchelbruchs zwangsweise "auskurieren" musste. :) Danach habe ich mit meinem Arbeitgeber einiges lösen können, dass für mich weniger Belastung aufkommt. Das geht natürlich nur über Gespräche und ich denke, dass in diesem Fall auch die Schwerbehindertenvertreter sehr gute Ansprechpartner sind, weil sie euch beraten können.
    Ganz wichtig ist es, dass wir lernen auf unseren Körper zu hören. Meiner ist in der Zwischenzeit richtig radikal: Er weigert sich so weiterzufunktionieren, wie ich es von ihm erwarte. Dann muss ich mich ausruhen, schlafen und notfalls ein paar Tage zu Hause bleiben. Auch bei starken Erkältungen handhabe ich das so und mein Hausarzt schreibt mich dann auch immer arbeitsunfähig.
    Auch wenn man uns das "Schalentier" nicht ansieht, hat uns die Behandlung sehr viel Kraft und Energie gekostet. Oftmals meinen dann unsere Arbeitgeber und auch unsere Kollegen, dass wir aufgrund unseres "blühenden" Aussehens wieder voll belastbar sind. Dem ist aber nicht so! Und da hilft nur eines: Wir müssen lernen Nein zu sagen, wenn uns Dinge angetragen werden, die wir nicht mehr in dem Umfang erledigen können, wie das vor unserer Erkrankung war!
    Liebe Grüße
    Angie

  • Hallo ihr Lieben
    Jetzt ist er also demnächst da der langersehnte Moment der Rückkehr in den Beruf.
    Am 7.1.14 gehts mit 2Std los. Meine Wiedereingliederung wurde in der Reha auf den Weg gebracht und steigert sich alle 2 wochen um 2 std so das ich wenn alles nach Plan läuft Mitte Februar wieder voll durchstarten kann. Soweit der Plan, ich bin schon sehr neugierig ob es mit der Umsetzung klappt. Ich freu mich schon sehr auf ein weiteres Stück Normalität und hoffe sehr das alles so klappt wie ich es mir vorstelle.
    Vorallem hoffe ich das es auch mit der Zahlung des Überganggeldes funktioniert die lassen sich ganz schön Zeit.
    Lg Fanny

  • Hallo,


    jetzt bin ich auch so langsam dabei mit meiner Ärztin am 13.01 bei meiner ersten Nachsorge über die Eingliederung zu sprechen. Bin noch ziemlich unsicher wann und wie sie aussehen soll. Ich hatte am 12.02.13 meine diagnose bekommen und am 20.03 ging die Chemo los. 29.07 OP vom 2.9-22.10 Bestrahlung und vom 7.11 -5.12.13 dann meine AHB.
    Merke das ich noch nicht so belastbar bin. Habe noch 24 Tage Resturlaub vom 2013 die ich bis März genommen haben muss.
    In der Reha sagten sie mir, das ich mir Zeit nehmen soll und so an Mitte des Jahres mit dem richtigen Einstieg anzufangen, wenn ich nämöich wieder richtig arbeite immer 5 Stunden alleine im Geschäft stehe und ich schlecht sagen kann ich setze mich mal hin wenn ich platt bin.
    Da ich ja bei der Eingliederung dem Arbeitgeber nicht fin. zur Last falle,überlege ich nun auch es langsam anzugehen.
    LG Strandnixe

  • Liebe Fanny,
    ich kann Deine Gefühle gut verstehen! Arbeit bedeutet Normalität und nach der sehnen wir uns alle! Ich drücke dir die Daumen dass alles so klappt wie Du Dir das vorstellst! Wir halten Dir auf unserem Sonnendeck immer eine Liege frei damit Du auch zwischendurch mal relaxen und durchatmen kannst :hug:
    Liebe Strandnixe, lass es wirklich langsam angehen! Unser Körper "rächt" sich schnell wenn wir nicht auf ihn hören! Auch Dir drücke ich die Daumen dass alles so kommt wie Du es Dir wünschst!
    Seid lieb :hug:
    Und ganz herzliche Grüße
    Lisa

  • Bei mir geht es auch im Februar los. Mit 2 std. Stöcke aber alle 4 Wochen auf und werde ab Mai dann evtl voll arbeiten, aber durch meine Urlaubstage dieses Jahr die 4 Tage Woche einführen.
    Wünsche euch allen viel Erfolg und last es langsam angehen...


    Sally

  • Hallo ihr Lieben
    So heute ist schon der 2. Tag "arbeiten " rum.
    Ich muss sagen es ist toll endlich wieder was zu machen aber ich bin auch sehr froh das es es die Möglichkeit gibt langsam zu starten.Es ist schon eine ganz andre Belastung.
    Es ist unglaublich wie schnell man auch von der Tätigkeit weg sein kann hab doch glatt über legen müssen wie war den jetzt der oder der Handgriff wieder damit es flüssig läuft aber bin dann doch schnell wieder rein gekommen.
    Es ist ein tolles Gefühl sich auch mal aufs arbeiten zu freuen,kannte ich lange nicht eigentlich erst wieder als ich meine neue Arbeit angefangen habe ein paar Monate vor meiner Diagnose.
    So werde mal noch auf dem Sonnendeck vorbei schauen hab nämlich frei werde von meinen Jungs bekocht heute.
    Arbeitswütige Grüsse Fanny

  • Liebe Fanny,
    herzlichen Glückwunsch zur Eroberung eines weiteren Stücks, das zur Normalität führt. Schön, dass du so motiviert und voller Freude wieder an deinem Arbeitsplatz bist.
    Hör aber trotzdem in dich rein und wenn dich dein Körper um mehr "Langsamkeit" bittet, dann gib sie ihm. Versprochen? Ausruhen, etwas Schönes nach der Arbeit tun sind ganz wichtige Eckpfeiler in unserer Wiedereingliederungphase.
    Ich hatte eigentlich auch vor, wie Sally hh Anfang Februar mit der Wiedereingliederung zu beginnen. Aber nun stehen noch zwei kleinere OPs an (Augen) und ich merke auch, dass ich mich psychisch noch mehr stabilisieren muss. Meine Psychonkologin meint, ich solle mir auf jeden Fall noch Zeit lassen, da ich gerade dabei bin, diese erneute Erkrankung zu verarbeiten.
    Ich spüre leider nicht mehr die wiederaufkommende Kraft :( , die ich nach der ersten BK-Erkrankung hatte und mich zielgerichtet wieder in eine volle Stelle geführt hatte. Dieses Mal geht alles langsamer vonstatten, das muss ich einfach akzeptieren. Aber auch meine Zeit der Wiedereingliederung wird kommen!!!!
    Alles Liebe an alle "Wiedereinsteigerinnen", viel Kraft und Energie für diese Phase wünscht euch die
    Angie

  • Hallo Ihr Lieben, gestern habe ich von meinem Arbeitgeber eine Einladung zu einem Perspektivengespräch??? nächste Woche bekommen. Ich bin Ende Januar brusterhaltend operiert worden und werde jetzt seit einer Woche bestrahlt, habe also noch 5 Wochen und Reha vor mir. Weil ich eben eure Berichte zur Wiedereingliederung gelesen habe, frage ich mich jetzt: Was wollen die von mir? ?( Kann ein Arbeitgeber mich zum Arbeitsplatz zitieren, wenn ich arbeitsunfähig bin? Für mein wackliges seelisches Gleichgewicht ist so ein Gespräch garantiert nicht gut. Außerdem- was soll ich denen sagen? Hat jemand von euch Erfahrung , wie man am besten mit seinem Arbeitgeber umgeht? Ganz ehrlich, so`n Sch... brauch ich gerade gar nicht. X( LG, bellydancer