Ronjas58 - Wie sage ich es meiner kranken Mutter

  • Vor drei Wochen erhielt ich die Diagnose Brustkrebs und bin völlig durch den Wind.

    Inzwischen habe ich die OP hinter mir und alle Untersuchungen, den Behandlungsplan erhalte ich übermorgen und versuche mich irgendwie abzulenken und nicht die Nerven zu verlieren.

    Nun habe ich daneben noch ein Problem: Meine Mutter(84) hat ein schwaches Herz, hatte vor Kurzem Herzinfarkt und liegt z.Zt. wieder im KKH.Morgen kommt sie raus, wir wohnen ca. 50km entfernt.

    Soll ich ihr von meiner Krankheit erzählen oder nicht, wenn ja, wie?Will nicht an der nächsten Herzattacke schuld sein.

    Wenn nein müssen auch meine beiden Kinder lügen und wenn sich einer verquasselt?

    Bin ratlos und dankbar für Erfahrungen und Anregungen.

  • Liebe Ronjas58 .

    Erstmal willkommen . Nicht schön, daß Du uns alle nicht in einer Bastelgruppe triffst, sondern hier, aber wir machen das Beste draus. Ich habe meinem Papi 83 die Wahrheit erzählt über meine Erkrankung an Leukämie, habe aber die Prognose deutlich beschönigt, die Heilungschancen fokussiert und meine innere Ausgeglichenheit und Akzeptanz betont. Dadurch hatte ich trotz Halbwahrheit nicht das Gefühl zu verschweigen oder sogar zu lügen und habe ihn nicht so sehr belastet. Ich finde es leider für mich anstrengend, zwei von drei vertrauten Menschen mit unrealistischer Hoffnung und Schonung unterstützen zu müssen, halte das aber zu deren Schutz für notwendig. Also Fazit : Erzählen, aber eher beiläufig. So wie Deinen Kindern

  • Ronjas58 Ich mach das ähnlich wie Quitsche, meine Mutter ist 80 Jahre und ich hatte ja schon öfter Krebs - das hat sie immer sehr mitgenommen, was ja auch völlig normal ist, aber ich musste mich dann mehr um meine Mutter kümmern, als dass sie mir eine Stütze war. Also hab ich ihr beim letzten schlechten Befund nicht alles im Detail erzählt. Ich glaube die Entscheidung ist für uns beide gut so- leider muss man manchmal so blöde Entscheidungen treffen.

  • Liebe Ronjas58, erst einmal auch ein herzliches Willkommen von mir in diesem hilfreichen Forum. Meine Mutter ist 90, leidet an Demenz, hat aber viele sehr klare Tage zwischendurch. Ich habe in Absprache mit dem Pflegepersonal meiner Mutter nicht erzählt, dass ich am Krebs erkrankt bin. Sie wäre sehr unglücklich und würde sich sehr hilflos fühlen. Für mich ist in diese Entscheidung stimmig, ich telefoniere im Moment eher mit ihr als dass ich sie besuche. Wenn ich hinfahre, fahre ich mit Perücke, sie hat bis jetzt nichts von meiner Erkrankung gemerkt.

    Es gibt nichts, was nur gut oder nur schlecht ist. :)

  • Charlottaa

    Hat den Titel des Themas von „Wie sage ich es meiner kranken Mutter“ zu „Ronjas58 - Wie sage ich es meiner kranken Mutter“ geändert.
  • Hallo Ronja58,


    herzlich willkommen im Forum der FSH.

    Die OP hast Du schon mal geschafft.:thumbup: Und übermorgen erfährst Du dann, welche Schritte Du als Nächstes gehen wirst.

    Versuche Dich bis dahin etwas abzulenken, auch wenn das nicht so leicht ist.

    Ich wünsche Dir, dass Du die für Dich richtige Entscheidung bezüglich der "Wahrheit" über Deine Erkrankung findest.

    Für die anstehende Therapie wünsche ich Dir viel Kraft und Zuversicht und möglichst wenig Nebenwirkungen.

    Hab hier einen guten Austausch.

  • Hallo Ronjas58 ,

    das ist in der Tat eine große Zwickmühle, und in jedem Fall eine "Einzelfallentscheidung", denn jede individuelle Situation ist anders gelagert.

    Meine Mutter war 86 und ebenfalls Herzkrank, sie ist damals mehrmals rein-raus in-aus dem Krankenhaus, und ist dann nach 5 Monaten gestorben. Bei ihr war es so, dass man sah, wie sie schwächer wurde, und da ich sie auch etwas gepflegt habe, habe ich meine Diagnose verschwiegen, und das hat geklappt.

    Wie alt sind denn Deine Kinder?

    Wenn der Herzinfarkt nicht lange her ist, und nun schon wieder Krankenhaus, ist Schonung ja eigentlich durchaus vernünftig.

    Bei meiner Mutter war es so, dass sie wirklich postwendend Vorhofkammerflimmern bekommen hat, wenn sie sich aufgeregt hat über dieses und jenes, und einmal war definitiv ich der Auslöser, es war eigentlich (in meinen Augen) eine lächerliche Kleinigkeit, und hätte nie gedacht, dass das so eine Folge haben könnte, mit Krankenhausaufenthalt und Elektro-"Neustart" des Herzens. Das lag mir schon arg schwer im Magen.

    Einfach als Anregung - Du kannst ja auch erst einmal nichts "verraten", und sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

    Kommt Zeit, kommt Rat. Und in diesem Fall ist weglassen ja keine "Lüge", sondern für Deine Mutter einfach eine genesungsfördernde, stärkende "Info-Lücke".

    Aber wie gesagt, letztlich muss es für Dich "stimmig" sein, und hängt vom Alter Deiner Kinder etc pp ab.

    Halte die Ohren steif, alles Gute für Euch beide!

    Viele Grüße, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Ronjas58


    ich habe auch eine schwerkranke Mama (80 Jahre) und hab es ihr nach einigem Ringen mit ihr und nach Rücksprache mit meinem Bruder doch erzählt.

    Allerdings habe ich gewartet bis ich den kompletten Therapieplan in Händen hatte und hab mich sehr sachlich gehalten. Also ihr gesagt, welche Diagnose ich habe, wie ich behandelt werde, was die kommenden Schritte sind...

    Ich hab große Angst gehabt, sie zu belasten. Da versteh ich dich total.

    Da ich aber eine Chemo bekommen habe, hätte ich es nicht sonderlich lange verheimlichen können. Ich musste also quasi raus mit der Sprache.

    Im Endeffekt bin ich erleichtert, dass ich es gesagt habe. Sie hat es nach anfänglichem Schock gut aufgenommen. Sie wollte sich sofort um mich kümmern (eh klar) und war kaum zu bremsen. Es hat sie bestimmt belastet und tut es noch, aber somit reden wir jetzt beide sehr offen über unsere jeweilige Erkrankung.

    Sie hat keinen Krebs - sie hat etwas anderes.

    Jedenfalls hat sich herausgestellt, dass sie auch mir nicht immer alles erzählt hat, weil sie mich nicht belasten wollte.

    Wir können jetzt befreiter miteinander umgehen.

    Das tut beiden gut, denke ich.


    Das sind allerdings nur meine Erfahrungen. Das muss in deiner Situation überhaupt nicht zutreffend sein!

    Ich will dich in nix reinquatschen!


    Fühl dich umarmt!

  • Hallo Ronjas58

    Ich möchte dich auch hier im Forum begrüßen. Hier bist du mit all deinen Fragen gut aufgehoben. Deine Lage verstehe ich sehr gut. Meine Mama ist 93 und lebt im Heim. Ich habe sie 15 Jahre gepflegt. Somit kenne ich sie in und auswendig und sie mich. Vom Kopf ist sie noch topfit. Ich habe ihr nur die halbe Wahrheit erzählt. Ich habe gesagt, dass ich aufgrund vieler Zysten im Körper eine Antihormontherapie machen muss, damit ich später keinen Krebs bekomme. Und das es sein kann, dass ich dadurch etwas geschwächt bin. Somit weiß sie, warum ich dann mal nicht kommen kann. Die Wahrheit würde sie nicht verkraften und man weiß ja, wie sehr sich die pflegekräfte kümmern. Die coronazeit ist jetzt für mich ein großer Vorteil. Zum einen die besuchszeit (1 × pro Woche) zum anderen die Maske. Habe jetzt die zweite ec hinter mir und ihr noch nichts sagen brauchen. Es ist nicht schön zu lügen, aber noch schlimmer wäre es für mich, sie leiden zu sehen und ihr nicht helfen zu können, bedingt durch diese eingeschränkten besuchszeiten.

    Wünsche dir alles Gute und viel Kraft :hug:

  • Es leben die Zysten, Vampi !

    Bei mir war es auch das "Zysten-Märchen". Ich hatte ja eine OP, und eine Zysten-Entfernung konnte ich gut "verkaufen".

    Hatte mich dann auch für eine "kleine" OP entschieden, die bei meiner besonders gut durchbluteten und besonders labberigen Tumorart im Nachhinein gesehen nicht so ganz ideal war. Aber ich war sehr schnell wieder fit, und die Diagnose kam ja erst, als ich schon mehrere Tage wieder zuhause und eh wieder fit war, das war ja das schlagende Argument für die Mini-OP gewesen, denn die Fälle in denen so eine gut abgegrenzte Raumforderung bei der Gebärmutter bösartig sind, sind derart selten, das kommt nie vor, so der Gyn.

    Dir und Ronjas58 und allen viele Grüße und alles Gute, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Herzlich Willkommen 💚 auch wenn der Anlass nicht toll ist. Wenn es möglich ist dann halte es lieber geheim vor ihr. So würde ich es tun, wenn sie schwer krank ist. Es kommt auf die Situation und die Person an.


    Meine zwei Omis leben im Ausland und ich rufe beide oft an, eine ist emotional sehr empfindlich. Die andere hat viel durch gemacht. Wurde Witwe mit 35 und 6 Kindern, mein Opa hatte mit 40 Leukämie. Dann kam bei ihr mit 60 der Darmkrebs.


    Wir haben uns entschieden beiden nichts zu erzählen. Die eine Oma weiß es bis jetzt nicht, die andere ist etwas auf geweckter. Sie stellte Ihrem Sohn meinem Onkel fragen wie es mir geht.


    Ich hätte mich bei ihr seit langem nicht gemeldet. Sie hat also gespürt da stimmt was nicht, mein Onkel hat es ihr erzählt. Also die Oma hatte vor 10 Jahren Darmkrebs und dann Chemotherapie. Mittlerweile geht es ihr sehr 👍 gut.


    Kleine mutmachende Geschichte meiner Oma nebenbei.


    Ich wünsche dir das Beste und Gute Besserung

  • Liebe Ronja58, ich kann Deine innere Zerrissenheit sehr gut nachvollziehen. Meine Mutter ist 84 Jahre und leidet an fortgeschrittener Demenz. Als ich die Diagnose Lymphdrüsenkrebs bekam, habe ich mich entschieden, ihr nichts zu sagen. Ich hatte weniger die Angst, dass sie die Wahrheit nicht verkraften könnte. Vielmehr habe ich befürchtet,sie würde aufgrund ihrer Demenz Dinge verdrehen und meine guten Aussichten auf Heilung nicht verinnerlichen. Meine Mutter wohnt 350 km entfernt, und da ich eine stationäre Chemotherapie machen musste, konnte ich sie mehrere Monate nicht besuchen, aber da war Corona eine willkommene Ausrede. Es ist mir unendlich schwer gefallen, meiner eigenen Mutter nicht mein Herz ausschütten zu können, aber in meinem Fall war es die richtige Entscheidung. Auch Du wirst für Dich den richtigen Weg finden!

  • Erstmal herzlich willkommen Ronjas58 hier in dem netten Forum wobei der Anlass hier zu sein nicht so schön ist. Fühl dich aber hier gut aufgehoben und aufgefangen.

    Also ich würde lieber die Wahrheit erzählen. Wenn man etwas verheimlicht und es doch rauskommt finde ich das viel schlimmer. Aber das muss jeder für sich selbst wissen.

    Ich wünsche dir viel weiterhin viel Kraft und Zuversicht. 🍀🍀🍀🍀✊✊✊✊

    LG

    Dax

  • Vielen Dank für die lieben Grüße und ermutigenden Worte.

    Nachdem ich meinen Behandlungsplan, in dem sich als "Glück" im Unglück die Diagnose aus der Biopsie bestätigt hat, erfahren habe, bin ich mit der Sprache rausgerückt und habe es erzählt, mit der Aussage, dass ja alles gut ist und nur noch Behandlungen zur Sicherheit erfolgen müssen, ich denke , das kann sie einigermaßen verkraften.

    Vorher hab ich noch ihre Hausärztin angerufen, die hat auch gesagt, schonend erzählen, dabei souverän bleiben, so hab ich`s gemacht, nun kann ich mich voll auf die weitere Behandlung konzentrieren.

  • Ronjas58 Schön, dass du einen guten Weg für euch beide gefunden hast. So wie du es schreibst, klingt es für mich rund. Alles Gute und Liebe für dich!

    Es gibt nichts, was nur gut oder nur schlecht ist. :)

  • Ein liebes willkommen, in diesem guten Forum, liebe Ronjas58

    Tut mir immer wieder leid, wieviele seit meinem Eintritt dazu gekommen sind.... :((

    Schön, dass du jetzt doch mit deiner Mutter darüber gesprochen hast - und die Hausärztin dir dazu geraten hat, dass war sicher eine Eerleichterung jetzt für dich.

    Ich wünsche dir eine gute und erfoflgreiche Behandlung und hier einen guten Austausch. Du kannst uns alles fragen und meistens ist immer jemand online.

    LG 18-09-Sonnenschein