• Hallo Ihr Lieben,


    ich habe heute einen extrem schlechten Tag und muss mir das jetzt einfach von der Seele schreiben. Habe heute ein wenig im Forum gestöbert und was ich da alles gelesen habe hat mir wieder mal klar gemacht, was alles noch vor mir liegt und davor habe ich richtig Angst. Natürlich weiß ich, dass jede Frau anders auf die Chemo reagiert, aber heute habe ich das Gefühl, dass ich das alles nicht schaffe. Und wieder mal kommen die Gedanken, warum gerade ich? Als ob ich nicht schon genug in meinem Leben an Mist durchgemacht hätte. Heute ist so ein Tag an dem ich an allem zweifle und nicht weiß, wie es weitergehen soll. Nicht mal die progressive Muskelentspannung hilft und das Alleinsein gibt sein übriges dazu. Am Freitag habe ich die 3. EC, das wird ein Fiasko wenn es so weitergeht.


    Das musste ich jetzt loswerden. Ich hoffe mir wird nun etwas leichter.


    Lieben Gruß


    Carmen

  • Liebe Carmen,


    lass Dich erst mal :hug: . An solche Tage, wie Du heute erwischt hast, kann ich mich bestens erinnern. Die hatte ich nämlich auch. Da kreisen die Gedanken, man ist der ärmste Hund auf der Welt, die Zukunft liegt in den schwärzesten Farben vor einem und alles ist viel zu viel. Mir hat es dann immer geholfen, einen "Notruf" abzusetzen, d.h. eine Freundin anzurufen und mich möglichst auch noch mit ihr "draußen" (also in einem Cafe oder sonstwo) zu treffen. Die andere Umgebung und das Gespräch über die "Normalitäten des Alltags" haben mir meist geholfen, meine Gedankenmühle zu stoppen.


    Ich verstehe auch gut, dass Dir der lange Weg durch die Therapien Angst macht und dass Du nicht weißt, ob Du das wirklich schaffen wirst. Ich versichere Dir, mir ging es (vor allem während der Chemo-Phase) genauso. Ich habe für mich die Lösung gefunden, immer nur nur "schrittweise" zu denken, also von einer Chemo zur nächsten und niemals bis zum Ende der Therapien. Mein Gedanke war immer: O.k., diese Chemo hab ich geschafft, ob ich die die nächste noch machen werde, weiß ich nicht. Dann kam der nächste Chemotermin und ich bin natürlich (mit demselben Gedanken) wieder hingedackelt. Und so habe ich alle angeordneten Therapien durchgezogen ...


    Es ist ein bisschen wie einen hohen Berg besteigen: erst liegt der Gipfel in weiter Ferne und Du hast keine Ahnung, wie Du ihn erreichen sollst. Wenn Du Dir aber zwischendrin irgendwelche "Hütten" baust, in denen Du einen Zwischenstopp einlegen und Dich stärken kannst (Stärkung = irgendetwas Schönes, was Dir gut tut) und immer nur von einer Hütte zur nächsten denkst, dann hat es zwar Anstrengung gekostet, wenn Du den Gipfel erreichst, aber der Weg schien nicht von vorneherein unüberwindbar.


    Lass den heutigen Tag an Dir vorüberziehen - morgen ist ein neuer Tag, anders als der heutige und hoffentlich viiiiieeeeeeel besser für Dich!


    Ganz liebe Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

  • Liebe Carmen,


    ich habe zwar heute selber nen dunkel-löchrigen Tag, aber wollte dir zumindest sagen, dass du mit all deinen Nöten und Ängsten nicht allein dastehst. Ich versuche mich aktuell mit den Gedanken daran zu trösten, dass ich die unschönen Ereignisse bis jetzt auch irgendwie wieder überstanden habe und dass aktuell ja noch gar nichts passiert ist. Ich neige leider (auch) dazu, mir die schlimmsten Dinge auszumalen. Das ist ziemlich dämlich, aber ich schmeiß mich dieser Unsitte immer wieder an den Hals.


    Manchmal ist einfach die Luft raus und es wirkt alles nur noch gruselig. Carmen, es kommen auch wieder andere Tage. Für dich und für mich. Dazwischen auch mal nicht so schöne, ist klar. Aber ich denke, nichts und niemand ist in so einer Situation immer nur obenauf, egal ob optimistische Frohnatur oder ängstlicher Zweifler.


    So blöde Kacktage (schuldigung falls das hier sprachlich zu grob ist, aber das sind halt Kacktage) wollen irgendwie überstanden und verdaut werden. Und teilweise weiß man gar nicht wo anfangen bei all dem, was man da so zum Verdauen vorgesetzt kriegt.


    Was einem akut hilft, ist sehr persönlich. Manchmal heulen bis die Augen knistern, weil nix Feuchtes mehr drin ist. Manchmal mit jemandem sprechen und sich den ganzen Mist von der Seele quatschen (auch zum 1000. Mal). Manchmal ein Psychoonkologe, der unterstützt oder ein langer Spaziergang in schöner Natur.


    Ich hätte auch gerne die Wunderpille, die macht, dass sofort alles wieder gut ist, glaub mir. Dennoch arbeite ich daran, es mir nicht die ganze Zeit schlecht gehen zu lassen, auch wenn es eben ohne Wunderpille wirklich Arbeit ist und ich mich auch nicht immer sonderlich erfolgreich fühle.


    Und hier, Carmen, hast du jede Menge offene Ohren für TIefpunkte. :hug: Ich fühl mich jetzt gar nicht wirklich berufen, hier groß zu schwätzen. Ich hab selber noch oft genug die Löcher, kann dich also sehr gut verstehen. Zumindest das wollte ich dir aber auf jeden Fall gesagt haben. Und auch ich alte Schissbuchse und Zweifeltante fühl mich zwischendurch immer mal wieder kraftvoll, fast zuversichtlich und alles in allem gar nicht so schlecht. Ist eben nur nicht konstant. Da müssen wir noch dran arbeiten. ;)

  • hallo Carmen, :hug:


    genau wie Flora es beschreibt habe ich es auch geschafft. Der Tiefpunkt ist immer wieder mal spürbar. Durch die Zeiten habe ich verschiedenes ausprobiert um herauszufinden, was MIR wirklich gut tut wenns dunkel ist um mich herum. 8| ?( Und die kleinen Schritte sind so eine Strategie. Mal rausgehen ist ebenfalls hilfreich für mich. Schauen, was schon geschafft ist, wovon ich vorher glaubte: das pack ich nie!!!, und habe es dann doch gepackt. Das sind meine kleinen Erfolge. DAS ist etwas, das ich geschafft habe.


    Wir alle zweifeln hier und da mal, wie, wo und warum es überhaupt so läuft wie es läuft. Zweifel ist doch gut. Da sortiere ich mich. Und dann gehts mutig zum nächsten Schritt.
    Manchmal stelle ich mir vor: heute bin ich eine Schnecke und mit kleinen Erfolgen zufrieden. Und an manchen Tagen stelle ich mir gar nichts vor, und stelle abends fest: Aha, heute war ich ein Delphin, und bin echt weit gekommen.... Mal über Land, mal durch das Meer, weiter, immer weiter. So schaffe ich auch meine dunklen Stunden und Tage.
    Ich wünsche dir und allen hier im Forum: Findet eure Wege und seht abends, was ihr alles geschafft habt. :)
    Manchmal schau ich auch morgens schon mal nach ^^


    liebe Grüße, Kraft und Geduld wünscht euch und mir selbst auch
    phönix

  • hallo Carmen, ich stehe zwar noch ganz am anfang und kann noch nicht richtig mitreden aber du willst doch nicht aufgeben und den malaka krebs gewinnen lassen. kaempfen ! wir Frauen sind doch stark! du schaffst es ! druecke dir die Daumen ! vg

  • Ich danke Euch ganz herzlich für die lieben Antworten, die ich gerade gelesen habe. Komme gerade von einem Spaziergang zurück, vorher habe ich meine Fenster geputzt und meinen Balkon auf Vordermann gebracht, also Ablenkung pur!


    Aus allen Euren Worten konnte ich positives rausziehen und ich denke, meine Gedanken sind jetzt ein wenig geordneter. Wie Ani so treffend beschrieben hat, immer gleich an den "worst case" zu denken ist absoluter Quatsch und trotzdem mache ich es immer wieder. Und dann rutsche ich immer mehr rein in die Spirale. Ich habe heute so viel geweint, dass meine Augen tatsächlich quietschen, also ist damit jetzt Schluss! Eine Wunderpille wäre toll, aber mich schrecken die Nebenwirkungen, schließlich haben wir alle schon mit genug Zeug zu kämpfen.


    Der Vorschlag mit den "Hütten" zum Stärken hat mir gut gefallen. Vor dem Berg stehe ich auch. Daran werde ich arbeiten. Jeden Tag separat anschauen, wenn er gut war - drüber freuen, war er nicht so gut, abhaken und am nächsten morgen neu anfangen.


    'Ich merke immer mehr, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe - vielleicht habe ich auch den Fehler gemacht, mich nicht wirklich mit der Diagnose auseinanderzusetzen. Habe jetzt für Mittwoch Abend einen Termin bei einer Selbsthilfegruppe gemacht. Ich denke davon kann ich auch profitieren. Wenn es Euch interessiert, werde ich berichten wie es war.


    Dir Ani, wünsche ich, dass auch Du Deinen "Sch...tag" gut über die Runden bringst. Fühle Dich :hug: . Du hast recht, wir müssen daran arbeiten, dass die positiven Gedanken konstanter werden.


    Ich danke Euch für Eure Unterstützung und wünsche Euch weiterhin viel Kraft und Zuversicht


    Liebe Grüße


    Carmen

  • Liebe Isoptera,


    unsere Durchhänger hatten und haben wir alle- vielleicht tröstet es dich, dass sie im Verlaufe der Zeit weniger werden und nicht mehr so intensiv sind. Das ist zumindest meine Erfahrung, viele beschreiben hier ähnliches. Und wenn du ¨Piep¨ sagst, erhältst du hier Unterstützung in vielen Formen - auch das ist meine eigene Erfahrung.
    So, wie du dich vorgestellt hast und wie ich dich heute im Chat erlebt hab - packst du alles. Diese Gefühle sind nicht schön, aber normal und du solltest sie zulassen, das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern sie sind eine Folge des ¨Besuchs¨.
    Du bist stark! Vergiss das nie und glaube daran, wenn sich der Himmel einmal verdunkelt.
    Lieben Gruß, Anne

    ***********************************************************************************

    Lebe dein Leben hier und jetzt - und verschiebe nichts auf irgendwann und irgendwo.

  • Ich hoffe, dass es Dir heute etwAs besser geht. Habe nicht geschafft Dir auf Deinen Beitrag auch zu schreiben, aber hier sind sehr viele Schreiberlinge. Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschliessen. Ich möchte Dir aber trotzdem ein Paar Drückerlies :hug: :hug: und gaanz viel positive Energie rüber schicken. Diese schlechten Tage sind mir auch bekannt, aber im Laufe der Zeit wird das etwas weniger, weil man lernt zunehmend besser mit der Erkrankung umzugehen . Diese Therapien sind zurzeit die wirksamste Waffe gegen dieses, Schalentier' , das habe ich mir immer eingeredet. Das und Spaziergänge draussen hat mir geholfen sich mit der Erkrankung und den dazugehörigen Therapien zu arrangieren.


    Ich wünsche Dir und das glaube ich ganz bestimmt dass auch Du Deinen Weg findest mit der Erkrankung umzugehen. Für die retlichen Chemos, sowie auch für die weiteren Therapien wünsche ich Dir gaaanz viel Kraft und Zuversicht. Du schaffst das !


    Sei ganz lieb gegrüsst und noch einen schönen Tag :)
    LG alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

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