Sinn oder "Un"sinn der Erkrankung

  • Ihr Lieben,
    ich möchte mal wieder zu Reflexionen anregen betreffs unserer Krankheit bzw. unserer neuen Lebenssituation und würde mich freuen, wenn viele Ihren "Senf" dazu geben würden ;) .


    Jeder hat sich schon so seine Gedanken gemacht über die Krankheit und warum gerade er sie bekommen hat: Habe ich sie verdient, habe ich mir etwas zu "schulden" kommen lassen (war ich unfreundlich zu Mitmenschen, hatte ich einen ungesunden Lebenswandel...) und werde ich jetzt "bestraft"? Also bin ich selbst schuld?


    Oder spielt das Schicksal nur mit mir, ist das Leben ein russisches Roulette und ich hatte nur das Pech die Kugel zu bekommen? Also bin ich nur das hilflose Opfer?


    Oder steckt hinter dem Ganzen auch ein (höherer?) Sinn? Dann sind wir schon fast bei dem Lebenssinn überhaupt angelangt? Ist der Krebs keine Strafe, keine Willkür, sondern macht er tatsächlich Sinn? Was ist denn mit den Dingen, die uns scheinbar unverhofft zustoßen? Haben sie vielleicht eine Botschaft für uns und sollen wir daran wachsen?


    Nicht jede Frage wird eine befriedigende Antwort für jeden bereit halten (und viele Fragen sind noch gar nicht gestellt!) und eine allgemeingültige Antwort wird es nicht geben, denn die Antworten hängen stark von dem, was jeder Einzelne glaubt, ab.


    Wer begleitet mich nun auf diesem kleinen philosophischen Exkurs?
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    Ich mache mir Gedanken über solche Dinge. Ich glaube nicht, dass mich eine höhere Macht bestraft hat. In wieweit mein Lebenswandel zur Erkrankung beigetragen hat --- ich weiß es nicht. Ich glaube, der entsprach weitgehend der Norm, keine Exzesse und nur normaler (Lebens-)Streß. Okay, ich hätte mich schon gesünder ernähren können... Aber wenn ich hier von Leuten lese, die trotz gesunder Ernährung Krebs bekamen, dann relativiert sich das für mich. War der Lebenswandel nun der Ausschlag?


    Schicksal oder Bestimmung? Auch wenn ich nicht umhin kann mich auch ein bisschen als Opfer zu sehen, so glaube ich doch, dass das Ganze einen Sinn hat. Es MUSS einen Sinn haben, ich kann und will nicht wahrhaben, dass unser Leben keinen Sinn haben soll! Hat das Leben einen Sinn, dann hat auch das, was mir zustößt einen Sinn, ob ich das nun verstehe oder nicht!


    Zusammenfassend kann ich nur sagen, ich suche diesen Sinn, vorallem auch, weil ich ihn brauche!


    Nun brauche ich nen Latte Machiato...
    und tschüß,
    Wölfin :hug:

    Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

    (Buddha, Siddhartha Gautama, ca. 563-483 v.Chr.)

  • weil wir, liebe Wölfin, darauf keine Antwort haben! Oder warum bekommen kleine unschuldige Kinder Leukämie, werden unbedarfte Menschen mit richtig fiesen Krankheiten oder Schicksalen bestraft, während die Egoschweine unserer Gesellschaft immer noch munter und ohne jeden Grahm durch die Gegend laufen??


    Nein, ich habe mich bei, während und nach der Erkrankung nie gefragt warum und wieso das so ist! Weil ich ohnehin keine Antwort darauf bekomme.


    Es wäre für mich das Gleiche als ob ich fragen würde: Warum regnet es heute und scheint die Sonne nicht?


    Wir sind ja nun keine "Einzelfälle" mit Krebs sondern welche von vielen! Es hat mich erschrocken, dass es so viele Krebserkrankungen im wirklich nahen Umfeld gibt - gleichzeitig war es mir ein großer Trost, dass ich nicht alleine bin und mit mir viele andere diese Paket (wenn nicht sogar ein schwereres als ich!) zu tragen haben. Gemeinsam ist man weniger allein.


    Ich denke oft daran, wie es meinen Eltern vor über 20 Jahren mit der Krebserkrankung gegangen ist, wie übel die Therapie war und wie zufällig die Diagnose aber vor allem, wie wenig man damals von dieser Krankheit wusste!


    Ich sehe heute einen großen Unterschied! Die Medizin ist wesentlich weiter, die Vorsorge besser und vor allem das Gesundheitsbewußtsein ein anderes bzw. intensiver. Damals sind sicherlich viele Menschen an Krebs gestorben, ohne dass man überhaupt wußte, dass sie ihn haben.


    Ich lebte vor meiner Erkrankung gesund und ausgeglichen. Sport ist nicht meine Stärke, dafür werkel ich viel im Garten und machte das, was mir gut tut (die Erfahrung durch meine Eltern hat mich gelehrt, dass das Leben manchmal viel zu kurz ist...)


    Ich wüßte wirklich nicht, was ich hätte anders machen können, damit ich keinen Krebs bekommen hätte!


    Es ist einfach so wie es ist und ich habe während meiner Erkrankung eines von meinen Kindern lernen können: Es tut nicht gut, wenn man alles und jedes hinterfragt und einen Sinn sucht. Das machen Kinderköpfe nicht und sie tun sich damit wesentlich leichter als Erwachsene, die sich manchmal einen fürchterlichen Kopf über Dinge machen, die sie nicht beantwortet bekommen...


    Liebe Grüße!


    Christine


    PS: Als ich nach meiner OP den Befund bekam, dass die Wächterknoten doch nicht befallen sind (entgegen der Annahme im Schnellschnitt) habe ich vor Freude geheult! Ich habe meine Schwester gebeten, mich im Krankenhaus zu besuchen: mit einer kleinen Flasche Sekt im Schlepptau. Diese haben wir dann mit Begeisterung geleert mit der Freude und großen Erleichterung, dass der Krebs noch nicht weitergewandert ist. Als ich dann mit feuerroter Sektbirne und reichlich beschwipst wieder auf mein Krankenzimmer wackelte, kam mir die Stationsschwester mit entsprechend entgeisterten Gesichtsausdruck entgegen mit den Worten: "Geht´s Ihnen nicht gut? Wie sehen Sie denn aus???" Ich grinste sie breit ein und meinte: "Nein! Mir geht es blendend! Bei allem was mir hätte blühen können, habe ich die beste Variante! Nämlich "nur" Brustkrebs ohne Metastasen!" ...

  • hallo,also mir wurde am anfang der diagnose gesagt fragen sie nicht warum ich ,weshalb usw,ja und es machte gott sei dank in meinem kopf gleich klick,für was sollte ich mich ständig fragen warum ...... usw ,wäre für mich persönlich verlorene kostbare zeit nein weg damit aber ganz fix,hinter jedem mensch sind schicksalschläge ,und wir sind nur alle gäste auf dieser welt das ist die realität :thumbup: :thumbup: :thumbup: ja und zur gesunden ernährung kann man verschiedener meinung sein,ich lebte vorher schon gesund dachte ich zumindest lächel sogut wie keinen alkohl keinen nikotin usw und nun,ja heutzutage geniese ich auch mal einen guten rotwein, sekt, mein motto von jedem ein wenig eben quer beet, es tut mir gut und ich fühle mich dabei sehr wohl und das zählt bei mir ,wundermittel gibt es eben keine. :rolleyes:

  • niemand ist an seiner Krankheit schuld!
    Ich muss allerdings sagen, dass mir von Zeit zu Zeit auch diese Gedanken durch den Kopf gehen. Vor allem da ich bei besonders bösartigen Menschen oft gedacht habe: Die bekommen ihre Strafe auch noch. So, und nun bekomme ich so eine Strafe???? Wie bin ich zu meiner Familie, meinem Partner, meinen Mitarbeitern. War ich immer fair und gerecht?
    Vor kurzem habe ich in einen Bericht gelesen: Bei Menschen die eine harmonische, glückliche Partnerschaft leben arbeiten die Killerzellen aktiver gegen Krankheiten, sie haben keinen Bluthochdruck und weniger Herzinfarkte.
    Andererseits ist Brustkrebs ja mittlerweile eine so häufige Krankheit, dass sie ja eigentlich schon als Chronische Krankheit eingestuft werden soll.
    Ich denke, ;) es ist wirklich müßig solche Gedanken zu haben, da kommt man zu keinem Ergebnis. Und ich schätze mich auch nicht so schlimm ein um diese Krankheit als Strafe zu bekommen.
    Da müßten ja alle Raucher Lungenkrebs, alle Trinker Leberkrebs, alle Dicken ne Fettleber und alle bösartigen sonstwas für Krankheiten bekommen. Aber ich sage dir Wölfin, ich kenne genug Leute die total ungesund leben oder ganz unangenehme, fiese Menschen sind. Trotzdem sind die kerngesund und werden auch nie irgendeine Sch....Krankheit bekommen.
    Die müssen alles "nur" mit ihrem Gewissen ausmachen.
    Eins denke ich aber auf jeden Fall - wir sind stark genug für unsere Krankheit, wir haben die Kraft dagegen zu kämpfen. Und es hat den Sinn wieder mehr über uns selbst nachzudenken, wieder mehr auf uns zu hören, zu tun was uns gut tut und wieder das Leben zu genießen.
    Ich denk manchmal, schon deswegen gehe ich diesen schweren Weg doch "gern". Die Krankheit bringt mir sehr viel mehr Lebensqualität als ich es in der letzten Zeit oft hatte.
    Vielen Dank, liebe Wölfin :hug:

  • Hallo Wölfin,
    so ein ähnliches Thema hatten wir doch schon mal oder?
    Ich denke nicht soviel darüber nach, denn es macht für mich keinen Sinn über Dinge zu grübeln die ich nicht ändern kann. Ich finde das ist Zeitverschwendung. Es ist Zeit in der ich mich mit lieben Menschen, schönen Dingen (jetzt nicht materiell gesehen) umgeben kann, Zeit in der ich glücklich sein kann. Ja, auch trotz Krankheit und Schmerzen die ich habe.
    Für mich macht die Krankheit keinen Sinn, sie ist auch keine Bestrafung und man ist an Krebs auch nicht selbst Schuld!
    Ich hab mal was gelesen, weiß aber nicht mehr wo, oder von wem das war:


    Die Seele unterhält sich mit dem Körper, der sich beschwert dass ihm alles zuviel ist, aber der Mensch nicht auf ihn hört...
    Da sagt die Seele zum Körper, pass auf das ist ganz einfach, ich mach dich krank dann wird der Mensch auf dich hören...


    Vielleicht ist da ein Körnchen Wahrheit? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur je mehr ich grübeln würde, desto tiefer fällt die "Achterbahn" und ankert in der Tiefe und das will ich nicht!
    Liebe Grüße
    Lisa

  • Wieso weshalb warum? Wer nicht fragt bleibt dumm.... in diesem falle bleibe ich lieber dumm. Ich habe mich nie gefragt warum ich die Krankheit bekommen habe. Ich finde es überflüssig mich mit Fragen rum zu quälen auf die es keine Antworten gibt. Schicksalsschlag? Wofür. Ich habe ein ganz normales Glückliches Leben geführt und tue es auch jetzt noch. Nur etwas anders. Ich hin nur froh das es mich getroffen hat und nicht eines meiner Kinder. Ich glaube wir als Familie werden daran wachsen. Und meinen Mann und mich schweißt es enger zusammen. Ich sehe jetzt noch mehr was ich an ihm habe. Und meine beiden Mädels gehen total liebevoll mit mir um. Vielleicht wurde ich aus gesucht weil ich immer für andere da war und der liebe Gott möchte mir zeigen das auch die anderen eine chance bekommen möchten für mich da zu sein. Ohne meine Erkrankung hätte ich das schwer zu lassen können. Ich nehme das an was ich nicht ändern kann und versuche das beste daraus zu machen. Mich macht nicht das warum wuschig sondern das der Verlauf der Krankheit nicht von mir zu beieinflussen ist. Ich fühle mich so hilflos. Bin doch ein Macher kein Erdulder...würde so furchtbar gern etwas tun um den brustkrebs zu beeinflussen. Aber das liegt leider nicht in meiner Hand. Also was bleibt? Die gute Laune nicht verlieren und das positive denken hochhalten damit es mir und meiner Familie und meinen Freunden dabei gut geht. Und wenn das mal nicht gelingt ohne schlechtes Gewissen weinen, schreien, fluchen was das zeug hält. Und dabei nicht vergessen. Vom guten ganz viel vom schlechten wenig. Das gilt fürs essen, den Sport und die Laune.
    Lg petra

    Begene dem Unvermeidlichen mit Gelassenheit. :P

  • Liebe Kugel,


    Diese Frage habe ich mir damals vor 16 Jahren auch gestellt. Aber ich habe schnell kapiert, dass es darauf keine Antwort gibt. Wir haben mit meinem Mann immer gesund gelebt, er war Diabetiker und hat sehr auf alles geachtet. Und trotzdem war ich dran. Wem soll man das in die Schuhe schieben?


    Wenn ich dir die Dinge weiter schildere, könnte ich wirklich fragen, womit habe ich das verdient.


    Mein Mann ist vor 5 Jahren an Krebs gestorben, meine beste Freundin 4 Wochen danach, und eine gute Freundin in der Gruppe auch noch und 1 Jahr danach meine Schwester. Frage warum, aber es gibt keine Antwort. Auf dieses Päckchen obendrauf kommt nun noch, dass ich 2013 zum zweiten Mal erkrankt bin an der 2. Brust. Ich habe aufgehört zu fragen, warum das so ist. Ich habe mich seit meiner 1. Erkrankung in der Selbsthilfegruppe sehr arrangiert, habe für Zeitschriften und die "perspektive" geschrieben, ich habe es mir von der Seele geschrieben. Und ich muss sagen, seit meiner 1. Erkrankung bin ich mit der Gruppe und mir selbst gewachsen. Ich habe viele Aufgaben gelöst, seit 10 Jahren als Stellvertreter der Gruppe und seit 4 Jahren im Landesverband Berlin/Brandenburg. Ich habe viel gelernt, habe viele Menschen (alles Betroffene) kennengelernt. Bin ein bisschen herumgekommen in vielen Städten mit der Frauenselbsthilfe usw. Ich möchte das alles nicht mehr missen und allein wäre ich daran zerbrochen. Das alles macht wieder Sinn. Ich freue mich auf den nächsten Tag, obwohl ich mich 2013 nur sehr schwer davon erholen konnte. Ich hab meinen Garten und wenn es mir so richtig schlecht geht, gehe ich dorthin und ackere alles durch und vergesse meine Sorgen.


    Also frage nicht nach dem "Warum", nutze jeden Tag, denn es ist alles "nur geliehen hier auf dieser schönen Welt".



    Liebe Grüße von Eisprinzessin


    Wir haben uns schon gestern im Chat kennengelernt.

  • Ja liebe Eisprinzessin - mit dem Chat, Dir und ein paar anderen hatte ich gestern schon das Vergnügen :) Nur wollte die Technik irgendwann nicht mehr...


    Nun aber doch ein kleiner Nachtrag zum "Warum?" - es ist mir dann doch heute immer wieder durch den Kopf geschlichen - tja, die Gedanken sind frei und machen manchmal was sie wollen ;)


    Bei der Erkrankung meiner Eltern habe ich immer felsenfest gedacht: Da hat sich das herbe Schicksal in den Körper gefressen, nachdem mein ältester Bruder mit 20 tödlich verunglückte. Kurz danach erkrankte mein Papa. Meine Eltern war nun nicht die Generation, die über Sorgen und Ängste mit ihren Kindern besprechen zumal wir restlichen drei Geschwister minderjährig waren. Ich dachte mir immer, irgendwo muss die unausgesprochene Trauer und Sorge doch hin...


    Nunja - mein Vater kämpfte drei Jahre durch den Krebs und verlor. Ein Jahr später erkrankte meine Mutter und starb das darauffolgende Jahr.


    Wie gesagt ich dachte immer, wenn das Leben der Seele so einen tiefgreifenden Schlag versetzt, dann wird auch der Körper getroffen.


    Und dann kam ich. Eine super Ehe, tolle Kinder, alles wie es sein soll und ich kriegte diesen Krebs nun auch? Kann ja wohl nicht sein!?


    Ob ich nun Krebs bekomme oder unverschuldet im Rollstuhl lande - man kann es oftmals nicht wirklich beeinflussen.


    Ich glaube, es ist auch so ein typisches "Frauending" sich zu fragen, was man "falsch" gemacht oder ob man das verdient hat ;) Männer sind in der Hinsicht wesentlich pragmatischer und ich habe während meiner beiden Reha´s auch keinen Mann getroffen, der sich gefragt hat "Hab ich das verdient?"


    Hallo? Wir sind doch alle tolle Frauen und ich denke nicht, dass es auch nur eine von uns verdient hätte!


    LG!


    Christine

  • hallo ich bin in dieser Zeit über mich selbst hinaus gewachsen in uns allen schlummern ungeahnte Kräfte I
    Es ist eine Prüfung und eine Aufforderung einen liebevollen Blick auf die vielen kleinen schönen dinge tag für tag zu werfen tschau tine62

  • Liebe Wölfin
    Am Tag der Diagnose hat meinen Mann auch nach den"WARUM DU" gefragt, ich komischerweise, nicht. Ich glaube es gibt für fast alles einen Sinn im Leben.
    Ich war sowieso von mütterliche Seite vorbelastet, also habe ich die letzten 14 Jahren (meine Muter erkrankte 1999 und starb 2011) immer mit der Angst an Krebs zu erkranken gelebt. Aber warum ich? das habe ich schnell beiseite gelegt und mich ganz meine Genesung gewidmet. Selbst jetzt, wo es mir nicht so gut geht (seelisch) frage ich nicht nach den warum. Es raubt nur Kräfte die wir für was anderes brauchen. Aber ich kann dich gut verstehen.
    Ich frage her nach den warum was die Kriege auf unsere Erde angeht, warum wir das nicht schaffen, im Jahr 2014, im Frieden zu leben. Aber es ist ein anderes Thema.
    LG Mimi

  • Mh ja warum wieso weshalb


    das habe ich mich am Anfang meiner Diagnose auch gefragt.


    Jeder Mensch hat Krebsveranlagungen seit seiner Geburt im Körper, bei dem Einen bricht er nicht aus, bei den Anderen widerum
    schon.


    Jeder Mensch geht anderst mir Situationen um, in der Verarbeitung.
    Ein Satz den ich mal gehört habe, hat bei mir den Schalter im Kopf umgelegt.
    Es möchte etwas gelebt werden, entweder sie leben es oder der Krebs.
    Und ich wusste sofort, was er mir damit sagen will und ich nahm endlich mein Leben in meine Hand, ich will es leben!!!!


    Denn ich habe seit meiner Jugend an Ängsten gelitten, die mich in meinem Leben einschränkten, das zu leben was ich leben
    wollte. Meine Lebensqualität sank immer mehr, weil die Ängste mich beherrschten.
    Auch Schicksalsschläge prägten meine Lebensweise.
    Hatte auch das Helfersyndrom, was ja in einem Rahmen sehr gut ist, aber wenn man sich dabei fast aufgibt, eben nicht so gut.


    Für mich stand fest, ich will mein Leben jetzt selber in die Hand nehmen und mich nicht mehr von diesen Ängsten beherrschen
    lassen, ich will so leben wie ich es schon vor meiner Diagnose es wollte.
    Ich mache es jetzt einfach und bin sehr erstaunt, es klappt von mal zu mal besser und meinen Ängsten versuche ich die klate Schulter
    zu zeigen.
    Dieses Gefühl endlich freier zu leben gibt mir soviel Kräft, das Negative endlich hinter mir zu lassen.


    Was ich damit sagen wollte, das ich denke das psychsiche Komponente auch eine Rolle spielen bei der Entstehung entarteter
    Zellen. Es ist immer ein Gesamtpacket was sowas auslösen kann.
    Mir hat die Diagnose zwar auch den Boden unter den Füssen erstmal weggezogen, aber für mich war es auch ein ganz großer Zeigefinger,
    du musst in deinem Leben was ändern und das tue ich nun und lebe was ich leben möchte und geniese das Leben, auch wenn es
    durch die Nebenwirkungen manchmal nicht so leicht ist, aber es ist schöner geworden.

  • Hi Schaiti05,


    du schreibst du musst es erdulden und kannst nicht selber was gegen den Krebs tun.
    Das stimmt nicht du kannst viel selber tun, ich habe mit CDs und Büchern meine Selbstheilungskräfte aktiviert und die Psyche
    spielt bei der Heilung eine ganz große Rolle.
    Wenn du mehr wissen willst was für CDs und Bücher dann kannste mir gerne eine PN schreiben.

  • Liebe Wölfin,


    wow, das ist wirklich eine spannende Frage, die Du da aufgeworfen hast und auch die antworten bringen einen wirklich zum Nachdenken.
    Dann oute ich mich mal : Ehrlich gesagt stelle ich mir die Frage schon ab und an mal und empfinde sie sogar als hilfreich. Allerdings bin ich auch eine von denen, die sich als Kind (und auch noch heute fragt), warum tropft der Regen aus den Wolken, wie entsteht der Regenbogen, wo sitzt meine Seele :D . Diesen Fragen nachzugehen ist einfach mein persönliches Interesse.


    Im Gegensatz zu den meisten die hier schreiben, habe ich eher immer das Gefühl das es die Außenwelt ist die mir sagt: „befasse Dich weiter damit = geh mir (mir dem Arzt, Partner Freunde Verwandte) doch nicht mit der Fragerei auf die Nerven.


    Für mich gibt es aber auch zwei Varianten dieser Frage: eine ganz nüchtern sachliche „hm, warum ist das alles so gekommen, wo kann ich eseinsortieren.“ *handunterskinnleg* Es hat mir sehr geholfen dieser Frage nachzugehen. Wie ein Buch sortiere ich dieses Erlebnis an seinen Platz in der Bücherwand meines Lebens ein. Nämlich genau dahin, wo ich finde das es hingehört. Dann liegt es nicht auf dem Boden wo ich ständig drüber stolpere, oder auf demSchreibtisch, wo es mir ständig sagt: Schlag mich auf und lies mich. Da wo es hin gehört ist es in einer Ordnung, und dann ist eben auch für mich alles in Ordnung. Was nicht heißt, dass ich nicht wüsste,das es da ist, oder das es mir nicht ab und an einfach vor die Füße fällt.(Zugegeben eine etwas platte Metapher)



    Und dann gibt es noch eineselbstmitleideige Variante: „Oh neiiiin, warum nur, warum ich“ *heul * *ins Kissen beiss* Diese Variante ...naja ...hilft mir manchmal auch. Dann gönne ich mireinfach ein bisschen Selbstmitleid wie ein Stück Schokolade. Zum Beispiel gestern: lese ich ein Satz von Nelson Mandela in dem es sinngemäß darum geht, dass man durch unschöne Dinge im Leben an Reife gewinnt. Und dann denke ich: ach, der was weiß der schon, ich ich hatte den Krebs und die Gene und alles ist so schlimm, gemein und unfair. Und dann..musste ich über mich selber lachenund hab zu mir selbst gesagt: „Jetzt mal im ernst Madita, Du ziehst ein Vergleich zu Mandela in dem Du noch dazu schlimmer abschneidest. :thumbdown: :rolleyes: " Und dann muss ich schon über mich selbst lachen :D . Aber ich kann nur über mich selbst lachen, weil ich es vorher einfach mal raus gelassen habe.


    Zu dem Thema „Warum ich“ hatte ich auch mal ein interessantes Gespräch mit einer Nonne dazu die selbst erkrankt war. Habe sie auch gefragt, ob sie sich hin und wieder diese Frage stellen würde. Ihre Antwort war: „Warum nicht ich. Ganz ehrlich jede 10 Frau. Wer bin ich denn so besonderes, dass es ausgerechnet mich nicht treffen sollte.“Ist schon was dran.



    Diese Frage hat also für mich auch immer etwas damit zu tun , das Leben in einen Sinn Zusammenhang einzuordnen, das hilft ungemein. Mir zumindest, mich eben nicht mehr länger hilflos und als Opfer zu fühlen. Alledings gibt es so Momente z.B. kurz vor der Nachsorge, da bin ich schon mal einige Tage mit einordnen beschäfigt :D ;)
    Letztendlich ist es aber Geschmackssache sich die Frage zu stellen. Wenn es hilft wieso nicht, und wenn jemand das Gefühl hat, nee lieber nicht fragen hilft, dann ist es für den genauso richtig.


    Das Wort zum Dienstag ;) :P
    Bin gespannt was die andern noch so schreiben.


    Liebe Grüße
    Madita

    „Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“ Franz von Assisi

    2 Mal editiert, zuletzt von Madita ()

  • vielen Dank, dass ihr euch zu diesem Thema geäußert habt, ich war seeehr gespannt auf eure Beiträge und bin belohnt worden ;) , weil sie sehr interessant sind! Leider kann ich heute nicht näher auf eure Beiträge eingehen, weil ich noch zu tun habe (morgen Handwerker da...), aber ich hoffe, ich kann euch dann ein nettes Wort zum Donnerstag sagen ;) ...


    Bis dahin und falls noch jemand was schreiben möchte... ,
    Wölfin :hug:

    Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

    (Buddha, Siddhartha Gautama, ca. 563-483 v.Chr.)

  • und hier kommt nun für euch von mir das "kleine" Wort zum Donnerstag auf euere tollen Beiträge... Wem es zu "kurz" ist, bedenkt bitte, ich hätte auch jedem in einem extra Beitrag antworten können, ob das besser gewesen wäre ;) ?


    Liebe Christine,
    dein Beitrag hat mich sehr berührt, du hast schon so viel, gerade auch durch deine Familie, durchgemacht. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, tendierst du eher dazu, dass an Krebs zu erkranken, eher ein unbeeinflußbares Schicksal ist und die Frage "Warum" oder ein "Sinn(?)" müßig sind? - Es hat schon etwas, einfach nur im Jetzt, wie ein Kind zu leben, aber fragen nicht gerade Kinder nach dem "Warum"? --- Sich viele Gedanken zu machen oder nicht liegt im Charakter des Einzelnen, manchmal wünschte ich mir auch :S , einfach nur zu leben. Aber das kann ich nicht und das konnte ich noch nie und hätte ich die Wahl, würde ich doch bei meinen Leisten ;) , sprich bei meinen Gedanken bleiben!


    Liebe Katzenbaum,
    ja, Fragen über Fragen, teilweise Antworten und viele Gedanken. Und manchmal will ich sie einfach mit euch teilen und erfahren, was ihr so denkt. Und für mich ist es keine vergeudete Zeit zu denken, ausser wenn ich in einer Angstschleife :( sitze. Vielleicht hätte ich Philosoph werden sollen, aber dann im alten Rom und dann ein Pläuschchen ;) mit Seneca und Co...


    Liebe Angelina,
    ich glaube auch nicht nicht, dass jemand an seiner Krankheit schuld ist. Was mir auffällt (aber nicht in deinem Beitrag), ist, dass oft Schuld und Sinn gleich gesetzt wird. Mmh, ist es das? Beispiel: Die Chemo ist schuld an der xy Nebenwirkung, aber die Chemo macht Sinn im Kampf der Zerstörung der Krebszellen. Also, Schuld ist eher negativ und Sinn eher positiv. Und ich suche das Positive in der Erkrankung und du hast ja auch schon für dich festgestellt, dass es für dich den Sinn hatte, bewußter bei dir und deinen Bedürfnissen zu sein! :)


    Liebe Lisa,
    interessante oder wichtige Themen wiederholen sich oder sind etwas ähnlich. Wir hatten z.B. schon die Thematik/Thread "Positives durch Krebs". Für dich macht Krankheit keinen Sinn und doch habe ich den Eindruck, dass dich das Gespräch Seele - Körper beeindruckt hat :S und wenn die Seele den Körper krank macht, damit der Mensch auf ihn hört, dann macht das doch Sinn. Der Sinnhaftigkeit entflieht man dann doch nicht so leicht ;). Und Grübeln ist wirklich nicht so toll, aber ein "bisschen" Nachdenken schadet den Wenigsten...


    Liebe Petra,
    gibt es für die Erkrankung keine Antworten? Du hast doch sehr wohl für dich mögliche Antworten gefunden, Zitat: "Vielleicht wurde ich aus gesucht weil ich immer für andere da war und der liebe Gott möchte mir zeigen das auch die anderen eine chance bekommen möchten für mich da zu sein. Ohne meine Erkrankung hätte ich das schwer zu lassen können." Manchmal merkt man erst im Nachhinein, wieviele Antworten man schon hat. Ja, und dafür liebe ich die Reflexionen :) , weil sie mir das verdeutlichen!


    Liebe Eisprinzessin,
    oje, du hast auch schon so vieles durchgemacht und einen Sinn durch die Gruppe(?) gefunden. Und du hast so schöne Worte für uns, auch wenn ich trotzdem nach dem Sinn suche, Zitat: "Also frage nicht nach dem "Warum", nutze jeden Tag, denn es ist alles "nur geliehen hier auf dieser schönen Welt". :)


    Liebe Tine,
    auch du scheinst einen Sinn in der Erkrankung zu sehen, wenn du sie als Prüfung und Aufforderung siehst, die schönen Dinge Tag für Tag liebevoll wahrzunehmen! :)


    Liebe Mimi,
    eine "Gedankenverwandte", freu'! Du glaubst auch an den Sinn unseres individuelen Lebens mit all seinen Vorkommnissen? Ich habe auch auf vieles (noch?) keine Antworten (Kriege, warum gerade der...?), aber hoffentlich habe ich noch genug Zeit noch viele Antworten zu bekommen? :)


    Liebe Strandnixe,
    Krebsveranlagung oder Krebszellen hat jeder im Körper, die aber in der Regel vom Immunsystem erkannt und zerstört werden, so oder so ähnliche Theorien habe ich auch schon gehört und wer dann erkrankt = großes Fragezeichen? Ich glaube auch, dass die Krebsursachen aus einem "Gesamtpaket" bestehen, vielleicht sogar mit individuell verschiedenen "Zutaten/Auslösern".


    Interessant finde ich den Satz: "Es möchte etwas gelebt werden, entweder sie leben es oder der Krebs." Ich kenne den Satz auch, er beinhaltet, dass Krankheiten für nicht gelebte Aspekte stehen. Ob man das jetzt glaubt oder nicht, es mal auszuprobieren, kann sich ja vielleicht lohnen :thumbup: ! Was lebt denn der Krebs statt meiner aus? Zumindest hat er einen starken Egoismus und geht in die Offensive. Vielleicht könnte das für mich bedeuten: denke mal an dich und tu auch aktiv etwas für dich, nehme vielleicht auch etwas Neues in Angriff. Wie Strandnixe schrieb, für sie war es auch eine Aufforderung zu einer Lebensänderung! Vielleicht ist das ein "Sinnschlüssel" der Erkrankung: zum Einem bewußter und im Jetzt zu leben und zum Anderen sein bisheriges Leben zu mehr Erfüllung zu ändern?


    Liebe Madita,
    willkommen im Club der viel Denker und Antworten-Sucher! Du hast ja deine zwei Varianten zu der Thematik vorgestellt, meinst du bei Variante 1, mit dem einsortiert, in etwa: Warum ist es so gekommen, welche Auswirkungen hat es auf mich, wie gehe ich damit um? Und okay, das ist jetzt meine Linie (Weg)? Variante 2 gefällt mir auch, weil sie so total menschlich und vorallem gefühlsbetont ist und ich es wichtig finde, seine Gefühle möglichst wertfrei zuzulassen. Und sorry, ein bisschen schmunzeln ;) mußte ich auch, "schokoladiges" Selbstmitleid kann auch mal sooo schön sein... und befreiend :) !
    Die Antwort der Nonne: toll! Ich wollte sowieso schon immer mal wissen, wie ein seeehr gläubiger Mensch das sieht, ohne gleich ein Heiliger zu sein.


    ----------------------------------


    So, nun muss ich aber mal zum Ende kommen :) . Viele Meinungen, alle haben ihre Berechtigung und ihr schaut, was für euch passt! Mir hat der Erfahrungsaustausch mit euch sehr gefallen :thumbsup: , manchmal brauche ich solche Reflexionen und ich hoffe, ihr habt auch einiges für euch mitnehmen können :) !


    Der Thread ist offen, jederzeit kann er weiter wachsen...!


    Gehabt euch wohl,
    genießt den Tag,
    eure Wölfin :hug:

    Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

    (Buddha, Siddhartha Gautama, ca. 563-483 v.Chr.)

    Einmal editiert, zuletzt von Wölfin ()

  • Hallo Wölfin. Vielen Dank das du dir die Mühe und die Gedanken zu all unseren Beiträgen gemacht hast. Und schön mit der Nase auf meinen satz hast du mich gestupst. So hatte ich es noch gar nicht gesehen. Danke. Lg petra

    Begene dem Unvermeidlichen mit Gelassenheit. :P

  • :hug: :thumbsup: Wieder merke ich, das meine Gedanken ganz andere sind. Ich habe mich bis heute nicht hinterfragt warum ich
    Lungenkrebs bekommen habe.


    Ja, nun hat es mich erwischt, das war es also! :thumbdown:


    Mein erster Gedanke, nach den ersten Infos, bekam ich die blauen Hefte der deutschen Krebshilfe an die Hand
    Die mir sehr gute Informationen gaben. Da stand z.Bsp. Lungenkrebs häufig die Altersgruppe um 68 ja und dazu
    Zählte ich auch.


    Alles war sehr schnell gekommen alles war sehr schnell erledigt und ich war anschließend in der Reha meiner Wünsche
    nämlich am Meer. Es war das erste Mal nach sehr vielen Jahren, das ich Egoist sein durfte nur um mich selber brauchte
    Ich mich zu kümmern. Ja und eines Tages war der Alltag wieder da,nur ich hatte fast unbewusst gelernt Nein zu sagen
    Nach dieser herrlichen Zeit habe ich mich fast ein ganzes Jahr "ausgeruht" und nur die üblichen Arbeiten erledigt
    Jetzt habe ich das erste Jahr "nach" zu Ende gebracht und gehe ganz fest davon aus das ich den Rest meines Lebens auch
    Vernünftig zu Ende bringe.


    Riva

  • Liebe Wölfin, Liebe Mädels,


    warum ich Krebs bekommen habe oder "warum ich" habe ich mich nie ernsthaft gefragt. Wenn andere meinen ich frage mich das ständig, habe ich mal darüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, ich möchte mir die Frage nicht stellen. Es wird keine Antwort darauf geben.


    Mir geht es aber ähnlich wie dir, liebe Wölfin, ich brauche Antworten. Ich glaube es hat einen Sinn. Sinn nicht aus dem Gesichtspunkt das ich etwas falsch gemacht habe und nun bestraft werde - das überhaupt nicht! Wer macht schon immer alles richtig? Diese Krankheit hat keinen Sinn im klassischen Volksmund. Die Krankheit ist der absolute UNSINN. Überflüssig wie sonstnochwas. Aber ich glaube man muss sich den Sinn daraus suchen. Für mich ganz persönlich ist es, das ich nun ohne wenn und aber LEBE. Ich gehe nur noch notwendige Kompromisse ein und mach das was ICH möchte. Dinge, die ich schon immer mal tun wollte, aber immer als Traum aufgeschoben habe. Wenn nicht jetzt, wann dann? Eine Freundin hat mal zu mir gesagt, wenn ich das jetzt alles nach und nach "abarbeite", dann hätte ich ja nichts mehr worauf ich mich freuen kann. Doch, denn ich entwickle ja immer neue Träume. Nun kommen erstmal die dran, die ich schon eine Weile auf die lange Bank geschoben habe. Im schlimmsten Fall (einem Rezidiv) kann ich von heute auf morgen wieder aus dem Verkehr gezogen werden, wie es letztes Jahr vor meiner Diagnose passiert ist. Natürlich gehe ich von so einem Fall nicht zwingend aus, aber es kann passieren. Und dann möchte zufrieden auf mein Leben zurückblicken und mich nicht fragen, warum hast du nicht...


    Das ist mein persönlicher Sinn dieser elendigen Krankheit.


    inebine