Sinn oder "Un"sinn der Erkrankung

  • Ich sehe es auch so, Krebs ist Biologie und Chemie, schlichtweg Pech gehabt!

    Ein Gedanke, der in die andere Richtung von "Strafe für Sünden und Verfehlungen" geht: Was mir aufgefallen ist, dass unter den Mitpatientinnen, die ich im Rahmen meiner Brustkrebserkrankung kennenlernen durfte, sehr viele besonders liebe, wertvolle, empathische Frauen sind.

    Egoistische, arrogante Frauen, die an Selbstüberschätzung leidend durch die Welt gehen, begegnen mir auch, aber immer ausserhalb dieses Kreises.

    Zufall?? 🤷🏼‍♀️

  • Liebe Moni13, ich glaube nicht daß das Zufall ist, ich habe das genauso erlebt. Vielleicht liegt es daran, daß wir die Erfahrung mit Krebs machen mussten. Sie alle haben ja ähnliche Erfahrungen wie wir gemacht, also auch ähnliche Veränderungen durchlaufen.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Liebe SaDe ,du findest immer die richtigen Worte ,ich kann dir nur aus tiefsten Herzen zustimmen. Ich bin schon zweimal betroffen und daran das ich selber daran schuld bin ,hab ich keine einzige Sekunde gedacht. Und ich hab die gleiche Erfahrung wie Moni13 gemacht in Laufe meiner Brustkrebs Zeit ,so viele liebe Frauen kennengelernt, auch hier im Forum. Krebs hat nix mit Schuld zu tun ,sondern mit Zellen die entarten aus verschiedenen Gründen. Wieso es mich erwischt hat war einfach Pech.Dieser Schuld Gedanke hilft dir nicht weiter,sondern macht alles nur schlimmer.

  • Liebe Pling ,

    vielen Dank für Deine Zeilen. Du sprichst mir aus der Seele!

    Zu Beginn meiner Erkrankung habe ich mich auch ständig gefragt "warum ich?", "was hab ich (falsch) gemacht?" usw... Ich hatte meinen Körper und dessen Gesundheit zuvor einfach immer als selbstverständlich angesehen. Und dann das...

    Mittlerweile versuche ich mich darauf zu konzentrieren die Krankheit anzunehmen und mein Leben bewusster zu leben. Wie Du sagst, wir müssen nicht immer funktionieren. Und es gibt kein Anrecht auf Gesundheit. Wir dürfen Angst haben, auch mal zweifeln und uns vielleicht sogar mal komische Fragen stellen. Aber, letztendlich leben wir im Hier und Jetzt und mit der Diagnose, die wir nun mal aktuell haben. Nur das zählt (zumindest für mich). Wie geht es mir heute? Wofür bin ich dankbar? Von daher versuche ich mich an den kleinen Dingen zu erfreuen, genieße alles bewusster und versuche zuversichtlich zu bleiben.

    Und genau das wünsche ich auch allen anderen, tapferen Frauen hier :hug:!

  • Wenn jemand so denkt, ist das so traurig für diejenige- als wäre die Erkrankung nicht schon schlimm genug ...


    Allerdings sehe ich das etwas differenzierter: Ich selber habe wahrscheinlich eine Mit- Schuld an meiner Erkrankung, da ich lange Jahre geraucht habe. Das ist und bleibt nunmal krebserregend.

    Und was meinen bestimmten Krebs betrifft: Wie eine Nonne habe ich die letzten Jahrzehnte nicht gerade gelebt ... 8o

    Aber: Diese Risikofaktoren sind nicht der einzige GRUND für meine Erkrankung. Es hätte auch KEINE Erkrankung folgen können. Ausschlaggebend ist dann doch die Biologie des Krebses und meines Körpers. Und vielleicht noch eine Portion Glück ... oder Pech, je nachdem von welcher Seite aus betrachtet.

    Deshalb habe ich wie so viele diesen sinnfreien Gedanken irgendwann abgehakt: Nützt nix, bringt nicht weiter ...

  • Bei meiner ersten Erkrankung habe ich auch nach Gründen gesucht. Ich weiss noch, dass ich bei meiner Gyn saß und anfing, vermeintliche Gründe für den Krebs zu finden. Sie stoppte mich mitten im Satz und sagte: Nein, tun Sie das nicht. Sie trifft keine Schuld. Krebs sind mutierte Zellen. Sie hatten einfach Pech.

    Seitdem habe ich nie wieder bei mir die "Schuld" gesucht obwohl ich schon dreimal erkrankt bin. Letztes Jahr hatte ich ein EK Rezidiv nach 8 Jahren!

    Kein Mensch weiss, warum der Krebs wieder "aufgewacht" ist.

    Natürlich gibt es Risikofaktoren.

    Aber jeder Mensch ist anders. Jeden kann es erwischen, Raucher, Nichtraucher, Dünne, Dicke, Junge, Alte.

    Die Genforschung steckt noch in den Kinderschuhen.

    Mein geliebter Kater hatte Krebs. Was sollte so ein Tier falschgemacht haben?

  • @Naticatt Das hatte die Ärztin in der Reha auch gesagt. Man sieht ein Symptom wie Übergewicht, aaaah ja klar! Aber so einfach ist es nicht. Es ist komplex.


    1986 war Tschernobyl. Die Folgen waren uns später bewußt. Ich war wenige Jahre später in Nordschweden. Trank das Flußwasser dort. Ich denke nicht, daß nach der langen Zeit noch Auswirkung hat. Aber man macht sich doch Gedanken. Wo kommt der Mist her? Wielange geht das schon? Denke mit 40 oder kurz vorher. Ich wollte die Frauenärztin wechseln. Schwierig! Ich suchte 15 Jahre lang. War bei verschiedene Ärztin. Eine sagte, die Schleimhaut wäre dick, ich soll zur Ausschabung. Man sieht nicht was drunter ist. Sie hätte Betten in einem Krankenhaus. Die nächste war kein Thema. Dachte, dann wärs nicht so schlimm. Denkste!


    Vor 5 Jahren, ich hatte mir eine Auszeit gewünscht. Wäre schön so 4 - 6 Monate. Aber das war nicht möglich. Doch der Wunsch blieb. Wie der Zufall so will, es ging schon 2 - 3 Jahre. Dachte es wär die Wechseljahre. Doch irgendwie, weiß nicht. Also ein erneuter Anlauf. Dann ging es Schlag auf Schlag. Da war die Auszeit! Zwar nicht so wie es mir vorstellte, aber eine Auszeit von 4 Monate.

  • Macht sich jemand Gedanken wenn sie oder er eine Autoimmunerkrankung hat und der Körper sich selbst angreift? Wohl eher nicht.


    Krebs ist m. E. ein Fehler bei der Zellteilung, basta.


    Vor vielen Jahren saß sich im Flugzeug neben einer Frau mit der ich erst kurz vor der Landung ein Gespräch begonnen hatte, leider. Sie war Ärztin und betreute eine alternative Krebsklinik auf den Kanaren. Ich sprach mit ihr über die kürzlich diagnostizierte Krebserkrankung meines Vaters (Plasmozytom). Sie meinte: Krebs ist die späte Antwort auf ein falsches Leben….

    Leider konnten wir das Gespräch nicht fortsetzen.

    Erst später fiel mir ein: Und was ist mit den krebskranken Kindern????


    Die armen Würmchen haben noch mehr Pech, denn die Fehler bei der Zellteilung werden in hohem Alter immer mehr, aber es gibt sie auch schon viel viel viel zu früh….


    Ich sehe meine Erkrankung als Pech. Ich habe mich NIE gefragt: warum ich?

    Sondern warum nicht ich? Es trifft so viele.


    Das ist meine Meinung dazu und jede(r) darf seine eigene Meinung natürlich haben. Ich fände es nur segensreich, wenn die Meinung die Betroffenen nicht noch mehr runterzieht.


    Ich wünsche allen das Allerbeste.


    Zimtmaus

  • Ich sehe meine Erkrankung als Pech. Ich habe mich NIE gefragt: warum ich?

    Sondern warum nicht ich? Es trifft so viele.

    Ganz am Anfang, direkt nach der Diagnose (also so vor zwei Monaten) hatte ich solche Gedanken wie: Das kann doch gar nicht sein. Sowas passiert mir doch nicht. Dann fiel mir aber auch jedesmal auf, dass ich ja nicht prinzipiell anders bin als andere. Und manchen passiert es eben. Also wie Zimtmaus schrieb: Warum nicht ich?

    Natürlich habe ich über Risikofaktoren nachgedacht. Aber viel ist da auch nicht zu finden. Höchstens, dass ich keine Kinder bekommen habe. Und sonst: zu viel Süßkram gegessen? Ein paar Jahre lang zu viel (emotionaler) Stress? Ich denke wirklich: es ist einfach Pech. Dumm gelaufen, veränderte Zellen, die sich vermehrt haben. Und es bringt nicht viel, sich daran festzubeißen. Ändert ja nix. Ich muss es annehmen, wie es ist.

  • Liebe Lana 79


    ich war lange nicht im Forum. Als ich wegen des Themas spontan deinen Beitrag zuerst gelesen habe, musste ich unmittelbar weinen, weil ich so viel Mitgefühl mit dir hatte.


    Ich stelle es mir wahnsinnig belastend und anstrengend vor, solche Gedanken zu haben und male mir aus, wie es dazu kommen konnte, dass du so denkst. Ich hoffe, es gibt in deinem Leben Menschen, die dir das Gefühl geben, dass du genau so wie du bist, absolut richtig und vollkommen genug bist. Glaub ihnen das bitte und sei lieb zu dir selbst. 🙏 Ich schicke dir eine liebevolle Umarmung und versichere dir, dass der Gott, an den ich glaube, dich über alles liebt und dich niemals bestrafen würde, schon gar nicht mit dieser Krankheit.

    Obwohl ich mir hin und wieder genau so ein "kosmisches" Straf-System wünsche wie es SaDe beschrieben hat, bin ich sehr froh, die innere Überzeugung zu haben, dass ich von " meinem" Gott immer uneingeschränkt geliebt werde, egal, welcher Vergehen ich mich schuldig mache. Das macht es mir möglich, mich selbst zu lieben und das wiederum, andere vorbehaltlos zu lieben.

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Liebe Lana 79 , mir ging es ähnlich wie Fiducia2020 , ich musste zwar nicht weinen, aber ich musste echt schlucken als ich Deinen Beitrag las, und habe sehr viel Mitgefühl für Dich.

    Es muss ungeheuer belastend sein, mit so einem Gefühl der Schuld, oder sogar der ungesühnten Erbsünde sein Leben meistern zu wollen, das durch die Erkrankung schon schwer genug geworden ist.

    Es ist vielleicht auch nicht viel weniger belastend, wenn sich jemand Selbstvorwürfe macht wegen falscher Lebensführung. Hätte ich doch … oder hätte ich doch nicht … ist nicht wirklich zielführend.

    Und, wie Zimtmaus bemerkt hat, eine Autoimmunerkrankung zu bekommen, scheint viel weniger mit diesem Schuldgefühl behaftet zu sein 🤔


    Lana 79 , ich hoffe dass Du irgendwann über dieses Schuldgefühl hinwegkommst.

    Alles Gute !