Die dümmsten Sprüche zu Eurer Erkrankung

  • Liebe Astrid71 , mich macht das fassungslos, traurig, wütend ... Dass Angehörige und Freunde nicht immer die richtigen Worte verstehe ich, aber das eine Ärztin so etwas von sich gibt, hinterlässt jede Menge Fragezeichen bei mir. Unfassbar.

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • DANKE an ALLE, die hier etwas für mich geschrieben haben. Ich werde das alles nochmal in Ruhe durchlesen und auch antworten, wenn ich die Handhabung in diesem Forum besser beherrsche (Ich bin auch noch anderen Antwort schuldig, ich weiss das und habs nicht vergessen).


    Ich hatte diesen Eintrag "was waren Eure dümmsten Sprüche ...) gelesen und ganz schnell meine ganz persönliche Erfahrung mitgeteilt.

    Inzwischen habe ich ein paar Eurer ".....dummen Erfahrungen" gelesen - und ich bin schockiert und traurig und wütend über diese

    dummen und oberflächlichen und herzlosen Mitmenschen, egal ob Verwandte oder Fremde.

  • Ich finde das Verhalten mancher Leute nicht emphatisch, viele reden ohne nachzudenken. Vielleicht meinen Sie es im Grunde genommen nicht böse, aber nervig ist es schon.


    Aber das was Astrid71 und Pitti67 gesagt wurde ist ekelhaft. 😡😡😡 wie kann man nur sowas von sich geben.


    Als ich die Diagnose frisch erfahren habe, wusste ich nicht was mir geschah. In Schockstarre lief alles ab, eine Untersuchung nach der anderen. Ich war dann mit meiner kleinen zur Untersuchung beim Kinderarzt, die Ärztin erzählte mir davon das sie auch an BK erkrankt war.


    Dann die Arzthelferin musste ihren Senf dazu geben und keiner hat sie nach Ihrer Meinung gefragt. Sie müssen stark sein und alle Frauen schaffen das und das ist halt so. Brustkrebs ist heutzutage immer behandelbar. In so einem Ton ich sagte dann ja wenn man nicht in der Situation steckt kann man ja locker reden.


    Dieses du musst stark sein nervt mich auch total.

  • Liebe syl69 ,


    auch ich kann mich hier einreihen. Meine ED war 2014 und es war schwierig, weil ich meinen Mann manchmal "zugetextet" habe, er aber nichts von sich/seinen Gefühlen preisgegeben hat. Oder alle 6 Monate einmal, wenn er gerade redselig war....Irgendwann habe ich auch nicht mehr darüber mit ihm gesprochen....

    Ich bin seither in Psycho-onkologischer Therapie, das hilft mir.

    Nach 2 Jahren, als ich "gesund" galt, habe ich plötzlich bemerkt, dass er durch meine Erkrankung geworden war.

    Dann begann er auf meinen Druck hin zu reden, welche Angst er hatte, dass er stark sein wollte, dass er sich vom Umfeld nicht "gesehen" gefühlt hat, weil alle nach der Kranken fragen....Und er auch keinen Freund oder Familie hatte, die ihn unterstützt haben.

    Daraufhin habe ich ihn zu einer Therapie überredet, um zu verarbeiten.


    2019 kamen dann bei mir Metas und dasselbe Spiel: Absolutes Schockschweigen. Wenn die Dinge etwas verdaut sind, kann er manchmal sprechen. Und auf meine dringende Bitte hin, hat er sich wieder eine Psychologin gesucht, die ihm gut tut und ihn unterstützt.


    ABER: Er kann mir Gegenüber nicht raus mit den Gefühlen und der Sprache. Dann stehe ich wieder mal da nach einer Hiobsbotschaft und weine, er bleibt in 2 m Entfernung stehen, bis ich ihn anmotze: Kannst Du mich nicht mal in den Arm nehmen!! Er ist immer zutiefst verunsichert.


    Ich hätte es wirklich auch gerne anders!

    Aber eins habe ich gelernt: Ich kann mich auf ihn verlassen! Er geht auf Wunsch mit zu den Arztterminen, hat mit mir mein Grab ausgesucht, hilft mir viel im Haushalt und kümmert sich um unseren Sohn. Also akzeptiere ich sein Schweigen, auch wenn es weh tut. Ich weiß wie sehr er leidet!


    Männer sind meist nicht gut darin. Und gerade die Hilflosigkeit lähmt sie., Sie sind lösungsorientiert, aber für unsere Krankheit gibt es keine Lösung! Und das überfordert viele emotional.

    Meinen Sohn übrigens auch. Er gibt mir jetzt mit großer Ernsthaftigkeit meine täglichen Thromboseinjektionen (kann mein Mann nicht). Das hätte ich ihm mit seiner Hochsensibilität NIE zugetraut!!

    Aber ich bin mir sicher er macht es nur, weil er mir ENDLICH mal konkret HELFEN kann. Ich bin mega stolz auf ihn und freue mich sehr, weil es ihm hilft mir zu helfen! Und ich weiß, dass er auch schrecklich leidet, weil er mir sonst nicht helfen kann.


    Versuche es Deinem Mann nachzusehen oder geht zusammen zu einer Psycho-Onkologin um ins Gespräch zu kommen. Das kann helfen.

    Oder sage ihm freundlich und ruhig, wie sehr Dich sein Schweigen kränkt. Vielleicht kann er es dann ändern.


    Apropos Männer: Mein Vater schweigt seit 2 Jahren mit absoluter Konsequenz über meine Erkrankung. Und das eine mal im Auto mit mir, als ICH IHN in die Klinik gefahren habe, fing er an über sein Bedauern zu sprechen, konnte aber vor lauter weinen nicht lange reden.


    Mein Bruder ähnlich: Er telefoniert mit mir, will sich verabschieden und dann schluchzt er nur noch.

    Meine Güte, die Männer sind die "Schwachen".....und wir müssen es leider aushalten.


    ABER: Wir sind ja hier, verstehen Dich, texten Dich voll ;)( wie ich) und schicken Dir eine liebe Trostumarmung :hug:

  • Debo30: Ja, ich glaube auch daß es in den meisten Fällen tatsächlich Hilflosigkeit ist. Sie können nichts tun, Männer wollen was abarbeiten, ein Ergebnis sehen... Ganz sicher will ich nicht verallgemeinern, es gibt Unterschiede. Aber ich meine, wir haben sie geheiratet bzw. leben mit ihnen zusammen, weil wir uns in sie verliebt haben und sie lieben und sie uns lieben. Man weiß ja um das Wesen des anderen. Jetzt auf einmal zu erwarten, daß sie sich um 180 Grad drehen, weil wir das jetzt einfach mal so nötig hätten. Wir wollen/können darüber reden, sie wissen nicht was sie sagen sollen.


    Eine Freundin hat mich gefragt, wie es meinem Mann denn geht mit allem. Er meinte dann, sie war die erste die überhaupt mal gefragt hat, wie es ihm denn geht. Das ist glaub ich auch eins der größeren Probleme, wir sind die Kranken und klar, das ist schlimm. Aber sind wir doch mal ehrlich, Angst um einen geliebten Menschen zu haben, wie schlimm ist das? Viele von uns waren doch auch schon Angehörige, es ist schrecklich. Und erst jetzt weiß ich so wirklich, was meine Eltern mit ihren Erkrankungen durchstehen mußten. Als ich die Diagnose bekommen habe galt wirklich erstmal meine größte Angst ihm, daß er das jetzt auch alles durchmachen muß, die Ängste, Hoffnungen, Warten, Launen, Schmerzen.... all das halt.


    Und ich denke auch, daß wenn es zu sehr verkeilt ist und man von selbst nicht rauskommt sind die Psychoonkologen sicherlich Gold wert. Auch damit sie sehen, daß ihre Nöte und Ängst ebenfalls ernstgenommen werden.


    Für mich persönlich gesprochen hilft mir das Forum hier am allermeisten. Das hab ich ihm neulich auch mal gesagt, dadurch wird so viel abgefangen, was er ansonsten "abbekommen" hätte. Aber die Umarmung, die brauchen wir nunmal von unseren Männern und das darf man durchaus auch aktiv einfordern, wenn einem danach ist. Und das tut ihnen auch gut

    Das Leben ist ein Keks, jeden Tag beissen wir ein Stück davon ab

  • Debo30:


    Für mich persönlich gesprochen hilft mir das Forum hier am allermeisten. Das hab ich ihm neulich auch mal gesagt, dadurch wird so viel abgefangen, was er ansonsten "abbekommen" hätte. Aber die Umarmung, die brauchen wir nunmal von unseren Männern und das darf man durchaus auch aktiv einfordern, wenn einem danach ist. Und das tut ihnen auch gut

    Claudi209


    Ich bin auch froh, dass ich hier vor allen Dingen meine Ängste oder den Frust ablassen kann. So bekommt die Familie nicht die geballte Ladung mit. Da ich aber gerne rede, bekommen sie eh zu viel von mir zu hören.;)


    Mein Mann will auch eher nicht alles so genau wissen, aber er hilft mir großartig und übernimmt seit Monaten Mehraufgaben. Seine größte Leistung ( und er ist immerhin 71 Jahre) er hat mich über 30 mal täglich gefahren, eine Tour 2 Stunden und hat im kalten Winter im Auto sitzen müssen, bis ich mit der Bestrahlung fertig war. Er redet auch nicht viel ( weil ich einfach zu viel rede), aber ich kann mich absolut auf ihn verlassen. Das ist mir dann noch wichtiger.

    Wobei meine Tochter auch oft gefahren ist zur Chemo und mit ihr kann ich alles bequasseln. Mein Mann sagte schon früher immer: "Man kann auch alles zerreden". War aber nicht auf die Krankheit bezogen. Ich nenne das mal simpel "maulfaul";)^^


    Ich bin mir sicher, ich habe dem Richtigen mein Jawort gegeben . :)

    Es lebt nur der, der lebend sich am Leben freut. -Menander der Athener


  • Aenneken: Ja, maulfaul trifft es glaub ich ganz gut. Wenn Wahl steht zwischen "sag ich jetzt was" oder "sag ich lieber nichts"... wird i.d.R. das zweite gewählt. Ich sag immer Du bekommst an der Himmelspforte keinen Bonus fürs Nichtreden ;-) Er meint dann immer, ich rede ja genug... tja, man sollte es tatsächlich von beiden Seiten sehen ;-)


    Ja, aber Du sprichst das was an. Die Verläßlichkeit (reden hin oder her) das ist was, was einfach sowas von unbezahlbar ist. Daß er Dich täglich gefahren hat ist vermutlich für ihn sogar selbstverständlich, ich finde es einfach super klasse. Und das ist es was zählt am Ende des Tages oder?


    Und mit Deinem letzten Satz ist eigentlich auch schon alles gesagt. Schön <3

    Das Leben ist ein Keks, jeden Tag beissen wir ein Stück davon ab

  • Aenneken

    Mir geht es da wie dir und auch wie Claudi209 mir hilft dieses Forum hier auch am meisten. Die Psychoonkologin ist gut, hilft mir aber nicht so gut wie der Austausch hier.

    Und du scheinst den für dich perfekten Partner gefunden zu haben. Wie lange seid ihr verheiratet? :love:


    Mein Mann ist auch eher wortkarg, aber ich bin eher der Mensch der das Herz auf der Zunge trägt. Ich muss ihm immer sagen, wenn ich etwas blöd finde. Ich glaube ich hätte meinem Mann gesagt "Kannst du dazu mal was sagen?" Ich persönlich empfinde das nicht als einfordern. Denn ich denke immer, man kann Missverständnisse verhindern. (und ich denke darum geht es meistens zwischen Männern und Frauen weil wir einfach anders kommunizieren - zumindest ist das meine Erfahrung) .


    Das soll jetzt aber kein Angriff sein!!! Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Andere meine Vorgehensweise als "Einforderung" verstehen. Jeder muss da seinen Weg finden mit sich und seinem Partner umzugehen in so einer Situation.

  • Ich glaube, ich habe etliche männliche Gene in mir. Wenn es brenzlig wird, verschlägt es mir die Sprache. Der Mund dörrt aus. Schockstarre und grenzdebile Fluchttendenzen überkommen mich. Ich mag dann überhaupt nicht reden, kann keinen klaren Gedanken fassen und muss mich bewegen. Bloß nicht mit der Thematik befassen. Sobald ich in der emotionalen Achterbahn sitze, kann ich nicht mehr aussteigen. Einem anderen Menschen in dieser Situation helfen geht nicht, egal, daß mein Kopf weiß, daß da Hilfe gebraucht wird.

  • Briwo


    Ich habe im zarten Alter von 19 Jahren geheiratet und wir sind jetzt 48 Jahre verheiratet.


    Quietsche

    Und alle denen du wichtig bist, kennen dich und stellen sich darauf ein.

    Es lebt nur der, der lebend sich am Leben freut. -Menander der Athener


  • Quietsche

    Da schau... ich sag ja, jeder geht in solchen Situationen anders um. Und das ist auch vollkommen ok so. Wenn man selber schon mit einer Situation überfordert ist, kann man einem anderen auch nicht helfen. Das geht mir in anderen Situationen auch so.


    Aenneken

    Ooooh wie schööööön! 😍

    Ich würde ja gerne mehr erfahren. Also wenn du schreiben magst, wie ihr euch kennengelernt habt und wie es weiter ging (Zusammenziehen, Antrag, etc.) , würde ich das sehr gerne lesen. Aber dann vielleicht nicht hier, das passt nicht ins Thema, gell? Ich würde mich aber über eine persönliche Nachricht freuen. Aber nur wenn du magst! 😉

  • Liebe Claudi209 ,


    natürlich ist diese Tante Corona-Verleugnerin und Masken-Gegnerin....


    Ich hab meine Freundin nicht darauf angesprochen. Es tut mir sehr leid, dass sie mit meiner Krankheit nicht umgehen kann, aber ich bin ihr deswegen nicht böse. Und wie du sagst, ich habe momentan nicht die Kraft, sie zu unterstützen. Und ich habe zu Glück Menschen, die jederzeit für mich da sind.

    LG

  • Melanie_1107: Ja, das versteh ich total. Man muß auch ein wenig egoistisch sein... In den letzten Monaten hat sich ja nicht nur dank Corona herausgestellt, was wirklich zählt im Leben bzw, was man wirklich braucht im Leben.

    Das Leben ist ein Keks, jeden Tag beissen wir ein Stück davon ab

  • Liebe Pitti67 , spontan ist mir ein Antwortspruch eingefallen:

    „Von solchen wie du bin ich schon oft gefahren worden. Alle tot.“


    diese Antwort erfüllt mein Bedürfnis, so richtig zurück zu knallen.

  • Hallo Zusammen.. Nachdem es in unserer Nachbarschaft die Runde gemacht hatte dass ich BK habe kam im saloppen plauderstil meine über 80 jährige Nachbarin auf mich zu.. Sehr chic und lebensfroh u top gestylt muss ich sagen.. In ihrer nassforschen Art hat sie mir gleich erzählt wer in ihrer Familie an Krebs gestorben ist. Allen voran ihre Tochter.. Diese hat ein Jahr gekämpft mit Eierstockkrebs und wollte auch noch leben☝️☝️.. Hilfe! Hab mich fast verantwortlich für Ihren Tod gefühlt.. Zum Abschluss kam dann aber noch ein versohnliches..Aber SIE schaffen das! 🙄🙄

  • Puregold

    Ach, ich frage mich halt, was solche Leute damit sagen wollen? Wollen die helfen mit dem Gequatsche? Oder wollen die selbst Aufmerksamkeit und bemitleidet werden (Tochter an Eierstockkrebs gestorben)?

    Achtung, jetzt schwarzer Humor: Die Alte überlebst du auf jeden Fall!! Kannste der nächstes Mal so sagen...hihi🤣😈

  • Ich find die Erzählungen über krebs in der Bekanntschaft auch nur schwer zu ertragen. Aber ich sag dann auch zu den jenigen das ich das ziemlich unmöglich find, grad mir solche story's zu erzählen. Die Sätze, "Du musst positiv denken, ich wünsch dir viel Kraft, oder ich könnte das nicht durchstehen. Ja, hä, ich hab keine Wahl, und was würdest du dann machen, wenn du in der Situation bist. Find ich auch immer sehr witzig. Aber viele reden so nur aus Gedankenlosigkeit.Mir wurde auch schon gesagt "Die Frau so und so ist ja auch nach 5 Jahren wieder erkrankt und dann ganz schnell gestorben" Da war ich erst mal sprachlos.

  • Ich hab das oft so empfunden, dass die Menschen mit diesen Sprüchen ihre eigentliche Sprachlosigkeit übertünchen möchten. Ich weiss jetzt auch nicht ob ich die ungefragten Sprücher schlimmer finde als gar keine Anteilnahme, das hab ich nämlich auch erlebt.

    Ich bin den Leuten eine Zeit lang gnadenlos über den Mund gefahren, nach der ersten Schockstarre. Ich fand das eine prima Zeit, einfach mal raushauen was ich denke und reinen Egoismus fahren. Nach dem Motto, alles wer keinen Kreb hat, kann sich mit ungefragten Ratschlägen und Kommentaren zurück halten. Die Krönung war die Andeutung eines Reikimeisters der mit wissender Stimme sagte dass der BK die Folge eines Traumas wäre. Dem hab ich sofort den Mund verboten.

    Mein Schwiegervater liess mich wissen, dass sie für mich beten. Da hatte ich sehr gemischte Gefühle (öööh, ich lieg aber noch nicht auf dem Sterbebett) aber der Pragmatiker in mir dachte letztendlich - prima, ich kann jede Hilfe gebrauchen.