Die dümmsten Sprüche zu Eurer Erkrankung

  • Taima

    Tatsächlich habe ich so etwas in ähnlicher Form auch von einem Bekannten zu hören bekommen.


    Mag ja sein, dass manche Sachen irgendwie parallel passieren, aber von dem Einen auf das Andere schließne? Ich weiß ja nicht ............



    Was ich auch ganz bescheiden finde, wenn mir von Leuten, die jemanden kennen, die wiederum auch vom BK betroffen war berichten, was diesen Frauen gut getan hat oder wie sie behandelt wurden.......... Irgendwie komme ich darauf nicht klar, dass solche Leute nicht verstehen wollen, dass die Lage doch bei jeder/jedem Betroffenen vollig anders aussieht..............

  • Am schlimmsten finde ich es, wenn heisst "du gehst ja nur zur Infusion" und dann hast du wieder 4 Wochen Ruhe. Die "nur Infusion" ist eine Chemo und es braucht so viel Kraft und Disziplin (mache weiter Sport und gehe arbeiten denn das liebe ich) um nach der Chemo immer wieder in einen "Normalmodus" zu kommen. Aber das sieht keiner.

  • Hallo Vroni13 ich kann Dich gut verstehen. Dieses bagatellisieren nervt mich wahnsinnig. Da fällt mir der schöne spruch ein: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fres.. halten!;)

  • Jede Betroffene ist da wohl anders. Ich mag nicht bemitleidet werden. Dann biege ich es ab und bagatellisiere. Ich vermute mal, unsere Erwartungshaltungen an die Mitmenschen sind so unterschiedlich, dass die die Armen sie einfach nicht erfüllen können.


    Also einige Sprüche hier finde ich wirklich übel, aber je länger ich drin stecke, desto mehr verstehe ich "Aussenstehende". Vor allen Dingen wenn ich daran denke, wie ich mich anderen Krebskranken gegenüber verhalten habe, bevor ich es selber bekam.


    Ich bin auf trostlose Offenbarungen immer mit Zuversicht geantwortet. Obwohl ich heute weiß, dass man da einfach nur zuhören sollte und es nicht abschwächen, weil man diese Hoffnungslosigkeit auch als Außenstehender nicht ertragen kann.

    Es lebt nur der, der lebend sich am Leben freut. -Menander der Athener


  • Wieder so ein Tag heute.....

    Ein dummer Spruch eines Kollegen und ich platze fast.

    Der Kollege geht weg und brubbelt was von " meine schlechte Laune usw....".

    Oh man, ich erkenne mich oft selbst nicht wieder. Vor der Diagnose hat mich sowas überhaupt nicht angehoben, jetzt ist es fast ein Glücksspiel, wie ich reagiere.

    Sollte ich, oder darf ich, etwas mehr Verständnis erwarten?

    Irgendwie macht es mich gerade ziemlich traurig, dass für meine Mitmenschen, sicher nicht für alle, das letzte Jahr nicht mehr existent zu sein scheint. Ich habe mir das doch auch nicht ausgesucht...... ;(

  • Liebe kruemelgirl , ich mache im Moment auch die Erfahrung, dass ich schnell aus der Fassung gerate. Damit bist du nicht allein. Natürlich darfst du Verständnis erwarten, nur wird es immer wieder so sein, dass es in dem einen Moment gerade nicht genug ist. Mir hilft die Vorstellung, dass die "anderen" eben auch alle ihre Sorgen, Probleme und Ängste haben. Ich erinnere mich immer wieder daran, wie ich vor meiner Erkrankung war und ganz ehrlich, wenn es nicht gerade sehr nahestehende Menschen waren, die schwer erkrankt waren, bin ich mit der Zeit auch nicht mehr besonders aufmerksam und rücksichtsvoll gewesen. Trotzdem glaube ich, ein mitfühlender Mensch zu sein. Wenn dich etwas wirklich verletzt, hab den Mut das anzusprechen, das brauchst du nicht einfach hinnehmen. :hug:

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Danke dir liebe Fiducia2020 für deine Worte.


    Ich weiß, ich sollte toleranter sein. Manchmal fällt es mir aber recht schwer, nach außen so zu tun, als hätte es das letzte Jahr so nicht gegeben.

    So eine Phase habe Ich jetzt wohl, da mir beim Schreiben dieser Zeilen schon wieder die Tränen in die Augen schießen.


    Vielleicht tun mir jetzt die 2 Tage Wochenende gut.


    Zum Thema, andere haben auch ihre Sorgen. Natürlich, gar keine Frage. Nur jetzt gerade habe ich das Gefühl, meine Sorgen und Problem sind für die anderen nicht wichtig oder überhaupt da. Alles "muss" gefühlt so laufen wie vor meiner Diagnose. So läuft das aber leider nicht.......

  • Liebe kruemelgirl da habe ich mich falsch ausgedrückt. Du brauchst keineswegs toleranter sein. Zu verstehen, weshalb Menschen handeln, wie sie es tun, bedeutet keineswegs, es auch zu entschuldigen. Du hast jedes Recht, mehr Verständnis zu erwarten. Mir hilft es einfach, mir zu sagen, dass mir andere nicht "absichtlich" weht tun, es ist ein Teil meiner Rüstung, sozusagen.

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Es ist einfach verletztend, mich auf meine "schlechte Laune " zu reduzieren, wenn ich sage, wenn mir etwas nicht gefällt.

    Es ist einfach nicht wichtig, warum es mir so ergeht.


    Ich weiß, das ist ziemlich egoistisch.


    Natürlich muss ich mich bemühen, auch mit taktlosen Menschen auszukommen, zumal ich jeden Tag mit eben diesem Menschen arbeiten darf....

  • kruemelgirl , da gebe ich dir zu 100% Recht, es ist verletzend, deine Kritik einfach als schlechte Laune abzutun, ohne auch nur eine Sekunde zu reflektieren, ob sie berechtigt sein könnte. Ich hoffe, du lässt dich davon nicht beeindrucken und sagst weiterhin deine Meinung Evl. macht eine Aussprache Sinn? Egoistisch zu sein, wird leider immer negativ besetzt, dabei muss man klar unterscheiden zu Egozentrik. Wenn man Egoismus mit Selbstfürsorge gleichsetzt, ist das doch was Positives!

    Jede von uns ärgert sich über die Oberflächlichkeiten unserer Mitmenschen. In einem Vortrag heute wurde gut beschrieben wie häufig das Umfeld eine gewisse Zeit nach Abschluss unserer Therapie unsere Situation als Preis für's Überleben" einstuft. So nach dem Motto " Hey, du hast Krebs überlebt, nun freu dich doch mal, da sind doch die paar Probleme, die du noch hast, Peanuts!" Letztendlich können wir die Menschen aber nicht ändern, sondern nur unseren Umgang mit ihnen und mir dem was sie tun. Mit meiner Methode gelingt es mir meist, dass das Verhalten anderer nicht so große Macht über nein Befinden hat. Das heißt aber nicht, dass sie dir auch hilft. Ich hoffe, du findest den für dich passenden Weg.

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Mich nervt immer wieder, dass Leute, die keine Ahnung haben, mir sagen "Das wird schon wieder, Sie werden wieder gesund, wenn Sie nur positiv denken" Ich sage dann klar und deutlich, dass ich nicht wieder gesund werden, ein bei der Diagnose bereits in die Lymphknoten metastasierter Krebs mit inzwischen aufgetretenen Lungenmetastasen ist nicht heilbar. Man kann ihn bestenfalls in Schach halten, aber wie lange das funktioniert, weiß niemand.


    Also bin ich zum Erstaunen mancher Leute viel unterwegs (Kultur, Freunde treffen, ein bisschen Mitarbeit im Bezirksmuseum) und nutze die Zeit, in der es mir gut geht.

  • Ja, leider ist in Deiner Beschreibung die Ursache dafür ja schon enthalten @Hamster… „die Leute, die keine Ahnung haben…“


    Eben, sie wissen nicht, wie genau Deine Krebsgeschichte ist. Dass Du nie wieder als gesund betrachtet werden kannst. Ich finde hier die allseits beliebte Lösung „wenn Sie nur positiv denken“ schlimm, das geht mir am meisten auf den Keks. Manchmal sag ich, naja mit positivem Denken ist noch kein Krebs geheilt worden, aber ich weiss ja letztlich wie es gemeint ist. Manchmal wär es einfach besser die Klappe zu halten, aber vermutlich würde uns das dann ebenso treffen. Es ist einfach schwierig und auch sehr situationsabhängig.


    Was Du sagst Fiducia2020 mit dem Krebs überleben, dann ist alles andere Peanuts… oh man darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht. Nur während der ganzen Zeit jetzt hab ich immer mal wieder gesagt, Corona hätte ja auch gereicht. Die Leute jammerten, dass sie nicht zum Friseur konnten, ich wäre froh gewesen Haare zu haben. Da ernte ich dann mal ein Lacherchen… ist aber sowas von gar nicht lustig gemeint…

    Das Leben ist ein Keks, jeden Tag beissen wir ein Stück davon ab

  • Claudi209 , ich persönlich finde diese Einschätzung "Preis für's Überleben" nachvollziehbar, ich bin ja auch bereit, ihn zu zahlen. Nur können Unbetroffene überhaupt nicht einschätzen, wie hoch genau der Preis ist, weshalb sie sich mit abschätzigen Kommentaren zurückhalten sollten. Früher habe ich solche menschlichen Fehlleistungen immer als persönlichen Angriff gewertet, jetzt gelingt es mir meistens, dem mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen, einfach weil ich mir denke, dass es eben nur eine Folge menschlicher Unzulänglichkeit ist, von der ich ja auch nicht frei bin. Zur Zeit merke ich allerdings, dass ich wieder ziemlich verletzlich bin und mir schon kleinste Hindernisse oder ein leicht dahin gesagter Satz reichen, um in Tränen auszubrechen. Zum Glück gelingt es mir meistens schnell, aus dem Tal der Tränen herauszukommen, oft erklimme ich dann erst noch den Berg des Zorns um dann wieder in meinen Wald der Gelassenheit zurück zu kehren.

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Fiducia2020 - "Tal der Tränen - Berg des Zorns - Wald der Gelassenheit" - das ist gut!!! Das muss ich mir merken!

    Diese Sichtweise (mancher) nicht Betroffener - dass man wenn man Krebs überlebt hat, ja froh sein kann, dass man überhaupt noch da ist und dafür bitte schön alle Beeinträchtigungen klaglos hinzunehmen hat macht mich auch wütend. Je nachdem, in welcher Stimmung ich bin, versuche ich mit viel Toleranz dem so Sprechenden eigene Hilflosigkeit zuzugestehen. Meistens weiß ich unmittelbar keine passende Antwort darauf.

    Wenn solcherart Kommentar von Leuten kommt, die selbst jegliche Einschränkung (Corona etc.) als persönlichen Affront empfinden und sich endlos darüber aufregen können macht mich das sprachlos. Als Kranker und Gezeichneter soll man bitteschön die Laune des Gesunden nicht durch unnötige Präsenz verderben und - oh Gott - diesen an seine eigene Sterblichkeit erinnern und daran, dass das Drama auch jederzeit über ihn hereinbrechen kann. Das muss man schon verstehen.

    Das sind wohlgemerkt Einzelfälle, die ich bisher so erlebt habe - aber die Verletzung durch diese Haltung ist für mich nachhaltig und ich habe lange daran zu kauen.

    Die Mär von der Verhinderung oder Heilung einer Krebserkrankung durch positives Denken, durch einen bestimmten Lebenswandel und damit verbunden die Schuldzuweisung an den Kranken, der nur zu schwach, zu inkonsequent oder nachlässig ist, bedeutet für manche Zeitgenossen, sich moralisch über den Kranken zu erheben und damit die eigene Unverletzlichkeit zu beschwören. Damit wollen sie vielleicht nicht einmal verletzen - sondern für sich die Illusion aufrecht erhalten, dass ihnen diese Krankheit nicht passieren kann. Wie verletzend diese Haltung für die Erkrankten ist - unwichtig. Also ich denke, es ist in den seltensten Fällen böse oder bösartig gemeint, wenn man mit solchen Aussagen konfrontiert wird - es ist die tiefsitzende Angst, selbst das Schicksal zu erleiden.

    So kann ich die Äußerungen mancher Zeitgenossen verstehen - aber nicht entschuldigen - und nur versuchen, es nicht persönlich zu nehmen und gelassen zu bleiben...

  • caledonia Das Verzeihen ist schon auch eine besonders große Herausforderung und mir gelingt es am ehesten aus Egoismus. Diesen Ballast, den Wut, Verletzung und Enttäuschung ausmachen, mag ich einfach nicht ewig mit mir rumschleppen. Es befreit, ihn abzulegen. Ich gebe aber zu, dass in meinem Rucksack ganz unten versteckt noch ein paar solcher Päckchen sind. Manchmal rücken sie ganz unvermittelt in mein Blickfeld, natürlich, wenn ich gerade überhaupt nicht damit rechne und ich sie so gar nicht gebrauchen kann. Meist bin ich dann buchstäblich sprachlos. Hin und wieder werde ich dann auch eins dieser Päckchen los, aber oft genug packe ich sie auch wieder zurück in den Rucksack und schleppe sie weiter mit mir herum, tief unten versteckt ...

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Fiducia2020

    das hast du schön geschrieben!

    Ich bin da ganz bei dir.

    Verletzung, Enttäuschung, massive Kränkung sind harte Brocken.

    Wenn man allerdings so gut wie es geht verziehen hat, dann werden sie leichter und/oder verschwinden.

    Irgendwer hat mal gesagt, man hat mit einer Sache erst abgeschlossen, wenn man vergeben hat.

    Das sehe ich auch so.

    Und das passiert bei mir nicht aus Gnade (schön wärs, aber ich bin nicht so edel), sondern aus Egoismus, wie du geschrieben hast, weil ich mich nicht länger zum Opfer meiner ungewollten Gefühle machen will.

  • Liebe Fiducia2020


    ich werde einen Teufel tun und mir meine Ehrlichkeit verkneifen ;-)

    Ich muss doch die Ehrlichkeit und die Antipatie auch hinnehmen.


    Wer das nicht ab kann, der hat in meinem Leben nix mehr verloren. Wie sage ich immer so schön, auch schon vor meiner Diagnose, ich muss diejenigen nicht heiraten. Es sind nur round about 8 Stunden, wo ich diese Leute " ertragen" muss......................


    Ich danke dir für deine aufbauenden Worte, die habe ich gestern tatsächlich gebraucht. :*

  • kruemelgirl , also wenn Du mit dieser Person täglich zusammen arbeiten musst, dann würde ich doch versuchen, das unter 4 Augen anzusprechen.

    Ich würde klipp und klar aber sachlich sagen dass, obwohl Du als geheilt giltst und wieder arbeitest, Du weit weg vom Zustand vor der Erkrankung bist, noch lange Nachwirkungen haben wirst die vielleicht nie ganz weggehen. Und ihm dann sagen dass, wenn er schon nicht das Mitgefühl oder Verständnis für solch eine Krankheit und Therapien hat, er bitte zumindest in Zukunft dumme Sprüche oder Gebruttel von wegen Deiner schlechten Laune unterlassen sollte.

    Alles Gute für Dich :hug::hug::hug: