Die dümmsten Sprüche zu Eurer Erkrankung

  • Hallo Ihr Lieben,


    das "Dumme" an der Blödheit dieser Mitmenschen ist, dass es leider so gar nicht heilbar ist. Beim Krebs gibt es da wenigstens Chancen.

    Es gibt einfach Menschen, die können nicht anders als neidisch sein. Leider sind sie so kurzsichtig, dass sie nur den Teil sehen, den sie sehen wollen. Das Gesamtpaket wollen sie dann doch nicht. Aber es ist müßig diesen Menschen zu erklären, wie blöd sie sind (s. 1. Satz)


    Liebe Katzi, ich weiß, was Du meinst und finde es auch immer wieder unmöglich. Man sitzt ja nicht auf dem "Schwerbehindertenplatz" an der Tür weil der so praktisch in Türnähe liegt und man es so klasse findet, ständig irgendwelche Ellbogen abzukriegen. Mir blieb leider nach meiner OP im Januar auch nichts anderes übrig, da ich mich mit operierter Brust re und zickendem Port li auch nicht in der Bahn festhalten konnte. Und man schafft es bei den kurzen Stops sonst einfach nicht, rechtzeitig zur Tür zu kommen, wenn man ausssteigen will. Es ist schon irre, wie böse insbesondere einige "Damen" gucken können. Ich habe auch nur drauf gewartet, dass einer den Mund aufmacht.


    LG

    Heideblüte

  • Hallo , ihr Lieben


    Auch ich hatte mal wieder ein Treffen mit einer weitläufigen Bekannten .Kam Freude strahlend auf mich zu und meinte : " Mensch , du siehst so gut aus und so braun....da hast du das letzte Jahr aber trotzdem gut genutzt"


    Unsere Unterhaltung war dann auch ziemlich bald beendet ,------ von mir!!!X(

    Sollte das Leben Dir in den Hintern treten , dann nutze den Schwung um vorwärts zu kommen.

  • Ich finde wir sollten da nicht alles auf die Goldwaage legen. Keine Ahnung was ich sagen würde und letztendlich ist es auch für die Menschen die uns gegenübertreten nicht sooo einfach richtig zu reagieren. Was ist auch richtig? Ich finde zu emotional auch schwierig.....

  • ...und ich habe heute eine Bekannte getroffen, die ich lange nicht gesehen habe, aber sie wusste von meiner Diagnose.


    Sie fragt mich, wie es mir geht.


    Ich antworte: alles gut!


    Und sie: ach, Mensch!

    Ich bin so stolz auf dich, wie du alles geschafft hast! Und dass es dir gut geht, glaube ich natürlich nicht, es kann nach Chemo nicht sein.

    Aber Hauptsache du lebst!


    Hä?.. Müsste ich sterben???

  • Bis auf den Zusatz "Hauptsache Du lebst" klang es ja schon ganz gut. Ich habe eher die Erfahrung gemacht: du bist mit der Chemo durch, dann ist alles wieder gut. Mein Umwelt scheint auch zu erwarten, dass ich schon übermorgen nachmittag wieder topfit bin. Da ist jemand, der sich zumindest damit auseinandergesetzt hat, dass eben nicht gleich alles gut ist, doch schon eine Art Lichtblick. Nur wenn das dann ich die Richtung: Krebs-Chemo-Sterben abdriftet, dann ist das natürlich frustrierend.

    Ich habe eine "Freundin" komplett gecancelt, die nicht akzeptieren wollte, dass ich sehr weit von der Urne entfernt bin und von vielen halte ich mich momentan einfach fern. Vielleicht kommen wir nach meiner Erkrankung doch noch auf einen gemeinsamen Nenner.

  • Guten Abend Zusammen,


    Eine FreundIn war heute zu Besuch und da wollte Sie von mir wissen, wie lange es dauert bis ich wieder normal bin??

    Ich hab das erst garnicht gecheckt - bis mein Mann mir übersetzte, das Sie wissen wollte, wie lange diesmal meine Nebenwirkungen der Chemo dauern könnten....


    ( Lässt ja auch so gut vorausplanen......)


    Auch geil fand ich heute einen Spruch von einer Person die zu mir sagte dass meine Haare doch schon wieder sichtbar seien gegen das Licht....

    Sehr nett - macht mut...


    Wollte ich nur mal loswerden.

  • Liebe Sassenach,

    lass Dich von so unwissenden und unsensiblen Personen nicht unterkriegen.

    Es ist hart, sich in der Situation auch noch mit blöden und verletzenden Kommentaren herumschlagen zu müssen.

    Dahingehend müssen wir uns auch noch ein dickes Fell zulegen.

    Und das mit den Haaren wird Dich (so war meine Erfahrung) auch noch etwas begleiten. Aber da hatte ich immer einen guten Spruch parat 8o

    Wenn mal wieder jemand einen - für mich - blöden Kommentar bzgl. meiner Haare in meine Richtung losgelassen hat:

    "Ja, mei! Ein schönes Gesicht braucht halt Platz"

    Einfach mal damit kontern ;)

  • Liebe Sassenach,

    diese Leute wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es ist zum einen gedankenlos und zum anderen (wahrscheinlich) die Hilflosigkeit.

    Ich selbst wüsste nicht, wie ich reagieren würde, wenn in meinem Bekanntenkreis einer Freundin so etwas passieren würde? Weißt Du es? Wir dürfen nicht erwarten, dass die Menschen um uns herum immer so reagieren, wie wir es uns gerade wünschen.

    Zum Thema "wann Du wieder normal bist": Die Bekannte einfach mal fragen, wie sie denn bitte normal definiert?? Du bist so normal wie es deine Situation gerade zulässt. Und auch ruhig dann dazu sagen: "Dein Kommentar hat mich verletzt."

    Wenn mich etwas genervt hat oder mich die Worte von jemanden verletzt haben, dann habe ich das auch gesagt. Es erfordert einiges an Mut und auch Kraft. Es war nicht immer einfach aufrichtig und ehrlich zu jemanden zu sein. Weil man den anderen ja auch nicht "verletzen" möchte. Das ist ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen. ABER > irgendwann muss man anfangen ;)

    Ich wollte es immer allen recht machen und war immer höflich und nett. Aber das geht nicht.

    Du musst auf Dich und deinen Körper hören und acht geben. Und wenn Dich so eine Aussage wurmt, dann sprich die Person darauf an. Die Leute um uns herum können nicht hellsehen, nicht erahnen was gerade in uns vorgeht. Wenn sich solche Aussagen häufen, obwohl Du sie darauf angesprochen hast, dann einfach Abstand nehmen.

    LG Mäusel

  • Ich bin hier auf das Thema gestoßen weil es ich gezielt danach gesucht habe.

    Ich bin grad auch wiede sprachlos über die Kommentare und Reaktionen zum Thema. Grad aktuell ist meine Freundin die ich vor 3 Jahren kennengelernt habe an den Folgen des Brustkrebs gestorben. Ich trauere sehr um sie und ihre zurückgelassenen 5 Kinder von 6-17 Jahren. Gleichzeitig ist meine Angst aufgrund meiner eigenen Erkrankung vor 4 Jahren und erneuter Erkrankung sehr groß. Ich muss dazu sagen dass ich grad aufgrund von mehrmonatigen unerklärlichen Bauchschmerzen ein CT bekommen habe. Zum Glück alles gut. Nur die Reaktionen auf meine Panik und Angst Ertrag ich nicht mehr . Beispiel: komm ist doch alles wieder gut ... ich hab auch ganz viele um mich rum mit Brustkrebs ....du musst positiv sein...ich dachte alles ist wieder gut.....Brustkrebs ach ja ist doch gut behandelbar ... ich bündelnder Ärztin und es fällt mir schwer Patienten mit meiner Diagnose zu untersuchen. Reaktion einer Arzthelferin darauf ...die Patienten kommen doch garnicht wegen dem Krebs zu dir ...irgendwann geht dass bestimmt wieder grrrr ...ich : ja aber ich kann noch nicht mal mehr das Wort in der Akte lesen und mir wird anders und die Patienten reden trotzdem über den Krebs auch wenn sie zu mir wegen etwas anderem kommen ...ich mag so einen Mist nicht mehr hören

  • " Denn sie wissen nicht, was sie tun(sagen)" !


    Irgendwie dürfen wir unsere Nerven nicht mehr damit strapazieren oder unsere Energie damit verschwenden, darauf zu reagieren oder darüber nachzudenken. Uns gar darüber zu årgern bringt auch nichts. Ob es jetzt Unverständnis, Unwissen, Verlegenheit oder einfach manchmal Dummheit ist.

    Wir wissen was wir sind und wer wir sind, was wir alles schon geschafft haben und wie stark wir eigentlich sind, das zåhlt letzten Endes und wir sollten einfach nur mal Stolz auf uns sein und können das den anderen auch gerne mal sagen, finde ich.

  • Liebe Sylvi,


    das ist total richtig, was Du sagst, aber letztendlich ist es zwischendurch nicht so leicht.

    Ich habe z.B. das Glück, einen tollen Partner zu haben, auch gute Freunde und eine Familie, die zu mir steht. Dennoch fühle ich mich in der Arbeitswelt oft verdammt einsam. Wenn mir was wehtut aufgrund der OPs, dann bin ich kein Jammerlappen, aber wenn es echt wehtut, dann sage ich das auch, und auch ich kriege dann Sprüche zu hören, wie "Hauptsache, Du lebst, die Nebenwirkungen sind doch nichts dagegen."

    Doch, sind sie, weil sie mich einschränken, weil ich mein Leben neu definieren muß, weil ich Angst habe, ob ich das schaffe, weil mein gesamtes Leben sich verändert hat. Das kann ich meinen Kollegen nicht verklickern, das wisst Ihr, das wissen meine Freunde, mein Mann.

    Für die Kollegen ist ein Mensch, der wieder arbeitet, einfach gesund, so ist das. So als hätte man ein Jahr einen Schnupfen gehabt.

    Sprüche wie: "Du hast jetzt 5 Tage mehr Urlaub? Na ja, einen Vorteil sollte man ja haben, wenn man Krebs hatte", die machen schon was mit mir ...

    ich kann da auch nicht richtig easy mit umgehen.

  • Menschen, die nicht selbst betroffen sind von einer solchen Erkrankung (egal ob Brust oder ein anderer Krebs), verstehen absolut nicht, dass einem die Unbekümmerheit und Sorglosigkeit abhanden gekommen ist und dass man sie möglicherweise auch nie wieder findet. Dass wir die Welt und uns mit anderen Augen sehen, mit anderen Sinnen wahrnehmen, dass sich unser Blick ganz anders nach innen richtet... verstehen sie nicht.


    Aber ich denke eben, dass sie das auch gar nicht können. Und ob man es Ihnen wirklich nachvollziehbar erklären kann, wage ich zu bezweifeln. Es gibt Dinge, die muss man einfach spüren.

  • Hallo Ihr Lieben, :):):)


    wie treffend sind doch all diese Worte. in vielen Aussagen finde ich mich wieder. Besonders von den Schwestern der Chemotherapie wurde Sätze wie: sie müssen positiv denken..." immer wieder gebraucht. Und was die Ärzte betrifft das ist schon manchmal zum sprachlos oder wütend sein. Ruhig bleiben fällt mir dann manchmal schwer: jüngstes Beispiel: ich war am Mittwoch bei der Gyn als Nachuntersuchung nach den 2 Operationen. Sie meinte: "so - da will ich jetzt mal nach der Eierstockzyste schauen, habe ich im Arztbrief gelesen". Meine Antwort "die ist heraus, wurde bei den OPs mit entfernt und war ein gutartiger Tumor, das steht auch im Arztbrief..."

    Gedankenlosigkeit, Oberflächlichkeit? Sie hatte sowieso recht üble Laune und hat mehrfach betont, dass ich seit Februar nicht bei ihr war. Was sollte ich aber auch dort, ich war doch ständig im BZ, bei den Onkologen und im KH und bin ständig untersucht worden.


    Und was meine Freunde und die Verwandschaft betrifft, die mich auf dem bisherigen Weg "begleitet" haben, da ist schon manches seltsam und ich kann diese Kontakte nur entweder löschen oder wenigstens für einige Zeit zur Seite stellen. Es ist vieles nicht hilfreich.

    Dankbar bin ich für die wenigen Kontakte, die wirklich interssiert sind und sich versuchen, in meine Lage zu versetzen. die auch mal mit weinen oder spontan zum Besuch vorbeikommen. Ich habe eine ehemalige Kollegin (istgerade 70 geworden), die war schon 2x spontan da und ist dazu jeweils 1 Std por Strecke mit dem Fahrrad unterwegs. das hat mich echt gerührt. Das baut wirklich auf.


    Allen ein schönes Wochenede und LG Blume 8)

  • Liebe Blume,


    ja, es ist schön zu erleben, dass es Menschen gibt, die wirklich aus Interesse fragen, wie es einem geht, und auch tatsächlich an der Antwort interessiert sind. Es gibt diese Menschen, und ich erlebe immer wieder, dass es welche sind, von denen ich das nicht erwartet hätte: ein Kollege zum Beispiel, mit dem ich sonst gar nicht viel zu tun habe, hat mich neulich auf einer Fortbildung gefragt, wie es mir geht, und wir hatten ein ganz langes und gutes Gespräch. Das baut doch immer wieder auf. Nur schade, dass man diese Menschen oft wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen suchen muss.


    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Ja liebe Milli, da hast auch du recht und mir geht's nicht anders auf Arbeit, somit sage ich dort einfach gar nichts mehr. Das ist nicht toll, aber für mich momentan das Beste, aus der Situation zu machen ohne mich groß darūber zu årgern. Ich rufe mir dann immer ins Gedächtnis was ich oben geschrieben hab, nåmlich wie stark ich schon war und was ich hinter mir habe und denke dann : Ihr könnt mich alle mal "!

  • ich hatte gerade Klassentreffen. Eine ehemalige Mitschülerin meinte zu mir, dass ich ja auch eine von denen bin, die den neuen Trend mitmachen und sich die Haare grau färben (der Ton war unmöglich). Ich hab sie einfach in einem ruhigen Ton darüber informiert, dass ich den Trend unfreiwillig mitmache und einfach froh bin, dass die Haare wieder da sind. Sie hat sich kleinlaut entschuldigt.

    Liebe Grüße von

    Stupsi


    Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie alle siegreich und glorreich zu überwinden (Carl Hilty ) :)