Alleinstehend mit DCIS seit 01/2013 vor OP stehend...

  • Hallo,


    gibt es noch jemanden, der alleinstehend ist? ich bin seit 5 Jahren geschieden und bin nun allein mit der Diagnose. Niemand da, bei dem ich mich mal anlehnen und weinen kann. Niemand Vertrautes da, der mich tröstet - das schmerzt doch ganz schön.


    Wenn jemand noch alleinstehend mit der Diagnose DCIS ist - bitte melde dich bei mir. Ich habe soooo viele Fragen: wie hast du es allein geschafft, bekommt man eine Hilfe über die Krankenkasse. Natürlich habe ich Freunde - aber auch diese haben eigene Familien und können nicht nur für mich da sein. Momentan fangen sie mich aber sehr auf und ich bin sooo dankbar, dass ich sie habe.


    Würde mich über einen Austausch freuen. Danke und lieben Gruß


    Schlappi

    Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

  • Liebe Schlappi,


    Dein Beitrag hat mich so berührt, dass ich einfach antworten muss, obwohl ich bei meiner Krebsdiagnose meinen Partner und meinen Vater an meiner Seite hatte. Ich war nicht alleinstehend, aber trotzdem habe ich mich oft sehr allein gefühlt, weil auch ganz nahe Angehörige schnell überfordert sind mit all den Problemen und dem Gefühlschaos, die frau bei Diagnose und Therapie so umtreiben. Und manches Mal habe ich darüber nachgedacht, mich von meinem Partner zu trennen, weil es so oft gekracht hat zwischen uns beiden.


    Ich habe mir recht schnell nach meiner Diagnose Hilfe von Außenstehenden geholt. Bei der Frauenselbsthilfe, bei einer psychosozialen Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige und später auch bei einer Psychologin. An diesen Stellen konnte ich vieles aussprechen, was ich meiner Familie oder meinen Freunden nicht zumuten wollte.


    Was Du tun kannst, wenn meinst, Deine Freunde nicht weiter belasten zu können, ist folgendes:
    - Dich mit der Leiterin einer örtlichen Selbsthilfegruppe in Verbindung zu setzen; das kannst Du telefonisch machen, Du musst nicht gleich in eine Gruppe gehen.
    - Im Krankenhaus, wo Du am 13.02. wieder bist, Deine Probleme ansprechen und um einen Termin mit Sozialberatung und Psychoonkologin bitten.
    - Dich an die Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige zu wenden, denn soweit ich beim Googlen gesehen habe, gibt es eine solche Einrichtung in Frankfurt.


    Sind das vielleicht schon mal ein paar mögliche Rettungsanker für Dich? Ich habe nämlich gemerkt, dass oft das Wissen, wohin man sich wenden könnte, schon reicht, um Ängste zu mildern.


    Ganz liebe Grüße
    Julchen

  • Liebe Julchen,


    ich habe mich so über deine Antwort gefreut. Ja, ich werde mich nach solche Anlaufstellen erkundigen und schauen wie und was die mir dann raten. Sicher werden mir meine Freunde helfen, aber wie schon geschrieben, sie haben ja noch ihr eigenes Leben.


    Familie wie Mutter und Geschwister habe ich, aber zu meiner Schwester habe ich über ein Jahr keinen Kontakt( sie hat den Kontakt abgebrochen) und mit meiner Mutter verstehe ich mich nicht so gut seit einem schlimmen Vorfallin meiner Jugned - da hat sie mich im Stich gelassen:-( Mein Bruder hilft mir wo er kann - er ist auch sehr traurig, dass ich wieder diese schlimme Diagnose habe( 2002 das 1. Mal).


    Danke für die Tipps, die helfen mir weiter.


    Herzlichst Schlapppi

    Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

  • Liebe Schlappi :) ,


    ich kann Julchen nur zustimmen. Es gibt Möglichkeiten, sich mehr - Hilfspersonal - :D für diese Zeit und für die Zeit danach zu organisieren.


    Als ich im Januar 2002 das erste Mal diese Diagnose hörte, fand ich hier in einem Forum viele Frauen, die Anteil nahmen an meinen Nöten, aber auch an den schönen Dingen, die mir in dieser Zeit begegnet sind. Eine Gruppe Menschen, die verstanden, was ich fühlte, weil sie es kennen. Innen-Ansichten sozusagen.
    Und das schöne war, auch dieses Forum war auch nachts erreichbar. Jede Freundin, die ich nachts um diese Zeit angerufen hätte weil ich etwas loswerden möchte, hätte sich vermutlich irgendwann von mir distanziert, um sich selbst zu schützen. So aber konnte ich jederzeit, also auch nachts, den ersten Druck meiner Gedanken und Gefühle schon einmal aussprechen. Das half sofort, und am nächsten Tag waren Antworten von wertschätzenden und verständnisvollen Frauen da. Keine Bevormundung, machs so oder so. Nein, Ideen, von denen ich mir aussuchen konnte, was zu mir und meinem JETZT passt.


    Später habe ich den Weg in eine Selbsthilfegruppe gefunden. Und hier habe ich mittlerweile so viele, ich sage immer : neue Mütter, neue Schwestern, Omas und Tanten. :thumbsup:
    Geballte FrauenPower mit verständnisvollem Herz, die auch mal aushalten, wenn es mir nicht so gut geht und nicht gleich auf leisen Sohlen um mich herumschleichen. Diese Frauen wissen ja, es geht weiter. Irgendwie, aber auf jeden Fall weiter.


    Die Familie hat diese Erfahrung meist nicht, und steht mit der Verunsicherung in der Regel alleine da. Für Famile und Angehörige ist noch kein erfolgreiches Strategie-Programm aufgelegt, so weit ich weiß. Und damit ist die Überforderung vorprogrammiert, es kommt, wie Julchen schrieb, auch zu Krach wegen der Belastung, die eine schwere Krankheit mit sich bringt.


    Ich wünsche dir Erfolg bei deiner Suche. Mir bedeuten diese Menschen meiner :D Zusatz-/Ersatz Famile mittlerweile sehr viel.


    Und eins noch: Ich kann sagen, ich habe über 40 Schwestern, über 20 Mütter, viele viele Tanten und noch ein paar Omas. Wer bitte schön hat schon so viele??


    Es tut mir gut, so wie es jetzt ist. ^^


    liebe Grüße von
    phönix

  • Liebe Phönix,


    danke für deine ausführliche Mail zu meinem Thema. Das macht mir gleich Mut, mich nach einer Selbsthilfegruppe umzuschauen. Da ich noch ganz am Anfang stehe ist vieles noch unvorstellbar für mich. Bitte nicht genervt sein von meinen Fragen ?( .


    Jetzt wünsche ich erst einmal ein angenehmes WE für alle!


    Schlappi

    Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

  • Hallo Schlappi,


    auch ich bin alleinstehend. Doch ich habe eine wunderbare Mutter (81), die mich unterstützt wo sie nur kann, obwohl sie seit meiner Erkrankung psychisch auch etwas instabil ist. Sie selbst hatte Gebärmutterkrebs als sie 49 Jahre alt war, hatte aber keine Chemo sondern nur Bestrahlunge. Wir telefonieren jeden Tag. Wenn ich bei ihr bin ist ist sie meist ganz gut drauf. Allerding besuche ich sie meist nur wenn ich selbst keinen Durchhänger habe. An solchen Tagen bin ich am liebsten alleine. Sie versteht das sehr gut. Bin mal gespannt wie es ist, wenn sie mich zum ersten Mal ohne Haare sieht. Meine neuen Haare habe ich erst seit Freitag.


    Da ich am Donnerstag meine 2. Chemo habe, fahre ich am Mittwoch zu ihr um dort zu übernachten. Dort werde ich dann um 7:00 Uhr abgeholt, weil meine Klinik näher bei ihrem Wohnort liegt. Die Krankenkasse wollte den Tranport zur Klinik nicht übernehmen, da die Entfernung zu meinem Wohnort zu groß ist. Da ich aber die Chemo unbedingt in meinem Brustzentrum machen wollte, wo ich operiert wurde, habe ich dieses Arrangement mit der Krankenkasse erkämpft. :D


    Ja und meine Freundinnen wohnen weit weg. Zwei in Bayen (München und Garmisch-Partenkirchen), eine ganz im Norden . Eine weitere im Süden hat sich , als sie von meiner Krankheit erfuhr verabschiedet. D.h. sie hat den Kontakt abgebrochen, weil sie wohl nicht damit umgehen kann,oder ich ihr nicht mehr helfen kann (war wohl keine echte Freundschaft). Und ich genau in der Mitte. Alle sind berufstätig. So bleibt nur das Telefon oder das Internet.


    Tja Schlappi, sicher geht es vielen anderen ebenso wie uns. Auch meine Scheidung vor 6 Jahren hat mein Leben von heute auf morgen verändert, und das nach 27 Jahren Ehe. Meine "Silberhochzeit" verbrachte ich in einer psychosomatischen Klinik. Die Chance das zu verändern hat sich jetzt noch minimiert.


    So viel erst mal. Dir wünsche ich einen schönen Sonntag und hoffe, dass Du recht bald eine Schulter zum Anlehnen findest. :thumbsup:


    Liebe Grüße


    Bienchen

    Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Goethe)

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  • Hallo,


    auch ich bin seit den 7.7. diesen Jahres leider alleinstehend.Mein Mann lag während meiner Chemo wochenlang auf Intensivstation,für mich eine doppelte Belastung.es ging mal auf -und mal abwärts bis er am 7.7. verstorben ist.eigentlich war mein Mann sehr geschafft nach dem er von meiner Krankheit erfuhr,ich glaub das hat ihm wohl den Rest gegeben.mein Mann war sehr krank und ich hab ihn noch kränker gemacht,dies belastet mich immer noch sehr und macht mich oft fix und fertig.meine Kinder wohnen alle nicht im Ort.habe nur eine Ex -Nachbarin welche noch oft mal nach mir schaut und wir ab und an mal einen Spaziergang machen.Sie hat aber auch vor irgendwann weg zuziehen.ich bin ja ganz gern mal allein aber manchmal fällt einen die Decke auf den Kopf.Hab noch 7 Bestrahlungen vor mir,dann hab ich diese erstmal geschafft.aber die Angst geht immer mit


    Liebe Grüße


    Sieglinde

  • Ich bin auch alleinstehend. Ich habe zwar zwei Kinder (1,5 und 6,5 Jahre) aber keinen Partner. Ich habe Eltern, die sich glücklicherweise um die Kinder kümmern, aber wenn ich hier bin, muss ich mich auch um die Eltern kümmern, weil die das alles nicht mehr schaffen. Also mit der Krankheit fühle ich mich auch ziemlich allein. Es ist oft so, dass ich meine Umgebung positiv stimmen muss und ihnen die Ängste nehmen. Manchmal weiß ich dann nicht mehr wohin mit meinen. Dafür ist dieses Forum - finde ich - ganz toll und ich versuche auch ganz langsam mich einer Freundin zu öffnen (wobei ich es schwer finde herauszufinden, welche Freundschaft das nun aushält und welche nicht). Außerdem bemühe ich mich immer eine Psychoonkologin zu bekommen - bisher leider nicht erfolgreich ...


    P.S. Liebe Sieglinde, DU hast deinen Mann nicht kränker gemacht, wenn dann war das deine Krankheit für die Du nichts kannst...