Krebs, Kinderbetreuung, Reha, Krankengeld usw.

  • Hallo ihr Lieben,


    es gibt recht wenige Beiträge (oder Betroffene Frauen in meiner Situation :|) von Frauen, die Alleinerziehend sind und den Krebs irgendwie auch managen müssen. Ich will hier mal loswerden, dass ich erstmal nicht wusste wohin mit meinen Kindern, als ich 2-mal zur OP ins Krankenhaus musste. Zufällig lag es dann in der Ferienzeit und meine Jungs waren bei ihrem Vater untergebracht. Danach brauchte ich zum Glück keine Chemo, also kann ich mich weiter kümmern.


    Jetzt kommt die Strahlentherapie und mir sagte man, ich solle mich krank schreiben lassen, dann bekäme ich6 Wochen Geld vom Arbeitgeber. Ja, stimmt auch, aber das würde zum Krankengeld führen und mit ca. 70 % meines Gehaltes würde es sehr schwierig unseren Unterhalt weiter zu sichern. Gleiches gilt für eine Reha, wobei ich auch nicht weiss, wo ich meine Kinder unterbringen soll.


    Manche von uns schreiben, dass sie in dieser Ausnahmesituation ihren Urlaub absagen mussten. Alles ist anders, ja! Ich wünsche mir, dass wir überhaupt einmal wieder Geld für einen schönen, gemeinsamen Urlaub haben.


    Klar gibt es Alternativen: Ich könnte "überall" den Notstand ausrufen und würde sicherlich Hilfe bekommen. Das würde aber bedeuten mich selbst in einer ganz schwachen Situation zu präsentieren - und das fällt mir sehr schwer. Denn es bedeutet auch viel Stress um alles zu organisieren und die Reaktionen der Anderen zu verkraften, die dann nicht nur mit wohlgemeinten Ratschlägen, sondern auch zuweilen damit helfen, dass sie einen wie unmündig behandeln (Mütter?) oder ihre Chance sehen, die Kinder zu übernehmen und damit unterhaltsfrei zu werden (verlassene Väter?)


    Ich denke ich mache es so, dass ich -angepasst daran wie es mir geht - meine Selbständigkeit und mein Leben so normal wie möglich weiterführe. Mir ist aber auch bewusst geworden, dass das nur mit viel Kraft und noch mehr Glück gelingen kann :D .


    Hat Jemand ähnliche Gedanken und Probleme? Dann würde ich mich sehr freuen, mich darüber und über Anderes in unserer Situation auszutauschen.


    Alles Gute für euch, egal was gerade eure Seele bewegt :thumbsup: und liebe Grüße von Busy Bee

  • Meine liebe Busy Bee,
    ich kann deine Ängste und Sorgen total nachvollziehen, da es mir genauso geht wie dir.
    Mein Junge ist im Mai 3 Jahre alt geworden und ich bin auch alleinerziehend.
    Wie ich im Mai meine Diagnose erhielt ( gehöre zu der Darmfraktion ) , hat es mich buchstäblich zerrissen.
    Mein erster Gedanke war, dass ich mein Kind nicht aufwachsen sehe, und er doch noch so klein ist, und mich braucht.
    Wie wird es weiter gehen, was ist wenn er ins Krankenhaus muss???? Schafft er es ohne mich, wenn ich ins Krankenhaus muss ?
    Was und wie geht es finanziell weiter ???
    Fragen über Fragen ?( ?( ?(


    Aber ich sage dir mal eins, DU brauchst dich in keinster Weise zu schämen , Hilfe anzunehmen !! So habe ich auch gedacht.
    Da ich noch ziemoich jung bin.....naja relativ....gibt es für meine Verhältnisse auch keine Selbsthilfegruppe, ich würde so gerne mich im realen Leben mal austauschen, mit Müttern, zum Beispiel mit den Kindern zusammen ..aber so eine Gruppe gibt es nicht. :thumbdown:


    ich habe mich dann an die Caritas in Siegburg gewendet und die hatte tolle Tipps. Nimm ruhig die Hilfe an. Wenn du magst, kann ich dir mehr erzählen.


    In Bezug auf die Reha, da bin ich gerade auch drane, ist zwar viiielll Papierkram, aber dafür wird mir dann später geholfen.
    Deine Kinder kannst du mitnehmen.


    Also, wenn du magst melde dich einfach.
    Sind ja fast Nachbarn 8)


    lieben gruss mami1977

  • ich finde es bewundernwert wie du das alles managt. :thumbsup: Ich kann mir meine Behandlung mit Kindern gar nicht vorstellen. War gerade während der Chemo sehr froh mich zurück ziehen zu können und meine Ruhe zu haben.
    Ich glaube auch das du an deine finanziellen Grenzen stößt in dieser Zeit. Es ist ja nicht unerheblich was man da weniger bekommt. Leider kann ich dir keine tollen Tips geben. Aber eines habe ich bei mir im Brustzentrum mitbekommen. Wer finanzielle Probleme hatte, konnte beim Sozialdienst der Klinik einen Antrag auf Hilfe stellen. Da gibt es einen Fond von dem du unterstützt werden kannst.
    Und du kannst bei deiner KK eine Familienhelferin beantragen. Die bleibt in Zeiten wo du im Krankenhaus bist oder wo es dir nicht gut geht bei deinen Kindern zu Hause.
    Ich drück dir ganz doll die Daumen das du Hilfe bekommst, scheue dich nicht dir zu holen was dir zusteht.
    Liebe Grüße Angelina :hug:

  • Hallo Busy Bee,
    zu erst einmal auch von mir ein herzliches Willkommen hier. :)
    Du hast schon gute Tipps bekommen - ich kann dir nur noch die Krebsgesellschaft deines Bundeslandes empfehlen. Dort erhältst du super gute Ratschläge. Außerdem kannst du über die Krebsgesellschaft einen Antrag auf Hilfe stellen - bei der Deutschen Krebshilfe. Und die Krebsgesellschaft kann dir noch einige Stitungen nennen, die in finanzielle Not geratene Mütter mit Kindern finanziell unterstützen.
    Also nur Mut, natürlich aber auch Kraft dich da dahinterzuklemmen.
    Herzliche Grüße
    Angie

  • Hallo BB,
    auch ich bin alleinerziehend (meine Kinder waren bei Ersterkrankung 1 und 6 Jahre alt). Ich hatte Leukämie und war deshalb ständig und sehr viel im Krankenhaus. Da die Väter bei mir absolut keine Alternative sind hatte ich das Glück, dass meine Eltern die beiden betreut haben - sonst hätten sie wohl in ein Heim gemusst. Ich habe auch (bei mir war der Tod sehr nah) ein Papier geschrieben was ich mir für die Beiden im Fall des Falles wünsche (meine Schwester und ihr Mann hätten sie genommen). Das war das Schlimmste, was ich je tun musste - bisher. Ich habe mir auch Hilfe über den psychosozialen Krebsdienst besorgt - auch finanzielle. Dort habe ich problemlos Geld bekommen wovon ich das Schulgeld für meine Sohn weiter bezahlen musste (ich war so lange krank, dass ich verrentet wurde - was ja nur einen Bruchteil des Geldes ausmacht). Und ich denke - obwohl ich dich verstehe und mir das auch schwer fällt und fiel - dass man sich wenn man sich in so einer Situation Hilfe holt eher als stark präsentiert. Dazu gehört nämlich ganz schön Mut. Das Problem quasi für die eigenen Mutter wieder zum Kind zu werden kenne ich. Da habe ich schwer gekämpft um wieder die erwachsene Frau zu werden (auch weil sie eben die Kinder hatte und Angst um mich etc.) - aber jetzt ist es wieder "gut" ;-). Ja und so einfach kriegt so ein Vater die Kinder nicht in dieser Situation (ich verstehe aber deine Angst auch hier). Und wegen der Reha - es gibt mehrere in Deutschland wo die Kinder mit dürfen und eine spezielle für Brustkrebsfrauen am Meer, die ganz toll sein soll, wo auch mit den Kindern gearbeitet wird (da wäre ich gerne hingegangen ...) Ganz liebe grüße Wolke

  • Hallo Busy Bee,


    ich kann deine Sorge gut nachvollziehen. Meine Kinder (23 u. 17) sind vermutlich viel älter als deine, aber nachdem es mir nach OP und Bestrahlung körperlich langsam wieder besser geht, stehen die finanziellen Sorgen im Vordergrund.
    Ich war überwiegend freiberuflich tätig. Bekomme jetzt - nach monatelangem Papierkram - zwar Krankengeld aus einer privaten Krankengeldversicherung, aber das entspricht nur ungefähr 60% meines vorherigen Einkommens. Wenn ich an die Kosten für die Abifahrt meiner Tochter, die Musikschulgebühren und das Büchergeld denke - alles im August fällig - wird mir ganz schlecht. Dass das Bafög-Amt in Sohnis Antrag bereits seit 8 Monaten (!!!!) bearbeitet ist auch nicht hilfreich, weil ich dessen Unterhalt vorstrecke (hatte in den ersten Monaten meine Ex-Schwiemu vorgestreckt, aber der kann ich das nicht mehr zumuten), obwohl ich eigentlich - selbst mit vorherigem Einkommen - nichts zahlen müsste. Langsam wird es richtig, richtig eng.
    Was die Abifahrt angeht, habe ich tatsächlich den Beratungslehrer angerufen und gesagt, was Sache ist. (Nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft im Schulverein und Mitarbeit in verschiedensten Gremien brauchte ich jetzt halt mal Hilfe...) Jetzt muss ich zwar "nur" 150,- Euro dazu zahlen ("Das verstehen Sie hoffentlich, wir wollen ja nicht, dass die Eltern das nicht zu schätzen wissen,..." 8| )
    Ich schiebe seit Monaten das Geld/bzw. die Rechnungen hin und her und empfinde die finanziellen Sorgen als unglaublichen Stress.


    Angie hat mir mit ihrem Tipp gerade sehr geholfen - die Anträge gibt`s im Netz unter "Härtefond Krebshilfe".
    Habe ich mir bereits ausgedruckt.


    Wenn man nur ein Haushaltseinkommen und unterhaltberechtigte Kinder hat, kann das nicht funktionieren, wenn man nur Krankengeld erhält.
    (Es sei denn, man hatte einen richtig gut bezahlten Job, aber wer ist schon Verteidigungsministerin oder als Frau in leitender Tätigkeit eines Pharmaunternehmens o.ä. tätig....)


    Entschuldigt, aber ich bin gerade wirklich genervt -


    Ich will hier ja nicht nur jammern:
    BusyBee, den Antrag auf eine Haushaltshilfe bei der KK solltest du auf jeden Fall stellen. Die übernehmen auch die Kosten für eine selbstbeschaffte Kraft. (Freundin , Nachbarin ...irgendjemand den deine Kinder kennen) Dann hast du schon mal ein wenig den Rücken frei. (Musst nicht immer auf Mutter oder Kindesvater zurückgreifen)
    Was den Stress mit dem Vater deiner Kinder angeht (kann ja nicht sein, dass du dir jetzt auch noch Sorgen wegen des Aufenthaltsbestimmungsrechts machen musst -) , könntest du dich an folgenden Verband wenden:
    http://www.vamv-bonn.de/persoenliche-beratung.html


    Ich kenne den in Bonn zwar nicht, aber andere und finde die sehr engagiert und kompetent. Es gibt dort gute Beratung, Freizeitreffs mit Kindern, Ausflüge (Ich war mal auf einem Entspannungswochenende für Mamis, Kinder wurden gut betreut und die Mütter konnten es sich gut gehen lassen) usw.
    Nicht direkt ein Angebot für krebskranke Mütter, aber die Wahrscheinlichkeit, dass man auf Gleichgesinnte trifft ist recht hoch.


    mami1977  
    Vielleicht wäre das auch etwas für dich.


    Liebe Grüße
    Esma












  • Ich habe mal diesen Thread hervorgeholt, ( @mods könntet Ihr vlt. Bafög in der Überschrift mit einfügen, falls ihr denkt das passt.)


    So, ich habe BK seit ca 2 Jahren überstanden. Alleinerziehend, finanziell hatte ich das Glück vor einigen Jahren einen guten Vollzeit Job zu ergattern, nach einigen Jahren sehr gering bezahlten oder Hartz4 Zeiten.

    Zum Vater meines Sohnes keinen Kontakt und er hat auch lange keinen Unterhalt gezahlt ( lebt im Ausland). Mit 70 % Krankengeld kam ich gerade so zurecht ohne Hartz 4. Durch viele Jahre fehlende oder sehr geringe Renteneingänge werde ich es nie schaffen genug Rente anzusammeln damit ich davon leben könnte ( jedenfalls wüsste ich nicht wirklich wie).


    Ich habe durch meinen besser bezahlten Job, es allerdings nicht geschafft , dass mein Sohn Bafög für seine Schulausbildung (2 Jahre FOS + 1 Jahr Fachhochschulreife) bekommt, ich verdiene immer genauso viel mehr dass ich zuviel verdiene um in etwa den gleichen Betrag den er bekommen könnte. Nun steht das Studium meines Sohnes bevor ( Plan ist Bachelor+Master+ und eventuell mehr) und wiederum sieht es so aus, als ob ich fast ganz bis ganz für das Studium aufkommen müsste, und wieder stehe ich genau da. Ich verdiene in etwa so viel mehr wie er bekommen könnte. Das heißt ich komme fast ganz bis ganz für sein Studium auf, könnte aber meine Arbeitszeit verringern und wir ständen uns finanziell genau gleich, da er dann (mehr) Bafög bekommen würde. Da er Bafög nur zur Hälfte zurückzahlen müsste ist die Rechnung mathematisch gesehen recht einfach.


    Das ist für mein Gerechtigkeits Empfinden ein deutlicher Schlag. Ich fühle mich als ob ich mich all die Jahre abgerackert habe, Vollzeit gearbeitet, alleinerziehend und nun krank mit ungewisser Zukunft ( finanziell sowie gesundheitlich) und stehe jetzt quasi vor der Frage, soll ich meinem Sohn das Studium finanzieren, weiter Voll arbeiten oder eher sagen, ich reduziere Stunden, damit er Bafög bekommt( zugegebener Maßen 2-3 Jahre später da Bafög das Einkommen von vor 2 Jahren nutzt) und ich mich nicht mit einer Vollzeit Stelle plagen muss. Nach ca. 1 Jahr Vollzeit Arbeit nach BK Wiedereingliederung stehe ich so oder so vor dem Gedanken, dass das Leben mit BK, Spätschäden und Vollzeit Arbeit kein Zuckerschlecken ist.


    Ich versuche Vor und Nachteile zu sehen, aber welche Vorteile bietet mir eine Vollzeit Stelle, außer mehr Rentenbeiträge ? Habe ich irgendwo einen Rechenfehler? Klar wäre, dass ich evtl. 2 Jahre meinen Sohn mit einem geringeren Verdienst bezuschussen müsste, bevor das geringere Einkommen bei Bafög zählen würde. Das könnte ich mit Ersparnissen wuppen, wenn es mir den Luxus gibt nur halb zu arbeiten. Bei geplanten 5 Jahren Studium würde sich das lohnen.


    Ich bin frustriert. Das deutsche Soziale System macht mich wahnsinnig. Eine alleinerziehende Freundin arbeitet schon seit jeher nur halb, wurde von Hartz4 bezuschusst, bekommt alle Bafögs und gefühlt stehen wir uns finanziell gleich.


    Habt ihr da Gedanken, Erfahrungen, oder Pro's und Con's ?

    Ich komme mehr und mehr zu dem Gedanken, dass als Alleinerziehende Mutter ( ohne Unterhalt vom Vater), es sich schlichtweg nicht lohnt jemals Vollzeit zu arbeiten.

  • Liebe Vael,


    ich denke, Du hast den spielentscheidenden Unterschied beschrieben: der eigene Rentenanspruch ist höher.


    Wieviel höher... wieviel mehr Aufwand... das ist ein persönliches Rechenbeispiel. Und vor allem natürlich die Frage: kann/will ich einen Vollzeitjob ausüben.

    Ob das gerecht ist? Ich glaube nicht, dass es ein "gerecht" gibt. Auch wenn zwei Personen die gleiche Arbeit machen, gibt es ja nicht das gleiche Geld. Wichtig ist einzig die Frage: was ist für Dich das Beste?


    Ich wünsche Dir eine gute Entscheidung.


    LG

    Birgit

  • Liebe Vael,


    Auch ich habe 20 Jahre meine Tochter allein erzogen und habe 3 Unterhaltsklagen gegen meinen Ex- Mann geführt.

    Meine Tochter studiert nun seid April. Sie bekommt Unterhalt von meinem Ex und mir.

    Sie hat viele Kommilitonen und einige sind darunter wo nicht gesegnet sind mit Bafög oder genügend Unterhalt. Dein Sohn ist nun Erwachsen und sollte auch etwas beitragen um dich zu entlasten. Es gibt Wohnheime in der Nähe von Uni' s die bezahlbar sind , in der Regel liegen die Zimmer dort nicht höher als 300 Euro warm, die allermeisten liegen sogar darunter. Auch haben die meisten Studenten einen Nebenjob oder arbeiten wie meine Tochter nun in den Semesterferien. ( da kommt ein gutes Sümmchen zustande.)

    Das Mensa essen ist genießbar und günstig!!! So dass man dann wieder Geld einsparen kann bei den Lebensmitteln.

    Wenn man studiert ist man Erwachsen und natürlich möchte man sein Kind weiterhin unterstützen und das ist auch richtig, aber sie sind nun auch alt genug um zu wissen und zu merken das "Hotel Mama" nun vorbei ist. Sie müssen nun was dazu beitragen.


    Ich arbeite 90% . Hatte vor einem Jahr ein DCIS das BRT operiert worden ist und bestrahlt. Während der 25 Bestrahlungen bin ich weiterhin zur Arbeit gegangen. Ich bin froh darüber das ich einen unbefristeten Vollzeitjob habe , der mir aber auch nicht immer Spaß macht8o


    Viel Glück bei der Entscheidung


    Ganz liebe Grüße

    Anemone66