Verunsicherung bei "seltsamen" Beschwerden

  • Bis zur Krebsdiagnose war ich immer sehr gesund (bis auf eine komplizierte Nahrungsunverträglichkeit. Jetzt komme ich mir irgendwie vor wie eine Hypochonderin.


    Einige Beschwerden kann ich einordnen als Nebenwirkungen der Chemo, z. B. die ständigen Schrunden an den Fingern, die Hauttrockenheit, Appetit oder kein Appetit. Auch die Kapselschmerzen (Leberkapsel) verstehe ich.


    Aber irgendwie habe ich jede Tag was anderes: heute habe ich Schmerzen in der linken Ellenbeuge, im Lymphknoten des rechten Oberarmes. Dann habe ich wieder mal Kopfschmerzen oder Schwindelanfälle oder der Port tut weh, oder der Bauch.


    Ich traue mir gar nicht, dass in der Onko-Praxis zu erzählen, die halten mich doch für verrückt.


    Ich weiß nicht, ob das die Chemo ist, oder die Alieneier weiter fressen, oder ich mir alles einbilde, oder...oder...oder...


    Das macht mir Angst, und Angst ist nicht gut.


    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie bekommt man das in den Griff?

    Jeder Tag Leben ist ein Geschenk für mich.

  • Hallo erstmal :hug:


    Also ich hatte keine Chemo, aber drei große OPs und mache eine AHT. Ich schiebe eigentlich alles darauf.. und auch bei mir ist ständig was Neues, und auch ich war vorher kerngesund - naja bis auf den Krebs eben :hot:


    Irgendjemand hier hat mal geschrieben, er beobachtet jedes Wehwehchen zwei Wochen,ehe er zum Arzt geht.
    Das finde ich gut, denn bis dahin ist es weg und zwei neue sind da -... zumindest bei mir ;)


    Ich wünsche dir gute Nerven- wir brauchen sie!


    LG
    Diana

    Mit den besten Wünschen :) ,
    distudis

  • Hallo Menschenwesen,


    nach einer Krebsdiagnose verändert sich vieles, wenn nicht alles, was die Wahrnehmung des eigenen Körpers angeht. Es ist nahezu unmöglich, die Wahrnehmungen zuzuordnen. Lokal spüren wir etwas, wissen aber nicht, welches die Ursachen sind.


    Gut ist auf jeden Fall, dass Du die Wahrnehmungen nicht nur festgestellt hast, sondern Dich dazu äußerst. Es ist immer von Vorteil, das Befinden "nicht für sich" zu behalten. So wird auch Deine Onko-Praxis gut zuhören, wenn Du ihnen von Deinen Wahrnehmungen berichtest. Gegebenenfalls kann/muss das Nebenwirkungs-Management korrigiert werden. Die Ärzteschaft kann nur etwas unternehmen, wenn sie über solche Situationen, wie sie Dir gerade widerfahren, in Kenntnis gesetzt werden.


    Ich weiß, was ich damals falsch gemacht habe - ich habe ertragen und ausgehalten, obwohl die NW mir sehr zugesetzt haben. Ich habe nichts "gesagt", sondern mich total zurückgezogen und ausgehalten. Wider besseren Wissens habe ich das gemacht.


    Dass Dir die derzeitigen Wahrnehmungen Angst bereiten, ist normal und dennoch wäre es gut, dass Du Dich dazu äußerst - bei den Behandlern!


    Gruß aus NRW


    Mannix

  • OK, danke für den Zuspruch.


    Morgen bekomme ich ohnehin wieder einen Chemo-Tropf.
    Die Praxis möchte immer, dass man vorher einen Zettel ausfüllt, wo man die alles beschreibt.


    Ich werde mich mal trauen, alles aufzuschreiben. Mal gucken, wie die reagieren.


    Ich bin halt so als Frau sozialisiert - es fällt mir schwer, über meine Befindlichkeiten zu berichten. Schriftlich fällt mir bestimmt leichter.

    Jeder Tag Leben ist ein Geschenk für mich.

  • Hallo Menschenwesen,


    das könnte auch ich geschrieben haben - ich horche ständig in mich rein.
    Vor der Diagnose BK war ich gewissermaßen "unsterblich", gesund oder tot - was natürlich auch Blödsinn ist.
    Ich hatte ein Urvertrauen in meinen Körper.
    Ich kann unheimlich in Panik geraten, wenn ich etwas bemerke oder fühle, muss mich manchmal echt zusammenreißen.


    Ich hoffe das legt sich noch.
    Liebe Grüße, Suse

  • Hallo Menschenwesen,


    mach dir nicht so viele Sorgen - die sind ungesund und machen Falten ;) und schon gar keine, ob dich ein Arzt für einen Hypochonder hält. Die Onkologen sollten schon wissen, wie es dir geht, ob dir was weh tut oder sich irgendwas "komisch" anfühlt. Vor allem können Sie dir nur dann mit Tips oder Medikamenten dagegen helfen, wenn du sie informierst was sich bei dir gerade so abspielt. Ich glaube es ist
    immer besser, wenn du etwas gegen deine Beschwerden verordnet bekommst, als selbst irgendwas zu suchen oder aufgrund von irgendwelchen Tips einzunehmen. Ich weiss, das ist schwer, grad wenn man vor dem Krebs immer kerngesund gefühlt oder auch nicht zu den Leuten gehört, die sich in ihren Krankheiten stundenlang ergehen können... Du tust dir doch auch keinen Gefallen, wenn du unter deinen Beschwerden leidest oder an nichts andres mehr denken kannst.


    Du bist ja bald durch mit der Chemo, hast du geschrieben - den Rest schaffst du auch noch. Ganz sicher.


    LG
    Kaktus

    "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas schönes bauen."

  • Hallo Kaktus,


    nein, ich bin noch nicht durch mit der Chemo - das wird noch ganz lange dauern. Da hast Du mich verwechselt.


    Ich bekomme palliative Chemo - und Höchstdosis - solange ich es vertrage. Wenn nicht, wird die Chemo umgestellt.
    Seit September lebe ich geschenktes Leben. Jeder Tag ist ein Geschenk. :thumbsup:


    Liebe Grüße
    Menschenwesen

    Jeder Tag Leben ist ein Geschenk für mich.

  • Hallo,


    ich habe jetzt immer alle mir ungewohnten Körpersensationen dokumentiert.


    Mein Behandler liest das offensichtlich und reagiert. Er hat bereits 2 x die Tumormarker kontrollieren lassen innerhalb einer Woche (ich habe extrem hohe Werte, aber sie sind nach der OP. und nach dem 1. Chemo-Block doch gefallen). Am 11.12. habe ich einen CT-Termin.


    Es beruhigt mich, dass man mich und meine "seltsamen" Beschwerden ernst nimmt. Dann kann Weihnachten kommen. Ich werde wohl auch zwischen den Jahren Chemo bekommen. Aber egal - seit September ist jeder Tag Leben ein Geschenk für mich.


    LG
    Menschenwesen

    Jeder Tag Leben ist ein Geschenk für mich.

  • Liebes Menschenwesen,


    es berührt mich gerade sehr was du schreibst.


    Du lebst "geschenktes Leben" mit Hilfe der palliativen Chemo.


    Für mich ist das die perfekte Voraussetzung um auch davon zu profitieren. Ich kann aber nur sehr theoretisch reagieren, weil es mich nicht betrifft. Meine Brust wurde operiert, bestrahlt und jetzt mit der AHT hoffentlich ein Neuauftreten ausgebremst. Eine ganz andere Situation als Deine und trotzdem geht es mir ganz ähnlich mit meinen diversen "Zipperlein".


    Ich denke inzwischen das eine Krebsdiagnose immer einen Rieseneinschnitt in ein Leben bedeutet und selbst wenn der Verlauf positiv und die Ergebnisse gut sind, bleibt offensichtlich so was wie eine Traumatisierung zurück. Wie wir nun mal unterschiedlich sind auch in unterschiedlicher Ausprägung. Damit gebe ich keine Wertung ab, sondern nehme das Thema sehr ernst.


    Es steht dir zu Angst zu haben und es ist auch Dein Recht alle möglichen doofen Sachen zu spüren. In wie weit man dann dagegen etwas tun kann um dir zusätzliches Missbefinden zu nehmen, kann eben nur ein Arzt mit Dir klären wenn er davon weiß.


    Du hast ja jetzt erlebt, das er reagiert und ich wünsche es dir so sehr, das es dir wieder besser geht.


    Wenn man dauernd was Neues Blödes hat wird dir Verunsicherung immer größer und es entwickelt sich wieder neue Angst.....so geht es dann weiter und weiter... rede, liebes Menschenwesen, rede und schreibe und schreie und heule wenn du so fühlst.


    Geschenke sind doch was Schönes :hug: ! Das soll sich dann auch so anfühlen für Dich


    Lossi schickt dir eine liebe Umarmung, eine Extraportion Freude und immer warme Füße :rolleyes:

    Die Pflicht ruft ......... sag ihr, ich ruf zurück

  • Liebes Menschenwesen,


    das freut mich, dass sie deine Beschwerden und dich ernst nehmen. Denn das ist unwarscheinlich wichtig, wenn man erkrankt ist um auch Vertrauen zu den Ärzten auf-
    bauen zu können.
    Wir können dir sehr nachfühlen, denn wir sind alle sehr sensibilisiert durch die Diagnose und hören in unseren Körper ganz anderst hinein als vor der Diagnose.
    Es ist wichtig das wir unsere Beschwerden äussern können und auch gehört werden.
    Zur Zeit bin ich auch bei Ärzten wieder unterwegs, weil ich Beschwerden im Oberbauch unter der linken Rippe habe und an der Narbe in der linken Brust sich was komisch an
    fühlt.
    Zum Glück wurden meine Beschwerden auch ernst genommen, so dass ich nächste Woche schon eine Mammographie habe und eine Woche später Knochenzintigraphie.
    Im Feb. soll ich dann eine Sono, Magen und Darmspiegelung bekommen.
    Das nimmt etwas die Angst als Hypo. da zu stehen.
    Drücke dir ganz feste die Daumen für deine weiteren Behandlungen.

  • Hallo, ihr Lieben,


    ich danke Euch für Euren Zuspruch.


    Ja, es ist schon sehr einschneidend, diese Diagnose. Ich habe immer geglaubt, Frauen bekommen kaum Darmkrebst. Doch die Onko-Praxis ist auch voll von weiblichen Darmkrebs-Betroffenen.


    Trotzdem wird irgendwie auch alles besser als erwartet.


    Im Sommer wäre ich fast im Urlaub in Spanien gestorben - war dicht dran am vollständigen Darmverschluss. Damals konnten wir (meine geliebte Partnerin) uns nicht erklären, warum ich sogar das Wasser ausgebrochen habe.


    Im September kam dann die Diagnose und die große Op. Diese zeigte, dass die Ausdehnung des Aliens noch viel umfangreicher war, als erwartet. Auch da hatten wir schon wieder den Tod vor Augen.


    Aber die Chemo scheint zu wirken - auch wenn es mir seltsam geht.


    Ich habe auch Kapselschmerzen der Leber, aber auch diese werden besser, konzentrieren sich auf nur noch auf eine Stelle. Mir tut erst jetzt, 2 Monate nach der Op., die Stelle im Bauch weh - aber es hilft mir zu erfahren, dass es Euch anderen auch so geht. Ich glaube, das hat bei mir auch viel mit der ewigen Verstopfung zu tun als Folge der Chemo und der Verengung im Darm.


    Inzwischen glaube ich fest daran, dass mir noch Zeit bleibt. Die ist mir wirklich geschenkt worden :D


    Ich habe noch keine richtig-wirksame Salbe für meine eitrigen Schrunden an Fingern und Zehen gefunden. Ich suche mal weiter.


    Für die weichen merkwürdigen Haare hat mir meine Friseurin ein Pille und Koffein-Shampoo empfohlen - ich werde das mal probieren mit Erlaubnis des Arztes (meine Frisur ähnelt grad einem Irokesen).


    Es scheinen wirklich die Kleinigkeiten zu sein, die einen erschrecken: das schiefe Gesicht nach der Chemo wegen der Ödeme usw.


    Vielen lieben Dank für Euer Hiersein. Ich drücke uns allen die Daumen :thumbsup:

    Jeder Tag Leben ist ein Geschenk für mich.