Abschottung und Rückzug in das kleine Familienleben - normal?

  • Hallo!
    Ich wollte mich mal bei euch erkundigen, ob ihr in Bezug auf die psychischen Verarbeitung der Krankheit ähnliches kennt, was mir bei mir auffällt.
    Ich denke, dass ich recht schnell relativ gut im meiner Krankheit (BK mit Knochenmetastasen, Diagnose Juli 2015) umgehen kann und auch darüber reden kann.
    Was mir in letzter Zeit immer mehr auffällt, dass ich mich eigentlich in meinen engsten Familien- und Freundeskreis zurückziehen will. Wenn ich dann trotz meiner beiden kleinen Kinder mal abends bzw. allein mich mit Freunden oder Arbeitskollegen treffe, fühle ich mich schnell außerhalb einer normalen Welt.Ich habe das Gefühl, dass die Erfahrung, die man mit solch einer Krankheit macht, einen gefühlt ausgrenzt - ohne dass die Umwelt irgendetwas falsch macht oder etwas unüberlegtes sagt ... Einfach, als hätte man in einen tiefen schwarzen Schlund geschaut, von dem die anderen nichts wissen. Versteht ihr, was ich meine?
    In solchen Situation möchte ich mich zurückziehen, allein sein oder mit Menschen zusammen sein, die diese Angst und alle anderen Gefühle mit der Krankheit kennen oder gut nachvollziehen können. Aber das ganze verwirrt mich, eigentlich sollte mich doch diese "normale" Umwelt beruhigen und mein Leben ganz normal weiterführen lassen, oder? ?(
    kennt ihr das?


    Lg, Oona

  • Hallo Oona,


    nur zu gut meine Liebe.
    Ich will gar nicht aus meiner Wohnung oder aus dem Haus. Hier fühle ich mich wohl und geborgen, draussen auch mit Freunden, Bekannten muss ich mich überwinden nicht zuviel über meine Krankheit zu reden.
    Ich denke auch dass ich gut klar komme mit mir und der Krankheit auch BK zum 2.mal hatte 19 Jahre Pause und jetzt mit Knochenmetastasen Lympknoten und Hautmetastasen.


    Schon wenn jemand lapidar fragt: Wie geht es dir? Frag ich gleich zurück: willst du es wirklich wissen? Da sind viel dann erstmal geschockt.
    Ich möchte aber auch nicht jedem den ich zufällig sehe mein Leid klagen oder alles erzählen, und die dinge ich manchmal zu hören bekomme , da denke ich mir Mensch hab ihr Probleme ob du deine Weihnachtskugel jetzt in Rot oder Silber aufhängst, sonst keine Probleme? Oder was soll ich Kochen, oder ich habe mir einen Pullover gekauft oder oder oder...
    Das war aber früher vor den Erkrankungen auch meine Normalität, die mir jetzt nicht mehr wichtig ist.


    Wir haben viel durchgemacht das kann man nicht los einfach wegstecken und in die alte "Normalität" zurückkehren, die gibt es für mich nicht mehr.
    Meine Normalität ist, dass meine Krankheit ein Teil davon geworden ist und ich jeden Tag damit Leben muss. Ich habe nun andere Prioritäten.


    Und was für mich mittlerweile normal ist gegen die Krankheit anzukämpfen und damit umzugehen ist für die anderen Bewunderswert.
    So sieht es jeder mit seine Augen, aber ich kann dich sehr gut verstehen, dann du dich zu Hause im Kries deiner Lieben wohler fühlst.
    Ausserdem ist Winterzeit, da leidet das Gemüt noch zusätzlich. :thumbdown:


    LG ich umarme dich mal herzlich Nicky1967 :hug:

    LG Nicky1967


    Ich versuche alles was geschieht positiv zu sehen, auch wenn ich den Sinn dabei, nicht immer erkenne! :)

  • Hallo Foris,


    die geschilderten Umstände sind den meisten Betroffenen bekannt, viele sogar vertraut. Es ist schwierig, einen Umgang zu finden - mit sich selbst und mit anderen Menschen. Aber was nutzt es, vor Allen und Allem zu kapitulieren? Mal ist es die Flucht nach vorn, mal ist es der Rückzug, was Sinn macht.


    Dass man gefragt wird, wie es einem geht, ist normal. Dass diese Menschen oftmals gar nicht wissen, wie sie "mit uns" ins Gespräch kommen können, ist auch normal. Daher die "wie geht es Dir"-Frage. Es könnte auch die Frage nach dem Wetter sein!
    Menschen fragen aus echten Interesse oder auch aus Neugier nach dem Befinden. Rauszubekommen, was ehrlich gemeint ist und was auf Neugier begründet liegt, ist schwierig. Als es mir zu bunt wurde, habe ich nicht mehr unterscheiden wollen. Mein Antwort war: "Am liebsten gut!" Dass das eine Selbstschutz-Antwort ist, sollte dabei bedacht werden.
    Immer die Wahrheit über das Befinden zu sagen, ist sehr schwierig. Man selbst weiß nie, wie die VOLLE Wahrheit bei anderen Menschen ankommt. Die volle Wahrheit kann schockieren, kann abschotten, kann Wege sich trennen lassen. Diese Erfahrungen habe ich besonders mit den Arbeitskolleg/innen gemacht.
    Es kam allerdings auch zu umgekehrten Reaktionen, die mehr und mehr Verständnis aufkommen ließen.
    Es ist ein schwieriger Umgang, mit dem veränderten ICH (durch die Erkrankung und alles, was damit zusammenhängt) umzugehen, denn eine so heftige Erkrankung verändert einen. Es ist nichts mehr so, wie es vorher war....und das kann eine große Chance sein.


    Niemand muss verstehen, kann nicht mal verstehen, wie es einem von Krebs Betroffenen geht. Nicht Betroffene können nicht mal erahnen, wie es Betroffenen geht, wie sie sich fühlen, was sie denken. Betroffene setzen oft das Verständnis von nicht Betroffenen voraus - auch innerhalb der Familie. Da die Mitglieder einer Familie indirekt auch Betroffen sind, gilt es, auch auf sie zuzugehen, Verständnis für die Familienangehörigen aufzubringen, die gleichfalls Sorgen, Ängste und Nöte plagen und deshalb sehr viel mit sich selbst ausmachen - vor allem Kinder!


    Es gibt nicht DEN Weg, einen Umgang mit sich und dem Umfeld zu finden. Die Individualität eines Menschen lässt es nicht zu. Es gibt Menschen, die anfangs den Rückzug suchen, andere gehen gleich in die "Offensive"! Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, einen möglichst offenen und ehrlichen Umgang zu sich zu finden. Die Erkrankung anzunehmen halte ich für sehr entscheidend, denn wir können an den zwischenzeitlichen Umständen, die mit der Erkrankung nun mal einhergehen, vorübergehend nichts ändern. Für mich galt, mich für diese Zeit mit dem Krebs zu arrangieren, ihn aber nicht Oberhand gewinnen zu lassen, was schwierig genug war. So kam es, ganz andere Gesichtspunkt in mein Leben aufzunehmen...die Prioritäten wurden andere.


    Wer an Krebs erkrankt ist, ist kein Aussätziger! Sich ab und zu an den Rand gestellt zu fühlen, sich selbst ab und zu im Abseits zu sehen, ist normal, weil die Schwerpunkte im Umgang mit anderen Menschen andere geworden sind, die Themen andere werden können, bzw. längst geworden sind, "Freunde"/Bekannte sich abwenden, oder auch einen viel besseren Kontakt ermöglichen.


    Eine gesundheitliche oder welche Krise auch immer kann zum Schicksal, oder zur Chance werden. Das ist so
    Eine Krise kann eine große Chance werden, aus dem "Bekannten" etwas Neues entstehen zu lassen. Eine solch heftige Krise kann bereichern, und zwar damit, was sonst evtl. niemals entdeckt worden wäre. Auf das zu bauen, braucht Vertrauen in sich selbst, braucht Mut, es zu wollen und Zuversicht, es auch schaffen zu können.


    Meine Chancen standen bei 10 : 90 verdammt schlecht. Knapp 18 Jahre habe ich bis jetzt "geschafft", weil ich gewagt habe, ohne zu wissen, was dabei rauskommt. Viel Glück hatte ich dabei, weil mein Weg ein anderer wurde. Heute bin ich froh, den Weg gefunden zu haben und ihn gegangen bin.


    Mannix

  • Liebe Oona!


    Wie die anderen schon schrieben, muss jeder seinen Weg finden.
    Aber verstehen kann ich dich gut. Wenn frau mal in eine solche Tiefe hineingeschaut hat,
    sieht man vieles anders. Und die kleinen Probleme der anderen erscheinen einem so banal.


    Ich fühle mich auch Zuhause am wohlsten. Und meine beiden Freundinnen sehe ich fast täglich,
    weil die eine hier um die Ecke arbeitet und die andere unter mir wohnt.
    Beide kennen aber das Problem mit dem Krebs. Und natürlich die Selbsthilfegruppe.
    Und ich gebe zu, dass es manchmal schwierig ist, mit anderen ein Gespräch zu führen,
    die eben nichts darüber wissen.


    Nimm es einfach wie es ist. Du bist mit den Gedanken nicht alleine.


    Mitfühlende Grüße


    Reigenlilie

  • Liebe Oona,


    ja ich kenne diese Gefühle auch. Eigentlich freue ich mich mit Freundinen oder Bekannten was zu unternehmen, aber nach einer Zeit möchte ich wieder nach Hause
    und einfach meine Ruhe haben.
    Früher hat mir das Alles nichts ausgemacht. Früher war ich nicht gerne alleine und heute empfinde ich es öfters einfach als angenehm, vorallem die spaziergänge mit
    meinem Hund in der Natur geben mir innerlich eine gewisse Entspanntheit.
    Am Anfang trauerte ich meinem vorherigen Leben ziemlich nach, aber mit der Zeit habe ich mich nun so wie ich jetzt bin angenommen, klappt zwar auch
    noch nicht immer, es wird aber besser.
    Und versuche jetzt nur dinge zu tun die mir gut tun und nicht was andere von mir erwarten, was ich tun sollte.

  • Auch ich kenne diese Momente , dass ich mich am liebsten zurückziehen möchte und und nicht ständig unter Strom stehen möchte.
    Ich mag natürlich auch meine Aktivitäten , meine Hobbies . Ich gehe gerne überall hin. Doch ich freue mich auch , wenn ich mal zu Hause bleiben kann und nichts tun muss . Seit der Erkrankung empfinde ich das viel intensiver. Wahrscheinlich kommt das dadurch, dass wir jetzt andere Prioritäten setzen.wenn jemand sagt , dass er nicht weiss was er z. B kaufen soll oder ob er dies oder jenes jetzt tun soll oder später und derjenige da ein Problem drin sieht , sehe ich es nicht so . Das ergibt sich meist ganz von alleine. Ich denke immer diese kleinen Probleme
    lösen sich von selbst. Wir messen diesen kleineren , lapidaren Problemen nicht mehr so viel Bedeutung zu .
    Ich mag auch , seit der Erkrankung noch viel lieber in der Natur z. b im Wald spazieren gehen . Vielleicht nur mit ein oder zwei Freundinnen oder mit meinem Mann. Jeder von uns hat gerne Stellen wo er sich gerne zurückziehen mag . Ich glaube das ist bei uns auch ein Teil des Verarbeitungsprozesses . Vielleicht ist dieses Rückzugsbedürfnis ein Eigenschutz vor Überforderung , dass man nich ständig unter Strom steht
    und dass man sich auf das besinnt was einem wichtig ist.
    Es ist schon so , dass wenn man mit Nichtbetroffenen zusammen ist , dass man sich ausgegrenzt fühlt. Denn wir haben eine Erfahrung gemacht ,
    die keiner gerne machen mag , die aber nachhaltige Folgen hat. Die Gesunden können da nicht mitreden , aber von diesen Problemen mögen sie nicht gerne hören und sich auch nicht mit Krankheit und Krebs auseinandersetzen. Vieles geschieht auch aus Unsicherheit , weil die Nichtbetroffenen nicht wissen, wie sie mit uns umgehen sollen. Aber man selbst hat auch nicht immer Lust sich immer zu erklären oder man
    möchte nicht mit jedem und nicht immer über die Krankheit reden. Nimm es für Dich so an wie es ist . Jeder von uns ist individuell . Da ist das
    Bedürfnis nach Rückzug nichts Unnormales .
    LG :hug: alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Hallo Oona Melin,


    ich denke meine Vorredner haben alles gesagt.


    Mich persönlich überfordern große Menschenansammlungen mittlerweile. Vor meiner Erkrankung machte mir das nichts aus. Nicht weil ich Angst habe mir etwas einzufangen, nein. Es stresst mich schlicht und ergreifend. Dieses Gedrucke und Gezerre an meiner Person.. da könnte ich an die Decke gehen :cursing:


    Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Und wenn man gefragt wird, wie es einem geht (einer Person die von der Erkrankung weiß) aber gerade überhaupt keine Lust hat drüber zu reden, dann einfach auch so ehrlich sein und das sagen. Die werden das verstehen :)


    Tu einfach nur das, was Dir gut tut. Meiner Meinung sollten wir das öfter machen. Schade, dass man das meistens erst durch so eine schlimmer Erkrankung bemerkt...
    Fühl Dich gedrückt! :hug:


    LG
    Mäusel

  • Hi Oona Melin, guten Morgen Alle,


    mal aus der Sichtweise von jemandem, der vorher auch schon so war: Ich fand es immer schon sehr anstrengend, mich in beliebige Gruppen einzufügen. Das Drama, was da manchmal aus Kleinigkeiten geschaffen wird, war mir immer sehr unverständlich und im Bestfall habe ich das einfach nur an mir vorbeirauschen lassen und die guten Momente mit Gesprächen, die auch mir etwas gegeben haben, genossen.


    Das ist immer noch genau so.


    Ich habe gemerkt, dass die Leute, die ich zur Zeit noch treffe, ziemlich aufmerksam sind, wenn ich ihnen schildere, wie es mir physisch und psychisch geht, gerade so als würde es sie selbst beruhigend, dass Brustkrebs (zumindest im Frühstadium) ein Problem ist, dessen Behandlung sich in viele kleine Herausforderungen aufteilen lässt, denen man sich stellen muss und die man bewältigen kann. Manche finden dann auch ihren Weg, wie sie mit mir umgehen sollen und mir helfen können. Kleinigkeiten, die sie tun können und über die ich mich freue oder einfaches Nicht-Locker-Lassen und immer wieder von sich aus den Kontakt aufnehmen, weil ich ja gerade nicht so viel Neues erlebe und daher von mir aus nicht viel zu berichten habe.


    Was ja zum Teil auch daran liegt, dass ich viele Sachen einfach nicht wie gewohnt machen kann oder darf und nicht, weil ich sie nicht tun möchte. Das liegt ja nicht an mir, sondern an einer cardiotoxischen Chemo und an einem immer wieder kompromittierten Immunsystem.


    Bei jedem, der vorher in meinem Leben wichtig war, bin ich nach wie vor neugierig, wie seines gerade läuft, d.h. ich höre auch gern zu und warte auf den Tag, an dem ich wieder ein aktiverer Teil in diesem Szenario sein kann.


    Für die, mit denen ich nicht über Krebs reden möchte, hatte ich immer schon Strategien, mit denen ich sie mir freundlich, aber bestimmt vom Leibe halte, da hat sich genau gar nichts geändert.

  • Liebe Foris,
    jetzt muss ich mir heute morgen doch mal etwas von der Seele schreiben.
    Gestern Abend war an der Schule, an der ich unterrichte, Schulkonzert und ich wollte eigentlich gar nicht aktiv
    mitmachen, denn meine Haare sind immer noch nicht wieder wirklich so, dass man das eine Frisur nennen könnte, also
    trage ich ein Mützchen, denn mit Perücke komme ich mir mittlerweile so verkleidet vor.
    Und mit Mütze auf einer Bühne stehen?
    Die Geigenlehrerin kam dann um meinte, Mensch, mach doch mit. Lust hatte ich eigentlich schon, und so habe ich
    zugesagt, den Elternchor mit meinem Instrument zu begleiten.
    Es waren nur 2 Proben und die waren ganz ok, obwohl ich mich schon gewundert habe, dass niemand auf mich zukommt
    und vielleicht mal fragt, wie es mir geht.
    Oder erwarte ich da zu viel?
    Gestern Abend dann im Konzert habe ich alles, wirklich alles, aber vor allem die Musik viel intensiver erlebt, als jemals
    zuvor. Und ich habe schon viel Musik gespielt.
    Gleichzeitig habe ich aber auch das Verhalten der Menschen um mich herum sehr intensiv wahrgenommen.
    Sie schauen mich an, als würden sie sagen, lass mich in Ruhe mit deinem Krebs.
    Die einzige, die gefragt hat, wie es mir geht, war die Geigenlehrerin.
    So alleine unter Menschen bin ich mir noch nie in meinem Leben vorgekommen.
    Ich heule schon den ganzen Morgen.
    Ich hatte mich nach dem Konzert noch mit einem Vater unterhalten, dessen Sohn ich unterrichte, da kam ein anderer Vater
    dazu, dessen Tochter bei mir Unterricht hat, hat uns unterbrochen, was eigentlich schon mehr als unhöflich war, und hat
    mich eine ganze Weile einfach ignoriert, als wäre ich gar nicht da!
    Ich habe mir heute Nacht sehr viele Gedanken darüber gemacht, und ich glaube, das Problem ist, dass wir uns verändert
    haben, aber die Welt um uns ist gleich geblieben.
    Nur leider erleben wir alles viel intensiver, das Schöne wie das Negative.
    Vielleicht war es einfach zu früh, wieder bei einem Konzert mitzumachen.
    Vielleicht erwarte ich auch zu viel von meinen Mitmenschen.
    Ganz sicher aber werde ich so etwas nicht mehr so schnell machen und es wird immer klarer, dass nur ganz wenige
    Freunde und Bekannte übrig bleiben werden nach dieser schweren Zeit.
    Aber, hey, dafür habe ich euch gefunden.
    Ich danke euch, dass es euch gibt und danke für's Lesen.
    Liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Hallo Mama63,


    ich verstehe Deine Traurigkeit.


    Zur Erklärung: die Menschen um Dich herum haben Angst. Sie haben Angst, dass sie Dich mit ihren Fragen verletzen könnten. Sie sind unsicher. Sie haben auch Angst, dass sie selber Krebs haben könnten und dass sie es durch Deine Antworten erfahren könnten.


    Wenn es dort Menschen gibt, die Dir am Herz liegen, sprich sie an - sage ihnen, dass Du ihre Unsicherheit nachvollziehen kannst (wenn es so sein sollte). Schildere ihnen Deine Gefühle. Vielleicht trauen sie sich dann und Du findest Freunde.


    Ich schicke Dir eine grooooße Portion Mut und Kraft.


    LG
    Menschenwesen

  • Hallo Mama63,
    sehr gut kann ich Dich verstehen weil wir wohl alle, oder sehr viele von uns, empfindsamer geworden sind. Bei mir sitzen die Tränen "sehr nahe am Ausgang" egal ob ich etwas positiv oder negativ empfinde.
    Zu den Menschen "um mich herum" möchte ich Dir sagen dass ich jedem der mich nicht angesprochen hat, besonders am Anfang, noch heute sehr dankbar bin! Es hat bei mir sehr lange gedauert bis ich darüber reden konnte. Aber jede empfindet und reagiert anders und das ist auch gut so!
    Was mir geholfen hat und immer noch hilft sind die Mädels hier im Forum und ich kann nur hoffen dass ich ein bissi von dieser Hilfe weitergeben kann.
    Liebe Grüße
    Lisa

  • Liebe Menschenwesen,
    vielen lieben Dank für deine Antwort.
    Das ist eine gute Idee, ich werde es versuchen.



    Liebe Lisa,
    natürlich hilft mir der Austausch hier sehr.
    Ich wüsste ja gar nicht, was ich ohne das Forum machen würde.
    Vielen lieben Dank für deine Antwort.


    Liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Hallo Mama63,


    ich kann verstehen, daß Dich das Verhalten der anderen traurig gemacht hat.Ich glaube auch, daß in vielen Fällen kein Desinteresse sondern Unsicherheit dahinter steckt.
    Ich selbst habe meinen Arbeitsplatz gemieden, bis ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Mit Arbeitskollegen habe ich mich nur "außerhalb" getroffen. Für mich war es eher schwierig, die freundliche Anteilnahme vieler Personen zu ertragen. Als es mir nicht gut ging, wäre ich darunter" zusammengebrochen". ;(
    Bei Arbeitsbeginn war ich dann innerlich auf zahlreiche Nachfragen täglich eingestellt und ich konnte gelassener damit umgehen. Trotzdem fand ich die ersten Wochen sehr anstrengend. Manchmal habe ich gedacht "laßt mich doch einfach nur in Ruhe". Inzwischen hat sich der Kontakt weitgehend normalisiert...


    Liebe Grüße :)

  • Ach je... leider kann ich dir nur kurz schreiben, mittwochs muss ich Mama-Taxi spielen.


    Ich kann das bestätigen. Die Kinder/Schüler verhalten sich nomal und nett.
    Manche Kollegen (Männer) reden kaum noch mit mir. Als hätten sie Angst, dass ich davon anfange oder gar Narben zeige :hot: - Brust ist halt auch ein doofer Bereich , da spricht man ja sonst auch nicht drüber.
    Und den Eindruck von Angst bei Frauen hattre ich auch schon... kann ich sogar ansatzweise nachvollziehen, da ich immer gesund und fit war. Da komt der Gedanke auf: "Mein gott, wennn es Diana getroffen hat, vielleicht auch mich..."


    Böse meint es sicher keiner, es ist Unsicherheit, Gedankenlosigkeit, Kreisen um die eigenen Problemchen.
    Ich saß am Montag voller Panik herum (nur innerlich) und eine Kollegin beschwerte sich lauthals über ihren Stundenplan. Ich habe nur für mich gedacht: "Deine Probleme hätte ich gerne, lass uns tauschen!"


    Wenn mich was wirklich bedrückt, äußere ich es auch hier.


    Ich drück dich mal :hug:


    Diana

  • Hallo Foris,
    es ist größtenteils Unsicherheit, die wir mehr oder weniger im Umgang mit nicht Betroffenen spüren. Erinnern wir uns alle mal daran, wie wir für der eigenen Krebserkrankung mit von Krebs Betroffenen umgegangen sind - unsicher, weil uns die Worte fehlten.
    Ich habe den Umgang mit 2 Tanten und 3 Onkel noch gut in Erinnerung, die im Laufe der Jahre an Krebs erkrankt und bereits verstorben sind. Für mich war der Krebs vor der eigenen Erkrankung etwas ganz anderes. Damals habe ich nicht verstehen können. Seit ich selbst erkrankt bin, kann ich Vieles nachvollziehen.


    Der Umgang mit meinen Kolleg/innen war sehr unterschiedlich. Einige waren sehr aufgeschlossen, andere zogen sich ganz zurück. Von denen ich es niemals vermutet hätte, agierten sehr viel zugänglicher, als die, von denen ich es quasi "erwartet" hätte. Allerdings - es schwang sehr oft Mitleid mit, wurde Selbstmitleid von mir "erwartet".
    Was ich in einer Reha gesagt bekam, war Folgendes: "Erwarten Sie kein Interesse um Ihrer Situation!" Das sollte sich bestätigen, weil die meisten Menschen mit einer solchen Situation nicht umgehen können. Das ist nichts Ungewöhnliches, weil völlig normal.
    Heute rede ich von Ex-Kolleg/innen, weil ich längst berentet bin. Der Umstand mit ihnen gestaltet sich heute immer noch so, obwohl inzwischen viele Jahre vergangen sind. Ich komme damit klar - sogar sehr gut, weil es ein Stück Normalität geworden ist.
    "WIR" haben uns verändert! "WIR" kommen anders rüber! "WIR" waren/sind es, die einen schwierigen Prozess zu bewältigen hatten/haben. Und es ist so, dass eine Veränderung keinen Nachteil darstellt, denn wir müssen uns mit den eigenen Veränderungen arrangieren, um damit klarzukommen. Ob Außenstehende wiederum mit uns klarkommen, wird sich zeigen. Sie müssen in die Lage versetzt werden, um sich öffnen zu können.


    Nein, es will ganz sicher niemand mit uns tauschen wollen. Niemand will das durchmachen, was wir z. T. durchmachen mussten/müssen. Allerdings sind wir um viele Erfahrungen reicher, weil wir den Blick auf viel wichtigere Dinge im Leben gelegt haben/ legen werden.
    Alle Beiträge in diesem Thread geben Hinweise darauf, was wichtig sein/werden kann. Dieser Thread ist ein "Lehrbeispiel" dafür, die Probleme anzusprechen, sich mit ihnen zu beschäftigen, um dann einen Umgang mit ihnen zu finden - auch mit den Menschen, die uns all zunächst mal "spanisch" vorkommen. Sie kommen uns "spanisch" vor, weil...


    Gruß aus dem heute Mittag sonnigen NRW


    Mannix

  • Hallo Manni
    Da Krebs in der heutigen Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist,reagieren viele Menschen mit Ignoranz,da sie Angst haben etwas falsches zu sagen,ich denke die meinen es nicht Böse, es ist deren Problem mit diesem Thema umzugehen.
    Am Anfang meiner Erkrankung war ich mit Gehilfen unterwegst ,eine Frau fragte mich an einer Haltestelle nachdem Grund.Als ich ihr erzählte,das ich Knochenmetastasen habe wegen BK wurde sie richtig still und wendete sich von mir ab.
    Seitdem habe ich mir immer irgendetwas anderes ausgedacht,wenn mich jemand drauf ansprach,da ich sie mit meiner Krankheit nicht konfrontieren wollte.
    Ich weiß ,das es nicht richtig war,aber ich wusste selber nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte.
    Wie gut,das meine Freunde und ehemalige Arbeitskollegen sich nicht von mir abkapseln.
    Eine ehemalige Arbeitskollegin hat sogar offen darüber gesprochen, das sie Anfangs paar Hemmungen hatte.Das fand ich richtig mutig von ihr,das sie so offen darüber sprach.

  • Liebe Schleiereule, liebe Distudis,
    vielen Dank für eure Antworten.
    Das Erstaunliche ist wirklich, dass der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern die ganze Zeit über völlig normal war.
    Mit manchen war es vielleicht im allerersten Moment ein bisschen krampfig, aber dann wieder völlig normal.
    Und normal ist gut.
    Das Problem sind die Kollegen und die Eltern. Das Verhalten der Erwachsenen ist völlig verkrampft.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit Chemopatienten haben.
    Die verschwinden einfach normalerweise während der Chemo und danach auch noch.
    Aber wieso sollte ich mich verstecken, wenn es mir einigermaßen gut geht und ich arbeiten kann?


    Lieber Mannix,
    vielen Dank für deine Antwort.
    Ja, das ist ein guter Satz, erwarten Sie kein Interesse an ihrer Situation.
    Das stimmt. Und wenn man nichts erwartet, kann man auch nicht enttäuscht werden.


    Ich kann mich auch erinnern, dass ich früher manchmal eine Frau bei uns im Supermarkt gesehen habe, die offensichtlich
    gerade Chemo gemacht hat, denn man hat deutlich gesehen, dass unter der Baseballkappe eine Glatze war.
    Da habe ich auch gedacht, o Mann, Wahnsinn, die muss vielleicht bald sterben......oder so ähnlich.
    Ich habe mich aber immerhin bemüht, die Frau nicht anzustarren.
    Aber genau das ist mir kürzlich an der Kasse in einem Kaufhaus passiert.
    Ich habe mein Mützchen auf, bezahle 2 bequeme Bustiers und eine ältere Dame glotzt mich die ganze Zeit an.
    Irgendwann hat es mir gereicht, und ich habe mich zu ihr runtergebeugt und voll zurückgeglotzt.



    Liebe Susannah,
    zum Glück sind aber nicht alle Kolleginnen und Kollegen so. Ich habe eine supernette Kollegin, die inzwischen eigentlich
    auch schon eine Freundin ist, sie hat sich nur gerade eine Auszeit genommen und ist auf einer Reise gerade am anderen
    Ende der Welt.....
    Die fehlt mir an allen Ecken und Enden.
    Danke noch für deine Antwort.


    Liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Hallo Foris,


    weil das Thema Krebs immer noch ein Tabuthema ist, muss das nicht heißen, es dabei zu belassen. Dieses Thema können nur von Krebs Betroffene enttabuisieren. Kein Nichtbetroffener wird sich dieses schwierigen Themas annehmen.
    Die meisten Menschen im Umfeld reagieren geschockt, weil sie sich überfordert sehen. Die meisten Menschen verbinden die Diagnose Krebs unmittelbar mit dem Tod. Wir wissen, dass das nicht stimmt.


    Was den Umgang mit Freund/innen betrifft - wirklich GUTE Freund/innen sind immer für einen da. Sie brauchen nicht mal "vor Ort" zu sein, um sich mit ihnen verbunden zu fühlen. Meine besten Freund/innen leben nicht mal im Umfeld. Die gedankliche Verbindung ist immer gegeben. Der Austausch miteinander hat durch die räumliche Distanz eine ganz andere Dimension angenommen.


    Noch einmal komme ich darauf zurück, was ich in einem anderen Beitrag schon beschrieben habe - die Umstände im Umgang mit einer Krebserkrankung zu benennen, bezieht sich auf weitaus mehr, als das, was es mit der akuten Behandlung, den aktuellen Therapien auf sich hat. Es sind die Lebensumstände, die sich während einer Behandlung und erst recht nach einer Behandlung gravierend verändern können. Diese Dinge gilt es "beim Namen zu nennen", weil diese Dinge große Teile des alltäglichen Lebens ausmachen. Der "Alltag" hält irgendwann wieder Einzug, auch wenn sich der neue "Alltag" ganz anders gestalten wird. Es soll wieder eine Normalität aufkommen, die dennoch eine ganz andere sein wird. Diese Umstände gilt es anzusprechen - mit der Familie, den Freund/innen, Nachbarn, Verwandtschaft und Bekannten, bei der Arbeit und in den Vereinen ... wen ein Anlass gegeben ist.
    Offenheit lässt viel mehr zu, wobei ich immer so eingestellt war/bin: "Ich sage immer die Wahrheit, aber sage nicht alles, was wahr ist!" Dass dabei dennoch Vorsicht geboten ist, liegt auf der Hand. Ein Tabu kann nur gebrochen werden, wenn es schonend gelockert wird....


    Gruß aus NRW


    Mannix

  • Ich gehöre auch zu denen, für die große Menschenansammlungen schon immer etwas schwierig waren. Jetzt geht es mir so, dass ich zwei Menschen (ein alter Freund und eine ganz alte Freundin, die mich aus Kinder- bzw. Jugendtagen kennen) am liebsten um mich habe. Da fühle ich mich verstanden. Ich habe nicht das Gefühl ihnen Angst zu machen (wie meiner Familie zum Teil) oder dass sie so reagieren wie die Lehrer und Eltern in der Schule meines Sohnes (och die Kranke, die checkt ja nichts und die hat das alles falsch gemacht, deshalb liest der Sohn nicht - er ist Legastheniker und hat seit Weihnachten der ersten Klasse nichts dazu gelernt, ist jetzt 3Klässler). Oder in der Arbeit - ich habe viel zu früh angefangen und mir wird vorgeworfen, dass ich in der Einarbeitung nicht genügend Leistung gebracht hätte und psychisch labil sei... tja was will man machen? Es tut einfach nur weh. Ich denke vielleicht ist alles irgendwie eine Art "Hinweis" oder es gefällt mir am besten es so zu sehen - viel Zeit mit meinen Kindern, einen weniger anstrengenden Job, die Freunde treffen, die mir gut tun und zu wissen,dass jetzt jetzt ist und mal sehen wie sich das ändert...

  • Liebe wolke,
    ich nehme dich mal in den Arm, wenn ich darf.
    :hug:


    Ich glaube, ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst.
    Lass dir aber bloß nicht einreden, dass du auch nur im Geringsten irgendetwas kannst für die Legasthenie deines Sohnes.
    Das hat doch nichts mit dir und schon gar nichts mit deiner Erkrankung zu tun.


    Und versuche doch einmal bei dir zu bleiben, die ganze Sache aus deinem Blickwinkel zu sehen.
    Du hast schon so viel geschafft. Fast unglaublich, was du alles geschafft hast.
    Du warst wirklich so krank und dass du jetzt wieder so arbeiten kannst, ist wie ein Wunder.
    Das sollten deine Kollegen eigentlich sehen, tun sie aber leider nicht.
    Wir können aber unsere Mitmenschen nicht ändern, wir können nur an uns selbst arbeiten.
    Du weißt, durch was du gegangen bist und was für eine unglaubliche Sache das ist, dass du jetzt überhaupt wieder so
    arbeiten kannst. Und das ganze Forum weiß es auch.
    :hug:


    Dicker Drücker und ganz liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)