Ich bin mühsam!

  • Guten morgen alle miteinander
    Seit meiner zweiten Chemo und vor allem seit ich in den Spiegel schaue und mich ein kahlköpfiges Gesicht anguckt, schiebe ich total die Krise. Ich bin dünnhäutig geworden und kann überhaupt nichts mehr vertragen. Es langt schon eine Frage, wie es mir denn heute geht oder irgendetwas harmloses und ich kann die Tränenflut nicht mehr aufhalten. Es tut mir für die Leute leid, die dann meine volle Ladung abkriegen und manche wissen ja gar nicht was los ist. Ich entschuldige mich dann immer, es ist mir so peinlich, und verziehe mich wenn möglich schnellstens.
    Meine Schwester hat mir vor 3 Tagen die letzten kümmerlichen Reste von Haarbüschel abrasiert und wir haben gelacht und geheult gleichzeitig, auch das geht. Ich verstehe micht gar nicht mehr. Ich bin ein sehr aufgeschlossener, politiver und fröhlicher Mensch und dieses Wechselbad der Emotionen, diese Hochs und Tiefs fast gleichzeitig und wie aus dem nichts, kann ich nicht einordnen. Ich kann auch losplärren und weiss nicht einmal warum.
    Kennt Ihr das auch und wie seid Ihr damit umgegangen?


    L.G.
    Chrigele

  • Liebe Chringele,


    ich war auch "mühsam" nach meiner Diagnose und während meiner Therapien. Da war so viel Neues zu bewältigen, dass ich nicht mehr wusste, wo oben und wo unten ist. Und auch ich habe meiner Umgebung ganz viel zugemutet. Aber nicht nur mir ging es so mit diesem Wirrwarr an Gefühlen, sondern das habe ich auch schon von anderen hier im Forum gelesen. Jeder muss zunächst seinen Weg finden, mit dieser Ausnahmesituation umzugehen - und da gehören Gefühlsausbrüche auch durchaus dazu.


    Ich habe wohl noch nie so viel geweint wie in dieser Zeit, wobei ich mir dann immer vorgestellt habe, dass meine Tränen ein kleines Stückchen von dem Schweren, das auf mir lastet, wegwaschen. Und es wurde für mich in dieser Phase ganz wichtig, mich viel mit Menschen auszutauschen, die emotional nicht so stark eingebunden waren wie meine Familie (denn auch die hatten ihre eigenen Ängste und ihr eigenes Gefühlschaos). Dort habe ich Anregungen erhalten, wie ich mit dieser total veränderten Situation besser zurechtkommen kann und wurde dadurch auch wieder etwas ausgeglichener.


    Gibt es bei Euch in der Schweiz eine psychoonkologische Beratung (oder psychosoziale Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen), an die man sich als Patient wenden kann? Dort könntest Du Unterstützung finden, Deine Gefühle neu zu sortieren.


    Vielleicht hat es Dir aber auch schon gut getan, über Dein Gefühlschaos hier zu schreiben - Du hast es "rausgelassen" und das kann ungemein erleichtern.


    Herzliche Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

  • Liebe Chrigele,


    Mensch, komm mal her, ich drücke dich erstmal.
    :hug:


    Ach, das ganze Gefühlschaos, das kenne ich auch nur allzu gut.
    Die Chemo hat nicht nur Auswirkungen auf den Körper, sondern auch auf die Seele, und manchmal sogar auch auf den
    Geist.
    Und bei jedem wirkt es eben ein bisschen anders.
    Aber bei mir waren die Gefühle auch immer sehr extrem, die guten wie die schlechten. Heulen und lachen gleichzeitig
    kenne ich auch......
    Zum Teil ist das auch jetzt noch so bei mir.
    Diese Mischung aus Schock bei der Diagnose und Therapien wirbelt die Gefühle ganz schön durcheinander.
    Inzwischen ist es mir aber auch gelungen zu erkennen, dass das auch durchaus seine positive Seite haben kann.
    Ich kann auch die schönen Dinge des Lebens jetzt viel intensiver wahrnehmen.
    Dabei hat mir aber auch geholfen, dass ich am Anfang, direkt nach der Diagnose, eine Psychoonkologin hatte, und im
    Augenblick habe ich einen Psychotherapeuten, der mir hilft, ein wenig Struktur in das Gefühlschaos zu bringen.
    Vielleicht wäre das auch etwas für dich?
    Ich bin immer noch mühsam! Aber inzwischen kann ich gut damit leben. Dann bin ich halt mühsam.
    Komm, wir sind zusammen ein bisschen mühsam.
    :hug: :)


    Liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Hallo Ihr zwei


    Herzlichen Dank für Eure Antworten. Ja, bei uns gibt es auch Psychoonkologen, aber ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich das nicht brauche. ?(
    Das ist vielleicht ein Trugschluss, werde es mir noch einmal überlegen. Vielleicht entlastet es auch ein wenig meinen Ehemann, der kriegt natürlich das meiste ab.


    Vielen Dank und bis demnächst
    L.G.
    Chrigele

  • Liebe Chringele,


    meinen Ehemann haben diese Gespräche, die ich geführt habe, in der Tat sehr entlastet :) . Und mich auch! Oft reichen auch schon ganz wenige Sitzungen bei einem Psychoonkologen aus, um wieder ins eigene Gleichgewicht zu kommen.


    Kannst es ja mal ausprobieren, dann wirst Du wissen, ob es Dir gut tut und Du Dich nach dem Reden ein bisschen leichter fühlst (sei es beim ersten Mal auch nur für kurze Zeit!).


    Viele Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Flora ()

  • Ich nehme Dich vorsichtig in den Arm. :hug: .Ich , wir alle können das gut nachvollziehen. Ich habe diese Phase auch durchgemacht und hatte immer noch viele Ängste dabei. Angst die Angehörigen zu sehr zu belasten mit der Krankheit, Angst dass die Chemo nicht wirkt , Angst dass
    der Krebs einfach weiterstreut, dass ich irgendwann zum Pflegefall werde , von anderen abhängig bin, nichts mehr selbst kann und auch sonst war ich in der Zeit sehr weinerlich.
    Ich habe auch während der ganzen Chemozeit psychoonkologische Begleitung gehabt. Das hatir sehr gut geholfen, und es ging mir sehr bald besser . Nach der OP brauchte ich die Psychoonkologische Mitbegleitung nicht mehr so viel.
    Probiere es aus , wenn Duagst. Auch gut dass Du Dir das von fer Seele geschrieben hast . Das hilft auch schon viel.
    Wünsche Dir noch für die restlichen Behandlungen alles Gute und ein schöne besinnliche Weihnachtszeit
    LG alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Liebe Chrigele,


    auch ich kenne dieses Gefühlschaos. Am Anfang war das genauso schlimm wie bei Dir: aus dem nichts konnte ich anfangen zu heulen.


    Jetzt ist es besser, aber ich habe immer noch ab und an diese Phasen.


    Mir hilft reden mit Menschen, die mir nicht ganz so nahe stehen wie mein Mann und ich ziehe mich auch ganz gern einfach mal allein zurück. Dann hilft es mir, einfach mal ein Buch zu lesen, Musik zu hören oder irgendetwas anderes das ich allein machen kann :)


    Mit einer Psychoonkologin habe ich ganz am Anfang, als das Gefühlschaos am größten war, auch gesprochen. Das hat mir wirklich geholfen.


    Liebe Grüße
    Ela

  • Lass dich mal virtuell :hug:
    Du bist nicht mühsam - du bist im Ausnahmezustand, was völlig normal ist nach der Diagnose, in der Behandlung, vor Nachsorgen etc.
    Deine Gefühlsachterbahn und dein Nah-am Wasser-gebaut-sein - das kennen hier viele wenn nicht alle...
    Nach meiner Erstdiagnose vor 2,5 Jahren fiel ich erst einmal in das Angstloch, nach und nach, als Behandlung stand und mir gesagt wurde, was wann zu tun ist - folgte ich brav dem Weg und die Achterbahn bewegte sich in fast einer Ebene, manchmal gings leicht nach unten, manchmal auch hinauf. Nach der Zweitdiagnose ein halbes Jahr später und Abschluss der Behandlungen fiel ich dann ins Therapieloch, wobei bei den Prognosen kein Grund dazu bestand - aber es war so, erst da kam alles bei mir wirklich an. Meine Achterbahn führte nun ganz nach unten und die Strecke war lang und lag im Tunnel - aber irgendwann - auch mit Hilfe des Forums - kam der Zug wieder auf eine Spur aus dem Tunnel heraus und bergauf . 2 Jahre später bewege ich mich in der Regel zwischen Mitte und Hoch - ab und an kommen noch Tiefs, aber mittlerweile habe ich auch die Erfahrung, dass die Fahrt unten so viel Schwung hat, dass sie den Berg wieder hinauf führt!
    Was ich bis heute nicht in den Griff bekommen habe - und ich weiß noch immer nicht, ob ich das gut oder schlecht finde: Meine Emotionen, die kommen und wollen raus, egal, ob positiv oder negativ.... die Tränen kullern sehr schnell. Privat habe ich das inzwischen angenommen, im Beruf versuche ich natürlich, das zu vermeiden.... Manchmal muss ich dann aber auch aus der Situation rausgehen, wenn ich merke, die Emotionen fordern ihr Recht. Und eigentlich denke ich, sie sind ein Teil von mir, sie gehören zu mir - und ich will und kann sie sie auch nicht unterdrücken.
    Was ich dir eigentlich sagen möchte: Du bist mit deinen Gedanken und Gefühlen nicht allein - und es wird irgendwann wieder besser!
    Genau das wünsche ich dir :hug:

    ***********************************************************************************

    Lebe dein Leben hier und jetzt - und verschiebe nichts auf irgendwann und irgendwo.

  • Hallo alle zusammen


    Vielen Dank für Eure Antworten. Ich habe jetzt sogar noch am 24.12. einen Termin bei einer Psychoonkologin bekommen, das finde ich total nett!Sie hat gefragt, ob der Termin noch vor Weihnachten sein soll, ich sagte, dass ich das nicht so recht wüsste. Dann hat sie nachgefragt, genau die selbe Frage wiederholt. Dann musste ich mich entscheiden und habe tatsächlich ja gesagt, bin selber etwas überrascht.


    Mir fehlt der Boden unter den Füssen, komisch, da ich mich immer als sehr taff und eben mit beiden Füssen auf dem Boden stehend gesehen habe und jetzt ist er einfach weg. Ich hab nur noch hoch und tiefs, die Mitte ist nicht mehr vorhanden, ich kann mich sozusagen nicht mehr orientieren. Hätte nie für möglich gehalten, dass das mir passieren kann.


    Ich habe eine schwer behinderte Tochter, wir feiern morgen ihren 29 Geburtstag. Ich habe soeben ihren Wunschdessert, eine Quarkmousse gemacht, sie wird sich freuen. Sie war eine Frühgeburt und kam in der 28. Woche zur Welt mit 1100g. Das sie eine Hirnschädigung davongetragen hatte, bemerkte man etwa ab dem 4. Monat und wurde dann mit einem Schädel- CT bestätigt. Sie hat dann sämtliche Kinderkrankheiten durchgemacht, von 3 Monatskolliken über Pseudokrupp usw. Wir haben alles überstanden und ich behaupte mal gut überstanden. Gianna kann weder laufen noch frei sitzen und muss im Rollstuhl festgebunden werden trotz Titanstange im Rücken zur Stabilisierung der Wirbelsäule, aber was Gianna dafür sehr gut kann ist reden, sogar wie ein Wasserfall. Sie kann sagen was sich möchte oder was ihr nicht passt, sie kann sagen wie sich sie fühlt oder wenn sie wütend ist. Sie kann schimpfen und fluchen über mich, wenn ich nicht mit ihr einverstanden bin und sie kann mich umarmen, etwas schwierig zwar, aber es geht mit etwas Hife und sie sagt mir ganz oft, wie lieb sie mich doch hat. Alles habe ich irgendwie gemeistert und ich dachte, dass ich alles durch habe und mich nichts mehr erschüttern kann, und jetzt das!


    Wie Ihr merkt, bin ich gerade am Herz ausschütten, ich kenne mich selber nicht mehr! ;( 8| :(


    L.G.
    Chrigele

  • Liebe Chrigele,


    da muss ich dich jetzt gleich nochmal in den Arm nehmen und ganz fest drücken
    :hug:


    Was du schreibst, hat mich sehr berührt.
    Ich finde, du schreibst so schön über deine Tochter, sie ist bestimmt etwas ganz besonderes.
    Und sie hat die beste, taffste Mama, die man sich denken kann.
    Aber die darf auch mal ein bisschen schwach und traurig sein, sie ist nämlich auch nur ein Mensch.
    ;)


    Dass das mit einem Termin bei einer Psychologin vor Weihnachten noch geklappt hat, ist einfach super.
    Das hast du gut gemacht.
    Ich drücke dich nochmal und wünsche dir eine gute Nacht, schlaf gut.
    :hug:


    Liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Es ist gut dass Du Dir das von der Seele schreibst . Das wird Dir vielleicht gut tun und etwas erleichtern. Du hast ja auch viel zu stemmen. Du warst bisher immer für Deine Tochter da und bist es jetzt noch immer. Es ist normal -Du kannst nicht immer stark sein . Deine Erkrankung und
    die Behandlungen fordern nochmal viel Energie von Dir. Da ist es kein Wunder dass Dir die Kräfte ausgehen und Du den Boden unter den Füssen zu verlieren drohst. Aber es ist gut dass Du Dir helfen lässt . Lass die Schwäche und die Tränen ruhig zu . Ich nehme Dich in den Arm und halte Dich :hug: Das gehört vielleicht zum Verarbeitungsprozess . Meistens geht es einem nach ein paar Tagen besser und man geht gestärkt daraus hervor. Ich schicke Dir ein dickes Kraft und Energiepaket :thumbsup: . Wünsche Dir und Deiner Tochter eine schöne Geburtstagsfeier morgen, sowie alles
    Gute für die weiteren Behandlungen.
    Ganz liebe Grüsse von
    alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Ach chrigele, du sprichst mir aus der Seele.


    Seit meiner Diagnose bin auch ich mühsam, nur ist mir bis jetzt diese Formulierung nicht eingefallen. Danke dafür.
    Und gut, das du zur psychonkologin gehst. Ohne mein Gespräch mit meiner psychonkologin hätte ich es nicht mal geschafft,
    mich nach der Operation für die Chemotherapie zu entscheiden.
    Und wenn sie mir nicht versprochen hätte, das sie im Januar zur ersten Behandlung mitkäme, säße ich jetzt noch hier, und
    würde denken, das schaff ich nicht.


    Aber ich schaffe das, und du schaffst das, und weißt du was, die Menschen, die wirkliche Freunde sind, schaffen das auch.
    Wenn man immer nur gewöhnt ist, zu geben, ist es schwer, zu lernen, auch mal anzunehmen.
    Keiner hat gesagt, das es leicht wird.


    Liebe grüße von einer mühsamen zur anderen


    Ps: deine Tochter klingt nach einer tollen Frau, nimm ihre Hilfe an

  • Liebe Chrigele,


    ich hab schon gedacht ich hab es schwer, aber wenn ich deine Zeilen lese habe ich Achtung vor dir du verdienst den aufrichtigsten Respekt überhaupt.
    Dass deine Tochter so ihren 29 Geburtstag feiern ist auch dir zu verdanken, super für Gianna dass Sie so eine tolle Mutter hat.
    Du bist auch nur Mensch und der auch seine Grenzen hat und unter der Last die du trägst darfst du auch dich mühsam finden und dich nicht wieder erkennen.
    Umso schöner finde ich dass du über deine Schatten gesprungen bist und hast dich durchgerungen dass du einen Termin vereinbart hast, lass es auf dich zukommen und du wirst sehen wie es auf dich wirkt.


    Ich wünsche Gianna einen super Geburtstag und dir noch viel Kraft, gebe dir ein paar Durchhaltebonbons mit auf den deinen Weg.
    Falls die ausgehen meld dich Wir haben noch ganz viele in Reserve.


    LG Nicky1967

    LG Nicky1967


    Ich versuche alles was geschieht positiv zu sehen, auch wenn ich den Sinn dabei, nicht immer erkenne! :)

  • Liebe Chringele,


    toll, dass Du bei der Psychoonkologin angerufen und den kurzfristigen Termin vereinbart hast! Na, wenn das nicht "taff" ist! Denn Du bist aktiv geworden, damit Du Deine "Mitte" wiederfindest. Und Du holst Dir dafür Unterstützung, weil Du gerade an Deine eigene Grenze gekommen bist und einen "Wegweiser" für die ersten Schritte im Neuland brauchst.


    Ich wünsche Dir gute Gespräche mit der Psychoonkologin und dass sie Dir helfen kann, damit sich das "Neuland" nicht mehr ganz so fremd anfühlt. Du hast schon so vieles gemeistert! Du wirst es auch dieses Mal wieder schaffen, da bin ich sicher.


    Viele Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

  • Liebe Chrigele,
    das finde ich toll, dass du den Termin am 24. bekommen und genommen hast! :thumbsup:
    Was du geschrieben hast, hat mich sehr beeindruckt und ich bewundere dich! :hug:
    Du darfst hier gerne dein Herz ausschütten, denn das muss ab und zu mal sein, auch Tränen gehören dazu! Das erleichtert!
    Und hier wirst du verstanden und aufgefangen!


    Du schreibst sehr liebevoll über deine Tochter, das ist sehr schön zu lesen! :hug: :love:
    Ja, sie hat auch eine ganz tolle Mutter! :thumbsup:
    Liebe Chrigele, ich wünsche deiner Tochter alles, was du dir für sie wünschst!
    Ich hoffe, ihr konntet mit ihr einen wunderschönen Geburtstag feiern! :cake:
    Alles Liebe und Gute für euch. Du schaffst das!


    Ganz liebe Grüße
    von Mohnblume

    Eine Tür ist selten ganz verschlossen.
    Manchmal muss man nur den passenden Zeitpunkt zum Anklopfen finden!

  • Liebe Chrigele,


    auch ich freue mich für Dich, dass Du diesen vor "Heiligabend-Abend"-Termin bekommen hast und wahrnehmen kannst.


    Gut ist es, wenn Du endlich auch mal (teilweise) Dein Herz hier ausschütten konntest. Das war keine Schande !!!! Gute Gespräche mit dem Ehepartner sind ganz bestimmt immer wertvoll und auch nicht zu ersetzen. Aber ich habe auch Hemmungen meine ganzen Gefühle und Gedanken vor meinem Mann auszubreiten. Ich habe Angst, dass ich zu Formulierungen greife, die ihm nachhaltig wehtun/belasten, oder das ich das - hoffentlich respektvolle - Bild, das er von mir hat, irreversibel beschädige. Irgendwie läuft wohl jeder in der Hinsicht mit seinem eigenen Päcklein an Ängsten durch diese Welt.


    Ich wurde ganz traurig, als ich gelesen habe, dass Du meintest "auch ohne" Hilfe auszukommen. Ich hatte früher viel Kontakt zu Menschen, die ehrenamtlich in der Krankenhausseelsorge/ Hospizverein arbeiten. Ich weiß, dass sie regelmäßig Supervisionen haben. Das heißt, dass sie Gespräche, die sie als belastend erleben, in Ihrer Gruppe verarbeiten können. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei Psychologen auch so aussieht.
    Mit diesem Wissen hatte ich bei der Onkopsychologie in dem Krankenhaus, das für meine Behandlung zuständig ist, per Mail um einen Termin gebeten. Ich habe ihn ganz kurzfristig am letzten Donnerstag bekommen. Ich wusste, dass ich keine Rücksicht nehmen musste, und mich nicht verstellen musste, damit das Bild von mir nicht nachhaltig beschädigt wird. Das Gespräch war toll und so entlastend. Die Kleenex-Packung stand bereit und ich habe zum ersten Mal einfach heulen können.

    Die Onkopsychologin - noch ganz jung, hätte fast meine Tochter sein können - hat mir im Anschluss gleich einen zweiten Termin für den 28.12. angeboten, den ich auch gerne angenommen habe. Ich habe dann bestimmt wieder etwas, was mir zu diesem Zeitpunkt alle Luft nimmt. Wenn nicht, wäre es ja auch gut. Dann wird es ein nettes, kurzes Gespräch. Übrigens: keine Ahnung, ob Dir das hilft: Thema des Gesprächs war nicht nur der Krebs, sondern auch wie ich mit der Pflegebedürftigkeit und Bockbeinigkeit meiner Mutter umgehe. Alles, was Deine psychischen Ressourcen kostet, hat seinen Platz in solchen Gesprächen. Also keine Bescheidenheit nur weil "Onko" vor der Psychologie steht!
    Ich finde es toll, dass wir in Ländern leben, in denen wir solche Hilfen bekommen können. Hole Dir die Hilfe, die Du brauchst! Sie ist für DICH gemacht!


    Alles erdenklich Gute wünscht Dir
    KielerSprotte

  • Guten Morgen alle zusammen


    Ich danke Euch für die vielen Antoworten und ja, es tut gut verstanden zu werden. Ich muss mich hier auch nicht zusammennehmen oder so tun als ob! Ich muss keine Angst haben, jemanden vor den Kopf zu stossen und vollig zu überfordern.
    Ja, mit meiner Mutter könnte ich auch aufwarten, ich gehe dann jede Woche hin um bei ihr die Blase zu spülen, sie hat seit über 10 Jahren einen sogenannten suprapubischen Katheter,das heiss, der Blasenausgang ist beim Bauchnabel und muss natürlich gut gepflegt werden. Die dauernden Blasenentzündungen haben wir am besten unter Kontrolle, wenn wir zusätzlich zurm regelmässigen Katheterwechsel beim Doc noch 2x wöchentl. spülen, 1x ich und 1x meine Schwester. Seit Monaten spricht sie nur noch Exit und wir haben auch schon mal die Betreuerin zu Besuch, die meine Mutter begleiten würde, und sie hat uns alles sehr gut erklärt. Wir wissen also genau, was auf uns zu kommen wird, wenn meine Mutter denn den Schritt tatsächlich machen möchte. Trotzdem ist es nicht lustig und auch belastend, über den Selbstmord der eigenen Mutter zu reden. Aber ja, das ist nicht mein dringendes Problem, bin gespannt, was da alles auf den Tisch kommt!
    Gestern hatten wir einen schönen und lustigen Geburi mit meiner Tochter und ihren Betreuer und Kollegen und mit dem allerliebsten Bruder, so sagt sie es immer, meiner Schwester und mir. Sie hat gestrahlt wie ein Honigkuchen und fand es zum wiederholten Mal so schade dass sie nicht jeden Tag Geburtstag hat.
    So sollte es sein! ^^ :thumbsup: :hug:
    L.G.
    Chrigele

  • Liebe chrigele :P


    das nenne ich Krisenintervention, eine tolle Psychoonkologin :thumbup: sie ist mir jetzt schon sympathisch…..
    Sehr gut dass du dich gleich gekümmert hast und die Psychologin nicht locker gelassen hat.


    Dünnhäutig geworden bin ich auch und muss aufpassen, dass mich meine Emotionen mich nicht auf einmal
    ungewollt überrollen, auch wenn ich schon länger mit meiner Erkrankung zu tun habe.


    Liebe chirgele, gerade hier bei uns kannst du dein Herz ausschütten… :hug: …hier ist so viel Platz und
    du belastet uns damit nicht. Es ist gut, wenn wir unsere Sorgen und Ängste aufschreiben, denn dadurch
    kann ein bisschen was abgelegt werden und hier bei uns bekommst du Unterstützung, auch wenn es nur virtuell ist.
    Ich bewundere dich, was du bist jetzt in deinem Leben gestemmt hast und bin beeindruckt….
    Noch eine Baustelle…..na du hast schon eine Menge zu stemmen!!! Wie du schreibst, ist das ist nicht
    dein dringendes Problem, aber es kommt eines zum anderen und irgendwann ist der Berg soooo groß
    um noch eine freien Blick zu haben………
    Du schaffst auch jetzt die neue Herausforderung…du bist immer noch taff, ist nur ein bisschen verschütt gegangen
    und dass wirst du mit Hilfe der Psychologin wieder finden :thumbsup: Ich nehme dich einmal in den :hug:


    Grüßle :) ika :)

    Lachen ist die beste Medizin,

    also verschenke jeden Tag ein Lächeln,
    es tut nicht we
    h
    :thumbsup:

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