Alle Krebserkrankte haben Abgrenzungsprobleme ...

  • ... sagte ein Heilpraktiker/Homöopath zu mir vor einigen Wochen. Ich bin da etwas skeptisch. Das wäre doch zu einfach.
    Was würdet Ihr denn dazu sagen? Ich meine, wir müssten es ja eigentlich am besten wissen, oder?


    Neugierige Grüße
    Karawane

  • Hallo Karawane,


    sorry, aber ich kann damit im Moment gar nichts anfangen. In welcher Hinsicht Abgrenzungsprobleme? Ich finde pauschalisierte Aussagen mit "alle" immer Murks. Denn jeder Mensch ist ein Individuum, denkt anders, fühlt anders, erlebt anders. Egal worum es geht.


    LG vom Ritterchen

  • Hallo ritterchen,


    ja so sehe ich es eigentlich auch, dass wir alle Individuen sind und unsere Krankheiten nicht nur über einen Faktor erklärt werden können.
    Ganz genau weiß ich auch nicht, was er meinte, aber ich denke, z.B. das berühmte "Nicht-Nein-Sagen-Können".


    Viele Grüße
    Karawane

  • Hallo Karawane,


    da müssten aber noch mehr Leute Krebs haben und andere, die ich kenne, dürften keinen haben!
    Andererseits passt dazu, dass viele Erkrankte danach verstärkt an sich denken.


    Irgendwie gefällt mir die Aussage des HP nicht, weil sie zumindest bei mir den Anflug eines schlechten Gewissens hervorruft,
    dass ich meine Erkrankung teils selbst verschuldet habe. Und diese negativen Gedanken mag ich nicht haben!


    Pauschale Aussagen sind immer so eine Sache ...

    Mit den besten Wünschen :) ,
    distudis

  • Hallo Distudis,


    danke für Deine Antwort.
    Nein, das sollte nicht sein, dass wir uns ein schlechtes Gewissen machen.
    Deine Argumente dagegen sind auch stichhaltig.
    Ich hatte mir Gedanken gemacht nach dieser Aussage des HPs und war jetzt neugierig auf andere Stellungnahmen dazu.


    Liebe Grüße
    Karawane

  • Hallo Karawane,
    als ich nach einem Jahr Abwesenheit wieder anfing zu arbeiten,
    sagte gleich eine Kollegin zu mir: "Du bist so ein sorgfältiger und nervöser Typ, die bekommen sowas oft!"


    Das hat dann direkt gesessen, wobei sie das gar nicht so böse gemeint hat eher als Erklärung,
    wo ich doch immer so gesund war und gesund gelebt habe.



    Vielleicht ruft die Aussage des HP deshalb Unbehagen bei mir hervor :wacko:

    Mit den besten Wünschen :) ,
    distudis

  • Hallöle,


    ja, das versteh ich.
    Mir geht es so, wenn über Ernährung und Sport (also mangelnder) als Ursache genannt wird.
    Oder Stress. Ganz viele Menschen vermuten Stress als Ursache für Krebs, ähnlich wie wohl Deine Kollegin, doch in der Reha wurden Studien genannt, die das widerlegen.


    Liebe Grüße
    Karawane

  • Hallo ihr Zwei,


    ich habe relativ früh nachdem ich von meiner Krankheit erfahren habe beschlossen mir über das warum und warum gerade ich keine Gedanken zu machen. Es wäre müssig und würde mir nur Zeit, Nerven und Kraft rauben, die ich viel lieber für mein Kind, meine Familie, meine Freunde und schöne Dinge nutze. Dies habe ich bei der Reha-Kur auch genauso dem Psychologen erklärt. Er war sprachlos und ich hatte nie wieder einen Termin bei ihm. :-)


    Und ich kann sehr gut Nein sagen. Seit meiner Krankeit mehr als zuvor. Ich habe - außer mal eine bei Feiern gepafft - nie geraucht, trinke sehr selten Alkohol, nahm bis auf ein Psychopharmka keinerlei Medikemente, war seltenst krank, habe seit meinem 18. Lebensjahr die Pille genommen (soll eigentlich positiv auf die Entstehenung von Eierstockkrebs wirken) und war bei Diagnosestellung gerade mal 40. Alles Dinge die GEGEN eine Erkrankung sprechen. Leider hat sich der Krebs nicht an Statistiken und ähnliches gehalten ...


    Nochmal zum dem Heilpraktiker: Ich hätte die Aussage hinterfragt und wäre wahrscheinlich das Letzte Mal bei ihm gewesen.


    LG vom Ritterchen

  • Hallo Ihr drei,
    ich habe ganz gewiß auch Abgrenzungsprobleme, wie ich im Gespräch mit meiner Psychoonkologin erkannt habe. Aber dass das die Ursache für die Existenz von Mr.K. sein soll, auf die Idee wäre ich im Traum nicht gekommen. Ich bin nicht in der Lage ein klares "Nein" zu der bösen Zelle zu sagen, und daran soll es liegen, dass sie sich wie blöd teilt? :cursing:
    Grundsätzlich ist es so, dass der Mensch, also auch ein Heilpraktiker versucht Muster zu erkennen. Und wenn er eines erahnt, erkennt er immer nur noch die Umstände wieder, zu denen das Muster passt. Alles, zu dem die selbstgefundene Regel nicht passt, wird ausgeblendet. Damit hat die Menschheit im Schnitt ganz gut überlebt, wenn auch nicht unbedingt das einzelne Individuum.
    Für eine medizinische Beratung taugt das aber bei Krebs bestimmt nicht. Für eine kostenpflichtige schon gar nicht. :thumbdown:
    Was mich aber auch aufregt, liebe Karawane: Du stehst jetzt mit dem mistigen Krebs da, jetzt kommt eine kluge "Nachher"-Diagnose. Oder soll Dich das gar ermuntern auf die heutigen Standards der "bösen" Schulmedizin zu verzichten?
    Für mich findet der ganzheitliche Aspekt der Therapie im Wesentlichen, neben netten und verständnisvollen Ärzten, bei der psychologischen Betreuung statt. Und in diesem Forum natürlich :thumbup:
    Liebe Grüße
    KielerSprotte

  • Liebe Karawane,


    ich weiß nicht, ob diese Aussage Deines Heilpraktikers in irgendeiner Weise hilfreich für Dich ist ... für mich wäre sie es nicht. Denn zum einen kann ich Pauschalierungen nicht ausstehen und zum anderen hilft mir diese Erkenntnis - so sie denn stimmen würde - auch nichts mehr, wenn ich sowieso schon erkrankt bin.


    Für mich war es nach der Diagnose in erster Linie wichtig, mit der veränderten Lebenssituation klarzukommen. Dass die Frage nach dem "warum" für mich zu keinem Ergebnis führt, sondern mich nur Kraft kostet, habe ich dabei recht schnell erkannt. Durch meine Erkrankung habe ich sicherlich vieles über mich gelernt, sehe manches anders als früher und versuche, mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. Aber ich bin mir sicher, dass ich durch eine Veränderung meiner Denkstrukturen oder meiner Weltsicht eine eventuelle Neuerkrankung nicht verhindern kann. Und deshalb versuche ich, mein Leben jetzt so gut wie möglich zu leben, denn in die Zukunft kann ich nicht schauen (und bin auch froh drum!).


    Viele Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

  • Liebe Karawne,


    falls du Abrenzungsprobleme hast, kannst du ja mal üben, dich ein bisschen abzugrenzen.
    Zum Beispiel gegen Pauschalaussagen von Heilpraktikern.
    ;)


    Liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • mama63 :thumbup:
    Das wäre eine super Antwort für den HP gewesen. Leider wäre mir das nicht eingefallen, wenn ich an Karawanes Stelle gewesen wäre.


    Ich finde es unpassend, Erkrankten noch so "tolle" Äußerungen mitzugeben...es ändert doch nichts mehr!


    Ich bekam übrigens im Umfeld jeder Op zu hören: "Sie sind ja so gesund und fit, ich begreife nicht, wieso Sie Krebs bekommen haben!"


    Ja, sehr hilfreich... :evil:

    Mit den besten Wünschen :) ,
    distudis

  • Danke für Eure Antworten dazu.
    Ja, der war wohl nicht so besonders, dieser HP. Allerdings hat mich mehr gestört, dass das von ihm gewählte Medikament nichts gebracht hat. Soll aber kein Urteil über HPs generell sein. Eine Methode ist immer so gut wie ihr Anwender.

    falls du Abrenzungsprobleme hast, kannst du ja mal üben, dich ein bisschen abzugrenzen
    Zum Beispiel gegen Pauschalaussagen von Heilpraktikern.
    ;)

    :D :D
    Das tu ich!


    Distudis, ja, man bekommt als Krebserkrankte unglaublich viele dumme Antworten zu hören.


    Viele Grüße
    Karawane

  • Guten Abend ihr Lieben,


    jetzt muss ich aber den HP mal ein bisschen in Schutz nehmen, unbekannter Weise.
    Die Aussage von ihm steht völlig aus dem Zusammenhang gerissen da und du, liebe Karawane, hast nicht hinterfragt, was er damit in dem Moment meinte. Da kommt ein Urteil darüber ja genauso pauschal zurück, wie es evtl der Satz an sich ist ;) Natürlich war auch mein erster Gedanke dazu:" Also ich habe kein Abgrenzungsproblem und das ist ja total verallgemeinert." Aber der Zusammenhang fehlt ja völlig und deshalb hatte ich mich mal zurück gehalten.


    Karawane, du solltest dich natürlich beim HP wohl fühlen, verstanden und gut betreut. Wenn das bei dem nicht so ist, ist ein Wechsel angebracht. Bei HPs ist das Problem, dass das was sie machen sehr viel Zeit braucht. Ich bin ebenfalls seit Anbeginn meiner Erkrankung in HP Begleitung, aber ich käme nie auf den Gedanken, dass die Mittel, die sie mir verschreibt (sind ja alles keine Medikamente), nicht gewirkt hätten. Das Prinzip ist ja ein völlig anderes, als in der Schulmedizin. Die HPs können begleiten und den Körper unterstützen, aber nicht von heute auf morgen heilen. Das wäre zwar sehr schön, aber dann hätten wir keine Ärzte mehr, die im Akutfall schneller handeln können. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich ohne meine HP deutlich schlechter zurecht wäre. Sie betrachtet mich als ganzen Menschen und reagiert auf alles, was ich ihr erzähle und tut nichts einfach als Nebenwirkung von Chemo ab, mit der man leben müsste.


    So eine HP wünsche ich dir auch :)


    LG, Sonja

  • Ja, ich habe auch Abgrenzungsprobleme. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass immer sehr, sehr viele Dinge zusammen kommen, wenn Krebs entsteht - und wie meine Psychoonkologin sagte, gibt es ein paar Faktoren, die man kennt und viele, viele, die man nicht kennt. Falls Abgrenzungsprobleme ein Faktor sein sollte (was ich sehr bezweifle), dann wäre das einer der wenigen bekannten, die bei mir zutreffend wären. Auch die Sache mit dem Stress. Ich denke, dass fast alle Menschen, wenn sie nur genügend darüber nachdenken etwas in ihrem Leben finden, das Stress erzeugt (hat). Also trifft das auch auf viele Menschen mit Krebserkrankungen zu...
    Letztlich finde ich es nicht mehr interessant warum ich Leukämie bekommen habe - interessant finde ich wie ich jetzt weiterlebe, was ich mir jetzt für mein Leben wünsche. Und der HP ist genau eine von der Sorte der Nichtbetroffenen, die mir auf die Nerven gehen... Klar, sie wissen warum wir das haben und sie nicht. Ah, ich finde das äußerst arrogant, besserwisserisch uund letztlich gemein. Und ja, ich reagiere über und ich weiß sogar warum: ich arbeite mit lauter Psychologen und die meisten davon sind auf einem ähnlichen "Tripp" und ich bin darüber sehr wütend. Das widerspricht völlig meiner Idee, wie wir Menschen miteinander umgehen sollten... Euch alles Liebe und der HP soll jedes Mal einen Hustanfall bekommen wenn er sowas "verzapfen" will... Wolke

  • Liebe Foris,


    habe kaum geschlafen, daher war ich jetzt ganz froh, mich ganz schnell bei Eurem Forum anzumelden um Eure Berichte zu lesen.
    Gerade habe ich diese interessanten Beiträge von Euch entdeckt und mit lachenden und weinenden Auge gelesen. Ihr schreibt z.T. so engagiert, das ist einfach klasse! Danke dafür!
    Und so ehrlich, so grundehrlich, dass es hier nur so menschelt. Ich bin viel alleine und mir hilft Eure imaginäre Nähe.
    In meiner Biographie gibts soviele Baustellen, weshalb ich mich oft in Therapie befinde. Das mit den Abgrenzungsproblemen musste ich mir auch anhören. Vom Verstand her nachvollziehen
    kann ich das schon, gerade die Entstehung solcher. Aber es ist wirklich nur eine pauschale, platte Aufforderung reaktiver mit der Umwelt umzugehen. Quasi eine Provokation, sich
    in der rauhen Welt da draußen, einfach nicht mehr soviel gefallen zu lassen. Denn die Therapeuten können nicht mit dem Schutzschwert vor uns her gehen, um unser Leben zu regeln. Das müssen wir selbst machen. Eine gute Portion Hilflosigkeit ist diese Pauschalisierung wohl auch, denn die Therapeuten sind auch nur Menschen, oder?


    Und Wolke, Deine Meinung gefällt mir: "Das widerspricht völlig meiner Idee, wie wir Menschen miteinander umgehen sollten..." Recht hast Du! Ich empfinde das ganz genauso.


    Euch Allen noch alles Liebe für den heutigen Tag von Neuling Alberta