Nein zur Angst - Ja zum Leben

  • Liebe Foris,


    es liegt mir gerade so einiges auf der Seele und weil ich nicht weiß, wo ich es aufschreiben soll, eröffne ich einfach mal
    einen neuen Thread.
    Ich fange mal mit meiner Mutter an.


    Wie vielleicht einige schon wissen, hatte meine Mutter mit 47 Jahren Brustkrebs. Ich war damals 5 Jahre alt.
    Man kann sagen, der Brustkrebs hat meine Kindheit bestimmt.
    Meine Mutter war die personifizierte Angst.
    Bei jedem Pickel, den sie hatte, dachte sie, das sei ein Rezidiv.
    Das hört sich vielleicht lustig an, aber für mich war das schlimm.
    Ich habe mir damals geschworen, ich möchte nie so werden wie meine Mutter.
    Meine Mutter ist heute 94 Jahre alt, und sie hat nie wieder Krebs bekommen.
    Aber sie hat 47 Jahre lang, ihr halbes Leben, in Angst gelebt.


    Ich hatte die erste Krebsdiagnose mit 45 Jahren.
    Ja, die Erkenntnis, dass man nicht unsterblich ist, haut einen um.
    Als ich diesen Schock überwunden hatte und mich wieder berappelt hatte, kam die zweite Diagnose mit 49 Jahren.
    Danach dachte ich, so, jetzt ist alles wieder gut.
    Mit 52 dann der Oberhammer: G3 und Her2positiv


    Meine Tochter war bei der ersten Diagnose 7 Jahre alt und bei der letzten 14.
    Ich versuche immer, soweit es geht, offen mit ihr über alles zu sprechen.
    Sie soll nicht in einer Atmosphäre von Angst aufwachsen müssen.


    Mein Schlüsselerlebnis hatte ich in der AHB. Da war eine Ärztin, die war ziemlich dick und sehr nett.
    Sie sagte, wissen Sie, nach ihrer Erkrankung haben Sie ein genauso hohes Risiko, wieder Krebs zu bekommen, wie jede
    andere Frau in Deutschland auch.
    Ich schaute sie groß an. Stimmt eigentlich. Im Laufe ihres Lebens erkrankt bei uns jede 8.Frau an Brustkrebs.


    Ich wurde nachdenklich.
    Wenn das so ist, sollte ich versuchen, ganz normal weiterzuleben, oder?
    Ich mache natürlich alles dafür, dass der Krebs nicht wiederkommt.
    Alles medizinisch notwendige sowieso, aber auch homöopathisch, komplementärmedizinisch, ich mache Sport und
    Psychotherapie, esse meistens gesund und wende die Simonton-Methode an.
    Und sonst?


    Und sonst lebe ich!
    Ich hätte ja nie gedacht, wie schön das Leben ist!
    Ich musste zuerst krank werden, um das festzustellen.
    Was wäre das für ein Leben, wenn ich die ganze Zeit Angst hätte?
    Ich überlege nicht mehr lange, ob ich mir diesen Mantel oder jene Schuhe kaufen soll, ich kaufe sie mir einfach!
    Wenn nicht jetzt, wann dann?
    Ich liebe es, zu unterrichten.
    Ich denke oft während des Unterrichts, wie lange kann ich das wohl noch machen?
    Also genieße ich jede Minute.
    Ich mache keinen Sport mehr, den ich hasse.
    Ich habe es gehasst, durch die Gegend zu rennen und Yoga habe ich eigentlich auch noch nie gerne gemacht.
    Jetzt kann ich nicht mehr joggen, weil mir nach der Chemo alle Gelenke schmerzen und Yoga geht sowieso nicht mehr.
    Na und?
    Ich genieße jetzt lange Spaziergänge mit langen Gesprächen mit meinem Mann und schwimme für mein Leben gern.
    Wieso habe ich das nicht schon viel früher gemacht?


    Die Angst hat mich wacher gemacht.
    Sie hat mir die Augen geöffnet für die Dinge, die wirklich zählen.
    Ich bin wichtig. Wenn es mir nicht gut geht, kann ich auch nicht für andere da sein.
    Ich darf es mir schön machen.
    Ich darf mich am Leben freuen. Wozu sonst lebe ich?
    Und wenn der Krebs zurückkommt, kann ich sagen, hey, ich habe gelebt. Und ich habe es genossen.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Liebe Mama63,


    ich bin zwar schon in einem parallelen Thread "Erfahrungen : Positives durch Krebs" unterwegs, aber ich muss Dir allein wegen des tollen Themas "Nein zur Angst - Ja zum Leben" schon antworten.
    Meine Mutter war schon ohne konkreten Anlass schon voll mit Sorgen um uns . Wir waren drei Personen, meine Mutter selbst, mein Vater und ich. Zu einem Zeitpunkt, als es wirklich keinen konkreten Anlass gab, hat sie sich einmal darüber geäußert, dass sie quasi dauern fast am Sterben ist, dass irgendeinem von uns Dreien etwas passiert.
    Zu diesem Zeitpunkt war ich durch rein persönliche Kontakte zu Hospizmitarbeitern/Krankenhausseelsorgern schon mit dem Thema "Ende" befasst, ohne dass es mich persönlich betroffen hatte.
    Mir fiel irgendwann nichts anderes ein, als zu sagen: "Die Ängste bist Du erst los, wenn Du in der Kiste liegst." Vielleicht habe ich das zu dem damaligen Zeitpunkt auch charmanter ausgedrückt. Meine Mutter muste dann auch irgendwie lachen.


    Was mir noch einfällt ist ein Spruch aus meiner Jugend/mittleren Jugend: "Glückwunsch. Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens!"
    Gilt ja für uns alle, egal ob gesund oder nicht.


    Dann kommt mir noch der Spruch, der aber auch für Agnostiker passend sein kann:
    "Gott, gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."


    Die letzten acht Zeilen Deiner Message kann ich nur kopieren. (inklusive "Wieso habe ich das nicht schon viel früher gemacht?")


    Vielen Dank & liebe Grüße
    KielerSprotte

  • Liebe Mama63,


    danke für Deinen tollen Beitrag und das Du mich an Deinen Gedanken teilhaben lässt.


    Eine Woche, bevor bei mir der Gyn feststellte, das sich Günther in meiner Brust breit gemacht hat, hatte ich einen wirklich blöden Streit mit meinem Freund. Ich war frustriert von meinem Leben, von meinem Job, unzufrieden mit meinen Haaren und einfach nur schei...sse drauf. Ich habe zu meinem Freund gesagt:" Wofür mache ich das eigentlich alles? Es interessiert keinen. Es kotzt mich an. Wenn es morgen vorbei ist, wäre es egal." Und 3 Tage später. Ein 2 cm großer Mistkerl in der linken Brust.


    Als die Diagnose gestellt wurde, habe ich keinen Moment mehr daran gedacht, das mir alles egal ist. Für mich gibt und gab es nur ein Gedanke: "Sterben ist keine Option!" Ich bin felsenfest davon überzeugt, das ich wieder gesund werde und bleibe. Woher diese Zuversicht und Optimismus kommt, weiß ich nicht, denn ich war eigentlich immer mehr der Pessimist. Aber nun ist es so und es hilft mir.


    Ich mache es so wie Du. Ich genieße mein Leben. Ich rege mich nicht mehr über alles auf. Irgendein Blödmann hat meine Antenne vom Auto geklaut. Natürlich war ich davon nicht begeistert, aber hey, er hat zum Glück nicht den Lack zerkratzt oder die Scheiben eingeschlagen. Die Antenne kaufe ich mir irgendwann neu.


    Ich sage ja zum Leben.


    Ich wünsche Dir und allen anderen Foris einen schönen Sonntag mit unvergesslichen Momenten.


    Liebe Grüße,


    die Brühlerin

  • Liebe Mama63,


    dein Beitrag gefällt mir. Danke dafür! Auch ich versuche ja zum Leben zu sagen, auch wenn es nicht immer leicht es. Leider befinde ich mich im metastasierten Stadium. Aber mein Zustand ist stabil, mir geht es gut und meistens freue ich mich meines Lebens. Ich rege mich über vieles nicht mehr auf und bin in vielen Dingen gelassener geworden.
    Was kommt, kann mir kein Mensch, auch kein Arzt sagen. Aber solange es mir gut geht, möchte ich das auch genießen. Meine Tochter ist 14 Jahre alt, ich habe ihr nie etwas vorgemacht, aber in den knapp zwei Jahren seit meiner Diagnose haben wir als Familie viel Schönes erlebt. Das ist mir wichtig, denn ich möchte nicht, dass meine Tochter in einer Atmosphäre der Angst aufwächst.
    Und natürlich wünsche ich mir, dass es noch möglichst lange so weitergeht.


    Ich wünsche dir und natürlich allen hier im Forum einen schönen Sonntag und viel Zuversicht!


    LG Hannah

  • Hallo an Alle,
    das ja zum Leben lernt man erst wenn man merkt das es endlich ist.


    Ich bin 2014 das erste Mal erkrankt und dachte felsenfest, dass wenn ich das durchstehe, der Krebs nie wieder kommt. Nach den ganzen Therapien Chemo, OPs, Bestrahlungen habe
    ich auf der AHB im August 2015 gelernt von vorne anzufangen. Gesunde Ernährung und viel Sport.


    Leider hat all diese Veränderung nichts genützt... dachte ich... denn im Dezember 2015 bzw Januar 2016 habe ich ein Rezidiv bekommen. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen und ich war sehr verzweifelt und hätte vor lauter Panik und Angst fast eine falsche Entscheidung getroffen.


    Jetzt nehme ich die Krankheit an und verleugne sie nicht mehr. Ich lebe damit und mache meine Therapien. Wohin mich das führt weiß ich nicht, aber ich hadere nicht mehr damit. Für diese Erkenntnis bedanke ich mich bei Mama63 und Distudis von Herzen den ohne euch hätte ich das niemals geschafft. Auch allen Anderen hier gilt mein Dank... ihr könnt euch nicht vorstellen wie gut es tut mit euch zu schreiben.
    Übrigens war ich gestern shoppen und war auch erst unsicher, ob ich mir das oder jenes kaufen soll ... ich hab beides gekauft so what.... und noch einen riesigen Eisbecher verdrückt...
    Jawohl... gibt dir das Leben Zitronen frag nach Salz und Tequila.

  • Hallo Angsthase,


    ich finde es unglaublich schön, wie du deine situation beschreibst.
    auch mir ist vom leben unmittelbar nach der ganzen erkrankung und therapie usw. sehr übel mitgespielt worden und ich versuche wieder auf die beine zu kommen
    irgendwie geht es immer weiter und dann doch lieber fröhlich
    drück euch alle mal
    ihr tut mir gut


    Liebe grüße
    Ingrid

  • Lieber angsthase,
    ich bin ganz gerührt von deinen Worten :rolleyes:


    Mir haben hier in verschiedenen Phasen der Erkrankung verschiedene Foris sehr geholfen
    - weil sie in vergleichbarer Situation waren
    - weil sie sich auskannten
    - weil sie einfach zugehört und die Daumen gedrückt haben
    - durch liebevollen Zuspruch und Gesten
    - weil sie so tapfer und lebensfroh waren, dass sie mir als Beispiel gedient haben


    Und deshalb freut es mich, wenn ich dir mit meinen Ratschlägen zur speziellen Situation bisschen helfen konnte.


    Irgendwie geht es immer weiter, und du packst es :thumbup:


    Meine Daumen für morgen sind dir gewiss- dafür darfst du mir gern am Dienstag die Daumen drücken.


    Ich drück dich mal und sende dir Zuversicht :hug:
    Diana

  • Lieber Angsthase,


    hey, du bist doch gar kein Angsthase! Du bist eine mutige Frau und du machst das super!
    Für deine Chemo nächste Woche wünsche ich dir alles erdenklich Gute und dass dein ungebetener Gast so schnell wie
    möglich vertrieben wird und zwar auf Nimmerwiedersehen!
    Dicker Knuddler
    :hug:


    und ganz liebe Grüße von mama63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Vor drei Wochen war ich recht grummelig auf meine Psychoonkologin. Es war mir einfach in mehreren Gesprächen nicht gelungen ihr zu verdeutlichen, dass ich mich intensiv mit der Frage "was will ich wirklich?" auseinander setzen möchte und muss.
    Was will ich? Möglichst große Chance auf Heilung um jeden Preis? Mit allen Gefahren, langfristigen Nebenwirkungen und zeitweilig extremen Lebenseinschränkungen?
    Das Risiko ein noch nicht erforschtes aber wohl vielversprechendes Medikament zu nehmen und damit hoffentlich eine Weile ganz gut zu leben (und wenn es gutl aufen sollte, dann vielleicht auch noch ein Weilchen länger)?
    Einfach mit dem bisherigen Medikamenten weitermachen, auch wenn sie irgendwie nicht so richtig aber genügend wirken, dass ich zur Zeit ganz gut klar komme?


    Diese Woche habe ich mich ja bei einem Spezialisten vorgestellt und darum gebeten an einer Phase I Studie (= erste Stufe hinter den Ratten um es mal flapsig auszudrücken) teilnehmen zu dürfen.
    Und die erste Frage die er mir gestellt hat war: was wollen Sie für sich?


    Das ist wie an einer magischen Weggabelung: wenn Sie diesen Weg gehen, dann kann es gute Lebensqualität aber wenige Jahre bedeuten. Wenn Sie aber den Weg dort wählen, dann kann das vielleicht viele Jahre aber größere körperliche Einschränkungen ergeben und den Weg da, nun der sieht gerade sehr hoffnungsvoll aus aber keiner weiß was hinter den ersten Hügeln liegt.


    Jede von uns muss im Rahmen der Diagnose und der vorgeschlagenen Therapie für sich entscheiden: was will ich eigentlich. Der erste Impuls mag immer sein: den Krebs überleben, wieder gesund werden und nie wieder einen Rückfall erleben. Doch jede von uns weiß auch, dass Realitäten, individueller Krankheitsverlauf diesen Wunsch manchmal nicht so geradeheraus erfüllen. Spätestens dann stellt sich wieder die Frage: was will ich eigentlich.


    Vor einem Jahr habe ich mir diese Frage sehr intensiv gestellt, weil es für einige Monate so aussah, als ob eine Knochenmarktransplantation meine einzige Option sein könnte. Alles in mir wollte diese Option nicht, alles in mir hat dagegen rebelliert. Doch wäre ich auch bereit gewesen die Konsequenz eines Nein zur Transplantation auszuhalten?
    Die Angst ist ein schlechter Ratgeber heißt es immer und ich glaube sehr daran. In meinem Kopf braucht es einen Blick zurück aus der Zukunft: angenommen ich nehme diesen Weg und ich wäre ein Jahr weiter, wie wäre es dann? Was von dem, was mir im Leben wichtig ist, hätte ich dann oder was hätte ich verloren oder ganz neu aufgebaut?


    Mit dieser Frage bin ich zu meiner Psychoonkologin gegangen: ich wollte, dass sie mir zur Seite steht, damit ich für mich einen solchen Blick zurück aus den möglichen Zukunftswegen wagen kann - denn da braucht es ja auch den Mut in sehr dunkle und angstbesetzte Täler zu gucken. Doch statt sich mit mir auf den Weg zu machen, kam: warten Sie doch erst einmal ab, nehmen Sie jeden Tag Schritt für Schritt, genießen Sie doch das heute, Sie wissen doch gar nicht was die Zukunft bringt, es könnte doch auch der berühmte Bus überfahren werden".


    Darüber habe ich viel nachgedacht. Vor meiner Krankheit habe ich so ganz normal geplant: in drei Jahren möchte ich mal wieder einen großen Urlaub machen, nächstes Jahr diese Weiterbildung, mal wieder eine Freundin in X besuchen, mit 60 würde ich gern in einer Alten-WG wohnen...kleine und große Zukunftspläne. Jeder weiß, dass in jeder Minute etwas geschehen kann, dass diese Pläne durchkreuzt. Dass das Leben von rechts auf links dreht. Doch wir tun so, als würde es uns nie treffen und machen Pläne und sehr sehr oft trifft es uns nicht und die Pläne werden schöne Realität. Was ist jetzt anders, mit einer Krebsdiagnose? Es kann ja immer noch morgen der berühmte Bus sein...
    Mit der Diagnose wird aber die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese unser Leben verkürzt oder es auf jeden Fall nachhaltig verändert. Auf einmal gibt es Kurven mit Überlebenswahrscheinlichkeiten, Statistiken, Prognosen, Erfahrungsberichte, Behandlungsprotokolle mit Erfolgswahrscheinlichkeiten.
    Der Krebs nimmt uns einen Teil unserer Unschuld, einen Teil dieser großen menschlichen Zuversicht, dass wir Pläne machen und diese sich auch erfüllen werden.
    Das macht Angst, doch hinter der Angst kommt dann auch etwas Neues: Stärke, das-wieder-Aufstehen, die Fähigkeit das Gute und Schöne neu zu sehen und anzuerkennen, Wohlwollen sich selbst gegenüber statt Grummeln und Antreiben. Innehalten, Wichtiges und Unwichtiges unterscheiden können.


    Für mich ist und bleibt daher dieser Blick zurück aus den denkbaren Zukunftsbildern essentiell. Nur so meine ich erkennen zu können, was hinter den Ängsten liegt. Natürlich kann mir keiner sagen, ob es so kommen wird.
    Für mich kann ich derzeit nicht einmal die Frage nach dem Spatz in der Hand oder der Taube auf dem Dach beantworten. Weil ich nicht weiß, welche Option eigentlich Spatz oder Taube ist. Aber den Blick zurück aus der Zukunft, den habe ich zwischenzeitlich in ersten Schritten erkundet. Lebensqualität statt mögliche Lebenslänge. Lieber Teil eines großen Risikos mit der Aussicht auf hohen Gewinn sein als "die sichere Nummer". Ist das dann doch die Taube auf dem Dach? Das wird die Zukunft zeigen.

  • Liebe Mama,
    du hast formuliert, was ich auch oft im Kopf habe - aber manchmal im Alltag vergesse bzw. nicht immer genug im Blick behalte. Gefühl und Ratio stimmen nicht immer überein....
    Auch ich habe eigentlich gelernt, im JETZT zu leben, JETZT zu genießen - und Leben und Genießen nicht auf irgendwann zu verschieben. Klar mache ich Pläne, aber seit der Diagnose immer mit dem Hintergedanken: NIEMAND weiß, was kommen wird. Und genau DAS ist es: Niemand weiß, was kommen wird, passieren wird, ob einem der berühmte Ziegelstein auf den Kopf fällt, man unglücklich die Treppe herunterfällt - oder ein Herr K. einen besucht oder wieder besucht - oder eine andere ernste Krankheit einen heimsucht. Daraus kann tatsächlich nur resultieren, dass man LEBT im HIER und JETZT.


    Das werde ich jetzt wieder verstärkt im Blick behalten - die Angst wird vor die Tür geschickt, solange es keinen konkreten Grund gibt. Zumindest versuche ich es :thumbsup:

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    Lebe dein Leben hier und jetzt - und verschiebe nichts auf irgendwann und irgendwo.

  • Liebe Mama63,


    du hast genau beschrieben, was ich aus dieser leidigen Erkrankung mitgenommen habe. Leider rückt das auch hin und wieder bei mir in den Hintergrund, wie Sonnenblümchen das so schön beschreibt und ich ertrappe mich in letzter Zeit immer wieder bei dem Gedanken "aber, kann ich das so machen...?" und wir wissen die Antworte sollte lauten: ja ich kann. Denn wenn ich es nicht wollte, würden mir die Gedanken bzw. Ideen gar nicht erst in den Kopf kommen. Es darf nicht nochmal was schreckliches passieren, bis ich wieder bewußter lebe. Wie du so schön sagst: wenn nicht jetzt, wann dann. Denn wir haben schließlich nur dieses eine Leben.


    Da fällt mir immer ein Spruch einer Reha-Mitpatientin ein: Das Leben ist endlich, lebe endlich.


    Viele Grüße
    inebine

  • Der Spruch ist einfach genial : Leben - und nicht warten auf......
    Den merke ich mir!

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    Lebe dein Leben hier und jetzt - und verschiebe nichts auf irgendwann und irgendwo.

  • Liebe mama! Du hast ja tolle nachtideen :thumbup:
    Ich wünsche mir manchmal auch, dass ich so gut Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen kann. Einfach super :thumbup:
    Ich war, wie schon mal gesagt, sehr blauäugig und naiv, was die Krankheit betrifft. Vielleicht hat es mich deshalb auch weniger ängstlich durch die Therapie getragen. Ich war bisher nur immer wütend,wenn mich irgendetwas am rennen gehindert hat. Vor fünf Jahren die Lungenembolie, vor drei Jahren eine missglückte rücken op, ein Bänderriss, ... Und jetzt kam so n Krebs und versuchte mich auszuhebeln. Da kann man doch Hörner kriegen :hot: :hot:
    Ich hatte da mehr Wut und Trotz als Angst.
    Je mehr ich mich mit der Krankheit notgedrungen befassen, umso mehr wird mir der Ernst der Lage bewusst. Aber jetzt steht im April nur noch die Mammographie aus und da betrachte ich mich als geheilt!!!
    Obwohl ich auch manchmal völlig daneben handle: ich wollte erst mal meine Sachen abtragen, bevor ich was neues kaufe.....mein Mann war da völlig schockiert. Na mal sehen, ich schreibe euch,wenn ich neue Klamotten kaufe :P
    Ich muss noch viel drüber nachdenken :hot: :hot:
    Bis dahin genieße ich jeden Tag und freue mich an meinem wunderbaren Mann, meinen Kindern, den süßen Enkelkindern und jeder Gelegenheit, die mir zeigt wie wunderbar das leben ist.



    Ach eins hat sich geändert seit der Therapie: ich kann NEIN sagen, wenn ich denke,dass mir was nicht gut tut!!!ich bin nicht mehr für alle jederzeit und immer da. Aber da hat mein Mann nachhelfen müssen..war ein Lernprozess :hot: :hot: und jetzt ist es ein schönes Gefühl :thumbup:




    Gut Nacht sagt euch rosi

  • Du hast ein interessantes Thema aufgegriffen, das zum Nachdenken anregt . Vielen Dank dafür . Ja , zum Leben das sage ich mir schon . Doch die Angst gehört zum Teil ein bisschen dazu . Angst bedeutet auch sich einer Gefahr bewusst zu werden , zu fliehen . Wenn wir keine Angst hätten würden wir nicht lange überleben. Doch wir dürfen uns von der Angst nicht dominieren lassen . Vor allem dann nicht , wenn die Angst unproduktiv wird , wenn es in Grübelei und abnorme Gedanken ausartet. Man muss die Angst zwar zulassen aber dann auch in ihre Schranken weisen. Ich weiss das ist leicht gesagt , fällt mir im Moment auch etwas schwer, aber es wird langsam besser. Ansonsten sage ich mir und jetzt noch mehr : Ich will mich vor dem Leben nicht verstecken sondern darauf zugehen . Alles mitmachen was sich mir bietet und aktiv an dem teilnehmen was mir möglich ist und was mir Freude macht . Und wenn ich darüber nachdenke , möglich ist noch ganz viel.
    Für mich ist jeder Tag ein Geschenk , besonders seit jetzt und ich freue mich dass es mir gut geht und an den Aktivitäten teilnehmen kann an denen ich möchte . Doch zu der Erkenntnis zu kommen das ist meiner Meinung nach ein Entwicklungsprozess , den man erst mit der Zeit
    erreicht .
    LG und gute Nacht :sleeping:
    alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Liebe Mama63,
    toll, dass du diesen Thread eröffnet hast und ich denke er bietet jedem von uns die Möglichkeit über "seine" Angst nachzudenken. Und jede von uns tut das natürlich auf ihre ganz persönliche Art.
    Ich sehe es wie Alesigmai - die Angst gehört, biologisch gesehen, zum Menschen, damit er überlebt. Das heißt die hier beschriebene Angst sorgt dafür, dass wir Tumorerkrankte bereit sind sehr schmerzvolle Operationen und schwierige Therapien zu akzeptieren und sie dann auch noch durchzustehen. Wir wollen ja überleben. Somit trägt die Angst in unserem persönlichen Fall dazu bei, dass wir etwas gegen unsere Erkrankungen aktiv tun. Denn wir wissen alle, dass wir ohne diese Therapien über kurz oder lang an unseren Tumorerkrankungen sterben können.
    Aber natürlich dürfen wir uns von der Angst nicht dominieren lassen - das hat Alesigmai sehr gut formuliert. Auch ich persönlich habe gelernt für jeden Tag, eigentlich für jede Jahreszeit, die ich erleben darf, dankbar zu sein. Und in den nun seit 10 Jahre andauernden Tumorerkrankungen ist es mir persönlich zwischenzeitlich ganz gut gelungen, mich mit meiner Angst zu "arrangieren". Das habe ich auf jeden Fall auch meiner Psychonkologin zu verdanken! Ohne sie kein Aushalten dieser fürchterlichen Ängste!
    Es gibt da einen sehr schönen literarischen Text von Kurt Marti, einem Schriftsteller aus der Schweiz. Darin öffnet ein Fahrgast das Fenster seines Zugabteils (ja früher konnte man das noch) und wirft seine Angst aus dem fahrenden Zug. Er fühlt sich erleichtert, doch als er nach Hause kommt, ist sie bereits wieder da. Fazit der Kurzgeschichte: Niemand ist uns so unentwegt treu, wie die Angst.
    Wer am kompletten Text von Kurt Marti interessiert ist, kann ihn sich im Internet heraussuchen.
    Ich wünsche euch allen einen schönen und möglichst angstfreien Tag.
    Liebe Grüße
    Angie :)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Saphira () aus folgendem Grund: Tipper korrigiert :-)

  • was ein schönes passendes thema. viele schlechte nachrichten werden nun mit vielen neuen threads hier wieder gut verarbeitet. danke an alle foris, man sieht wieder das positive dieses forums. die angst gehört bei uns allen ja leider dazu und wird uns immer begleiten. da ist es schön dieses forum gefunden zu haben, wo es gleichgesinnte gibt die einen verstehen.


    LG von Anni

  • Liebe Foris,
    ich habe meinen Namen geändert. Aus Mama63 wurde lala63.
    Es tut mir leid, wenn das für euch umständlich ist, aber für mich hat das Symbolkraft.
    Ich bin nicht mehr eine Mama, die sich um alles kümmert, sondern eine lala, die sich erstmal um sich selber kümmert.
    Wie im Flugzeug, wenn die Sauerstoffmasken runterfallen, dann sollte man sich auch erstmal selbst versorgen, sonst kann
    man sich nicht um andere kümmern.
    Habe einfach nur 2 Buchstaben ausgetauscht, schon ist es ein völlig anderer Name.
    Lala passt auch deshalb super, weil ich ja Musikerin bin, wie einige ja wissen.
    Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis.
    Liebe Grüße von lala63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Super, liebe lala,


    deine Idee dahinter rechtfertigt die Namensänderung unbedingt.
    Der Gedanke an die Sauerstoffversorgung im Flugzeug kommt mir auch öfter - wenn ich gerade mal wieder das Gefühl habe, wo bleibe eigentlich ich?
    Sehr hilfreich und ein Ruck bringt mich in eine andere Spur.


    Liebe Grüße, Suse