An die Mütter von kleinen Kindern

  • Hallo Ihr Lieben,
    ich bin an BK erkrankt und zur Zeit in der Chemo.
    Ich habe drei kleine Mädels, 2,4 und 7 Jahre alt.
    Wie geht Ihr mit der Situation um - ich habe ständig diese Endzeitgedanken und meine, ich muss mich jetzt darum kümmern, was mit den Dreien geschehen soll, wenn ich es nicht schaffe (mein Mann ist natürlich auch da).
    Sind diese Gedanken normal? Ich stecke doch gerade erst in der Chemo und alle Zeichen sollten auf Gesundheit deuten - habt Ihr Euch diese Gedanken dann auch gemacht oder sollte
    ich dieses Thema so lange aufschieben, bis sie wirklich einmal akut werden? Ich würde mich so gern von diesem Endzeithorror verabschieden.
    Aber die Kinder sind für mich das größte seelische Problem seit Diagnose.
    Würde mich über Eure Gedanken freuen!
    Liebe Grüße,
    Désirée

    Life's journey is not to arrive at the grave safely in a well preserved
    body, but rather to skid in sideways,
    totally worn out shouting "holy
    crap....what a ride".

  • Liebe desir,
    ich bin alleinerziehnde mama von einer 12 jährigen,ich habe insgesamt vier kinder,die drei anderen sind gross und ausser haus....Oh ja da hab ich mir auch gedanken gemacht,das war das erste,ich hab mich hingesetzt,obwohl ich nicht eine sekunde daran glaubte das ich es nicht schaffen werde und überlegte...mein ex freund wohnt 800 kilometer weit weg,und er und meine tochter haben zwar kontakt aber wenig,und darum entschloss ich mich,im falle das ich sterbe,das können wir ruhig ansprechen oder ich auch eine zeit vollkommen weggeschossen werde durch behandlung zu schauen wo ich glaube das mein kind gut untergebracht wäre.....Meine tochter wusste schon das mir jederzeit etwas passieren könnte,und notfall nummer waren am kühlschrank,und auch mit den nachbarn war es besprochen im falle ich eventuell mal abkippe das mein kind zu jeder tages und nachtzeit überall hätte klingeln können....Ja nun machte ich mir also gedanken und empfand meinen 22 jährigen sohn als geeignet, er hat familie zwei kinder und seine erziehungsmethoden gleichen meinen,zumal meine tochter zu ihm das innigste verhältniss hat,ich sprach also mit allen ganz offen ob sie meine kleine im falle das ich abtrete nehmen würden und ging natürlich alles mit ihnen durch....Auch mit grosseltern und vater sprach ich dies ab und hab mich mit ämtern und auseiandergesetzt,Alles schriftlich gemacht und gut.....Das ding ist,ich hab somit meinen druck rausgenommen und darüber wirklich ehrlich gesprochen,das ist wichtig....Natürlich denk ich ist es seltsam so einen fall ganz direkt anzusprechen,aber ich glaub im falle das wir gehen müssten würden wir dies spühren,ich merkte wie meine grossen kinder vorallem angst bekamen und ich sagte ihnen,kinder angst braucht ihr erst haben wenn ich diese habe,solange ist noch alles im grünen bereich,und meine kinder gingen diesen weg mit mir,ohne grosses angst und panik,und heut können wir darüber reden und grinsen,auch wenn ich nicht als geheilt gelte,laut statistik,ich bin mit dem thema durch....Ich bin krebsfrei und punkt......Es ändern sich viele dinge,aber mein schönes leben was ich seid jahren lebe,bleibt und mein optimismus und fröhlichkeit haben mir uns meiner familie in der zeit der chemo,op und bestrahlung ganz wenig abverlangt,es war kein thema für uns,und wenn es mir mal nicht so gut ging,hat meine kleine tochter mich ins bett gejagt mich zugedeckt und lieb gesagt,mama schlaf dich aus, was sehr selten vorkam.......Wir sind mama, sohn,drei töchter und drei schwiegerkinder und zwei enkel,und keiner würde glauben wenn er mich und sie jetzt kennelernen würde,das ich letztes jahr diese krankheit hatte,bis auf das kurze haar......Also bleib tapfer und nehm den druck raus...
    Ich drücke dich
    Toscha

  • Hallo Desir77,


    ich kann deine Gedanken gut verstehen. Meine Tochter war 5 Jahre alt, als bei mir Eierstockkrebs diagnostiziert wurde. Auch für mich war der schlimmste Gedanke mein Kind alleine zu lassen. Wir können das aufgrund unserer Erkrankung nie ganz ausschließen. Mein Lebensgefährte und ich haben damals noch kurz vor der OP eine Vorsorgevollmacht bei der Sparkasse erstellen lassen. Das war uns wichtig, damit mein Lebensgefährte im Falle des Falles auch für mich handeln kann und alle Auskünfte bekommt, wenn ich nicht dazu in der Lage bin. Die Beraterin von der Sparkasse hat uns dann geraten für unsere Tochter auch eine Sorgerechtsverfügung zu erstellen. Das haben wir dann auch getan. Und darin haben wir einen ersten und auch einen zweiten Vormund unseres Vertrauen - nach Rücksprache mit den entsprechenden Personen - bestimmt. Das hat mir sehr geholfen, etwas beruhigter in die OP zu gehen. Vielleicht wäre das auch für dich eine Option, um etwas beruhigter zu sein.


    LG vom Ritterchen

  • Liebe Désirée,


    herzlich willkommen in unserem tollen Forum.
    Bei meiner ersten Diagnose war meine Tochter 7 Jahre alt, bei der zweiten war sie 12 und bei der letzten 14 Jahre.
    Für meine Tochter war es ganz sicher am einfachsten, als sie 7 Jahre alt war, damit umzugehen.
    Ich habe ihr gesagt, Mama ist jetzt krank, Mama wird aber auch wieder gesund und das war ok für sie.
    Je älter sie wurde, umso schwieriger wurde das Thema für sie, denn sie wusste natürlich immer besser Bescheid.
    Für mich war es gerade umgekehrt. Je älter sie wurde, umso einfacher war es für mich, denn sie wurde immer selbständiger.
    Außerdem weiß ich, wenn es wirklich zum Äußersten kommt, dass ja immer noch mein Mann da ist und sich um unsere Tochter
    kümmern kann.
    Liebe Désirée, deine Lymphknoten sind frei und du hast keine Metas. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, giltst du
    nach der Chemo als geheilt.
    Deine Ängste entbehren also zum jetzigen Zeitpunkt jeder Grundlage, trotzdem sind sie aber da und lassen sich leider nicht so
    einfach wegdiskutieren.
    Deshalb tust du genau das Richtige und holst dir psychotherapeutische Hilfe.
    Außerdem ist es ein gutes Zeichen, dass du hier darüber schreiben kannst.
    Bei mir ist es immer so, wenn ich ein Problem habe und ich kann darüber sprechen und/oder schreiben, dann bin ich schon auf
    dem richtigen Weg.
    Ich hoffe, du fühlst dich hier wohl bei uns und hast einen guten Austausch.
    Begrüßungsknuddler
    :hug:


    und liebe Grüße von lala63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Liebe Desir77, ich habe vier Kinder, meine Tochter ist 9, die Jungs 16, 23 und 24. Man sollte meinen, dass ich mir um die großen Söhne nicht so viele Gedanken mache, aber selbst die brauchen mich noch ab und zu. Die anderen beiden natürlich noch viel mehr. Mir wurde gesagt, dass ich 80 bis 90 Prozent Chance auf Heilung habe (Brustkrebs). Trotzdem denke ich darüber nach, ob ich es schaffe und was dann aus den Kindern wird. Vermutlich ist das nach einer Krebsdiagnose ganz normal. Jeder kennt ja Menschen, die es nicht geschafft haben und sowas hat man dann auch sicher im Hinterkopf. Deine Mäuse sind ja noch sehr klein, es ist doch klar, dass du dir Sorgen machst. Du bist eine verantwortungsvolle Mutter und daher willst du deine Kinder so gut wie möglich versorgt wissen.
    Ich hoffe, du kannst mit deinem Mann ernsthaft darüber sprechen und bekommst nicht nur zu hören, dass du dir unnötige Gedanken machst. Obwohl er damit sicher Recht hätte, ist dir damit nicht geholfen.
    Du kannst negative Gedanken sicher verdrängen, aber ich würde dir raten, dich damit auseinanderzusetzen, festzulegen, was festzulegen ist und regeln, was geregelt werden kann. Dann kannst du dich sicher besser auf deine Genesung konzentrieren. Du musst über deine Ängste sprechen, ob hier im Forum oder mit lieben Menschen aus deinem Umfeld. Oder du suchst dir einen Psychoonkologen. Ich bin mir ganz, ganz sicher, dass es nicht gesundheitsfördernd ist, irgendwas wegzuschieben oder totzuschweigen. Ich wünsche dir viel Kraft, für deine kleinen Mädchen wirst du die auch finden, um dich durch die Chemo etc. durchzukämpfen. Ganz liebe Grüße Liamjoy

  • Meine Tochter ist 3 Jahre alt, mein Sohn 4 1/2.


    Die "Endzeitgedanken" kenne ich nur zu gut. Im Moment denke ich nur, Mensch du musst schauen das die Kleine endlich sauber und trocken wird, Das bekommt dein Mann doch gar nicht allein hin falls ich nach der OP nicht mehr aufwache. Eine OP (Port rein und jede Menge infiziertes Lumphzeugs raus) habe ich bereits hinter mir. Im Moment stecke ich mitten in der Chemotherapie, bzw. so ziemlich am Ende. 4x wöchtlich habe ich nicht vor mir, danach noch eine OP und danach Betrahlung.


    Irgendwie versuch ich hier im Moment alles zu Ordnung und zu Regeln für den Fall der Fälle. Ist blöd, ich weiß, kann teilweise nicht aufhören zu weinen, ist aber tagesabhängig.

  • Ich bin froh, dass Ihr mich versteht. Heute war wieder Besuch da, ganz liebe Freunde mit gleichaltrigen Kindern und ich ertappe mich dabei, wie eifersüchtig ich bin auf ihre Sorglosigkeit. Sie kaufen jetzt ein neues Auto, sind voller Freude und Glück, so wie es bei uns auch immer war. Und ich halte es kaum aus. Ich hasse mich dafür und es tut doch so weh. ich frage mich, ob ich jemals wieder glücklich sein kann ohne diese Angst im Nacken. Gibt es das nach einer solchen Diagnose nochmal für mich, das vollkommene Glück ohne diesen Schmerz und die Wehmut?
    Ich könnte gerade schreien und davonlaufen :-(



    Liebe Puchel,
    Du hast es bald geschafft und du wirst auch die OP schaffen, ganz sicher! Die letzte ist gutgegangen, so wird auch diese gut laufen. Wann ist es so weit?
    Ich drücke Dir fest die Daumen!

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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Saphira ()

  • Ich schätze mal in sieben Wochen ungefähr. Muss ja noch die vier Wochen Chemo hinter mich bringen. Am Montag habe ich einen Termin bei meiner Gyn. Wollte mich wegen dem Gentest informieren. Macht den jemand von euch. Ich sehr wahrscheinlich ja, meine Mutter hatte bis jetzt bereits zwei mal Krebs. Das erste mal vor 17 Jahren und das letzte mal erst vor knapp zwei Jahren.

  • Ich habe den Test gemacht, bisher weiß ich nur, dass ich die beiden Hochrisikogene nicht habe, andere werden noch getestet, das dauert noch. Darf ich fragen, warum Du Carboplatin zu Paclitaxel dazubekommen hast, wenn Du noch gar nicht weißt, ob Du Genträger bist? War Dein Tumor Triple negativ?

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  • Ich bin froh, dass Ihr mich versteht. Heute war wieder Besuch da, ganz liebe Freunde mit gleichaltrigen Kindern und ich ertappe mich dabei, wie eifersüchtig ich bin auf ihre Sorglosigkeit. Sie kaufen jetzt ein neues Auto, sind voller Freude und Glück, so wie es bei uns auch immer war. Und ich halte es kaum aus. Ich hasse mich dafür und es tut doch so weh. ich frage mich, ob ich jemals wieder glücklich sein kann ohne diese Angst im Nacken. Gibt es das nach einer solchen Diagnose nochmal für mich, das vollkommene Glück ohne diesen Schmerz und die Wehmut?
    Ich könnte gerade schreien und davonlaufen :-(


    Liebe Desir77,


    Deine Worte beschreiben ziemlich genau das Gefühl, das auch ich im ersten Jahr nach der Diagnose (die war im Dezember 2013) hatte. Ich hatte befallene Lymphknoten und eine Knochenmetastase, aber gelte jetzt als geheilt. Vorsorglich bekomme ich dennoch Tamoxifen und die Doppelantikörpertherapie.
    Bei mir ist es jetzt so, dass die Angst durchaus noch da ist, aber ich spüre sie nicht mehr direkt im Nacken. Sie war vor ein paar Wochen wieder präsenter, als sich meine Gyn nicht ganz sicher war, ob die Zysten an meinen Eileitern evtl. Eierstockkrebs sind. Ich hoffe, dass mir solche Angstwellen immer seltener oder am besten gar nicht mehr begegnen. (Die Angst wird mit Sicherheit eine Rolle spielen, wenn es (frühestens in einem Jahr) um die Entscheidung gehen wird, welche Therapien fortgesetzt werden sollen.) Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass die Angst dennoch nie ganz weg gehen wird. Aber inzwischen spüre ich, dass sie sich schon ein ganzes Stück weit gewandelt hat und vielleicht wandelt sie sich ja noch komplett in ein anderes Gefühl: nähmlich das Bewusstsein meiner (und anderer Leute) Sterblichkeit. Oft denke ich, dieses Bewusstsein ist es, wodurch ich mich seit der Erkrankung von vielen anderen Menschen unterscheide. Und ich muss sagen, ich empfinde das nicht als negativ.
    Das mit den Kindern ist bei mir allerdings ein anderes Thema: ich habe keine, obwohl ich mir immer welche gewünscht habe und nun ist der Traum höchstwahrscheinlich für immer aus. Da bin ich sogar auf Dich und die anderen hier mit Kindern neidisch. Klar müssen diese Sorgen um die Kinder ganz furchtbar sein, aber damit kann und will ich mir die Kinderlosigkeit auch nicht schön reden. Und da hoffe ich, dass ich irgendwann auch damit besser klar komme.
    Glück empfinde ich jedenfalls jede Menge (auch weil andere Sorgen in meiner Wahrnehmung nun kleiner geworden sind). Es ist nicht vollkommen, aber das war es bei mir auch vor der Erkrankung nicht.


    Ich wünsche Dir viel Kraft und vor allem auch viel Schwach-sein-dürfen für die Zeit der Therapien!


    Liebe Grüße
    Olivia

  • Liebe Olivia,
    ich weiß gar nicht was ich sagen soll, vielen lieben Dank für diese besonderen Zeilen, die ich mehrmal gelesen habe. Es macht mir so viel Mut, dass das was ich jetzt spüre ein Prozess ist, der sich verändert und sogar verbessern kann. Das gibt mir Kraft. Ich komme mir manchmal wie ein kleines Kind vor, dass seine Puppe verloren hat und dann schäme ich mich fast, wenn ich lese, was andere durchmachen, so wie auch du mit den Gedanken an den Kinderwunsch.
    Du klingst unglaublich stark und gefestigt, ich habe großen Respekt vor Dir.
    Ich bekomme diese Woche meine 3. Pacli, die Zeit rennt. Im Februar stand ich noch vor diesem riesigen Berg mitten im Winter und nun ist schon ein großes Stück geschafft.
    Ich freue mich, wieder von Dir zu lesen,
    liebe Grüße,
    Desiree

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  • Liebe Desiree,


    es freut mich, wenn ich Dir mit ein paar Zeilen helfen kann :-)
    Du hast absolut keinen Grund, Dich zu schämen! Schlimmeres gibt es (fast) immer, außerdem ist schlimm ja relativ und lässt sich nicht genau messen. ich denke jeder Krebs ist schlimm genug, um sich richtig sch... und sonstwas zu fühlen.
    Mir haben immer die Psychoonkologinnen geholfen, die mich darauf hingewiesen haben, dass meine Ängste und Sorgen legitim sind. Die eine, die darauf verwiesen hat, dass es ja auch noch Schlimmeres gibt, kann ich nicht mehr ernst nehmen und so war mein Post auch nicht gemeint.


    Liebe Grüße
    Olivia

  • Liebe Olivia,
    ich habe dein Post auch nicht so aufgefasst :hug:!
    Bekomme ab nächster Woche endlich auch eine Psychotherapie, auf die freue ich mich schon..und ich erlebe gerade, dass es wirklich gute Tage gibt, auch wenn die Abstürze noch überwiegen. Aber das macht schonmal Mut.
    Liebe Grüße,
    Desiree

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