Schiff in Seenot...

  • Hallo ihr Lieben, ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben...


    Als ich vor über zwei Monaten erfuhr, dass ich Brustkrebs habe, war das Gefühl nicht greifbar. Ich konnte nicht sagen, was es in mir auslöste. Ich spürte Angst, habe aber mich nicht um mich, sondern um die Menschen in meinem Umfeld gesorgt. Was macht mein Sohn ohne mich? Wer wird die Kinder meines Freundes in den Arm nehmen, wenn sie einmal eine Mama brauchen? Überlebt mein Freund den Verlust einer Frau, die er für die beste seines Lebens hält? Wird meine langjährige Freundin eine andere beste Freundin finden, die ihr immer zur Seite steht? Wer nimmt meine Katzen?


    Seit dem Tag der Diagnose bekomme ich von vielen Seiten die unterschiedlichsten Reaktionen. Die Ärzte und Therapeuten sagen, wie toll ich alles meistere und wie gefasst ich wirke, dass mich eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit dem Krebs umgibt. Viele Menschen in meinem Umfeld betrachten mich nun als Aufnahmestation für ihre Geschichten und Denkweisen über die Krankheit. Ein Vater eines Klassenkameraden von meinem Sohn benutzt meine Diagnose als Vorwand, mir alles mögliche über Krebs und all das was er darüber gelesen hat, zu erzählen. Eine ehemalige Bekannte würde eher über solch eine Krankheit lügen, als die Wahrheit zu sagen, weil man das seinen Kindern und der Familie nicht antun sollte. Andere machen sich lustig über meine dünne Linie und meinen Haarverlust, weil ich dadurch so anders aussehe.


    Nicht einmal, nicht ein einziges Mal, habe ich darüber nachgedacht, was es mit mir machen könnte. Wochen lang habe ich einfach getan was getan werden musste, auch wenn ich ab und zu eine gewisse Unlust spürte. Ich bin zu vorgegebenen Untersuchungen gegangen, habe Unmengen an Gesprächen geführt mit Ärzten, Sozialarbeitern und Krankenkassenmitarbeitern, brachte die ersten drei Chemotherapien mit all den Nebenwirkungen hinter mich, schnitt mir meine Haare ab, stellte meine Ernährung etwas um, versuchte mir viel Ruhe zu gönnen, habe einige Male funktioniert obwohl ich nicht wollte und bin bemüht, anderen nicht all zu viel zur Last zu fallen.


    Doch seit der ersten Kontrolluntersuchung vor drei Wochen spüre ich, was es mit mir macht. Der Knoten ist nicht kleiner geworden, sondern zerfällt innerlich, sagte die Ärztin. Diese Aussage und das was damit zusammen hängt ist für mich nicht positiv greifbar. Wieso ist er nicht kleiner geworden? Ich will einen, der kleiner wird und nicht so groß bleibt wie er ist. Manchmal ist er hart manchmal ganz weich. Das erste Mal bemerke ich diese große Last. Diesen undurchdringbaren Nebel. Spüre, dass ich nicht stark sein will, nicht kann und das der Weg mehr Mauern beinhaltet als ich vielleicht umgehen kann. Es sitzt mir wie ein riesiger Stein auf dem Rücken. Die Last nimmt mir den Atem, die Lust am Leben, den Willen weiter zu machen. Die Zweifel, ob ich den Kampf gegen den Krebs gewinnen kann, haben mich wie ein Tornado überrannt. Der Boden unter meinen Füßen fehlt.


    Ich will mein Leben zurück. Gib es mir wieder, du verdammter Krebs. Meine rechte Brust ist zum Kriegsgebiet erklärt worden und mein altes Leben gibt es nicht mehr. Sicherlich war mir das schon in den letzten Wochen irgendwie klar, aber jetzt ist es wie ein riesiges Reklameschild auf meinem Weg: Das alte Leben gibt es nicht mehr. Gibt es nicht mehr. Nie wieder. Ausverkauft. Hast du das endlich verstanden, schreit es in mir.


    Der Freibrief für ein langes und gesundes Leben ist mir irgendwann einfach aus der Tasche gefallen. Ich finde ihn nicht wieder und für jede Hilfe, ihn wieder zu finden, bin ich dankbar. Vielleicht sollte ich für das Auffinden des Freibriefs eine Belohnung aussetzen, dann suche nicht nur ich danach.


    Noch nie in meinem Leben war mir so klar, wie alleine man ist, wenn man am Abgrund steht. Das soll nicht heißen, dass ich meinen Freund nicht sehe, wie er alles daran setzt, dass es mir gut geht und ich jede Unterstützung bekomme, die ich brauche. Das soll auch nicht heißen, dass ich nicht spüre, wie meine Freunde mich so gut wie es ihnen möglich ist unterstützen. Das soll heißen, dass der Krebs und ich jetzt Kumpels sind, er in mir wohnt und mich dem Abgrund näher bringt als ich jemals war. Schau dich an und überlege gut deine nächsten Schritte, sagt er und lächelt jedes Mal sein höhnisches Grinsen.


    Wenn ich bedenke, was ich alles an Nebenwirkungen der Chemotherapie habe, dann frage ich mich, wie lange das ein Körper aushält. Mein ganzes Leben lang hat mir mein Körper treue Dienste erwiesen, er war immer zur Stelle, wenn ich ihn brauchte und ich habe ihn einige Male ganz schön geschunden. Jetzt schafft er es nicht alleine und brauch Hilfe im Kampf um mein Leben, den Krebs zu besiegen, aber so sehr ich ihm schade so sehr soll es ihm auch helfen. Ich sehe darin manchmal keinen Sinn, da der Knoten nicht kleiner geworden ist. Wie schon bereits erwähnt, es ist nicht greifbar für mich.


    Ein langer Weg liegt vor mir... momentan weiß ich nicht, ob ich gewinne und hoffe auf Verständnis. Verständnis für meine missliche Lage, meine Sicht ohne Klarsicht, meine Brille ohne Gläser, meinen Himmel ohne Sonne, meine Tür ohne Klinke. Ich möchte gut behandelt werden, auch wenn das manchmal heißt, entgegen allen Erwartungen zu handeln. Ich wünsche mir einen Umgang mit Respekt und einer gewissen Achtung vor dem was ich durchmache. Ich will kein Mitleid, keine Geschichten, wie meine Überlebenschancen sind oder wer bereits gestorben ist. Ich brauche keine Ignoranz meiner Situation, denn es hört nicht auf zu bestehen, nur weil man es ignoriert. Ich möchte nicht mit abweisendem Verhalten oder Lieblosigkeit bestraft werden, weil ich nicht so handle und andere Entscheidungen treffe, wie man es von mir erwartet.


    Ich will einfach nur mich wieder finden mit jeder Menge Optimismus im Gepäck.

  • Liebe Libelle,


    danke für Deine offenen Worte und das Du mich an Deinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt.


    In einigen Punkten, die Du beschreibst, finde ich mich auch wieder. Auch ich sagte letztens zu meinem Freund, das ich mein altes Leben wieder haben möchte. Das ich nicht mehr kaputt sein möchte, sondern wieder ganz. Tja, ganz werde ich wohl nicht mehr, aber ich werde heil(en). Mein Freund meinte zu mir, Du bist zur Zeit verletzt. Der Gedanke tröstete mich ein wenig.


    Liebe Libelle, ich wünsche Dir, das Du bald die Kraft und Stärke wieder fühlst, die Dich die erste Zeit getragen hat.


    Fühl dich ganz lieb gedrückt. :hug: Und Du weißt, wo Du mich findest, jederzeit.


    Liebe Grüße,


    die Brühlerin

  • Liebe Libelle,


    ich drücke dich ganz lieb und schaue mal mit in den Abgrund.....
    Da ist eine Wiese vor dir, in deren Gras einige Steine liegen.da kann man stolpern und steht wieder auf. Das hast du die Zeit schon super gemacht und deine Lieben sind um dich und putzen auch die Sachen vorsichtig sauber......


    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat dich der Satz: er ist zerfallen! So aus dem Tritt gebracht. Hast du über die verschiedenen Möglichkeiten der Tumor Vernichtung mit den Ärzten geredet?


    Ich kenne nicht die Zusammensetzung deines Tumors. Meiner hatte sich auch in der rechten Brust eingenistet und gleich noch ein paar Lymphknoten zu seinen Ausläufern erklärt. Nach 4 x EC wurde er untersucht. Da gab es ein soganntes Trümmerfeld. Er ist zerfallen und war nicht mehr als aktives Tumorgewebe nachweisbar. Nach 12 Paclitaxel wurde dann das " Narbengewebe" das er zurück gelassen hat operiert und die Lymphknoten teilweise entfernt. Mit Herceptin habe ich jetzt noch bis zum Sommer zu tun um auch jede kleine Schläferzelle aufzuspüren und platt zu machen. Und das wars dann mit BK!!!!!!


    Ich hatte mal in einem Glückskeks einen Zettel: sie werden ein langes und unbeschwertes Leben haben!
    Naja, an dem "unbeschwert" muss ich mit meinen chinesischen Freunden noch arbeiten. Aber auf das lange bestehe ich :thumbup: der Zettel steckt seit Jahren in meinem kalender :D
    Du wirst deinen Zettel wieder finden. Eigentlich hast du ihn nicht verloren. Er steckt in eine kleinen Schublade in dir und die hämische Angst hat ihn versteckt und Sitz Gebrauch mit ihrem breiten hintern davor. Gib ihr einen Tritt in den Hintern......ich helfe dir mal und schicke einen gekonnten Kick ruber :hug:
    Ganz liebe Grüße und :hug: von Tanne
    Und wenn du mal an meinem kleinen Teich den Libellen zusehen willst, ich wohne am Rand von Berlin und wurde mich sehr freuen!!!!!!

    Gib jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu sein ( Mark Twain)

  • Liebe Bruehlerin,
    der Satz, das du ganz sein möchtest, berührt mich. Ich mag das auch sein und bin so unendlich traurig, vielleicht sogar verletzt. Ich bin so müde, auch wenn ich viele gute Tage zwischen den ECs habe, stolpere ich umher. Manchmal mag ich einfach nur weg laufen...


    Lieben Tanne,
    ich hatte mir so sehr eine Verkleinerung meines Schmarotzers gewünscht. Ich wollte keinen, der nicht kleiner wird. Ich fühle ihn jeden Tag, da er auf 12 Uhr an der rechten Brust liegt. Ziemlich unter der Haut. Bei jedem Duschen oder Eincremen spüre ich ihn und bekomme mit, was er da treibt. Er ist ein schnell wachsender und ca 4x2cm groß.
    Ich liebe Libellen :love:


    Ich verstehe das alles, aber fühlen kann ich das gerade irgendwie nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Ally () aus folgendem Grund: Zitat von Albert Einstein musste wegen Urheberrecht leider entfernt werden.

  • Heute habe ich auch so einen Tiefpunkt und bin froh an Euren Gedanken teilhaben zu können.
    Ich habe am 28.4. meine 1. Kontrolluntersuchung. Das letzte Mal wurde der Tumor Mitte Februar vermessen. Ich hoffe, dass die 2 EC ihm zugesetzt haben. Mir haben sie das auf jeden Fall. Bin genervt von meiner Schlappheit und meinem ausgemergeltem Aussehen.
    Irgendwie habe ich oft das Gefühl, dass passiert nicht alles mir sondern dieser fremden kranken Frau , die mich hin und wieder im Spiegel erschreckt.
    Ich wünsche uns allen viel Kraft und Erfolg in unserem Kampf!

  • Dieses Gefühl von "wer ist dieses fremde Frau im Spiegel" habe ich auch schon oft gehabt. Es ist wie als wäre man sich total fremd im eigenen Körper. Mir geht es ganz besonders so, wenn ich enge Sachen an habe oder nach dem Baden oder Duschen in den Spiegel schaue. Ich habe acht Kilo abgenommen und war vorher schon recht schlank und sportlich. Noch dazu natürlich die körperlichen Einflüsse der Chemotherapie und ganz oben drauf noch diese mentale Geschichte.


    Wie viel hält man eigentlich aus?


    Schade, dass mein Zitat von Albert Einstein entfernt wurde.

  • Liebe Libelle, erst einmal ein herzliches Willkommen. Niemand hat sich das ausgesucht, aber es ist, wie es ist... Da ich von der Küste komme, dort aufgewachsen bin - sprach mich dein Post natürlich sofort an... Und das "Schiff in Seenot" kenne ich (BK 2013, beidseitig mit 6 Monaten Abstand) leider auch nur zu gut aus eigener Erfahrung.. Ich erkenne ich mich auch etlichen deiner Aussagen wieder... auch wenn der zeitliche Abstand, mittlerweile fast 3 Jahre seit Erstdiagnose, doch erheblich mehr Ruhe in mich gebracht hat. Die hatte ich eigentlich immer tief in mir, aber nach der ersten Diagnose verloren, nach der zweiten gut 5 Monater später dann komplett. Das war der Zeitpunkt, als ich suchte und hier landete - zum Glück! Ich dachte schon, ich wäre nicht normal mit meinen Gedanken und Gefühlen..... und erfuhr erst hier, dass es sehr vielen so geht.
    Ich stürzte nach Abschluss der Behandlung in das "Loch".... bis dahin hielt mich der Satz "Ich will mein altes Leben zurück" aufrecht - sehr oft ausgesprochen und in meinem Fall auch sehr direkt auf die Arbeit bezogen. Das glaube ich auch in deinem Post herausgelesen zu haben...
    Heute ist mir klar: arbeiten = alles normal= gesund. Aber das hat einige Zeit gedauert, das - für mich - zu durchschauen.
    Inzwischen habe ich es zurück - nein, nicht das alte - aber ein absolut nicht schlechteres: weniger Arbeit, mehr auf mich achten, viel mehr genießen etc.
    nicht ein, sondern - MEIN - von mir gewähltes Leben!
    Der Weg dahin ist steinig - aber er lohnt sich definitiv. Ich arbeite immer noch gern in meinem Beruf - aber inzwischen sehe ich da einiges anders in der Gewichtung Arbeit/Leben ... LEBEN steht nun im Vordergrund :thumbsup:
    Ich wünsche dir für deine Behandlung alles Gute - und dass auch du wieder zu dir selbst findest, dein Leben positiv annehmen und gestalten kannst - auch wenn es anders sein sollte als voher.
    LG vom Sonnenblümchen

  • Hallo ihr Lieben!


    Auch ich kann vielen Geschriebenen nur zustimmen! Wer die Diagnose Krebs bekommt und nicht in ein schwarzes Loch fällt, ist nicht
    normal! Mich, liebe Libelle, hat es jetzt das dritte Mal erwischt. 2010 Brustkrebs, 2013 Metastase eines Leiomyosarkoms in der Lunge
    ohne Primärtumor und letztes Jahr wieder eine Metastase des Sarkoms in der Hüftpfanne. Wie ich letztes Jahr die Diagnose bekam, war ich
    Einfach nur wütend :evil: . Ich hab diese Wut rausgeschrien! WARUM SCHON WIEDER LIEBER GOTT? BRAUCHST DU DA OBEN
    VERNÜNFTIGEN ENGELNACHWUCHS ?? Mein Mann und ich haben uns in den Armen gelegen und zusammen geheult. Ich habe meine
    Mutter verloren als ich 25 Jahre war, mein Mann seine mit 21 Jahren. Sollte unser Sohn seine Mutter nun auch so früh verlieren? Er ist
    28 Jahre! NEIN, soll er nicht! Chemotherapie habe ich das erste mal letztes Jahr bekommen, alle drei Wochen gab es den Giftcocktail.
    Die erste Woche danach konnte man mich vergessen! Mir ging es wirklich dreckig! Die Haare gingen schon eine Woche nach der ersten
    Chemo aus. Das es so schnell geht, hat mich sehr erschrocken! In der zweiten Woche habe ich mich dann körperlich langsam wieder
    berappelt und in der Dritten Woche ging es mir relativ gut. In der Woche habe ich immer irgendjemanden aus Familie oder Freundeskreis
    eingespannt, mich abzuholen und mit mir einen schönen Tag zu erleben. Ich habe mich raus geputzt und restauriert und sah aus, wie
    das blühende Leben :P . Wenn ich morgens in den Spiegel geschaut habe, hab ich auch immer gesagt: Ich kenne dich zwar nicht,
    aber ich wasch dich trotzdem. Meine Devise ist auch heute: wenn ich mich scheiße fühle, muss ich nicht noch scheiße aussehen!
    Wir müssen uns mit dieser Krankheit arrangieren und lernen mit ihr zu leben. Wichtig ist, dass man sie nicht verdrängt und offen
    damit umgeht. Wie Sonnenblümchen schreibt, man muss jetzt erstmal an sich denken. Das tun, was einem gut tut. Wenn es einem nicht
    gut geht, es auch sagen und nicht immer funktionieren, auch Hilfe annehmen ist wichtig. Mir hat der Krebs viel Lebensqualität genommen,
    aber es könnte auch viel schlimmer sein! Dank der heutigen fortgeschrittenen Medizin, leben wir! Das Leben ist nicht mehr das Alte!
    Jetzt ist es ein neues, etwas anderes und viel intensiveres Leben und es ist auch schön! Liebe Libelle, du wirst dieses Neue Leben
    auch sicher bald akzeptieren und Gefallen dran finden. Alles braucht seine Zeit! !


    Fühlt euch fest umarmt eure Pea61 :hug:

  • Ihr Lieben,


    ihr habt alle so schön über diesen seltsamen Zustand geschrieben, in dem man sich nach der Diagnose und während der
    Therapie befindet, und in ganz vielem finde ich mich wieder.
    Ich hatte diese vermaledeite Diagnose ja nun schon 3 mal und durfte damit so meine Erfahrungen machen.
    Mir hat es geholfen, diesen merkwürdigen Zustand, in dem man sich nach der Diagnose befindet, zu strukturieren und in
    3 Phasen einzuteilen.
    Wie bei einer Rakete, die gezündet wird, und das Beste kommt zum Schluss.
    :D


    Übrigens durchlebt oder besser durchleidet man diese Phasen bei jeder Diagnose schneller. Jaja, ich weiß, darauf kann man
    gerne verzichten.


    Also. Phase 1 ist natürlich der Schock der Diagnose. Krebs, das war vorher etwas, was die anderen hatten. Und plötzlich hat
    man es selber. Horror. Katastrophe. Tagelanges nicht schlafen können. Schmerzen am ganzen Körper. Ungläubiges Entsetzen
    beim Verkünden der Therapien. Nur noch funktionieren. So sieht also das Ende aus.


    Dann kommt Phase 2, das ist glaube ich die Phase, in der du dich gerade befindest, Libelle.
    Das ist Wut, Trotz. Man nimmt plötzlich die Reaktion der anderen wahr. Was machen die eigentlich? Was sagen die andauernd
    zu mir? Man kann sich so langsam selbst wieder fühlen. Verdammt! Ich will mein altes Leben zurück! Ich will das alles nicht!
    Und ich will leben und arbeiten und.......


    Das ist dann schon der Übergang zu Phase 3.
    Aaaahh! Vielleicht kann ich doch wieder leben. Ich habe verstanden, dass ich mein altes Leben nicht zurückbekommen kann.
    Aber...warte mal.....ich mache jetzt vieles ein bisschen anders. Und.....also ganz ehrlich......eigentlich ist vieles ja besser
    als vorher. Warum habe ich mich früher eigentlich immer so abgehetzt? Keine Ahnung. Worüber regen sich die anderen
    eigentlich immer auf? Die haben ja echt Probleme. Oh, und guck mal, die roten Schuhe da, die kaufe ich mir jetzt. Und schau
    mal, wie gerade alles blüht! Ist das nicht traumhaft? Ich kann mich wieder fühlen. Und ich fühle mich gut.
    Ich bin mir meiner selbst bewusst. Ich bin selbstbewusst. Ich weiß, was ich kann, und was ich nicht kann.
    Ich weiß, was ich will, und was ich nicht will.
    Ich will leben und lieben und mich freuen.


    Lala63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

  • Liebe Libelle,
    Du hast alles was ich auch empfinde so schön in Worte gefaßt, wie eine Schriftstellerin oder Journalistin.
    Besser geht es nicht!


    Liebe Grüße
    Gül

  • Liebe Lala!


    Das hast du wiiklich toll beschrieben. Genau so ist es. Bei mir ist es ja auch das Dritte Mal und ich geh auch immer entspannter an die Sache, obwohl mein körperlicher Zustand sich jedesmal verschlechtert hat. Man weiß eben auch,
    wie die ganzen Untersuchungen ablaufen, man kennt langsam die Ärzte und weiß wie sie ticken. Klar wünschen wir es keinem, das er ständig einen Rückfall bekommt, aber die 3. Phasen sind so ziemlich immer gleich. Bis auf die 3. Phase,
    da kommt immer was neues, positives hinzu :D . Das Leben ist auch im gesunden Zustand eine Achterbahn, dann sogar mit mehr Tempo und mehr Loopings. Wenn man Herrn Krebs in sich hat, sieht man alles viel entspannter und steigt ganz bewusst in die Achterbahn mit max. einem Looping! Ich steige mittlerweile sogar in keine Achterbahn mehr ein, sondern nehme die ganz ruhigen Tuckerboote. Da kann ich viel mehr sehen und komme auch an mein Ziel :P .


    Liebe Grüße Pea

  • Liebe Libelle,
    danke für diesen tollen Beitrag, der zum Nachdenken anregt.
    Lala hat es so schön beschrieben... genauso habe ich es erlebt, wobei Phase 2 am schlimmsten war.


    Mich hat das "alte Leben" wieder, sprich ich habe die Wiedereingliederung beendet und arbeite wieder. Muss bisschen aufpassen wegen Lympharm, aber sonst geht es gut :)
    Bald steht der 2. Jahrestag der Diagnose an, aber im Gegensatz zu letztem Jahr belastet es mich nicht sehr.


    Ich bin sicher in Phase 3, denn auch ich nehme mir Auszeiten, gehe in der Pause mal raus spazieren,
    freue mich über Kleinigkeiten und rege mich nicht mehr über Nichtigkeiten auf.


    Hab mir einen langgehegten Wunsch erfüllt (ein Haustier) und fühle mich glücklich. Ein Indiz dafür ist auch, dass ich nicht mehr ständig ins Forum schaue, was irgendwie aber auch schade ist.
    Ich frage mich auch, musste ich erst so krank werden, um manche Dinge zu ändern???


    Ich schmiede wieder langfristige Pläne, letztes Jahr noch undenkbar!
    Auch du wirst aus deinem seelischem Loch herauskommen, aber gib dir Zeit :rolleyes:


    Hier findest du immer ein offenes Ohr.
    Hab hier so tolle Leute kennen gelernt :hug:


    Ich wünsche dir alles Gute!

    Mit den besten Wünschen :) ,
    distudis

  • Liebe Foris,


    auch ich schließe mich den Worten, die bisher geschrieben wurden an.


    Ich habe meine Diagnose am 01.12.16 erhalten. Und ab der 2.EC ging es mit den Nebenwirkungen heftig los. Ich war schlapp, brachte auch im Kopf oft nichts zustande - und das war in meinem Beruf genau das, auf das ich immer so stolz war - Erinnerungsvermögen, viel Wissen und es umsetzen können! Ich habe mir eine Therapeutin gesucht - und trotz Mangel hier auf dem Land - auch gefunden. Zu ihr habe ich gesagt, ich habe mich verloren. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin und wie das weitergehen soll. Viele Tränen.


    Aber ich habe wieder zurück gefunden in das positive Denken. Habe heute die 2. Pacli bekommen und es geht mit den Nebenwirkungen zurzeit viel besser. Ich habe wieder " meinen Kopf" zurück. Meine Schlappheit hat im Nachhinein vielleicht sogar einen ganz plausiblen Grund - meine roten Blutkörperchen sind einfach zu wenig. Bekomme jetzt Spritzen.


    Ich kann jetzt wieder sehen, dass die Erfahrungen, die ich eigentlich in meinem Leben schon so oft gemacht habe, sich bestätigen! Jede Katastrophe hat im Nachhinein etwas Positives.


    Es wurde hier schon gesagt: Unser altes Leben ist vorbei. Das kommt nicht wieder. Aber - ehrlich gesagt - heute bin ich soweit zu sagen: ich will es so wie es war gar nicht mehr! Ich werde bereits bei der Wiedereingliederung alles daran setzen, Veränderungen zu erreichen. Meine Leistung will ich wieder bringen soweit es geht. Aber Vieles werde ich mir dienstlich und privat nicht mehr antun oder antun lassen!! X(


    @Libelle: ich kann verstehen, dass Dich das Ding nicht ruhen lässt! Aber wenn die Ärztin sagt, es zerfällt innerlich, dann tut sich was. Mir kam so das Bild - wenn Du Dich duscht oder eincremst, dann streiche über das Ding und sage ihm einfach immer wieder, dass er Dich nicht täuschen kann mit seiner Größe. Er wird zusammenfallen wie ein Kartenhaus und keine Chance haben, weiter zu wachsen. Genau darauf arbeitest Du hin.
    Bleibe tapfer und sei auch mal schwach. Das brauchts und ist gut so. Es wird besser, glaube es uns. :)


    Liebe Grüße an alle


    Hoffnungschimmer

  • Liebe Libelle und alle anderen hier,


    ich möchte was Positives schreiben und wünsche mir soooo sehr, dass ich das Gefühl lange auskosten kann.
    Ich hatte Urlaub und habe mich sehr doll angestrengt. Ich habe einen Heiligen Berg bestiegen - so heißt der wirklich. Ich hatte zum ersten Mal nach der Diagnose (im Februar war es 1 Jahr) das tolle Gefühl, wieder Vertrauen in meinen Körper haben zu können. Denn bei der beschwerlichen Wanderung habe ich gedacht - hey, du schaffst das hier? Das geht doch nur, wenn du gesund bist. Das war so schön.
    2 Tage Arbeit und ich bin erstmal platt. Aber ich kann mich immer wieder an dieses Gefühl erinnern.
    Ich wünsche euch allen viel Sonne und einen guten Weg ins Licht.


    Liebeb Grüße,
    Suse

  • Liebe Libelle,
    das hast du so voller herz und aufrichtigkeit geschrieben,der text geht einem wirklich nahe...
    Ich fang mal an,also die menschen welche du triffst sind oft hilflos und deswegen beginnen sie fatalerweise die krankheit runterzuspielen oder auszuschmücken,das ist aber ihre unsicherheit,ich stellte mir immer vor wie es mir ging als ich noch nicht an krebs erkrankt bin und mir jemand erzählte es habe ihn erwischt,ich hab da immer eher geschwiegen,aber viele müssen etwas sagen....Ich hab mir angewöhnt menschen sofort zu bremsen wenn sie anfingen ihre geschichten zu erzählen,liebevoll aber bestimmend,denn man muss sich leider auch davor ein wenig schützen.....
    Zu dem,was ein körper alles so durchhalten kann? Oh ich glaube tatsächlich sehr viel,das wiederum kommt aber auch ein klein wenig auf deine seele an,denn ist die seele unglücklich ist das schönste möbelstück in deinem haus nichts wert.....Und unser körper ist unser haus.....
    Jeden begleiten diese ängste und unsicherheiten,jedoch kann man versuchen und das tun hier alle,das beste daraus zu machen.....
    Jeder hat da so seine taktik,denn die braucht man bei so einer diagnose.....
    Nun zum wichtigsten punkt das alte leben. Ich denke auch in deinem alten leben wurdest du begleitet von positiven sachen wie von negativen,nur komischerweise,sehen wir unser altes leben plötzlich ganz in rosa weil uns nun eine diagnose überrraschate,welche unser leben beenden könnte...Aber dies wiederum führt dazu,klar zu erkennen wie sehr wir unser leben lieben und auch alles was wir hatten,was ganz oft unbewusst als selbstverständlich genommen wird......
    Sicher werden ängste vorerst ein thema sein für viele,jedoch wird dies auch von jahr zu jahr weniger....Und ja,man fühlt sich in seinem körper nicht mehr so toll,aber alles wird sich regullieren,es dauert ein wenig,ich fühle mich zum teil auch noch wie ne fremde wenn ich das kurze haar kämme und es belastet mich,kleine probleme die für mich dennoch gross erscheinen.....
    Dein tumor verabschiedet sich,auch wenn er nicht kleiner wird,er zerfällt von innnen,vertrau deinem körper, er wird dir helfen...Die zeit ist kein zuckerschlecken,aber es kommen ganz sicher wieder richtig gute zeiten,und dann nimmst du die zeit mit einem lächeln hin und wirst innerlich so stolz auf dich sein das gepackt zu haben.....
    Ich freue mich auf jede nachsorge untersuchung,auch wenn ich diese vorsorge nennen da ich negativ faktoren gern umwandel,und ich hab immer ein super gefühl beim gyn,und gehe stetig tanzend dort raus,ich vertraue meinem körper und bin sicher das ich diesen herben, derben kampf gewonnen hab......
    heut denk ich auch nicht zwingend nach,ich denke eher darüber nach was ich neues anstellen könnte,wo mein urlaub hingeht,und was noch so alles....Ich mag ein neues auto haben,ich konzentriere mich auf ganz viele tolle dinge im leben,auch wenn ich oft noch arg müde bin,aber ich weiss auch dies bekomme ich irgendwann in den griff....Nach wie vor,du weisst ich bin jederzeit für dich da,nun erhold dich von deiner chemo, vier ec seid gestern weggepfiffen.......Dazu nochmal glüüüüüüüüüüückwunsch,und nun startet der etwas einfachere weg,die taxol....Und wir sehen uns in nächster zeit,ganz gewiss,vielleicht sollten wir zusammen tanne mal besuchen,das wäre es...Ich lad dich ein und los geht es.....
    Fühl dich ganz feste umaramt und einmal lächeln bitte....Es tut gut....
    Bis dahin
    Toscha

    Ohmmmmmmm,ich bin ein Glückskeks... 8| ....... 8o

  • Huhu liebe Libelle,


    mir hat man nach 4 ECs beim Ultraschall auch gesagt, dass der eine Tumor sich nur minimal verkleinert hat und der andere Tumor immer noch so groß ist. Da war ich sprachlos...


    Ich habe auf ein MRT bestanden und auch zwei Tag eins später bekommen. Und das Ergebnis hat mich auch wieder sprachlos gemacht. Mir liefen Tränen runter. Diesmal vor Freude. Die Anzahl der Tumorzellen hatte sich deutlich verringert. Ich konnte es auf den Bildern mit eigenen Augen sehen! Nur die äußeren Hüllen waren noch genauso groß.


    Hat man bei Dir einen Ultraschall gemacht und/oder ein MRT?


    Ich wünsche Dir viel Kraft und von ganzem Herzen alles Gute!


    Lieben Gruß,
    Bianca


    P.S.: Auch ich finde, Du hast Deine Gedanken sehr schön formuliert! Vielen Dank, dass wir daran teilhaben dürfen!

  • Liebe Libelle,
    Gestern hab ich schon bei dir reingelese und was ich gelese habe, hat mich sehr berührt.
    Einiges kommt mir sehr bekannt vor....
    Hab mich erst nicht wirklich getraut zu schreiben, da mir bewusst ist, das die Chemo noch mal ne ganz schöne Hausnummer ist.
    viel kann ich dir nicht schreiben, da mein Kampfplatz schnell und rigoros geräumt wurde.


    Kann dir nur ganz viel Kraft wünschen und liebe Menschen an deine Seite.


    Liebe Grüße
    Anna