Was Kinder denken ...

  • Meine Tochter (7 Jahre, Erstklässlerin, bei ED 04/2014 fünf Jahre alt) vorhin gerade zu mir:


    "Ach Mama, war das noch schön, als du noch gesund warst und ich im Kindergarten. Da konntest du was mit mir unternehmen und vom Kindergarten mit mir nach Hause laufen. Aber dann kam diese blöde blöde blöde Krankheit."


    Ich könnte heulen. Im Moment habe ich für gar nichts Kraft. Gerade mal so, dass ich es schaffe etwas mit ihr zu üben bzw. lernen. Aber etwas unternehmen? Keine Chance. Sie spricht auch manchmal davon, wenn ich wieder gesund bin. Aber ich kenne die Wahrheit, aber die kann ich meinem kleinen Schatz in dem Alter doch nicht sagen ... ;(


    Traurige Grüße vom Ritterchen

  • Liebes Ritterchen,


    lass dich mal ganz fest in den Arm nehmen! Ich kann deinen Kummer so gut verstehen.
    Meine Tochter ist 14 und war bei meiner Diagnose 12 . Mir ging es während meiner Chemo auch wochenlang psychisch und physisch schlecht. Meine Tochter hat sich damals sehr zurückgezogen und wollte nicht über meine Krankheit sprechen. Aber eine Äußerung werde ich nie vergessen. Ich hatte Besuch von einer lieben Nachbarin, die sich damals viel um mich gekümmert hat, und wir hatten gerade gemeinsam über etwas gelacht, als meine Tochter aus der Schule kam. Meine Tochter sah mich an und sagte:"Mama, was ist los? Du lachst ja!" Da musste ich wirklich schlucken. Denn mir wurde klar, dass sie sich schon ihre Gedanken machte - so wie deine Tochter auch.


    Ich kenne auch das Gefühl, nicht all das tun zu können, was ich gerne möchte, auch heute, wo es mir ganz gut geht. Ich denke aber, dass unsere Kinder das besser wegstecken, als wir glauben. Kinder können sich ganz gut mit Situationen arrangieren.
    Dennoch wünsche ich dir natürlich, dass du wieder zu Kräften kommst und mit deiner Tochter noch ganz viele tolle Sachen machen kannst, notfalls eine Spur langsamer. Für deine Tochter ist es auch nicht wichtig, dass du mit ihr darüber sprichst, ob du gesund wirst oder nicht. Sag ihr, dass du im Moment behandelt wirst und dass dir diese Behandlung helfen soll, aber gleichzeitig auch viel Kraft kostet. Das wird sie sicher verstehen und es entspricht der Wahrheit.


    Viele liebe Grüße


    Hannah

  • das fühlt sich bestimmt furchtbar an, wenn dein Kind so etwas sagt. Andererseits, sie kann sich noch erinnern, dass du eigentlich anders bist.Dass ihr schöne Dinge unternehmt, wenn du kannst.
    Schaffst du es vielleicht mit deinem Mann oder mit einer Freundin als Betreuung fürs Kind etwas Kleines zu unternehmen? Es gibt ja auch Sachen, die nicht so anstrengen, Eis essen gehen, Spielplatz auf Bank sitzen und alles was deine Tochter schon kann einfach bewundern... Hauptsache Mama ist dabei, auch wenn sie nicht mit spielen kann! Sie spürt trotzdem, dass du sie liebst.
    Ich fühle mit dir.
    Kopf hoch!! ^^

  • Liebes ritterchen,


    es ist gut, dass deine Tochter das sagt, denn genauso ist es. Kinder sind immer sehr ehrlich. Und dass sie darüber sprechen
    kann, ist ein sehr gutes Zeichen. Versucht euch das zu bewahren.
    Leider können wir unsere Kinder nicht vor allem schützen, so sehr wir das auch wollen.
    Ich habe mir während der Chemo immer gesagt, es hat alles einen Sinn. Es muss einen Sinn haben, anders ist es gar nicht
    möglich. Vielleicht ist der Sinn der, dass meine Tochter später mal einen Beruf ergreift, in dem man viel Verständnis braucht
    für andere Menschen.......ich weiß es nicht.
    Und, liebes ritterchen, was ist die Wahrheit? Das kann niemand wissen. Vielleicht hat der liebe Gott noch ganz viel vor mit dir
    und irgendwann liest du die Zeilen, die du geschrieben hast und denkst, Mensch, wenn ich das damals gewusst hätte, dass ich
    noch so lange leben darf. Vielleicht ist das die Wahrheit.
    :hug:
    Liebe Grüße von lala63

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich
    (Afrikanisches Sprichwort)

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