Freunde ziehen sich zurück

  • Liebe Tweety,

    ich schließe mich Kalinchens Meinung an. Nichts ist schlimmer als Missverständnisse. Schreib ihr dass du sie aus der Ferne unterstützen möchtest ohne dass sie sich belästigt fühlt. Du nicht weißt, wie du dich verhalten sollst, weil die die Freundschaft gerade in dieser schweren Zeit sehr wichtig.

    Mein Freundin ist vor 20 Jahren 400 km weit weg gezogen unsere Freundschaft hatte das keinen Abbruch getan. Wir fahren jedes Jahr Ostern und alle 2 Jahre zusammen in den Urlaub. Als ich aber meine Diagnose bekam hat sie am Telefon fürchterlich geweint und sich gänzlich zurück gezogen. Ich konnte mir das nicht erklären, denn die Kranke bin ja ich, ich war sehr sauer. Bis meine Tochter mir mitteilt, daß meine Freundin nicht damit umgehen kann. Ich konnte es dann klären und ihr sagen was ich von ihr erwarte. Sie dachte, dass ich einfach meine Ruhe haben will.

    Versuch dein Glück und gib nicht auf.

    Liebe Grüße von

    Stupsi


    Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie alle siegreich und glorreich zu überwinden (Carl Hilty ) :)

  • hallo tweety

    Meine Freundin hat mir zu jeder Chemotherapie 12 Wochen lang jedesmal einen Brief geschrieben, das hat mir so geholfen ich freute mich direkt auf jeden Mittwoch um endlich wieder einen Brief zu lesen.Es hat mir so viel gegeben ich habe sie aufbewahrt ob ich si nochmal lese weiß nicht aber vergessen werde ich es nie.

    LG Angela

  • Liebe Tweety,

    gib auf jeden Fall nicht auf. Denn dir liegt ja viel an dieser Freundschaft, wie du schreibst. Versuche, das deiner Freundin klar zu machen: dass du den Kontakt weiterhin suchst, weil dir diese Freundschaft viel bedeutet. Vielleicht denkt sie, du machst das nur aus Pflichtgefühl oder Mitleid, und solche Reaktionen kann man als Patientin wirklich nicht gebrauchen. Einen ausführlichen Brief halte ich auch für eine gute Idee, da kannst du alle deine Gedanken und Gefühle offenlegen. Ich drücke dir die Daumen für eine positive Rückmeldung.


    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Ich bin zwar keine Betroffene, aber Tochter einer Betroffenen. Und ich habe seit der Diagnose meiner Mutter eine meiner bis dahin engsten Freundinnen verloren. Zufällig war ich gerade eine Woche bei ihr zu Besuch, als meine Mutter die Diagnose erhielt, und an dem ersten Abend, gleich nach dem Telefonat mit meinem Vater, hat sie mich bei sich zu Hause allein im Wohnzimmer sitzen lassen, während sie schlafen ging. Die nächsten Tage wollte sie dauernd über was anderes reden, über den Ausstieg ihrer Lieblingsfigur aus einer Serie, über Banalitäten, während ich nur den Gedanken an meine Mutter hatte.

    Ich habe den Besuch dann abgebrochen und bin zu meiner Familie gefahren, und seitdem ging es schnell bergab. Nur noch ein paar Wochen lang telefonierten wir wöchentlich wie früher, auch dabei konnte ich nicht mit ihr sprechen, weil sie immer nur Banalitäten im Sinn hatte, und dann meldete sie sich nicht mehr. Ich hab den Kontakt dann auslaufen lassen, denn ich konnte einfach nicht noch hinter jemandem herrennen, der mir in dieser Situation nicht den Rücken stärkte.

    Bis heute haben wir keinen Kontakt mehr, und ich bin immer noch enttäuscht, weil wir wirklich sehr lange sehr eng befreundet waren. Aber wahrscheinlich ist es besser so. Wer weiß?

  • Liebe sun,

    ja wer weiß das schon.

    Ich kann Dich gut verstehen, dass Du enttäuscht bist. Hast Du sie mal gefragt warum sie nicht darüber reden möchte? Wie gut kennt deine Freundin deine Mutter? Und hast Du ihr mal gesagt, dass Dich Ihr Verhalten verletzt?

    Ich persönlich kann solche Sachen immer nicht persönlich Ansprechen. Da denke ich mir dann immer: ich möchte den anderen ja nicht verletzen.

    Soll ich dir was sagen? Das ist absolut dämlich. Wir sind so darauf bedacht anderen keinen Kummer zu bereiten, das wir bereitwillig unseren Schmerz in uns reinfressen.

    Ich habe - auch wenn ich es nicht persönlich ansprechen kann - Briefe an Personen geschrieben. Was mich gefreut hat, was mich gestört hat, zum Teil auch einfach um Danke zu sagen.

    Ich weiß nicht, ob Dich das in irgendeiner Weise weiter bringt.

    Hast Du vll eine neue Freundin gefunden, die mit der Erkrankung deiner Mutter besser umgehen kann? Es sind oft die Menschen mit denen wir bis dato nicht soviel zu tun haben, die uns am meisten überraschen und den Rücken stärken...

    LG Mäusel

  • Liebe Mäusel, du hast so recht.

    Vielleicht hätte ich es anders gemacht, wenn es nicht gerade um so eine elementare Sache wie das Leben meiner Mutter gegangen wäre, vielleicht hätte ich dann ja noch einmal nachgehakt irgendwann, aber so war mein Kopf ganz woanders und ich wusste, ich kann mit Halbwahrheiten und Ausreden im Moment einfach nicht umgehen, deshalb habe ich es gelassen. Man merkte, dass es ihr lästig war, mich bei einem wirklich schwerwiegenden Problem zu unterstützen, und dann renne ich ihr auch nicht nach.

    So wirklich enge, vertraute Freundinnen habe ich zur Zeit eigentlich gar nicht, aber schon ganz gute, mit denen ich auch mal über unsere Situation reden kann.

    Das muss auch mal wieder anders werden, mal sehen, ob sich da noch mal was ergibt, aber diese eine egozentrische Person ist für mich erledigt. Vielleicht bin ich auch stur, aber eine Freundin in einer derartigen Situation hängen zu lassen, das tut man einfach nicht. Ich bin aber auch anders gestrickt, ich gebe alles für meine Lieben, was in meiner Macht steht. Auch nicht immer gesund, aber manchmal kann man nicht aus seiner Haut, nicht wahr?

  • Hi,


    meine "Freunde" haben sich schon vor Jahren, kurz nachdem mein Rheuma anfing, mir das Leben zu Hölle zu machen, verabschiedet. DAS hat mich mehr kaputt gemacht, als die Krankheit selber. Ich war für meine "Freunde" Tag und Nacht erreichbar, hab jederzeit geholfen, und als ich sie brauchte, war niemand mehr da: Anrufe meinerseits weggedrückt, nie zurückgerufen, keine SMS .... einfach nur Stille. Das war für mich ein traumatisches Erlebnis, hätte ich so nie erwartet.

    Ich hab mir nie wieder "richtige Freunde" gesucht, mein Bedarf ist gedeckt.

    Meine Tochter ist derzeit meine einzige und beste Freundin, wir helfen uns gegenseitig. Wir können auch über sehr vieles reden, wenn auch beileibe nicht über alles. Dazu stehen wir uns als Mutter/Tochter glaub ich einfach zu nahe. Sie hat dafür andere Leute, ich habe gelernt mit vielem selbst fertig zu werden.

  • Durch Umzug (weg aus Düsseldorf zurück in die alte Heimat) aus gesundheitlichen Gründen hab ich Ende 2014 erst einmal die räumliche Nähe zu meine Freunden und Bekannten verloren. Einige sind noch da und wir sehen uns mehr oder weniger regelmäßig, mit anderen habe ich über die sozialen Netzwerke Kontakt.


    Durch die Diagnose hat sich eigentlich niemand abgewendet. Was aber auch vielleicht daran liegt, dass eben in den letzten Jahren schon eine Art „Ausmisten“ stattgefunden hat.


    Statt dessen habe ich in der letzten Zeit durch die Erkrankung neue Kontakte geknüpft. Darunter auch reale. Frauen, die ich hier in der Ortgruppe getroffen habe. Die Treffen und der Stammtisch sind immer sehr schön und wir drei Küken (U60) treffen uns auch außerhalb der festen Zeiten gern und unternehmen etwas.


    Es ist irgendwie doch oft auch ein Kommen und Gehen und man paßt sein Umfeld immer wieder seiner momentanen Lage an. Einige, wichtige Menschen begleiten einen dabei, andere bleiben auf der Strecke oder wenden sich ab.