Hope78 - Ehefrau erkrankt - Freunde ziehen sich zurück

  • Bei meiner Frau wurde im September 2015 ganz überraschen Brustkrebs festgestellt.
    Der Tumor war 8 cm groß und konnte nicht brusterhaltend operiert werden.
    Meine Frau war immer ein lebenslustiger und aktiver Mensch, entsprechend waren unsere Freundinnen sehr betroffen von der Diagnose.
    So schön so gut. Als der OP-Termin feststand waren alle noch für uns da... Wenn wir Hilfe brauche auch mit den Kindern etc etc.
    Als Tag X gekommen war sah das ganz anders aus. Jeder besuchte meine Frau 1x im Krankenhaus und hatte dann immer so viel zu tun.
    Außerdem gab es so tolle Sprüche "du bekommst einen tollen neuen Busen, der sieht sicher viel besser aus als der Alte"
    Ich frage mich wie kommt man auf so eine Idee?
    Auf jeden Fall zogen sich unsere "Freundinnne" immer weiter zurück und waren telefonisch nicht erreichbar und selbst für kleine
    kurze WhatsApp Nachrichten waren sie nicht mehr zu haben.
    Weihnachten (meine Frau befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer ganz schlimmen Phase der Chemo und konnte kaum aufstehen)
    da wären sie dann gekommen und waren entsetzt als ich dies nicht zulassen konnte (die Leukos waren bei 300)
    Und noch schlimmer war in deren Augen wohl, dass wir trotz allem (schon allein wegen der Kinder) Weihnachten gefeiert haben.
    Natürlich war gar nichts wie immer - aber trotzdem wollten wir einen Baum und wenigstens ein klein bißchen Normalität.
    Ich bin voll berufstätig und konnte zum Glück im Job sehr viel Rückhalt erfahren - denn ihr braucht nicht glauben das nur eine
    unserer ach so tollen Freundinnen nur einmal irgendwie geholfen hat.
    Auch ich als der gesunde Part wurde komplett ignoriert (vielleicht wäre mal ne Tasse Kaffee außer Haus schön gewesen)
    Auf die Konfrontation hin haben wir zu hören bekommen, offensichtlich sind wir zu sensibel um mit dem Thema umzugehen.


    Ich weiß nicht was ich davon halten soll - ich spüre nur Wut und eine riesige Leere in mir wenn ich darüber nachdenke.
    Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder sind wirklich unsere Freundinnen einfach der absolute Totalausfall?

  • Ach hope78,
    auf diese sogenannte Freundinnen kann man so gut verzichten. Die hatte ich auch, will sie nicht mehr sehen. Eine Freundin sagte mir, wie gut ich es doch hätte grad im Sommer erkrankt zu sein. Ich bräuchte nicht zu arbeiten und könnte den ganzen Tag in der Sonne liegen. Die Freundin hat sich sowas von erledigt. Aber dann hab ich eine ganz liebe Freundin, die immer für mich da ist, brauch nur ein Wort sagen, respektiert aber auch, dass man sich mal zurück zieht. Oft kommt auch Zuspruch von Leuten, von denen man es gar nicht annehmen würde.
    Wie sieht es denn mit Familie aus. Können die mit der Krankheit umgehen? Bei mir ist sie schon eine grosse Hilfe. Einfach nur, dass sie da sind.
    lg nati556

  • Es tut mir leid dass es sich so mit Euren Freundinnen entwickelt hat, dass sie sich zurückgezogen haben. Aber vielleicht ist in diesem Punkt doch nicht alles verloren . Vielleicht sind sie nur geschockt , dass es jemanden aus ihrer Nähe getroffen hat und sie wissen nicht wie sie im Moment damit umgehen sollen . Vielleicht ist es ihre Hilflosigkeit, Unsicherheit oder auch Angst etwas falsch zu machen . Ich kenne das ein bisschen aus meinem eigenen Erleben , aus meiner beruflichen Tätigkeit . Ich bin im Krankenhaus tätig und es fiel mir vor meiner Erkrankung immer schwer mit Krebskranken in Kontakt zu treten . Am liebsten hätte ich diese Zimmer wo jemand Krebskrankes drinlag , gemieden . Aber das ging nicht . Ich wusste einfach nicht wie ich mich mit denen unterhalten sollte, worüber was usw. Es entstand oft eine unangenehme Stille. Ich hatte auch Angst etwas falsch zu machen . Es besserte sich etwas je älter ich wurde . In meinem Bekanntenkreis war ja auch niemand betroffen .
    Als ich vor 10 Jahren selbst erkrankte und das ganze durchmachte , änderte sich das . Es war mir nicht mehr unangenehm das Zimmer wo jemand mit einer Krebserkrankung lag, zu betreten und mit den Patienten mich zu unterhalten . Ich weiss auch nicht warum das so war , mir fehlte die Erfahrung oder einfach der Mut.
    Vielleicht wollen Eure Freunde etwas Abstand um den Schock zu verdauen . Es ist schon mal viel Wert dass Du guten Rückhalt bei den Arbeitskollegen hast . Ja, manche Freunde verliert man , das kann sein . Oft stellt sich erst in Krisensituationen raus wer zu einem hält und durch dick und dünn geht . Das sind oft nur ganz wenige Menschen . Vielleicht kommt ja doch noch die eine oder andere Freundin zurück , oder ihr könnt das Gespräch mit der einen oder anderen Freundin suchen , auf sie zugehen.
    Dass ein normales Leben trotz Krebs möglich ist , können viele auch nicht glauben .
    Bielleicht macht ihr rin kleines Sommerfest wenn möglich ,und bittet Eure Freunde um Hilfe bei den Vorbereitungen. Der Vorschlag mag zwar etwas seltsam sein , aber vielleicht hilft das .
    Vielleicht gibt es bei Eich im Ort eine Selbsthilfegruppe oder sonstige Veranstaltungen , die ihr besuchen könnt und es sich nette Kontakte ergeben mit der Zeit.
    Wünsche Euch noch alles Gute
    LG alesigmai52

  • Liebe hope78,
    eigentlich schreibe ich nicht mehr so viel hier, lese aber jeden Tag noch mit. Erst einmal noch herzlich Willkommen in unserem Forum.
    Ich lebe auch in einer lesbischen Beziehung, mohnblume sagte ja schon es gibt noch einige gleichgeschlechtliche Paare hier ;-).
    Da ich sowohl Betroffene bin ( Mammakarzinom entdeckt vor 3 Jahren) als auch Angehörige ( meine Mutter ist nach einer sehr aggressiven Krebsform letztes Jahr verstorben), kann ich mich ein bisschen in dich hinein versetzen.
    Ich glaube dass die meisten Betroffenen besser mit der Erkrankung umgehen können als die Angehörigen, habe das auch bei mir festgestellt.
    Nun zu euren Freundinnen- Ich weiß nicht wie offen ihr mit Ihnen über die Erkrankung und die Therapien gesprochen habt.
    Wir hatten alle die uns wirklich wichtig waren komplett mit einbezogen und es wäre keiner auf die Idee gekommen einfach so zu Besuch zu kommen.
    Erst wurde angerufen und bei meinem OK kamen sie dann zu Besuch. Es hat aber auch jeder akzeptiert wenn das nicht möglich war.
    Manche "Freunde" haben wir auch in der Zeit verloren, aber das waren dann auch keine Freunde.
    Ich denke viele sind auch einfach unsicher, wissen nicht was sie sagen oder schreiben sollen und unternehmen dann einfach gar nichts bevor sie ihrer Meinung nach was Falsches sagen oder schreiben.
    Habt ihr schon mal versucht mit allen zusammen darüber zu reden?
    Das wäre einfach mal mein Tipp.
    Falls du magst kannst du mir auch gerne eine PN schreiben.
    Ich wünsche euch, dass doch noch ein paar Freunde übrig bleiben, es kann nicht sein, dass ihr euch so in Ihnen getäuscht habt.
    Liebe Grüße
    feenhund

  • Ja nati ich verstehe genau was du meinst.
    Bei uns sind es auch die "verrücktesten" Menschen die uns helfen und da sind.
    Nachbarn von denen wir es nie erwartet hätten - Arbeitskollegen.
    Unsere Familie geht super damit um, aber nur aus der Ferne.
    Sagt wenn ihr was braucht - ruft an... Ich bin an einem Punkt wo ich keine Hilfe mehr will.
    Anfangs habe ich gefragt, auch unsere Freunde, blöde Antworten.
    Jetzt regel ich alles alleine, kümmer mich so gut es geht um alles.
    Zum Glück geht es meiner Frau etwas besser uns sie bringt sich wieder in den Alltag ein.
    Sie versucht sich um vieles im Haushalt zu kümmern, was ihr aber aufgrund ihrer körperlichen Beschwerden nicht gelingt.
    Zumindest ist sie fürs Kochen zuständig ;-)
    Ich weiß ich kann ihr nicht alles abnehmen - sie fühlt sich sonst unnütz.
    Sie ist der Typ der machen will...
    Durch all das sind wir noch mehr zusammen gewachsen.


    Nächste Woche beginnt die Reha - und stellt euch vor - ich wurde für diese Zeit von unserer "tollen" Freundin zum Kaffee
    eingeladen, damit mir nicht langweilig wird....
    :cursing:

  • Hallöchen hope78 :P

    wie nati schon schreibt, auf sogenannte Freunde/innen kann man sehr gut verzichten.
    Erstmal noch ein herzliches Willkommen hier bei uns… :thumbsup:
    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, wie viele von uns, einige Gute-Freunde ziehen sich zurück, verlieren wir und Neue kommen dazu,
    von denen ich nie gedacht hätte, dass ich diese Personen mal als Gute-Freunde betrachte und das jetzt über viele viele Jahre :thumbup:


    Ich sehe das auch wie feenhund, viele sind einfach unsicher, überfordert, wissen nicht was sie sagen sollen und ziehen sich zurück.
    So kommen auch die tolle Sprüche zustande "du bekommst einen tollen neuen Busen, der sieht sicher viel besser aus als der Alte!"
    Ein versuch zu trösten, ohne nachzudenken…wie das auf uns Betroffen wirkt.
    Vielleicht wäre eine gemeinsame Aussprache, ein guter Start um diese Freundschaften nicht auseinanderbrechen zulassen. Aber nur,
    wenn euch noch etwas an den Freundschaften liegt!


    Wünsche deiner Frau eine gute, erholsame Reha :thumbsup:


    Grüßle :) ika :)

    Lachen ist die beste Medizin,

    also verschenke jeden Tag ein Lächeln,
    es tut nicht we
    h
    :thumbsup:

  • Hallo Hope.. Ersteinmal Willkommen hier:) ..und ich kann mich Nati nur anschließen, die meisten werden wohl einfach überfordert mit der Situation sein und merken vielleicht gar nicht das sie ein verletzen .Ich musste leider auch die Erfahrung machen dass nicht alle Freunde wirkliche Freunde sind.. Aber die, die bleiben sind meistens Wahre Freunde ...und wer weiß, vielleicht kommen neue dazu ,von dennen man es nie gedacht hätte...;) ich wünsche deiner Frau eine erholsame Reha ...und du kannst die Zeit bestimmt auch gut nutzen um die Batterien wieder aufzuladen... Mikesch

  • Hallo,
    Ich möchte dieses Thema gerne aktualisieren, da es zur Zeit auch mich betrifft.
    Wie ist es euch mit euren Freunden ergangen?
    Ich habe wie sicherlich die meisten hier die Erfahrung gemacht, dass zum Zeitpunkt der Diagnose alle dermaßen bestürzt reagiert haben, mir im wahrsten Sinne des Wortes die Bude eingerannt sind und mir die Worte hinterlassen haben: Melde dich, wenn du was brauchst, ich bin für dich da, etc.
    Klar hat man das erstmal dankbar geschluckt, aber man musste sich selbst auch erstmal sammeln.
    Bis zum Zeitpunkt der Chemotherapie konnte ich mich auch nicht beklagen. Aber ab dann war schon alles anders. Vielleicht war es auch mein Fehler, denn da es mir bei den ersten 4 gar nicht gut ging, hatte ich auch nicht das Bedürfnis nach jemandem. Manchmal hab ich mich erst wieder gemeldet, wenn es mir besser ging. Nun bekomme ich wöchentlich Chemotherapie und vertrage die bis jetzt weitaus besser. Nun sind ja die Therapien ziemlich langwierig und trotzdem ich mich auch gut zu beschäftigen weiß, fehlt mir so manches Mal ein gutes Gespräch. Leider haben wir familiär noch zusätzlich Probleme, da meine Schwiegermutter mit ihrer fortschreitenden Demenz nicht mehr alleine wohnen kann und nun ins Pflegeheim geht. Mein Mann hätte das alleine nicht geschafft, er ist körperlich und nervlich selbst angeschlagen. Und ich brauche ihn ja auch noch. Habe immer zurück gesteckt und ihn machen lassen, aber nun geht es nicht mehr. Trotzdem gibt er mir soviel Zeit, wie ich brauche, ich ziehe echt den Hut vor ihm, für das, was er leistet.
    Gerade deshalb wäre es schön, jemanden zum Reden, vor allem zum Lachen zu haben. Wir sollen doch positiv denken, oder? Ja und in diesem digitalen Zeitalter, wo sonst nichts ohne Handy und WhatsApp geht, müsste man doch eigentlich auf der Zielgeraden bleiben, oder nicht??
    Da kriegt man einfach keine Antwort mehr... Hallo? Muss ich den Leuten die Bude einrennen und sagen, ich bin auch noch da? Oder warum ist man plötzlich nicht mal eine Antwort wert?
    Die einzigen, die wirklich für mich da sind außer meiner Familie, sind meine Kollegen. Sie laden mich ein und kümmern sich. Das ist toll. Auf die Frage nach einem Geschenk zu meinem Geburtstag hab ich geantwortet: Schenkt mir nicht sonst was, schenkt mir Zeit! Das haben sie verstanden. Darauf bin ich stolz, denn ich kann mich auf sie verlassen.
    Nur von meiner einen Freundin bin ich eben enttäuscht und ich habe mir vorgenommen, ich melde mich jetzt auch nicht mehr.
    Ich bin nur halt auch nicht so ein kontaktfreudiger Typ, eher ruhig. Da fällt es mir auch schwer, neue Freundschaften zu schließen.
    Das wollte ich hier mal loswerden.
    Ein freundliches Wochenende wünscht euch Consi.

  • Hallo Consica,
    ich glaube nicht, dass dein Freundin den Kontakt wegen einiger Zeit der Funkstille während der Chemo abgebrochen hat. Vielleicht scheut sie einfach vor der Konfrontation mit dem Thema 'Krebs - eigene Sterblichkeit' zurück?Möglicherweise ist sie überfordert?
    Manche Menschen können sich ja nicht einmal dazu überwinden, einen Krankenhausbesuch zu machen, da die Klinikatmosphäre bei ihnen Beklemmungen auslöst.
    Eine meiner Freundinnen hat ebenfalls nach Erhalt meiner Diagnose jeden Kontakt abgebrochen. Wir kannten uns seit der Schulzeit. Ein einziges Lebenszeichen habe ich von ihr bekommen, eine kurze Absage auf die Einladung zur Konfirmation meines Sohnes, dessen Patin sie ist/war. Zu meinem Sohn hat sie auch keinen Kontakt mehr, kein Gebutstagsgruss, nichts. Gerade von ihr hätte ich das nicht so erwartet! Da war ich auch traurig und enttäuscht.
    Aber andere Bekannte haben sich während dieser Zeit als echte und hilfreiche Freunde erwiesen. So habe ich es erlebt und ich empfinde mich auch nicht als besonders kontaktfreudig.
    Wünsche dir und allen Mitlesern ein schönes Rest - Wochenende!
    Lg Katzi64

  • Hallo Katzi64,
    danke für deine Antwort.
    Wie du schon schreibst, man erlebt auch Überraschungen. Aber ich glaube nicht, dass meine Freundin überfordert ist. Sie hat im vergangenen Jahr ihren schwer an Krebs erkrankten Vater bis zu seinem Tod gepflegt. Von daher kennt sie sich eher mit der Krankheit aus. Aber vielleicht wurde ihr das doch zuviel und sie braucht Ruhe oder Abstand? Ja, es braucht schon viel Verständnis um sich in die Lage des jeweils anderen hineinzuversetzen. Ich hab noch ne andere Freundin, die kann nicht so richtig mit der Situation umgehen. Hat mir das aber offen und ehrlich gesagt.
    Liebe Grüße von Consi

  • Liebe Consica,
    allerdings ist es, glaube ich, ein großer Unterschied, ob jemand aus der Elterngeneration betroffen ist oder eine etwa gleichaltrige Freundin erkrankt. Im letzteren Fall ist die Betroffenheit oft viel größer.
    Lg Katzi64

  • Man kann sich aber oft auch nicht wirklich in die anderen hineindenken..daher die auch nicht in uns.


    Ich hatte eine Freundin, bei der die Freundschaft vor meiner Diagnose schon gebröckelt hatte und es schon etliche Monate Funkstille gab. Diese Freundin stand dann plötzlich abends vor der Tür, und ich nichtsahnend öffnete..mit Glatze, 1-brüstig in dünnem Hemd. Sie muss wohl recht geschockt gewesen sein, hat sich aber nichts anmerken lassen.


    Dann wieder 5 Monate Funkstille, und erst kürzlich meldete sie sich, einer ihrer Kollegen, mit dem sie früher auch ein enges Verhältnis hatte war an Krebs erkrankt, und nach ihren Erzählungen hörte es sich nicht gut an, und sie fragte ob ich mitgehen würde ihn besuchen im Krankenhaus.


    Hörte sich für mich an, als ob sie jemand dabei haben wollte der sich mit Krebs auskennt, und ich fands nur traurig. Das letzte was ich brauche ist jemand elendig im KH zu sehen der wohl demnächst sterben wird und ihr dabei das Händchen halten.


    Seither hat sie sich nicht weiter gemeldet, ob sie nun also da war, oder sich nicht traute, er gestorben ist oder lebt..das wird dann nicht kommuniziert, war wohl nicht so wichtig ?

  • Aber vielleicht wurde ihr das doch zuviel und sie braucht Ruhe oder Abstand? Ja, es braucht schon viel Verständnis um sich in die Lage des jeweils anderen hineinzuversetzen. Ich hab noch ne andere Freundin, die kann nicht so richtig mit der Situation umgehen. Hat mir das aber offen und ehrlich gesagt.

    Liebe Consi,


    vielleicht ist genau das ihr Problem. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Freunde, die selbst schon Erfahrungen mit Krebs in ihrem Umfeld haben sich ganz radikal in die zwei Gruppen "sehr verständnisvoll" und "absolut verschlossen" teilen. Vielleicht hat sie mit dem Tod nicht abgeschlossen und hat nun Angst, dass mit dir als ihrer Freundin dasselbe geschieht. Daher vermeidet sie den Kontakt vielleicht aus Angst, mit dem Tod ihres Vaters konfrontiert zu werden.
    Ich würde sie aus genau diesem Grund nicht als Freundin abschreiben. Gerade wenn du dich aufgrund der ECs verständlicherweise nicht so oft gemeldet hast, kann jetzt eine "mir geht es jetzt besser, es geht voran"-Nachricht ihr erst einmal die Angst nehmen. Vielen ist gar nicht klar, dass Krebs nicht gleich Krebs ist.


    Liebe Grüße
    Helene

    Einmal editiert, zuletzt von Saphira () aus folgendem Grund: Zitat gekürzt.

  • Seufz..., ich bin wohl wieder zu ungeduldig, muss den anderen auch Zeit geben.
    Ich warte jetzt ab und renne niemandem hinterher.
    Hab nur bald Geburtstag und mag ihn nicht so feiern wie sonst, weil mir das momentan zu anstrengend ist. Überlege jetzt, ob ich mich feiern lasse, von meiner Familie. Das wäre mal in meinem Sinn.
    Meine Kollegen haben mich heute schon wieder eingeladen. Ich freue mich so!
    Gruß Consi

  • Liebe Consi,


    ich denke, dass ist ganz normal. Es gibt Menschen, die wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen, die haben einfach Angst, was falsches zu sagen. Wenn Du die Kraft hast und sie Dir wichtig sind, dann melde Du Dich. Oft genügt es, das sie merken, dass Du noch "normal" reden,lachen und weinen kannst.


    Bei mir war das auch so, einige "Freunde" habe ich auch verloren, aber das stört mich nicht, weil ich auch wieder neue gewonnen habe. Menschen, die auf einmal da waren, ohne seltsame Sprüche, die Anteil genommen haben und mich weiterhin auf Augenhöhe betrachtet haben.


    Schlimm fand (und finde ich, weil die tun es immer noch) die Menschen, die einen immer so seltsam anschauen, so voller Mitleid, als wäre man morgen tot. Da habe ich mir aber ein dickes Fell angelegt, oder sage manchmal auch was freches dagegen.


    Und Consi, wenn Du keine Lust auf eine Party hast, dann ist es doch eine wunderschöne Idee, Dich feiern zu lassen. Lass sie Kuchen backen, Essen kochen, etc. Wunderschöne Idee. :hug:


    Liebe Grüße
    Milli

  • Hallo zusammen,


    hier auch noch ein paar Erfahrungen von mir.


    Einen eklatanten Rückzug von Freunden erlebte ich im Jahr 2004, als ich insgesamt an die 20 Wochen in verschiedenen Krankenhäusern zubrachte und mehrere große Darm-OPs sowie ein paar kleinere Eingriffe absolvierte. Wegen einer postoperativen Kolonnekrose mit nachfolgender Peritonitis/Sepsis wurde ich meinen gesamten Dickdarm los und bekam ein endständiges (und endgültiges) Ileostoma. Damals ging es mir monatelang richtig dreckig. Weil ich trotz hochkalorischer Ernährung einfach nicht zunahm (hatte weniger als 40 kg bei 165 cm Körpergröße), erhielt ich einen Port, über den ich fortan zehn Monate lang parenteral 1500 kcal zugeführt bekam, bis ich endlich wieder über 50 kg war. Diese Infusionen liefen täglich über 16 Stunden, davon allerdings die Hälfte während der Nacht. Trotzdem blieben mir tagsüber nicht allzu viele Stunden, um den Kontakt zum Freundeskreis zu halten. Für einige schien schon allein mein Stoma "giftig" zu sein. Es zogen sich in jenem Jahr fast alle zurück.


    Seit der Krebs-Diagnose geht es mir ähnlich, wobei die Tendenz bei weitem nicht so extrem wie damals ist. Ich hoffe, das bleibt auch so. Vieles liegt natürlich an einem selber. Im Gegensatz zum damaligen Desaster gehe ich mit der jetzigen Situation viel lässiger um bzw. bin schon rein zeitlich nicht derart eingeschränkt wie 2004. Im Miteinander spielt meine Erkrankung kaum eine Rolle, wir pflegen unsere gemeinsamen Interessen wie vorher auch.


    Liebe Grüße
    Monsti

    Bejahe den Tag, wie er dir geschenkt wird, statt dich am Unwiederbringlichen zu stoßen (A. de Saint-Exupéry).

  • Hallo alle zusammen,


    ich bin eine von den "Freundinnen" ... naja nicht so ganz ... ich möchte gerne Freundin sein und helfen ... über 800 km Entfernung hinweg ... nur verbunden über Email, Telefon, Whatsapp (hauptsächlich) ... Krebsdiagnose erhielt meine Freundin im November 2016 ... seitdem hat sie schon einiges durch ... bei 1.90m Grösse nur noch knappe 60 kg waren das Fazit im April ... im Februar hat sie den Kontakt komplett abgebrochen ... der letzte Satz im Februar: "ich kann nicht essen" ... danach Stille ... ich habe trotzdem weitergeschreiben ... erst nur wöchentlich ... als dann wieder Chemo bevorstand jeden morgen eine WhatsApp-Nachricht ... alles mögliche habe ich geschickt ... in der Hoffnung jeden morgen ihren Blick auf etwas anderes zu richten, das nicht Krankenhausalltag ist ... wahrscheinlich habe ich dabei oft einfach daneben gelegen ... falsches Wort ... falsches Bild ... ich schrieb ihr, dass ich keine Antwort erwarte, solange es ihr schlecht geht ... seit sie daheim ist habe ich die Messages reduziert ... damit sie sich auf sich und ihren Partner fokussieren kann ... nun habe ich eine Nachricht nach 4 Wochen geschickt und - logisch - keine Reaktion erhalten ... und ich stelle fest, dass ich eben doch auf eine Antwort warte ... ich glaube, über ein simples "ich kann nicht" hätte ich mich gefreut ... das soll nicht heißen, dass ich aufzugeben gedenke (ich habe hier nur den einfachen Part: Warten. Ich brauch keine Behandlung über mich ergehen lassen, ich brauche nicht einmal zugucken (habe diese Variante bereits mehrfach hinter mir und musste zweimal zuschauen, wie das einemal meine erste grosse Liebe starb und das andere mal mein Neffe) ... diesmal muss ich einfach nur warten ... das ist so wenig ... aber damit hadere ich schon ... hege zweifel, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben will, obwohl davon nie ein Wort gefallen ist ... ich kämpfe mit jedem Wort und jedem Bild dass ich schicke ... dabei ist dass alles nur Pille-Kram zu dem, wo sie sich hinarbeiten /- kämpfen muss. ... aber mit jeder Woche unkommentierter Worte ihrerseits habe ich das Gefühl mich mehr zu entfernen ... von ihr ... ihrer Erkrankung und allem was damit zusammenhängt .... sie hat mir einmal Regeln aufgestellt: 1. Kümmere dich in 1. Linie um deine Familie. 2. Kümmer dich um dich selbst. 3. Vergiss den Rest. ... so lebt oder funktioniert sie gerade und hat es immerhin auf diese Weise bis zum heutigen Tag geschafft ... also hat sie mit dieser Taktik wohl recht, nicht wahr ... bloss - und da ist wieder das böse "Ich" - es fühlt sich mies an zu diesem Rest zu gehören ... ich weiß, als "Freundin" sollte meine Geduld sehr viel größer sein ... das kann sich alles noch hinziehen ... Geduld gehört leider überhaupt nicht zu meinen Stärken ... was mache ich denn nun??? ... gehe ich ihr weiter mit meinen voll-daneben-Messages auf den Keks und bin weitere Belastung oder pausiere ich wieder eine Weile und gebe ihr Raum zur Erholung ... mir liegt echt was an ihr und ich will sie nicht verlieren.


    LG an all die Starken und Schwachen in dieser Runde ... ich wünsche Euch allen, was ihr braucht ... vielleicht hat eine von Euch ein hilfreiches Wort für mich???


    Tweety

  • Liebe Tweety

    Ich würde dir ja gern bei deinem Problem helfen

    Aber das ist wirklich nicht einfach

    Lass dich mal drücken :hug:

    Hör auf dein Herz <3

    Das wird schon das richtige tun

  • Liebe Tweety,


    versuch doch mal was anderes , einfach mal einen Brief schreiben. Dort kannst du dann ausführlicher schreiben was dich bedrückt und dass du ihr helfen möchtest auch über die große Entfernung hinweg.