Zweitmeinung nach Gebärmutterhalskrebs

  • Nachdem ich die Diagnose pt1b1, G2, L0, V0, R1 bekommen hatte, schickte mich meine Gynäkologin zu einem Professor, der meinte, das wäre alles nicht so schlimm, wäre nur ein Bauchschnitt, die Gebärmutter, ein Teil des Halteapparates, die Eierstöcke, und alle Beckenymphknoten kämen raus. Nebenwirkungen gäbe es da eigentlich so gut wie keine. Ähem ...
    Auf die Frage, ob das minivalinvasiv ginge, meinte er, man könne es versuchen, aber versprechen kann er es nicht, da man minimalinvasiv weniger sehen würde, und Wächterlymphknoten würde er nicht empfehlen.


    Ich habe mir dann eine Zweitmeinung geholt, da sah das alles schon anders aus. Der Arzt hat sich 2 Stunden für mich Zeit genommen, mir alles aufgezeichnet und erklärt. Er gibt auch die Möglichkeit der Entnahme der Wächterlymphknoten, die man aber nicht immer eindeutig finden würde, deshalb würden sie 15 Lymphknoten entfernen, wenn diese nicht befallen wären, blieben die anderen drin, damit man später keine Lymphprobleme bekommen würde.
    Interessant fand ich, dass er meinte, man könne bei einem so kleinen Tumor, wie ich ihn habe 7x7 mm auch auf eine OP verzichten und einfach nur 5 Wochen bestrahlen, wennmir das lieber wäre. Und dann hatte er noch drei weitere Optionen parat.
    Und ALLES minimalinvasiv, damit man wieder schneller auf die Beine kommt.


    Ich habe sehr großes Vertrauen in ihn, da er in deutschland eine Koriphäe auf dem Gebiet ist.


    Mal sehen, wie es weiter geht. Aber die Arztwahl steht von meiner Seite her schon fest, auch wenn ich da etwas weiter fahren muß.


    Ich denke eh, man sollte sich immer eine Zweitmeinung holen.


    Liebe Grüße
    Milli

  • Liebe Milli,


    verschiedene Ärzte - verschiedene Meinungen, das hatten wir hier ja schon öfter. Und wir Laien mittendrin.
    Wenn du dich bei dem 2. Arzt besser aufgehoben fühlst, würde ich die weitere Behandlung auch dort machen. Die seelische Komponente sollte man nie unterschätzen :).


    LG
    Kalinchen

  • Das stimmt natürlich.


    Aber mir war eben auch wichtig, dass ich nicht an einen Wald-und Wiesenarzt gerate, sondern an jemanden, der eben darauf spezialisiert ist, denn das alles ist ja kein Zuckerschlecken. :S


    Und da ich in meinem ersten Beruf als Krankenschwester unterwegs war, selber auf einer onkologischen Station gearbeitet habe, kann ich, obwohl das schon sehr lange her ist, die Arztberichte recht gut lesen, was es auch nicht immer leicht macht. ;) Und ich bin von daher auch ein "schwieriger" Patient. 8)


    LG
    Milli

  • ... minimalinvasiv, nur die 2 Wächterlymphknoten, Gebärmutter, Eierstöcke und ein Teil des Halteapparates ...
    und mir geht es gut. Habe nur 3 kleine Löcher im Bauch, keinen Lymphstau, da ich ja noch die meisten Lymphknoten habe, es geht mir gut. Vorher natürlich CT und Knochenszintigramm usw., überall keinerlei Befunde. Pathologische Untersuchung nach der OP auch prima. Die OP ist jetzt zwei Wochen her, es ziept natürlich immer noch, bin noch etwas verlangsamt, aber ich spüre meine Blase, und habe auch sonst keinerlei Probleme.


    Dieser Arzt ist ein Künstler. Ich habe dann sogar gehört, dass Frauen von überall her kommen, um sich von ihm operieren zu lassen, aus aller Welt.
    Und NEIN, ich bin keine Privatpatientin. :)


    Deswegen noch einmal: Wenn Ihr euch unsicher fühlt, nicht ernstgenommen, dann holt euch eine zweite Meinung, zur Not auch eine dritte, denn es geht um euch und euren Körper.


    Mir hat mein Instinkt recht gegeben, der andere Arzt hätte mir alles rausgerupft, alle Lymphknoten und einen großen Schnitt gemacht, ich glaube, dann würde es mir heute nicht so gut gehen.


    Liebe Grüße
    Milli

  • liebe milli,


    es freut mich sehr, dass es dir soweit gut geht und du instinktiv die richtige arztwahl getroffen hast. :thumbsup:
    was heisst ein teil des halteapparates?! ich finde das klingt sehr gefährlich ... ?(
    weiterhin alles gute!


    lg ani64

    da es sehr förderlich für die gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein. 8) voltaire

  • Danke, liebe Ani.


    Halteapparat sind die Bänder, die links und rechts die Gebärmutter halten (vereinfacht erklärt). Ist auch nicht ungefährlich, da dort viele Nerven entlanglaufen. Ist aber bei dieser OP Standard.


    Ich will jetzt auch erst einmal keine Ärzte sehen, im Juni Mamma Ca. Op., im Juli Konisation, im August Bestrahlung der Brust, im September jetzt radikale Gebärmutterentfernung.


    Nun erhole ich mich und warte auf meine AHB, die am 24. Oktober beginnen wird. :-)


    LG
    Milli

  • Hallo Milli, danke für Deine Geschichte,das macht Mut,selbst Entscheidungen zu treffen! Gerade bei der Krebserkrankung lassen wir uns oft viel zu schnell vom ersten Arzt überzeugen.Es freut mich,das es Dir schon wieder so gut geht!Ich wünsche Dir eine schöne und erfolgreiche AHB!
    Laß mal wieder etwas von Dir hören -wir lieben Erfolgstories :thumbsup:
    Liebe Grüße Annemone

  • Danke für die lieben Antworten.


    Ja, mir ging es so, dass ich nach meiner 2. Diagnose Zervix Ca auch gegoogelt habe und eigentlich nur schreckliche Geschichten gelesen habe, es waren immer irgendwelche Neben- und Nachwirkungen, die mir Angst gemacht haben.
    Mein erster Arzt hat mir ja auch gesagt, es ginge nicht anders, das seien eben die Leitlinien, da müsse ich durch. Ich könne es lassen, dann hätte ich vielleicht Glück, aber vielleicht würde ich dann früh sterben. Das wollte ich nicht so stehen lassen, ich habe ja nur diesen einen Körper, und es ist MEINER.


    Nun bin operiert, mittlerweile sind 4 Wochen seit der OP vergangen, mir geht es gut, die Nachsorge sieht auch gut aus, ich habe immer noch keinerlei Einschränkungen, kein Wasser in den Beinen, eigentlich fühle ich mich wie vorher, nur etwas schlapper, was ja klar ist. Mein Fatique von der Bestrahlung ist ja auch noch da.


    Die Psyche meldet sich noch nicht, davor hatte ich auch Angst, wie es wohl ist, so ohne Gebärmutter und Eierstöcke. Aber ich bin wohl erst einmal so glücklich, dass ich einen so tollen Arzt gefunden habe, dass man von außen an meinem Bauch nichts sieht (bin ja doch trotz Erkrankung eitel 8) ). Dadurch springt mir das auch nicht so ins Gesicht. Die Narbe an meiner Brust ist auch toll, das hatte ja ein anderer Arzt gemacht, meine Brust hat noch dieselbe Form wie vorher. Und da sie vorher immer etwas größer als die andere war, hat sich das jetzt ausgeglichen.


    Ich freue mich schon auf die AHB in zwei Wochen, schön an der Ostsee ...


    Falls jemandem so eine OP bevorsteht oder Ihr Fragen zur einer Zweitmeinung habt, da gibt es nämlich eine ganz tolle Einrichtung, dann schickt mir gerne eine PN, denn da es mir so gut ergangen ist, möchte ich auch gerne helfen.


    Liebe Grüße
    Milli

  • Liebe Milli,
    es freut mich sehr, wie gut Du alles überstanden hast. Ich bin auch gerade auf der Suche nach einer zweiten Meinung zur bevorstehenden OP.
    Habe exakt dieselbe Diagnose wie Du. Bis vor kurzem war es noch eine (hohe) Krebsvorstufe, jetzt allerdings nach Konisation ist klar, es ist Krebs.
    Diese Nachricht ist wohl für jede niederschmetternd und ich habe auch viel über die Nebenwirkungen und Spätfolgen der Operation gelesen, die natürlich Angst machen. ;(
    Besonders habe ich Angst bezüglich der Folgen der Bestrahlung. Wie ging es Dir damit? Hast Du neben Fatigue auch andere Nebenwirkungen gehabt? Da mein Lebenspartner
    auch Bestrahlungen (im HNO Bereich) hatte, weiß ich, was das mit seinen Schleimhäuten gemacht hat. Wurdest Du beim Zweitgespräch über die TMMR OP-Methode
    aufgeklärt? Die ja, wenn man sie konsequent durchführt, alle Lymphknoten entfernt, dafür aber auf die Bestrahlung verzichtet. Meine derzeitige OP-Planung ist irgenwie
    so ein Kompromiss aus nervenschonender Operation und Wertheim OP. Ich habe viele Fragezeichen! :?: :?: :?:
    Gern würde ich auf Dein Angebot zurückkommen und mehr über Deine Behandlungsmethode, die ja so super bei Dir geklappt hat, erfahren.
    Bin für alle Tipps und Erfahrungsberichte dankbar. Auch wie das generell so abläuft mit der Einholung der zweiten Meinung.
    Bis auf meine Diagnose habe ich eigentlich nichts vorzuweisen. Keine bildgebenden Verfahren, etc.
    Ich schreibe Dir jetzt mal eine PN und würde mich sehr über eine Antwort freuen.


    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und weiterhin viel Kraft, Mut und einen guten Heilungserfolg. :thumbsup:


    Liebe Grüße Tulip

  • Liebe Tulip,


    ich schreibe Dir gleich eine PN.


    Zum allgemeinen Verständnis: ich wurde wegen des Gebärmutterhalses nicht bestrahlt. Die Bestrahlung hatte ich wegen meines Brustkrebses, vier Wochen lang. Eine Woche später wurde ich wegen des Gebärmutterhalses operiert.
    Bei der Bestrahlung hatte ich Fatique, Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen, letzteres ging dann schnell weg. Fatique blieb noch eine Zeit. Meine Haut hat das gut mitgemacht, nur ein Zwiebeln in der Brust, das habe ich zwischendurch immer noch ab und zu, sei aber normal sagen alle. :-)


    Meine erste Nachsorge vor einer Woche war auch top. Habe irgendwie auch keine Angst, was ich für mich gut finde.


    Liebe Grüße
    Milli

  • Ihr Lieben,


    nachdem bei mir ja alles so gut verlaufen ist, fange ich jetzt mit Spätschäden an.
    Ich hatte ja schon gleich eine taube Stelle am rechten Oberschenkel, aber damit konnte ich leben, jetzt fängt aber das Bein an, wehzutun, manchmal zieht es bis in den Fuß, und dann kann ich kaum laufen. dass dieses passieren kann, wurde mir vorher gesagt, aber ich habe nicht mehr damit gerechnet. Zudem wird dann auch mein rechter Oberschenkel ganz dick.
    Ich glaube, das kommt, weil ich jetzt wieder 8 auf meinem A... sitze, vorher war ich ständig in Bewegung.


    Das alles wäre ja nicht so schlimm, wenn die Ärzte mitspielen. ich war damit bei meiner Hausärztin, die ja alle meine Befunde kennt, die meinte, das habe sie noch nie gehört, dass man bei Brustkrebs ein dickes Bein bekomme, das müsste dann doch der Arm sein. :cursing:
    Ich sagte, dass ich aber doch außerdem eine radikale Gebärmutterentfernung hätte, bei der eben auch Wächterlymphknoten entfernt worden sind, und dass es schon sein kann, dass ein Nerv geschädigt worden ist.


    Widerum meinte sie, das könne nicht sein, ich müsse wohl einen Bandscheibenvorfall haben, ob ich denn öfter Rückenprobleme habe. Hatte ich noch NIE!!!


    Dann schrieb sie mir auf Druck erst einmal eine Lymphdrainage auf OHNE mich zu untersuchen, obwohl ich es ihr zeigen wollte.
    Später beim Physiotherapeuten habe ich erst genau auf die Vorordnung geschaut, da steht nun: Lymphoedem Stufe 2, Hallo??? Die fragten dann gleich nach meinen Kompressionsstrümpfen. Ich war sehr verdattert. Allerdings waren die schlauer, die haben dann bei meiner Ärztin angerufen, die meinte, dass sie die hohe Stufe reinschreiben musste, damit das genehmigt wird.
    Ihr war nicht klar, dass das eben auch prophylaktisch gemacht werden kann nach meiner Diagnose.


    Nun wusste ich schon aus dem Krankenhaus, dass ich nie ein richtiges Lymphoedem entwickeln werde, dass es aber sein kann, dass die Lymphr kurzfristig mal verrückt spielen kann, auch nach einem halben Jahr, weil die Bahnen dann wieder ihre Wege suchen, und selbst, wenn nur ein Lymphknoten weg ist, es mal ziepen und schwellen kann.
    Hatte ich am Arm auch, ging dann weg, aber ich laufe ja nicht auf den Armen, insofern war der Schmerz aushaltbar.


    Dass es mit dem Sitzen zu tun hat, wurde mir bewusst während meiner Eingliederung, drei Tage arbeiten, am letzten Tag konnte ich nur noch humpeln. Vier Tage frei, ab dem zweiten Tag keine Schwellung , Schmerz ging weg.


    Meine Gyn. will mir auch nur andauernd eine Darmspiegelung aufdrücken, weil. O-Ton: " ... es sehr wahrscheinlich sein kann, dass Sie dort auch noch was haben!"
    Ich bin im Krankenhaus von oben bis unten untersucht worden und krebsfrei entlassen worden.
    Außerdem wirkt sie sehr unsicher in Bezug auf Onkologie. Sie ist supernett, aber eben unsicher.


    Dummerweise hat mein toller Professor keine Praxis, er ist Chefarzt in der Klinik, d.H. ist jetzt auch nicht mehr zuständig für mich.


    Das Blöde ist, dass ich ja schon im Rahmen meiner Diagnosen seltsame Ärzte an der Hand hatte, dass ich neu gesucht habe. Diese Gyn. hatte mir eine Schwägerin empfohlen, sie ist sicher eine gute Gynäkologin, aber eben für andere Erkrankungen oder auch Schwangerschaften.
    Im Moment habe ich keine Kraft, wieder von vorne anzufangen, obwohl ich müsste.


    Ich stehe jetzt wieder voll im Berufsleben, das macht mir auch wieder viel Spaß, bin aber auch noch schneller erschöpft als früher. Und ich habe im letzten Jahr so viel Zeit bei Ärzten verbracht, dass ich kaum die Energie habe, schon wieder zu suchen, mich wieder zu erklären.


    Was ich außerdem merke: Im ganzen letzten Jahr habe ich bis auf ein paar Mal eigentlich nie meinen Humor verloren, ich fühlte mich trotz allem recht stark, aber jetzt, wo mich der Alltag wieder hat, da merke ich erst, wie furchtbar das letzte Jahr war. Ich habe keine Angst, dass der Krebs wiederkommt, ich habe manchmal Angst, dass mir alles zu viel wird.
    Ich brauche so unendlich viel Ruhe.


    Ich kann das schwer in Worte fassen. Mir geht es die meiste Zeit gut, aber dann kommen auf einmal grundlos Momente, da könnte ich nur weinen. Und dann ist es wieder vorbei.


    Ich musste das mal aufschreiben.


    Liebe Grüße
    Milli

  • Hi Milli :-)
    Oh man, Spätfolgen braucht echt kein Mensch!
    Das Rezept für die Lymphdrainage ist sicher ne gute Idee u nützt best, ich gehe ja weiterhin 1x pro Woche hin, ist eigentlich ganz angenehm, ist bei mir mittlerweile auch mehr prophylaktisch, komme jetzt ganz gut "mit ohne" Lymphknoten zurecht. Was mir aber auch echt nützt, das wäre evtl auch was für dich, wenn du in der Arbeit lange sitzen musst, ist meine Kompressionsstrumpfhose. Ich bin damit jetzt auch nicht mehr so genau u lass sie oft weg, nur wenn ich den ganzen Tag sitze/stehe zieh ich sie an u beim Sport natürlich. Anziehen geht zwar echt schwer, aber angezogen fühlt das sich echt gut an.
    Ist auch echt nervig, wenn man sich dann noch mit Ärtzen rumärgern muss...aber du machst das schon richtig u setzt dich durch! Der Hausarzt hätte eh kein Problem wg Kosten der Rezepte, da wir behindert sind, fallen wir in ein anderes Budget. Die können dann quasi alles, was wir wollen, verschreiben!
    Das glaube ich dir, dass du weder Kraft noch Lust hast, die einen neuen Gyn zu suchen. Ich war bis diese Woche ja sogar komplett ohne Gyn. Aber ich kann ja nicht mit allem, zB auch Vorsorge, zu meinem Prof rennen, der macht ja schon ausnahmsweise meine Nachsorge. So hab ich mich dann mal aufgerafft u bei den anderen in den örtlichen Selbsthilfegruppen nachgefragt, wo die so hingehen. Ein "normaler" Gyn hilft in unserem Fall wahrscheinlich echt nicht, wie du schon schreibst...ich wollte zudem zu meiner nicht mehr, weil mir mehrere Ärzte unabhängig voneinander gesagt haben, dass sie meinen Tumor definitiv aller aller spätestens bei der letzten Vorsorge (5 Monate vor Diagnose) hätte sehen müssen! Naja...dumm gelaufen halt, trotzdem hatte ich ja Glück :-) Ich gehe jetzt in eine Onko-Gyn-Praxis. Fühle mich da auch sehr gut aufgehoben u kompetent behandelt. Der Aufwand da zu suchen, lohnt sich bestimmt!
    Ich habe auch oft das Gefühl Ruhe zu brauchen, bin einfach nicht mehr so belastbar wie früher, werde schneller müde (auch im Kopf), das nervt mich dann u es geht mir noch schlechter...echt ätzend, ich hasse langsam u Geduld habe ich auch nicht, ganz besonders nicht bei mir selbst...
    Das es bei dir auch zwischendrin so ungute Monente gibt, ist völlig normal, ich denke das kennen Alls hier. Manchmal muss aber auch weinen u schwächsten dürfen. Ich fürchte mich im Moment schon sehr vor dem Beginn der Wiedereingliederung...
    Ich hoffe dir geht es bald wieder besser!
    Liebe Grüße
    S.

  • Liebe Milli,


    nachdem ich das hier von Dir gelesen habe, kann ich Dir nur sagen, dass ich all das auch hatte und teilweise bis heute noch damit rummache. Ich habe nach der Entfernung meiner Eierstöcke am linken Oberschenkel bis hoch zur Hüfte eine taube und zugleich stechend schmerzende Stelle gehabt. Die Ärzte im Krankenhaus sagten unisono: In drei bis sechs Monaten geht das wieder weg. Und nach den Operationen + der Radio-Chemotherapie könne ich genauso weiterarbeiten wie vorher. Das war im Mai 2012. Die taube Stelle ist zwar nur noch handgroß, aber sie ist taub und manchmal brennt es darunter wie Feuer. Zeitgleich fing bei mir damals mein linkes Bein an, derartig zu schmerzen, dass ich nach ca. 30 Minuten nicht mehr laufen konnte, so doll hat es weh getan und ich musste mich hinsetzen. Ich bin über ca. anderthalb bis Jahre mit diesem schmerzenden Bein herumgelaufen; im Krankenhaus schickte man mich zig Mal zur Doppler-Untersuchung, weil eine Thrombose vermutet wurde. Es war aber keine. Das letzte Mal hatte ich im Sommer 2015, also vor knapp zwei Jahren dieses schmerzende Bein und bin wieder im Krankenhaus mit Verdacht auf Thrombose gelandet. Wieder Fehlanzeige. Der Arzt, der mich untersuchte, hat auch endlich mal das Wasser, sprich das Lymphödem mittels Ultraschall dokumentiert. Ich habe seit meiner Eierstockentfernung ein Lymphödem, das bis heute geblieben ist. Auch hier ist glücklicherweise eine Verbesserung bei kühlerem Wetter und durch Lymphdrainage, wann immer ich sie benötige und durch meine Kompressionsstrumpfhose erreicht. Meine Empfehlung: Lass' Dir eine Kompressionsstrumpfhose nach Maß und flachgestrickt anfertigen, die von den Zehen bis unter die Rippen geht. Es ist zwar der Hammer, dieses Teil anzuziehen, aber man lernt es und mit Gummihandschuhen geht das irgendwann ganz fix. Ich empfinde es immer wieder als Schutzpanzer und erreiche meine alte Figur. Es ist auch eine prima Lymphdrainage, ich gehe damit manchmal bewusst spazieren, um das Wasser aus den Beinen zu bekommen.


    Auch Deine Probleme mit dem Sitzen kenne ich zur Genüge, ich konnte anfangs nach der Wertheim-Meigs-Operation gar nicht mehr sitzen, weil ich diese Amputation hinter mir hatte (stark verkürzte Scheide) und gleichzeitig das Lymphödem und das ganze im Sommer bei großer Hitze. Alles schwoll an und auch Monate später hatte ich immer Schwierigkeiten mit längerem Sitzen, weil alles abgeklemmt wurde und ich sechs bis acht Stunden brauchte, um die Schwellungen an Unterleib, Schamhügel und den Beinen wieder wegzubekommen. Das Fleisch wurde auch total wabbelig. Diese Schwellungen treten bis heute auf, ich vermeide ohnehin längeres Sitzen, stehe öfter auf und lege mich mittags hin, weil es ungeheuer entlastet. Auch längeres Stehen führt sofort zu Schwellungen und das Ödem springt wieder an.


    Und zu guter Letzt: Du hast ja selber zu der Zweitmeinung geraten - auch wenn es Dich zusätzlich zu Deiner Diagnose, Deinen Operationen und Therapien belastet, ich würde die Suche nach richtig guten Ärzten niemals aufgeben, das darfst Du nicht tun, es gibt wirklich gute Ärzte und Ärztinnen, aber sie sind eher selten. Ich habe einen krassen Verschleiß an Ärzten und Therapeuten, einfach deshalb, weil ich genau wie Du dachte, die haben keine Ahnung. Ich habe mittlerweile für mich festgestellt, dass ich in der Regel zu 5 -6 Ärzten gehe, bis ich einen finde, der mir erstens zuhört, zweitens Ahnung von der Materie hat und drittens willens ist, mir zu helfen. Das ist auch Dein gutes Recht und selbst wenn es Dir im Moment zuviel ist, solltest Du es nicht aufgeben, denn es lohnt sich auf lange Sicht in guter Behandlung zu sein und eben auch Unterstützung und Ansprache zu haben.


    Was mir sehr nahe geht ist, das Du grundlos weinen musst. Das kenne ich auch, und es ist nicht grundlos, es ist völlige Überlastung, seelischer und körperlicher Stress und Schmerz. Das ist für mich immer völlig in Ordnung gewesen, weil das Weinen für mich ein Ventil war und ist. Ich habe auch gemerkt, dass ich die ganzen Wechseljahresprobleme bekomme: Weinkrämpfe, Stimmungsschwankungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen etc. Seit Ende 2013 mache ich eine Hormonsatztherapie und seither geht es mir deutlich besser und meine Weinkrämpfe haben nachgelassen. Außerdem glaube ich, zumindest für mich, dass man erstmal guckt, wieder körperlich fit zu werden und dann kommt der seelische Stress hinterher. Ich war ab 2014 (also fast zwei Jahre nach den Operationen und der Radio-Chemo-Therapie) ein Jahr in ambulanter Psychotherapie und habe auch eine stationäre Psychotherapie gemacht, weil ich nicht mehr konnte. Das war hart und schmerzhaft, ein Eingeständnis, dass es nicht mehr so geht wie vor der Diagnose Krebs, aber diese Therapie hat sich für mich gelohnt, weil ich darüber vieles verarbeiten und verheilen lassen konnte.


    Ich wünsche Dir alles Gute + neue Kraft + Energie,


    viele herzliche Grüße aus Berlin,


    123

  • Ihr Lieben,


    danke für eure lieben Antworten.


    Bei sind es ja nicht beide Beine, sondern nur das eine. aber seit ich das hier aufgeschrieben habe, habe ich keine Schmerzen mehr im Fuß. 8) Muß ich aber dennoch abklären lassen.
    Am meisten hatte mich geärgert, dass die Ärztin mir einfach was aufgeschrieben hat, ohne mein Bein anzuschauen.


    123 , wenn ich deine Geschichte höre, dann denke ich, dass ich auf hohem Niveau jammere, denn so schlimm ist es bei mir nicht. Ich habe Anlaufschmerzen, welche sich geben, wenn ich länger laufe. Und ich habe auch nur den einen Oberschenkel etwas dicker, wenn ich länger sitze. also nicht das gesamte Bein. Das möchte ich einfach abgeklärt haben. Gestern konnte ich sogar wieder sitzen, ohne dass ich es gemerkt habe. Ich tippe ja noch immer auf eine Nervengeschichte, denn ich dürfte eingetlich keinen Lymphstau haben, da ich nur zwei Lymphknoten weg habe.
    Und ich hatte ja auch keine Bestrahlung, o.ä.
    Stehen kann ich übrigens sehr gut, ohne dass was passiert. Überlege schon, mir eine verstellbaren Arbeitsplatz verschreiben zu lassen.


    Aber ich fühle mich schon wieder mutiger, muß ich auch, denn morgen habe ich meine erste Mammographie-Nachsorge, bißchen mulmig ist mir schon.
    Nächste Woche dann die zweite 1/4 jährliche Nachsorge bei meiner Gyn., der werde ich das mit dem bein auch noch einmal erzählen.


    Und wenn ich diese beiden Untersuchungen hinter mir habe, dann gehe ich mal auf die Suche nach neuen Ärzten, versrochen. :thumbsup:


    Danke, dass ihr so da seid.


    heute besser gelaunt,


    eure Milli

  • Liebe Milli,


    das finde ich gut, dass es Dir doch besser geht. Außerdem wollte ich hier noch eines klarstellen: Meine Beinbeschwerden traten direkt Ende Mai 2012 nach minimalinvasiver Entfernung der Eierstöcke auf - die Bestrahlung des Unterleibes fand deutlich später, nämlich Anfang August 2012 statt. Diese Schmerzen in den Beinen haben offenbar recht viele Frauen nach solchen Eingriffen, woran das jetzt auch im Einzelnen liegen mag.


    Was das Lymphsystem angeht, hat mir meine Physiotherapeutin mal erklärt, dass wohl nicht die Anzahl der entfernten Lymphknoten relevant ist, sondern der Eingriff ins Lymphsystem an sich. Jeder Mensch hat die Lymphknoten unterschiedlich verteilt an den entsprechenden Regionen. Sprich: Auch wenn nur wenige Lymphknoten entfernt werden, kann es zu Schwierigkeiten kommen.


    Weiterhin alles Gute,


    Grüße von


    123

  • Liebe 123,


    ich wollte Dich doch nicht kränken, ich habe nur gelesen, dass es Dir einfach viel schlechter geht als mir, deshalb habe ich gesagt, dass ich auch hohem Niveau jammere. 8)


    Natürlich kann es auch zu Schwierigkeiten kommen, wenn in das Lymphsystem eingegriffen wird, aber es ist doch allemal weniger anfällig, wenn nur z.B. 2 statt 30-50 Lymphknoten entfernt werden. Und mir sagte der Prof. ja auch, dass es zwischendurch mal zu Schwellungen kommen kann, nämlich dann, wenn das Lymphsystem sich wider "repariert". War bei meiner Brust auch so, aber die Angst ist ja erst einmal da.


    Seltsamerweise sind die Schmerzen weg, das dicke Bein auch, und ich hatte noch nicht einmal eine einzige Lymphdrainage. Nun hatte ich, auf Anordnung meiner Hausärztin schon eine Weile hochdosiert Vit. D eingenommen, 5000 I.E täglich. Mir waren die jetzt ausgegangen, hatte auch vergessen, mir neue zu besorgen, und auf einmal sind alle Schmerzen und Wassereinlagerungen weg. Eine Freundin von mir ist Heilpraktikerin und sie meinte, dass überdosiertes Vit. D gichtartige Schmerzen und Wassereinlegerungen machen kann. Jetzt bin ich mal gespannt.


    Liebe Grüße
    Milli

  • Liebe Milli,


    also ich bin überhaupt nicht gekränkt oder beleidigt, falls das hier so 'rübergekommen ist... Im Gegenteil, ich profitiere hier im Nachhinein von Deinen Erfahrungen, da ich mich ganz oft bestätigt sehe. Außerdem, das hatte ich hier auch schon an anderer Stelle mal geschrieben, finde ich es völlig legitim, Schmerzen und Beeinträchtigungen zu thematisieren und auch daran zu leiden. Das Schmerzempfinden ist ja auch völlig unterschiedlich ausgeprägt.


    Was meine Klarstellung betrifft: Diese richtet sich eigentlich unterschwellig an die ganzen ÄrztInnen, die immer behaupteten, meine Beschwerden kämen allesamt nur von der Bestrahlung - tatsächlich bestanden sie aber schon lange vorher. Das war nicht auf Dich gemünzt, um das auch nochmal ganz klar zu sagen!


    Was ich äußerst interessant finde, ist Deine Bemerkung zu den Nebenwirkungen des hochdosierten Vitamin D. Auch ich nehme seit ca. vier Jahren Vitamin D3 in hochdosierter Form zu mir, nämlich einmal pro Woche mit 20.000 I.E. pro Kapsel. Auf jeden Fall werde ich das auch nochmal recherchieren, inwieweit das für meine Beschwerden zutreffen könnte - obgleich alle beteiligten Ärzte Bescheid wissen.


    Was mir bei meinen Beschwerden immer auffällt, ist diese Schwankung: Mal sind die Schmerzen völlig weg, dann tut es wieder an verschiedenen Stellen weh. Insgesamt bin ich trotzdem immer wieder erstaunt, wie sehr sich der Körper + die Seele doch erholen können. Es dauert nur so lange.


    Na ja, dann bis demnächst + weiterhin alles Gute,


    123

  • Liebe Milli,
    ich kann das was Du schreibst sehr gut nachvollziehen. Mir geht es auch so, dass ich denke meine "normalen" Ärzte sind mit mir und meinen Diagnosen überfordert. Sowohl was den Hausarzt betrifft, als auch die Gynäkologin. Und auch ich habe derzeit keine Kraft, mir andere Ärzte zu suchen. Will das zwar nicht aus den Augen verlieren, aber geht im Moment einfach nicht. Du hast schon recht, man muss wieder von vorne anfangen mit den Erklärungen. Und ich breche auch schnell in Tränen aus. Immer, wenn irgendwas nicht sofort klappt. Zum Beispiel eine Krankschreibung über die Osterfeirtage. Meine letzte Krankschreibung war ausgelaufen und ich sollte Karfreitag entlassen werden und erst mal abwarten, bis ich wieder rein komme. Somit hatte ich über die Feiertrage keine Krankschreibung. (Braucht man doch aber für Krankengeld, denke ich...) Na jedenfalls fühle ich mich dann immer gleich wie ein totaler" Psycho". Zumindest gehen die anderen dann so mit einem um. Ich finde es eigentlich nachvollziehbar, dass man mit Krebsdiagnose (oder auch 2 Krebsdiagnosen) einfach mal schnell überlastet ist. Auch die plötzlichen Wechseljahre können solche Heulkrämpfe auslösen, wie ich hier lese. (Hitzewallungen und Schlafstörungen habe ich ja auch prombt bekommen). Im Moment bin ich wie gesagt zuhause und warte auf die Ergebnisse meiner Lungenpunktion. Seit Freitag habe ich totale Schmerzen die vom Rücken in den Arm und bis zur Hand ausstrahlen. Meine Hausärztin, bei der ich gerade war meinte, da sollen die sich im Krankenhaus drum kümmern...
    Ich habe oft das Gefühl, dass mich Ärzte möglichst schnell aus ihrer Praxis raus haben wollen.
    Meine Beeinträchtigungen nach der Wertheim OP sind jetzt viel besser geworden. Bin den Blasenkatheter los, das klappt wieder fast normal. So ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel habe ich auch manchmal. Aber wenn ich über sowas reden will sagen die Ärzte: Sie haben doch ja jetzt wohl weitaus schlimmere Probleme..."
    Ich schreibe dass, weil ich dir sagen will: Du weinst bestimmt nicht grundlos!!! Ich finde das total nachvollziehbar dass einem die Kräfte irgendwann mal schwinden. Schön, dass es dir wieder besser geht.
    Liebe Grüße
    Tulip