Chemotherapie oder nicht?

  • Hallo,


    meine Frau ist 29, wir haben eine 8 Wochen alte Tochter. Leider wurde bei ihr kurz nach der Geburt Brustkrebs festgestellt.


    Sie wurde mittlerweile operiert. Der Tumor konnte mit großem sauberen Rand entfernt werden (brusterhaltend) und die zwei Wächterlymphknoten waren komplett frei (ein gutes Zeichen oder?)!


    Der Tumor ist hormonpositiv, G3, allerdings für G3 untypisch langsam wachsend (12% von irgendwas, weiß ich gerade nicht mehr). Der behandelnde Arzt ist/war sich deshalb unsicher wegen einer anschließenden Chemo (5 Wochen Bestrahlung und Antihormontherapie über 5 Jahre würde er auf alle Fälle machen). Es wurde jetzt ein Gentest durchgeführt (EndoPredict) bei dem das Risiko eines Rückfalls auf "höheres mittel" gestuft wurde. Der Arzt sagte uns, das mit Chemo das Rückfallrisiko um 50% verringert werden kann und so die Chance auf Heilung auf "gut über 90%" steigen würde. Er hat uns deshalb eine Chemo nahegelegt/empfohlen.


    Wenn ich das jetzt aber richtig verstehe (leider habe ich das erst nach dem Gespräch verstanden) ist die tatsächliche Steigerung der Heilungschancen ja nur ca. 5% mit Chemo! (Ich gehe davon aus, dass "gut über 90%" ca. 95% sind, folglich bleibt 5% Risiko. Wenn die Chemo jetzt die Heilungschancen um die Hälfte steigert, sind es ohne Chemo also 90% Heilungschancen oder irre ich mich da?) ?( ?( ?(


    Meine Fragen: Ist eine Chemo mit all ihren Nebenwirkungen dann sinnvoll (nicht nur während der Chemo sondern auch z.B. die Gefahr unfruchtbar zu werden auch wenn vorsorglich Gebärmuttergewebe entnommen wird)? Sind der Nutzten auf die Lebenserwartung gesamt zu sehen oder nur für einen kurzen Zeitraum? Wie wirkt sich eine Chemo auf die Lebenserwartung meiner Frau aus? Schädigt die Chemo da nicht mehr als sie nützt? Reicht nicht eine Bestrahlung und Antihormontherapie aus?


    Danke schon mal für eure Hilfe


    LG Madde

  • Hallo Madde,


    ersteinmal willkommen in unserem Forum.
    Das ihr beide zur Zeit nicht wisst wo euch der Kopf steht, können wir alle nachempfinden. Da wolltet ihr nur für eure Tochter da sein und müsst euch nun mit dem Sch....krebs rumschlagen.


    Bei der Frage Chemo ja oder nein, kann ich nicht helfen. Sich jetzt da mit irgendwelchen Prozenten rumzuschlagen hilft euch nicht viel. Eine Zweitmeinung ist da immer gut. Hier wird oft auf den Krebsinformationsdienst verwiesen, da werdet ihr alle Fragen los.


    https://www.krebsinformationsdienst.de/


    LG


    Kalinchen

  • Hallo Madde!


    Bei mir wurde Mastektomie gemacht, ich habe G1 und bin jetzt mitten in der Chemo, weil mein Krebs ein aggressiver Krebs, der Metastasen bildenk ann, ist.
    Bei mir wurde auch 2 Wächter entfernt, Gott sei Dank frei und die Ärztin meinte, 90%, dass ich rechtzeitig operiert wurde.
    Aber...wegen 10% wurde mir trotzdem Chemo empfohlen und ich habe keine Minute überlegt: ich will mir nicht später Vorwürfe machen, dass ich die Chance gesund zu werden oder zumindest länger zu leben verpasst habe.


    LG

  • Herzlich willkommen hier im Forum und herzlichen Glückwunsch zu Eurer kleinen Tochter . Das ist ka echt Mist , da seid ihr gerade Eltern geworden und schon müsst ihr Euch mit dem Thema Bruskrebs auseinandersetzen. Das ist ja alles ganz schön viel auf einmal. Es ist schon mal gut dass die Wächterlymphknoten frei waren . Die Entscheidung ob Chemo oder nicht , da kann hier keiner von uns gezielt zu-oder abraten . Der Arzt hat diese Entscheidung wahrscheinlich auf das Grading G3 und ,das junge Alter , und auf das Ergebnis des Endo Predict Testes gestützt. Es gibt die Möglichkeit Eierstockgewebe einfrieren zu lassen , aber diese Kosten muss man selber tragen . Die Cunktion der Eierstöcke kann mit Medikamenten ( GNRH -Antagonisten)still gelegt werden ( Ovarschutz) . Das wird meist bei jungen Frauen die noch vor der Menopause sind gemacht. Aber das können Euch die Ärzte nochmal erklären.Ihr könnt Euch wie Kalinchen schon schrieb eine zweite Meinung dazu einholen , entweder beim Krebsinformationsdienst oder in einem anderem Brustzentrum. Das Recht hat man , wenn das Euch helfen würde zu einer Entscheidung zu kommem .
    Wünsche Euch dass ihr zu einer sich gut anfühlenden Entscheidung kommt .
    LG und noch viele glückliche Momente mit Eurer kleinen Tochter,trotz allem
    alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Hallo Madde,
    Ersteinmal Herzlichen Glückwunsch zur Geburt eurer Tochter!


    Es tut mir wirklich Leid, dass ihr zu dieser iZeit noch solch einen SChicksalsschlag erleiden musstet.
    Prima, dass die Lymphknoten frei waren und deine Frau das Ding schon einmal los ist.


    Schön, dass du den Weg in dieses Forum gefunden hast.
    Der Krebsinformationsdienst ist in jedem Fall ein guter Tip!


    Ich bin 36 und deine Frau ist nun ja doch noch um einiges jünger als ich. Bei mir war es G2, KI 16%, auch horminpositiv. Auch meine Ärzte haben den Endopredict Test veranlasst und das Ergebnis glich wohl auch dem deiner Frau.


    ich habe bereits zwei Töchter und mich dazu entschlossen jedes Prozentchen Sicherheit das ich bekommen kann mit zu nehmen. So stecke ich gerade in der Chemo.


    Informiert euch, lasst euch beraten und trefft eure Entscheidung.
    Falls es euch eine Hilfe ist kann ich euch sagen, dass ich die Chemo bis jetzt wirklich gut vertrage und es mir wesentlich schlimmer vorgestellt habe.
    Meine Ärztin meinte, dass das ein kleiner Vorteil wäre den jüngere Patienten hätten. Der Körper könne einfach noch schneller regenerieren.


    Liebe Grüße und ein riesengroßes Kraft- und Mutpaket an deine Frau!


    Alena

  • Hallo Madde,


    auch von mir - gaaanz herzliche Glückwünsche zur Geburt eurer Tochter.


    Das dieses wundervolle Ereignis nun mit einer Krebsdiagnose zusammenfällt, tut mir sehr leid.
    Und das ihr Schaden und Nutzen der Chemotherapie abwägt, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es gibt leider noch nicht so viele Studien zu Langzeitfolgen von Chemo bei jungen Frauen. Aber Zweitmeinung, Krebsinformationsdienst... halt alles an guten Infos, was ihr kriegen könnt, um eine Entscheidung zu treffen, zu der ihr stehen könnt. Das ist echt nicht leicht, aber zusammen werdet ihr es schaffen. Ich wünsche euch alles Gute.


    Unter http://www.du-bist-kostbar.de/filme-schauen/video-1/ (der Beitrag über Jessica) findet ihr die Geschichte einer jungen Frau, die während der Schwangerschaft an Krebs erkrankte und kurz nach der Geburt ihres Sohnes mit der Chemo begann. Der Fall ist natürlich ganz anders als bei deiner Frau, aber vielleicht hilft es euch trotzdem, zu lesen und zu sehen, wie diese Familie mit der Erkrankung und den Folgen umgegangen ist.


    Liebe Grüße von der Jo

  • Danke für die Glückwünsche! Die kleine Maus ist tatsächlich eine super Hilfe und baut uns immer wieder auf, vor allem meiner Frau tut sie richtig gut wenn sie mal wieder down ist! :) :thumbsup:


    Wir haben heute nochmals mit unserem Arzt gesprochen und er hat uns aufgezeigt, dass die Chemo das Rezidivrisiko doch erheblich senkt. Außerdem haben wir die bisherigen Befunde mit einem anderen Onkologen durchgesprochen. Auch er war der Meinung das eine Chemo und anschließende Bestrahlung unbedingt Sinn macht und die Heilungschancen dann wirklich sehr gut stehen.


    Anfang nächster Woche steht dann eine Gewebeentnahme der Eierstöcke an, das dann zur Sicherheit eingefroren wird falls die Chemo zu Unfruchtbarkeit führen sollte. Die Kinderplanung wollen wir nämlich auf gar keinen Fall schon abschließen müssen!!!


    Meine Frau hat soweit ich das beurteilen kann den ersten Schock relativ gut überstanden und kümmert sich auch schon um eine Perücke, da wir eventuell schon Ende nächster Woche mit der Chemo starten, wenn die kleine ambulante OP gut verläuft. Allerdings bin ich mir relativ sicher, dass spätestens wenn sie die Haare dann tatsächlich verliert, sie ziemlich frustriert/wütend/deprimiert sein wird.


    Wie soll ich ihr da beistehen? ich kenne sie zum Glück meist nur glücklich und lebensfroh und war jetzt zum Teil schon ab und an überfordert wenn sie mal (verständlicherweise) traurig und vor allem wütend auf Gott und die Welt war! Könnt ihr mir da vielleicht einen Tipp geben? Den Film den jo23 vorgeschlagen haben wir/ich uns noch nicht angesehen, werden das aber bestimmt noch tun.


    Liebe Grüße und schon mal Danke!

  • Hey Madde,


    puh ja, der Haarverlust ist so eine Sache - kann aber unerwartet gar nicht so schlimm sein. Ich habe nie einen an meine "heiligen" Haare heran gelassen und hatte eine Riesenangst vor dem Tag, der unweigerlich kommen würde.


    Und dann hatte mein Mann diese verrückte Idee Frisuren auszuprobieren. Und wir hatten sehr viel Spaß dabei. Natürlich habe ich trotzdem noch Krokodilstränen geweint, als der letzte Schritt erfolgte, aber irgendwie war es im Endeffekt gar nicht so dramatisch.
    Guck mal hier, auf Seite 2: Haare, Glatzen, Kopfbedeckungen


    Was mir vor allem geholfen hat war, dass mein Mann weiter ganz natürlich mit mir umgegangen ist. Er hat mir das Gefühl gegeben, dass die Glatze irrelevant ist und ich trotzdem noch die bin, die ich immer war. Er hat mich sogar mit Glatze geheiratet ;) Es hat geholfen offene und ehrliche Gespräche zu führen. Auch von ihm aus, denn man ist nie alleine krank. Achte da auch gut auf dich.


    Für die Gewebeentnahme wünsche ich deiner Frau alles Gute. Ich war nur 2 Tage in der Klinik dafür und es war nur am ersten Tag doof, wurde dann aber schnell besser. Vielleicht liegen dann demnächst meine Eisbärchen neben euren ;)


    Alles Gute!
    Sonja

  • Hallo Madde,


    tja, wie geht man der Traurigkeit um? Das ist eine gute Frage und bestimmt nicht einfach zu beantworten. Denn jeder reagiert ja anders. Ich denke, es ist wichtig, dass du einfach für deine Frau da bist, ihr eine Schulter bietest, an der sie sich anlehnen kann. Mein Partner hat leider immer gleich sehr mitgelitten, was mich dann noch mehr runtergezogen hat. Wenn du kannst, gib ihr ein positives Gefühl. Oft braucht es auch gar keine Worte, nur ein Ohr, das zuhört.


    Was den Haarverlust angeht, habe ich selber keine Erfahrung. Ich hatte keine Chemo, sondern "nur" 18 Monate Interferon. Da sind die Haare zwar dünner geworden, aber nicht ganz ausgefallen.


    LG, Danka

  • Liebe Foris,

    diesmal geht es um einen Bekannten von mir. Er hat metastasierten Lungenkrebs. Der Tumor in der Lunge ist rausoperiert. Die Metastasen in Gehirn, Wirbelsäule und Oberschenkel wurden bestrahlt. Eigentlich war auch noch eine Chemo geplant. Aber jetzt wollen die Ärzte erst abwarten, wie die Bestrahlungen gewirkt haben. Das kann man erst in frühestens 6 Wochen beurteilen. Und selbst wenn dann noch/wieder kleine Metastasen zu sehen sind, würden sie noch abwarten und erst mal keine Chemo geben. Begründung: die Chemo hat Langzeitfolgen und brächte nur eine 8-10%ige Chance auf Heilung. Der Betroffene selbst ist ähnlich relaxed wie seine Ärzte. Sein Partner, mit dem ich befreundet bin, nicht so.

    Klar, muss der Patient am Ende selbst wissen, was er will. Aber mich beschäftigt die Frage: was würde ich in so einer Situation tun? Sind 8-10% Heilungschance wirklich so niedrig? Wäre es mir der Versuch nicht wert? Andererseits lege ich aufgrund meiner eigenen Krebserfahrung mittlerweile noch mehr Wert auf Lebensqualität als auf Lebensquantität. Wiederum andererseits kann auch ein Leben mit Chemo/ mit Chemofolgen immer noch wunderschön sein.

    War jemand von Euch mal in einer ähnlichen Situation? Wie seid Ihr damit umgegangen?

    Liebe Grüße

    Olivia

  • Liebe Olivia,


    nach der Krebsdiagnose war ich zunächst mal völlig durch den Wind.

    Glücklicherweise habe ich relativ schnell erfahren, dass keine "Eile" geboten ist. Die erste Ärztin wollte mich sofort operieren und hatte die Chemo auch schon geplant. Nach einem Wechsel in ein ein anderes Krankenhaus und zusätzlichen Untersuchungen, erfolgte dann die OP, aber ich kam um die Chemo herum.

    Der Oncotype fiel so aus, dass ich ein absoluter Grenzfall war. Und ich war froh, dass ich selbst die Entscheidung treffen konnte.

    Auch hier half mir die zweite Ärztin mit der Aussage: es gibt kein richtig oder falsch, da man nicht in die Zukunft schauen kann. Niemand weiss, ob mit Chemo kein Rückfall erfolgt, oder ob dies ohne Chemo der Fall ist.

    Und da auch eine Chemo nicht so ohne ist... Du sprachst ja schon von Lebensqualität...


    Ich glaube, die Entscheidung muss jeder für sich treffen. Und alle Personen sollten unterstützen aber nicht bevormunden oder drängeln.

    Ich fühle mich wohl mit meiner Entscheidung Gegenteil Chemo und bin sehr froh, dass mein Mann mich dabei unterstützt.


    LG
    Birgit

  • Liebe Olivia,

    ich würde mir in dieser Situation die Frage stellen, ob Heilung denn tatsächlich das Ziel ist, dass ich erreichen möchte. Man kann ja auch mit Metastasen noch gut und lange leben. Und vielleicht reicht es ja, wenn die Metas nicht weiterwachsen, und man spart sich den Stress mit der Chemo und deren Folgen.

    Ich denke, dass muss jeder für sich abwägen und entscheiden. Was letztendlich richtig oder am besten ist, weiß doch ohnehin keiner. Also muss man die Entscheidung treffen, mit der man selbst am besten leben kann.


    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)