Glauben Eure Kinder Ihr seid wieder ganz gesund?

  • Für mich hat sich mit der Diagnose vor zwei Jahren viel geändert, ich fühle einen deutlichen Druck, die Kinder zur schnellen Selbständigkeit zu erziehen, da ich nicht weiß, wie lange ich für sie sorgen kann. Meine Kinder sind 6, 11 und 13. Meine Kinder wiederum glauben ich sei geheilt, und dieses Gefühl will ich ihnen natürlich möglichst lassen. Wie ist das bei anderen Müttern mit Kindern zwischen 5 und 15? Wäre dankbar für einen Austausch.
    LG Schneeglöckchen

  • Hallo Schneeglöckchen,


    ich bin noch nicht so weit wie du und habe auch nur "Leihkinder". Mein Patensohn (fast 11) fragt verschämt nach, ob es mir denn wieder besser ginge. Seine Schwester (9) wünscht mir immer noch "gute Besserung".
    Ich hoffe, dass ich für sie auch wieder gesund bin, wenn ich mit der Chemo durch bin.


    Lieben Gruß, kleiner Vogel

  • Hallo Schneeglöckchen,


    meine Situation ist etwas anders wie deine, da meine Kinder (27 und 29) schon außer Haus sind. Sie sind der Meinung, dass ich zur Zeit krebsfrei bin - was ja auch stimmt und hoffen mit mir, dass er nie wieder kommt.


    Zur Selbsständigkeit erziehen gehört zum Erwachsen werden dazu und nicht weil du wieder krank werden könntest.


    Ich war 12 als meine Mutti an Krebs erkrankte, unser Leben ging genauso weiter wie zuvor. Sie starb als ich 17 war und darauf kann man nicht vorbereitet werden.


    Genieße dein Leben mit deinen Kindern, denk nicht soviel, was wäre wenn und wir drücken uns alle gegenseitig die Daumen, dass der S...krebs nie wieder kommt.


    LG
    Kalinchen

  • Liebes Schneeglöckchen,
    meine Kinder sind 2,5 und 8 Jahre alt. Als die Diagnose kam, war ich nicht mehr in der Lage, sie an mich ranzulassen. Es war wie ein Prozess des Abschiednehmens. Aber ich konnte einfach nicht. Der Schmerz war zu groß. Und ja, auch ich wünsche mir, dass sie schneller selbständig werden, sich ein Stück weit abnabeln. Aber das ist Quatsch - ich habe mir damit viele wunderbare Momente kaputt gemacht und der Schmerz wird immer gleich bleiben, egal wie alt die Kinder sind fürchte ich.
    Alles Gute für Dich!

    Life's journey is not to arrive at the grave safely in a well preserved
    body, but rather to skid in sideways,
    totally worn out shouting "holy
    crap....what a ride".

  • Leider ist das nicht nur wenn die Kinder klein sind. Mein Sohn ist 18, bin alleinerziehend, zum Vater seit Jahren kein Kontakt mehr. Mein Sohn ist alterstechnisch wohl schon erwachsen, vom Gehirn her auch sehr weit, aber dennoch ist er noch nicht soweit, dass ich denke er käme allein gut zurecht. Am Anfang meiner Diagnose wollte ich unbedingt, dass er auszieht, dass er sofort selbständig wird, nach Chemo denke ich ich sollte die Zeit die ich habe mit ihm geniessen ( soweit das mit einem 18-jährigen Genuss ist) und ihn nicht von mir wegstossen sozusagen.


    Auch müsste er theoretisch alles regeln nach meinem Ableben, fast irrsinnig, da er soweit sicher nicht ist.


    Das traurige ist aber, dass wir in der Hinsicht keine Wahl haben, wenn es soweit ist, dann fragt uns niemand, und unsere Kinder auch nicht.

  • Liebe Schneeglöckchen,
    Meine Kinder sind 7 und 15.
    Momentan stecke ich noch in den Bestrahlungen. Aber dennoch: ja, meine Kinder denken ich sei wieder gesund! In den meisten Momenten denke ich das auch. Unser Motto ist, dass ich die Therapien zur Sicherheit bekomme. So hat es mein Arzt auch gesagt. Solange ich zu denen gehöre die geheilt sein könnten und mein Körper mir nichts anderes sagt werde ich versuchen meinen Kindern diese Unbeschwertheit zu erhalten.
    Beide wissen, dass es Krebs war. Beide wissen, dass Krebs nicht gleich Krebs ist. Und beide wissen, dass ich nun Krebsfrei bin.
    Liebe Grüße
    Alena

  • Ich hab einen 7-jährigen Sohn und ja er denkt das ich gesund bin. Was auch stimmt, auch wenn es mir nicht immer gut geht!
    Er wusste aber auch das ich Krebs hatte.
    Selbst wenn es nicht so wäre würde ich ihn in dem Glauben lassen weil ich nicht will das er immer mit der Angst
    leben muss das ich sterben könnte!
    Sollte es mal irgendwann soweit sein werden wir uns auch die Zeit nehmen für einen Abschied aber daran will und werde ich jetzt nicht denken!
    Man weiß nie was kommt aber ich will das er eine ganz normale und schöne Kindheit hat!
    Ich selbst hatte von klein auf immer Angst um meine Mutter. Sie hatte zwar keinen Krebs aber ihren ersten Herzinfarkt als ich 7 Jahre alt war mit 37!
    Konnt ich sie mal nicht erreichen hab ich mir immer gleich Sorgen gemacht!

    Das will ich für meinen Sohn nicht!

  • Danke für Euere Antworten und auch Erfahrungen, so unterschiedlich sie sind.
    Ich verderbe mir nicht die Momente mit den Kindern, und bin auch nicht dauernd am Abschied nehmen.
    Ich habe eher das Gefühl ich muss meine Kräfte einteilen, und es würde mich sehr entlasten, wenn ich das Gefühl hätte, zumindest der Älteste übernimmt selbst Verantwortung für seinen Schulkram (und der ist wirklich nicht ohne).
    Wenn ich lese, bei Kalinchen, dass deine Mutter fünf Jahre nach ihrer Erkrankung gestorben ist, dann denke ich automatisch - zwei sind schon rum, in drei Jahren wie alt sind sie dann?
    Ok, ich habe demnächst auch wieder Nachsorge, und davor ist es immer schlimmer, aber trotzdem - meine Unbeschwertheit ist dahin. Obwohl mein Alltag inzwischen wieder sehr normal ist.


    Natürlich sehe ich es genau so wie Ihr: es ist gut, dass sie keine Angst haben. Aber ich habe sie dennoch. Und fühle dadurch eine gewisse Zerrissenheit - eine Art Unehrlichkeit, weil ich das, was mich innerlich bewegt für mich behalten muss um meine Familie zu schützen. Selbst mein Mann ist da kein Ansprechpartner.
    Danke allen, die mir geantwortet haben und noch antworten...
    Liebe Grüße an diesem sonnig-klaren Wintertag.
    Schneeglöckchen


    P.S.@ kleiner Vogel: Was sind Leihkinder?

  • Liebes Schneglöckchen :P


    ich kann deine Gedanken, Sorgen und Ängste gut verstehen…. :hug:


    Ich wollte eigentlich nicht schreiben, denn es ist so gut wie alles geschrieben worden…
    Unseren Jungs haben wir die Unbefangenheit am Leben nicht genommen, wollten und sollten wir auch nicht!
    Es ist schon unglaublich, was Kinder spüren und wie stark SIE sein können…..


    Kinder fragen meist nach, wenn sie etwas spüren, vermuten, dann sollten wir ehrlich bleiben und
    kindgerecht antworten und nicht mehr….damit wir die Kinder nicht überfordern.
    Soweit meine / unsere Erfahrungen……


    Ich habe mich um-entschlossen, wegen deinem Satz: “ Wenn ich lese, bei Kalinchen, dass deine Mutter fünf Jahre nach ihrer Erkrankung gestorben ist,
    dann denke ich automatisch - zwei sind schon rum, in drei Jahren wie alt sind sie dann?"
    Ich bin erkrankt mit gerade 28 Jahren. Unser Großer war 3 Jahre und zum Zeitpunkt der Diagnose war unser Keiner 7 Mon. alt.
    Ich kenne all die Gedanken, Sorgen, Ängste und Zerrissenheit….
    Mittlerweile sind 29 Jahren vergangen, von der Erst-Diagnose und die Jungs sind Erwachsen und Selbständig :P
    Es gib eine ganze Menge Menschen, die lange lange mit dieser Diagnose leben und das auch GUT, trotz Rückschläge….


    Ich möchte dir jetzt nicht zu nahetreten, aber ich denke Gespräche mit Psychoonkologen, Krebsberatungsstellen,
    Gleichgesinnten (z.B. in Selbsthilfegruppen) würden dir gut tun…wie auch das Forum…
    Wir können gutes Handwerkszeugs an die Hand bekommen, womit wir genau diese Situationen besser bewältigen können.
    Ein Versuch wäre es WERT!


    Grüßle :) ika :)

  • Liebes Schneeglöckchen,


    ich wollte dir bestimmt keine Angst machen, weil der Krebs bei meiner Mutter wieder gekommen ist. Das war in den 80ziger in der DDR ohne Chemo, ohne Mammographie, ohne Ultraschall ohne Antihormontherapie. Das einzige was es damals schon gab waren Operation und Bestrahlung.


    Zur Selbsständigkeit wurden wir erzogen, nicht weil meine Mutter krank war, sondern weil es normal war. Schule mussten wir so gut wie alleine meistern. Meine Eltern waren in den 30zigern auf einer Dorfschule. Nichts gegen Dorfschulen, aber meine Mutter hatte zum Beispiel nur 4 Klassen. Im haushalt helfen war normal, da beide Eltern arbeiten waren, wir einen 600m² großen Garten hatten und meine Mutter sich noch um die Großeltern kümmern musste. Und trotz allem war ich nicht darauf vorbereitet, sie mit 17 zu verlieren. Selbsständigkeit brauchen die Kinder doch auch, wenn die Eltern gesund sind. Da einige nach der Schule eben nicht mehr zu Hause wohnen wollen oder können. Was ich dir damit sagen will, erziehe deine Kinder zur Selbsständigkeit nicht wegen deiner Krankheit, sondern für ihren eigenen Lebensweg.

  • Liebe Kalinchen, mach dir keine Gedanken, sowas denke ich einfach oft - aber danke für deine Ergänzung. Ich denke auch, dass die Antihormontherapie mir Aufschub gewährt. Und ika-ulm: dein Leben und Überleben ist natürlich für uns alle sehr tröstlich.
    Mit der Psychoonkologie- vielleicht würde mir da wieder mal ein Gespräch gut tun.
    Jetzt fahren wir erst mal zu einer Silvesterfreizeit in die Berge. Euch allen einen guten Rutsch und ein hoffentlich gesundes und optimistisches neues Jahr wünscht
    Schneeglöckchen

  • Liebe ika ♥,
    doch schreib ruhig immer mal wieder deine " Geschichte" sie ist so aufbauend und mutmachend das glaubst du gar nicht. :love: . Noch vergeht kein Tag an dem ich keine Angst habe wieder zu erkranken oder irgendwo anders im Kõrper was zu haben. Jeden Tag frage ich mich wie lange werde ich noch leben ?( . Ich hoffe es wird besser mit der Zeit und dabei helfen natürlich auch eure Erfahrungen und Erzählungen, die ein Låcheln ins Gesicht zaubern weil man sieht, das Leben kann auch noch lange weiter gehen :) .
    Danke dafür :hug: .

  • Hallo, ich bin alleinerziehend und habe 2 Jungs, 8 Jahre und 11 Jahre. Nach der Diagnose hab ich ihnen gleich erzählt das ich Krebs habe und Sterben kann jeden Moment 😥 Am Anfang haben die geweint, jetzt nicht mehr, mein großer sagt, wenn die Ärzte dir nicht helfen, finde ich die und bringe um😥 Ich bin nach der Diagnose sofort zu Notarin und Habe Testament und Sorgerecht Übertragung gemacht,möchte das mein Ex die Kinder nicht bekommt. Heute habe Papiere bekomem( muss viel BEZAHLEN) aber wichtig ist für mich das es so wird, wie im Testament steht. Ich bete jeden Tag, das lieber Gott mich nicht jetzt holt.

  • liebe Lana 79 ,


    Ich habe gerade deinen Betrag gelesen. Ich kann sehr gut verstehen, dass du Angst hast ,vorallem deine Kinder allein zu lassen. Aber wenn ich ehrlich bin, finde ich es nicht gut, deinen Kindern zu sagen, dass du gleich sterben könntest😔 natürlich sollten sie Bescheid wissen, dass Mama krank ist. Aber wenn ich mir grad vorstelle, wie sehr sie jetzt Angst haben ihre Mama zu verlieren, bekomme ich Gänsehaut. Ihr seid alle in einer Ausnahmesituation.

    Vielleicht gibt es eine Möglichkeit für euch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?! Kinder sind sicher stark aber die kleinen leiden auch unter dieser Situation und sollten damit nicht "allein" sein.


    Ich wünsche euch alles Gute 🍀


    LG 🌞

  • Hallo Lana 79 ,


    es schockt mich gerade auch, dass du das deinen Kindern so direkt gesagt hast, zumal deine Chancen auf Heilung wirklich sehr hoch sind, wenn du keine Metastasen hast. Wurde das schon gecheckt?

    Du solltest nochmal mit deinen Kindern reden und retten, was zu retten ist. In deiner Panik hast du ihnen große Angst gemacht.


    LG

    Anna

  • Soll man den Kindern wirklich falsche Hoffnungen machen? Ist das besser?

    Mein Sohn hatte nach paar Wochen etwas verstört gefragt, wann ich denn nun wieder gesund werden würde. Dass dieser Zustand Monate/Jahre so bleibt, lag außerhalb seiner Vorstellungskraft. Meiner ja auch.

  • Ich denke, man macht keine falschen Hoffnungen, wenn man das Thema Tod nicht erwähnt. Was man sagen muss, ist, daß man sehr krank ist und lange behandelt wird, daß es Nebenwirkungen gibt und welche (Haarausfall, Müdigkeit, etc.), daß die wieder weggehen (wichtig!). Genauso wichtig ist es, Fragen ehrlich zu beantworten, doch gleichzeitig so, daß die Kinder nicht überfordert und in Angst versetzt werden. Ich würde meinen Kindern nie die Hoffnung nehmen wollen, vor allem, wenn die Prognose gut ist.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Mein kleiner Sohn ist 9. Ihm habe ich gesagt, dass ich Brustkrebs habe, operiert werden muss und danach Medizin nehmen muss, die mich müde machen kann. Von meinen Metastasen habe ich ihm nichts gesagt. Solange ich damit keine Beschwerden habe oder besondere Behandlungen nötig sind, muss er davon nichts wissen. Wenn ich jetzt manchmal erschöpft bin, weiss er Bescheid. So läuft es ganz gut.

  • Meine Tochter hat mich konkret gefragt, ob man an Brustkrebs sterben kann. Bei einer 90%igen Wahrscheinlichkeit, dies nicht zu tun, wollte ich auf keinen Fall, dass sie diese Angst ertragen muss, zumal sie eh sehr sensibel ist. Ich wollte sie aber auch nicht anlügen und habe gesagt, dass man, wenn der Krebs nur in der Brust ist wie bei mir, nicht daran stirbt. Sollte es anders kommen, muss man dann eh ganz anders mit den Kindern sprechen. Aber der Tod der Mutter ist eine so unglaubliche Bedrohung, das würde ich in einer kurativen Situation erstmal nicht als Möglichkeit den Kindern kommunizieren, wobei es natürlich auch vom Alter abhängt.
    Lana 79 , ich würde mir da Hilfe suchen, es gibt Vereine, die mit Therapeuten Familien und Kinder unterstützen, Selbsthilfegruppen,... Dein Brustzentrum müsste Dir da Adressen geben können. Da kann man sich auch ohne die Kinder beraten lassen.