Hallo ...BK Patientin zu sein ist noch so unwirklich..

  • Hallo ihr Lieben,


    ich bin noch in einer seltsamen Stimmung, vielleicht geht es auch anderen so?


    Ich arbeite selbst in der Strahlentherapie und habe vor Weihnachten den Knoten selbst getastet. Dann ging alles ganz schnell: Diagnostik und OP kurz vor Weihnachten.


    Der Befund ist relativ gut wenn man das so sagen kann. Ist alles raus, Lymphknoten frei, keine Metastasen, hormonsensitiv und niedrige Zellteilungsrate... im Prinzip geht es mir sehr gut keine Schmerzen, seit ich Physiotherapie mache sind auch die unangenehmen Gefühle durch die durchtrennten Hautnerven im Oberarm besser geworden. Heilungsverlauf auch gut. Letzte Woche ging ich das erste Mal wieder arbeiten: 3 Wochen nach OP. Konnte nach 2 Tagen nicht mehr, war total müde.


    Irgendwie ist es total komisch, einerseits geht es mir gut, andererseits fühle ich mich wie in einem Film... dass ich demnächst bei uns selbst unterm Bestrahlungsgerät liege, ist auch so unwirklich... obwohl ich mich sonst nicht beschweren kann, wenn ich hier lese mit welchen Problemen viele von euch kämpfen, dafür mein großen Respekt...


    Glg simsti

  • Liebe simsti,


    schön, dass du dich hier angemeldet und auch ein wenig von dir erzählt hast. Herzlich willkommen hier in diesem schönen Forum!


    Was du beschreibst habe ich vor knapp 2 Jahren durchgemacht. (Außer, dass das bei mir nicht so eindeutig ohne Chemo abging). Damit meine ich dieses "Wie-im-Film"-Gefühl. Irgendwie funktioniert man, nimmt Arzt-Termine wahr ... Spult ab, was eben abzuspulen ist. ...


    Die Psyche (die arme) hinkt oft etwas hinterher. Und wird leider so gar nicht ernst genommen. ... nur schnell wieder funktionieren, arbeiten ... Schließlich ist es ja "nur" Brustkrebs und dann auch noch mit relativ guten Befunden. ...


    Nimm' dir die Zeit, die du für dich und deine Seele brauchst. Und die Strahlentherapie ist auch nicht ohne! Du denkst vielleicht, das sind ja nur ein paar Minuten pro Tag. Aber es macht halt doch etwas mit einem! Ich war immer total müde. Denk' bloß nicht daran, während deiner Bestrahlung auch noch arbeiten zu gehen!


    LG, Aurora


    P.S. Wie in einem Film fühle ich mich bezüglich meiner Krebserkrankung übrigens heute oft immer noch. Lenorfraumäßig.

  • Liebe Simsti,


    ersteinmal ein herzliches Willkommen in unserem Forum. Dieses Gefühl kennen wir hier bestimmt alle. Man will es eben nicht wahr haben, dass es einen getroffen hat. Das wird auch noch ne Weile andauern.


    Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber bist du nicht zu früh wieder arbeiten gegangen? Ich kann ja verstehen, dass du in dein gewohntes Leben so schnell wie möglich zurück willst. Aber durch die Erkrankung hat sich dein Leben nun mal verändert. Ich habe auch "nur" Brustkrebs. Meine Op war vor einen halben Jahr, körperlich geht es eigentlich ganz gut, aber seelisch ist es ein ewiges bergauf und bergab. Gönne dir einfach die Ruhe, die dein Körper und deine Seele braucht. Du hast es probiert mit dem Arbeiten gehen, wenn dein Körper aber schreit, dass es noch nicht geht, dann höre bitte auf deinen Körper.


    LG
    Kalinchen

  • Liebe Simsti,


    herzlich willkommen bei uns im Forum der Frauenselbsthilfe nach Krebs.


    Wenn ich Deinen Beitrag so lese, dann spüre ich, dass Du Deine Erkrankung gerne ganz rational angehen möchtest - denn Du hast ja "Erfahrung" mit Krebspatienten :) . Und gleichzeitig merkst Du dann doch, z.B. an der Müdigkeit, dass die Diagnose und die Therapie etwas mit Dir "macht". Vielleicht ist es gut, wenn Du Deinem Körpergefühl nachgibst und Dir ein bisschen Zeit gibst, um das alles zu verdauen. Und möglicherweise hilft Dir dabei ja auch der Austausch mit uns hier.


    Fühle Dich bei uns wohl und verstanden - und schreibe mit oder stelle Deine Fragen, wenn Dir danach ist.


    Ganz herzliche Grüssles



    Saphira

  • Hallo Simsti
    Ich bin hier auch noch recht neu und verstehe was du meinst. Ich fühle mich in so einer Art Trance und hoffe immer noch
    Das es ein übler Scherz ist. Auch für mich ist es schwer zu akzeptieren, dass ich krank bin, denn -ich hab die Behandlung
    Noch vor mir- ich spüre eigentlich nichts. Bis Freitag habe ich auch noch gearbeitet. Es hat mich abgelenkt, aber so richtig
    Effektiv war ich nicht und die ganzen arzttermine machten es auch nicht leichter, ich hatte auch drüber nachgedacht nach
    Der OP nochmal zu arbeiten bis der Rest losgeht, aber nun bin ich der Meinung, die Zeit doch lieber für mich zu nutzen und es
    Mir gutgehen zu lassen. Hab also kein schlechtes Gewissen wenn du nicht arbeiten kannst, ich arbeite auch gerade daran
    Mir das abzugewöhnen und hoffe dass ich das dann auch durchziehe.
    Liebe Grüße und viel Kraft
    Heideblüte

  • als mta in der radiologie zu arbeiten und zuzuhören oder oder dazuzugehören sind 2
    sachen.man ist geschafft von einer op,der arm kann dick sein...
    und seelisch ist man weg irgendwie.
    nicht leicht und auch als mta vieles zu wisseen hilft da begrenzt.
    ich hatte keine radio,chemo stattdessen.
    gebe dir zeit !

  • @ Farina: Ja da hast du wohl Recht. Aber das mit dem Zeit geben ist so eine Sache. Ich liebe auch meinen Beruf, daher ist es eher komisch für mich zu hause zu bleiben. ich habe auch nicht den Drang mein Leben grundsätzlich ändern zu wollen. Außer endlich mal mehr Bewegung in mein Leben zu bringen, da ich die letzten Jahre den Sport sträflich vernachlässig habe und nun von mehreren Seiten die Empfehlung kam, dass gerade gegen die Müdigkeit viel Bewegung an frischer Luft gut sein soll...wenn da nur der innere Schweinehund nicht wäre :-).



    @ Heideblüte: Ja das ist ja das fatale, dass es einem soweit ja gut geht. Dachte auch kann ja nicht wahr sein als ich das tastete, da bei uns in der Familie auch niemand diese Erkrankung bisher hatte, habe ich damit auch nicht gerechnet. Aber wegen des Hintergrundwissens, wie es sich anfühlte ging ich gleich am nächsten Tag zu Ultraschall und da war eigentlich schon klar dass es nichts gutartiges ist. Am schlimmsten war die Woche bis das Ergebnis von der Stanze da war. Etwas erleichtert war ich, als ich hörte, dass ich um die Chemo drum herum komme. Habe auch bis 1 Tag vor OP gearbeitet, die ganzen Termine liefen so nebenbei ab, Ich wollte so schnell wie möglich das Ding weg haben und dachte danach geht es mir wieder gut und der Alltag geht normal weiter. Vor der Bestrahlung hab ich keine Angst, dachte das mache ich so nebenbei beim arbeiten...aber irgendwie ist es doch noch nicht so wie zuvor. Wünsche dir auch viel Kraft, das mit dem schlechten Gewissen und dem abgewöhnen fällt mir wirklich richtig schwer, dazu kommt, da ich meine Job ja gerne mache und nicht zuhause bleiben mag...aber man unterschätzt die psychische Komponente wohl doch ganz schön..glg

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  • Ja Simsti,
    Ich glaube wir sind da sehr ähnlich. Ich würde auch gern weiterarbeiten, habe den Job vor fast 2 Jahren übernommen und
    Nun läuft es gerade gut.hab mich echt durchgebissen. Und nun das.
    Bei mir war es ziemlich überraschend. Ich hab zwar familiäre Belastung aber ich war in engmaschigem Vorsorgeprogramm
    Und dachte immer, wenn die was finden ist es klein, wird rausoperieert und es kann weiter gehen ohne das volle Programm.
    War dann im Dezember ganz entspannt zum Ultraschall und bekam zu hören da ist was. Leider wird es nicht so easy wie ich
    Immer gedacht habe. Ich Freunde mich gerade mit dem Gedanken an die Chemo an. War eben nochmal im Büro und musste
    Feststellen dass ich in den letzten Tagen echt nicht bei der Sache war. Hatte gestern Abend erstmals wieder eine Nacht
    Ohne Beruhigungsmittel, machen wohl doch ein bißchen dumm. Aber ich hab tagelang gar kein Auge zugekriegt und da fand
    Ich es für ein paar Tage o.k. Nachdem meine Hausärztin nochmal drauf hinwies.
    Das mit dem Sport klappt seit 3 Wochen bei mir ganz gut. Ich hoffe das hält an. Ich versuche meine Energie dort reinzustecken.
    Liebe Grüße und erfolgreiches "nicht-arbeiten" laß uns lieber sporteln
    Heideblüte

  • Liebe Heideblüte,
    ich verstehe dich gut! Nach 2 Jahren ist man meist gerade in seiner neuen Stelle angekommen und hat sich etabliert und dann dass...
    ich hab nun für mich die Lösung gefunden, dass ich erst mal meine Stelle auf 4 Tage die Woche reduziert habe und mit den Kollegen vereinbart habe flexibel zu arbeiten,
    so dass sie ihren Dienst nicht umstellen müssen, wenn ich spontan ausfalle oder ich auch mal 1 Tag von zu hause aus arbeite, wenn ich kaputt bin. So bin ich nicht ganz raus, aber auch nicht unter Druck, wenn es mir zuviel wird. Da ich auch in leitender Funktion bin, bleibe ich auch für Fragen, Probleme ansprechbar. Ich weiss nicht wie stark die die Chemo beansprucht, aber vielleicht geht ja irgendetwas in der Art.
    Ich finde es toll, dass du das mit dem Sport schon so gut hin bekommst! Das nicht arbeiten,lieber sporteln, versuche ich als Motto für 2017 umzusetzen :-) Zur Zeit mache ich noch 2x die Woche Physio, das tut sehr gut und der Physio meinte auch ich könnte nun auch wieder mehr machen, da die Beweglichkeit des Armes schon ganz gut ist....nun muss ich nur noch meinen inneren Schweinehund überwinden ;-)
    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du die Chemo Zeit gut hinter dich bringst und klar, wenn du tagelang nicht schlafen kannst, warum nicht mal was einnehmen, ich denke das ist doch ok.
    Liebe Grüße simsti

  • Hallo Simsti,
    Ja, sowas Teilzeit vom Homeoffice war auch meine erste Idee. Wollte mich aus akutem Tagesgeschäft raushalten und
    Die Sachen erledigen, die nicht sofort erledigt werden müssen, jetzt wurde für mich eine Vertretung von einem
    Anderen Standort geschickt und 2 Chefs geht nicht. Darüber hinaus hat sich nach nur einer Woche Abwesenheit
    soviel verändert (Team, Chef), dass ich beschlossen habe, beim Sport zu bleiben.
    Nun warte ich -mal wieder - auf Ergebnisse und hoffe, dass die Chemo dann endlich losgeht. Ich hab einen totalen Horror
    Davor, das wird sicher nicht besser, je länger ich warten muss. Je früher es losgeht umso schneller hab ich wieder
    Haare. Und umso eher kann der Port raus, der mich nach einer Woche immer noch ärgert. Mal eine halbe Stunde
    Ohne dieses permanente Spannungsgefühl wäre ein Traum.
    Sport soll ich derzeit nicht machen, muss allerdings aufpassen, denn der Arm der operierten Brust ist eigentlich recht
    Beweglich, der Portarm leider nicht. Ich ertappe mich dabei, den Arm zu hoch zu heben und dann zwickt es doch in der
    Achsel. Obendrein laboriere ich mit einer Erkältung rum. Also Schonung! Zum Glück habe ich meine Nichte, die mich
    Abzulenken weiß.
    Sobald ich das GO Kriege, Weihe ich meine neuen Laufschuhe ein! Hätte nie gedacht, dass ich mich mal auf sowas freue

  • Hallo,
    diesen Zustand, den ihr beschreibt, kenne ich auch zu gut...auch jetzt Ca 3 Monate nach meiner OP kommt es mir immer noch alles
    so unwirklich vor, so als ob es bei alle dem um jemand anderen geht, als ob ich quasi von außen zuschaue...krank gefühlt hatte ich mich
    bis zur Behandlung auch nie, es war bei mir total "hauruck" mäßig, bin abends nach ner Teamsitzung in der Arbeit zur Vorsorgeuntersuchung
    u lag keine 24h später am OP Tisch zur ersten Eingriff... Mein Chef ist derzeit zum Glück noch geduldig, ich hatte die neue Stelle gerademal
    3 Wochen vorher abgetreten, bin noch in der Probezeit u habe nur einen Jahrsvertrag. Habe diesbezüglich auch Angst vor der Zukunft,
    dass mein Vertrag nicht verlängert werden wird, kann ich mir ja denken...kann mir beim besten Willen im Moment weder körperlich noch
    psychisch vorstellen in absehbarer Zeit wieder arbeiten gehen zu können... Ich denke aber selbst wenn man sich gut fühlt, sollte man
    kürzer treten u sich eine Auszeit nur für sich selbst gönnen. Arbeit ist Arbeit- bei so einer Erkrankung geht es aber um etwas viel viel
    Wichtigeres- unser Leben! In dem Sinne euch allen ein gutes Durchhalten, lasst es euch so gut wie möglich gut gehen :-)!!!!

  • Hi Ilisweetie,
    Du hast es treffend formuliert. Aber es fällt natürlich schwer. Ich hatte zwischen dem Anruf "bösartig" bis zur OP 3 Wochen.
    Die habe ich - unter Zuhilfename von noch einigen Überstunden - dazu genutzt meinen Arbeitsplatz aufzuräumen und
    eine ausführliche Übergabe an meine Mitarbeiter vorzubereiten. Nebenher dann noch die ganzen Untersuchungen.
    Schlafen war nicht. Immerhin hat mich das abgelenkt und ich konnte relativ entspannt ins Krankenhaus gehen, da ich wusste
    Dass mein Team die Sache wuppen wird. Okay mit den zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen hatte ich nicht
    Gerechnet. Aber dank Schmerzmitteln raffe ich das eh alles zur Zeit nicht so richtig.
    Ich habe wie Simsti meinen Job immer gern gemacht und hab mich reingehängt wenn es nötig war. 9 to 5 war nie mein Credo.
    Aber das muss, will und werde ich nun ändern!
    Ich habe Freunde und Familie in den letzten 2 Jahren ziemlich vernachlässigt, das hole ich jetzt erst mal auf.
    Konzentrieren wir uns also erstmal auf das Projekt "Kampf dem Untermieter" und später sehen wir, wie unsere berufliche
    Zukunft aussieht. Wann immer sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Und wer weiß vielleicht gefällt es uns dahinter
    Viel besser
    Liebe Grüße
    Heideblüte