Ich kann nicht weinen

  • Hallo ihr liebe Forumsianerinnen,


    Anfang Juli letzten Jahres spürte ich den Knoten in meiner Brust und am 19.08. bekam ich dann die Diagnose Brustkrebs. Ich war wie vom Donner gerührt. Am 07.09. hatte ich dann meine brusterhaltene OP. Nach 5 Tagen war ich aus dem Krhs., die Brust sah auch gut aus und ich dachte noch "wie einfach" der Brustkrebs war. 3 Wochen später hatten ich einen Termin um die weitergehende Therapie zu besprechen. Dort wurde mir dann gesagt, dass bei der OP weitere Knoten entdeckt wurden, die sich leider als bösartige Knoten gezeigt hatten und mir nun eine subkutane Mastektomie bevorstehen würde. Das war eines der schlimmsten Gefühle meines Lebens. Ich dachte, jemand zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Einen Monat später wurde mir die Brust entfernt und ich hatte mich für ein Silikonimplantat entschieden. Ich bin da eher pragmatisch: Wenn ich schon aufgeschnitten daliege, kann man gleich wieder etwas einsetzen. Leider zeigte sich, dass ich Probleme mit der Wundheilung hatte. Ich wurde nach 13 Tagen mit der Drainage nachhause entlassen. Diese kam dann 3 Tage später raus. Bis dahin konnte ich noch mit allem ganz gut umgehen. Jetzt zeigte sich allerdings, dass die Wunde auf 6 Uhr (unterhalb der Brustwarze) nicht heilen wollte. Drei Monate lang hielt sich dort der Schorf, ich mußte ständig darauf achten, dass er mir nicht abreißt. Anfang des Jahres nun, lag er in meiner Wundkompresse und ich konnte aufs Implantat sehen. Unter dem Schorf ist nichts geheilt, gewachsen oder sonst was. Ich blickte auf das Netz, welches in der Brust lag. Die Wunde war Daumennagel groß. Mitte Januar mußte ich nun erneut ins Krankenhaus. Dort wurde mir nun aus Eigengewebe eine neue Brust geformt, die leider momentan (ich hoffe NOCH) nicht schön aussieht. Ich bin fassungslos, was sich in den letzten Monaten abgespielt hat. Trotz aller Traurigkeit und Ohnmacht kann ich nicht weinen. Schon einige Male hat mich das Gefühl überkommen zu weinen, nach 4 Sekunden war es wieder weg. Ich bin jemand, die immer ziemlich beherrscht ist und keine Schwäche zeigen will. In diesem Fall weiß ich allerdings nicht, ob es so gut ist. Aber ich kann nicht über meinen Schatten springen - ich kann nicht weinen, obwohl ich denke es würde mir gut tun.


    Tut mir leid, dass mein Post so lang geworden ist. Danke fürs Zulesen

  • Hallo Moira,
    ein herzliches Willkommen hier im Forum auch noch von mir.
    Ich glaube dass Dein ganzes "ich" noch in "Schockstarre" ist und gerade weil Du sonst immer beherrscht bist kannst Du, fast trotzig, noch keine Tränen zulassen.
    Die Diagnose und insbesondere wenn die Behandlung nicht so abläuft wie wir uns das wünschen stürzt viele in ein Loch und es bedarf großen Anstrengungen wieder "hoch zu kommen ". Aber, es geht und auch Du wirst es schaffen. Wir alle hier halten Dir dafür "die Leiter".
    Vielleicht kannst Du "alles ganz laut rausschreien", manchmal hilft auch das und danach werden sicher auch die Tränen kommen.
    Liebe Grüße
    Lisa

  • Liebe Moira,
    damit bist du nicht allein. Vielen von uns ging oder geht das so. Meine Diagnose war im Juni 2016 und ich weiß das ich es auch so hingenommen habe. Ohne Tränen. Ganz ganz lange und wenn dann mal ganz kurz und heimlich und schon gings weiter, einfach nur nach dem Motto Augen zu und durch, eine andere Alternative gibt es ja nicht.
    Geheult wie ein Schlosshund habe ich dann in der Klinik nach der Op, aber nur vor Schmerzen und soviel Unverständnis der Schwestern dort. Eben immer noch nicht wegen meiner Diagnose oder das ich meine Brūste nicht mehr hatte.
    Viele holen sich Psychologische Hilfe und Unterstützung. Leider gibt es bei mir keine Termine und zu wenig Psychologen, das ist für mich also auchnkeine Option. In der AHB hatte ich ein paar Gespräche, die mir gut getan haben. Aber im großen und ganzen muss ich das irgendwie selbst hinbekommen. Es geht auch, ob ich es verarbeitet habe, keine Ahnung. Viel weinen deshalb kann und konnte ich nicht, nur wenn meine Gedanken bei meiner Tochter waren, das sie gelitten hat und was sie alles für mich getan hat, dann kann ich weinen.
    Aber vielleicht mūssen wir das auch einfach nicht. Vielleicht verarbeitet das jeder anders. Was ich weiß, wir müssen unserem Körper und vor allem unserer Seele ganz viel Zeit dafür geben. Erst Schockstarre, dann Therapie und dann findet man vielleicht erst wirklich Zeit zum nachdenken und verarbeiten und einen Weg dafür zu finden.
    Bei dir ist das jetzt ganz frisch, da darfst du nicht zu viel von dir selber erwarten. Gib dir die Zeit und vielleicht hilft ja auch schon das du alles hier schreiben kannst, von der Seele schreiben, sozusagen. Wir hõren dir zu und sind da.
    Liebe Grüße Sylvi. :hug:

  • Hallo moira!
    Unsere Diagnosen haben wir ja fast zeitgleich erhalten. Auch meine war für mich ein Schock. Für jeden von uns ist es das. Da haben wir eine ganze Reihe von Tatsachen zu verarbeiten.
    Im Moment bin ich mitten in der Chemotherapie.
    Was ich dir sagen will, ist, dass auch ich noch nicht einmal über das ganze Drama weinen konnte, obwohl mir oft genug danach war. Warum das so ist? Ich weiß es auch nicht. Zerbreche mir darüber aber nicht mehr den Kopf. Denn ich denke, der Zeitpunkt ist einmal da. Wir sind nur ein bisschen gefangen, mit uns und unseren Gefühlen, die da manchmal Achterbahn fahren. Wir sollten uns die Zeit geben und nehmen, um in uns hinein zu fühlen und heraus zu finden, was uns in welcher Situation gut tut und uns gewähren lassen. Dein Körper sagt dir schon, was er will. Vertraue ihm! Vertraue dir!
    Das sag ich dir nicht von ungefähr, ich war und bin auch oft viel zu ungeduldig!
    Gruß, Consi

  • Vielen Dank für eure aufmunternden Worte. Ja, vielleicht verarbeite ich es anders. Das kann sein. Ich habe mich noch gar nicht nach einer psychologischen Betreuung umgesehen, finde es aber schade, dass das Angebot wohl nicht so groß ist, wie nötig. Ich hoffe, ich muss nicht darauf zurückgreifen. Ich bin jetzt seit September krank geschrieben, habe aber vor zu Anfang April wieder arbeiten zu gehen. Irgendwann dann in diesem Jahr will ich deine meine Reha machen. Dort werde ich dann auf jeden Fall, die psychologischen Angebote in Anspruch nehmen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass solche Sachen immer in mir arbeiten und dann - später - irgendwie ausbrechen. Ich hatte vor Jahren eine sehr gewaltsame Trennung und erst Jahre später eine Panikattacke, die ich als solches auch gar nicht erkannt hatte. Nochmals 2 Jahre später - ich hatte mich Folgen dieser Panikattacke zu kämpfen - fragte mich ein Arzt im Krhs ob ich Kummer hätte und als er hörte, dass das Jahre zurückliegt, meinte er dass die Seele manchmal ein bisschen länger bräuchte. Daraufhin sah ich ein, dass ich wohl Hilfe bräuchte.


    Ich habe Sorge, dass ich wieder in diesen Kreislauf komme. Aber ich habe ja jetzt euch, mit denen ich meinen Kummer besprechen kann. Ich glaube, dass ist schon eine große Hilfe. Vor allen Dingen; wer weiß besser wie man sich fühlt, als Betroffene selbst!

  • Heusse Dich erstmal willkommen hier im Forum , denn ich glaube das habe ich noch nicht getan . Ein Begrüssungsknuddler :hug: für Dich .
    Ich denke zu Beginn ist man/ Frau damit beschäftigt , erstmal zu funktionieren . Man hat keine Zeit um das tiefer in sich hineinzulassen , also sich ausgiebig mit der Diagnose Krebs zu beschäftigen. Ein Termin jagt den nächsten und für die Familie usw.will man ja auch noch so da sein wie vorher . Und wenn Du sowieso immer sehr gefasst bist , dann fällt das weinen umso schwerer . Mir ging es kürzlich ähnlich . Bin vor 10 Jahren an BK erkrankt. Nach erfolgreichen Behandlungen hatte ich lange Zeit Ruhe . Doch Ende vorigen Jahres erwischte mich der Krebs nochmal. Jetzt gegen Ende diesen Jahres kam immer was Neues hinzu und ich hatte überhaupt keine Zeit das alles so schnell zu verarbeiten. Immer musste ich zu irgendwelchen Terminen oder ins Krankenhaus . Erst dort , als ich längere Zeitin Ruhe da lag kam mir das alles zu Bewusstsein und ich musste dann
    recht oft aber nur kurz weinen . Jeder verarbeitet die Krankheit und das was damit zusammenhängt anders , auch braucht er dafür unterschiedlich
    lange . Ich finde es gibt dafür keine Normen , das muss so , oder so ablaufen . Nein , alles ist normal und es gibt kein richtig oder falsch . Alles nimmt seinen Lauf. Das einzige was man / frau machen kann ist , sich Unterstützung zu holen , sei es psychoonkologische , mit Anderen darüber sprechen , Selbsthilfegruppen oder hier darüber schreiben . Du machst es schon richtig . Jeder hat auch eine andere Sichtweise drauf und Du kannst für Dich das Richtige rausfinden. Auf jeden Fall erleichtert das Schreiben hier schon etwas . Lass Dir Zeit mit allem und mach alles Schritt für Schritt.
    Ganz liebe Grüße von
    alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Oh was für ein großer Mist nach 10 Jahren wieder damit zu tun zu haben. Das tut mir so furchtbar leid.


    Ich bin froh meinen Weg hierher gefunden zu haben. Ich danke euch schon jetzt dafür, dass ich mich schriftlich ausheulen durfte.

  • Hallo Moira,


    ich begrüße dich auch auf das herzlichste im Forum. Bin seit vergangenem Sommer hier registriert.
    Ich war auf der Suche nach Frauen mit Erfahrung einer Mastektomie und gleichzeitigem Wiederaufbau
    mit Silikonimplantaten.


    Wobei ich erwähnen muss, dass mir meine Gyn. im Herbst 2014 sehr intensiv den
    Rat gab mir prophylaktisch die Brüste entfernen zu lassen. Mütterlicherseits hatten wir eine große Zahl von Betroffenen
    zudem wurde in 2006 das BRCA 2 Gen bei mir festgestellt. Natürlich fühlte ich mich vom Glück gesegnet,
    bis jetzt noch nie eine Diagnose zu haben.


    Wenn ich deinen Bericht über die Wundheilungsstörung lese, kann ich von Glück sagen, dass ich n u r
    einen enormen Druck verspüre und ein äußerst unangenehmes "kralliges" Gefühl habe.
    In meiner Nähe wird den betroffenen Frauen die Möglichkeit angeboten auf dem Main in einer Mannschaft


    zu rudern. Ich glaube es ist sogar ein Drachenboot, falls nicht - hört es sich gut an.


    Wenn für dich die Zeit gekommen ist, halte Ausschau nach den Dingen und Möglichkeiten.
    Ich schließe jetzt, bin wieder total verspannt. Ein nicht ganz aufgeblasener Ball unter den Nacken gelegt
    hilft mit total zum Entspannen.


    Es wäre schön, wenn dir mein Roman ein wenig Mut gemacht hat.


    liebe Grüße

    Karin (Robbie, war mein Katerchen)