Wie geht ihr mit Euren Arbeitgebern um?

  • Hallo zusammen,


    ich möchte etwas erzählen, was vielleicht für alle, die im öffentlichen Dienst mit Aussicht auf Verbeamtung stehen, interessant sein könnte:

    Ich bin Lehrerin und als ich noch im Referendariat war, hat eine Fachleiterin im Studienseminar von einer Kollegin erzählt, die in der Probezeit war und an Brustkrebs erkrankt ist. Sie wurde angeblich aus diesem Grund nicht verbeamtet. Der Rat der Fachleiterin war, dass wir in so einem Fall bloß nichts erzählen sollten und keine Rechnungen an die Beihilfestelle schicken sollen (die ja 50% der Rechnungssumme zahlt). Dies kam mir nach meiner Erkrankung direkt in den Sinn, denn blöderweise war ich noch Beamtin auf Probe. Ich war zum Zeitpunkt meiner Erkrankung in Elternzeit und hatte daher ausreichend Bedenkzeit. Ich habe bald herausgefunden, dass alles, was die Fachleiterin erzählte totaler Quatsch ist, denn ...

    1. Die Beihilfestelle darf keine Informationen über eure Krankheiten an den Arbeitgeber weitergeben (in meinem Fall die Schule oder Landesschulbehörde).

    2. Ihr wisst vielleicht wie teuer eine Chemo ist. Also bei mir waren es pro Zyklus fast 10.000 Euro und für die Antikörper ca. 2.500 Euro. Das kann von uns Normalsterblichen niemand - auch nicht zur Hälfte - aus eigener Tasche zahlen.

    3. Ich habe erfahren, dass das Verschweigen/Vertuschen einer solch schweren Krankheit, wenn es um das Beamtenverhältnis geht, als großer Vertrauensbruch gewertet werden kann und das dies dann ein Grund für eine Nicht-Verbeamtung sein kann. Das gilt natürlich nur für Beamte. Wenn man längere Zeit krank geschrieben ist (ich glaube über 7 Wochen) muss man nämlich zum Amtsarzt... und da muss man mit offenen Karten spielen.

    4. Ich wurde trotz Krebserkrankung auf Lebenszeit verbeamtet. Die Probezeit wurde aber um die Zeit, die ich krankgeschrieben war, verlängert.


    Ich habe die Schule über meine Erkrankung informiert und mein Schulleiter stand von Anfang an hinter mir. Auch die Landesschulbehörde war informiert und hat sich nicht quergestellt. Ich habe dann auch erfahren, dass eine andere Kollegin, die ebenfalls Brustkrebs hatte, schon Jahre vor mir verbeamtet wurde.


    Mein Tipp: Wendet euch an den/die Schwerbehindertenbeauftragte/n. Ich habe so viele wertvolle Tipps erhalten


    LG

    Anna

  • Ich würde ja mal gerne Eure Geschichten zu der anderen Seite erfahren...wie gehen die AG's mit Euch um....nachdem Ihr wieder auf Arbeit seid, nach Krebs. Ich könnte so langsam ein Buch füllen. Während Diagnose und während meiner Erkrankung war mein Chef top ( Ich hatte gleich von Anfang an mit offenen Karten gespielt, 1 Jahr Ausfall muss ja irgendwie ersetzt werden), aber nachdem ich wieder da war..olala. Ich glaube eines der schlimmsten Eigenschaften an Krebs sind die gesunden Leute um einen rum. Nachbarn und Chefs.

  • Caro_caro liebe Caro, aufgrund Deiner Krankheit kann er Dir nicht vorschreiben wie Du Deinen Resturlaub abbaust.

    Meiner hat mich gefragt, ob es möglich wäre das ich meinen Resturlaub von 2018,bis Ende 2019 abbauen könnte. Kam mir ganz gelegen...habe alle Ferien frei genommen und bis Ende des Jahres jeden Freitag... 4 Tage Woche ist super😅

    Arbeite ja seit 01.07.wieder Vollzeit und merke jetzt noch das ich geistig nicht ganz da bin. Von daher ist eine 4 Tage Woche für mich super..

    Es wird sich alles finden

    LG Annett 🙏

  • Liebe Caro_caro ,


    d.h. die Urlaubstage sollen von Dir tageweise genommen werden? Das ist nach Bundesurlaubsgesetz (§ 7) nicht so ohne weiteres erlaubt.

    Warte vielleicht einfach ab, bis Du so weit bist, wieder arbeiten zu gehen. Ich würde jetzt noch nicht zu viel Hirnschmalz in die Frage stecken. :)

  • Liebe Tempi

    😅😅😅

    Hatte mich gestern mit meinem Chef auf einen Kaffee getroffen, da meinte er 2 Tage Woche bis der Resturlaub verbraucht sei.

    Hast recht, es ziehen noch ein paar Monate ins Land.


    Ist zweischneidig sich mit Chefs und Kollegen zu treffen. Mir sagen alle die mich sehen, Familie, Freunde, Kollegen, wie gesund ich aussehe, so gar nicht nach Krebs. Wie Krebs auch immer aussehen mag....

    ... Ich kanns nicht mehr hören.

  • Ich finde es nicht so schlimm wenn mir gesagt wird, dass ich gut aussehe. Die meisten Menschen bringen Krebs nunmal mit Glatze und Siechtum in Verbindung. Die Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, das es sie interessiert informiere ich über Hormonpositiven BK und die anderen lächle ich an und bedanke mich.

    Ich bin von Anfang an offen mit der Diagnose umgegangen, hab vielleicht auch das „Glück“ das mein direkter Chef selbst schon Krebs hatte. Meine Chefs haben mir von Anfang an gesagt, dass sie mich unterstützen, ich soll ihnen sagen wie ich arbeiten kann und sie versuchen das umzusetzen. Da es doch ein paar Monate gedauert hat, bis klar war, dass ich die volle EU Rente (befristet) bekomme, ist auch mein Arbeitgeber lange in der Luft gehangen, aber es hat nie Druck auf mich gegeben.

    Mein alter Arbeitsvertrag ruht jetzt bis zum Ende der Befristung und ich hab einen neuen auf 450€ Basis. Bin sehr sehr froh, dass mein Arbeitgeber so entgegenkommend ist!!

  • Mir sagen alle die mich sehen, Familie, Freunde, Kollegen, wie gesund ich aussehe, so gar nicht nach Krebs. Wie Krebs auch immer aussehen mag....

    ... Ich kanns nicht mehr hören.

    Kann ich gut verstehen. Ich hab es anfangs als Kompliment gesehen. Ein Kompliment an meinen Körper und meine Widerstandskraft. Ich war auch tatsächlich stolz auf mich, dass ich diese krasse Therapie weggesteckt habe. Wie ich voller Bewunderung für viele hier im Forum bin.

    Mittlerweile fragt mich kaum einer mehr. Die meisten vertrauen darauf dass ich von mir aus erzähle (bin eher extrovertiert). Das ist mir Recht so.

    Wenn dich das nervt, Caro, dann sag es. Die meisten Menschen haben dafür Verständnis. Es gibt halt keine Gebrauchsanweisung "wie gehe ich mit Krebskranken" um, da müssen wir uns selbst manchmal ein bisschen erklären.

  • Hallo ihr tapferen Mitkämpferinnen,


    ich bräuchte heute euren Rat. Mein Arbeitsvertrag lief nach der Diagnose aus. Eine Verlängerung um die Zeit der Therapie gab es leider nicht. Für mich heißt das, dass ich mich, nun nach Therapieabschluss, beim Arbeitsamt vorstellen muss. Ich weiß momentan gar nicht, wie das laufen soll und bin ziemlich verzweifelt. Eine berufliche Wiedereingliederung ist so kaum möglich. Ist jemand in einer ähnlichen Situation? Ich bin für jeden Tipp dankbar. Das Ganze belastet mich sehr. Nicht nur die finanzielle Situation, die denkbar schlecht ist, sondern auch die Angst mit einem Neuanfang überfordert zu sein. Ich danke euch und wünsche allen hier empathischere Vorgesetzte.

  • Liebe Caro_caro ,


    d.h. die Urlaubstage sollen von Dir tageweise genommen werden? Das ist nach Bundesurlaubsgesetz (§ 7) nicht so ohne weiteres erlaubt.

    Warte vielleicht einfach ab, bis Du so weit bist, wieder arbeiten zu gehen. Ich würde jetzt noch nicht zu viel Hirnschmalz in die Frage stecken. :)

    Kommt drauf an. Der Arbeitgeber darf es Dir nicht vorschreiben. Man selber kann es aber im Gespräch mit BEM vorschlagen.

    Das hatte mir der Sozialdienst so gesagt, weil es ja unsinnig sei, nach einer Wiedereingliederung wieder Wochen in den Urlaub zu gehen, dann sei man eh wieder draußen.

    Ich jedenfalls hatte es angeboten und fast 1/4 Jahr mit dem Resturlaub eine Drei-Tage-Woche gemacht. Ist schon schön, vor allem, weil man eben das volle Gehalt einer 5-Tage-Woche hat. 😊

  • Milli , ja sorry, unvollständig ausgedrückt: Der Arbeitgeber kann das nicht so ohne weiteres verlangen. „Die Wünsche des Arbeitnehmers sind zu berücksichtigen.“. Danke Dir für das Ergänzen/Richtigstellen. :)


    Ich selbst mache das übrigens auch so, da ich bis Ende 2019 noch rund 50 Urlaubstage und 400 Überstunden habe. Da ich vorher sowieso schon nur eine 4 Tage-Woche hatte, werde ich dann wohl etwas länger eine Drei-Tage-Woche haben. ^^

  • Mir sagen alle die mich sehen, Familie, Freunde, Kollegen, wie gesund ich aussehe, so gar nicht nach Krebs. Wie Krebs auch immer aussehen mag....

    ... Ich kanns nicht mehr hören.

    Geht mir ganz genau so.


    Ich kann nur sagen, wie es bei meinem Kollegen war, der vor (inzwischen) 2 Jahren an Krebs erkrankt ist. Der wurde zum Chef gerufen und musste dann seinen Urlaub aus dem Vorjahr so schnell wie möglich, also binnen 2 Monaten nehmen. Ich denke, bei mir wird es ähnlich sein. Definitiv werde ich nicht einzelne Tage weglassen, da ich abweichende Arbeitszeiten habe ....

  • DerKnuppimussweg frag mal beim Arbeitsamt nach, nicht dass du dich jetzt schon melden musst, da du ja eigentlich ohne AG Vertrag in der Luft hängst. Ansonsten, mein Tip wäre jeden Tag raus zu quetschen, eine erholsame Reha, und dann einfach schauen was so kommt. Oft findet sich ein Job ja auch nicht auf die schnelle.

  • Hallo ihr tapferen Mitkämpferinnen,


    ich bräuchte heute euren Rat. Mein Arbeitsvertrag lief nach der Diagnose aus. Eine Verlängerung um die Zeit der Therapie gab es leider nicht. Für mich heißt das, dass ich mich, nun nach Therapieabschluss, beim Arbeitsamt vorstellen muss. Ich weiß momentan gar nicht, wie das laufen soll und bin ziemlich verzweifelt. Eine berufliche Wiedereingliederung ist so kaum möglich. Ist jemand in einer ähnlichen Situation? Ich bin für jeden Tipp dankbar. Das Ganze belastet mich sehr. Nicht nur die finanzielle Situation, die denkbar schlecht ist, sondern auch die Angst mit einem Neuanfang überfordert zu sein. Ich danke euch und wünsche allen hier empathischere Vorgesetzte.


    Hallo DerKnuppimussweg ,


    vielleicht noch folgende Hinweise für Deine Arbeitssuche:


    Du musst bei einem (Vorstellungs-) Gespräch mit einem potenziellen Arbeitgeber NICHTS von Deiner Erkrankung oder Deinem Schwerbehindertenstatus (hast Du wahrscheinlich auch, oder?) berichten.

    Und falls es arbeitgeberseitig diesbezügliche Fragen geben sollte, musst Du sie nicht oder nicht wahrheitsgemäß beantworten.


    Nach 6 Monaten kann ein Arbeitgeber die Frage nach Schwerbehinderung stellen und dann ist sie wahrheitsgemäß zu beantworten. Zu diesem Zeitpunkt wäre jedoch Deine Probezeit bereits vorüber und Du hättest Kündigungsschutz.


    Ich habe mich ein bisschen auf Arbeitgeberseite umgehört und ich würde Dir dringend empfehlen, Dir eine Strategie zurechtzulegen, ob Du wirklich das Thema Deiner Erkrankung erwähnst oder es zu umschiffen versuchst. Die zweite Variante ist wahrscheinlich die entschieden erfolgversprechendere auf dem Arbeitsmarkt!!

    Die Krebserkrankung ist eine extrem hohe Hypothek bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber - selbst wenn Du völlig fit und dauerhaft und uneingeschränkt arbeits- und einsatzfähig sein solltest. Wer kann, wird das Risiko der Einstellung einer (ehemals) Krebskranken meiden.

    Hart und unfair - aber es ist leider die Realität.


    Lege Dir eine kluge Strategie und eine plausible Schilderung Deines Berufswegs zu - und versuche, auf diesem Weg einen Arbeitsvertrag zu erhalten. Setze nicht auf einen Mitleidsfaktor - dieser wird wohl nicht eintreten.


    Ich wünsche Dir dennoch das entscheidende Quäntchen Glück und Erfolg bei Deiner Bemühung um beruflichen Anschluss!!


    Alles Gute!

    Schnutz