Von Tränen übermannt - in unbedeutenden (?) Situationen ...

  • Hallo Ihr Lieben,


    vor meiner Brustkrebserkrankung war ich ein rationaler Kopfmensch, immer sehr gefasst.

    Doch in letzter Zeit steigen mir immer öfter Tränen in die Augen in den ungewöhnlichsten Situationen? Meistens mache ich gerade ganz was Banales wie Gartenarbeit oder ich bin spazieren in einem nahegelegenen Biotop. Ich denke z.B. gerade: „wie schön die wilden Blumen blühen” oder „herrlich, dass ich endlich wieder Gartenarbeit machen kann” und schon steigen die Tränen hoch. Es fühlt sich total seltsam an. Ist auch nur kurz, aber die Augen werden nass. Ich fühle mich in solchen Momenten meistens gerade sehr frei und wohl. Meine Schwägerin (vor 2 Jahren an Brustkrebs erkrankt) meint, es sei ein Heilungsprozess der Seele. Eine schöne Sichtweise finde ich. Daran denke ich nun, wenn es wieder passiert und es gibt mir viel Kraft. Die brauche ich! Leider habe ich diese herrlichen Momente nicht sehr oft!

    Immer wieder bricht die Angst durch und lähmt mich regelrecht. Dann verkrieche ich mich wieder zuhause auf meine Couch, trotz Sonnenschein und herrlichem Wetter! Niemand kann mich dann aufmuntern. Auch Tränen der Trauer steigen immer wieder ganz plötzlich hoch. Sei es beim Ausziehen vor dem Spiegel, wenn ein kurzer Blick so ganz nebenbei die Narben auf der Brust streift oder wenn mein linker Arm nach 8 Stunden Arbeit schmerzt und ich total erledigt bin. Dann holt mich die Realität wieder ein. Gehört das auch zum Heilungsprozess, dass ich dann weinen muß?

    Alles ist so anders als vorher. Alles fühlt sich so unwirklich an. Manchmal fühle ich mich wie in einer Art Warteschleife. Aber auf was warte ich? Was soll denn kommen? Wie soll das aussehen? Seltsam… Als ob ich irgendwann durchgestellt werde und es ist alles wie vorher.


    Heute ist leider kein so guter Tag. Meine Couch lässt mich nicht los und ich bin sehr nachdenklich und wieder mal am Grübeln und am Gedanken sortieren. Die mussten jetzt irgendwie raus aus dem Kopf.


    Nachdenkliche Grüße,

    Viva

  • Liebe Viva,

    meiner Meinung nach hat deine Schwägerin ganz recht, es ist fast immer ein Heilunsprozess der Seele. Dann, wenn du dich eigentlich entspannt und locker fühlst. Deine Erkrankung ist ja noch sehr frisch, da halte ich es für normal, wenn du dich nach 8 Stunden Arbeit und frischer Brustkrebs völlig kaputt fühlst.

    Oder dass du an manchen Tagen mit trüben Gedanken auf dem Sofa festhängst. Dafür sind wir hier im Forum ja auch da, dich in solchen Situationen ein wenig zu unterstützen und aufzufangen. Versuche doch mal - trozt allem - dich ein paar Minuten an der frischen Luft zu bewegen und einen kleinen Spaziergang zu unternehmen! Auch , wenn's schrecklich schwer fällt, sich aufzuraffen. Ich kenne diesen Zustand gut, manchmal schaffe ich die tägliche Bewegung auch nur mit 'Starthilfe ' , z.B. Freunde rufen an, ob ich mit zum Schwimmen fahre. Habe manchmal gar keine Lust, fahre aber mit, weil ich weiß, hinterher und auch während des Schwimmens geht's mir besser.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und positive Energie für die kommende Zeit! Und nimm dir die Zeit auch für Tränen und Trauer, beides gehört zum Heilungsverlauf! Und schreibe hier, wenn es dir gut tut, hier ist fast immer jemand online und kann dir zumindest virtuell beistehen.

    Lg Katzi64

  • Liebe Viva,


    ich war schon immer ein sehr sensibler Mensch - aber die Erkrankung hat mich noch sensibler gemacht. Auch mir steigen die Tränen manchmal ganz plötzlich in die Augen. Letztens in der onkologischen Praxis, als ich die tolle Spritze für die Leukos bekam und sehr besorgt war, meinte die Schwester: "Ach, machen Sie sich keine Sorgen, Sie haben doch so eine gute Prognose!" Und was war meine Reaktion? Ich habe losgeheult wie ein Schloßhund. Es hörte auch gar nicht mehr auf und hat lange gedauert, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Eigentlich war es doch etwas total Positives, was ich gehört hatte, aber ich musste trotzdem losheulen. Eine andere Situation war in der Arbeit, als mein Chef mir jegliche Unterstützung zusicherte und ich mich nicht um meinen Arbeitsplatz sorgen muss, sondern mich auf die Genesung konzentrieren soll. Da sind die Dämme dann auch wieder gebrochen.

    Bei mir sind es wohl die netten und aufmunternden Worte meiner Mitmenschen, die mich so sehr emotional machen, weil es einfach nur gut tut, so etwas zu hören. Ich gebe da deiner Schwägerin recht, dass es wohl ein Heilungsprozess der Seele ist, und man diese Momente vielleicht auch braucht. Aus Angst kann ich nicht weinen, obwohl ich es mir sehr gewünscht hätte. Also sucht sich die Seele wohl einen anderen Weg, ihre Tränen vergießen zu dürfen und dadurch wieder Kraft zu tanken.

    Liebe Viva, ich verstehe dich sehr gut und hoffe, dass du deine Couch ganz schnell wieder verlässt und dich an den Schönheiten, die das Leben zu bieten hat, wieder erfreuen kannst! Jeder hat mal ein Tief; klettere auf die Leiter und aus dem Loch heraus; das wünsche ich dir.


    Liebe Grüße

    Pschureika

  • Liebe Viva,

    wie die anderen schon schreiben, unsere Seele hinkt da wohl etwas hinterher. Vor einem Jahr hab ich hier immer geschrieben, das ich gar nicht weinen kann. Ich habe das alles gehõrt, Diagnose hingenommen und abgearbeitet, ohne große Emotionen, im nachhinein auch nicht an mich gedacht sondern nur an meine Familie, was sagen die, was denken die und was soll ich tun, damit sie mich noch långer haben. Also keine Tråne um mich geflossen. Zumindest sehe ich das jetzt so wenn ich darüber nachdenke. Vielleicht ist das aber auch nur ein funktionieren aus Selbstschutz, was man nicht steuern kann.

    UND jetzt geht es mir wie dir und Pschureika und bestimmt noch einigen anderen auch. Ich heule los und kann es nicht aufhalten. Letzte Woche bei Mammo und Sono, erst waren nur die Tränen in den Augen und als die Schwester dann anfing ich brauche doch keine Angst haben da war es vorbei =O, ich habe komplett durchgeheult bis zur Sono, bei jedem Wort des Trostes von der Schwester brach es erneut aus mir raus und als sie zur Årztin rein ist habe ich gewusst jetzt erzählt sie was da für eine Heulsuse sitzt. Ich habe mich wirklich geschämt, sie waren doch wirklich alle sehr lieb und nett und trotzdem konnte ich es nicht stoppen.

    Ich habe noch nicht weiter darūber nachgedacht in welchen Situationen mir das passiert, aber wenn ich eure Zeilen lese, stimmt, ich kann damit umgehen wenn jemand was blõdes sagt, aber wenn jemand besonders Zuspruch wegen der Erkrankung gibt, muss ich mit mir und meinen Tränen kåmpfen.

    Ich habe einen tollen Spruch entdeckt:


    "Ich bin noch nicht da, wo ich sein sollte, doch Gott sei Dank bin ich auch nicht mehr da, wo ich mal war! Ich bin auf dem Weg, jeden Tag geht's weiter!"


    Wir sind unterwegs, Mådels;)

    Liebe Grüße Sylvi

  • Liebe Sylvi,


    danke für Deine Worte in denen ich mich an vielen Stellen genauso wiederfinden kann.

    Es waren aber nicht bloß die Tränen die anfangs fehlten. Es war sogar so, dass ich genauso emotionslos auch die Nachricht beim Arztgepräch aufgenommen habe, dass die Chemo geholfen hatte und der "K" ordenlich zerfallen war. Wir waren wie sprachlos und erst wieder zu Hause, ist uns bewusst geworden was dies bedeutet für uns. Wahrscheinlich war erst dann die ganze Anspannung gewichen und hat Platz für die guten Informationen gemacht. Damit stimmt das auch mit dem Heilungsprozesse derSeele.


    Ja wir sind unterwegs Sylvi mit allen anderen Mädels.;)

    Liebe Grüße Blume

    :) Leben ist Zeichnen ohne Radiergummi. ;)

  • Liebe Sylvi,

    der Spruch ist sehr schön und passend.


    Auch ich bin eher eine von den Rationalen. Habe anfangs alles allein gewuppt und ganz geschäftsmäßig organisiert. Bei mir ging es bei den letzten Staginguntersuchungen los, dass ich mit einem Mal sehr große Angst bekam und dann vor Erleichterung beim o.B. geheult habe und seither zieht es sich immer mal wieder durch. Die trockenen Schleimhäute während der Chemo machen das Heulen leider nochmal so leicht. Ich heule los, wenn ich irgendwas schönes sehe oder wenn mir jemand was positives sagt. Aber irgendwann werden wir alle "ankommen".


    Liebe Grüße

    Heideblüte

  • Liebe Foris,

    jetzt passiert es schon wieder! Ich bin zu Tränen gerührt von Euren verständnisvollen und mitfühlenden Worten. Ich habe mich fast nicht getraut, hier so negativ zu schreiben. Aber an dem Tag war es besonders schlimm.

    Es tut so gut, dass ihr ähnliche oder gleiche Erfahrungen gemacht habt und macht. Euer Zuspruch und Dasein fühlt sich gut an.

    Ich habe mich schon gewundert, was mit mir nur los ist. Auch ich habe bis zur 1. OP überhaupt nicht weinen können. Meine Emotionslosigkeit fühlte sich für mich richtig komisch an. Und jetzt fließen Tränen bei der kleinsten Gelegenheit. Ich kenne das so garnicht von mir und kann damit noch nicht richtig umgehen. Aber es wird besser, da ich es einfach zulasse.


    Ich bin so erleichtert liebe Katzi (bitte nicht falsch verstehen!), dass es Dir auch manchmal so schwer fällt, in die Gänge zu kommen. Ich dachte schon, nur mir geht es so. Die Mehrheit hier im Forum ist trotz dieser schweren Krankheit und allem, was damit zusammenhängt, so diszipliniert, was Bewegung und Sport angeht. Ich bin seit der Krebs-Diagnose leider oft wie gelähmt und möchte - wie bereits geschrieben - einfach nur alleine sein und nichts hören und sehen. Ich tue mich dann furchtbar schwer, wieder raus zu kommen aus diesem Zustand. Eine Runde Spazierengehen kriege ich manchmal schon hin, wenn es mir psychisch so schlecht geht. Du hast so recht Katzi - danach fühle ich mich wirklich besser.

    Deinen Spruch Sylvi finde ich so wunderbar :love: - ich habe ihn mir gleich kopiert und werde ihn mir in einer schönen Schrift ausdrucken und aufhängen. :)


    Heute geht es mir schon viel besser! Die Sonne scheint und ich habe ein leckeres Eis genossen.

    Ein ganz ganz großes Dankeschön an Euch! :):)


    Wieder sonnige Grüße, 8)

    Viva

  • Liebe Viva,

    Hast du jemanden, dem du die klare Anweisung geben kannst, dich regelmässig zum Spazierengehen zu motivieren, egal ob du willst oder nicht und der sich dann auch dran hält?

    Ich habe meinen Eltern vor chemobeginn den Auftrag erteilt und mein Vater hält sich brav dran. Samstag und sonntags sehen wir uns und dann scheucht er mich hoch (Und wenn es nur eine ganz kleine Runde ist, während der EC musste ich mich teilweise bei ihm einhaken weil ich etwas wackelig war, aber es hat gut getan, es geschafft zu haben). Zwischendurch wird telefoniert und nachgehakt ob ich den Hintern hochgekriegt hab. Wenn ich könnte wie ich wollte würde ich auch viel mehr rum liegen, aber das tut eben nicht so gut. Mein Kopf weiss das, aber der Rest meines körpers lässt sich gern bitten.

    Liebe Grüsse

    Heideblüte

  • Hallo Viva,


    schön, dass es dir schon besser geht.

    Mir geht das auch so, dass ich plötzlich und ohne wirklichen Grund in Tränen ausbreche. Zuerst passierte mir das, wenn ich entspannen konnte, bei der Entspannungsphase nach der Wirbelsäulengymnastik oder beim Yoga. Da habe ich dann erst gemerkt, wie sehr ich über eine lange Zeit hinweg sehr angespannt war. Mitlerweile versuche ich sogar, solche Situationen zu provozieren, wenn ich merke, dass meine Anspannung wieder mehr wird. Allerdings kommt das jetzt immer seltener vor.

    Und sobald es irgendwie emotional wird, fließen bei mir die Tränen. Da kann ich dann nichts machen und je mehr andere versuchen, mich zu trösten, umso schlimmer wird es. Oftmals sind es einfach nur schöne Momente, aber manchmal auch Situationen, die mich an die schwierige Zeit meiner eigenen Erkrankung und Therapie oder an meinen Vater erinnern.


    Diese "Warteschleife" kenne ich auch. Jetzt, dreieinhalb Jahre nach meiner Diagnose, habe ich endlich das Gefühl, wieder einigermaßen in der Normalität angekommen zu sein. Du stehst ja noch ganz am Anfang. Es dauert einfach seine Zeit, bis man das alles verarbeitet hat.


    LG Danka

  • Liebe Viva,


    vielen Dank für deine Worte:).


    Ich habe mich bisher nicht getraut, hier einmal zu schreiben, möchte dir aber sehr gerne etwas antworten:


    Die ersten Wochen nach der Diagnose war ich wie unter Schock, ein Häuflein Angst, alles kreiste um den

    Krebs,zu meiner eigenen Furcht kam die meiner Eltern, meines Mannes , meiner Kinder.


    Danach kamen/kommen die Tränen......, und ich empfinde das nun oft so, dass ich dafür ziemlich dankbar bin. Ich denke mir auch : Das ist ein gutes Zeichen, traurig sein zu können und zu dürfen - oft fühlte ich mich nach einem "Weinanfall" wieder etwas leichter und freier und konnte /kann mich besser zu Aktivitäten aufraffen.

    Nun hat sich das mit der Gefühlsachterbahn ein wenig gelegt, Manchmal packt es mich ganz doll : Die Angst bricht durch und ich verfalle in Starre, gerne wenn ich das Gefühl habe, dass irgendwo im Körper etwas schmerzt...,oder ich heule los, und das ganz gerne auch in eigentlich schönen Momenten...und danach fühle ich mich immer etwas besser , als ob ein dicker Brocken, der mir schon lange auf dem Herzen lag nun endlich verdaut wird.


    Aber alles in allem, in Sylvis schönem Spruch :) finde ich mich doch öfters wieder : Es ist besser geworden, als ganz am Anfang und ein wenig Alltag - ein anderer Alltag mit Krankheit - ist in unser Familienleben eingezogen - und ich habe öfters das Gefühl, ein ganz gutes Gefühl, "auf dem Weg" zu sein.


    LG Mirabelle

  • Bin über diesen alten Thread gestolpert...

    Bei mir auch so. DIe Diagnose hatte ich mit stoischer Gelassenheit entgegengenommen, hatte mich ja aufgrund des "sehr supekt" im OP-Bericht innerlich schon ein wenig auf einen schlechten Befund eingestellt. Und sonderlich dramatisch ist es bei mir ja nicht.

    Aber manchmal verwandele ich mich unvermittelt in einen Springbrunnen, den ich kaum unter Kontrolle bekomme.

    Letzte Woche war Fatigue-Beratung. Hatte den Tipp bekommen, dort doch mal hinzugehen.

    Ein paar Fragen zu mir, und irgendwie öffneten sich alle Schleusen.

    Und es fällt mir oft nicht ganz einfach, die richtigen Worte zu finden. Dann schließe ich gerne die Augen beim Sprechen, fällt mir leichter.

    Sollte aber die Augen offen halten, sonst sei es schwierig zu kommunizieren.

    Die "Schleusen" in Griff zu bekommen war aber mit offenen Augen nicht einfach.

    Naja, Ergebnis, das sei bei mir nix mit Fatigue, weil ich zu gut schlafe.

    Sei aber schwer depressiv.

    Etwas womöglich-vielleicht mag ja sein, aber gleich "schwer"?

    Normalerweise weine ich ja gar nicht von früh bis spät, weiß auch nicht, was da in mich gefahren war.

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Liebe gistela


    fühl Dich mal gedrückt, wenn ich darf, ja, das kommt mir sehr bekannt vor, ich hab sogar noch in der AHB so Heulanfälle bekommen, das war Frustheulen , da ich ständig an meine Grenzen gekommen bin physisch wie psychisch und doch eigentlich die Krankheit endlich abschließen wollte, jetzt weiß ich, dass das ja nicht auf Knopfdruck passiert.


    Da hat man mir auch erklärt, dass wir in der Akuttherapie ja meist ziemlich fremdbestimmt und grenzüberschreitende Erfahrungen machen, eben weil es ja die aktuell beste Therapie sei, doch Körper , Geist und Seele bilden eine Einheit, also meldet sich dann mal die Psyche zu Wort (meine Seele saß gefühlt lange in einem tiefen Loch mit verschränkten Armen und sagte, nöööö, da mach ich nicht mit.......), und das sind Prozesse, die jede durchmacht und die sich wohl nicht so einfach mit dem Willen überspringen lassen.


    "Schwer" ist so ein Wort, das verunsichert, und gleichzeitig ist es hilfreich, wenn Du über die KK eine Psychotherapie beantragen möchtest, das wäre bei "leicht" nicht so einfach, doch eine Einordnung wäre vielleicht hilfreich für Dich gewesen.....


    Erstmal liebe Grüße

    Du musst Dir schon selbst Konfetti in Dein Leben pusten. 8) (visual statements)


    Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben. (Alexis Carrel)


    Wer ins kalte Wasser springt, taucht ein in ein Meer voller Möglichkeiten. (finnisches Sprichwort)

  • huhu,

    von mir auch ein kurzer Bericht: ich habe die Diagnose auch äusserlich völlig unaufgeregt hingenommen. Einige Ärzte meinten auch zu mir, wie gefasst ich wirke und dass ich so weitermachen soll...in solchen Situationen bin ich dann eher trotzig und lass mir nix anmerken.

    und dann ein Online-Kosmetikseminar vom DKMS: Die Leiterin sagt bei der Verabschiedung zu den Teilnehmern "...ihr werdet alle gesund!" etc und ich fang an zu heulen. Solche Momente gibt es immer wieder. Auch oft in Momenten, die mich berühren und wo ich mich glücklich fühle und zack kommen mir die Tränen.

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich erkenne mich in euren Äußerungen sehr gut wieder. Ich bin überhaupt kein Heultyp und habe während der schwierigen Diagnosezeit nur ein- oder zweimal im stillen Kämmerlein geweint. Hauptsächlich weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, meine Tochter alleine zurück zu lassen. Im weiteren Verlauf der Therapie war ich nicht nah am Wasser gebaut, das kam dann so nach und nach. Zunächst hatte ich ein Tief während der Bestrahlungen. Und dann in der AHB gingen bei mir auch bei den kleinsten Anlässen die Schleusentore auf. Im Nachhinein betrachtet war es tatsächlich so, dass die Seele den ganzen Mist erst so richtig verarbeitet hat. Vorher funktionierte ich nur irgendwie. Und, liebe gistela, wenn mich jemand vom Personal auf meine persönliche Situation angesprochen hat, war es auch bei mir am schlimmsten. Ich konnte nicht mehr objektiv über mich sprechen, sondern nur unter Tränen. Heute, nach fast zwei Jahren nach ED ist das alles weg. Ich wünsche euch alles Gute

  • Das tut gut, von Euch zu lesen, Lucia0605 , nurichundderHimmel und Teafriend !

    Man kommt sich ja schon irgendwie doof vor. Tröstlich, wenn man nicht die einzige ist, der es so geht!

    Ich solle mir auch unbedingt stabilisierende Antidepressiva verschreiben lassen...

    Aber erstens fühle ich mich jetzt dafür definitiv nicht Depression-krank genug, und habe gestern auch die Nebenwirkungen gegoogelt, und bin nicht überzeugt, dass das eine gute Idee ist.

    Viele Grüße und alles Gute, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Liebe gistela,


    Ich kann mich so gut in dich hinein fühlen. Man bringt das eine Jahr Therapie so hinter sich, lässt alles mit sich machen. Ich habe auch kaum geweint, obwohl ich Todesangst hatte. Manchmal habe ich gedacht, wie krass kalt ich alles hingenommen habe. Als wenn man eine andere Person ist.


    Plötzlich in der AHB habe ich angefangen zu flennen und auch bei kleinen Dingen kommen mir die Tränen. Daran sieht man aber wie stark der Mensch sein kann und was er alles schaffen kann.


    Alles gute für dich! Du bist stärker als du denkst.


    Lg Mareen

  • Ich sehe schon, ich bin in bester Gesellschaft, Mareeni !

    Klar, man schafft so viel, aber Tränen zurückzuhalten ist eine Kunst für sich, die nicht immer ordnungsgemäß klappt, weil man auch gar nicht damit gerechnet hat.

    Ob es auch am Anti-Tumor-Medikament liegen mag? :/

    Dann wäre der "Schuldige" ja ausgemacht ;)

    Viele Grüße und alles Gute, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Liebe gistela


    wenn Du Dich an manchen Tagen schlecht fühlst und weinerlich bist, scheint mir das doch noch ganz typisch für unsere Situation zu sein, Du sagst ja selbst, dass Du Dich nicht depressiv genug für Antidepressiva fühlst, da kannst Du Dich wohl auf Dein Gefühl verlassen. Und zur Stabilisierung habe ich noch anderes probiert, z.B. ein Dankbarkeitstagebuch angefangen, einfach abends im Bett drei positive Aspekte des Tages aufschreiben, dann mit guten Gedanken in die Kissen sinken.....dazu nutze ich ab und an Passionsblume (Apotheke) Tabletten zum Einschlafen, zum Runterkommen (keine Abhängigkeitsgefahr) , auch mal Rescuetropfen vor einer schwierigen Untersuchung, also es gibt noch vieles, was ich vor Antidepressiva ausprobieren würde (außer es ist klinisch angezeigt, also die Spirale echt von Tag zu Tag mehr abwärts geht)


    Und bei Collagen hab ich auch geheult wie ein Schlosshund, da musste dann wohl was raus, das zu akzeptieren, dass diese Gefühle eben alle zum Leben gehören, habe ich für mich gelernt, ja ich, die vorher doch meistens fröhlich und für andere da war, das in mein neues Selbstbild zu integrieren ist dann eben auch (m)ein Lernfeld.....;)


    Liebe Grüße, Du findest Deinen Weg:*

    Du musst Dir schon selbst Konfetti in Dein Leben pusten. 8) (visual statements)


    Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben. (Alexis Carrel)


    Wer ins kalte Wasser springt, taucht ein in ein Meer voller Möglichkeiten. (finnisches Sprichwort)

  • Und in der AHB hab ich noch den Tipp bekommen, mit Atemtechnik die Heulattacken wegzuatmen, wenn es situativ mal ganz unpassend ist, klar, will ich zu Hause mich mal ausheulen, doch in einem wichtigen Meeting finde ich das vielleicht angenehmer, es zu unterdrücken und später rauszulassen.....

    Du musst Dir schon selbst Konfetti in Dein Leben pusten. 8) (visual statements)


    Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben. (Alexis Carrel)


    Wer ins kalte Wasser springt, taucht ein in ein Meer voller Möglichkeiten. (finnisches Sprichwort)

  • Und wie funktioniert die Atemtechnik, Lucia0605 ?

    Das klingt interessant.

    Hat die einen bestimmten Namen? Dann könnte ich mal googeln.

    Zum Einschlafen brauche ich nix, ich habe einen unverwüstlichen Schlaf!

    Mir darf nur nicht kalt sein, doch wenn ich müde bin, wird mir kalt, und so schlafe ich eingemümmelt wie ein Eisbär.

    z Zt brauche ich oft unter der Decke! sogar Handschuhe! Habe das auch unter den Nebenwirkungen meines Medikaments gefunden.

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.