Von Tränen übermannt - in unbedeutenden (?) Situationen ...

  • gistela ...


    Zum Thema Depressionen...


    Ich bin seit gut 20ig Jahren dabei und kann dir sagen, das es gaaaanz lange gedauert bis ich den Gedanken depressiv zu sein zugelassen habe... Wenn dann auch noch Panikattacken dazu kommen die einem die Gesichtszüge entgleisen lassen, so das selbst deine Familie und Freunde dich nicht mehr erkennen können, dann ist es wohl doch mehr als gedacht ...

    Schwer ist es, einen Arzt zu finden der einen Ernst nimmt... Diese Krankheit ist ja nicht sichtbar 🤷‍♀️


    Mir fällt es auch ganz schwer nicht zu weinen wenn ich von mir erzählen soll...


    Komischerweise kommt mir meine Depression gerade nicht ins Gehege und ich scheine an der Diagnose BK zu wachsen.... Oder ich hab einfach nur das Talent zu verdrängen 😄


    Wie es auch sei... Man darf durchaus auch mal den Gedanken zulassen das man sich in einem Tal befindet was einen Namen hat... Depression...

    Vorübergehend gehend oder ewig bleibend, das weiß keiner.


    Und wenn man aufgrund der möglichen Nebenwirkungen die auf dem Beipackzettel stehen eine Medikamentöse Behandlung ablehnt, dürfte man gar nichts mehr nehmen und sich nur noch von Wasser und Haferbrei ernähren, obwohl beim Haferbrei wäre ich mir auch nicht so sicher 😏 😉 (ich hoffe du missverstehst mich jetzt nicht)


    Lg Karin

    Wer nicht den Mut hat, Ängste zu durchleben, kann nicht daran wachsen :/

  • Vielen Dank für Deine Zeilen, Trine , keine Sorge, nix missverstanden! :)

    Ich schaue einfach mal, wie sich die Dinge bei mir entwickeln.

    Habe noch einen Psychoonkologie-Gesprächstermin, da werde ich sehen, was bei rauskommt und was bei mir Sinn macht.

    Etwas regelmäßigere psychoonkologische Begleitung wäre sicher nicht schlecht, zumal ich zuhause den Mund nicht aufbekomme.

    Panikattacken habe ich zum Glück keine.

    Nur der Kopp, der ist irgendwie nicht mehr ganz so fit wie früher, seufz, finde ich

    Viele Grüße und alles Gute, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • gistela ,das geht über die Visualisierungstechnik, hier die Kurzfassung:


    Also erst atme ich dahin, wo das Gefühl entsteht (Hals, Kloß im Hals, Brust, Bauch, Kopf, Tränen schießen in die Augen), dann stell ich mir vor, es in den ganzen Körper zu atmen, ganz tief und ruhig atmen, quasi um es zu verteilen, dann im ganzen Raum, Gebäude, Stadt etc.......damit verdünnt es sich und verflüchtet sich wie ein Gas sozusagen. Wenn die wichtige Situation vorbei ist (zum Atmen kann man sich ja mal kurz aufs stille Örtchen begeben), dann rufe ich das Gefühl wieder auf, lass es zu, bin dann bereit zu weinen, denn es darf dann Raum haben.


    Viele Grüße

    Du musst Dir schon selbst Konfetti in Dein Leben pusten. 8) (visual statements)


    Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben. (Alexis Carrel)


    Wer ins kalte Wasser springt, taucht ein in ein Meer voller Möglichkeiten. (finnisches Sprichwort)

  • Liebe gistela ,


    ich glaube, dein Ansatz, einfach mal zu schauen, wie sich das Ganze entwickelt, ist richtig. Es gibt durchaus auch ein "Dazwischen", z. B. eine depressive Episode. Ich war mal vor einigen Jahren zu einer Vorsorge-Kur wegen eines Schmerzsyndroms. Da wurde auch die psychischische Komponente mitbehandelt. Unter anderem mit Tanz-Therapie, der ich sehr skeptisch gegenüber stand, aber trotzdem mitgemacht habe. Nach 10 min Tanzen sind bei mir - ohne Vorankündigung - die Schleusen aufgegangen und ich habe geheult und geheult. Danach konnte ich ein längeres Gespräch mit der Therapeutin führen, dass sehr erhellend war. Nach langem Überlegen habe ich mich trotzdem gegen eine Therapie entschieden, weil ich die Sorge hatte, eine "Dauer-Baustelle" aufzumachen. Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich nur sagen, dass es Trigger-Situationen gibt, die uns ganz besonders gefühlsmäßig ansprechen. In Phasen, in denen wir besonderer Belastung ausgesetzt sind, wirkt so ein Trigger auch besonders intensiv. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die sich in besonderem Maße für andere (Mitmenschen, Umwelt ...) einsetzen, besonders getriggert werden, wenn es nur um sie selbst geht. Es lohnt sich sicher, dem auf den Grund zu gehen, ob das bei dir auch so ist. Deshalb ist es gut, dass du schon einen Psychoonkologie-Gesprächstermin hast.

    Ich wünsche euch jeden Morgen etwas, worauf ihr euch freuen und jeden Abend etwas, wofür ihr dankbar sein könnt. :hug:

    "Vertrauensselig — ein schönes Wort, Vertrauen macht selig, den, der es hat, und den, der es einflößt." Marie von Ebner-Eschenbach

  • Danke für den Tipp, Lucia0605 , das mit dem Atmen werde ich ausprobieren.


    Das mit den "Trigger-Situationen" klingt sehr plausibel, Fiducia2020 .

    Musik kann mich auch ganz schön "erwischen". Au weh, das Ende von Madame Butterfly und Rigoletto, da ist es bei mir aus und vorbei, ganz schön peinlich, in der Oper. Aber die live-Opern-Zeiten sind für mich eh vorbei, von der Seite für mich wenigstens kein Gefahr mehr ;)


    Vielen Dank und viele Grüße, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.

  • Ich habe jetzt hier aufmerksam gelesen und ich glaube, bei mir kommt das vielleicht dann noch.


    Am Tag und in der Woche der Diagnosestellung habe nicht ein einziges Mal geweint. :huh: Es kam mir schon selber komisch vor. Ich habe nur meinen "Abschied" geplant - ja ich weiß, wie doof das alles war-.


    Dann aber habe ich an Geburtstage oder meine Enkelkinder denken müssen und nachts alleine im Bett, da weinte ich einige Male. Meine Traurigkeit war eher so eine sprachlose Abstumpfung, die zum Teil bis heute vorhanden ist.

    Ich kann mich leider auch nicht auf die Psychoonkologen so wirklich einlassen.

    Deshalb vermute ich mal, dass meine Weinattacken mir noch bevorstehen.

    Es lebt nur der, der lebend sich am Leben freut. -Menander der Athener


  • Ihr Lieben.

    Dieses plötzliche Weinen kenne ich auch.

    Nach der OP, während der Chemo, bei Arztgesprächen habe ich ständig unvermittelt losgeweint. Es war, als würden Dämme brechen. Ich konnte es gut zulassen, weil es mich erleichtert hat.

    Jetzt, nach der Akuttherapie, passiert es seltener, trifft mich aber dann wie aus heiterem Himmel.

    Ich kenne das noch von meinen früheren Krebserkrankungen und auch durch meine Depressionen. Früher fand ich das oft peinlich. Mittlerweile stehe ich dazu.

    Nicht nur der Körper, auch die Seele, hat soviel durchgemacht. Da ist es ganz normal und ich finde, auch positiv, dass die Seele zeigt, wenn sie leidet. Denn alles, was unterdrückt wird, ist nicht gesund.

    Es hat für mich sogar etwas Befreiendes. So nach dem Motto, jetzt ist es raus, Tränen trocknen, Nase putzen, dann geht's weiter.

    Alles Liebe, Naticatt

  • Ich bin vor zwei Tagen im Supermarkt weinend zusammen gebrochen . Es war das erste Mal in meinem Leben ...wie ein innerlichen Zerfall meiner Selbst . Ich war selbst erschrocken über so einen Gefühlsausbruch , mein Mann war meine Stütze er war auch überrascht ich als sonst taffe und starke nach aussen wirkende Frau . Ich habe Krebs ... im Alltag immer wieder wird man daran erinnert körperlich wird man immer eingeschränkter und so weiter .

    Wenn erzähl ich es , Euch geht es bestimmt nicht anders , solche Phasen erlebt man bestimmt oft .

    Alles Liebe :love::hug:

  • einfach nur leben 🙋‍♀️das hab ich auch gehabt.

    Einen Tag nach der Diagnose bin ich morgens zur Arbeit gefahren. Weil, musste ja weiter gehen und ich habe mir gesagt, soviel Normalität wie möglich. Doch im Auto auf dem Weg zur Arbeit hab ich so einen heulflash bekommen, das ich umgedreht bin und wieder nach Hause gefahren bin. Die ersten Wochen waren schon sehr beängstigend. Aber dann wurde es immer besser und ich konnte auch meine Späße über die Situation machen😉