Was sagst du? Ich habe/ich hatte Krebs?

  • Hallo,

    Was sagst du? Im Gespräch oder wenn ihr gefragt werdet:

    Ich habe Brustkrebs oder ich hatte Brustkrebs? Oder hat frau das immer und liegt nie in der Vergangenheit?

    Kommt dies auf die Dauer an,wielange die Erkrankung schon zurückliegt?

    Lg

    Ticino

  • Hallo Ticino,

    gute Frage!


    Ich sag seit Ende der Therapien, ich hatte Brustkrebs.


    Allerdings kann ich, wenn mich jemand fragt, ob ich jetzt wieder ganz gesund bin, nicht mit großer Überzeugung ja sagen. Ich weiß ja nicht, ob nicht doch noch kleine Mistviecher überlebt haben und inzwischen weiß ich ja auch, dass sie sich auch gerne noch Jahre später auf dem Weg machen und anfangen Ärger zu machen. Die Angst, die in mir schlummert, kann ich nicht ignorieren. Man merkt dann immer, dass die Fragenden gerne etwas anderes hören möchten.


    Aber trotzdem kann ich sagen, dass es mir gerade gut geht und ich die Therapien sehr gut weggesteckt habe.


    Alles Liebe

    Lulu :)

  • Liebe Ticino,


    ich sage, ich hatte Brustkrebs, aber gesund, gesund bin ich nicht. Man ist einfach nicht mehr so leistungsfähig wie vor der Erkrankung. Die Gedanken, ob doch was "überlebt" hat oder ein anderer Krebs zuschlägt sind mal mehr mal weniger da. Ich glaube auch nicht, dass diese Gedanken je ganz verschwinden werden. Wir müssen für uns akzeptieren, dass wir uns durch die Krankheit verändert haben und das Beste draus machen.


    LG

    Kalinchen

  • Hallo Ticino,


    ich sage auch, ich hatte Krebs, spreche also in der Vergangenheit. Es sind jetzt 2,5 Jahre und nach meiner OP sollte mit "großer Wahrscheinlichkeit" nichts mehr nachkommen. Leider hat das mein Kopf irgendwie nicht realisiert ... bei jedem Wehwehchen geht gleich wieder das Kopfkino an. Bei unklaren Beschwerden fährt auch mein Hausarzt gleich das volle Programm mit der Bemerkung " bei Ihrer Vergangenheit liegt eine besondere Gefährdung vor" und sorgt damit auch dafür, dass ich irgendwie doch immer Krebspatient bleibe.


    LG

    Kratzekatz

  • Hallo Ticino,

    ich sage auch HATTE Brustkrebs.

    Auf die Frage allerdings ob ich gesund bin antworte ich mit "NEIN, ich bin krebsfrei". Zum "gesund" fehlt mir einfach noch ein Stück. Da gehören für mich Körper (krebsfrei) und Geist/Seele (meine Psyche ist noch angeschlagen) einfach dazu.

    Mir geht es auch gut und ich habe die ganze Behandlung gut weggesteckt. Aber mein Kopf kann ab und an noch nicht so wie ich das gerne hätte 8o

    LG Mäusel

  • Hallo Ticino,


    ich habe mal einen Satz gelesen, den ich einfach geklaut habe. ;-)

    Ich sage auch, ich hatte Krebs, aber wenn Leute nachfragen, dann sage ich: "Ich bin geheilt, aber nicht gesund!" Denn man darf die Spätfolgen und auch die Psyche nicht außer acht lassen. Ich merke auch, dass ich mich verändert habe. Neben den Ängsten im Kopf erlebe ich aber auch positives, ich kann mich an kleinen Dingen noch mehr erfreuen als früher.

    Ich habe das Gefühl, dass ich in einer anderen Liga spiele. Neulich habe ich mich mit zwei Frauen aus der REHA getroffen, wir hatten so unendlich viel Spaß, haben auch über unsere Erkrankung gesprochen, allerdings war das ein Nebenaspekt. Aber ich habe mich so frei gefühlt. Unter "Gesunden" fühle ich mich manchmal wie eine Außerirdische, anders kann ich das nicht erklären. :-D


    LG

    Milli8o

  • Hallo Milli,

    da sprichst Du mir aber aus der Seele 8o

    Wie ein Alien komm ich mir auch manchmal vor. Vor allem, wenn man sich über Kleinigkeiten freut. Hallo?! Manche Menschen sind echt undankbar und nehmen alles für selbstverständlich. Man wünscht ja niemanden was schlechtes, aber manchmal würde man sich doch wünschen, das Karma etwas für einen richtet... aber alles zu seiner Zeit ^^

    LG

    Mäusel

  • Man könnte auch sagen "Ich bin geheilt, aber ich bin nicht mehr derselbe Mensch wie vorher." Das trifft, glaube ich, auf uns alle hier zu. Wir haben eine andere Perspektive auf das Leben gewonnen, und man nimmt eben nicht mehr alles als selbstverständlich hin. Besonders wenn sich Leute über Kleinigkeiten aufregen, denke ich oft, das ist es gar nicht wert, dafür ist mir meine Zeit viel zu schade.


    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Nachdem mich vor kurzem jemand fragte, ob ich nach den Bestrahlungen dann wieder gesund bin, habe ich geantwortet, dass der Krebs jetzt erstmal weg ist, ich aber 5 Jahre auf Bewährung habe.

    LG Christina


    Wenn es ein Löwenzahl durch den Asphalt schafft, dann wirst du doch sicher auch einen Weg finden.

  • Liebe Christina,

    der Spruch gefällt mir, den muss ich mir merken. Damit kriegt man bestimmt ein paar verblüffte Gesichter zu sehen.


    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Liebe Nordlicht,


    ich gebe Dir halbrecht, geheilt bin ich, gesund nicht. Ich habe Lymphprobleme (wenn sich das auch noch in grenzen hält), Schmerzen im Bein durch eine Nervenschädigung (man sagt, das würde irgendwann besser werden), manchmal schmerzt die Brust oder der Arm. Das war vorher alles nicht da. ich lerne damit zu leben, aber gesund würde ich das nicht nennen. :)

    Liebe Grüße

    Milli

  • Bin da auch sehr unschlüssig was ich sage. Würde gern sagen ich hatte....dann kommt da so ein Männchen in meinen Kopf und sagt: sei dir da mal nicht so sicher. Und schon habe ich ein schlechtes Gewissen wenn ich sagen wūrde ich hatte Krebs bekomme ich es heimgezahlt und erkranke wieder || ich weiß voll blöd solche Gedanken. Somit habe ich mir jetzt angewöhnt zu sagen erstmal geheilt hoffentlich=O.

  • Hallo ihr ,,


    Ich kann euch und besonders Sylvie nur zustimmen .Diese Stimmen im Kopf hab ich auch ...die murmeln dann einfach sowas wie :"...freu dich mal nur nicht zu früh...."

    Bescheuert , aber ich lebe mit meinen Stimmen und mach das Beste draus .


    Ich sage auch , ich HATTE ...

    Meine Chefin hat mich auch gefragt ..und dann bisschen nachgeholt .Da hab ich gesagt , ich bin solange " gesund " und krebsfrei bis mir jemand das Gegenteil beweist .

    Aber es ist schon blöd....ich würde noch 3 Mal den ganzen Chemosch.... mitmachen , wenn wir anschliessend die Garantie bekämen , das nie wieder was kommt......

    Sollte das Leben Dir in den Hintern treten , dann nutze den Schwung um vorwärts zu kommen.

  • Ich sage , ich hatte Krebs. Meist füge ich noch an , das ich im Moment krebsfrei bin und es hoffe zu bleiben.

    Ich bleibe aber Krebspatientin bis ich sterbe. Denn egal zu welchem fremden Arzt ich gehe, überall gibt es Formulare,

    die man ausfüllen muss . Eine Frage lautet immer, liegt oder lag eine Krebserkrankung vor ? Ich werde immer ja ankreuzen

    müssen. Immer bis zum Ende , werden Untersuchungen gründlicher oder schneller gemacht, es gibt ja eine Vorgeschichte.

    Es ist ein Teil meines Lebens der Krebs , ob er nun da ist oder gerade nicht. Dieser Teil verschwindet auch nicht wieder,

    er steht im Moment nur nicht im Vordergrund. 3 Jahre 2 Monate bis jetzt krebsfrei geschafft , möge das so bleiben :)

    Anfangs wollt ich fast verzagen,

    und ich glaubt, ich trüg es nie,

    und ich hab es doch getragen -

    aber fragt mich nur nicht wie?

    Heinrich Heine

  • Fidi: Dafür drücke ich dir ganz fest die Daumen.

    Liebe Grüße von

    Stupsi


    Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie alle siegreich und glorreich zu überwinden (Carl Hilty ) :)

  • Interessante Frage, glaube, die hatte ich auch vor fast 3 Jahren mal hier im Forum gestellt, so etwa ein Jahr nach Diagnose. Bin? War?

    Mittlerweile ist die Erstdiagnose gestern 4 und die zweite etwas mehr als 3,5 Jahre her. Inzwischen sage ich tatsächlich durchgehend "Ich war 2013 an Krebs erkrankt". Gleichzeitig sitzt da so immer mal wieder, besonders wenn es irgendwo zwickt und zwackt, ein komischer Vogel auf meiner Schulter oder in meinem Kopf und flüstert:"Wer weiß... Vielleicht....?"

    Dann versuche ich mit Vernunft/Kopf daran zu gehen. Denn niemand weiß, niemand kann in seinen Körper hineinschauen. Mir sagten sie, mein (1.) Tumor sei bestimmt über ca. 10 Jahre gewachsen. Gemerkt habe ich davon absolut nichts. Fühlte mich immer gesund, hatte minimalste Fehlzeiten im Beruf. Und dennoch wuchs der Schei...... in mir. Denke, ich bin nicht die einzige, der es so ging. Niemand weiß, was in seinem Körper so stattfindet. Ich habe für mich "einfach" beschlossen - ich bin gesund - solange nichts anderes nachgewiesen ist. Ich bin mir aber im Gegensatz zu den "Verschonten" absolut bewusst, dass es keine Garantien gibt . Aber die gibt es für die heute Gesunden auch nicht - nur ist es uns Erkrankten bewusst, was uns das Leben nicht unbedingt leichter macht.


    ***********************************************************************************

    Lebe dein Leben hier und jetzt - und verschiebe nichts auf irgendwann und irgendwo.

  • Im Moment sage ich, vor genau einem Jahr brach meine heile Welt von jetzt auf gleich zusammen. Aber ich habe es geschafft. Und so soll es bleiben.

    Und - ich bin wieder gesund. Basta.


    lg, Tiggy


    Jede 8. Frau bekommt die Diagnose Brustkrebs... Tendenz steigend...

  • Ja, Tiggy, es gibt unheimlich viele Betroffene. Seit ich selbst dazu gehöre, erfahre ich von immer mehr Frauen, dass sie auch Brustkrebs hatten, oder dass Frauen in ihrer Verwandtschaft betroffen waren. Das finde ich manchmal richtig gruselig.

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Liebe Ticino,


    ich habe nach der Erstdiagnose (2 OPs + Strahlentherapie) gesagt: Ich bin Krebspatientin. Ich bin kein Mensch, der den Kopf in den Sand steckt und bin voll im Arbeitsalltag gestürzt (wollte und müsste so, da Alleinstehende). Habe versucht nicht viel zu grübeln, obwohl jede von uns hier weiß wie das so ist: je nach Tagesverfassung eben. Und auch wenn meine Krebsart nicht invasiv gewesen war, hatte ich nach nur 3 Jahren rezidiv. Nach Ablatio, wurde noch eine zweite sehr seltene Krebsart festgestellt, die nicht überwachbar ist. Also habe ich mich für Ablatio beider Brüste entschieden. Ich wurde vor genau 4 Tage aus dem Krankenhaus entlassen, habe in de letzten 4 Monaten 7 OPs, 33 Stunden Vollnarkose und 33 Tage Krankenhausaufenthalt. Ich habe mich für die total OPs entschieden, damit ich hoffentlich bald etwas an Lebensqualität gewinne. Trotzdem sagen die Ärzte, selbst nach beidseitigen Ablatio, ist es möglich, dass der Krebs noch Mal mich besucht. Auch wenn sehr gering, dennoch, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 10%.


    Also aus meiner Sicht, bin und bleibe Krebspatientin.


    In diesem Sinne, schönes Wochenende, Mädels.


    LG

    Grace<3:)