Meine Diep-Flap-OP

  • Hallo Passi ,

    du kennst das ja schon von der Zeit nach der Op im letzten Jahr das man sich nur sehr eingeschränkt bewegen kann.

    Ich kann dir folgende Tipps geben, aber vielleicht hast du das ein oder andere schon zu Hause. 😉

    Ein großes Paket weiche Kompressen, Desinfektionsmittel Optisept, Einmal-Waschlappen und Handtücher (empfehle ich auch mit in die Klinik zu nehmen), Wundsalbe wenn die Nähte zu sind, Schlüpfer die über den Bauchnabel gehen (optimal sind Stützmiederhosen), T-Shirts und Nachthemden zum vorn öffnen.

    Dann brauchst du jemanden der dich zum Arzt fährt um Krankenschein und Rezepte abzuholen von deinem Gyn. Du bekommst im KH einen KompressionsBH und eine Miederhose angepasst, dein Gyn kann dir gleich nochmal ein Rezept ausstellen um das nochmal zum Wechseln im Sanitätshaus abzuholen. Da brauchst du auf jeden Fall einen Fahrer.

    Das wars erstmal was mir so eingefallen ist. Und natürlich ganz viel leckeres Essen 😋


    Viele Grüße Pünktchen 🐞

  • Hallo, Ihr Lieben

    ich bin knacky und mir wurde letztes Jahr die rechte Brust (Mastektomie) entfernt und ein Implantat als Haut Erhalter auf dem Brustmuskel eingelegt. Man sagte mir ich hätte genug Zeit mir zu überlegen ob ich meine Brust mit Bauchschwabbelfett wieder aufbauen lassen möchte und wann. Die neuen Implantate halten mindestens 10 Jahre, wenn nicht länger. Da ich dieses Implantat echt nicht besonders mag und es sich nach fast einem Jahr immer noch fremd und doof anfühlt wollte ich in Ruhe Corona abwarten und in der kalten Jahreszeit nächstes Jahr vielleicht die Bauchbrust in Angriff nehmen. Leider macht eine solche OP nicht mein KH. Jetzt hat aber das Leben mit mir wohl andere Pläne. Währe wohl langweilig wenn alles nach Plan läuft. Mein Implantat ist wohlmöglich undicht wie es bei der Ultraschalluntersuchung raus kam. Jetzt habe ich nächste Woche einen Termin in meinem Altem KH zur Untersuchung, dank meiner Frauenärztin. Mein KH fühlte sich nicht mehr für mich zuständig. Dabei haben die mir doch dieses undichte Ersatzteil eingebaut.------Manchmal fühlte ich mich ganz schön allein gelassen wenn Komplikationen auftauchen.-----Wenn das Ding wieder raus muss, was mache ich denn dann ??? Jetzt eine so große OP (Eigenfett) in Corona Zeiten oder noch so ein Implantat also eine OP zusätzlich ???

    Ich weiß, dass ich die Entscheidung allein treffen muss aber ich fühle mich so hilflos;(:thumbdown::cursing:

    Über einen Austausch währe ich sehr dankbar.

    LG. knacky

  • Liebe knacky ,

    da Du Dich grundsätzlich für einen Diep Flap entschieden zu haben scheinst, würde ich keine weitere Implantat-OP mehr angehen. Such Dir einen plastischen Chirurgen mit viel Erfahrung und zieh das jetzt durch. Irgendetwas ist immer und jetzt ist es halt Corona. Besser wäre es natürlich, Du könntest die OP noch bis zum Frühjahr schieben, aber wenn das Implantat jetzt raus muss, dann ist das eben so. Ist aber nur meine ganz persönliche Meinung.

    Alles Gute für Deine Entscheidung :hug:

  • Liebe Kirsche

    es ist obwohl ich aus Berlin bin schwer mit den Terminen bei den entsprechenden Ärzten und KH. Ich weiß ja auch gar nicht wie schnell das Implantat raus muss. Aber wat mut, dat mut ;!!!

    Vielen Dank für Deine Meinung. Es hilft mir mich zu sortieren.

    Ich wünsche Dir auch alles Gute:hot::hug::!:

    knacky

  • Liebe knacky ,

    ich würde auch kein Implantat mehr einsetzen lassen, wenn Du Aufbau mit Eigengewebe machen lassen möchtest.

    Wenn das jetzt wegen Corona nicht geht gibt es noch andere Möglichkeiten. Es kann ein Platzhalter (Expander) eingesetzt werden, oder vielleicht ist das auch gar nicht nötig, das defekte Implantat wird entfernt und da dann ist da erstmal "nichts", bzw nur Haut. Das sieht sicher nicht "modelverdächtig" aus, ist aber ja nur übergangsweise, falls die Diep-Flap-Op nicht so schnell stattfinden kann wie das Implantat raus soll. Ob das eine Option ist müssen die Ärzte sagen.

    Man ist nur immer völlig überrascht davon, was alles möglich ist, da kommt man von alleine gar nicht drauf.

    Wünsche Dir gute Ärzte, die den passenden Weg für Dich funden.

    LG Rike

  • Liebe Rike ,

    danke ich wusste gar nicht, dass man auch nur eine leere Hülle haben kann z. B. Die Ärzte vom KH letzten Jahres sagten dass sich dann die Haut zurückbildet aber ein Expander als Platzhalte kann ich mir auch vorstellen. Mal sehen was mir die Ärzte erzählen. Erst habe ich gar keinen Termin im Brustzentrum bekommen sollen, da sie sich nicht mehr zuständig fühlten. Eine empfohlene MRT Untersuchung müsse ich privat bezahlen (ca. 500,00 €) da kein neuer Krebsverdacht besteht. Dank meiner Frauenärztin habe ich nun am 9.11. doch einen Termin bekommen. Dann muss ich mich danach in einem anderen KH um die Diep Flap OP bzw. einen Beratungstermin kümmern. Hoffentlich klappt das alles.

    Mich gruselt es auch ohne Halloween <X

    Dir liebe Rike alles Gute

  • Liebe Mondlicht ,


    das ist lieb, dass Du an mich gedacht hast!

    Inzwischen habe ich mich von der Enttäuschung, dass von meiner DIEP-Brust wohl nicht mehr viel zu retten ist, etwas erholt, habe mit Akupunktur begonnen, die tatsächlich die Schmerzen viel erträglicher macht ( obwohl ich nicht dran geglaubt habe), und war in DÜ-GE bei dem auf Brustrekonstruktionen spezialisierten Arzt, der wirklich all den guten Bewertungen entsprochen hat, die man im Internet über ihn lesen kann. Ich habe mich jetzt zu einem neuen Brustaufbau mit dem Latissimus dorsi-Muskel durchgerungen, alles andere ist zu riskant oder würde nicht funktionieren. Jetzt kann ich nur hoffen, dass mir meine Krankenkasse grünes Licht gibt, dann kann ich einen Termin für die OP vereinbaren.


    Wie geht es denn Dir inzwischen? Hast Du Dich schon etwas an Dein Implantat gewöhnt?

    Ich hoffe, Du wirst bald gar nicht mehr merken, dass da ein Unterschied ist zwischen der linken und der rechten Seite.


    Liebe Grüße

    Limonetta

  • Hallo zusammen,

    Vor zwei Tagen bin ich auf der Suche nach etwas anderem so halb zufällig auf dieses Forum und speziell diesen Thread gestossen und habe seither gebannt fast sämtliche Beiträge gelesen. Vor knapp drei Wochen hatte ich meine DIEP-Flap OP (Erstdiagnose BK im August) und ich verstehe im Nachhinein nicht, wieso ich nicht davor mal auf die Idee gekommen bin, nach Erfahrungsberichten zu suchen. Wie so vielen anderen hier hätte mir das sicher geholfen um ein genaueres Bild davon zu bekommen, auf was ich mich da einlasse. Gleichzeitig bin ich beeindruckt von der grossen Vielfalt der Erfahrungen und wie individuell diese sind.

    Ich werde in den nächsten Tagen auch mal etwas zu meiner OP und dem bisherigen Heilungsprozess schreiben (gerade habe ich vom Durchlesen der rund 100 Seiten viereckige Augen und brauche jetzt mal ne andere Beschäftigung als vor'm-Computer-Sitzen/Liegen). Zuvor möchte ich mich schon mal bei allen bedanken, die hier Einblicke ermöglicht und einander Mut zugesprochen haben - auch im Nachgang zu meiner OP profitiere ich davon. Ich realisiere, dass ich mir den Heilungsprozess viel linearer vorgestellt habe, entsprechend haben mich Plateaus und Rückschläge aus dem Konzept gebracht und frustriert. Eine wichtige Erkenntnis aus der Gesamtschau eurer Beiträge ist jedenfalls schon mal, dass Geduld die zentrale Tugend der Stunde ist (etwas, womit ich - wie viele von euch - nicht so gut ausgestattet bin).

    Demnächst mehr & lieber Gruß,

    Saski

  • Hi Saski

    Herzliche Willkommen hier!

    Na, ein Vorteil hat es ja, dass du und erst jetzt gefunden hast, denn im Moment hast du ja sicherlich noch viel Zeit zum Lesen, du wirst dich ja noch schonen müssen.

    So bist du doch gut beschäftigt 😉

    Ich freue mich jedenfalls auf deinen in Aussicht gestellten Bericht, ich liebäugele auch noch mit der Op.

    Falls du es noch nicht getan hast, könntest du du dich auch noch im Vorstellungsthread zeigen. Dort könntest du dich nochmal kurz vorstellen, dann gehst du nicht so unter. Und auch die Mitglieder, die sich nicht für die Diep interessieren und hier gar nicht reinschauen, haben dann die Möglichkeit, dich kennenzulernen.

    Also ich bin gespannt wie es dir ergangen ist und hoffe, dass es dir gut geht und du schon ziemlich schmerzfrei bist...

    Liebe Grüße,

    SaDe

  • Hallo, liebe Limonetta ,

    freut mich, dass Dir die Akupunktur hilft und der Termin bei dem Spezialisten gut gelaufen ist. Ich wünsche Dir viel Glück mit der Krankenkasse und dass für Dich letztendlich doch noch alles gut ausgeht. Vor OPs mit Muskelbeteiligung habe ich größten Respekt und Dich kann ich nur bewundern. Was Du mitmachen müsstest und noch musst UND wie Du damit umgehst - Hut ab!

    ALLES, ALLES GUTE FÜR DICH!!!🍀


    Mir geht's inzwischen wieder gut. Der letzte Eingriff (+zweite OP am selben Tag wegen stärker Einblutungen) hat mir im Anschluss zwar mehr zu schaffen gemacht als die Diep-flap-OP, aber wahrscheinlich spielte da auch mein lädiertes Nervenkostüm eine Rolle. Jetzt hab ich nur noch ein optisches Luxusproblem und es scheint sich auch immer noch was zu verändern... Dauert halt seine Zeit.


    Halte uns bitte auf dem Laufenden! Wir finden Deine Beiträge dann auch im zuständigen Thread.


    Alles Liebe

    Mondlicht

  • Hallo SaDe ,

    Danke für den Willkommensgruß! Was das Thema Zeit-Haben betrifft, liegst du natürlich richtig. Im Moment habe ich sehr viel mehr davon als im Vorfeld der OP, wo ich relativ panisch unterwegs war mit der Idee, meine Wohnung, meine Beziehungen, meine Arbeit, mein ganzes Leben vorbereiten zu müssen auf meinen längeren "Ausfall". Dabei weiss ich aktuell nicht immer recht, was ich am besten mit der neu vorhandenen Zeit anstellen soll. Nach meinem zweitägigen fast schon exzessiven Erfahrungsberichte-Lesen habe ich jedenfalls eine Pause von diesem Forum gebraucht. Vor der OP habe ich mich vielleicht nicht genug mit der Krankheit beschäftigt und weiterhin anderen, "weltlichen" Dingen meine ganze Aufmerksamkeit gegeben. Nun falle ich gerade etwas ins andere Extrem, was auch nicht nur gut tut.

    Nun, gleich kommt ein Freund zu Besuch, drum halte ich mich auch heute nochmals eher kurz. Da du mit der DIEP-OP liebäugelst einfach kurz vorweg: Im Wesentlichen ist bei mir alles gut gegangen und ich würde mich auf jeden Fall wieder dafür entscheiden. Was Schmerzen etc. betrifft, bin ich auch schon länger aus dem gröbsten raus, aber die eine oder andere kleinere Komplikation raubt einfach noch Energie und Nerven. Details dann am Wochenende...

    Schönen Abend wünscht,

    Saski


    PS: Danke für den Hinweis auf das Vorstellungsforum! Das hatte ich noch gar nicht entdeckt, weil ich so auf den DIEP-Thread fokussiert war. Werde mich auch dort bei Gelegenheit noch vorstellen.

  • Liebe Mondlicht ,

    es freut mich sehr, dass es dir nach der OP der anderen Seite inzwischen wieder gut geht! Zwei OPs so kurz nacheinander sind schon sehr anstrengend.

    Das dauert wohl Wochen und Monate, bis die rekonstruierten Brüste dann ihre endgültige Form haben, und ich wünsche dir, dass du dich dann darüber wieder so freuen kannst wie nach der DIEP-Flap-OP.


    Danke auch für deine guten Wünsche, die werden mich in der nächsten Zeit begleiten.

    Aber so toll bin ich gar nicht mit all den Enttäuschungen und den niederdrückenden Ergebnissen umgegangen, ich war neun Monate lang eher das verkörperte heulende Elend... erst seit einigen Wochen scheint es wieder bergauf zu gehen, mit Hilfe von Akupunktur und Nervenschmerzmittel (davon aber immer weniger) gegen die Schmerzen und ein Antidepressivum gegen die Verzweiflung. Über den bevorstehenden Latissimusaufbau denke ich erst gar nicht soviel nach 🙈 und sehe das bis jetzt noch ziemlich gelassen. Es kann fast nur besser werden. Wird ja auch noch eine Weile dauern.


    Viele liebe Grüße

    Limonetta

  • Beidseitiger Brustaufbau Eigengewebe


    Hallo,


    ich befinde mich grad in den letzten Zügen der Chemo noch 3 mal Pacli dann habe ich es Geschafft:). Leider wurde bei mir vor drei Wochen das Brca1 Gen festgestellt. Das verändert nochmal alles. Anstatt einfach nur Brusterhaltend operiert zu werden, habe ich mich entschlossen beide Brüste zu entfernen und mit Eigenfett aufzubauen. Hatte am Montag einen Termin beim Plastischen Chirugen er meinte es wäre bei mir Möglich aus dem Bauchfett. Allerdings werden sie dann ein Körpchen kleiner das passt aber für mich. Alles hängt jetzt davon ab ob ich Bestrahlung bekomne oder ob es mir erspart bleibt und ich dann beide Brüste in einer Op aufbauen kann. Mir ist bewusst das der Eingriff 8-10 St. Dauert. Aber in mir sträubt es sich gegen Silikon. Kann mir vielleicht jemand Berichten der das schon hinter sich hat? Würdet ihr es wieder machen? Hat sich der Eingriff gelohnt vom Ergebniss her? Wie war es mit schmerzen danach?


    Ganz Liebe Güsse

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Ally () aus folgendem Grund: Themen zusammengeführt

  • Liebe DIEP-Interessierte,

    Nun mache ich meine Ankündigung wahr und berichte von meiner Mastektomie (einseitig) mit DIEP-Sofortaufbau.


    Eintrittstag: Ich hatte mich gewundert, dass ich einen ganzen Tag vorher schon anrücken muss, aber der Tag ist tatsächlich dicht gepackt mit Untersuchungen (CT sowie Ultraschall und Einzeichnen der geeigneten Blutgefässe am Unterbauch, Markierung des Wächter-LK, Blutabnahme etc.) und Aufklärungsgesprächen (Anästhesie, Gyn, PC). Zum Abschluss werden Bauch & Brust «bemalt». Abends ein letzter Blick in den Spiegel und wehmütig nehme ich Abschied von meiner rechten Brust und meinem noch unversehrten Bäuchlein.

    Op-Tag: Es geht früh morgens los und auf der Fahrt zum OP-Saal sind die Krankenhausgänge noch leer. Die Situation hat was Unwirkliches. Das Anästhesie-Team, das die Vorbereitungen durchführt, ist ausgesprochen nett und vertrauenserweckend, so dass ich mich in guten Händen fühle als ich einschlafe. Einer der Pfleger ist dann auch noch bei mir, als ich ca. 7½ Stunden später auf der Intensivstation wieder aufwache. Er «begrüsst» mich freundlich und sagt mir, dass alles rundum gut gelaufen sei – das ist natürlich schön und beruhigend zu hören. Es folgen knapp 24h auf der Intensivstation mit stündlicher Lappenkontrolle. Ich bin sofort nach dem Aufwachen unerwartet fit im Kopf und spüre nichts von der Narkose ausser einem minimalen Kratzen im Hals. Tatsächlich bin ich so hellwach, dass ich mich bald anfange zu langweilen und mir ein Buch bringen lasse. Die nächsten 8 Stunden verbringe ich die meiste Zeit mit Lesen und bin beglückt darüber, dass meine Konzentration völlig normal funktioniert. Irgendwann nach Mitternacht werde ich doch endlich mal müde und dämmere zwischen den Kontrollen vor mich hin. Weil es mir so gut ging, hatte ich mich schon gefragt, ob ich nicht auch auf der Normalstation hätte liegen können (mit weniger Gepiepe drumherum). Doch dann demonstriert ein plötzlicher, heftiger Kreislaufeinbruch, dass die Intensivüberwachung durchaus Sinn macht. Als das Gerät Alarm schlägt, sind umgehend mehrere Ärzte da, die mich innerhalb von wenigen Minuten stabilisiert kriegen. (Es wird die einzige kritische Situation im Zusammenhang mit dieser OP bleiben.)

    Tag 2: Am frühen Nachmittag geht es auf die Normalstation, wo der Lappen weiterhin jede Stunde kontrolliert wird. Dank Medis halten sich die Schmerzen in absolut erträglichen Grenzen. Weiterhin Bettruhe. Die Physio kommt erstmals vorbei um mir ein paar Übungen zu zeigen, wie ich im Liegen für bessere Durchblutung sorgen kann. Ansonsten verbringe ich weiterhin sehr viel Zeit mit Lesen. Ein erster vorsichtiger Blick auf die neue Brust bei einer der Kontrollen konfrontiert mich mit dem Anblick einer teilweise schwarzen Brustwarze. Der Arzt spricht von einer Oberflächennekrose, signalisiert aber, dass es noch Hoffnung gibt, dass unter der abgestorbenen Haut neue nachwächst.

    Tag 3: Die Kontrollfrequenz wird für die nächsten 48h auf alle zwei Stunden herabgesetzt (danach noch ein Tag lang alle 4 Stunden und anschließend alle 8 Stunden). Großer Event des Tages: der erste Mobilisierungsversuch. Mehr als Sitzen auf der Bettkante liegt allerdings nicht drin. Der Kreislauf macht noch nicht mehr mit und der Bauch quittiert die Bewegung mit heftigen Schmerzsignalen. Nachdem es mir seit der OP bisher psychisch sehr gut gegangen war, erlebe ich jetzt meinen ersten Einbruch. Klar, schon beim Aufwachen nach der OP war dieses Gefühl der Enge und Spannung am Bauch, die Bewegungsunfähigkeit und die permanente Rückenlage sowie das 100%ige Angewiesensein durchaus herausfordernd. Aber es ist erst der bescheiden ausgefallene Mobilisierungsversuch, der irgendwie ein emotionales Fass zum Überlaufen bringt und auch verdeutlicht, was für eine heftige Baustelle ich mir da eingehandelt habe und welche Geduldsprobe vor mir liegt. Später lass ich mich von der Pflegerin nochmals überzeugen, zum Abendessen wieder die Sitzhaltung am Bettrand einzunehmen. Dieses kleine Manöver ist jedoch wieder so anstrengend und schmerzhaft, dass mich Erschöpfung und Niedergeschlagenheit ein paar Tränen in meine Suppe kullern lassen. Erstmals frage ich mich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

    Tag 4: Das Stimmungstief hat sich verzogen, aber eine neue Herausforderung kündigt sich an: so wie es in meinem Bauch rumpelt, rechne ich mit baldigem Durchfall (was sich später heftig bewahrheiten wird, vermutlich ein Effekt des Antibiotikums). Das steigert meine Mobilisierungsmotivation nun enorm mit dem klaren Ziel, die Bettpfanne zu vermeiden und irgendwie rechtzeitig das Klo erreichen zu können. Ich äussere diesen Wunsch gegenüber einer Pflegerin, die mir vorbereitend eine Extraportion Schmerzmittel gibt. Damit sowie mit ihrer Hilfestellung klappt es tatsächlich, der Durchfallattacke am geeigneten Ort zu begegnen. (Ich weiss nicht, ob das nachvollziehbar ist, aber nach der Erfahrung vom Vortag grenzte das für mich an ein kleines Wunder und war ein großes Erfolgserlebnis, das mich ermutigt hat, in punkto Mobilisierung weitere Grenzen auszuloten.)

    Tag 5: Es geht voran. U.a. kann ich nun schon alleine aufs Klo gehen und werde am Morgen den Blasenkatheter los (der übrigens viel weniger störend war, als ich vermutet hatte). Später am Tag gehe ich erstmals den langen Flur runter und zurück, zwar mit sehr kleinen Schritten und mit vorgebeugtem Oberkörper (eine senkrechte Haltung ist noch längst nicht möglich) aber was soll’s – der Kreislauf macht wieder mit, juchuh! Auch der Appetit ist nun voll zurück – sowie allgemein die körperlichen Lebensgeister, die den mentalen etwas hinterhergehinkt hatten. Abends betrachte ich erstmalig meine neue Brust im Spiegel: sie erscheint mir riesig (doppelt so groß wie die linke) und etwas unförmig, dazu gelb-grün marmoriert. Die Plastiker sind bei ihrer täglichen Visite jedoch jedes Mal total zufrieden, also vertraue ich darauf, dass das schon noch gut wird, wenn die Schwellungen erstmal weg sind.

    Tag 6: Am Morgen werde ich 2 von 4 Drainagen los. Zum Flurspaziergang kommen zwei Stockwerke Treppensteigen dazu. Ich darf zum ersten Mal Duschen. Das allgemeine «es geht bergauf»-Gefühl hält an. Am späten Abend erwacht dann plötzlich meine bisher komplett taube rechte Brust zum Leben: es rumort darin wie verrückt, als ob kleine Tierchen sich dort ein Nest bauen würden, und dazu mischt sich so ein Gefühl von elektrischem Surren. Ich reagiere mit großer Angst, dass mit dem Lappen etwas nicht okay sein könnte. Die herbeigerufene Pflege bietet mir ein Beruhigungsmittel an, was mir noch mehr die Fassung nimmt: Ja, ich habe Sorge, dass da was nicht stimmt, aber ich möchte doch nicht die Sorge betäuben, sondern dass diesem Unstimmigkeitsgefühl auf den Grund gegangen wird! Schließlich wird dann doch der diensthabende Chirurg gerufen, der mich mehr ernst nimmt und mögliche Ursachen erklärt: Vielleicht hat das Ziehen der Drainage etwas in Bewegung gesetzt, womöglich bildet sich Wundwasser oder ein Hämatom, vielleicht melden sich aber auch erste durch die OP verletzte Nerven wieder zurück (das wäre wohl sehr früh, aber nicht undenkbar). Jedenfalls wird mir für diese Nacht eine Art Gurt angelegt um ggf. eine Hämatombildung einzuschränken.

    Tag 7: Die komischen Empfindungen in der neuen Brust sind noch da, aber fühlen sich nicht mehr so dramatisch an und ich kann sie gelassener hinnehmen. Bei der Visite wird meine nekrotische Brustwarze thematisiert. Diese hat sich zum Glück nicht weiter verschlechtert, aber es gilt abzuwarten, was darunter auftauchen wird, wenn die schwarzen Hautpartien irgendwann abfallen. Ganz beiläufig wird erwähnt, dass ich ja glücklicherweise Eigengewebe darunter habe und insofern nichts befürchten muss. Bei einem Implantat müsste man sich jetzt wohl große Sorgen machen, dass ein Abfallen des gestorbenen Gewebes zu einem Loch im Hautmantel und allen möglichen Komplikationen führen würde. Soweit hatte ich überhaupt noch nicht gedacht und bin rundum blitzversöhnt mit meiner Entscheidung für den Wiederaufbau mit Eigengewebe. Gegen die Sorgen, die mir damit nun erspart bleiben, scheinen mir die aktuellen aber vorübergehenden Zumutungen und Einschränkungen als das sehr viel kleinere Übel.

  • (Fortsetzung)

    Tag 8: Was die Erholung und Wundheilung von der DIEP-OP betrifft, geht es langsam aber stetig gut weiter. Zum Glück habe ich bisher keinerlei Wundheilungsstörungen, jedoch schon noch ein sehr starkes Spannungsgefühl am Bauch. An der Brust wird eine weitere Drainage gezogen, so dass mir nur noch eine am Bauch bleibt. Leider geht es meiner Haut seit ein paar Tagen zunehmend schlechter. Inzwischen sind große Teile meines Körpers von einem juckenden Ekzem bedeckt. Dies in Kombination mit der immer noch beträchtlichen Bewegungseinschränkung (diesbezüglich geht irgendwie schon länger nichts mehr vorwärts) bringt mich ein weiteres Mal an mein psychisches Belastungslimit. Später wird eine Medikamentenallergie vermutet und ich werde mit einer Kortisonsalbe behandelt.

    Tag 9: Ich bin Hin und Her gerissen. Eigentlich habe ich nun wirklich genug vom KH und will nach Hause – und man würde mich vermutlich auf Wunsch auch gehen lassen. Was mich zögern lässt, sind der Ausschlag, der stetige Nachfluss in die letzte Bauch-Drainage und die Tatsache, dass ich in den letzten Tagen kaum an Beweglichkeit zugewonnen habe und damit die Sorge, dass ich zuhause allein nicht ausreichend klarkommen könnte. (Z.B. sehe ich überhaupt nicht, wie ich in mein relativ tief gelegenes Bett rein und wieder rauskommen soll, da hat auch die Physio keinen brauchbaren Rat auf Lager.)

    Tag 10: Nachdem ich schon seit Tagen kaum noch Schmerzmittel genommen hatte, tut mir heute plötzlich der Unterbauch wieder höllisch weh. Mein durch das Ekzem strapazierte Nervenkostüm reagiert empfindlich. Ich will nicht mehr, verdammt! Kann der Spuk nicht einfach mal vorübergehen!?! Die Drainage produziert zwar immer noch etwas über dem Grenzwert für die Entfernung, aber meine Intuition sagt mir, die Schmerzen haben mit ihr zu tun. Meine Bitte wird schließlich erhört und die Drainage gezogen – was sich erstmal schwierig gestaltet, denn sie hat sich festgesaugt. Aber als sie dann draussen ist, beginnt ein neues Leben. Ich bin von einer Sekunde auf die andere schmerzfrei. Auch meine Haut reagiert langsam auf die Kortisonbehandlung. Damit ist für mich klar: morgen werde ich das KH verlassen.


    So kam es dann auch und ich zog zunächst für einige Tage zu Freunden, wo ich sehr liebevoll versorgt wurde und in den Genuss eines hohen Gästebettes mit hochklappbarem Kopfteil kam. Seit einigen Tagen bin ich nun wieder bei mir Zuhause, wo es mit der Selbstversorgung ganz gut klappt, auch aus meinem Bett komme ich inzwischen gut rein und raus. Es gäbe noch viel zu berichten über die praktischen Erkenntnisse aus dem KH-Aufenthalt und der «Privat-Reha». Aber dieser Post ist schon so extrem lang geworden, dass ich ihn splitten musste und so mache ich für heute erstmal Schluss.

    Ich bin auch nicht sicher, für wie viele in diesem Forum der DIEP-Flap derzeit ein relevantes Thema ist. Bei Interesse gebe ich gerne weitere Auskünfte zu meiner Erfahrung und bin selbst auch sehr interessiert an den Erfahrungen anderer, speziell auch zur Schonungsphase nach der OP.

    Seid lieb gegrüßt,

    Saski

  • Saski vielen Dank für deinen ausführlichen und anschaulichen Bericht.

    Ein Spaziergang war das ja irgendwie nicht und du scheinst ja manchmal auch an deine Grenzen gestoßen zu sein..

    Es ist ja auch nicht wegzudiskutieren, dass es ein ziemlich großer Eingriff ist.

    Bist du denn mit dem Ergebnis mittlerweile zufrieden?

    Oder ist es immer noch so geschwollen?

  • Saski habe alles sehr aufmerksam gelesen. Danke für den anschaulichen Bericht. Ich wünsche Dir gute Wundheilung und viel Geduld. 🍀
    Und ich bin sehr an weiteren Berichten interessiert.


    Mein Termin ist am 15.02.2021 für die Diep-flap. Mir graut davor.


    Catharina, im Modus Augen zu und durch 🌼🌸🌻

  • Liebe Catharina , liebe Rike ,


    Danke für eure guten Wünsche in meine Richtung!


    Catharina, dein Grauen kann ich natürlich bestens verstehen und dir leider nicht nehmen, wünsche dir aber, dass es dich nicht zu sehr vereinnahmt. Vielleicht kann ich mit den folgenden Nachgedanken zu meiner Erfahrung ein wenig dazu beitragen.


    Zum Glück war ich in meinem bisherigen Leben selten krank und wenn dann mit unkomplizierten Heilungsverläufen. Im Nachhinein realisiere ich, dass ich unbewusst auch bei dieser OP mit einem linearen Prozess gerechnet hatte, durchaus einem langsamen und anspruchsvollen, aber doch einem wo es stetig nur in Richtung Besserung geht. Da waren keine Phasen von Stagnation oder gar Rückschritte drin vorgesehen. Vielleicht hätte ich diese Phasen psychisch besser weggesteckt, wenn ich sie als natürliche Bestandteile des Gesamtprozesses hätte sehen können. So jedoch fokussierte sich meine ganze Aufmerksamkeit jeweils komplett auf das aktuell Problematische und die schon erreichten Fortschritte fielen von meinem mentalen Radar.


    Vor der OP hatte ich am meisten Respekt vor den ersten 1 bis 3 Tagen gehabt (an die Tage 4 bis X habe ich kaum gedacht). In meiner Vorstellung war es schwer denkbar, einen oder mehrere Tage nicht vom Bett aufstehen zu dürfen (bin ein sehr bewegungsfreudiger Mensch). Ich hatte die Sorge, dass mich da voll der Koller packt. Auch vor starken Schmerzen hatte ich natürlich Angst. Also habe ich mich ein wenig vorbereitet mit Autogenem Training und ähnlichen Methoden und mir zudem schöne Orte überlegt, an die ich mental gehen kann, wenn ich die Krise kriege. Ich glaube, das war wirklich sehr hilfreich und würde es denjenigen, die die OP vor sich haben, gerne empfehlen. Rückblickend würde ich nun auch die Tage 4 bis X ernster nehmen und mich darauf vorbereiten – jedoch ist das jetzt eine Überlegung der Sorte «hinterher ist man immer schlauer», denn ich hatte ja keine konkreten Vorstellungen, wie diese Tage aussehen könnten. (Die Erfahrungsberichte hier habe ich erst nach der OP entdeckt.)


    Für alle, die den DIEP Flap in Erwägung ziehen, möchte ich nochmal wiederholen, was in diesem Thread schon viele gesagt haben: Die OP und ihr Nachhall sind sicher kein Spaziergang, aber machbar! Wenn man die Berichte hier liest, zeigt sich, dass es keinen Standardverlauf gibt, auf den man sich einstellen kann. Und je nachdem, wie die einzelne so gestrickt ist, macht ihr vielleicht der eine Aspekt mehr zu schaffen als der andere. Das ist nur bedingt vorhersehbar. Mir kommt da der Spruch in den Sinn «Kontrollier das Kontrollierbare!». Also mein Fazit wäre: Schaut, dass ihr in körperlich und mental möglichst guter Verfassung ins KH geht und investiert da im Vorfeld soweit möglich. Seid aber auch darauf gefasst, dass vieles nicht in eurer Hand liegt und nicht vorhersehbar ist. Die Kunst ist wohl, sich davon dann nicht verrückt machen zu lassen und sich dafür Unterstützung zu organisieren – sowohl im medizinischen Sinne mit Medis etc. als auch menschliche Unterstützung, Zuspruch, Beruhigung etc.


    Liebe Grüße von,

    Saski