• Ich hatte im vergangenen Jahr nach Chemo und Bestrahlung eine ausgeprägtes Fatigue-Syndrom, evtl. auchch durch den Antikörper Avastin ausgelöst. In dieser Zeit konnte ich keine längeren Strecken mit dem Auto auf der Autobahn fahren. Auch wenn ich mich recht fit und ausgeschlafen fühlte, bekam ich nach wenigen Minuten geradeaus Probleme mit dem Sehen. Ich sah unscharf, begann zu schielen und hatte einen sehr starken Drang, die Augen zu schließen. Mehr als 10 min gingen nicht, wohingegen der Stadtverkehr kaum Probleme machte, wenn man vom Stop and Go mal absieht, das war ebenfalls übel. Ich habe es dann gemieden, weil es mir einfach zu gefährlich und unangenehm und auch sehr anstrengend war, ich war danach immer schweißgebadet.


    Die Fatigue hatte sich recht gut zurückgebildet, ohne Mittagspause mit kurzem Schläfchen komme ich zwar nach wie vor schlecht über den Tag, aber ich konnte immerhin wieder eine gute Stunde mit gutem Gefühl über die Autobahn fahren. Nach der letzten Chemo, die Anfang Juni zuende war, habe ich nur eine "gemäßigte" Fatigue, jetzt stehen zur Abwechslung zunehmende Konzentrationsstörungen in Form von Wortfindungsstörungen sowie extrem schlechtem Kurzzeitgedächtnis im Vordergrund. Ich war immer sehr gut organisiert und effektiv, jetzt bekomme ich nur wenig auf die Reihe und verzettele mich. Ständig suche ich irgendetwas, vergesse, den Wasserkocher auszustellen etc....


    Überraschenderweise ist auch das Autofahren wieder sehr problematisch, ich war davon ausgegangen, daß ich nach drei Wochen Urlaub so erholt bin, daß das wieder gut funktioniert, aber eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall, ich habe das Gefühl, daß das Ganze eine neue Qualität erreicht hat und sich nicht von selbst wieder legt. Mit meinem Mann kann ich darüber nicht gut sprechen, der würde mir dann sofort auch das Fahren im Stadtverkehr verbieten wollen, was problemlos klappt. Ich bin in dieser Hinsicht sehr selbstkritisch und wirklich ehrlich zu mir selbst, immerhin habe ich oft meine Kinder oder auch deren Freunde dabei.


    Hat jemand ähnliche Erfahrungen, auch wie lange so etwas anhält? Oder gibt es vielleicht ein Training, was die Ermüdungserscheinungen verbessern kann? Ich überlege, ob ich mich mal an einen Neurologen wende. Komme mir aber etwas blöd dabei vor, leider habe ich keinen in meinem Bekanntenkreis....


    Ich freue mich über Anregungen und Tipps!


    Liebe Grüße, Ingrid

  • Liebe lebenslustige Ingrid,
    die von dir beschriebenen Symptome kenne ich nur allzu gut. Auch ich leide unter einer stark ausgeprägten Fatigue, die mich sofort ins Bett wirft, wenn ich nach Hause komme. Obwohl ich bei insgesamt drei Tumorerkrankungen "nur " Bestrahlung und Antihormontherapien hatte, fahre ich schon sehr lange nicht mehr Auto. Ich bin einfach zu unkonzentriert und erschöpft und befürchte von einem Sekundenschlaf überfallen zu werden. Stattdessen bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Zu meinen Erkrankungen kommt nun auch noch die schwere Erkrankung meines Mannes hinzu. Ich muss für ihn alles, aber wirklich alles regeln. Er ist ja leider an Alzheimer erkrankt.
    Ich habe mein Leben um die Erschöpfung herum organisiert. Keine abendlichen "Ausgänge", tägliche Spaziergänge und eben regelmäßige "Siestas".
    Auch ich war in meinem früheren Leben das, was man eine taffe Frau nennt, war also sehr gut organisiert und habe alle Herausforderungen geschultert. Ich bin nun völlig desorganisiert, chaotisch und kraftlos, was das Ordnen und Aufräumen betrifft. Das ist natürlich fatal, weil ich mir dann jeden Tag vornehme, die Aufräumarbeiten anzugehen.
    Ich habe derzeit auch Urlaub und spüre eine minimale Besserung in meinem Körper. Tägliche Spaziergänge mit meiner vierpfötigen Begleiterin am fließenden Wasseer tun mir sehr, sehr gut. Ich fühle, dass es wieder Glücksmomente gibt.
    Deine Idee, dich an einen Neurologen zu wenden ist sehr, sehr gut. Eine andere Möglichkeit wäre eine Reha zu beantragen. Die drei Anschlussheilbehandlungen haben mich nach jeder Erkrankung wieder fit gemacht. Leider zahlt meine private Versicherung nur einen Minimalteil einer Reha - aus diesen Gründen habe ich nie eine durchgeführt.
    Ich wünsche dir alles nur erdenklich Gute im Kampf gegen diese permanente Erschöpfung.
    Sei lieb gegrüßt und :hug: von
    Angie

  • Liebe Ingrid,


    da ich sowieso kein Auto fahren darf, hatte ich dieses Problem direkt nicht. Ich habe mich allerdings in meiner Therapiezeit (das waren 18 Monate Interferon) zum Teil noch nicht mal aufs Fahrrad getraut, weil ich mich nicht konzentrieren konnte. Manchmal war zu Fuß gehen schon grenzwertig...
    Mir hat immer Bewegung geholfen. Wenn ich sehr müde war, habe ich meist eine kleine Runde Nordic-Walking eingelegt. Naja, es war wohl eher ein Spaziergang mit Stöcken, tat aber trotzdem gut.
    Konzentrationsprobleme habe ich auch immer noch. Ich mache jetzt Yoga. Da tut man was für den Körper und findet gleichzeitig zur Ruhe. Mir tut das sehr gut, und ich mache mitlerweile vor fast jedem Gottesdienst ein paar wenige Übungen, so kann ich mich die Stunde an der Orgel ganz gut konzentrieren und den Gottesdienst auch anständig begleiten.
    Ansonsten hilft, wie Angie schon geschrieben hat, ein strukturierter Tag, wichtig sind da z.B. regelmäßige Schlafenszeiten.
    Versuche, eine gute Ballance zwischen Aktivität und Entspannung zu finden. Nur Ausruhen verschlimmert die Probleme in der Regel.


    LG Danka

  • @Lebenslustig: Habe noch vergessen, dass ich morgen ein großes Blutbild bei meinem Hausarzt machen lasse. Eisenmangel kann ebenfalls eine Ursache für meine ständige Erschöpfung sein.
    @ Danka: Danke für die Erinnerung an die Entspannungsübungen. Habe ich schon lange nicht mehr gemacht - möchte ich nun wieder in meinen Lebensrhythmus einbauen.
    Liebe Grüße
    Angie

  • Liebe Ingrid,


    ich bin erst seit ein paar Tagen angemeldet, lese aber schon längere Zeit mit. Ich wollte dich fragen, wie es dir geht und vorallem ob deine Therapie das tut was sie soll, nämlich wirken. Ich habe immer sehr interessiert deine Einträge verfolgt und finde es toll, du bist so eine starke Frau.


    Mein Mann hat seit August 2014 fortgeschrittenen Enddarmkrebs mit Metastasen in Leber und Lunge und nach vielen Operationen und Therapien, hatte er im Juni 2016 wieder Metastasen in Leber und Lunge. Dann Therapieschema mit FOLFIRI plus Cetuximab. Am Montag hatte er CT Kontrolle und die Metastasen sind nicht mehr abgrenzbar. Uns ist ein riesen Stein runtergeplumpst. Jetzt hat er sich zu einer Erhaltungstherapie mit Capecitabin plus Avastin entschieden, hat heute mit der Tablettenchemo angefangen. Wir hoffen natürlich sehr, das es wirkt und alles gut klappt.


    Ich weiß, dass du auch M. nimmst, allerdings ohne Antikörper, nach Dr. F. aus U. soll das ja nicht so optimal sein (ich meine die Kombination). Aber sei es drum, mein Mann nimmt Avastin nun trotzdem dazu und wir hoffen, es tut weiterhin so gute Dienste. Wenn ich nur an die reduzierten Nebenwirkungen denke, was für eine Lebensqualität und Zusatzgewinn. Alleine dafür lohnt sich der Einsatz von M.


    Ich hoffe es geht dir gut und würde mich freuen von dir zu hören.


    Liebe Grüße Billy

  • Wer von euch hat/hatte das und was kann man dagegen tun? Ich hatte Anfang Mai die letzte Chemo Mitte Mai. Doch vor der Diagnose hatte ich entsprechende Symptome, die unter der Chemo stärker wurden. Mittlerweile weiß ich, daß besonders bei Brustkrebs und Lymphomerkrankten diese Symptomatik vermehrt auftritt. Mich belastet das sehr. Ich muss oft Pausen einlegen, weil ich so erschöpft bin. Ich fühle mich wie bei einer schweren Depression, und damit kenne ich mich aus, leider.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

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  • In Reha aber auch so, in Therapie wird Fatigue angesprochen. Es gibt aber verschiedene Varianten was das Erschöpftsein anbelangt. Eine Variante ist wohl die Fatigue nach Therapie, die besser werden soll, je aktiver man wird. Da ist Reha sehr hilfreich, da der Schweinehund dort einfach weitaus weniger groß ist, da man meist alle Sportaktivitäten direkt im Haus hat, und nicht noch irgendwohin fahren muss,anmelden muss etc.


    Aber sicher wichtig zu überlegen, woher die Erschöpfung kommt, ob weitere Probleme, Schilddrüse, Medikamente, Mineralien, Vitamine, Eisenmangel etc.


    Ich habe heute von einem Kollegen erfahren, dass er ( gesunder Mann ca 35), jedes Jahr einmal eine Sauerstoff Auffrischung für das Blut bekommt, scheint eine Igel Leistung ( bei ihm 45 Euro). Er meint es wird Blut abgenommen, dies mit Sauerstoff angereichtert und dann wieder reingespritzt. ( Hoffe er hat mich nicht veräppelt..) aber er meinte dadurch hätte er ca 3 Wochen unglaublich viel mehr Energie. Vielleicht wäre so etwas ja auch einen Versuch wert.

  • Hallo...

    Blut mit Sauerstoff anreichern, das macht normalerweise die Lunge...:/

    Wenn diese es nicht ausreichend kann wird die Konzentration der Sauerstoffzufuhr erhöht, bei Lungenkranken. Es gibt auch die Möglichkeit, die Lungenfunktion auserhalb des Körpers zu ersetzen, aber das ist ein intensivmedizinisches Verfahren und keine IGeL-Leistung für 45€.

    Klar geht es einem besser wenn man Geld für eine Leistung ausgegeben hat, darf ja nicht rausgeschmissen gewesen sein.

    Mit Sauerstoff ist es übrigens wie mit allen Medikamenten, die Dosis macht das Gift, sehr hohe Sauerstoffkonzentrationen sind schädlich für die Lunge, aber keine Sorge, da wird bei der IGeL-Leistung nix passieren. Und wo wird das angeblich angereicherte Blut überhaupt hingespritzt? In die Vene??? Was soll das bringen? Also hoffen wir mal liebe Vael, dass er Dich veräppeln wollte, sonst wäre dieser Blödsinn einfach zu ärgerlich.

    LG Rike

  • Rike , möglich dass er mich veräppelt hat, denke aber eher nicht. ( eigentlich kein passendes Thema zum jemanden einen Bär aufbinden) . Aber wissen tu ich da nix.

    Habe hier einen Link gefunden, die so einige Sauerstoff Therapien erklärt.
    ...

    Hier gibt es sogar mehrere die Blut nehmen Sauerstoff (Ozon etc) zu fügen und wieder zurück in die Vene spritzen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Ally () aus folgendem Grund: Link entfernt, sorry Pharma

  • Rike , möglich dass er mich veräppelt hat, denke aber eher nicht. ( eigentlich kein passendes Thema zum jemanden einen Bär aufbinden) . Aber wissen tu ich da nix.

    Habe hier einen Link gefunden, die so einige Sauerstoff Therapien erklärt.
    ...

    Liebe Vael , er hat Dich nicht veräppelt. Das nennt sich Eigenblutbehandlung. Vor vielen Jahren hat ein Hautarzt mir damit weitergeholfen, denn sonst hat nix gewirkt. Das entnommene Blut kann auch mit entsprechenden Medikamenten "aufgepeppt" werden.


    Liebe Grüße

    Bine61

  • Hallo ihr Lieben klink mich Mal ein, als ich meiner Ärztin erzählte, dass ich oft Wortfindungsprobleme habe, oft total unkonzentriert bin, wenn ich mich nicht am tage mit irgendwas beschäftige immer einfach so wegnicke. Auch abends beim fernsehen, das ist mir allerdings auch früher passiert, Sie meinte ich wäre zu jung dafür und vielleicht sollte ich mal ins Schlaflabor. Von Fatigue hat sie nix gesagt, davon habe ich erst hier von euch im Forum gelesen.

    Ach und das mir dem Sauerstoff angereicherte Eigenblut fördert wirklich das Leistungsvermögen, hat doch so manchem Profiradfahrer das Genick gebrochen8o. LG Conny

  • Hallo...

    Blut mit Sauerstoff anreichern, das macht normalerweise die Lunge...:/

    Rike

    Ich kenn sowas unter dem Begriff ACP-Therapie (autologes conditoniertes Plasma) und zählt nicht zum Doping 😁 bekommen z.b. auch Fußballer nach Verletzungen.


    Das Blut wird entnommen und in einer zentrifuge bearbeitet und anschließend wieder in die schmerz betroffene Stelle injiziert. Biologisch und Nebenwirkungsfrei 😉

    Liebe Grüße

    Biggi

    _______________________________________________________


    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • ...Sie meinte ich wäre zu jung dafür und vielleicht sollte ich mal ins Schlaflabor. Von Fatigue hat sie nix gesagt, davon habe ich erst hier von euch im Forum gelesen.

    dann darf ich deine Ärztin „willkommen im Club der ahnungslosen Ärzte“ aufnehmen Conny62


    fatigue hat nichts mit dem Alter zu tun. Ich bin 54 und jünger als du und hab es von fähigen Ärzten schriftlich bescheinigt.


    Klar sesselpupsen ist keine Fatigue aber in Kombination mit vielen anderen Dingen wie unkonzentriert, Müdigkeit, Erschöpfung auch im Ruhezustand gehören definitiv dazu.


    Was soll das schlaflabor denn dann erreichen? Meint die du schnarchst und hast deswegen die Symptome?

    Komische Ärztin! Geh mal auf die Infos vom kid, glaub das was da steht und druck es für deine Ärztin aus. Oder ruf beim kid an und erzähl denen das, die werden dir wahrscheinlich das gleiche sagen 😉

    Okay, vielleicht nicht das mit der ahnungslosen, das werden die anders begründen.


    Liebe Grüße

    Biggi

    Liebe Grüße

    Biggi

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    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • Liebe Biggi, ich hatte noch andere tolle Begebenheiten mit meiner Onkologin, aber leider ist sie hier die einzige und ich möchte nicht immer ne halbe Weltreise auf mich nehmen. Das ist das doofe am Landleben. Sie ist wirklich nett, aber wie soviele Praxen , hat auch sie zuviele Patienten um wirklich intensiv auf jeden einzugehen. Ich weiß, viele sagen jetzt, das ist aber ihr Job, und andere das ist meine Gesundheit, ja das stimmt!!

    Beim nächsten Termin werde ich das Thema ansprechen, aber kann was dagegen machen ohne irgendwelche Pillen zunehmen? LG Conny

  • Liebe Conny62 , liebe BiggiL ,

    so einfach würde ich die Ärztin nicht in den Club der ahnungslosen Ärzte aufnehmen 😉! Diese Müdigkeit und Erschöpfung kann natürlich unterschiedliche Ursachen haben. Und eine Abklärung im Schlaflabor ist da durchaus sinnvoll. Dort wird untersucht ob man nachts Atemaussetzer hat. Nennt sich SAS, Schlafapnoesyndrom. Wenn das der Fall ist, ist man natürlich tagsüber erschöpft, müde und nickt auch schnell ein. Die Folge sind diverse körperliche Probleme, unter anderem Bluthochdruck.

    Lass es doch abklären und wenn da alles in Ordnung ist, umso besser😃, eine mögliche Ursache ist dann ausgeschlossen.


    Ich wünsche Euch allen von Herzen alles Gute!


    L. G. Tara☀️