Krankschreibung - oder doch arbeiten?

  • Hallo zusammen,


    bin nicht sicher, ob ich hier im richtigen Thema bin, aber mich würde mal interessieren wie es bei euch nach der Diagnose mit dem Arbeiten aussah? Wurdet ihr sofort krank geschrieben, habt ihr noch gearbeitet?

    Ich habe am Tag nach meiner Brustkrebs-Diagnose eine Krankschreibung von meiner Gynäkologin für vier Wochen bekommen und soll mich dann jeweils für die neue einfach melden. Zu dem Zeitpunkt konnte ich mir erstmal nicht vorstellen, arbeiten zu gehen. In den letzten Tagen ist es mir besser als in jedem Urlaub zuvor gelungen, gedanklich vom Job abzuschalten (wobei ich mir nun echt eine andere Ablenkung gewünscht hätte). Aber im Grunde fühle ich mich ja rein körperlich genauso wie vorher und könnte durchaus arbeiten. Abgesehen von den ganzen Arzt- und Untersuchungsterminen, aufgrund derer ich wohl maximal die Hälfte meiner Arbeitszeit erfüllen könnte. ;-)

    Die Aussicht, mehrere Monate nicht arbeiten zu gehen, macht mir irgendwie Angst. Hinzu kommen auch die Fragen bezüglich Lohnfortzahlung/Krankengeld, bin ich ausreichend abgesichert usw usf.

    Ich habe gelesen, dass einige von euch weiter arbeiten gehen/gegangen sind, sogar während der Chemo. Wie waren bei euch die Ratschläge der Ärzte diesbezüglich? Habt ihr das selbst entschieden, je nach Befinden? Und wie lange wart ihr insgesamt am Stück arbeitsunfähig?

    Vielleicht seltsam, aber diese Fragen beschäftigen mich gerade wirklich sehr. Vielleicht sogar noch mehr als die anstehenden Termine und der Chemobeginn...

    Danke und liebe Grüße

    Ganapati

  • Liebe Ganapati,


    ich gehöre zu denjenigen, die auch während der Chemo noch arbeiten gehen. Nach den Gaben gibt es ein paar Tage, an denen ich zu Hause bleibe und mich krankschreiben lasse, wenn es mir nicht so gut geht. Aber ansonsten arbeite ich nach wie vor in Vollzeit. Die Ärzte haben mich zu meinem Job befragt, zu meinem Tätigkeitsgebiet, womit ich es zu tun habe. Ich sitze im Büro ohne körperliche Tätigkeit und ohne viel Kundenverkehr; also darf ich weiter arbeiten. Ich würde aber auch jederseits eine durchgehende Krankschreibung erhalten, sollte ich das wünschen.

    Ich habe jetzt leider keine Zeit, ausführlicher zu antworten; muss weg. Bei Fragen kannst du mir gerne eine PN schreiben oder hier nochmal fragen; wenn ich wieder zu Hause bin, antworte ich dir sehr gerne.


    LG

    Pschureika

  • Liebe Ganapati,

    ich habe während der gesamten Therapie durchgängig gearbeitet. Unter der Chemotherapie bin ich nur mal ein paar Tage zu Hause geblieben, wenn es mir mal nicht so gut ging. Das waren insgesamt vielleicht 10 Tage. Die Chemotherapie war bei mir im Juni beendet. Danach hatte ich Urlaub und bin erstmal in den Urlaub gefahren . Nach meiner Rückkehr stand die OP an . Ich war 1 Woche im Krankenhaus und danach noch 1 Woche zu Hause. Danach habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Aktuell bin ich im letzten Drittel der Strahlentherapie und arbeite auch. Die Bestrahlung g habe ich immer nachmittags nach der Arbeit. Bei mir geht das sehr gut. Ich bin aber selbständig und kann mir meine Arbeit selbst einteilen je nach Bedarf. Ich harzte mir nicht vorstellen koennen, die ganze Zeit zu Hause zu sein. Fuer mich war und ist Arbeit ein Stueck Normalitaet, die mir persönlich gut tut. Aber das muss letztlich jeder selbst fuer sich entscheiden.

    Liebe Gruesse Sonnenschein

  • Liebe Ganapati,

    ich habe auch während der Chemo gearbeitet (Bürojob ohne Publikumsverkehr). Ich war am Tag der Chemo und den Tag darauf immer zu Hause geblieben und dann ging es langsam wieder. Allerdings wurde es auch von Mal zu Mal schwerer, ich hatte vermehrt Konzentrationsprobleme und war auch immer wieder sehr müde.

    Mir war es aber auch wichtig, ein Stück Normalität um mich rum zu haben und die Arbeit hat mich auch vom ständigen Grübeln abgehalten. Ab der OP war ich dann krank geschrieben.

    LG Christina


    Wenn es ein Löwenzahl durch den Asphalt schafft, dann wirst du doch sicher auch einen Weg finden.

  • hi ganapti

    Ich habe während des untersuchungsmarathons bis zur ersten op (bin vor der Chemo brusterhaltend operiert) gearbeitet. Konnte meine Arbeitszeit entsprechend legen bzw von unterwegs erledigen. Danach ging es dann zügig mit der Chemo weiter. Da ich einen sehr stressigen Job mit viel publikumsverkehr hatte durfte ich während der Chemo nicht arbeiten und ich hätte es auch nicht wirklich gekonnt. Obwohl ich viel zu Hause war habe ich mich nie gelangweilt und die Zeit ging schnell um. Schau einfach wie es für dich passt.

    LG

    heideblüte

  • Liebe Ganapati,


    ob und wann du arbeitest hängt von vielen Faktoren ab. Ersteinmal von deiner Arbeit und dann natürlich von deiner körperlichen und seelischen Verfassung im Laufe der verschieden Etappen der Krankheitsbewältigung. Im Endeffekt entscheidest du und deine Ärzte gemeinsam wie lange du krank geschrieben wirst. Wegen der Dauer der Krankschreibung musst du dir keine Sorgen machen - 78 Wochen gibt es ja Krankengeld.


    LG

    Kalinchen

  • Liebe Ganapati

    Ich denke es kommt darauf an was Du beruflich machst. In einem Beruf mit viel Publikumsverkehr ist es vielleicht nicht ratsam , oder man könnte sich für die Zeit an eine andere Stelle versetzen lassen , falls möglich. Ich selber habe im Krankenhaus gearbeitet und da durfte ich nicht arbeiten laut unserer Oberärztin. Da wiurde ich auch durchgängig von meiner Frauenärztin krank geschrieben. Nach sechs Wochen bezog ich Krankengeld. Ich war bei meiner Ersterkrankung vor 11Jahren über ein Jahr zu Hause . Habe erst nach der Reha mit der Wiedereingliederung begonnen. Aber wie Du hier lesen kannst, gehen auch etliche arbeiten. Das ist unterschiedlich,je nachdem wie Du Dich fühlst . Kann die Gedanken gut verstehen, hatte ich auch , aber warte mal ab , wie es Dir geht. Vielleicht ist es die erste Zeit sogar gut wenn Du krank geschrieben bist,

    und später wieder in die Arbeit einsteigst.

    LG und alles Gute für Dich

    alesigmai52

    Die Zeit heilt nicht alle Wunden,sie lehrt nur
    mit dem Unbegreiflichen zu leben
    Rainer Maria Rilke

  • Danke für eure Geschichten. Ich habe großen respekt vor euch, dass ihr das so tough durchzieht.

    Ich hatte erst jetzt nach ein paar Tagen den Gedanken, dass es sicher gut ist, so viel wie möglich an Normalität zu bewahren. Auch wenn nichts mehr so ist wie vorher. Und die Ablenkung und das Gefühl, etwas nützliches zu tun, sind bestimmt auch wichtig.

    Ich habe bisher schon zwei Tage pro Woche von zu Hause gearbeitet, das wäre eine Option für die nicht so fitten Tage. Oder vielleicht weniger Stunden. Denke, ich werde mal die Ärztin und meinen Chef / Personalabteilung befragen. Und natürlich mal schauen, wann es mit der Chemo losgeht und wie ich mich fühle (regulär wäre ich eh bis Mitte September in Urlaub). Allerdings fällt mir der Gedanke schwer, nun einfach wieder ins Büro zu spazieren (...mit all den betroffenen Gesichtern und mitleidigen Blicken...). Ganz zu schweigen von dem Moment, wenn dann doch irgendwann die Haare weg sind...

    Fiel euch das leicht? Und wie haben eure Kollegen reagiert?

    Ach, vielleicht brauche ich aktuell auch nur einfach ein bisschen Geduld mit mir selbst und dem ganzen Drumherum. Irgendwie wird es sich fügen^^

    LG Ganapati

  • Liebe Ganapati,

    meine Kollegen (leider alles Männer) waren von Anfang an im Bilde. Ich habe sie ganz sachlich immer auf dem Laufenden über die nächsten Schritte gehalten und sie haben "ein ganz klein wenig" Rücksicht auf meinen Zustand genommen. Ich hatte ihnen auch morgens mitgeteilt, dass ich mir am Abend die Haare abrasieren lasse als es soweit war. Bis heute hätte noch einer irgendeine negative Bemerkung dazu machen müssen.

    Aber auch in der Öffentlichkeit hab ich es mir schlimmer vorgestellt. Das ist wohl der "Vorteil" einer Gesellschaft in der man anderen Menschen (auch Nachbarn und Kollegen mit denen man nicht ständig zusammen ist) egal ist.


    Liebe Grüße

    Christina


    Wenn es ein Löwenzahl durch den Asphalt schafft, dann wirst du doch sicher auch einen Weg finden.

  • Liebe Ganapati,


    ich arbeite in einer sehr kleinen Firma. Außer mir gibt es da nur meine zwei Chefs. Ich habe beide von Anfang an über meine Erkrankung und auch das sich verändernde Erscheinungsbild informiert. Des Weiteren habe ich um eine normale Behandlung gebeten - Mitleid möchte ich nicht, das zieht mich nur runter. Sie haben ganz toll reagiert, respektieren meinen Wunsch und sind dennoch zugleich rücksichtsvoll. Als ich dann eines Tages ohne Haare gekommen bin, war der einzige Kommentar: Ah, jetzt ist es also soweit. Es wurde kein großes Drama drum gemacht, worüber ich sehr dankbar bin.

    Auch in der Öffentlichkeit hatte ich mir die Reaktionen vom Umfeld viel schlimmer vorgestellt. Den meisten fällt gar nichts auf, wenn ich mit Käppi statt mit Haaren unterwegs bin. Gut, ein paar Idioten gibt es überall, die glauben sie seien cool, wenn sie blöde Sprüche ablassen; aber das ist mir bis jetzt genau ein einziges Mal passiert.

    Du wirst sehen, es wird sich alles fügen; auch wenn dir der Gedanke jetzt noch sehr schwer fällt.


    LG

    Pschureika

  • wenn du die Arbeitszeit reduzieren willst frag mal deine Ärzte ob sie dich teilkrank schreiben können. Das würde bedeuten teils Lohn teils Krankengeld. Wenn du dich nicht krankschreiben lässt und nur stunden reduzierst würdest du eigentlich weniger Lohn bekommen (ausser ihr trefft eine Regelung)

    Auf jeden Fall nicht voreilig irgendwas abmachen sondern unbedingt vorher rechnen.

  • Liebe Ganapati,

    ich bin Lehrerin und habe nach der Diagnose erst mal weiter gearbeitet. Für einige Untersuchungen habe ich mir halt einen Tag frei genommen. Meine OP war in der Woche vor den Osterferien. Nach den Ferien habe ich auch wieder gearbeitet, aber nur bis die Abiturprüfungen durch waren. Ich hatte keine Chemo, kann also nicht beurteilen, ob ich dabei arbeitsfähig gewesen wäre. Allerdings ist das Infektionsrisiko in der Schule so groß, dass das wahrscheinlich eine schlechte Idee gewesen wäre.

    Nachdem ich angefangen hatte, Tamoxifen zu nehmen, habe ich mich krankschreiben lassen, weil ich in den ersten Wochen davon so müde wurde. Und auch während der Bestrahlung war ich so müde, dass ich nicht arbeiten gegangen bin. Seit Beginn des neuen Schuljahres arbeite ich wieder, die Bestrahlung war 3 Wochen vorher zu Ende. Ich habe allerdings meine Stundenzahl reduziert, und das ist auch gut so. Ich fühle mich noch nicht wieder ganz fit und außerdem verbringe ich z.B. viel mehr Zeit als vorher mit Sport.

    Das Krankengeld ist weniger als der normale Lohn - da muss man halt schauen, wie man damit klarkommt. Durch die Stundenreduktion verdiene ich natürlich auch weniger, aber das habe ich mir vorher gut überlegt, dass das immer noch passt. Aber man sollte das schon ein bisschen durchrechnen.


    LG Nordlicht

    Der Wein ist stark, der König stärker, die Weiber noch stärker, aber die Wahrheit am allerstärksten. (Martin Luther)

  • Hallo Ganapati, du wirst wissen, wann es an der Zeit ist mehr an dich als an andere zu denken. bei meiner ersten Chemo konnte ich auch noch arbeiten gehen. Es war zwar anstrengend, aber ich hatte nur einen Halbtagsjob im Büro und nachmittags meine Kinder zu versorgen. Alles verlief relativ harmlos und ich habe mich nach ein paar Tagen wieder erholt gehabt. Bei der zweiten Chemo war ich viel geschwächter, ich hatte zwischenzeitlich mehrere OPs hinter mir und war vom Immunsystem eigentlich schon am Ende. Die Chemo hat mich dann vollkommen vom Stuhl gerissen, ich könnte nach der 4. Sitzung nicht mehr allein stehen, geschweigedenn arbeiten und brauchte Ewige Zeiten um wieder auf die Beine zu kommen. ich habe dann mit arbeiten aufgehört und bin in vorzeitige Rente Geschickt worden. Damals war ich sehr unglücklich, aber heute bin ich dankbar für die Zeit, die ich für mich u die Familie hatte und auch Zeit für mich. Lass es auf Dich zukommen und wenn du dich zwischendurch umentscheidest, dann ist es auch gut so. Lg Survivor

  • Liebe Ganapati,


    Diese Frage habe ich mir auch gestellt und mir sind genau die gleichen Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich kann dich verstehen aber ich möchte dir einmal meine Gedanken der letzten Wochen schildern:

    Mein Onkologe hat mich gefragt, ob ich während der Chemo arbeiten möchte, aber meine Gyn hat mich auch wie bei dir erstmal 4 Wochen sofort krankgeschrieben als die Diagnose kam. Ich muss dazu sagen, dass ich bis zur Diagnose sehr sehr viel gearbeitet habe. 50 Std./Woche und mehr war gar nichts. Aber für den Moment war ich auch froh, dass ich diese Krankschreibung erstmal bekommen hatte. Die ganzen Termin hätte ich zwischen meinen Beruf und dem ganzen Stress einfach nicht geschafft. Ich habe mir immer Gedanken gemacht: Du kannst doch jetzt nicht ein Jahr zu Hause sein. Zu dem muss ich sagen, wurde mir mein Hobby gleich mit gestrichen. Mein Sport! Mannschaftssport ! Ich war am Boden zerstört. Krankgeschrieben, nicht Arbeiten können und ohne mein Hobby. Horror !

    Da kam mir auch der Gedanke, du könntest ja von zu Hause deine Büroarbeit erledigen und ein Stückchen Normalität zu behalten. Ich habe mich an mein Altes Leben "geklammert". Was mir im Grunde schaden zugefügt hatte. Der Stress war nicht gut. Mein Mann hat mich zurückgehalten und hatte echt Angst um mich. Er hat mir die Augen geöffnet und mußte dies mir wirklich sehr deutlich sagen. Es war ein Schlag ins Gesicht. Aber es war wichtig und richtig!

    Wenn ich jetzt auf die letzten Wochen zurück Blicke, kann ich nur sagen, dass mein Mann und meine Gyn immer wieder gesagt haben, gönn dir während der Chemo die Auszeit. Bleib zu Hause, weg vom Stress, denn der ist jetzt wie Gift. Konzentrier dich auf deine Gesundheit. Der Rest ist egal. Sie hatten recht. Ich bin seit der Diagnose krankgeschrieben und es war auch gut so. Die Chemo Zeit, wo es mir gut geht, nutzte ich für mich und meine Familie. Machte Dinge , die ich in den letzten Jahren nicht gemacht hatte. In den letzten Wochen ist mir erst bewußt geworden, was mir alles gefehlt hat im Leben. Ich habe immer gesagt, dass ich kein Burnout bekomme. Tja, das hab ich auch nicht. Aber mein Körper hat mich trotzdem in die Schranken gewiesen. Aber wer rechnet gleich mit Krebs. Mensch ich bin 37 Jahre und möchte noch was haben vom Leben. Als mir diese Gedanken klar wurden, war auch der drang weg, während der Therpiezeit zu arbeiten. Als die Therapie einen Rythmus bekommen hatte und die Untersuchungen erstmal durch waren und die Chemo lief, da macht es dann irgendwann "klick" und dieser "klick" hat mir die Augen geöffnet, was ich im Leben möchte. Diesen "neuen Weg" gehe ich ab jetzt.

    Ich habe noch bis Anfang Oktober Chemo und werde Ende Oktober operiert. Meine letzte zwischen Sono ist gut ausgefallen und da habe ich den Mut gehabt, mal beim Arzt zu fragen, ob ich nach der OP und bereits während der Bestrahlung über die Wiedereingliedung langsam in den Beruf zurück könnte. Da spricht erstmal nichts gegen. Habe auch schon mit der KK gesprochen, dort wäre auch nichts gegen zu sagen.

    Aber wenn ich zurück Blicke bin ich froh während der Chemozeit nicht gearbeitet zu haben und mir die Zeit genommen zu haben. Mein Körper hat es gebraucht, dass wird mir erst jetzt bewußt. Jetzt zum Ende der Pacli (Dienstag die 8.) wird es schwerer. Mein Körper erholt sich nicht mehr so schnell wie vorher, obwohl ich immer noch sehr konsequent meinen Spaziergang mache. Er dauert nur länger und das ist schon ein Zeichen.

    Nach der Therapie werde ich nicht mehr in Vollzeit arbeiten. Das ist schon mit meinem Arbeitgeber besprochen. Das habe ich gemacht, weil für mich Ersatz im Büro her muß. Dafür kommt mir mein Arbeitgeber jetzt mit Homeoffice entgegen.


    Ich wünsche dir für die Entscheidung und für deine Genesung ganz viel Kraft und die nötige Unterstützung deiner Familie und Freunde.

    Liebe Grüße :)

    Wolke7

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    Laufe nicht der Vergangenheit nach,

    und verliere dich nicht in der Zukunft.

    Die Vergangenheit ist nicht mehr.

    Die Zukunft ist noch nicht gekommen.

    Das Leben ist hier und jetzt .

    ( Buddha)

  • Liebe Survivor, wie recht du hast. Vielleicht eher als ich dachte.


    Heute war ein besch*ssener Tag, ich konnte das Gedankenkarussell nicht anhalten und hätte nur heulen können. habe nur geheult.

    Dann habe ich gerade den Beitrag von Wolke7 gelesen. Und es war ein bisschen wie ein Spiegel. Das erste Halbjahr war für mich sehr anstrengend, physisch wie psychisch. Nach Kinderwunschbehandlung, Schwangerschaft mit ordentlich Nebenwirkungen und dann einer Fehlgeburt ging es mir im Mai/Juni sehr schlecht, meine Welt war zusammengebrochen. Meine Rückkehr in den Job war damals alles, an das ich mich klammern konnte. Dabei war ich nicht mal sonderlich zufrieden mit meiner beruflichen Situation, sondern frustriert über festgefahrene Strukturen und fehlende Weiterentwicklung. Dass meine Welt in Form der Brustkrebsdiagnose ein zweites Mal implodieren könnte, hätte ich nie erwartet (und auch nicht gebraucht, ne Erkältung hätte gereicht). Es sollte doch endlich aufwärts gehen. Aber vielleicht ist es wie du sagst, Wolke7, der Körper weist einen in die Schranken. Und vielleicht das genau die Herausforderung und Chance, die hinter dieser Erkrankung steckt. Umdenken, an sich selbst denken und gut für sich sorgen und mal den Kontrollfreak zum Schweigen bringen.

    Liebe Wolke7, ich danke dir sehr für deine Gedanken. Das hat mir nach diesem blöden Tag sehr geholfen. Und zumindest für den Moment glaube ich, alles erst mal so sein lassen zu können wie es ist, nämlich krankgeschrieben zu sein und Kraft für die chemo zu tanken. Bei dem ständigen Gefühlschaos mag sich das zwischendurch wieder ändern, aber zumindest heute werde ich besser schlafen. oder jedenfalls nicht deswegen wachliegen ;-)

    In diesem Sinne euch allen eine erholsame Nacht und einen guten Start in eine neue Woche!

    LG Ganapati

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Saphira () aus folgendem Grund: Zitatfunktion entnommen. An dieser Stelle nicht notwendig.

  • Liebe Ganapati,


    am 27.6.16 bekam ich meine Diagnose. Nach der ersten Woche, in der ich wie im Nebel die Tage durchlebt habe, war es selbstverständlich für mich, wieder arbeiten zu gehen.

    Dachte ich zumindest.

    Der Chefarzt des Brustzentrums sagte, ich solle das tun, was mir gut tut. Ich meinte, das sei Normalität, Arbeiten...

    Mein Frauenarzt sagte: 'Nix da, Sie bleiben zu Hause, ich schreibe sie krank'. (ich arbeite mit Menschen und fahre täglich mit dem Zug ins Büro).

    Jetzt - rückwirkend betrachtet, war das gut so. Ich hätte immer die Gradwanderung gehabt, arbeiten gehen zu wollen, zu müssen, zumal es mir während der Chemo nicht immer gut ging. Am Ende ziemlich mies, der heiße Sommer hat mit dazu beigetragen.


    Aktuell laufen viele Menschen mit Sommerschnupfen rum, keine gute Voraussetzung, wenn du in der Chemo bist.

    Hör in dich rein, überleg, was dir gut tut, was sich für ich gut anfühlt. Was jetzt wichtig ist, das bist Du ganz alleine. Du musst auch die ganze Therapie durchstehen, kein anderer. Die Arbeit läuft nicht weg und niemand ist unersetzlich.


    Unterwirf dich keinen Zwängen Ich arbeite wieder voll seit letzter Woche. Das ist anstrengend genug.


    Rückwirkend gesehen, hat mir das 'freie' Jahr gut getan....


    Dir viel Kraft, viel Mut und gute Gedanken.

    wir schaffen das alle :-)


    lg, Tiggy

  • Hallo ihr Lieben,

    vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit meinem Chef( habe bisher Teilzeit gearbeitet und bin seit der Diagnose krankgeschrieben), der natürlich wissen wollte, wann er wieder mit mir rechnen kann...Meine Chemotherapie hat noch nichtmal begonnen, also weiß ich nicht, wie ich sie vertragen werde. Habe ihm gesagt, dass ich die ersten beiden Termine erstmal hinter mich bringen möchte, bevor ich mich da festlegen lasse. Außerdem habe ich Angst vor Ansteckung 😷, habe viel Kundenkontakt und auch kein Büro für mich allein.

    Seit gestern treibt mich jetzt aber auch die Frage um, ob und wie stark sich mein Aussehen verändern wird. Eine Perücke ist bereits ausgesucht, aber was ist mit fehlenden Wimpern und Augenbrauen, mit starker Gewichtszu- bzw. Abnahme. Ich habe Angst, von den Kunden darauf angesprochen zu werden und somit seelisch immer wieder bei Null anzufangen. Oder ist es besser, sich während der Chemo komplett krankschreiben zu lassen? Wie habt ihr das gemacht, in Jobs mit viel Kundenkontakt??

    Liebe Grüße

    hope69

  • Hallo Hope,


    mit dem Arbeitsmarkt musste ich mich zwar nicht mehr herumschlagen, aber ich denke mir, bei viel Kundenkontakt solltest Du besser nicht arbeiten gehen.

    Unser Immunsystem wird wirklich so weit runter gefahren, dass jeder Virus und jedes Bakterium uns als dankbares Opfer ansieht. Meine Hautsärztin gibt mir nicht mal mehr die Hand, um mich ja nicht anzustecken.

    Als ich ins Krankenhaus musste, weil ich eine heftige Thrombose hatte, meine Leukos wirklich im Keller waren, sprangen sie alle sofort mit Mundschutz und Handschuhen herum und ich bekam ein isoliertes Zimmer.

    Und bei der Chemo gehen nun mal die Leukozyten und Thrombozyten ab in den Keller. Das allein reicht, um reichlich Kontakt mit anderen Menschen zu vermeiden.

    Und sollten Dich irgendwelche Nebenwirkungen heimsuchen, ich wünsche Dir möglichst keine NW, dann magst Du gar nicht arbeiten. Die ersten 2 Infusionen erst einmal abzuwarten ist in meinen Augen schon mal eine gute Maßnahme. Aber berate Dich mit Deinen Ärzten!

    Und dann bleiben ja auch noch Deine Ängste, immer wieder angesprochen zu werden.

    Ist zwar ein blödes Gefühl, eventuell wirklich soooo lange Zeit auszufallen, aber wir haben wirklich zu kämpfen, bis dieser Untermieter uns wieder verlässt.


    Sollte es Dir supergut während der Chemo gehen, bleibt aber immer noch die Gefahr der Ansteckung bei unserem sehr reduzierten Immunsystem.

    Ich habe mir gerade ein saftige Erkältung eingefangen, obwohl ich schon immer sehr vorsichtig im Umgang mit anderen Menschen bin.


    Aber vermutlich haben die arbeitenden Foris Dir auch noch viel zu Deinen Fragen zu sagen.


    LG Wally

  • Liebe Wally, vielen Dank für deine Einschätzung. Als ich meine Diagnose bekam, dachte ich, ok, dass wars mit Arbeiten dieses Jahr. Meine Schwester hatte vor 4 Jahren eine Chemo wegen Unterleibskrebs, die sie ziemlich schlecht vertragen hat😔. Sie hat mir gleich geraten, zu Hause zu bleiben und meine Kräfte aufs Gesundwerden zu konzentrieren und nicht auf die z.T. doch sehr anstrengenden Kunden. Bei dem Gespräch mit meinem Chef hatte ich aber das Gefühl, ja, dass ich irgendwie ganz raus bin, wenn ich dieses Jahr nicht mehr wiederkomme😳. Er muss dann ja auch Ersatz für mich suchen...

    Ich denke aber auch, dass die Ansteckungsgefahr in meinem Job einfach zu hoch ist. Vor ein paar Wochen habe ich mich noch entschieden, berufsbegleitend zu studieren, habe mich aber noch nicht angemeldet. Vielleicht gut so!


    Liebe Grüße von hope69