Ich will mich einlassen

  • Hallo,


    jetzt schaffe ich es mich vorzustellen.


    Diagnose Brustkrebs im Juni diesen Jahres. 1 brusterhaltende OP und 1 Nachsekretion. Therapievorschlag Chemo + Bestrahlung.

    Ich stand mitten im Leben und hab da zum ersten Mal gelernt, was es bedeutet, wenn es einem den Boden unter den Füssen wegzieht (die Worte treffen es voll)

    Die 3 Wochen bis zur OP hab ich mehr oder weniger im Nebel verbracht. 1 OP und auch die zweite gut hinter mich gebracht. Wollte dann gleich wieder aktiv sein.

    Dann kam der Port. Danach wars irgendwie schon komisch in meiner Seele. Dann die erste Chemo. Das hat dann den Stecker gezogen. Ich verlor vollkommen den Kontakt zu meinen Kräften. Nach Tagen der Hilflosigkeit und Angst, was da mit mir geschieht, bin ich zur Psychoonkologin. Die hat mir dann erst mal klar gemacht, dass man (auch wenn es bei mir ein eher "kleiner Krebs") das nicht so einfach wegstecken kann (jedenfalls ich). Ja und danach, hab ich erst mal Pause gemacht (fällt echt schwer, aber ich hatte ja keine Kraft mehr).

    Jetzt ist es schon wieder ein paar Wochen her. Aber ich habe gelernt, wenn ich mich nicht auf meine Gefühle einlasse, dann können sie sich nicht verändern und auflösen.

    Ich muss dazu sagen, dass es in meiner Familie einen Todesfall auf Grund von Brustkrebs gab. Meine Großmutter, die ich zwar nie kennengelernt habe. Trotzdem lag das immer über mir und jetzt hat es mich eben auch nochmal eingeholt.


    So und jetzt, mit dem Vorstellen hier, möchte ich versuchen, mich auch auf die wohl immer bleibende Angst vor dem Krebs ein zu lassen und nicht weg zu laufen.

  • Liebe Sandyblond,

    herzlich willkommen hier im Forum. So wie du es beschreibst kennen das die meisten hier: .....erstmal im Nebel, hilflos, Angst.

    Ich denke die Seele muss sich anfangs schützen, es ist zuviel, zu unüberschaubar und existenzbedrohend. Jahreslanges Ausblenden der Möglichkeit jederzeit sterben zu können, woran auch immer, ist jetzt vorbei. Wir setzen uns auch mit dem Tod auseinander und daraus entstehen dann die Kräfte, die uns diese ganze Tortur überstehen lassen, weil wir eben noch lange nicht sterben wollen. Wir sind uns lange Zeit nicht bewusst gewesen wieviel Kraft in uns steckt, aber ich zumindest merke, dass da eine Menge ist. Zum Glück gibt es die vielen Möglichkeiten der Ärzte den Krebs zu bekämpfen, um uns noch viele schöne Jahre zu bescheren. Auch wenn die Therapie anstrengend ist und die Chemo uns mächtig zusetzt, sie ist unsere Waffe und unser Verbündeter in diesem Kampf. Und die Angst wird immer präsent sein, darf aber nicht unsere gesamtes Leben bestimmen.

    Hier findest Du Menschen, die dich mit deinen Ängsten verstehen und die dir beistehen, wenn die Angst das alleinige Kommando übernehmen will.

    LG

    Ute

    Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. (Molière)

  • Herzlich willkommen hier bei uns, Sandy.


    Das, was du erlebst, kennen wir alle so oder ähnlich. Das ist es auch, was den Austausch hier so angenehm und hilfreich macht. Keine 1000 Worte benutzen müssen und doch verstanden zu werden.


    Unser Weg ist nicht der leichte. Er ist steinig und er führt immer wieder mal bergauf. Oft können wir auch nicht sonderlich weit im Voraus sehen, wie er weiter geht. Aber wir gehen ihn. So, wie schon viele Frauen vor uns. Und irgendwann stehen wir dann am Ziel und hängen unser Fähnchen zu den anderen in den Wind.


    Ich finde es gut, dass du zu der Psychoonkologin gegangen bist. Genau deshalb gibt es sie. Damit sie unterstützen, aufrichten, Gedanken in eine andere Richtung lenken. Damit sie uns helfen.


    Fühl dich gedrückt :hug:

    LG, Angi ;)


    Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen.

  • Dann kam der Port. Danach wars irgendwie schon komisch in meiner Seele. Dann die erste Chemo. Das hat dann den Stecker gezogen. Ich verlor vollkommen den Kontakt zu meinen Kräften.

    Mann Sandy, das hast du toll beschrieben. Ich finde mich da so wieder! Daß du das Vermögen hast, deine Gefühle so toll zu beschreiben zeigt schon einen Teil deiner Stärke. Lass dich umarmen! Ich hab übrigens den Kontakt zu meinen Kräften danach wieder gefunden. Aber es ist hart, keine Frage.


    Liebe Grüße

    Busenwunder

  • Hallo SandyBlond,

    ich drücke Dich mal ganz fest, da ich weiß was in Dir vorgeht so wie alle anderen Foris hier auch.

    Meine Mama ist 2012- sie ging aber viiiiel zu spät zum Arzt - auch an Brustkrebs verstorben ist.Als ich dann meine Diagnose bekam dachte ich auch meine Welt geht unter.Und das Unterbewusstsein macht leider sein übriges dazu.

    Aber wir packen das und lassen uns nicht unterkriegen.

    Liebe Grüße

    Giecher

  • Hallo SandyBlond,,


    herzlich willkommen hier im Forum der Frauenselbsthilfe. Schön, dass Du Dich angemeldet hast. Dein Beitrag hat mich berührt, denn die Angst macht vielen zu schaffen. Du hast es ja schön beschrieben. Bei mir ist es jetzt sieben Jahre her, aber die Angst vor der nächsten Untersuchung ist immer da. Gestern hatte ich meine alljährliche Mammographie und es war ohne Befund. Lass Deine Gefühle zu, denn du hast ein Recht darauf.


    Ich wünsche Dir viel Kraft für die weitern Therapien und einen guten Austausch

  • Liebe Sandy,

    Willkommen. Ja ich finde auch das du deine Gefühle gut beschrieben hast. Und klar man kann bei solcher Erkrankung auch schwach sein und verzweifelt. Aber dann entwickeln sich wieder ungeahnte Kräfte, wo auch immer die herkommen, sie sind einfach da, selbst wenn man das gar nicht so wahrnimmt.

    Dieses Chaos der Gefühle wird noch eine Weile da sein, wie lange weiß ich auch nicht, es wird mal mehr, mal weniger. Unsere Seele braucht viel Zeit um zu lernen, zu verstehen und damit umzugehen und weiter zu leben. Aber die Kraft um das alles durchzustehen, die ist da, auf jeden Fall und auch bei dir. Es gibt da einen schönen Spruch: Man verliert niemals seine Stärke,manchmal vergisst man nur, dass man sie hat !

  • Liebe Sandyblond,


    ich kann mich nur meinen Vorschreiberinnen anschließen…

    Möchte dich aber noch willkommen heißen und dich ermuntern hier bei uns all deine Fragen zu stellen. Ebenfalls kannst du jederzeit hier bei uns ein stückweit deine Ängste und Sorgen ablegen.


    Bei mir ist die Diagnose vor 30 Jahren gestellt worden. Die Ängste und Sorgen bleiben, aber sie verändern sich und die meisten können von Jahr zu Jahr immer besser damit klar kommen. Ich habe gelernt damit recht gut umzugehen…hatte ja auch Jahrzehnte Zeit ;)

    Ich wünsche dir einen guten Austausch :thumbup:


    Grüßle :) ika :)

    Lachen ist die beste Medizin,

    also verschenke jeden Tag ein Lächeln,
    es tut nicht we
    h
    :thumbsup:

  • Liebe sandyblond, die Furcht verlässt einen nicht mehr, aber man kann lernen damit umzugehen. Ich war nach meiner DiepFlap total froh, als das Gewebe wieder pathologisch untersucht wurde und alles war super😄aber ich habe schon Bedenken beim Schallen von Leber ud. Nieren und bei der Mammografie der anderen Seite. Das ist glaube ich normal . Liebe Grüße Survivor

  • Jap, irgendwie kommt einem mit dieser Diagnose die Sorglosigkeit und Unbekümmertheit abhanden.

    LG, Angi ;)


    Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen.

  • Hallo an Euch, die mir geantwortet haben,


    danke für Eure lieben Worte, die mich schon sehr bewegen. Danke fürs Mutmachen. Und ja es ist so, wie Ihr beschreibt.

    Wow ika-ulm, Diagnose vor 30 Jahren und es bewegt Dich immer noch. Die Psychoonkologin hat gemeint (als ich ihr erzählt hatte, dass ich ähnliche Gefühle - natürlich nicht mit todesangst - nach der Trennung aus einer langjährigen Beziehung hatte): Ja es ist irgendwie, wie Liebeskummer. Man hat etwas, was Sicherheit gegeben hat für immer verloren.

    Einen ganz süssen Spruch, den ich neulich auf einer Postkarte gefunden habe lautet: Hinfall, Aufstehen, Krone richten, weitermachen.


    Herzliche Grüsse an Euch

    Sandyblond (das ist übrigens die Haarfarbe meiner Perücke)