Brustkrebs und Beziehungsstress

  • Hallo alle miteinander,

    ich hoffe auf Hilfe bzw. Tipps von euch!!!!!

    Bei mir wurde am 16.06.17 ein schnellwachsender Tumor in der Brust festgestellt. Bin zur Zeit in der wöchentlichen Chemo und habe die OP und Bestrahlung noch vor mir. Ich bin mit meinem Partner seit 3 Jahren zusammen und nun das. Er hat schon einmal eine Partnerin durch Krebs verloren. Nun krieselt es bei uns immer häufiger und ich weiss mir keinen Ausweg mehr. Er verwöhnt und umsorgt mich sehr liebevoll, aber ich bin zur Zeit sehr zurückhaltend und ihm gegenüber kalt. Dadurch kommt es öfter zum Streit und man geht sich aus dem Weg. Er versteht mein Verhalten nicht, ich mich manchmal selber nicht, und weiß mir keinen Rat mehr. Habe auch schon über Trennung nachgedacht.

    Wer kann mir einen Rat geben?

    Ich danke allen schon einmal im Voraus!!!!!!!!!

  • Liebes Dorchen,


    ersteinmal ein herzliches Willkommen in unserem Forum, wenn der Grund auch kein schöner ist.

    Ihr beide seit eben zur Zeit in einer Ausnahmesituation. Du sagst ja selber, dass du dich manchmal selbst nicht verstehst und genau so würde ich es auch deinem Partner sagen. Selbst wenn er es nicht zugeben würde, wird er deine Situation mit seiner verstorbenen Partnerin vergleichen. Deshalb ist er bestimmt auch der Meinung, dass er besser weiß wie du, was dir gut tut. Er hat ja alles schon mal erlebt.


    Mein Rat ist ein ausführliches Gespräch, wenn ihr beide mögt mit Hilfe eines Profis.


    LG

    Kalinchen

  • Es kommt wohl darauf an, wie du es fühlst. Warum du kalt bist zu ihm. Scheinbar ist es ja eher du, die mehr Abstand braucht. Wenn du das Gefühl hast, er sieht dich bereits tot und umsorgt dich deshalb, oder er umsorgt dich so sehr , dass du keine Luft mehr bekommst, dann sind das vielleicht Sachen über die ihr reden könnt. Vielleicht mit einer Psycho-Onkologin. Vielleicht möchtest du auch weniger umsorgt werden, sondern eher eine starke Schulter an die du dich lehnen möchtest? das könntest du ihm vielleicht vermitteln.


    Eine Krebserkrankung ist sicher ein Meisterstück in der Bewältigung innerhalb einer Beziehung. Es gibt auch eine Selbsthilfe Gruppe für Männer betroffener Frauen, vielleicht wäre auch so etwas für ihn geeignet.



    Ich würde aber auch sehr genau schauen, wie die 3 Jahre vorher waren, warst du / ihr denn wirklich glücklich? Würden euch geringere Konflikte auch aus den Fugen gehen lassen? Wenn es sich auch komisch anhört, so würde ich diese Fragen mit ihm zusammen lösen, ein ruhiger Nachmittag, an dem Ihr tatsächlich Zettel und Stift nehmt und darüber redet. Und diese Themen aufschreibt, was der eine braucht und geben möchte, sowie auch der andere.

  • Liebe Dorchen,


    erstmal ein herzliches Willkommen in unserem Forum. Schön, dass du uns gefunden hast.


    Wie du schon geschrieben hast…„das du dich selbst manchmal nicht verstehst“…wie soll dann unser Partner uns verstehen.

    Unsere Partner, Familie sind genauso betroffen wie wir nur mit dem Unterschied, dass sie nicht viel an der Situation ändern können außer sie hören uns zu, fragen nach und im besten Fall fragen unsere Partner nach was wir denn möchten, was sie uns gutes tu können, ohne dass wir das Gefühl haben erdrück zu werden!

    Ich denke ein offenes Gespräch wäre hilfreich, wenn es möglich ist.


    Die Psychoonkologie in den Kliniken wie auch in den Krebsberatungsstellen sind nicht nur für uns Betroffene da, sondern auch für unsere Partner, Familienangehörigen wie auch für unsere Kinder….im getrennten Gespräch wie auch im gemeinsamen Gespräch.

    Vielleicht wäre das auch ein Möglichkeiten für euch…


    Ich wünsche dir alles Gute für deine Beziehung und eine gute Entscheidung wie du den weiteren Weg gehen möchtest.


    Grüßle :) ika :)

  • LiebeS Dorchen,


    oh ich kann Dich so gut verstehen.


    Ich bin jetzt mit meinem 2. Mann genau 10 Jahre zusammen und habe die Diagnose BK seit Februar.

    Auch bei und kriselt es gewaltig. Das hat es vorher auch schon immermal, aber wir haben es hingekriegt. Jetzt kommen neben der Erkrankung noch andere Belastungen (z. B durch die seit sept 2016 im haus mitlebende 84 jährige Schwiegermutter hinzu), die Konstellation Erwachsene Kinder- neuer Partner passt seit Jahren nicht und spitzt sich nun immer weiter zu. Mein Mann engt mich inzwischen total ein - Kontakte, Telefonate, Handy, Tablet. mit geht es psysisch immer schlechter. Er ist eifersüchtig auf alle mein Freunde, kollegen... mit denen ich mir Kontakt halte und natürlich dieses Forum. Er ist ein absoluter Einzelgänger, hat keine Freunde, wird immer mißtrauschen und egoistischer. Er lässt sich nicht helfen, lehnt jede Psychotherapie ab und brauchte sie doch so dringend. Nachdem mich mein Sohn, der mit seiner Familie in der Schweiz lebt, schon seit 2 Jahren nicht mehr besuchen darf, wurde jetzt meiner Tochter auch der Weihnachtsbesuch bei uns untersagt. Ich habe in unserem (seinem) großem Haus alles total festlich geschmückt so wie jedes Jahr - aber mir ist inzwischen der Sinn für das alles verloren gegangen.

    Nun ist meine Diagnose nicht so gut und ich bin nicht mehr heilbar. da hilft es auch nicht wenn ich mit meinem Mann in stundenlangen Gespräche versuche alles zu verstehen und einen Weg zufinden, der für alle machbar ist - und ihn frage "wieviele weihnachten werde ich denn noch haben?". Und es ist nicht so dass meine Kinder irgedwas dummes gmacht haben oder ihn beleidigt haben. Die Chemie passt nur nicht und mein Mann der einmal so tolerant war wird immer verbitterter, bedauert sich selbst und alle rundherum sind böse zu ihm und lehnen ihn ab. Hatte er noch nie Freunde findet er natürlich jetzt auch keine neuen, dadurch wird er immer eifersüchtiger auf mich. Ich habe mir schon vieles überlegt um ihn irgendwo unterzubringen in Kreisen oder so... dass er neue Leute kennen lernt. Er geht eigentlich auf nichts ein.


    Auch ich denke schon länger an Trennung - allerdings so schwerkrank hab ich nicht mehr die Kraft dazu. Ich muss mit dieser Situation leben + umgehen lernen.

    Deswegen liebes Dorchen weiß ich nicht was ich Dir raten könnte. Hätte ich noch die Kraft und eine gute Heilungsprognose würde ich mir eine eigene Wohnung suchen und einfach zur ruhe kommen wollen. Meine "Kontakte" würden mir sicher dabei helfen.


    LG Blume

  • Liebe Dorchen,


    das was du beschreibst kenne ich auch. Ich bin mit meinem Mann nun seit 20 Jahren zusammen. Obwohl ich der Meinung bin, dass wir im großen und Ganzen eine glückliche Beziehung führen, knirscht es auch bei uns immer mal wieder. Ähnlich wie Blume 95 es beschreibt war es viele Jahre schwierig eine 5 köpfige Familie zusammen zu halten. Seine Kinder, meine Kinder... Auch er hat kaum Freunde mit denen er reden kann, denn eigentlich bin ich seine beste Freundin. Wenns aber hier Probleme gibt, mit wem redet er dann?


    Als ich meine Diagnose bekam war er wie immer und wie erwartet, liebevoll und fürsorglich. Aber sehr zurückhaltend. Er wirkte uninteressiert. Fragte nicht nach Einzelheiten oder Hintergründen. Das verletzte mich. Ich dachte nicht, dass er mich wegen einer Erkrankung verlassen würde, aber ich konnte deutlich eine Distanzierung wahrnehmen.

    Ich sah auch, dass es ihm schlecht ging, aber auf meine Gesprächsversuche ging er kaum ein. Ich merkte, dass er mich damit nicht belasten wollte. Er hatte eine wahnsinnige Angst mich zu verlieren. Aber sagen konnte er das nicht. Ich habe immer viel Verständnis, aber in dieser Zeit belastete mich das sehr. Einmal, noch im ersten Zyklus, haben wir heftig gestritten. Sein scheinbares Desinteresse hatte mich dazu verleitet, ihm nur noch die nötigsten Infos zu geben. Bei diesem Streit jedenfalls, knallte ich ihm meine Gefühle um die Ohren. Ich wollte ihm ja helfen. Ich wusste, das er Angst hat. Aber er sagte immer, es sei alles ok. Mitten im Streit hielt er plötzlich inne. Und ganz ruhig sagte er... Ich wüsste nicht was ich mache, wenn...

    Er weinte wie ein Kind. Ich auch. An diesem Abend haben wir lange und viel geredet. Jeder hat seine Ängste erklärt und für viele Probleme konnten wir Lösungen finden.


    Ok, viel Geschichte um auf den Punkt zu kommen;)

    Liebes Dorchen

    Reden. So viel und so oft wie ihr könnt oder wollt. Erklärt euch, wie es euch geht. Warum du Abstand oder Nähe brauchst. Ob du gefragt oder in Ruhe gelassen werden willst.

    Wenn du heute gereizt und zickig bist, dann sag es wie es ist. Du darfst das nämlich!!!

    Sag ihm auch, falls dir danach ist getröstet zu werden. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass wir als Mutter, Tochter oder eben als Ehefrau auch unbewusst unsere Lieben beschützen. Und das ist auch ok.

    Aber wir alle sind in einer Ausnahmesituation. Und da dürfen wir verdammt nochmal auch mal unlogisch, gereizt, streitlustig oder wüterich sein. Jawoll!!!


    Das hier sind keine Richtlinien oder sowas. Nur ein paar Erfahrungen.

    Ich hoffe, dass Ihr bald wieder etwas zueinander findet und Kraft und Mut miteinander schöpfen könnt.

    Dafür drück ich dir die Daumen.


    Liebe Grüße zweisein