Zum Tag des Glücks...

  • ...möchte ich nun meine Geschichte aufschreiben.

    Inzwischen ist für mich das Wort "Krebs" wieder da, wo es hingehört: In meinen Kindheitserinnerungen - als ich mit meinem Bruder auf der Seebrücke Krebse angelte und diese eimerweise stolz nach Hause trug.


    Ich möchte heute all denen Mut machen, die sich hier täglich neu anmelden und noch nicht wissen, in welche Schlacht sie ziehen sollen, welche Waffen die richtigen sind und ob der Kampf gewonnen werden kann.

    Meine ausführliche Krankengeschichte findet Ihr an meiner Pinnwand, hier nur die wichtigsten Eckpunkte:

    Diagnose Ende August 2016: multifokales invasives Mammakarzinom rechts cT1, cN1, cMx, G2, Hotmonrezeptor positiv, Her2/neu 2+
    Ich weiß bis heute nicht, was das alles bedeutet. Für mich war wichtig: 4 Herde (4-12mm) in der Brust (nicht tastbar), Beteiligung der Lymphen, keine Metastasen

    Glücklicher Weise habe ich im Freundeskreis den Chefarzt eines BZ, in dessen Hände ich sofort alle weiteren Schritte gelegt habe.

    Dann bin ich erst einmal eine Woche in Urlaub an die Mosel gefahren und habe mir den Kopf freigewandert. Danach habe ich mein gesamtes Umfeld informiert und allen gesagt, ich brauche kein Mitleid, sondern gut funktionierende Mitarbeiter und Freunde/Familie, auf die ich mich stützen kann.

    Ende Oktober 2016 bis Mitte Februar 2017 dann Chemo (4x EC, 4x Docetaxel, hochdosisverdichtet mit Teilnahme an GAINII-Studie), die für mich kein Spaziergang war:

    Schlafprobleme, Gliederschmerzen, angegriffene Schleimhäute, tränende Augen, Anämie, Hand-Fuß-Syndrom, starke Erschöpfung, totale Austrocknung, empfindliche Fingernägel, Herzrasen.

    Trotz allem habe ich nie aufgehört zu arbeiten. Zeitweise von zu Hause aus, aber mindestens 1-2x pro Woche auch vor Ort im Hotel.

    Und ich konnte weiterhin meine Hobbies ausüben: Zumba und Tanzen - das war mir sehr wichtig!

    Vor der OP habe ich wieder einen Wanderurlaub mit guten Freunden eingeschoben zum Kraft und Sonne tanken.

    Ende März 2017 dann subkutante Mastektomie mit Implantatseinlage und Entfernung von 12 Lymphknoten. Nach 10 Tagen war ich wieder fit genug, um bei unserem Forumstreffen dabei sein zu können.

    Danach begann leider meine Wundheilungsstörungs-Odysee (Nekrose der Brustwarze, Implantatsverkleinerung, nicht schliessbares Loch auf der Brust). Trotzdem wurde ich von Mitte Mai bis Ende Juni ohne jegliche Nebenwirkungen bestrahlt (konnte direkt von der Strahlenpraxis auf Arbeit fahren).

    Und zu meiner Freude gab es ab Mitte April 2017 sichtbares Haarwachstum, neue Wimpern und Brauen - Juhuu!

    Sehr gekämpft habe ich mit meiner Entscheidung zur Diep-Flap (nachzulesen in der Frustabladestation und in meinem Thread "meine Diep-Flap-OP"). Aber da klar war, dass meine gesunde Brust auf jeden Fall angepasst werden muss (G-Körbchen), habe ich mich nach der Empfehlung meines befreundeten Chefarztes gerichtet und von seinem Freund und plastischen Chirurgen die OP am 12. Juli machen lassen. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Foris, die mich aus meinen Löchern gezogen haben und mich sogar in solch einer Situation zum Lachen gebracht haben. Das werde ich Euch nie vergessen!
    Auch dieser Eingriff hat mich nicht lange zu Hause gehalten und so war ich ab Ende Juli wieder auf Arbeit.

    Und natürlich habe ich mich wieder mit einem Urlaub (Ostseekreuzfahrt Ende August) belohnt.

    Mit meiner Angleichungs-OP der linken Brust am 05.03.2018 ist nun das Kapitel Krebs für mich erledigt und ich verschwende auch keinen Gedanken daran, ob/wann ich das Kapitel wieder aufschlagen muss!

    Was ist mir heute geblieben? Noch ca. 4 Jahre Tamoxifen, womit ich bisher gut zurecht komme (die kleineren Hitzeschübe kommen gerade im Winter nicht immer ungelegen...)

    Weiterhin ein täglich tränendes Auge, ein tolles Forum mit daraus entstandenen Freundschaften, eine neue Gelassenheit und auch etwas mehr Geduld.

    Und last, but not least: eine schicke Kurzhaarfrisur, sowie zwei neue Brüste mit einem schönen C-Körbchen und ein flacher Bauch!

    Der Mensch ist damit gesegnet, unschöne Dinge gern und schnell zu vergessen. Egal wie schlimm es gerade für jede von Euch sein mag: es geht vorbei und nur die schönen Momente bleiben auf lange Sicht im Gedächtnis.

    Herzliche Grüße, Kirsche

  • Hallo liebe Kirsche:hug:,

    eine schöne Kurzfassung deiner Geschichte.:)

    Ich wünsche dir, daß du dich mit dem Thema Krebs nie wieder befassen mußt.

    ES GEHT VORBEI.......genauso ist es......

    Schön, daß du auch die "positiven" Seiten deiner Erkrankung zu schätzen weißt.

    ALLES LIEBE UND GUTE


    LEO

  • eine schöne Mutmachgeschichte, und dann noch am Tag des Glücks, :)


    Durch diese Krankheit habe ich auch meinen Riesenbusen wegbekommen, mehr an Gesunde Ernährung und an die schönen Dinge des Lebens gelernt zu denken, aber auch negativ zu nennen wie Intolerant manche Menschen sind auf diese Krankheit oder überhaupt auf Krebs, man hat dann schließlich abzudanken. Das die Medizin heute aber so viel leisten kann, dass ist super und wird immer besser.


    Liebe Kirsche


    alles Gute und viel viel Gesundheit ... :!:

    Sch...egal wie der Tag gelaufen ist, immer erhobenen Hauptes nach Hause gehen!

    Einmal editiert, zuletzt von Bernstein ()

  • Eine schrecklich schöne Mutmachgeschichte, die ein happy End hat, das ich ganz wunderbar finde.

    ❤️

    Ich freue mich sehr für dich, dass es endlich vorbei ist, liebe Kirsche 👍🥂🍾

    Schade, dass ich dich nicht persönlich kennenlernen kann.

    Liebe Grüße

    Cookie

  • An dir ging definitiv eine Schriftstellerin verloren liebe Kirsche! Du schreibst immer so wundervoll poetisch... auch in traurigen Momenten und schlimmsten Erfahrungen findet du die passenden, tröstenden Worte und - so wichtig für uns alle - dein Humor drückt immer wieder durch. Du bist so eine tolle starke Frau :love:...

    Vielen Dank dass du uns hier an deinen, doch stellenweise schlimmen, 1 1/2 Jahren teilhaben lässt. Die Freude überlagert ja jetzt doch die Schmerzen, Entbehrungen und schlimmen Chemo- u. OP Tage.

    Alles Gute für deine weitere Zukunft ohne das Schalentier :saint::thumbup:. Grüessli Shiva63

  • Kirsche - vielen vielen Dank für diese tolle Mutmachgeschichte!! Kommt gerade richtig für mich!! Das gibt mir Kraft, da ich ja noch ganz am Anfang stehe und eine scheißen Angst vor diesem Untier habe!!


    Ich wünsche Dir nun eine schöne Zeit ohne den blöden Krebs und alles Liebe und Gute.


    Liebe Grüße

    nena

  • Schön liebe Kirsche 😊

    Danke für deine Geschichte und danke das du dieses Forum nicht vergessen hast, auch wenn für dich das Thema Krebs für IMMER in die Vergangenheit gehört. Es freut mich immer noch hier als erstes auf dich gestoßen zu sein 😉🐂

    Wo gehst du denn an der Mosel wandern? Ich komm aus der Gegend und liebe sie auch sehr 😁

  • Liebe Kirsche,


    eine wunderschöne Zusammenfassung Deiner Erkrankung.:thumbup:


    Ich wünsche Dir, daß Du für immer Ruhe vor dem Schalentier hast und bei dem Wort "Krebs" nur an Deine Kindheitserinnerungen denkst.:*


    Du bereicherst dieses Forum und es wäre schön, wenn wir weiterhin Beiträge von Dir lesen könnten.:hug:


    Ganz liebe Grüße Kylie:*:hug::hug:

  • Liebe Kirsche,

    sehr schön geschrieben, muss grad ein paar Tränen weg wischen.

    Danke :hug:

    Ich wünsche dir eine unentlich krebsfreie Zeit und vorallem ein schönes Leben.

    Liebe Grüße von

    Stupsi


    Das Leben ist zu kurz um sich zu ärgern, also kämpfe und lache wieder:)

  • Liebe Kirsche,


    deine Geschichte macht wirklich Mut! Vielen Dank, dass du sie uns mitgeteilt hast und uns an deiner Freude teilhaben lässt. :*

    Ich wünsche dir von Herzen, dass du das Wort "Krebs" nun für immer mit der Vergangenheit und Kindheitserinnerungen assoziierst - und mit nichts anderem :thumbup::thumbup:


    LG

    Pschureika

  • Hallo Ihr Lieben,

    seid gewiss - so schnell werdet Ihr mich nicht los :hug:

    Ich hatte erst überlegt, am 30.03. zu "1 Jahr krebsfrei" zu schreiben, aber als ich heute morgen in der Zeitung vom "Tag des Glücks" las, gefiel mir das Datum besser :love:

  • Liebe Kirsche,


    ich musste gerade lächeln. Ich hatte heute morgen auch den Gedanken, alle aufzubauen, die gerade in der Chemo Zeit sind. Denn ihr habt mir alle in meiner schweren Zeit so geholfen, dass ich davon was zurück geben möchte.


    Also Mädels: Meine Chemo Zeit begann im August mit 4 mal EC alle drei Wochen und die ersten 4 Tage war ich so schlapp, dass ich nur im Bett gelegen habe, danach noch ca 4 Tage wieder aufrappeln und zurück kämpfen und danach ging es mir schon ganz gut. Danach kamen die Paclis wöchentlich . :( Nach den ersten vier musste ich eine Woche Pause machen weil es mir schlecht ging, danach ging es weiter. Aber mir ging es körperlich immer schlechter, so dass ich nach der 8. Palcli nur noch im Bett lag und nach einer Woche ins Krankenhaus kam. Da waren erst die Leukozyten zu tief und dann wurde noch eine Nasennebenhöhlen Entzündung festgestellt und ich blieb 8 Tage im Krankenhaus. Ich fühlte mich wie eine 90 jährige. Bet habe ich inzwischen auch hinter mir und was soll ich euch sagen? Ich hatte am 3. Januar meine letzte Chemo und das Leben ist wieder lebenswert!! Klar gibt es noch kleine (oder auch größere) Nebenwirkungen, aber der Alltag und Freunde treffen ist wieder machbar!


    Also an alle, denen es gerade schlecht geht und die meinen, ich schaff das nicht: ihr schafft das und es kommen wieder bessere Zeiten!


    Ich fühle mich eigentlich schon wieder ganz gesund, auch wenn die Bestrahlung noch kommt. Aber das schaff ich auch noch und dann kommt die Reha als Belohnung. ;):)


    LG Unicorn

  • Liebe Kirsche,

    danke für deine mutmachenden Zeilen. Bewundernswert wie du das alles gemeistert hast.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass nun eine unendlich lange gesunde Zukunft vor dir liegt.

    LG catchme

  • Liebe Kirsche und liebe Unicorn,


    Danke für eure schön geschriebenen Mutmachgeschichten, es zeigt denen die noch ganz am Anfang stehen das es ein langer aber doch machbarer Weg ist.

    Alles Gute, 🍀 LG Vroni

  • Danke liebe Kirsche, das du uns einen Tag des Glückes spendierst. Ich hatte mich diese Woche verstärkt gefragt, wie man mit der ständigen Angst vor einem Rezidiv umgeht und ob diese Angst sich reduziert, wenn der "normale Alltag" irgendwann wieder zurück ist in unserem Leben.

    Die Lösung das Leben zu genießen gefällt mir. Dankbar sein für die neuen Freundschaften, die Frau während der Chemo gefunden hat und die einen so liebevoll durch diese Zeit tragen.

    Ein schnelles Vergessen, der schwierigen Tage und viele und lange gesunde Tage für uns Alle.

    Das Feiern wir in 16 Tagen. :thumbup:;)

  • Hallo liebe Kirsche,

    Mit deinem Beitrag hast du mich auch gerade glücklich gemacht. Die ganze Art mit dieser, doch nicht einfachen Geschichte umzugehen und deine positive Denkweise sind echt ansteckend.

    Weiter so und nächstes Jahr treffen wir uns wieder hier um Positives auszutauschen :)

  • Liebe Kirsche

    Ich danke dir für deine Zeilen die mich unendlich darin bestärken weiter ganz mutig in den Krieg zu ziehen , auf Konfrontationskurs zu gehen , diesen Krieg gegen zu gewinnen und diesem Mietnomaden loszuwerden , denn alles was keine Miete zahlt muß ausziehen .

    Lieben Dank das gibt mir erneut Kraft :hug:

    Knuddels

    kruemelmotte

    Knuddels :hug:

    Gabi

    🙏🏽 Herr schmeiß Nerven vom Himmel 🙏🏽

    😉 Lieber eine Glatze am Kopf und Nebenwirkungen als einen Zettel am großen Zeh 😉

    👍🏽 Wer in den Krieg zieht muß auch Kratzer einstecken können 👍🏽

  • Liebe Kirsche,


    deine Zeilen sind einfach soooooooooo wunderschön geschrieben und du kannst so dermaßen stolz auf dich sein wie du

    diesen steinigen, ungewissen Weg gegangen bist und wie du es heute trägst:hug: :thumbup:


    Das gibt uns allen so unendlich viel Kraft und Hoffnung :* Danke dafür :hug: