Oncotype Test u.a. Prognosetests

  • Ich finde das hier gerade super interessant, danke dafür. Wenn ich das richtig lese, wäre ich also eigentlich der perfekte Kandidat für den oncotyptest gewesen. Mein ki Wert liegt bei 40%, keine Lymphknoten befallen, bisher. Es ist wirklich sehr, sehr schade, dass wohl noch nicht überall angekommen ist... Jetzt ist es zu spät, ich bin mitten in der Chemo. Was soll man als Patient bloß alles wissen?! Ich hätte Monate recherchieren müssen um auf den heutigen Wissensstand zu sein. Die Zeit fehlte mir aber, da der Tumor weiter wuchs....

    Wie kommt es dass so wichtiges wissen nicht bei den Ärzten ankommt?!🙄

  • Liebe Artemisian ,


    der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, dass Mammacarcinome mit Hormorezeptornachweis bei 1-9% der Zellen zu den "schwach positiven HR" gehören und aufgrund ihres Verhaltens aktuell zu den HR-negativen (bzw. in Deinem Fall triple negativen) Carcinomen gezählt werden. Erst ab 10% gilt "HR positiv".


    Wie meine Vorrednerinnen schon geschrieben haben, würde man den Tumor also - da unter triple negativ klassifiziert - immer mit Chemotherapie behandeln (wenn indiziert). -> Also ist bei Dir alles richtig gelaufen.


    Und wie Annett1972 schon geschrieben hat, wird der Onkotype nur bei HR positiv durchgeführt und ist auch nur für diese Gruppe aussagekräftig.


    Ich wünsche Dir einen guten Verlauf Deiner Therapie! Alles Gute!

  • Liebe Philosophin

    Danke für die ausführliche Antwort. Ich war in ebendieser Klinik, ja sie haben ihre Empfehlung vom prosigna abhängig gemacht.

    Mir sind Ärztinnen auch lieber, männliche Gyn sind für mich ein Paradoxon.


    Letztendlich ist die M.. Straße leider ein ziemlicher Chaos Haufen, doch zur zweitmeinung gehe ich da gerne immer wieder hin.

    Dir alles Gute, dass du gut durch die Behandlung kommst.

  • Liebe Caro_caro ,


    das ist sicher eine gute Einstellung von Dir - die Zweitmeinung dauert nicht lange und man bekommt eine klare Ansage und Sicherheit.

    Fühl Dich dort trotz Chaos fachlich und inhaltlich gut aufgehoben! Aus der Abteilung kommen ständig gute Fachartikel und zu den großen Krebskongressen kann man sich interessante Interviews auf YouTube anschauen.


    Ich wünsche Dir auch weiterhin einen guten Verlauf und positive Gedanken! Alles Gute für Dich!

  • Liebe Philosophin und alle Anderen,


    den Beitrag der AGO habe ich auch auf YouTube gesehen, da er auch mich genau betrifft, ER2 PR0 Her2neu neg. und Ki67 bei 40%.

    Ich habe bei ED im 12/19 nur 4xEC+12xPacli bekommen sollen. Durch meine Familiengeschichte kam der Onkotest nicht in Frage und es hieß sofort Chemo. Dann kam im 03/20 der Bericht und zusätzlich kam bei mir die BRCA1Mutation raus. Trotzdem musste ich heftig um Carboplatin kämpfen. Die CÄ der Bruststation/Gyn hatte es abgelehnt (entspricht nich den Leitlinien🙄) und nur mit Hilfe meiner Onkologin konnte ich es über die Tumorkonferenz noch mal einkippen und es wurde genehmigt. Gott sei Dank, denn dadurch hatte sich erst was an meinem Tumor positiv getan, wie ich seit letzten Freitag erst weiß (EC half, Pacli gar nicht).

    Jetzt stellt sich aber die Frage, wie geht es nach der OP weiter? Durch die BRCA1Mut. möchte ich ne Mastektomie, aber brauche ich noch ne AHT 🤔? Der KID sagt, dass die AGO letztendlich trotzdem eine AHT empfiehlt. Aber wenn es nichts bringt 🤷🏻‍♀️. Andererseits weiß ich, dass viele „eindeutige“ TN-Mädels froh wären, die AHT machen zu können.

    Von der Klinik wo ich operiert werde, sagte man mir, dass das Thema AHT nochmal in die Tumorkonferenz geht (ich habe die Klinik mittlerweile gewechselt). Aber mit welcher Meinung gehe ICH in das Gespräch 🙈.
    Wie würdet ihr euch entscheiden - AHT Ja oder Nein?


    LG, Cleo

  • Liebe Cleo73 ,


    Dein ER liegt ja nur bei 2%, also nochmal an der unteren Grenze der fraglich sensitiven Tumoren (die Range ist 1-9%).


    Die AGO gibt in diesem Fall eine schwache Empfehlung zur AHT. ABER: Es ist eine Grad D Empfehlung. Das heißt: Evidenz besteht nur durch MEINUNGEN, ohne Bewertbarkeit, es gibt keine gesicherten Daten durch Studien, also keine wissenschaftlichen Belege, dass es etwas bringt. (Eine sehr gute Empfehlung hätte Grad A. Grad D ist sozusagen die Empfehlung mit der niedrigsten Evidenz und Sicherheit.)


    Ob im Falle der BRCA1 Mutation die Situation anders bewertet wird, weiß ich nicht, das solltest Du nochmal bei einem Spezialisten an der Uni nachfragen.


    In Deinem Fall würde ich folgendermaßen vorgehen: AHT beginnen, bei guter Verträglichkeit einnehmen (schadet nichts und bringt vielleicht doch was). Bei schlechter Verträglichkeit und vielen NW würde ich die Therapie absetzen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass DU persönlich von der Therapie profitierst sehr gering ist.


    Alles Gute!

  • Guten Morgen,


    alles sehr interessant. Vielleicht hätte ich ja auch keine Chemo gebraucht. Aber 2012 hat das Tumorboard entschieden, bei G3 und T3 (5,2 cm) und meinem Alter (42) eine Chemo zu machen. Da lag dieser Test vermutlich noch in den Schubladen, bzw. war in der Testphase.

    Der Ki war 15-20 und die Hormonabhängigkeit war 12/12. Hatte duktal und lobulär.

    Da ich gleich an die Uni nach Tübingen ging, stieß nach der Akutbehandlung mein jetziger Onkologe hinzu, der den Nutzen der Chemo angezweifelt hatte ☹️. OK, wie wir Schwaben sagen : num ums Eck...

  • Guten Morgen liebe Philosophin und Nic46 ,

    ja prozentual liege ich bei 5%. Das war im Dezember ein Score 2=positiv. Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, dass 1-9% den Score 2 ergibt und damit positiv. Aber das war halt im letzten Jahr. Da war es zeitlich für mich etwas ungünstig, da ich dadurch Carboplatin nicht sofort bekommen habe.

    Mal sehen wie in der neuen Klinik das Thema AHT nun angegangen wird. Aber so wie du es schreibst Philosophin ist es ein sehr guter Ansatzpunkt. Wenn ich (noch) darf, würde ich es auf jeden Fall probieren.


    LG, Cleo🤗

  • Liebe Studienteam ,


    ich zitiere mal hierher, da wie von Milli richtig angemerkt, das nicht in den Thread zu Angst vor Nebenwirkungen gehört.


    Tempi ....mit der Aussage...Zitat .."Für Brustkrebspatientinnen kommt der Test dann infrage, wenn Ärzte den Nutzen einer Chemotherapie nicht anhand gängiger klinischer und pathologischer Untersuchungen abschätzen können. " Betonung liegt hier auf der Formulierung " NICHT ANHAND GÄNGIGER KLINISCHER UND PATHOLOGISCHER UNTERSUCHUNGEN abschätzen können"


    Der Ki 67 Wert ist ein pathologischer Marker! [....]

    Ich habe geschrieben, welche Indikationen es für den Onkotype-Test gibt mit Link zum Krebsinformationsdienst, wo man das nachlesen kann. Einfach, damit nicht eine Verunsicherung durch Deine Pauschalaussagen entsteht, die eben auch nicht zwingend richtig sind (siehe SusiSum ).


    Sinnerfassend lesen kann ich auch ohne eine Wiederholung in Großbuchstaben - die im Übrigen im Internet Brüllen bedeutet, was dann anderen gegenüber recht unfreundlich ist. Bitte beachte das doch künftig im Austausch mit anderen hier.

    Es wäre auch nett, wenn Du ein bisschen mehr darauf achtest, was Du ausgräbst (Alter der Beiträge, letzte Aktivität des Angesprochenen usw.) und wo Du thematisch darauf antwortest. Versuch bitte etwas ruhiger zu werden.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Tempi () aus folgendem Grund: Vertipper beseitigt.

  • Liebe Palenke ,


    ich möchte noch ein paar Worte zu Deinem Beitrag vom 22.05. schreiben, in dem Du hinterfragt hast, ob Du wirklich eine Chemotherapie gebraucht hättest und der Onkotype Dir hierbei möglicherweise weitergeholfen hätte.


    Erst mal möchte ich sagen, dass Du im Jahr 2012 ganz klar in die Hochrisiko-Gruppe gefallen bist - aus den von Dir genannten Gründen (großer Tumor, G3, junges Alter) und der damals üblichen Einteilung. (Übrigens galt bei G3 bereits ein Tumor > 10 mm als high risk.) Das heißt, die Entscheidung für eine Chemotherapie war eindeutig. Es gab (und gibt bis heute...) keine Studien, die belegen könnten, dass man bei Deiner Riskokonstellation auf eine Chemotherapie verzichten könnte oder gar sollte. Sollte Dein Onkologe anderer Meinung sein, dann soll er Dir bitte die entsprechende Studie zeigen. Auf Privatmeinungen oder vermeintlichen "Erfahrungsschatz" bezüglich solcher weitreichenden Entscheidungen und existentielle Dinge betreffend würde ich mich dabei nicht verlassen.


    Der Onkotype unterliegt in seiner Einschätzung gewissen Limitationen - er betrachtet nämlich ausschließlich die Zellbiologie der Tumorzellen ohne zB die Tumorgröße oder das Grading (zB G3) miteinzubeziehen. Das heißt, egal ob ein Tumor 5 mm oder 50 mm groß ist, der Onkotype sortiert ihn in die gleiche Risikogruppe ein. Nun ist natürlich klar, dass das Risiko für eine spätere Fernmetastasierung (bei gleicher Zellbiologie) für einen 5 mm großen Tumor wesentlich kleiner ist als für einen 50 mm großen Tumor, einfach, weil der große viel länger gewachsen ist und viel mehr Zeit hatte, Mikrometastasen zu produzieren.


    In der wegweisenden Studie zum Onkotype (TailorX, 2018 publiziert) hatten übrigens nur 20 von 10.000 Frauen (das entspricht 0,2%) einen Tumor, der größer als 50 mm war. Im Median waren die Carcinome 15 mm groß. Deshalb halte ich die Aussagekraft des Onkotype für so große Primärtumore wie bei Dir für extrem eingeschränkt bzw unzulässig -> das ist einfach ein seltener Sonderfall. Die Chance zu einer adjuvanten Chemotherapie hat man nur einmal im Leben und ich hätte mich an Deiner Stelle auf jeden Fall dafür entschieden.


    Ich habe das Gefühl, Du hast das Thema aber auch gut verarbeitet, oder - um es mit anderen Worten zu sagen - mir gefällt Deine schwäbische Einstellung ;-) Und das wichtigste Ziel hast Du ja erreicht - Du bist weiterhin rezidivfrei! Und um das geht es doch!


    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute! Viele Grüße!

  • Ich habe heute mein Ergebnis vom Oncotype bekommen und das Ergebnis ist eindeutig: der Score liegt bei 48, obwohl mein KI-67 "nur" 20% war...

    Einerseits hat es mich aus den Latschen gekippt, dass ich jetzt doch Chemo machen soll. Andererseits bin ich froh, dass der Score doch sooo eindeutig ist. Nicht knapp über oder unter dem "Grenzwert", sondern sehr deutlich drüber. Die Wahrscheinlichkeit, nicht an Metastasen zu erkranken, steigt bei mir mit einer Chemo um mehr als 15% und da gibt es für mich gar kein Überlegen!


    Nächsten Donnerstag wird der Port gelegt, am Freitag gibt's schon den 1.Cocktail, wenn es mir gut genug geht.

    Was genau ich bekomme, weiß ich noch nicht, weil das Tumorboard erst heute Nachmittag über meinen Fall beraten hat!


    Ich nehme einfach alles an, was auf mich zukommt! Ich schaffe das, weil ich es schaffen will!