Stark sein?!

  • Liebe Mateja13, mittlerweile bin ich auch wieder ausgeglichen. Nur wenn es eine schlechte Nachricht gibt, brauche ich eine Nacht, dann geht es wieder. Ich denke, wenn man ganz am Anfang mit der Erkrankung steht, kann man nur verdrängen, um die Zeit bis zur Therapie zu schaffen. Das Akzeptieren ist ein wichtiger Prozess, der aber für den Umgang mit dem ganzen Mist dringend notwendig ist.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Was mit Kampf und Stärke gemeint ist, das erschließt sich mir nicht. Ich empfinde es eher als Energielosigkeit, loslassen vom (bisherigen) Leben, akzeptieren, dass der Alterungsprozess nicht wie erhofft allmählich eintritt, sondern schlagartig.

    Ich gebe mir Mühe, alle Arzttermine einzuhalten. Manches Mal habe ich es kaum bis zum Taxi geschafft und bin kaum die Treppe beim Arzt hochgekommen. Aktuell geht es wieder etwas besser (naja außer heute Nacht, das war dann mal wieder schlimm...), aber nicht ohne sehr viel Schmerzmitteln. Die schlagen ganz gut an, so dass ich ab und zu das Gefühl hab, dass das alles gar nicht so schlimm ist.

    Mein Sohn ist jetzt endlich volljährig. Das nimmt einiges an Verantwortung ab.

  • Ich denke man übersetzt es frei mit Kampf gegen Krebs und Stärke damit umzugehen. Von Außen sieht eigentlich jeder der Krebs Therapie (oder andere harte Krankheiten) macht wie ein Kampfhuhn aus ( nicht wörtlich gemeint.p) Man geht halt jeden Tag durch eine irre Therapie, hat Schmerzen und managed das alles irgendwie. Mit Tränen, Tips und Tricks, sowie noch mehr Schmerzmittel oder was sonst hilft. Und Natürlich ist das stark. Wenn die Therapie irgendwann hinter einem liegt und man schaut zurück..da ist schon ein bisschen Stolz, dass man das alles irgendwie hinter sich gebracht hat. Auch mit Tränen oder Angst, eine Chemo, Bestrahlung OP etc, das ist ja alles keine Kleinigkeit.

  • Ich kann von mir sagen, ich habe Vieles mit Verdrängen geschafft. Ob das jetzt Stärke ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hat mir das Verdrängen Distanz von der Krankheit verschafft, das tat mir gut. Doch letztlich ist Verdrängen nicht Verarbeiten.

    Du sprichst mir aus der Seele. Das Verdrängen hat mir geholfen, mein Leben weiterzuleben. "Stark" haben mich andere genannt. Nur jetzt, wo ich durch die Bestrahlung (?) ständig Schmerzen in der Brust habe, klappt das mit dem Verdrängen nicht so gut. Und der Versuch der Verarbeitung befördert Ängste ans Tageslicht, die ich lieber nicht kennengelernt hätte...

  • Ja, das kann ich gut verstehen, liebe Tiane. Ich weiß, jeder geht anders mit der Erkrankung um. Bei mir ist es niedrigmaligne, doch trotz dieses Wissens habe ich manchmal Angst, da wollen Kopf und Bauch nicht zueinander finden. Im Juli ist meine letzte Erhaltungstherapie...ich habe jetzt schon Angst davor, daß ich danach in das berühmte Therapie loch falle

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Bei mir war es die Angst und die Wut die mich zum Kampf gebracht haben , ein aus meiner Wut am Krebs hervorgerufen Gefühl . Ich war wirklich so wütend das es mir schon Angst gemacht hat , dann war nur noch gegen den Krebs kämpfen in meinem Kopf . Ich habe die Nebenwirkungen als gegeben hingenommen und mir da keine Gedanken gemacht . Ich bin richtig sturköpfig geworden was andere als Stärke gesehen haben . In den Momente wo ich hilflos war habe ich mir gesagt ich brauche eine Strategie die mich aufrichtet, ich habe es vorher schon nicht leiden können schwach zu sein .....daher auch das lieber mit der Glatze und den Nebenwirkungen als ein Zettel am großen Zeh.

    Die hatte ich gegen jede Nebenwirkung . Ich habe mir selber nicht zugestanden zu jammern für mich war es tatsächlich ein Krieg , ein Kampf gegen den Krebs und um mein Leben . Ein Schlachtfeld wo ich wusste ich stecke auch ordendlich ein . Ich darf nicht zulassen das meine Angst überhand gewinnt . Aber ich habe nie die Hoffnung verloren und das hat mir Stärke gegeben .

    Verdrängt habe ich sehr vieles und musste ich auch , ich musste auch Distanz schaffen zu Menschen die mir nicht gut getan haben , das war am schlimmsten und wirklich kraftraubend für mich denn ich habe nicht verstanden wie man nach jemanden treten kann der eh schon am Boden liegt . Die hätten mir sonst die Kraft geraubt . Wenn ich überhaupt nicht mehr konnte dann hat mir mein Mann die Kraft zurückgegeben , er hat mich gehalten , mit mir geweint , mich motiviert und mir einfach gezeigt wie sehr er mich liebt , dafür gesorgt das ich nicht auf der Stelle stehen oder gar liegen bleibe . Wenn ich ehrlich bin hätte ich es nicht ohne meinen Mann geschafft .

    Ich frage mich jetzt immer wie es die Mädels schaffen die allein sind ...u d dann vielleicht auch noch Kinder fersorgej müssen .....

    Ja die sind stark ....ich hatte nur eine Strategie am Leben zu bleiben , die Mädels sind viel stärker als ich.

    Ja verarbeitet habe ich die gesamte Therpie und die äußeren Umstände während der Krebstherapie noch nicht ,

    das geschieht momentan gerade , das empfinde ich als sehr anstrengend gend .....aber ich habe auch oft das Gefühl ich stehe da dabei neben mir und schaue zu ....erinnere mich jetzt wie es war während der Therapie und frage mich ob es teilweise wirklich so derb war .

    ich hatte vorher keine Zeit zum Verarbeiten der Diagnose und der Therapie und das war optimal für mich denn von der Diagnosestellung bis zur Chemo verdingen gerade zwei Wochen ......da war ich zu stur und festgesetzt im Kopf mit meiner Wut gegen den Krebs , ich wollte nicht mal hören das eine Reduzierung der letzten paar Chemos nicht schlimm ist , da wurde ich sogar noch wütender ,

    auf mich und meinen Körper und ungerechter Weise auf meinen Onkologen der mich nur schützen wollte , mein Körper hatte verdammt noch eins nicht zu schwächeln

    Irgendwie denke ich manchmal ich verdränge noch immer die ganz schlechten Tage der Therapie

    Jetzt wo die Krebsnachsorgen immer kommen habe ich Angst . Denn ich habe die natürliche Naivität zu meinem Körper verloren .

    Diese Änste würde ich lieber nicht kennenlernen . Rückwirkend hätte ich auf diese Erfahrungen gut und gerne verzichten können aber von der anderen Seite habe ich viel gelernt und erkannt ich kann viel mehr schaffen , einstecken und jetzt auch objektiver sehen als vor meiner Diagnose . Also für mich war das ein Krieg , einer den ich Gott sei Dank nicht verloren habe .

    Knuddels :hug:

    Gabi

    🙏🏽 Herr schmeiß Nerven vom Himmel 🙏🏽

    😉 Lieber eine Glatze am Kopf und Nebenwirkungen als einen Zettel am großen Zeh 😉

    👍🏽 Wer in den Krieg zieht muß auch Kratzer einstecken können 👍🏽

  • Liebe @kruemelmottette, dann war es bei dir ja letztlich doch ähnlich wie bei unseren Vorrednerinnen! Ich dachte immer, du konntest so gut damit umgehen, du kamst mir fast übermenschliche vor!;)


    Ich bin mit der Verarbeitung schon gut voran gekommen, auch meine beiden Rehas haben entscheidend dazu beigetragen.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Liebe kruemelmotte das mit den Nachsorgen wuppst Du auch noch. Ich war davor anfangs auch total aufgeregt und bin wegen jeder Kleinigkeit an die Decke gegangen. Ich wurde schon panisch allein bei dem Gedanken, dass die Untersuchungsabstände nach 3 Jahren von 3 auf 6 Monaten erweitert werden. Wie soll ich das bloss aushalten? Naja, bei mir steht nächste Woche die mittlerweile 10. Nachsorge an. Und was soll ich sage, habe neulich in meinen Kalender geguckt und gedacht "Upps, ist es schon wieder so weit?" Ich glaube mittlerweile ich werde dann auch mit den längeren Abständen zurecht kommen. Allerdings lässt sich meine Psyche an sich noch nicht so ganz austricksen. Immer wenn ein Untersuchungstermin naht, hab ich diverse Zipperlein, die dann auf wundersame Weise verschwunden sind, sobald ich ein o.B. bekommen habe. Puh! Also ich kann, sagen, es wird besser. Weg gehen wird die Angst wohl nie.

    Zum Ausgangsthema zurück: Stark sein? Nein, ich war nicht stark, im Gegenteil, ich habe Rotz und Wasser geheult und ich bin auch heute noch schwach. ABER: ich habe einen ausgeprägten Lebenswillen und der hat mich die Therapie durchstehen lassen. Kämpfen? Auch das so ein Begriff. Er hilft mir, das Erlebte zu visualisieren. Ja, ich habe gekämpft, aber - wie oben schon jemand erwähnt hat - nicht gegen den Krebs sondern für mein Leben und dafür musste ich meinen Krebs vernichten (hoffentlich). Es mag sicher aber auch von der Art des Krebses abhängen, ob man es als Kampf bezeichnen mag. Ich hatte Brustkrebs, nicht gestreut und habe gute Chancen, dass es das war. Aber diejenigen, die noch eine Runde drehen müssen oder gar chronisch sind, da ist der Begriff "dagegen kämpfen" vielleicht auch schwierig zu verwenden. Ich kann es nicht wirklich nachvollziehen, kann mir aber vorstellen, dass es eher ein "arrangieren" ist. Ist zwar vielleicht ein etwas blöder Vergleich, aber ich "arrangiere" mich mit den Neuropathien und was mir der "Kampf" noch so eingebracht hat. Kämpfen kann ich dagegen nicht, sie sind da und werden nie verschwinden, also versuche ich so etwas wie ein "Miteinander" hinzubekommen. Ich lasse mir mein Leben davon nicht bestimmen, muss aber Einschränkungen akzeptieren.

    Ich habe meine Therapie eher als ein "Projekt" betrachtet. Mein "Job" war die Therapie durchzuziehen und mit Glück ist das Projekt erfolgreich. Zumindest wollte ich jede Möglichkeit nutzen, dieses Projekt zu einem positiven Abschluss zu bringen und habe alles an Therapie mitgenommen, was ich kriegen konnte. Aktuell bin ich noch mit dem Projekt "zurück ins Leben bzw. ein Leben" beschäftigt. Mal sehen, was noch so kommt.

    Ich finde es auch immer noch schwierig, wenn ich für meine "Leistung" und meine "Stärke" gelobt werde, die ich mit der Therapie gebracht habe. Ganz ehrlich, ich bin den Weg gegangen, der mir die größte Überlebenswahrscheinlichkeit geboten hat. Das ist keine Leistung und keine Stärke. Das ist Realitätssinn, Überlebenswille und am Ende - hoffentlich noch lange - auch Glück.

    Ich sehe mich weniger als starke Kämpferin sondern - zumindest derzeit - als Glückskind. Und ich habe das Leben noch mehr wert schätzen gelernt als vorher schon. Ich glaube, ich bin ziemlich glücklich so wie es gerade ist.

  • Liebe @kruemelmottette, dann war es bei dir ja letztlich doch ähnlich wie bei unseren Vorrednerinnen! Ich dachte immer, du konntest so gut damit umgehen, du kamst mir fast übermenschliche vor!;)


    Ich bin mit der Verarbeitung schon gut voran gekommen, auch meine beiden Rehas haben entscheidend dazu beigetragen.

    Oh liebe Bonny und Frieda

    Ich habe einfach nur versucht mir selber in den Allerwertesten zu treten , mein Ziel fest vor den Augen zu behalten und vor meinen Mädchen nicht zu weinen oder Angst zu zeigen . Ihnen Sicherheit und Hoffnung zu geben , ich habe teilweise gelitten wie ein Hund und wußte auch teilweise nicht wohin mit meinen Ängsten , den Schmerzen und den Nebenwirkungen , teilweise war ich so froh das ich einfach nur zu müde und erschöpft war und mir so keine Gedanken machen musste. Ich hatte die Stfategie von Chemo zu Chemo zu kommen , die Tage dazwischen so gut es geht genießen und Nebenwirkungen bei Seite zu schieben . Immer in Bewegung bleiben egal wie es mir ging . Als ich wirklich nicht mehr konnte das war so drei Wochen vor Chemoende da war mein Mann noch mehr mein Fels in der Brandung er hat mich voll versorgt und geschaut das ich in Bewegung bleibe ,es mir trotz allem gut geht egal wie , er hat meine Angst in vielen Facetten abbekommen, besonders einen Tag vor der OP als diese fremde Radiologin bei der Drahtmakierung meinte das sei kein Lipom das ist der Krebs der noch viel größer geworden ist und ich diesen Sommer noch mal genießen soll . Was Gott sei Dank nicht so war, die hatte einfach nur Müll erzählt , und ein Lipom nicht von einem Karzinom u unterscheiden konnte .....aber da war ich echt durch. ....Als ich psychisch am Boden lag nach der OP weil mein Bruder mir zu doll zugesetzt hat brauchte ich seinen Schutz von meinem Mann und er hat für mich aufgeräumt . Ich habe einfach nur versucht aufrecht zu bleiben , versucht mir nicht vor meinen Mädels , meiner Mama und Schwester und den Ärzten anmerken zu lassen wie es mir wirklich geht und durchzuhalten .

    Ja es war wirklich nicht immer einfach , aber ebenda doch zu schaffen . Ich denke wenn ich nicht noch zusätzlich Tritte abbekommen hätte wäre vieles einfacher gewesen.

    Nein liebe Jutta ich habe nix übermenschliches an mir , ganz sicher nicht , ich habe einfach nur meinen Weg eingeschlagen um das zu überstehen . Aber ich kann heute wirklich mit meinen Nebenwirkungen gut leben . Die gehören jetzt zu mir , genauso wie meine Freude am Leben 😊

    Knuddels :hug:

    Gabi

    🙏🏽 Herr schmeiß Nerven vom Himmel 🙏🏽

    😉 Lieber eine Glatze am Kopf und Nebenwirkungen als einen Zettel am großen Zeh 😉

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  • Liebe Bonny und Frieda, danke für diesen Thread. Ich glaube da geht es uns allen im gewissen Maße gleich. Diese Krankheit verändert vieles. Plötzlich steht dein ganzes Leben Kopf. Ich muss sagen, ich habe momentan gerade auch eher so ein Tief in dem mein Kopfkino verrückt spielt. Das war zu Beginn meiner Diagnose nicht so. Da habe ich irgendwie einfach nur funktioniert.


    Verrückterweise hatte ich an dem Tag meiner Diagnose am Vormittag einen Termin zur Magenspiegelung, da bei mir der Verdacht auf einen Magentumor im Raum stand. Ich war sowas von erleichtert als der Arzt Entwarnung gab. So bin ich am Nachmittag zu meinem Gyn und habe auch darauf vertraut, dass mein selbstertasteter Knoten harmlos sein wird. Dem war aber leider nicht so. Ich nahm die Worte meines Gyn wie durch eine Maske war. Das einzigste was mir fest eingebrannt im Kopf blieb war an diesem Tag ... 85-90% heilbar ....Sie schaffen das! ... Nächste Woche wissen wir mehr! ... Ich konnte in diesem Moment nicht klar denken. Komischerweise bin ich danach aus der Praxis heraus und habe meinen Schock erst einmal mit einem großen Stück Marzipantorte und einem Cappuchino in meinem Lieblingskaffee verdaut. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film und stand irgendwie neben mir.

    Zu Hause angekommen bin ich gleich ins Netz und habe angefangen zu recherchieren was diese Diagnose für mich bedeutet🙈🙈🙈. BITTE NICHT NACHMACHEN!!!🙈🙈🙈

    Glücklicherweise bin ich bald auf dieses Forum gestoßen👍🏻. Hier wurde ich gleich liebevoll aufgenommen und ich wusste: Trübsal blasen bringt ja doch nichts. Davon geht das Schalentier nicht weg!


    Der nächste Tag war allerdings schrecklich. Es war ausgerechnet der Karfreitag und ich bekam den totalen Blues😢. Gedanken wie... Warum ich? ... Ich bin doch erst Anfang 40, dass darf es noch nicht sein! ... Was habe ich falsch gemacht? .... und und und. Ihr kennt das sicherlich alle. Ich habe nur noch geweint!

    Am Sonntag war dann Ostern und ich war bei meinen Eltern zu Besuch. Ich habe es erst am Montag geschafft es ihnen zu sagen was los ist. Wieder floßen Tränen. Die nächsten Tsge ging es mir dann aber wirklich besser. Ich konnte offen mit meiner Diagnose umgehen. Ich weihte meine Chefin und meine Kollegen ein. Ich war gefestigt. Meine Kollegen konnten meinen ernüchternden Umgang mit dieser Diagnose nicht wirklich nachvollziehen. Aber ich hatte für mich diese Diagnose angenommen und akzeptiert. Ich hatte ja das Ganze Osterwochenende Zeit diesen Schock zu verdauen. Ab da war ich sowas von motiviert diesem Mistvieh eins auf die Mütze zu geben.

    Bald stand ja dann fest, dass ich zuerst Chemo machen muss. Ich freute mich sogar darauf. Für mich war allerdings das Wort Chemo so "stetil". Nach der ersten Sitzung wusste ich wie ich das Kind nenne. Die Nebenwirkungen erinnerten mich an ein "Saufgelage"🙈. Ab da ging ich immer zur "Cocktailparty" und hab mein Schalentier unter den Tisch gesoffen. Im Nachhinein muss ich sagen war es glaub ich sowas wie Selbstschutz.


    Vor der OP hatte ich mehr Panik. Je näher dieser Termin rückte um so mehr kam immer wieder mal das Kopfkino hoch. Ich habe mir auch hier wieder eine Story gebastelt: meine Ärztin hatte die Funktion eines Gerichtvollziehers, die am OP-Tag die Räumungsklage vollstreckt.

    Nach der OP war ich Happy, endlich war das Schalentier raus. Mit meiner positiven Haltung habe ich auf der Station alle angesteckt. Selbst die Schwestern auf Station wunderten sich wie ich das Ganze wegstecke. Eine Schwester meinte sogar zu mir, mit meiner Stärke solle ich doch in der Krebshilfe oder so aktiv werden.


    Neun Tage nach der OP war allerdings meine Euphorie wieder dahin. Die OP-Nachbesprechung und der pathologische Befund rissen mich von meiner Wolke 7 herunter. Ich war total Down und kam mir vor wie jemand der nur Platz 4 bei einem Wettkampf erreicht hat. Der undankbare vierte Platz hält.


    Seitdem habe ich immer wieder Phasen in denen ich mit mir selbst hadere. Fragen wie: Warum hat mein Körper die Chemo so schlecht akzeptiert? Was ist wenn irgendwelche Nachkommen des Schalentieres in mir Unfug anstellen?

    Zudem habe ich ja noch zwei tickende "Zeitbomben", die ich am liebsten sofort los haben möchte.

    Aber die Tablettenchemo hat nun mal leider Vorrang. So kann ich nur hoffen, dass bis zum Herbst bei den Nachsorgeterminen alles im grünen Bereich bleibt.

    Vor den ersten Nachsorgeterminen hab ich ehrlich gesagt schon jetzt Bammel.


    Fazit: Ich glaube schwach zu sein und zu jammern darf Frau bei dieser Diagnose auf jeden Fall. Wichtig finde ich ist nur, dass man sich nach diesen Momenten wieder aufrappelt, dass Krönchen richtet und sein Leben genießt.

    Denn jeden Tag geht die Sonne auf☀️...auch für uns die durch den Nebel gingen🤗.

    Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade drauß!;)


    Wenn sich im Leben eine Tür schließt, sollte man sich manchmal lieber HAMMER und NAGEL schnappen und sicherstellen, daß das Teil auch zu bleibt.8o


    Alles, was man über das Leben lernen kann, ist in drei Worte zu fassen: ES GEHT WEITER!:thumbup: (Friedrich Schiller)

  • Wie schön doch deine letzten Sätze sind, liebe kruemelmotte!


    Das gilt auch für deine letzten Sätze, liebe Hanka!


    Es ist gut, daß ihr auch über eure Schwächen sprecht. Das ist ja ein Zeichen von Stärke.


    Jetzt erzähle ich mal den Weg zu meiner Diagnose. Als ich ins Krankenhaus ging, war klar, daß ich etwas im Mediastinum hatte, was da nicht hingehört. Es ging darum herauszufinden, was ich habe. Die Fragestellung War Lymphom oder nicht. Sie wollten Gewebeproben haben. Die erste Entnahme erfolgte über eine Bronchioskopie. Leider wurden keine bösartigen Zellen gefunden. Dann versuchte man es über eine CT-gesteuerte Punktion, indem man zwischen den Rippen in den Mittelfellraum Gewebe entnahm. Parallel dazu wurden eine CT und eine Sonografie gemacht. Ich hatte vergrößerte Lymphknoten im Hals und eine extrem vergrößerte Milz und eine vergrößerte Leber. Alle drei Symptome sind typisch bei einem Lymphom. Bei der Punktion wurden wenige bösartige Zellen gefunden. Während der Visite warf mir der Chefarzt ein "Es ist bösartig, aber gut zu behandeln" vor die Füße und entschwand. Für mich war die Situation schlimm, die Art und Weise, wie mir das gesagt wurde. In der Visite am nächsten Tag wurde mir gesagt, daß ich am kommenden Tag einen Termin bei den Onkologen habe. Eine Stunde nach dieser Visite hieß es, man könne nicht genau zuordnen, um was es sich genau handelt und daß man den geschwollenen Lymphknoten am Hals rausnehmen wolle. Es war Freitag, die Termine beim Anästhesisten und Chirurgen standen, der Eingriff war für den kommenden Montag geplant. Zu der Zeit habe ich gefühlt alle Krimis von Charlotte Link gelesen. Das half mir, meine Angst und alles, was da dran hing, zu verdrängen. Das Ergebnis des Pathologen,ließ fast vier Wochen auf sich warten. Lymphome sind sehr schwer zu diagnostizieren, deshalb werden Proben an ein Referenzlabor nach Kiel geschickt. Dort werden die Proben untersucht und zu Vergleichszwecken gespeichert. Kurz und gut, ich war ohne Diagnose zuhause. Wir sind kurzerhand eine Woche weggefahren, um uns abzulenken. Wir waren zurück, da kam der erlösende Anruf, und ich wusste endlich genau, woran ich war. Diese Zeit war wie eine Achterbahnfahrt, so etwas möchte ich nicht nochmal erleben.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Liebe Bonny und Frieda ,

    auch wenn ich mit meiner sich dem Ende zuneigenden Reha immer noch hadere, eins hat sie mir gezeigt:


    Im Kampf gegen den Krebs gibt es Zeiten, um stark zu sein und Zeiten, um schwach zu sein! Wir DÜRFEN auch mal schwach sein und müssen uns dafür weder schämen noch entschuldigen.


    Manchmal komme ich mir wie eine Heulsuse vor. Wenn ich es recht bedenke, sind es keine Tränen der Trauer. Manchmal ist es Angst .... die Angst vor dem Ungewissen und oft ist es auch Wut, weil man nicht mit uns therapiert, sondern über uns hinweg, uns wichtiges Wissen vorenthält, um selbst Entscheidungen treffen zu können. Man nutzt unsere Ohnmacht und Starre aus ... hier in der Reha habe ich mit vielen Mitbetroffenen sprechen können. Auch wenn mich die Reha psychisch und physisch nicht vorangebracht hat, weiß ich nunmehr


    ICH BIN NICHT ALLEIN ...

    mit meinen Ängsten ...

    meinen Stimmungsschwankungen ...

    meiner Ohnmacht während der Primärtherapie ...

    meinen noch andauernden Nebenwirkungen ...

    Wenn dir das Schicksal Steine in den Weg legt, heb sie auf und bau ein Schloss draus! ;)

  • Ich umarme dich einfach mal, liebe ratlos! Daß wir mit all unseren Gefühlen nicht alleine sind, zeigt ja auch dieses Forum.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Bonny und Frieda

    ich finde, du hast eine tollen Thread eröffet, der viele von uns zum Nachdenken anregt. Danke dafür :*

    Ich denke schon den Tag darüber nach.... schwach - stark? Mein Weg war, verglichen mit anderen, ein relativ leichter, immerhin nur etliche OPs, aber keine Chemo und keine Bestrahlung. Aber eben auch versehen mit vielen negativen Nachrichten, zT völlig unerwartet wie die zweite Ca-Diagose als Zufallsbefund oder nicht erwartetes OP-Ergebis wie im Dezember, die neue OP notwendig machte - was mich dann jedes Mal komplett aus der Bahn warf :(

    Stark? Ja, defiitiv, weil ich all das ertragen und durchgestanden habe, auch wenn ich echt die Faxen dicke hatte.

    Schwach? Ja, definitiv, weil ich immer wieder Rotz und Wasser geheult habe, wenn...

    Dankbar? Definitiv!! Ich darf leben, ich habe Menschen um mich, direkt und virtuell, die mich verstehen, meine Sorgen/Ängste nachvollziehen können - und das ist sooo viel wert. Mein Dank geht an dieser Stelle an diese Menschen - einige sind hier im Forum unterwegs ;)

    Was ist mein Ergebis? Ich bin Mensch, ich bin mal stark, darf aber mal auch schwach sein - und stehe dazu, wenn notwendig. Tue ich das nicht und verheimliche meine "Schwäche"..... macht das nichts Gutes mit mir. Das kostet einfach zu viel Kraft, die an anderer Stelle gebraucht wird.

  • Liebe Bonny und Frieda ,
    vielen Dank für diesen THread. Ich habe schon oft über Stärke, Verdrängung und Schwäche nachgedacht.

    Ja, wir schreiben hier im Forum viel vom Kämpfen und vom stark sein. Ich sehe das ein bisschen wie eine Parole, die die Angst vor dem Kommenden nehmen soll. Der Truppenführer animiert vor der Schlacht zur Waghalsigkeit.

    Ganz sicher können wir uns selbst oft nicht mit Durchhalte- und Motivationsparolen ins Leben stürzen.

    Aber der Zuspruch und die Motivation hier im Forum hilft, den eigenen Weg zu finden und zu beschreiten.

    Ich habe lange Zeit gedacht, mit einer guten Verdrängungsstrategie durch die Behandlungen gekommen zu sein. Inzwischen denke ich eher, dass ich die neue Situation gut angenommen und meinen Weg danach ausgerichtet habe. Ich habe schon immer nicht Probleme gesucht, sondern deren Lösung.
    Ein guter Freund meint immer: alles im Leben hat seinen Sinn. Auch wenn ich diesen Sinn oft nicht oder erst viel später erkennen kann, ist für mich ein wahrer Kern bei dieser Aussage.

    Als ich nach meiner ersten Mammo eine zweite Einladung bekam, hat mich das nicht beunruhigt. Als eine Biopsie nötig war und ich wegen Urlaub der Radiologin und von mir selbst auf ein Ergebnis warten musste, habe ich mögliche Konsequenzen einfach ignoriert. Ich bin zu meiner Freundin gefahren, die ebenfalls vom Schalentier befallen ist, um mich mit ihr bezgl. der weiteren Vorgehensweise zu beraten. Dort habe ich dann einen befreundeten Chef eines Brustzentrums getroffen, den ich schon eine längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. An derartige Zufälle glaube ich nicht. Ich wußte also innerlich Bescheid. Habe dieses Schicksal angenommen. Da dieser befreundete Chefarzt sich dann persönlich um alles weitere gekümmert hat und ich ihm völlig vertraut habe, bin ich gar nicht auf dumme Gedanken gekommen. Stärke ist das nicht. Verdrängen aber auch nicht, denn ich bin mit der Diagnose immer offen umgegangen. Habe unverzüglich meinen Chef und meine Abteilungsleiter informiert. Habe die Hilfsangebote meiner Freunde angenommen und meine Betreuung an Chemotagen durch diese organisiert. Bin relativ gut durch die dosisdichte Chemo gekommen, konnte durchgehen arbeiten, habe mir also nicht viel Zeit zum Nachdenken gelassen.
    Vielleicht hat mir auch meine nicht sehr leichte Kindheit geholfen, in der ich schnell gelernt habe, keinem zu zeigen, wie es in mir aussieht, weil dies jederzeit gegen mich verwendet werden konnte. Vielleicht bin ich aber auch einfach ein so positiv denkender Mensch, dass ich mich nicht mit negativen Gedanken aufhalten kann. Das ist eventuell als meine Stärke anzusehen.

    Da ich immer taff aufgetreten bin, hat mein Umfeld von Mitleidbekundungen abgesehen. Bewundert werden wollte ich dafür aber auch nicht.

    Tränen habe ich mir untersagt, da diese auf meiner Haut durch die Chemo zu Verätzungen geführt haben. Hat auch nichts mit Stärke zu tun.

    Die Komplikationen durch meine Wundheilungsstörungen habe ich gut weggesteckt, die Bestrahlungen habe ich einfach in meinen normalen Tagesablauf eingebaut. Nicht googeln, nicht über Nebenwirkungen nachdenken (vielleicht doch Verdrängung?), immer weiter auf dem Weg. Das einzige Innehalten kam bei der Entscheidung Diep Flap oder gar kein Aufbau. Da ich es gewohnt bin, täglich Entscheidungen zu treffen, habe ich nach großem Sträuben, Trampeln und Schreien auch hier zeitnah zu einer Entscheidung gefunden.

    Ich weiß, dass meine Entscheidung die für mich Richtige gewesen ist, hadere aber auch nach über 2,5 Jahren noch mit diesem Weg und sehe den Sinn nicht. Schwäche?

    Ich versuche, allen Leidgeplagten Trost und Zuversicht zu geben und sehe es als eine meiner Stärken, auch mit traurigen Schicksalen klar zu kommen. Eine meiner größte Schwächen ist sicherlich, dass ich nicht achtsam genug mit mir selbst bin. Daran arbeite ich.

    Jeder geht anders mit seiner Diagnose um. Ich finde es sehr wohltuend und gut zu wissen, dass wir in schwachem Momenten Hilfe, Mitgefühl und Verständnis in diesem Forum finden können. Dass viele Frauen uns hier an ihrer Stärke, an echter Größe und ihrem Überlebenswillen teilhaben lassen. Dass auch schwache Aufenblicke akzeptiert werden.
    Vielen Dank für all Eure Stärken und Schwächen!