Christen und Krebs

  • Liebe Lilibe ,


    natürlich kriegst Du jede Menge Gebete von uns!


    Protestanten-Katholiken-Diskussion? Ich glaub´s ja nicht! In welchem Jahrhundert sind wir denn? Ich sehe Gott und Jesus im Mittelpunkt meines Glaubens. Alles andere ist für mich Nebensache. Die Unterschiede der Konfessionen haben sich doch aus verschiedenen Auslegungen der Bibel und des Glaubens ergeben. Also Auslegungen, die Menschen gemacht haben. Darüber kann man streiten, aber verbindend ist doch, was ganz oben drüber steht: Gott. Also ehrlich, ich will hier auch niemanden kränken, der es vielleicht anders sieht, aber ich bin halt viel ökumenisch unterwegs und sehe da bei allen den Glauben an Gott und an Jesus als übergreifendes verbindendes Element.


    Hannah Es ist gut, dass jeder beten kann, wie er möchte. Ich bete auch sehr speziell, oft ganz spontan und kurz. Wenn ich im Bus jemanden sehe, von dem ich meine, er braucht Gottes Hilfe, bete ich ganz schnell darum oder auch für mich selbst vor einem schwierigen Gespräch oder auch vor einer längeren Autofahrt. Manchmal denke ich, hoffentlich wird es ihm nicht zu viel, wenn ich dauernd in der Leitung hänge. Vorm Einschlafen kommt dann ein etwas intensiveres längeres Gebet mit Dank und meinen persönlichen Fürbitten, die sich am Tag so angesammelt haben und dann versuche ich auch zu hören, ob etwas zurückkommt.


    Liebe Grüße an alle

    Singdrossel

  • erklärte, ich hätte nicht getauft werden dürfen

    Liebe Singdrossel

    ich möchte hier gerne "vermitteln". In der Bibel gibt es keine Kindstaufe. Der Erwachsene entscheidet zum Zeitpunkt der religiösen Reife, ob er getauft werden möchte. Eine extremst persönliche Angelegenheit zwischen dem "Gläubigen" und Gott.

    Hätten die Kirchen nicht damit angefangen, in unbiblischer Weise Kinder und gar Säuglinge zu taufen, hätte es das oben beschriebene "Problem" gar nicht gegeben.

    aber bei dem Zeitpunkt habe ich ein Wort mitzureden !

    Cancer-capricornus

    Täusche Dich da mal nicht! Ich glaube nicht, dass wir ein Wort mitzureden haben, darüber, wann wir sterben werden. Natürlich ist es schön, wenn Du Lebensfreude hast, denn das zeigt auch trotz allem noch, dass Du das Leben als Geschenk ansehen kannst.

    Nach meinem Verständnis entscheidet aber nicht der Mensch wann er stirbt. Zwar dürfen wir auch irgendwann das Gefühl haben "lebenssatt an Tagen" "heimgehen" zu wollen. Aber ob und wann liegt nicht bei uns, ist meine derzeitige Auffassung.


    Zu mir möchte ich nur ganz kurz jetzt anmerken, dass ich erst kurz nach der Operation der Ersterkrankung durch ein sehr spezielles Ereignis zum Glabuen gekommen bin, für mich völlig umwerfend und unerwartet. Aber ich bin so dankbar dafür und ohne "meinen" neuen Glauben wäre ich bestimmt ziemlich arm dran jetzt und seit der Erkrankung überhaupt. Das merken auch meine Angehörigen. Sie freuen sich sehr für mich, dass mir der Glaube so hilft. Und ich freue mich, dass Gott mir so sehr hilft. Allen voran Jesus. Ich bin so dankbar für diese Wende in meinem Leben.

    Aber es ist alles noch sehr persönlich für mich und ich mag meinen Glauben von Streiterein weit weg halten. Denn der Glaube ist viel zu kostbar für mich, als dass ich es zulassen möchte, dass andere vielleicht versuchen würden, mit Schmutz darauf zu werfen. Vielleicht bin ich da noch unreif im Glauben. Aber für mich ist es eben eine sehr ernste und vor allem persönliche Sache.

    Sollte aber tatsächlich jemand hier den Wunsch haben, sich persönlich mit mir über den Glauben oder seine Zweifel zu unterhalten, wäre ich froh, wenn ich dazu beitragen dürfte, in Zweiflern wieder den Glauben an Gott zu stärken.


    Gütiger Vater, geliebter Jesus, ich danke Euch für Eure Annäherung an uns und unsere Fähigkeit, diese dankbar wahrzunehmen.

    Amen

  • Liebe Singdrossel ,

    Deine vielen Gebete können nicht zuviel werden. In meinem ersten Beitrag hatte ich das Gleichnis von der Witwe und dem ungerechten Richter erwähnt. Er hilft, um endlich Ruhe zu haben. Und wenn es nur das Motiv wäre, die Hauptsache ist, dass die Gebete erhört werden.

    Übrigens als Katholikin bin ich stolz auf meinen evangelischen Taufschein.

    LG Lilibe

  • Geduld

    Mit dem Ausspruch " ..... aber bei dem Zeitpunkt habe ich ein Wort mitzureden !" habe ich mich vielleicht zu ungenau ausgedrückt. Da ich eine Patientenverfügung habe, in der festgelegt ist, dass ich u.a. keine lebensverlängernden Maßnahmen (Reanimation, Beatmung, ....) wünsche, sind den Ärzten "die Hände gebunden". Wegen dieser Klausel wollten sie mich auch vor 2 Jahren erst nicht operieren, ...... denn welcher Chirurg möchte trotz ärztlicher Kunst 'ne Leich' auf dem Tisch. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, wenn mein Körper beschließt sich geschlagen zu geben, dieses zu akzeptieren, denn der progressive Krebs in mir wird mit den Jahren wahrscheinlich sich immer zerstörender auswirken und Beschwerden verursachen. Aus diesem Grund genieße ich eben "das Hier & Jetzt", ..... solange es mir gut geht ...... und dass ohne Schmerzen. Denn wenn die Erkrankung dann erst mal unangenehm wird, man das Unausweichliche vor Augen hat, sehe ich in einer "Leidensverlängerung" keinen Sinn. ....... Mit einer adäquaten Schmerztherapie gehen zu dürfen finde ich dann menschenwürdig.

    So wünsche ich mir "meinen Weg", ....... andere möchten vielleicht bis zuletzt die volle Apparatemedizin, ..... oder eine Reise in die Schweiz -- um die Sache noch schneller abzukürzen ! Deshalb ist es ja auch so wichtig, sich mit "dem später" auseinanderzusetzen, dies in einer Patientenverfügung zu dokumentieren, ..... u.a. auch, um den Angehörigen die Frage "Was hätte der Kranke gewünscht ?" zu ersparen.

  • Ich lese hier still mit. Zu mir kann ich sagen, ich bin gefirmt und habe dies sehr ernst genommen, und habe dann mit 40 Jahren meinen Eid gebrochen und litt darunter sehr - ich konnte nicht mehr Katholikin sein und es mit meinem Gewissen verantworten. - Ich habe es mir nicht leicht gemacht, ich konvertierte sehr bewußt, freiwillig und irgendwie auch befreiend zum christlichen lutherischen Glauben. Dieser Entscheidungsprozeß war nicht spontan, sondern zog sich über eine Dekade hin. Ja, ich bin Christin, die Kirche und der Gottesdienst ist für mich nicht wichtig, wichtig sind die 10 Gebote und der wichtigste Grundsatz/Dogma unseres Glaubens, die Barmherzigkeit und das Verzeihen. (Toleranz ist nur eine Nebensache, aber nicht die Hauptsache in unserem Glauben).


    Ich will gerne mit euch in den Austausch gehen. Warum ich bisher schwieg, ist momentan meinem Inneren geschuldet. Ich bin in einer Glaubenskrise, im totalen freien Fall. Gott hat mich immer geliebt, ich war fest davon überzeugt - hatte immer Glück im Unglück- er/sie liebte mich, und war mir dabei sehr sicher. Mit uns beiden war es immer ein Geben und Nehmen, wie in einer guten Freundschaft. Nichtgläubige lachen nun über mich oder schmunzeln über meine Naivität. Es ist mir egal. Ein Glaube der das Verzeihen in den Vordergrund stellt, ist ein guter Glaube, er bringt kein Leid über die Menschen. Wichtig ist auch, daß man zwischen Glauben und Kirchenpolitik unterscheidet. Ein Thema, daß sicherlich viele Seiten hier füllen kann.


    Meine schwere Erkrankung und meine schlechte Prognose haben mich zutiefst erschüttert, und auch die Verbindung zu Gott gekappt. Seltsam, Nichtgläubige werden durch die Erkrankung zu gläubigen Menschen und finden nun im Glauben halt, es ist okay so. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich fühle mich verlassen, spüre keine Wärme mehr, kein Beschütztsein.


    Nun geht sogar das Verzeihen flöten. Ertappe mich, daß ich meinem Frauenarzt, einen Krebstod mit viel Schmerzen wünsche, leiden soll er, am besten sein ganzer Familienclan mit (weil er meine Familie ebenso in das Unglück stürzt). Sicherlich ist die Krebserkrankung meine persönliche Erkrankung, aber mein Frauenarzt hat sehr fahrlässig bis grob fahrlässig gehandelt, und mein Vertrauen in sein ärztliches Können, mißbraucht, und dies nur, damit sein Budget, also sein Verdienst nicht geschmälert wird. Hat er ohne Scham in einem persönlichen Gespräch zugegeben. Er bedauert zwar, daß ich nun schwerst erkrankt bin, aber es sei halt Lebenspech, mein Lebenspech, den Krebs so spät erkannt zu haben, daran sind nur die Krankenkassen schuld und nicht sein altes Sonografie-Gerät und meine äußerst schwierige Brust, die einen anderen Behandlungsansatz und Kontrollansatz, nötig machten .......... Okay, verschüttete Milch, sagt man so schön, wenn man Mist gebaut hat, aber keine Verantwortung für Fehler übernehmen will.


    Mein Denken zeigt eine häßliche Seite von mir, finde ich nicht gut, bisher kannte ich weder Neid, Mißgunst, noch habe ich bisher jemanden den Tod gewünscht. Diesen Gedanken machen mir zu schaffen. Ich will so nicht denken aber ich kann es nicht abstellen.


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    Die Beiträge von cancer-capricornus hier und woanders finde ich alle sehr lesenswert und ich lese sie sehr gerne. Das Avatar hat mich beim 1. Mal auch erschreckt. Aber dann, wenn man den Leidensweg von capri kennt, den schwarzen Humor erblickt, ist es ganz anders.

    Ich mag den schwarzen Humor, schon immer, und jetzt verstärkt er sich. Unsere Krankheit, vor allem, wenn man im letzten Drittel ankommen ist, kann man nur noch mit Humor ertragen, und je bitterer alles ist, um schwärzer wird dieser Humor.


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    Nebenbei bemerkt. Einmal katholisch, für immer katholisch. Auch wenn man konvertierte, so wie ich, ist man gefangen. 2016 haben mein Mann und ich die Ostermesse auf dem Petersplatz erlebt. 3 mal wurde ich vom Papst an verschiedenen Orten gesegnet, sogar an meinen 60. Geburtstag, mir hat es sehr gefallen. Ich war mir so sicher, daß bringt mir Glück, alle Ziegelsteine der Welt machen einen Bogen um mich. ;)

    Mein Mann kann nicht glauben, und zog mich fürchterlich damit auf. Die ganze Romreise, ging über 10 Tage, zeigte den wahren Kern in mir, eine Katholikin kam wieder zum Vorschein. Mein Mann meinte nur, diesen ganze Hickhack und Zinnober, damals vor 20 Jahren innerhalb meiner Familie, hätte ich mir doch gnädigerweise ersparen können.

    Nein, für mein Seelenheil war und ist das Konvertieren wichtig, aber es verstand niemand so richtig warum, selbst der lutherische Pastor verstand mich nicht. Heute stehe ich noch dazu und bereue nicht.


    Sil

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  • liebe Sil habe schon mehrmals deinen Beitrag gelesen und ehrlich ich habe auch oft diese Gedanken denn ich hatte ja schon mal erwähnt auch mein Onkologe hat es drei Monate auf die leichte Schulter genommen und verzeihen kann ich es auch nicht deshalb ja auch Wechsel vielleicht sind unsere Gedanken schlimm aber ich kriege sie auch oft nicht aus meinem Kopf lg,Lissy

  • Solche Gedanken, dass man Rache für erlittenes Unrecht will, die sind ja total normal menschlich. Aber Jesus lehrt uns ja, bis zu 7x7Mal am Tag zu verzeihen. Denn unser himmlischer Vater verzeiht uns auch so vieles und so oft!

    Und ausserdem fehlt uns wohl die nötige Umsicht und Übersicht für eine "gerechte Rache" und deshalb sagt Gott: Die Rache ist mein.

    Ich habe Vertrauen zu Gott, dass er gerecht sein kann. Seine Gerechtigkeit ist sicher eine andere als unsere. Aber ich finde es erleichternd, dass nicht ich Recht spreche muss.

    Zwar soll sich eine Gesellschaft Richter bestellen und Recht sprechen (die Witwen und Waisen nicht über den Tisch ziehen usw.) aber wir persönlich sollen die Rache/Sühne/Gerechtigkeit Gott überlassen. Und ich bin froh, dass ich das darf.

    Zwar hatte ich neulich nachts auch eine seltsame Gemütswandlung, die mir gar nicht gefallen hat, über die ich richtig erschrocken bin, die ich auf die Dosissteierung vom Methadon zurückführe, die ist aber schnell wieder weggegangen, zum Glück: Ich lag im Bett, habe gespürt wie sich meine Fäuste ballen, wie im Bauch aufgeräumt wird, wie ich bissig werde und sich meine Gedanken in überheblicher Weise gegen meinen Onkologen gerichtet haben, der mich bei meiner Methadon-Behandlung nicht unterstützt. Ich dachte: Wenn der mir jetzt daherkommt, den pack ich am Schlawittchen und hau ihm rechts und links um die Ohren! Als junges Mädchen war ich oft eine freche Göre, da hab ich manchmal im Spaß so Sprüche gekloppt wie: Ich polier Dir die Fresse mit Polyboy. Aber in dem Moment habe ich gegenüber dem Onkologen so einen Gedanken wirklich verspürt. Zum Glück ist es wieder weg.

    Ja, es is seltsam, der Gläubige kann durch so eine Erkrankung den Glauben verlieren, der Ungläubig kann durch so eine Erkrankung erst zum Glauben kommen!

    Was Papst angeht und Kirchen: Für mich zählt die Bibel, Gottes und Jesu Wort. Was die irdischen Organisationen daraus gemacht haben, ist keine 1:1-Umsetzung des göttlichen Willens. Für mich ist der Papst niemand, der mir irgend etwas zu sagen hätte. Ich habe mir sowieso nie von jemand was sagen lassen, war oft aufsässig. Aber in Jesus hab ich meinen Meister gefunden. Er hat mich wirklich umgewandelt. Dass ich ihn relativ spät in meinem Leben noch kennenlernen durfte und darf ist für mich so eine Gnade, ich könnte den ganzen Tag nur danken.

    Ich wünsche mir, dass sich meine Freude und Dankbarkeit auf alle mitergießt, die sie jetzt brauchen und lasst Euch sagen: Gott hört uns immer. Warum er uns nicht sofort sichtbar erhört, steht auf einem anderen Blatt. Aber er hat sicher seine Gründe.

  • Hm,


    ich habe die letzten Tage mal reingelesen in diesen Thread und mir so meine Gedanken gemacht. Irgendwie würde ich doch gerne zu einigem meinen Kommentar abgeben.


    Zunächst cancer-capricornus habe ich nicht verstanden, warum du geschrieben hast "Mal vorweg, ............ "alle getauften Menschen" sind Christen, ..... und nicht nur diejenigen die beten.", denn das hat überhaupt niemand gesagt. Die Rede war nur davon, dass man auch für den anderen beten könnte......


    Zu der Geschichte mit der Taufe:

    "Wahrlich, ..... was für Christen ! Zuerst kommt Gott, ... dann lange nichts ...... und dann diese beiden "Heiligen".

    Was kann ein unschuldig geborenes Kind dafür, dass die Eltern aus der Glaubensgemeinschaft ausgetreten sind ? Gerade da sollte die Kirche bestrebt sein, diese Seele zu retten. Und das solche Sprüche auch noch von der "evangelischen Fraktion" kommen, erschüttert mich noch mehr, ....von der katholischen Kirche ist man es ja bereits gewohnt.

    ........... Trennung von Glaube & Kirche"


    Bei diesen Zeilen muss ich wirklich tief durchatmen. Du möchtest Toleranz, aber hier wird sie für mich so gar nicht sichtbar.


    Ein unschuldig geborenes Kind kann natürlich nichts dafür, dass die Eltern aus der Glaubensgemeinschaft ausgetreten sind. ABER die Taufe ist ein Sakrament, dass die Eltern sich von der Institution Kirche erbitten. Sofern du den Taufritus kennst, weißt du vielleicht auch, dass die Eltern gefragt werden, was sie sich von der Institution Kirche für ihr Kind erbitten. Sie werden auch gefragt, ob sie ihr Kind in christlichem Glauben erziehen werden.

    WIE bitte sollen Eltern, die gerade mit "der Kirche" abgeschlossen haben, aus welchem Grund auch immer (und das will ich auch nicht verurteilen!), ihr Kind christlich erziehen, wenn sie mit den Werten dieser christlichen "Kirche" nichts anfangen können? Denn deshalb sind sie ja ausgetreten! Es ist für mich nachvollziehbar, dass ein Kind dann nicht getauft wird und man ihm aber als mündigen Jugendlichen dann die Chance dazu lässt. Die Taufe ist ja nicht auf ewig versagt. Und ich habe eine neunjährige erlebt, die getauft werden wollte. Es war schier unglaublich, wie sehr sie sich damit dann auch wirklich auseinandergesetzt hat und das für ihr Alter.


    "Gerade da sollte die Kirche bestrebt sein, diese Seele zu retten..." Umpf, ganz ehrlich, glaubst du daran, dass die Kirche das kann? Und wer ist in deinen Augen denn "die Kirche". Das Problem ist wirklich immer, dass alles so über einen Kamm geschoren wird. "Die Kirche" gibt es so nicht, es sei denn als Gebäude. Es gibt das Gebäude, die Institution und die Gemeinschaft der Gläubigen. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist immer mit Fehlern behaftet, sie besteht aus Menschen. So einfach ist das. Mir stößt z.B. diese Formulierung von den "armen Seelen" im Fegefeuer auch immer auf, für die gebetet werden soll. Ich glaube an die Barmherzigkeit Gottes, der rettet ohne dass er da irgendjemand dazu braucht, das ist meine tiefe Überzeugung. Und selbst alle Ungetauften sind in meinen Augen in Gottes Hand. Was wäre sonst mit all den Kindern, die im Säuglingsalter oder vor der Geburt ohne eine Taufe versterben? Nein, die Taufe rettet nicht. Aber sie ist ein Zeichen. Ein Initiationsritus zur Aufnahme in eine Gemeinschaft, die glaubt an einen Gott, der über allem ist.


    ich würde mir tatsächlich von vielen Eltern mehr Mut wünschen, ihre Kinder nicht taufen zu lassen, wenn sie selbst mit dem Glauben nichts anfangen können. Das wäre ehrlich.


    Die Trennung von Glaube und "Kirche" haben wir schon längst. Es gibt viele, die glauben ohne diese Institution Kirche. Finde ich völlig legitim. Ich finde es wichtig, dass Menschen lebensbejahende, respektierende Werte haben. Toleranz, Weite, Offenheit, Menschenfreundlichkeit, Güte, Nächstenliebe, Einfühlungsvermögen usw. Mir ist völlig egal, ob jemand an Christus glaubt oder nicht, sofern er Werte lebt. Und da gäbe es in meinem Umfeld viele, die ich sehr schätze. Allen voran meine Lieblingskollegin, die ungetauft ist! Sie besitzt die Toleranz, sich auf kirchliche Themen einzulassen ohne zu verurteilen ohne Allgemeinplätze loszulassen wie "von der katholischen Kirche ist man das ja gewohnt!"

    Mir selbst ist es wichtig, mit dem Glauben an den Gott der Bibel unterwegs zu sein. UND diesen Glauben mit Schwestern und Brüdern zu teilen. Denn ich glaube fest, dass es in einer Gemeinschaft einfacher ist, sich gegenseitig zu bestärken, sich zu korrigieren (wenn es nötig ist) und gemeinsam zu entdecken, wo man für sich selbst Gott im Leben entdeckt. Bodenständig ! Und wichtig ist für mich, um in der Form des Kreuzes zu sprechen, dass es für einen Christen immer darum gehen muss, eine Erdung zu haben, ausgestreckt zum Himmel, aber die anderen rechts und links von mir auch zu sehen und mit ihnen zu leben. Eine Orientierung nur nach oben wird nicht funktionieren oder sie macht mich zum weltfremden Menschen.


    Soweit dazu.


    Ronda


    Danke für deine Frage, die ich in Zusammenhang mit dem Glauben an Gott wirklich für eine spannende Frage halte:

    "Fragt Ihr Euch manchmal, warum Euer Gott es überhaupt zugelassen hat, das Ihr krank werde??"


    Nein, liebe Ronda... ich habe mich das tatsächlich nicht gefragt. Ich habe mich ziemlich schnell nach meiner Diagnose mit einem befreundeten Klostermann getroffen. Einer der weisen Alten, inzwischen ist er 80 und ein toller Mensch! Ich habe ihm damals auch gesagt, ich hadere nicht mit Gott, dass ich diese Krankheit bekommen habe. Wir waren uns schnell einig, dass es Fragen im Leben gibt, die man nicht beantworten kann. Ich habe das zum Beispiel in meinem Verhältnis zu meiner Mutter gelernt, dass ich immer wieder nach dem Warum gefragt habe, bis ich kapiert hab, dass es keine Antwort gibt. Auch auf diese Frage, warum mich diese Krankheit ereilt hat, werde ich nie eine Antwort bekommen. Manche strapazieren ihre Gesundheit aufs Äußerste und werden nicht krank, ich halte mich soweit es geht fit und werde krank. Warum wird ein kleines Mädchen krank, so dass wir es mit 8 Jahren beerdigen mussten, warum überlebt einer, der mit über 90 noch raucht wie ein Schlot? Es ist müsig, darüber nachzudenken, wir erhalten keine Antwort. Also bin ich strategisch vorgegangen und habe mir die Frage gar nicht erst gestellt. ABER die Frage, die ich mir gestellt habe war: Was kann diese Krankheit für dein Leben bedeuten, welche Auswirkungen hat es für deinen zukünftigen Weg? Also letztendlich: Wozu ist es gut, dass ich krank geworden bin? Und darauf gibt es schon Antworten.


    Als ich 50 wurde, schrieb ich auf meine Einladungskarte, die mir eine Freundin toll kalligrafiert hat "Liebe deine Geschichte, denn sie ist der Weg, den Gott mit dir gegangen ist." Der Spruch erhielt nach der Diagnose nochmal eine ganz andere Bedeutung. ABER ich habe auch erfahren dürfen, dass Gott mit mir gegangen ist. Und wenn ich die Kraft nicht hatte, ihn an der Seite wahrzunehmen, dann waren es andere, die mich durch ihr Gebet zu ihm getragen haben. So war es!


    Zebralilly

    🌻 It doesn't matter where you go in life, it's who you have beside you! :hug:


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  • Zebralilly

    (a) Wollte damit nur klarstellen, dass nicht nur "Betende" Christen sind, ...... ein sog. Christ wird man durch die Taufe, man wird ein Mitglied dieser Christengemeinschaft. In anderen Religionen wird man auch durch eine rituelle Handlung zu einem Mitglied der Religionsgemeinschaft. Aber egal zu welcher Gemeinschaft man gehört, keiner (egal ob gläubig = betend oder nicht) ist deswegen besser oder schlechter als der Andere, ..... es kommt auf den Menschen an ...... und nicht ob er betet oder nicht.

    (b) Was das Sakrament der Taufe angeht, ...... Was kann ein Neugeborenes dafür, dass die Eltern (aus welchen Gründen auch immer) aus "der Kirche" ausgetreten sind und ihm deswegen die Taufe verwehrt wird ? Von der katholischen Kirche ist man ja solche Repressalien (z.B. Beerdigung bei Suizid) öfters mal gewohnt, ..... aber von der Evangelischen !? Eigentlich sollte doch der "Kirchendiener" erfreut darüber sein, dass diese Eltern dem Kind aber die Gelegenheit geben wollen diese christliche Zugehörigkeit zu erfahren. Mal abgesehen davon, dass diese Eltern die "christlichen Wertvorstellungen" aufgrund ihrer ehemaligen Zugehörigkeit vermitteln können, ..... das Kind kann dies aber auch durch die Umwelt (Verwandte, KiGa, Schule, Kirche, kirchliche Jugendgruppen, ...) vermittelt bekommen. Jemanden auszuschließen ist auch nicht sehr christlich, .... etwas einseitig beschlossen, da vermisse ich 'Toleranz' z.B. bei diesem Priester. Deshalb musste ich auch schwer schlucken, absolute Toleranz habe ich für dieses Verhalten nicht, gestehe aber dem Priester diesen menschlichen Fehler zu -- christlich ist aber was anderes. Man muss nicht aus lauter Toleranz mit allem konform gehen, man darf die eigene Meinung vertreten --- muss aber die der anderen auch gewähren lassen ...... und ggf. dann "schlucken".

    Mal am Rande, ...... mein Vater ist katholisch, meine Mutter evangelisch, 1959 war eine kirchliche Hochzeit (vor allem in Bayern) ein kleines Problem, ...... meine Mutter musste dem Pfarrer versprechen, die Kinder "gut katholisch" zu erziehen" ...... ????? ..... katholisch, ... nicht nur christlich. Da frage ich mich, .... Wie kann ein Evangelischer "gut katholisch" erziehen ? Logik ? Gott sei Dank, hat sich zumindest in dieser Hinsicht einiges geändert !

    Ich habe ja auch sämtliche Sakramente erhalten, habe dann "für mich" festgestellt, ..... mir bringt "die Kirche" nichts, aber möchte Christ bleiben, ..... bin nicht ausgetreten, bin nur kein Kirchgänger mehr. Ich kenne einige, die ausgetreten sind, aus ähnlichen Gründen, ...... manche aber auch aus steuerlichen Gründen. Ich kenne aber keinen ungetauften Jugendlichen bzw. Erwachsenen, der sozusagen später die kirchlichen Sakramente noch wollte. Diese Saat muss in jungen Jahren gesät werden, ...... auch wenn davon vereinzelt welche wieder später entscheiden: "Ist nichts für mich".

  • Ich kenne aber keinen ungetauften Jugendlichen bzw. Erwachsenen, der sozusagen später die kirchlichen Sakramente noch wollte. Diese Saat muss in jungen Jahren gesät werden, ...... auch wenn davon vereinzelt welche wieder später entscheiden: "Ist nichts für mich".

    Hallo hier, ich wollte sie, aber nicht die "kirchlichen" Sakramente, sondern die biblischen/göttlichen. Wenn auch erst vor Kurzem, seit ich eben gläubig bin.

    Die Saat sollte in jungen Jahren gesät werden, heißt für mich, den Glauben versuchen im Kind "anzulegen" sofern das in der Macht der Eltern steht. Aber taufen soll man sich - so lehrt es die Bibel, und nur die zählt für mich - erst im mündigen Alter aus eigener Entscheidung zu Gott.

  • Hallo,


    auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass es einige Erwachsene gibt, die sich haben taufen lassen.

    Erst am letzten Sonntag wieder ein (nicht mehr ganz) junger Mann.

    In den vergangenen 2 Jahren 2 junge Frauen aus unserem Bekanntenkreis.

    Auch meine Tochter wurde erst kurz vor ihrer Konfirmation getauft.


    LG

    Wally

  • cancer-capricornus


    Ich kapiere es immer noch nicht. Warum musst du das klarstellen, dass Christen nicht nur Betende sind? Hat doch keiner gesagt, im Übrigen auch nicht, dass das die besseren Menschen sind. Da gibt es für mich gar nichts klarzustellen :-). Zur Taufe kann ich auch nur wiederholen, was ich schon geschrieben habe. Werte, die mir nicht entsprechen, werde ich auch nicht meinen Kindern vermitteln, das wäre sonst etwas paradox.


    "Jemanden auszuschließen sei nicht christlich" Da hast du Recht! Aber: Wer schließt da denn aus? Zunächst mal die Eltern sich selbst, da sie ausgetreten sind. Niemand hat sie dazu gezwungen, niemand sie ausgeschlossen. Gehst du aus einem Sportverein raus, dann kannst du auch dessen Angebote nicht mehr nutzen, so einfach ist es. Warum sollte Kirche da anders handeln? Weil sie barmherzig sein MUSS? Aber genau das wird ihr doch sowieso immer wieder abgesprochen und das Internet ist voll von solchen Kommentaren.

    Klar kann ein Kind geprägt werden durch andere, aber zuallervorderst werden die Eltern gefragt nach ihrer Bereitschaft. Das ist Bestand jeder Taufe, es ist einfach so. Selbst wenn ein Kind nicht im Kindesalter oder als Baby getauft wird (es wurde ja eigentlich schon angemerkt, dass die Erwachsenentaufe der richtigere Weg ist!), hat es später die Möglichkeit, sich taufen zu lassen. Auch da schließt die Kirche wiederum niemanden aus!


    Capri, es wundert mich nicht, dass du keine Erwachsenen kennst, die sich taufen lassen. Wie auch? Wenn du mit Kirche nichts am Hut hast, dann interessiert man sich dafür gar nicht oder bekommt es nicht mit. Das heißt aber nicht, dass es das nicht gibt, wie du hier inzwischen gelesen hast. Ich könnte dir auf einen Schlag eine Handvoll Taufbewerber vorstellen. Diese werden sehr häufig in der Osternacht getauft, weil das der eigentliche Tauftermin ist. Die Saat muss nicht in jungen Jahren gesät sein.... Es gibt genug, die im reiferen Alter zum persönlichen Glauben an Gott kommen und sich dann für eine Taufe entscheiden. Ich persönlich finde die Erwachsenentaufe auch besser, denn das sogenannte Katechumenat erstreckt sich über ein ganzes Jahr. Man hat also viel Zeit, sich mit dem neuen Glauben auseinanderzusetzen, ist gerade dazu rausgefordert. Und oft genug fordern die Taufbewerber die heraus, die sie begleiten, denn auch die müssen ihren Glauben neu überdenken und vielleicht übernommene alte Muster in Frage stellen. Sehr interessante Sache! Und wenn ich jetzt an mich denke, würde ich mal behaupten, dass mein Glaube erst mit der Pubertät interessant für mich wurde. Ich war halt einfach schon getauft :-).


    "Von der katholischen Kirche ist man ja solche Repressalien (z.B. Beerdigung bei Suizid) öfters mal gewohnt, ..... aber von der Evangelischen..."


    Au weia. Beerdigungen (auf einem Friedhof) bei Suizid sind doch schon seit langem kein Thema mehr! Im Übrigen gab es auch da immer ein Auf und Ab, es war nicht immer gleich so, dass die Beerdigung auf dem Gottesacker verweigert wurde!. Aus meinem Erfahrungsfeld gibt es vier Menschen, die Suizid begangen haben (zwei davon kannte ich sehr persönlich) und die sehr wohl ganz normal christlich (und sogar in katholischem Ritus !) beerdigt wurden. Solche Repressalien gibt es schon einige Zeit nicht mehr! Im Übrigen oblag es der evangelischen Kirche früher gar nicht, die Friedhöfe und Beerdigungen zu regeln, so dass sich schon von daher ein Ungleichgewicht ergab.


    Deine Mutter musste dem Pfarrer das versprechen. Ja, stimmt... WAR so. In der ganzen Taufzeremonie heute allerdings kommt nirgendwo vor, dass ein Kind katholisch erzogen werden muss. Christlich - ja, aber nicht katholisch, wobei ich glaub, nichtmal das Wort christlich genannt ist, müsste ich nochmal nachsehen. Das wäre auch ein großes Gschmarri, denn die Taufe ist weder katholisch noch evangelisch, die Gemeinschaft in die man kommt ist dann katholisch oder evangelisch. Hätte man dich aber in der evangelischen Kirche getauft, hätte es halt dein Vater dem Pfarrer versprechen müssen. Das galt genauso in beiden Konfessionen!

    Unangefochten gibt es leider da noch viele Verletzungen, die auch bis heute noch spürbar sind. Das macht mich wirklich traurig, weil manche da auch verbissen festhalten dran. ABER ich habe die Möglichkeit, etwas für die Ökumene zu tun und das mach ich auch. Da muss man vieles wirklich mit dem eigenen Gewissen vereinbaren und danach handeln, aber das hat die Basis und ein paar der Herren an den Schaltpunkten unserer Kirche längst kapiert. :-)))) Da bin ich super dankbar für sichtbare Zeichen der Amtskirche (und die gibt es!), die die gerissenen Gräben überwinden.


    Ein letztes cancer-capricornus : Du sagtest, du hättest alle Sakramente? Zumindest in der katholischen Kirche geht das für dich gar nicht :-).


    Ende meines Beitrages dazu. Denn eigentlich geht es hier um was ganz anderes..... :-))))


    Zebralilly

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  • Liebe Sil ,


    also, bei mir ist es ja nicht so, dass ein Arzt irgendwas verbaselt hätte, aber ich weiß es zumindest nicht. Trotzdem wünsche ich auch manchmal quasi anderen so etwas wie Pest und Cholera an den Hals. Das hat schon auch immer Gründe, nur demütig komme ich mir dann nicht vor. Und ich versuche auch immer, mir zu sagen, dass ich keinen Grund habe. Es passiert trotzdem. Es ist einfach menschlich und wir dürfen uns das auch selber verzeihen.


    Ich habe Taufe, Kommunion und Firmung hinter mir und nun bin ich ohne Katjumenen- oder Konfirmandenunterricht evangelisch. Jedenfalls laut Eintrag beim Standesamt. Damals, als ich konvertierte, wollte der Pfarrer wissen, ob ich den genauen Unterschied zwischen Katholisch und Evangelisch wissen würde. Artig antwortet ich: Das Abendmahl. Die einen glauben, Brot und Wein wandeln sich zu Fleisch und Blut, die anderen denken, bei der Zeremonie gelangt der heilige Geist irgendwie in die Oblate und den Wein. Ok, es war etwas Hick Hack, aber ich bekam den Stempel für den Einlass zum "Evangelischsein". Ich ging tatsächlich ein Mal zum Abendmahl, weil es zum Prozess dazu gehöre, wie man mir erläuterte. Ab dann dachte ich, dass so ein Unterschied kein Unterschied sei und dass ich weder zu den einen noch zu den anderen gehöre. Ich gehe seitdem konsequent nicht mehr zum Abendmahl. Sollen sich andere deswegen die Köpfe heiß streiten, ich zahle Kirchensteuer, irgendwann bringt mich hoffentlich ein Pfarrer mit netten Worten unter die Erde und gut ist es.


    Und auch ich habe noch viele innere und äußere katholische Rituale an mir. Ich zünde noch gerne in Kirchen Kerzen an und bete dazu. Ich mag Weihrauchgeruch und das großzügige Besprengen mit Weihwasser. Das Beschwören der Engel....


    Ich mag nicht die sehr auf das Äußere geprägten Inszenierungen der katholischen Amts-Kirche, also die prächtigen Gewänder, Schultertücher, Schuhe und was es noch so gibt. Wenn ich manchen katholischen Pfarrer sehe, denke ich, war nicht Eitelkeit eine Todsünde? Insofern bin ich bei den evangelischen Gläubigen resp. der Amtsträger in ihrer Askese besser aufgehoben


    Ich hoffe, dass sich mir vielleicht erschließt, was nun der besondere Geist sei. Ich fühlte mich wohl nie so geborgen in meinem Glauben wie du, aber im Stich gelassen fühlte ich mich auch. Aber der Fall war wahrscheinlich nicht so groß und damit die Sinnkrise des Glaubens nicht so tief. Du kannst ja nichts dagegen machen, dass du vertraust und dein Vertrauen wird einfach - welche Wort mag richtig sein? ignoriert?


    Das ist wirklich eine schwere Situation. Andere sind durch viel weniger gravierende Erlebnisse zu bekennenden Atheisten geworden. Und das obwohl sie Phasen hatten, in denen sie den Glauben sehr intensiv zelebriert haben - durch Gottesdienstbesuche und Taizé Fahrten, z.B.


    Wann immer ich Zweifel und wann immer ich mit mir als Mensch unzufrieden bin, immer dann fällt mir dies ein:


    "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich's stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin." Und dann denke ich, ja, das ist es, nicht das Leben hier ist die Glückseligkeit, es ist das Leben auf der anderen Seite des Spiegels. Es tammt aus dem Korintherbrief und ich kenne es als Teil des hohen Lieds der Liebe. Hier gibt es so viel Leid, wie schön ist die Vorstellung, darauf zu vertrauen, dass es mit dem Schritt im Tod auf Gott zu "besser" werden könnte? Der Tod ist das Ziel. Sowohl bei der Beerdigung meiner Mutter als auch eines Onkels wurde auf unseren Wunsch "großer Gott, wir loben dich" gesungen. Die Pfarrer waren jeweils indigniert. Es ist eines der größten Jubellieder in der katholischen Kirche. Ich sagte damals jeweils sinngemäß: "ja, wenn der Tod zum ewigen Leben führt, dann ist er der größte Grund, zu jubilieren, dass es ihn gibt. Für meine Mutter war das so, sie hat dies zutiefst geglaubt. Das ist der Auftrag des Osterfestes und ein jeder Mensch kann nur auferstehen, wenn er stirbt. Etwas Größeres kann es nicht geben" (Und dann kommen all die bescheuerten Gedanken um Himmel und Hölle und Fegefeuer und wer sich das wohl wieder warum ausgedacht hat. Aber weil man es als Kind so eingeimpft bekommen hat, hält sich das Denken darum auch hartnäckig).


    Leider ist der Schritt auf die andere Seite meist nicht einfach. Und leiden will niemand. Und mit dieser Krankheit haben wir das Gefühl, dass das Leiden vorgebucht ist. Was für ein Käse. Und eine Garantie für das "ewige" Leben gibt es auch nicht. Was anderes als Zweifel kann man empfinden?


    Ich weiß es nicht, wie man damit am besten umgeht. Mir imponiert schon das, was Simonton einem so mit auf dem Weg gibt. Was ist das Wichtigste im Leben? Wie erlebt man noch viel Schönes? Wie reduziert man das Leiden - psychischer und physischer Art? Wir verlässt man diese Welt im Reinen mit sich selber?


    Eigentlich habe ich das Gefühl, dass du schon sehr weit bist. Dass du viel weiter mit dir im Reinen bist, als es dir bewusst ist. Vielleicht braucht es wirklich nur etwas mehr Bewusstsein dafür. Es war schon ok, dass du so vertraut hast, Eigentlich gehören wir hier ja auch zu den prädestinierten Menschen. Kein Hunger, kein Krieg, relativer Wohlstand, gute medizinische Versorgung.... Und dass du nun enttäuscht bist, ist auch nur allzu sehr verständlich. Verzeih dir die einen Gefühle ebenso wie die anderen. Sie sind alle genauso "richtig" wie Liebe und Zuversicht.


    LG


    Sonnenglanz

  • Hallo zusammen,


    wow, hier hat sich ja echt was getan! Habe noch gar nicht alles gelesen.


    Sil , Du hattest die Wut- und Rachegelüste angesprochen, die Du gegen Ärzte hast, die bei Deiner Behandlung Mist gebaut haben. Das ist doch ganz normal, weil menschlich.


    Kennt Ihr die Geschichte von Jesus und dem Feigenbaum? Das ist Markus 11, Vers 12ff. Da hat Jesus Hunger und sieht einen Feigenbaum. Der hat aber keine Früchte, weil gerade nicht die Zeit dafür ist. Da verflucht Jesus den Feigenbaum und der verdorrt. Ich habe lange mit dieser Geschichte gehadert, weil ich mir nicht erklären konnte, warum Jesus den armen Baum verflucht. Der kann doch gar nichts dafür, dass gerade keine Zeit für Früchte ist. Und Jesus, der sonst immer alles verzeiht und alle Menschen liebt, reagiert hier so ungerecht? Aber dann ist mir bewusst geworden, dass diese Geschichte Jesus so menschlich zeigt wie kaum eine andere. Er hat Hunger, erhofft sich Essen vom Baum und reagiert wütend, als er nichts bekommt. Wie ein ganz normaler Mensch.


    Da ist es doch umso verständlicher, dass Sil und andere solche Gefühle gegen die Ärzte entwickeln, die Fehler gemacht haben, obwohl Euer Leben davon abhängt!


    Liebe Grüße

    Singdrossel

  • … die Sache mit der Taufe


    Geduld , ich gebe Dir Recht, in der Bibel werden Erwachsene getauft, die sich willentlich dafür entschieden haben. Das hat etwas für sich. Die Baptisten machen das ja so. Es gibt aber eine Bibelstelle, wo Jesus sagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich. Darauf können sich die Vertreter der Kindstaufe stützen.


    Zebralilly , Dein Vergleich zwischen Kirche und Sportverein bringt mich zum Schmunzeln. Ich sehe in der Taufe aber mehr als eine Serviceleistung für die Eltern. Mich beeindruckt bei den Taufen in unserer Kirche immer, dass für das Kind gebetet wird, dass es in Gottes Hände gelegt wird. Da geht es um die Beziehung zwischen Gott und dem Kind, unabhängig vom Glauben der Eltern. Und es geht um die Aufnahme des Kindes in die Gemeinde. Dadurch, dass ich getauft wurde, kamen einige Automatismen in Gang, die mir die Entscheidung für den Glauben erleichtert haben. Ich hatte in der Schule Religionsunterricht, ich kam in der Gemeinde in die Jungschar, ich lernte dort viel über Gott und Jesus. Und gerade als Kind nicht gläubiger Eltern hatte ich das nötig, weil ich ja nicht in einer christlichen Familie aufgewachsen bin, wo Glaube und Religion einen Raum im Alltag einnehmen. Ich musste mich sonntags immer zwischen gemütlichem Familienfrühstück und Kindergottesdienst entscheiden, das war zeitgleich. Zurückblickend bin ich sehr dankbar für meine Taufe. Und ich denke auch, dass es Auftrag der Kirche ist oder zumindest sein sollte, Kinder und Jugendliche an den Glauben heranzuführen.


    Liebe Grüße

    Singdrossel

  • Ich möchte alle, die bisher noch nie gebetet haben oder die nur so halbherzig gebetet haben, einmal bitten: Betet mit ganzem Herzen zu unserem himmlischen Vater. Bittet ihn, Zweifel von Euch zu nehmen, falls Ihr Zweifel an der seiner Existenz oder an seiner Anteilnahme habt.

    Ich weiss, es ist ein wenig ein Widerspruch, um Glauben zu bitten mit ganzen Herzen, wenn man zweifelt. Aber der wahre Wille zählt. Und wer den Willen hat, vor Gott treten zu wollen, den nimmt Gott wahr, da bin ich ganz sicher. Dass Euch Gott Antworten und Trost schenken möge!

  • Mich beeindruckt bei den Taufen in unserer Kirche immer, dass für das Kind gebetet wird, dass es in Gottes Hände gelegt wird. Da geht es um die Beziehung zwischen Gott und dem Kind, unabhängig vom Glauben der Eltern. Und es geht um die Aufnahme des Kindes in die Gemeinde. Dadurch, dass ich getauft wurde, kamen einige Automatismen in Gang, die mir die Entscheidung für den Glauben erleichtert haben. Ich hatte in der Schule Religionsunterricht, ich kam in der Gemeinde in die Jungschar, ich lernte dort viel über Gott und Jesus. Und gerade als Kind nicht gläubiger Eltern hatte ich das nötig, weil ich ja nicht in einer christlichen Familie aufgewachsen bin, wo Glaube und Religion einen Raum im Alltag einnehmen. Ich musste mich sonntags immer zwischen gemütlichem Familienfrühstück und Kindergottesdienst entscheiden, das war zeitgleich. Zurückblickend bin ich sehr dankbar für meine Taufe. Und ich denke auch, dass es Auftrag der Kirche ist oder zumindest sein sollte, Kinder und Jugendliche an den Glauben heranzuführen

    :thumbup:, ......... da bedarf es keines weiteren Wortes --- Volle Zustimmung !


    Geduld

    Die erste Frage, welche ich mir da stelle .............. Wer oder Was ist Gott ? Da gehen schon die ersten Meinungen auseinander. Für manche ist es eine himmlische/göttliche Macht, für andere z.B. "alles um einen herum" ....... das (Geschenk) Leben, die Natur, etc. Ein Jeder "nimmt Gott anders wahr".

    Trost findet ein Jeder bei "seinem Gott", ........... Antworten geben kann keiner davon, es sind nur persönliche Mutmaßungen ! ...... spielt aber auch keine Rolle, ........ wenn es einem hilft, ist es okay !

    In meinem Fall, würde ich mich als "falsch & scheinheilig" fühlen, wenn ich beten würde. Meine Art "zu beten", ist die Dankbarkeit jeden neuen Tag meines Lebens als Geschenk zu sehen, .... denn es ist nicht selbstverständlich.

  • Kennt Ihr die Geschichte von Jesus und dem Feigenbaum?

    Ich glaube, diese Geschichte soll das Verhältnis zu Israel und Jerusalem verdeutlichen: Der Feigenbaum steht für das gläubige Volk Israel bzw. für die Lehre der israelischen Geistlichen zur biblischen Zeit. Auch für die Endzeit heißt es: Wenn der Feigenbaum wieder Blätter treibt.

    Lasset die Kindlein zu mir kommen,

    Ja, zu ihm kommen schon, aber das bedeutet m.E. nicht,. dass sie da schon getauft werden sollen.

    Wer oder Was ist Gott

    Ich halte mich immer an die Bibel selbst, dort steht: Gott ist Geist, der im Geist und in der Wahrheit angebetet werden will.

    In meinem Fall, würde ich mich als "falsch & scheinheilig" fühlen, wenn ich beten würde. Meine Art "zu beten", ist die Dankbarkeit jeden neuen Tag meines Lebens als Geschenk zu sehen, .... denn es ist nicht selbstverständlich.

    Zuerst dachte ich, oh, wie traurig, dass Du nicht beten kannst. Aber wenn Du noch eine Dankbarkeit spürst, bist Du doch nicht so weit von Gott weg. Denn Dankbarkeit ist ja ein Gefühl, das man jemandem gegenüber empfindet und derjeniige ist doch dann bestimmt Gott.

    Cancer-capricornus, ich bin sicher, dass Gott ein Auge auf uns alle hat und wenn er bei Dir noch Dank wahrnehmen kann, freut er sich darüber ganz bestimmt.

    Ich habe leicht reden, ich konnte früher auch nicht beten, aber mir ist etwas passiert, was mein ganzes Weltbild verändert hat und seitdem habe ich es sehr leicht zu beten, eigentlich kann ich gar nicht mehr anders als glauben und beten. Und ich bin so froh und dankbar dafür, weil das Leben jetzt viel schöner und vor allem sinnvoller für mich ist.