Was sollte ich regeln, bevor ich sterbe?

  • hallo an alle,

    da ich in letzter Zeit eine schlechte Nachricht nach der anderen bekommen habe, ist es an der Zeit, mich um meine Angelegenheiten zu kümmern.

    Ich weiß aber nicht, wo ich anfangen soll.


    Ich brauche einfach zu wissen, dass alles papiermäßig erledigt ist, damit ich weiter kämpfen kann.

    Momentan bin ich in einer Starre.


    Die Versorgevollmacht und Patientenverfügung habe ich angefangen. Bin mir aber nicht sicher, ob ich an alles gedacht habe. Was ist bei einer Krebserkrankung wichtig?

  • Amulett ... menno, da sagst du was😟Ich hab die Formulare auch erstmal zwar ausgedruckt... aber nicht ausgefüllt daliegen🙈Und ich weiß wie wichtig das ist!!!! Ich schieb es noch bissl... es muss mich raffen einfach... dann geh ich da ran... aber ich Habs auch immer im Kopf. Immerhin sortiere ich schon mal mehr oder weniger fleißig meine Klamotten aus... das ist ein Anfang, oder??? Ich bin aber sehr sehr langsam.... aber weißte wir haben die Zeit, glaub mir!!! Alles alles Liebe wünsch ich Dir😘

  • Curly 66 , ja, die Sache mit Klamotten. ^^ Das habe ich bereits erledigt. Leicht ist es nicht mehr, etwas neues zu kaufen. Ich denke immer, dass meine Familie das Geld später nötiger haben wird. Nur mit einem Gehalt wird es schwierig.

    Ich nehme jeden Tag dankbar an, glaub mir. Bin lediglich sehr vorsichtig geworden, was Hoffnung angeht.

    Sei lieb umarmt

  • Amulett zum Thema "Vorsorgevollmacht / Patientenverfügung" gehört auf jeden Fall noch eine "Bankvollmacht über den Tod hinaus" dazu, damit die Hinterbliebenen lfd. Kosten, die nicht mit dem Tod enden (z.B. Miete) aber auch die Beisetzung finanzieren können, ansonsten macht die Bank das Konto erst einmal dicht, bis jemand den Erbschein vorlegt. Bei privat krankenversicherten kommen dann auch noch die letzten Arzt und Krankenhausrechnungen (sehr befremdlich wenn man die in den Händen hält, da sie trotz Kenntnis des Ablebens an den Verstorbenen adressiert sind).

    Ich habe schon vor Jahren angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen und es dann doch immer wieder zur Seite gelegt, weil es mir irgendwie Zuviel wurde. Als ich dann den Krebs bekam, habe ich mir die OP als Zeitpunkt gesetzt, an dem ich das nun endlich erledigt haben wollte. Ich habe mir Hilfe geholt. Es gibt z.B. an Volkshochschulen, Krebsberatungsstellen oder ähnlichem immer mal wieder Vorträge zu dem Thema, oft sind die Referenten dann auch bereit, einem gegen Bezahlung zu helfen oder können jemanden nennen. Ich habe schlussendlich eine Notarin damit beauftragt, meinen Willen zu dokumentieren, auch sind meine Unterlagen bei der Notariatskammer hinterlegt und dort ggfs. abrufbar. So weit muss man nicht unbedingt gehen, aber ich fand es in meinem Fall nicht so teuer und wollte eine rechtssichere Formulierung.

    Darüber hinaus halte ich meine Versicherungsunterlagen aktuell und habe eine Liste der Ansprechpartner für Versicherungen, Banken usw. erstellt, sowie eine mit meinen diversen Kennwörtern. Diese Listen sowie das Original meiner Patientenverfügung sind unter Verschluss, meine Beauftragten wissen aber, wo sie den Schlüssel finden. Ich finde es wichtig, dass meine Hinterbliebenen im Falle des Falles möglichst geordnete Unterlagen vorfinden und wissen, was zu tun und wer zu informieren ist. Ich habe das im näheren Umfeld hinter mir und fand es schwierig, erst das komplette Büro sichten zu müssen um herauszufinden wen ich kontaktieren muss. Gerade bei Versicherungen gibt es da ja auch Fristen. Diese Listen hole ich jährlich hervor und aktualisiere sie. Damit fühle ich mich gut.

    Was ich noch nicht final geklärt habe, ist das Thema Beisetzung, meine Angehörigen wissen, dass ich den Friedwald bevorzuge und kein grosses TamTam will. Die sollen von dem Geld für Anzeigen Karten Blumen usw. lieber ne anständige Party feiern.

  • Amulett - also das eine ist- die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch mit BCRA hast Du sicher noch ein gutes Stück Leben vor Dir.

    Hast Du psychoonkologische Unterstützung? Um wieder aus dem Loch heraus zu kommen.

    Dennoch finde ich es gut, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen.

    Mein Schwiegervater ist am 20. Januar gestorben und da gab es schon viel ungeklärtes. Einige Themen wurden schon angesprochen.

    Es ist hilfreich eine Adressliste zu haben, wer zur Beerdigung eingeladen werden soll, denn wer von den Angehörigen weiss das?

    Und das Sterben im KH finde ich nicht schön. Zuhause oder Hospiz ist menschlicher und nicht mit so vielen Apparaten. Finde es auch gut, wenn Angehörige Abschied nehmen können.

    Und ich war auch mal am Friedwald interessiert...aber mit den vielen Stürmen und umfallenden Bäumen finde ich das nicht mehr so toll.

    Liebe Grüße :hug: Ida

  • liebe Heideblüte lieben dank für so viele Tipps.

    Da ich in der Familie um Miete, Schule, Versicherungen etc. gekümmert habe, weiß mein Mann sehr wenig darüber. Ich werde dann einen "schwarzen" Ordner mit Register anlegen.

    An die jährliche Aktualisierung muss ich auch denken.

    Die Frage der Beisetzung ist schwierig. Meine Mutter wird bestimmt einen Platz am Friedhof haben wollen, wo sie trauen kann. Ich möchte das ganze drumherum eher nicht. Jedoch ist die Trauerbewältigung für die Angehörigen sehr wichtig, besonders für Kinder. Ich tue mich in dieser Frage schwer nur an mich und meinen Willen zu denken.

  • liebe Ida ich kann meinen liebsten nicht zumuten, mich zu Hause zu pflegen und sterben zu zusehen. Das finde ich furchtbar und für mein Kind traumatisierend.

    Ich hoffe sehr, dass ich noch 1-x Jahre habe, damit ich mein Kind auf das Leben halbwegs vorbereiten kann.

    Ganz liebe Grüße

  • Liebe Amulett , warum hast Du solche Angst?

    Ich finde es schon gut, Dinge zu regeln, aber Du klingst, als würdest Du morgen sterben.

    Hab doch nicht solche Angst, es ist doch nicht gesagt, dass ausgerechnet Du früh sterben musst.


    Liebe Grüße

    Milli :hug::hug::hug::hug::hug::hug:

  • liebe Milli ich habe heute erfahren, dass ich Schläferzellen im Knochenmark habe. Zwar gibt es eine Therapie, aber die schlechten Nachrichten häufen sich bei mir letzter Zeit.;(

    Ich habe das Gefühl gegen den Wind zu kämpfen. Daher versuche ich zumindest, wo und solange es geht, die Kontrolle zu halten: die Mastektomie erledigt und bald sollen die EK rausfliegen.

  • Liebe Amulett,


    als ich erkrankte, habe ich zusammen mit meinem Mann unsere gegenseitig erstellten privaten Vorsorgevollmachten bei einer Notarin beglaubigen lassen. Damit kann man nämlich dann auch Grundbuchangelegenheiten regeln. Das ist nämlich das Einzige, was man mit einer privatrechtlichen Vorsorgevollmacht nicht regeln kann. Bei meinen Banken habe ich ihm auch Vollmacht erteilt.


    Was Versicherungen angeht,so hat er das alles im Überblick. Alles was Haus / Auto / Haftpflicht etc angeht, darum kümmerte er sich schon immer. Meine Unterlagen sind in Ordnern, da findet er sich zurecht. Er weiss, wo ich Konten habe.

    Meine Passwörter sind in einem PW Manager Programm drin, das Masterpasswort habe ich ihm gegeben.

    Wenn ansonsten Probleme auftreten würden, hat er Unterstützung durch eine enge Freundin, die auch Anwältin ist.

    Ich hab eine Patientenverfügung aufgesetzt, hier steht ihm eine Freundin auch zur Seite, wenn es darum ginge, meinen Willen durchzusetzen, und es gibt ein Testament.

    Was meine Beisetzung angeht, so weiss er, dass ich eine Edelsteinbestattung und Urnenbeisetzung der Restasche haben möchte- ich habe ein großes, sehr altes Familiengrab aus dem 19. Jahrhundert, wo inzwischen meine Eltern liegen und auch meine Schwiegermutter ist mit dort.


    Eigentlich ist alles geregelt.

  • Hallo liebe Amulett ,

    das liest sich ja wirklich ganz schrecklich, da steht mir gleich das Wasser in den Augen. Bitte, Du darfst nich so viel darüber nachdenken. Versuche die schlechten Gedanken wegzuschieben. Du wirst sicher noch ganz viele schöne Jahre haben. :*Ich drück dich ganz lieb:hug:und wünsche Dir alles erdenklich gute.

    Mir ist auch schon ganz mulmig, habe am Mittwoch erste Nachsorgemammo :hot:und mir schießen wieder Ängste durch den Körper, wie als ich den Knoten ertastet habe, vor fast einem Jahr.

    L.G.von Amy

  • Liebe Amulett ,


    bitte bleib stark. Nach Medikation konnten bei einem unheimlich hohen Prozentsatz ein Jahr später keine Schläferzellen mehr nachgewiesen werden !


    Was mir sonst noch einfiel . Wir hatten eine Generalvollmacht über den Tod hinaus für die Bankangelegenheiten meiner Mutter . Die Bank hat diese nur mühselig und nach langer Zeit akzeptiert . Hier wurde uns geraten zusammen mit der Person direkt bei der Bank eine Vollmacht auszufüllen .


    LG

  • Liebe Pois Genau deswegen sollte man eine bankvollmacht erteilen. Die wird direkt bei der Bank gemacht. Die generalvollmacht im Rahmen der vorsorgevollmacht reicht da eben nicht unbedingt aus, auch wenn Bankgeschäfte explizit erwähnt werden.

    Das größere Thema ist eigentlich in diesem Zusammenhang auch gar nicht unbedingt das sterben sondern eine Lebensphase in der man nicht selbst entscheiden kann. Da muss schon sehr großes Vertrauen zu den Bevollmächtigten bestehen. Die bankvollmacht besteht ja direkt und nicht erst ab meiner Unfähigkeit.

    Auch wichtig bei den jährlichen Kontrollen der listen: hat sich vielleicht auch was am beziehungsstatus geändert. Es gibt Menschen die haben in jungen Jahren ne Lebensversicherung abgeschlossen und ihren damaligen Partner als begünstigten eintragen lassen. Sollte auch gelegentlich geprüft werden.

    Amulett es gibt auch auf Friedhöfen mittlerweile Bereiche ähnlich eines Friedwald und da gibt es auch die Möglichkeit ein kleines Schild am Baum anzubringen. Ich möchte nach aktuellem stand die friedwaldvariante, weil ich selbst nicht der grosse friedhofsgänger bin und niemanden jahrelang mit der grabpflege belasten möchte, akzeptiere aber dass es Menschen gibt die einen Platz zum trauern möchten. Daher Wald statt anonymer wiese.

    Es ist echt nicht so einfach das alles zu entscheiden aber es beruhigt. gerade, wenn man sich selbst schon mal kümmern musste. Dann weiss man wie dankbar Hinterbliebene sein können wenn sie wissen was der verstorbene sich gewünscht hat. Es kann auch ein gewisser Trost sein, zu wissen, einen letzten Wunsch erfüllt zu haben.

  • Liebe Amulett , der Titel dieses Thread ist auf den ersten Blick sehr traurig, wenn ich auch das Anliegen an sich für vernünftig und liebevoll den Angehörigen gegenüber empfinde. So schnell stirbst du nicht. Bitte suche dir Unterstützung mit deiner Trauer, bitte. Du sollst mit solchen Gedanken nicht alleine sein.


    Ich hatte vor einigen Jahren eine dreimonatige Asienreise gemacht. Davor fand ich es wichtig, meine Sachen zu regeln, damit im Falle des Falles die wichtigsten Dinge auffindbar sind. Da ich verheiratet und kinderlos bin, ist zunächst mein Mann der Erbe. Für alle Fälle die ich anders regeln möchte, muss ich das im Testament erwähnen aber kann das nur innerhalb von geltendem Recht (also wenn ich "enterben will" geht das nur soweit zulässig, abhängig vom Recht des Landes in dem ich wohne.


    1) Testament. Ich habe das Deutsche Recht nicht mehr so erinnerlich, ich glaube es braucht keinen Notar, wenn man es handschriftlich aufsetzt und die nötigen Anforderungen erfüllt (Details würde ich googeln). Im Testament kannst du auch festlegen, wie du dir deine Beerdigung wünscht. In das Testament sollten alle Dinge die wertvoll sind und wo du Streit bei deinen Angehörigen befürchtest.


    2) Liste aller laufenden Verfpflichtungen. Dafür pflege ich schon seit längerem eine excel Liste. Dort liste ich den Name des Vertragspartners, meine Vertragsnummer, das Bankonto von dem die Beträge laufen und die Frequenz der Abbuchungen und den Betrag. Sämtliche Versicherungen, Abos und Sparpläne sollten da rein. Natürlich brauchst du auch eine Liste der Bankkonten.


    3) Liste aller Online Konten und Emailadressen. Dieses ist die schwierigste, denn das ändert sich ja oft. Und die Passwörter, die sind auch ein Problem, für das ich keine Lösung finde. Ich glaube es gibt dafür Apps. Die Online Konten sind wichtig, falls sie in Verbindung mit 2) stehen, also dorthin Rechnungen oder ähnliches geschickt werden.


    4) Kleidung: Darum würde ich mir nicht so viel Sorgen machen. Die sollen dann halt einfach weggeschmissen werden. Es sei denn du hast tolle Designer-Stücke, die du gerne jemanden vererben möchtest. Dann würde ich sie im Testament erwähnen.


    5) Bankvollmacht. Die habe ich bereits den Menschen meines Vertrauens gegeben. Interessanter Aspekt, "über den Tod hinaus", muss mal schauen ob das hier auch zutrifft.


    6) Patientenverfügung. Hab ich keine. Weil ich in der Vergangenheit erlebt hat dass das was man heute denkt - ob man mit gewissen Einschränkungen nicht mehr leben mag - sich dann im aktuellen Fall ganz anders darstellen kann - ich will trotzdem leben, obwohl ich Einschänkung a)b) habe.... Das weiss ich nicht vorher. Hier muss ich auf meine Angehörigen vertrauen, dass sie die richtige Entscheidung treffen. Dafür ist es wichtig, seine aktuellen Gedanken und Gefühle mitzuteilen. Anders stellt es sich sicher da, wenn die ersten Angehörigen nicht die Menschen deines Vertrauens sind. Dann musst du sicherlich klare Anweisungen geben.


    7) Krankenversicherung. Da habe ich tatsächlich noch nie drüber nachgedacht. Muss ich mich mal schlau machen.


    Aber wie gesagt, ich finde es wichtig, diese Dinge zu regeln weil man nicht weiss, wann man gehen muss. Aber du bleibst erst mal noch da!


    Ich grüsse dich lieb

    Busenwunder

  • Amulett es tut mir leid, dass du so eine Angst hast. Ich bin mir sicher, dass du nicht so schnell sterben wirst:hug: Schläferzellen im Knochenmark haben je nach Studie bis zu 50% der Brustkrebspatientinnen. Es wird halt sehr oft nicht untersucht. Bekommst Du Bisphosphonate? Falls nein, bitte sprich deine Ärzte darauf an! Früh gegeben wirken sie so gut, dass die Prognose im Vergleich zu Frauen ohne Schläferzellen nur geringfügig schlechter ist.

  • Ich schließe mich Johanna an, bei Schläferzellen solltest Du Ostac bekommen, da gibt es eine Essener Studie, dass sie danach nicht mehr nachweisbar waren. Das ist noch kein GRund ans Sterben zu denken, liebe Amulett.

    Life's journey is not to arrive at the grave safely in a well preserved
    body, but rather to skid in sideways,
    totally worn out shouting "holy
    crap....what a ride".

  • Liebe Amulett ,
    zunächst möchte ich dich mal ganz lieb in den Arm nehmen und halten!:hug:
    Ja und dir ganz viel Kraft wünschen und dass du noch gaaanz viele Jahre zufrieden mit deinen Lieben verbringen kannst!
    Ich verstehe, dass du dich sorgst und dass du alles beizeiten geregelt haben möchtest!

    Zu zwei Sachen kann ich was beisteuern:
    -- Vollmacht:
    Bei meinen Eltern hatte ich auch eine Generalvollmacht über den Tod hinaus. Wir sind 3 Geschwister und ich war die, die sich am meisten kümmern konnte. So war ich eingetragen und im Fall, dass ich ausfalle, meine Geschwister. War kein Problem für uns.
    So, wie hier schon gesagt, bei uns gab es dann aber Probleme mit der Bank-- obwohl Vollmacht über den Tod hinaus! Um die finanziellen Dinige regeln zu können, mussten wir dann beim Notariat einen Erbschein beantragen, glaub, das war , weil wir eben 3 Geschwister waren.

    -- Bestattungsvorsorge:
    Du kannst dich auch bei einem Bestatter deiner Wahl informieren. Wir waren hier mal mit der örtlichen FSH-Gruppe bei einem Infonachmittag in einem Bestattungsinstitut! Info z.B. über die verschiedenen Bestattungsformen und vieles mehr. Man kann auch zu einer kostenlosen Beratung hin- oder sich im Internet informieren.

    Ganz liebe Grüße
    von Mohnblume


    Eine Tür ist selten ganz verschlossen.
    Manchmal muss man nur den passenden Zeitpunkt zum Anklopfen finden!