Kann die Narbe nicht anschauen/anfassen

  • Hallo Hase72 ,


    ich finde es stark, wie du über deine Gefühle sprechen kannst. Sie ans Licht zu bringen, ist sicher ein guter Weg. Über das Ausformulieren und in Worte fassen, kommt Klarheit rein. Wenn man das will, kann auch Korrektiv durch ein Gegenüber reinkommen, wie das auch dein Freund macht. Ich finde das echt klasse.

    So wünsche ich dir, dass euch so ein offener Umgang auch während der Chemozeit gelingt. Ich mache da vieles eher für mich aus, weil die Art wie mein Mann darauf reagiert für mich nicht so hilfreich ist. Für mich war die erste halbjährige Chemophase (EC und Taxol) eine gute Zeit. Das war auch mein Ziel. Meine Nebenwirkungen habe ich einfach so als Beiwerk akzeptiert, in der Hoffnung, dass nichts davon bleibt. Ich habe versucht mir bewusst viele schöne Dinge zu gönnen. Zeit mit lieben Menschen, die ich nie gehabt hätte, wenn ich in der Arbeit gewesen wäre. Ich bin mit meiner Tochter in den Urlaub gefahren. Ich habe dann auch angefangen einen Blog zu erstellen. Habe dort mit vielen schönen Bildern gearbeitet. Das Schöne trotz der Krankheit in den Mittelpunkt gerückt. Ich denke, man kann wie Werbung das auch tut, sich selber manipulieren. Ich verwende z.B. auch immer bewusst eine positive Sprache, meide negative Begriffe. Als einfache Beispiele: Ich sage meist: "mir geht es gut" und nicht: "mir geht es nicht schlecht". Wenn es mir einmal wirklich "sehr schlecht" geht, sage ich: "Es könnte besser gehen". Das Unterbewusstsein stellt soviel mit einem an. Wenn es einem z.B. "nicht so gut geht," könnte man sich vor den Spiegel stellen und einfach an irgendetwas denken, was einem die Mundwinkel nach oben ziehen lässt, oder man macht es einfach bewusst. Die Mundwinkel nach oben ziehen, bewirkt im Körper sofort eine positivere Stimmung. Spannend dass das Babys (unser Enkel ist jetzt 6 Wochen) schon im Schlaf trainieren :-). Ich arbeite bewusst mit solchen Tricks. Und ich kann trotz vieler Beschwerden, die ich jetzt vor allem bei meiner zusätzlich auferlegten Chemo nach meiner OP bekomme, sagen mir geht es "gut". Ist ja auch immer relativ!


    Am Besten ist es aber natürlich, wenn man so tolle Menschen um sich hat, die einen einfach immer wieder ganz natürlich zum Lächeln und Lachen bringen. Oder man sucht sie einfach auf: Menschen, die einem gut tun.


    So wünsche ich dir einen guten Chemostart. Falls dich mein Start interessiert, kannst du das gerne auf meinem Blog nachlesen.


    Aber wie gesagt, jeder Mensch ist anders. Finde deinen Weg, dass es dir mit diesem hoffentlich einmaligen Lebensabschnitt "gut" geht. Etwas Positives an dem Ganzen vielleicht noch zum Schluss. Es gibt einige Frauen, die wenn sie einigermaßen Heil aus dem Ganzen herausgekommen sind, es als bereichernde Erfahrung erleben. Sie leben danach intensiver und bewusster. Wäre schön, wenn auch wir aus dieser sicherlich nicht einfachen Lebenssituation gefestigter herausgehen könnten. Auf jeden Fall vielleicht noch etwas liebevoller mit uns selbst umgehen. Und mehr Liebe ins eigene Herz zu lassen, was gibt es wohltuenderes?


    Lass es dir gut gehen

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  • hey Hase

    Ja, ich bin einfach jemand, der schon ne zeitlang was mit sich allein ausmachen kann, wenns sein muß...aber eigentlich muß ich reden...hab jedenfalls meist das Bedürfnis danach..... Bin deshalb so mega froh, daß ich dazu genug Leute in meinem Umfeld habe....

    Ich finds voll beeindruckend, wie du dich positiv stimmst und einen Weg gefunden hast, das auch zu bleiben...

    Bei mir is das noch sehr auf und ab....absolute Achterbahn.... Ich kann sehr gut lustig sein und gut drauf....aber das kann mit Fingerschnippen ganz anders sein.... Im einen Moment mach ich Späßle und im nächsten hock ich heulend im Bad....

    Ich denke, daß ich tagsüber (oder wenns halt grad so sein soll) den ganzen Mist zur Seite räume....und manchmal fällt der ganze Stapel eben um oder bricht ein...

    Ich komm auch relativ gut klar, wenn ich an mir runter schaue (natürlich nur angezogen!!), daß die eine Seite eben flach ist.... Nur nackt anschauen, oder das anfassen is n Problem....einerseits bin ich schon neugierig, wie das aussieht...aber ich kriegs nich hin, das Shirt zu heben und mir das ganze mal an zu schauen... Kann nich mal sagen, WAS genau mich da hindert...

    Vorgestern hab ich mir kopfüber die Haare gewaschen....und da hab ich mich voll erschrockrn, weil ich mir fast ins Top geguggt hab..... Das war so n "Oh Scheiße"- Moment...und hab gleich die Augen zu gemacht....

    Ich wills einfach nich sehen und mich nich damit befassen....!!

  • Ähm....malne blöde Frage von nem Medien-Legastheniker..... Wie komm ich denn auf deinen Blog?

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  • natürlich nur angezogen!!), daß die eine Seite eben flach ist

    Du trägst ja keine Prothese sondern eine Art Weiche Einlage wie ich verstanden habe , richtig? Hast du denn große, kleine Körbchen? Ich kann mir vorstellen, dass es leichter fällt, wenn man vorerst 'normal' aussieht, wenn angezogen, dass es einem doch etwas leichter fällt. Da man dann erst mal mit sich selbst ins Reine kommt und nicht gleich noch mit der Umwelt und deren Akzeptanz umgehen muss.


    Falls deine weiche Einlage also kleiner ist, es gibt verschiedene Arten von Prothesen, kannst sogar googeln in den Online Shops.

  • Vael

    Öhm....ich hab so Soft Einlagen...so Stoff Dreiecke... damit komm ich gut klar...Silikon Einlagen stell ich mir recht schwer vor...

    Zu hause hab ich keinen BH, also auch keine Einlage an, das is okay..... Wenn ich raus gehe kommts drauf an....wenn ich nur einkaufen geh und halt die Jacke an habe, zieh ich meist auch keinen BH an....stört mich....nur wenn ich irgendwo die Jacke ausziehe, dann hab ich n BH samt Einlage an.... Das fällt eigentlich nich auf....


    Ich weis, es hört sich bekloppt an....aber ich hab echt nur allein und als einzige n Problem mit mir....und auch hauptsächlich nur, wenn ich mit der (im wahrsten Sinne des Wortes) nackten Tatsache konfrontiert sein soll/könnte.... Ansonsten gehts....kann im Freundes/Verwandtenkreis drüber reden, wenn ich angesprochen werde... Und es kommt mir halt alles noch so unecht so irreal vor....ich frag mich manchmal, ob das echt ist, was ich im Spiegel sehe oder ob ich mir das einbilde oder träume....verstehst du was ich mein? Gehts euch auch so??

  • Das Gefühl kenne ich, zwar nicht vom Ansehen aber von der Diagnose, Schock Diagnose und der Verstand hat Probleme das so schnell zu verarbeiten, so habe ich mir das erklärt.

  • Hey ihr lieben...

    Hatte gestern "Anstich"....erster Chemotag...

    War zwar recht aufgeregt und bissl mulmig aber richtig Angst hatt ich schon mal keine.

    War auch gar nich schlimm... Wurde freundlich von den anderen in der "Cocktailbar" aufgenommen....

    Geht mir bis jetzt gut. NOCH keine NW..

    Bin bissl müde, aber das kommt eher von den 2 vergangenen Nächten, in denen ich kaum geschlafen hab... Die Auslastung fehlt einfach....

    Und ich hatte sooooo Durst auf Cola...trink ich sonst selten...aber gestern hab ich n Liter geleert....was solls...

    Bin echt positiv überrascht bis jetzt. Und wenn ich merke, daß ich in mich rein höre, ob was passiert, dann lenk ich mich ab...

    Hoffe, das bleibt so....

  • Hase72 .

    Super, dass gestern alles gut gelaufen ist. :thumbup: jetzt kannst du schonmal einen Zyklus abhaken!

    Hoffentlich bleibt's so wie's bisher ist, und du bleibst weitgehend verschont von größeren Beeinträchtigungen. Ja, iss und trink' was dir schmeckt. Der Körper zeigt dir was er will, - aber er zeigt dir unter Umständen auch was er nicht will ;);)


    Machs gut, LG Gundi

  • Gundi2018

    Auch darauf werd ich hören.... Ich mach was, wenn ich kann und ich mach nix wenns mir nich gut geht...


    Später hab ich nen Termin beim Frisör....meine Tochter lernt da....und dann steht Haare lassen an *heuuul*.... Nein, noch nich Kahlschlag....aber kurz halt...ich hatte noch nie kurze Haare....

    Und dann gehts nächste Woche zum Perücke anpassen.... Oh Mann...ganz schön viele Veränderungen in kurzer Zeit...puh...

  • Hase72

    Ja, das ist ein ziemlich großer Schritt, aber gut, dass du die Perücke schon rechtzeitig anpassen lässt..... :thumbup: ich habs auch gleich von Anfang an richten lassen. Allerdings hatte ich das zweithaar bis jetzt gefühlt nur 4 x getragen.. Fühle mich mit beanies bei dem Wetter (Kälte) draußen erstmal wohler. Weil zweithaar und mütze wollte ich dann auch nicht. Vielleicht wenn's wieder wärmer wird......

  • Hey ihr lieben...

    Also an Tag 2 nach der ersten Chemo gehts mir erstaunlich gut (nur mich verschreien) und das, obwohl ich gestern abend eine Tablette vergessen hab zu nehmen.

    Bin heute nur bissl platt....

    Gundi2018

    Also ich stand gestern bei meinem Töchterlein im Frisör laden.....ich hab mir die Haare nur n Stückchen kürzen lassen....aber n Kurzhaarschnitt konnt ich nich... Vor allem, falls ich zu den 1bis2 % gehören sollte, wo die Haare nicht ausgehen, ärgere ich mich in Grund und Boden.... Wenn die Haare anfangen auszugehen kann ich immer noch hin und mir die Perücke anpassen lassen...

    Ich muss mich momentan mit sovielen Veränderungen auseinander setzen, die ich nich wollte und nich bestimmen kann....da muß das etz nich unbedingt jetzt sein

  • Hase72 wie ist dass den jetzt mit deinen Narben, gehts dir damit schon etwas besser oder "verschwindet" das hinter der Auseinandersetzung mit der Chemo?


    Mir geht es da ähnlich wie Alys, ich hab vor zweieinhalb Wochen beide Brüste abgenommen bekommen und nehme meinen Körper mit seinen Veränderungen sehr gut an, obwohl es für mich auch ein großer Verlust ist. Bei mir ist es so, dass ich die Wunden täglich berühre, einfach weil es auch das kribbeln bei der Wundheilung erträglicher macht. Manchmal, wenn es großflächig kribbelt und ziept, lege ich mir auch ein kleines Kissen auf die Brust. Entweder mein Herzkissen aus dem Krankenhaus oder ein kleines Sofakissen. Damit kann man den Druck leicht auf den Brustbereich bringen und das ein paar Minuten so lassen. Dann gehen die unangenehmen Gefühle kribbeln, ziehen, jucken für eine Weile weg. Und man umarmt sich in gewisser Weise selbst, also ich leg dabei immer beide Arme um mich und das Kissen, das tut wirklich gut.


    Ich hoffe, du verträgst die Chemo weiterhin und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du dich in und mit dir wohl fühlen kannst.

    Selma

  • Selma

    Hey...lieb, daß du nach fragst...

    Bei mir isses anders, wie bei dir. Freue mich für dich, daß du dich von Anfang an verändert annehmen kannst... Und deine "Methode" hört sich sehr liebevoll an...

    Ich hab immer noch nich geschaut....ich wills einfach nich... Aber das is im Moment kein Problem....is n Zustand, aber is halt so...belastet mich etz grad nich.... Bin scheinbar halt auch anderweitig beschäftigt....zumindest schau ich, daß ich das bin...

    Schmerzen hatte ich sowieso nich nach der OP...is ja alles taub in dem Bereich...is vielleicht auch ganz gut so...


    Die Chemo vertrag ich bisher einigermaßen...obwohl ich heut mit Schlappheit und Kreislaufproblemen zu kämpfen hab....aber zum Glück bleibt mir bisher die Übelkeit erspart...

  • Wenn die Haare mal ganz ab sind, und du Lust hast... guck mal mein Profilbild an. Is n Henna Tattoo. Das hat mega Spaß gemacht!
    (aus dem Lebenskapitel: Traumatische Chemo mit besonderen Momenten der Selbstpflege versüßen)

  • Liebes Forum!

    Mein Verstand hat durchaus begriffen, dass

    die empfohlene, einseitige Mastektomie die richtige Entscheidung ist.

    Meine Seele kommt aber nicht nach.

    Alles in mir sträubt sich dagegen.

    Es ist nicht die Abnahme an sich die mich quält, sondern die Vorstellung ein halbes Jahr nicht aufbauen zu können.

    Ich habe wirklich kleine Brüste und trotzdem löst die Vorstellung, auf einer Seite nichts zu haben, unfassbares Entsetzen bei mir aus.

    Mein Mann ist an meiner Seite und sehr verständnisvoll.

    Ich habe ihm jetzt schon mitgeteilt, dass er mich nicht einmal ausgezogen wird in der Zeit.

    Ich finde mein Verhalten selbst irgendwie lächerlich aber die Gefühle sind halt da.

    Ich beneide hier so die Damen, die in einen Kampfmodus fallen und die Sache stark und voller Überzeugung angehen.

    Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass meine Gefühle dem Verstand in der Größenordnung im Weg stehen.

    Ich erkenne mich selbst nicht wieder aber ich bin tieftraurig und schaue mit Entsetzen auf das was kommen wird.

    Hase72 ich habe deine Beiträge gelesen und ich konnte dich so gut verstehen... wie geht es dir heute?
    Wem von euch ist es ähnlich gegangen und was hat euch geholfen.

  • Hallo SaDe,

    Ich kann voll nachvollziehen, wie es dir geht. Ich war auch zunächst geschockt, als es hieß „Sofortaufbau geht nicht“. Allerdings gab es dann für mich die Möglichkeit der hautsparenden Mastektomie mit Platzhalterimplantat. Wobei dieser Platzhalter ein ganz normales Implantat ist, dass auf dem Brustmuskel liegt. Ein „richtiges“ Implantat hätten sie unter den Brustmuskel gelegt. Ist bei dir sowas nicht möglich? Mir wurde gesagt, dass sich die plastischen Chirurgen beim Aufbau leichter tun, wenn noch genug Haut da ist. Wohl auch bei einem Aufbau aus Eigengewebe.

  • Liebe SaDe,

    Ich nehm Dich erst mal ganz lieb in den Arm und drück Dich und Du darfst Dich ganz lange ausweinen. Es tut mir so leid, dass Du so sehr in einer Abwehr gefangen bist. Das kenne ich zu gut. Meine OP war am 6.4. (beidseitig mit Sofortaufbau mit Silis) und ich kann meine neuen Brüste bisher nicht annehmen. Es fühlt sich alles fremd an, zu groß und prall, ich hab fürchterliches Brennen in beiden Brüsten und gleichzeitig ist bei Berühren alles taub. Ich muss einen Kompressions-BH tragen, Tag und Nacht und drück mich jeden Tag darum, ihn zu öffnen....Zum Duschen kommt meine Tochter und ich kann nicht hingucken......Ich meine, so eine Reaktion wie bei uns ist ganz normal. Die Diagnose an sich und die OP sind ein großes Trauma und es wird Zeit brauchen, bis Du es annehmen kannst. Erwarte nicht zu viel von Dir, steh zu Deiner Abwehr aber steigere Dich nicht rein. Versuche doch psychoonkologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, da tut mir sehr gut und hilft, die Gedanken und Gefühle zu sortieren.

    Du hast einen verständnisvollen Mann, schreibst Du....Binde ihn in Deine Gedanken und das Gefühlschaos ein, damit er Dich verstehen und Dir helfen kann. Ich lebe getrennt von meinem Mann und muss alles mit mir alleine ausmachen. Ich wünsche Dir von Herzen, dass die Zeit Deine seelischen Wunden heilt und dass es Dir bald gelingt, Deinen veränderten Körper so anzunehmen, wie er ist..... auch wenn es ein hoher Preis ist dafür, dass der sch. ...Krebs rausgeschnitten ist. Wir sind starke Frauen und schaffen das, auch wenns uns grade mal den Boden unter den Füßen weggezogen hat.

    Ich hoffe, Du bekommst hier noch viele aufbauende Zuschriften und denke ganz lieb an Dich.

    Grüssle Mimi61 :*

    Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, leben aber muss man es vorwärts:S