Psychische Veränderungen ...

  • Wie einige hier wissen bin ich ja nun erst mal in meiner letzten Aplasie-Phase angelangt und die Chemos sind vorbei. Manchmal ist das ein ganz komisches Gefühl. Irgendwie habe ich das Gefühl mehr mich zu sein und gleichzeitig verändert. Dinge, die ich dachte, dass sie wichtig sind und mich ausmachen sind plötzlich vollkommen gleichgültig. Ich dachte immer, dass ich - wenn ich in der Situation bin, dass ich das Gefühl habe nur noch kurz leben zu können - irgendwas ganz "Großes" machen möchte, irgendwas was bleibt wie z.B. einen wirklich großartigen Roman zu schreiben. Und als ich dann in dieser Situation war (z.B. in der Intensivstation) wollte ich einfach nur mit meinen Kindern nochmal an den Bach gehen oder nachts in die Sterne schauen. Für mich ist es nun so, dass die ganz "kleinen" Dinge wichtig sind und ich auch keinen großen Ehrgeiz mehr verspüre besonders zu sein. Es ist vielmehr so, dass ich z.B. andere Menschen zum Lächeln bringen möchte oder einfach mehr im Augenblick sein.


    Ich tue mir dann aber wiederum schwer Alltagsgejammer wirklich wichtig zu nehmen. Also wenn meine Schwester leidet weil sie sich dieses jahr Schuhpaar Nr. 43 vielleicht nicht einfach so kaufen kann weil sie gerade vorübergehend etwas weniger Geld hat oder meine andere nicht weiß, welche Küche sie nun kaufen soll. Ich denke mir dann immer: "Mein Gott, was würde meine Exzimmergenossin Frau X, die bald sterben wird dafür geben überhaupt nochmal ein paar Schuhe anzuziehen und rausgehen zu dürfen". Andererseits weiß ich natürlich dass diese "kleinen Sorgen" irgendwie zum Alltag der Menschen gehören, die gesund sind und für diese sehr wichtig. Dann komme ich mir gemein vor wenn ich mich innerlich darüber lustig mache...


    Kann eine von Euch verstehen, was ich meine? Wie gehts Euch damit?

  • Hallo Wolke


    Ich verstehe was du meinst, nach unserer Erkrankung ist es aber glaub ich normal das wir einfach vieles anders sehen. Ich bin Krankenschwester z.Z. in Wiedereingliederung auf einer überwiegend Orthopädischen Station wenn die Patienten mit ihren Wehwehchen dann so rumjammern könnte man schon mal ganz schön aus der Haut fahren. Wenn ich an das denke was wir so durchgemacht haben und sie nur ein wenig Rückenschmerzen haben. Wir erfreuen uns schon über kleine Erfolge und sind einfach Dankbar das wir noch Leben und genießen jeden Tag .Das heißt wir Leben einfach bewuster :)


    LG


    Puhbaer

  • Ich habe auch solche Gedanken und habe dann manchmal ein schlechtes Gewissen diesen Personen gegenüber, welches aber auch dann wieder schnell verschwindet.


    Manchmal wird ja nun wirklich auf hohem Niveau gejammert und dann möchte ich am liebsten sagen: "Was würdest du eigentlich machen, wenn du mal wirklich richtig krank werden solltest? Dir einen Strick nehmen?" :rolleyes:


    Was mich noch vor einiger Zeit geärgert hatte war wenn jemand versuchte, diese Krankheit herunterzuspielen; heute stehe ich darüber und es macht mich irgendwie noch stärker - auch irgendwie eigenartig, oder?


    Ich bin aber immer noch auf der Suche nach dem "bewußter zu Leben" -oder habe ich es noch nicht gemerkt? Ich weiß es manchmal nicht.......


    Die Gedanken sind frei :)

  • Hallo Mädels,


    mir geht es auch so. Manchmal erwische ich mich dabei wie ich eifersüchtig auf andere bin, weil sie ihr Leben einfach so weiterleben dürfen, während ich mich mit dieser Krankheit umher Plagen muss. Dann schäme ich mich sehr!


    Wenn andere dann auch noch über irgendwelche, für mich Kleinigkeiten, schimpfen oder jammern, könnte ich aus der Haut fahren. Dann stelle ich mir die Frage ob ich früher auch so war und muss mir eingestehen: ja, ich war auch so. Das fährt mich dann wieder runter und ich nehme es mit in mein jetziges Leben. Heute erlebe ich viele Sachen viel bewusster, freue mich über Kleinigkeiten. Ich bin dankbarer dem Leben gegenüber geworden.... und das empfinde ich als große Bereicherung.


    Wir müssen unsere Krankheit annehmen und auch die Veränderungen die sie mit uns macht... es ist nicht alles nur schlecht!!!



    Lg Helly...

  • Ich bin selber nicht von einer schweren Krankheit wie ihr betroffen, kann es aber soweit nachempfinden.... Als ich erfahren habe, dass meine Mama sterben wird hat mich meine Schwiegermutter mit ihrer *mir geht es ja sooo schlecht und das Medikament wirkt bei mir nicht* Jammerei so genervt.... Hätte sie am liebsten an die Wand geklatscht.
    Aber seitwärts schon immer die Ärmste ;-)


    Oder Menschen wo wegen allem jammern.... Ich war als Kind 9 Monate am Stück im Kinderkrankenhaus und dass ich überhaupt laufen kann grenzt echt an ein Wunder und ich freue mich seit ich wieder gesund bin und keine OP's mehr hatte (bis jetzt sind es 10 am Hüftgelenk) jeden Tag aufs Neue!


    Das ihr *eifersüchtig* seid kann ich verstehen.... Wäre bzw. war ich auch.


    Ihr dürft es auch!! Und jede/r wo das nicht versteht hat keine Ahnung!





    Grüsse aus dem Hauptsitz der Monster AG

    Hoffnung stirbt zuletzt! Ich habe es echt versucht........ Aber so langsam geht es nimmer!

  • Hallo Ihr Lieben!


    Eure Gedanken kann ich gut nachvollziehen.
    wolke : Ich wollte auch mal etwas Bedeutendes tun, einen großen Roman schreiben,
    aber davon bin ich schon vor der Krankheit weg.
    Es sind in der Tat die kleinen Dinge im Leben, die ich als wichtig empfinde.
    Mich nervt es auch, wenn Leute über wirklich nebensächliche Dinge jammern.
    Es gibt soviel Leid und Elend in der Welt. Aber auch Menschen, die keine Krebserkrankung mitgemacht haben,
    können an anderen Krankheiten leiden, die sie vom regulärem Leben aussschließen.
    Ich bin da sehr offen. Und manchmal beneide ich die Menschen, die allen machen können - ohne Einschränkungen -.
    Aber ob sie das, was sie haben, auch wirklich schätzen und genießen können?


    Das sind mal meine Gedanken zu dem Thema.


    Nachdenkliche Grüße


    Gabriele

  • Danke für Eure Antworten. Ich bin froh nicht allein zu sein (da ich gerade in Isolation bin - mal wieder so n dummer Krankenhauskeim) darf ich mit den anderen PatientInnen nicht reden, was für mich echt schlimm ist ... nunja.


    Ich mach mir dann ganz viele Gedanken und hab das Gefühl so ein paar Erkenntnisse gewonnen zu haben (z.B. habe ich mir immer gewünscht, dass meine Schwestern und Eltern mich mehr anerkennen, als ich dann so mal kurz zwischen Leben und Tod hing hab ich angefangen mir zu wünschen, dass es mich in meinem Leben bisher weniger behindert hätte, dass es so ist/war). Ein Teil von mir freut sich irgendwie daran zu wachsen und hat dann so den Drang das irgendwie zu teilen und dann merke ich, dass das nicht geht. Also ich fand dieses Gedicht, das je nach Quelle immer von jemand anderem ist "Wenn ich mein Leben noch einmal ..." immer toll, aber es hat jetzt eine ganz andere Bedeutung für mich. Wenn ich es also jemandem schicke der über Kleinkram jammert dann sagt er: ja klar, wie war und jammert weiter. Zumindest in meiner Erfahrung. Aber manchmal denke ich dass ich vielleicht durch "Vorleben" irgendwie ... oder hab ich einen ausgeprägten Missionierungsdrang? :S :) Naja vielleicht geht das ja vorbei ... :whistling:

  • Das ist ja echt ein interessantes Thema ... ja, ich denke auch, dass oft über "Kleinigkeiten" lamentiert wird, die es gar nicht wert sind.


    Trotzdem waren für mich während meiner Erkrankungsphase auch die "kleinen Probleme" der anderen immer wichtig. Sie haben mir das Gefühl von "Normalität" gegeben, einer Normalität, die es bei mir eben so gar nicht mehr gab. Und deshalb hab ich mich auch gerne mit meinen Freundinnen oder Freunden über solche Dinge unterhalten.


    Außerdem wir sollten nicht vergessen, dass wir uns in unserem "Leben vor Krebs" oft genauso verhalten haben und nur durch die Grenzerfahrung, die wir gemacht haben, auf manches eine andere Sichtweise bekommen haben.


    Viele Grüße von Flora

    Habe Augen für die schönen Dinge, die Du jeden Tag erlebst. - Genieße sie und freue Dich darüber, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.

  • Hallo Wolke,


    dass Du Dich in Deiner Situation psychisch veränderst, dürfte völlig normal sein. Man wird ja nicht täglich mit seinem möglichen Tod konfrontiert. Ich habe bereits das dritte Mal Brustkrebs, 2002, 2008 und vor wenigen Tagen erfuhr ich, dass ich zum dritten Mal das Vergnügen habe. Und ich habe in jeder Phase völlig unterschiedliche Gefühle gehabt. Beim ersten Mal völlige Ungläubigkeit (ich entstamme einer Familie kraftstrotzender Gesunder, die nicht selten 100 Jahre alt geworden sind). Da habe ich die Krankheit dann als Herausforderung angenommen und alles relativ klaglos hingenommen, wobei komischerweise der Haarverlust das Schlimmste für mich war. Beim zweiten Mal war es ein wirklicher Schock. Ich hatte es nach 6 Jahren nicht mehr erwartet und jetzt wusste ich auch, was genau alles noch einmal auf mich zukommt. Hätte ich gewusst, dass es dieses Mal wesentlich schlimmer sein würde, weil man mir eine unglaublich aggressive Chemo gegeben hat ... Jetzt vor ein paar Tagen habe ich es seltsam cool aufgenommen. Mal sehen, ob sich das noch ändert, aber ich habe nicht den Eindruck. Irgendwie habe ich kapiert, dass das nun mal so bei mir ist und ich da durch muss.


    Während dieser 11 Jahre habe ich alle möglichen Gefühlsschwankungen gehabt. Lange, lange Zeit lebte ich mit richtiger Todesangst, ich malte mir meine Beerdigung aus und verteilte in Gedanken meine weltlichen Dinge. Ich war auch lange Zeit stark hypochondrisch. Bei Kleinigkeiten dachte ich schon, dass das Metastasen wären. Das alles hat sich in den letzten Jahren aber Gott sei Dank fast völlig gegeben. Eine Sache hat sich bei mir völlig verändert: ich bin weicher geworden. Ich war immer so eine toughe Frau die sich schwer tat Gefühle zu zeigen. Mein Mann hat darunter oft gelitten. Das ist jetzt ganz anders. Ich zeige meine Gefühle und bin zärtlicher geworden (wofür mein Mann sehr dankbar ist). Ich für meinen Teil würde behaupten, ich bin in dieser Hinsicht ein völlig neuer Mensch geworden


    Auch kann ich mich gar nicht mehr über Kleinigkeiten aufregen (manchmal vermisse ich das, weil ich denke, ich kann mich auch nicht mehr gut für bestimmte Dinge engagieren, weil ich vieles nicht mehr wichtig nehme).


    Auch ich bin oft neidisch auf andere gesunde Leute, vor allem, wenn sie Raubbau mit ihrem Körper treiben, indem sie rauchen und saufen. Ich habe eigentlich immer ganz vernünftig gelebt - und dann das mir! Aber das Leben ist eben nicht gerecht. Ich rufe mir dann ins Gedächtnis, wie viele Leute es gibt, denen es noch schlechter als mir geht und die auch noch jünger sind, evtl. behindert geboren.


    Was mich so richtig aufgeregt hat während der vergangenen Jahre war oft meine Mutter, die noch nie in ihrem Leben krank war und es fertig brachte in einem Alter von Ende 80 über ein schmerzendes Knie zu jammern, während ich mit der Chemo kämpfte.


    Also auf jeden Fall denke ich, dass die Erfahrungen, die man in diesen schlimmen Zeiten macht, einem auch Gutes bringen können.


    Eine Sache regt mich übrigens noch heute aus dem Stand ganz schrecklich auf (obwohl ich doch so cool geworden bin): Wenn Leute mir ihre gut gemeinten Ernährungsratschläge geben, was oft so bei mir ankommt, hätte ich z. B. weniger Süßes gegessen, wäre ich nicht krank geworden. Diese Art Ratschläge empfinde ich als Schuldzuweisung und da raste ich dann tatsächlich aus.


    Jetzt wünsche ich Dir auf jeden Fall alles Gute,


    Carromgirl

  • Danke Carromgirl für deine ausführliche Stellungnahme und danke Flora.


    Ich glaube es ist eher so eine Art Hilflosigkeit, die ich manchmal verspüre, wo ich mir einfach denke dass z.B. meine Schwester einen so schönen Tag mit ihren Töchtern haben könnte, wenn sie nicht wegen irgendeinem Kram den ganzen Tag schlecht gelaunt wäre. Und ich würde ihr dann so gerne das irgendwie nehmen und ihr "helfen" damit sie den Tag mit den Kindern genießen kann. Versteht ihr was ich meine? Vielleicht auch weil ich mir wünsche, dass ich irgendwie auch so hätte lernen können (oder eben früher) manche Dinge loszulassen, die mich mein ganzes Leben lang belastet haben. Irgendwie liebe ich mich (seltsamerweise?) jetzt mehr, also ich finde viele Dinge an mir völlig in Ordnung und trau sie mich auszuleben egal wie andere die finden. Das erleichtert mich ungemein.


    Und über Ernährungstipps rege ich mich auch auf. Ich glaube diese Meinungen kommen aus einer Angst der Betreffenden vor dieser unerklärbaren, schlimmen Krankheit und weil wir uns immer gegen alles absichern wollen z.B. ist es vielleicht ein Weg mit der eigenen Angst umzugehen wenn man sagen kann: Ich krieg das nicht wie die Y, die hat nämlich Schokolade gegessen jede Woche und ich ess nur Cranberries oder was immer. Allerdings stelle ich es mir dann sehr schlimm vor wenn es so jemandem trotzdem passiert.
    Mein alter Onkel meinte auch mir sagen zu müssen dass ich das nur gekriegt habe weil ich zu viel Stress hatte. Ich hab dann aus dem "blauen Heftchen" zitiert, dass das so nicht stimmt.
    Aber viel zu viele Menschen wollen aus Krebs eine psychosomatische Erkrankung machen und das ist es nun mal einfach nicht. Dass sie damit Betroffenen sehr weh tun, die dann evtl. noch Schuldgefühle haben (eine Frau auf meiner Station war total aufgelöst weil ihrer Tochter ihr erklärt hat warum sie nun ein Lymphom bekommen hat - sie war zu traurig nach dem Tod ihres Mannes, hat ein wenig zu viel Gewicht und zu oft Braten gegegessen ....) neben dem ganzen anderen. 8| Nee, das macht mich echt sauer. Aber ich bin natürlich sonst auch völlig cool und weise geworden .... :whistling: 8) :D

  • Hallo Ihr Lieben,


    das finde ich total spannend.
    Ich habe immer ein schlechtes Gewissen ( wofür hat man so etwas eigentlich), wenn ich denke, 'mensch stell Dich doch nicht so an'. Weil diese Person in diesem Moment ja wirklich leidet.
    Aber wie schnell rutsche ich auch in alte Verhaltensmuster. Ich hetze von einem Termin zum nächsten und mir geht es ja sooo schlecht. Mein Magen beschwert sich über den Stress und den vielen Kaffee (Magenkrebs?) und mein Darm spielt auch verrückt (Darmkrebs?). Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, mehr auf mich zu achten!
    Im Moment bin ich im Urlaub und habe beim Stöbern ein Glücksbuch gefunden. Da darf man Kleinigkeiten eintragen, kleine Glücksmomente des Tages. Als erstes werde ich schreiben: Ich habe das Glück, dass ich gesund bin und Urlaub machen kann!

    Liebe Grüße aus dem wunderschönen Hessenland, heidih57



    Glück liegt nicht darin, dass man tut, was man mag,
    sondern dass man mag, was man tut.
    James Matthew Barrie

  • Hallo zusammen,


    Ja es geht mir auch so.
    Hinter jedem Wehwehchen vermutet man einen Rückfall :-(.
    Manchmal wenn es Leute gibt die so gestresst oder wegen jeder Kleinigkeit ausrasten,
    Würde ich am liebsten meine Mütze ausziehen und sagen habt ihr noch andere Probleme ?
    Aber ich weiss das ist gemein, aber es würde diese Leute vielleicht ein bisschen zum nachdenken anregen.
    Ich wünsche euch einen schönen Tag
    liebe Grüsse
    Doris

  • Hallo zusammen, :)


    das Thema ist spannend, und wichtig für uns. Hier haben wir die Chance, zu beobachten, was grade mit uns passiert. Das - Warum - ist ja meist mit der Diagnose und/oder Therapie begründet. Wir haben durch den Schock eine Art Zwangspause vom - normalen - Leben. 8| Wir sind aufgefordert, jetzt zu tun, was dran ist. Dafür müssen wir alles andere in den Hintergrund stellen, was vorher noch - wichtiges - Thema war. Und das dolle daran ist: Es hat geklappt. Es klappt immer wieder. :thumbsup:


    Wie oft habe ich vor der Erkrankung anderes in meinen Vordergrund rücken lassen oder auch selbst reingerückt, obwohl mir freie Zeit sicher auch gut getan hätte!! Nein, ich hab geholfen, geschafft, oft über meine Kraft. Und jetzt, die Krankheit, jetzt geht das nicht mehr. Soviel zu 2002, meiner Ersterkrankung.


    In den Jahren und mit den Menschen, die mich seither zusätzlich begleiten habe ich viele Veränderungen erlebt. Manche waren willkommen, aber da sind auch welche, die anderen tierisch auf den Nerv gehen. X( Meine ersten Versuche, NEIN ich möchte jetzt nicht dies oder das für dich tun, lösten regelrechte Grabenkämpfe aus. DU hast aber doch IMMER...
    ;( X( ?( :thumbdown:
    Ja, vorher. Jetzt werde ich langsam, ganz langsam etwas mehr ICH bezogen. Schaue erst mal nach habe ich Lust, Kraft, Freude, einen Kuchen zu backen, einen Salat zu machen oder mit einer Freundin, die sich nie für Schuhe entscheiden kann 3 Stunden lang in einen Laden zu begleiten. Und innerlich zu mir zu sagen : Mensch bist du blöd, wolltest doch eigentlich ausruhen, chatten, einen Brief schreiben oder sonst was.


    Dieses Anders werden ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. In erster Linie war es das für mich, weil ich es tun musste. Ich musste anfangen, mich und meine Kraft in der Vordergrund zu stellen.
    Ein neuer Spruch heißt: Bevor ich mich aufrege, ists mir lieber egal. Es wirkt. 8o


    Und die Hoffnung, andere auf diesem Weg der Veränderung in ein wertschätzenderes Leben mitzunehmen, die habe ich begraben. Wer z.B.keinen Bedarf an einem Roller hat, wird sich auch keinen kaufen. Und wer sein Leben so lassen will wie es ist, fühlt sich bedrängt, wenn ich ihm/ihr sage, was ich mittlerweile für sinnvoller halte. Und die Kommentare: seit du Krebs hattest bist du ja sehr kritisch geworden... :thumbdown: brauche ich auch nicht mehr. Denn dass ich auch selbstkritisch wurde wird nicht erwähnt. Ich habe viel mit mir selbst geschimpft und mir gesagt: Klar konnten die anderen mich steuern, ich habe ja mitgemacht. Aber jetzt wollte ich mich verändern.


    Ich habe das getan, was Wolke auch beschreibt, Beispiel, vorleben, und ich erzähle nix mehr dazu. Ich erkläre mich nicht mehr ständig, damit andere verstehen warum es mir jetzt wichtig ist, bei meinen Kindern zu sein statt Kuchen für andere zu backen o.ä. Ich tue es einfach. :D Und bevor ich mich drüber aufrege, ob andere sich aufregen, ists mir lieber egal.


    Einen Spruch habe ich jahrelang an meiner Tür zum Dachboden hängen gehabt: Eine Erkenntnis kann nur dann wirken, wenn der Empfänger dafür bereit ist.


    Ja, ich war bereit nach dem Schock. Jetzt, viele Jahre später habe ich ein gutes Stück Weg an psychichen Veränderungen geschafft und ich werde immer glücklicher. Ich fühle mich so, als würde ich immer mehr ICH werden.


    Das wünsche ich euch allen.


    liebe Grüße von
    phönix

  • Hallo ihr Lieben,


    diese Thema beschäftigt mich auch seit ich im Februar meine Diagnose bekommen habe.
    Vieles was ihr geschrieben habe erlebe ich auch bei mir und weiss jetzt das es einfach dazu gehört.
    Liebe Phönix, deine Zeilen habe mich sehr berührt, denn genauso erlebe ich es von Tag zu Tag mehr.
    Deutlich zu sagen was mir nicht gefällt, das was mir gut tut zu machen und was mir nicht gut tut, wenn es möglich ist weg zulassen.
    Es klappt zwar nicht immer aber ich arbeite daran.
    LG 'Strandnixe