Austausch bei fortgeschrittener Erkrankung (zB unheilbar, palliativ, ohne Therapie), mein Blick auf mein restliches Leben

  • Liebe Kyscia , du sprichst mir total aus der Seele. Auch ich bin eine die Loewenzahn60 beneidet, BET, Bestrahlung, keine Chemo. Aber trotzdem verstehe ich Loewenzahn60 sehr gut. Ich frage mich auch, warum ich? Ich frage mich echt manchmal warum erwischt es solche aufgepumpten Promis nicht? Man wĂŒnscht es ja niemand, aber komisch ist das schon, dass es grade mich erwischt. Dann sage ich mir wieder, es hĂ€tte auch schlimmer kommen können, mit Metas oder BauchspeicheldrĂŒsenkrebs. Geht's euch anderen auch so?

    L.g.von Amy

  • Liebe Amy48 ,

    mir geht es auch manchmal wie Dir,aber das ist ja auch menschlich. Wir können es aber leider nicht Ă€ndern:hot:ich habe es angenommen und versuche das Beste daraus zu machen.Denn Neid ist auch nicht so gut fĂŒr uns und unsere Psyche.

    Ich wĂŒnsche Dir alles Gute

    Giecher:*

  • Ich kann euch verstehen... ich denke mir oft ich bin/war Angehörige, bin gesund und ich kann verstehen wenn ihr so denkt. Ich seid alle so wahnsinnig tapfere Frauen 😘😘😘😘


    Amy48 Mein Papa hatte BauchspeicheldrĂŒsenkrebs der ja fast immer innerhalb kurzer Zeit zum Tod fĂŒhrt 😱 ich finde jede Art von Krebs schlimm!!

  • Hallo Loewenzahn60

    ich hatte am Anfang der Erkrankung auch dieses GefĂŒhl von Neid und auch Hass. Dachte oft an all die Ars..... die es doch auf der Welt gibt und die waren Gesund.Manche flutschen halt so durch ihr Leben und sind nicht gerade immer sehr mitmenschlich auf ihrem Weg.

    Aber ich glaube fest daran, dass diese Menschen ganz ganz viel verpassen in ihrem Leben und damit meine ich wirklich dieses Hinschauen mĂŒssen was es wirklich heisst zu Leben.Das kapiert man doch meist nur, wenn man so klar damit konfrontiert wird, dass es Endlich ist.

    Man steht auf, geht zur Arbeit, trifft sich mit Freunden,versorgt die liebe Familie uvm. Tag fĂŒr Tag, ganz normaler Alltag und man denkt nicht daran, was fĂŒr ein Geschenk das alles ist.

    Dann kommt dieser schreckliche Kontrollverlust mit Namen Krebs daher und macht uns Hilflos, zwingt uns demĂŒtig zu sein fĂŒr jeden erkĂ€mpften Tag, dankbar fĂŒr jede Therapieform und jeden Helfer auf dem neuem Weg.

    Und da ist es doch normal dass man stinksauer ist, weil man um jeden Tag kĂ€mpft, weil man Hilfe braucht bei gefĂŒhlten Kleinigkeiten und auch noch stĂ€ndig wechselnde Stimmungen hat.

    Wie oft hab ich mich ausgeliefert gefĂŒhlt, weil fremde Menschen mir beim waschen helfen mussten. Mal abgesehen von dem SchamgefĂŒhl dabei!

    Ja, wir gehen dabei stĂ€ndig ĂŒber unsere Grenzen, sind verletzlich und verletzen auch mal andere Menschen mit unseren kleinen BedĂŒrfnissen. Und leider bekommt keiner dafĂŒr eine Heilungsgarantie.

    Ich glaube da darf man einfach alles an GefĂŒhlen haben was nur geht und das mit gutem Recht!

    Dazu gehört dann vielleicht auch die Reihe der guten GefĂŒhle, wenn wir z. B. der ersten Tag wieder alleine aus dem Bett kommen.Das Erste mal wieder gut essen können, das Erste mal wieder Freunde treffen können.

    Plötzlich ist das nĂ€mlich etwas ganz Besonderes - etwas das man nicht einfach so geschenkt bekommt - nein man hat dafĂŒr sehr viel Kraft und Mut gebraucht!

    Deshalb sehe ich zumindestenz auch ein kleines Geschenk in all diesem Leid, ohne zu wissen, wann die Endlichkeit sich wieder meldet.

    Es ist ein anderer Alltag den ich jetzt habe, er ist bewusster und reicher geworden. Viele Menschen sind aus meinem Leben verschwunden, weil sie ĂŒberfordert waren.Andere sind neu an deren Stelle getreten und sind so liebenswerte Begleiter geworden.

    Ich muste lernen Hilfe annehmen zu können und bin nun auch aufmerksamer geworden, was mein GegenĂŒber betrifft.

    Und auch andere Menschen konnten sehen, das es Wege gibt aus dem schwarzen Loch, etwas nĂ€her an das Sonnenlicht zurĂŒck zu kömmen - und sind dafĂŒr auch dankbarer geworden fĂŒr jeden gelebten Tag.

    Es ist und bleibt schrecklich was uns allen so aufgebĂŒrdet wird und unserem Umfeld, aber gemeinsam einen neuen Tag zu beginnen - das ist sooo schön.

    Und es ist sooo traurig, wenn wir uns so viele Gedanken machen mĂŒssen was richtig oder falsch ist auf dem Weg mit Krebs.

    Sei einfach du mit allem was da in dir ist.

    Ich drĂŒck dich ganz fest :hug:

    Und alle anderen natĂŒrlich auch :hug:

  • Liebe Loewenzahn60


    Ich denke auch hĂ€ufig das ich neidisch bin auf „die BrĂŒste“ z.b. wenn ich höre was hier manche nach einen Jahr alles wieder können.

    Ich muss wie du bei vielem um Hilfe bitten, kein Tag kann ich wirklich alleine bewerkstelligen weil es nicht geht. Ich habe auch keine Lust immer zu schreiben was es denn ist was mich eingeschrÀnkt, denn ich nehme den Haufen an Pillen nicht weil es mir gut geht.

    Bei manchen doofen Kommentaren, egal wo und von wem, habe ich schon gedacht „willste mal meinen fĂŒr einen Tag haben?“ nach einer Stunde bekomme ich den garantiert freiwillig zurĂŒck. Und so geht es mir wenn ich eure Berichte lese. Ich kann vieles nachvollziehen, aber nicht alles. Und wenn du mir deinen anbietest kannst du den umgehend wiederhaben.


    Und es hilft nix, wir mĂŒssen schauen wie wir das beste aus der Situation machen. Wir können nichts abgeben.


    Das mit deiner Schwester hat mich auch sehr berĂŒhrt und ich denke hĂ€ufig was mache ich wenn meinem Mann was passiert.


    Jetzt haben wir beide die Möglichkeit hier im Urlaub Kraft zu tanken und nach dem Urlaub können wir davon zehren. Auch wenn ich nicht viel laufen kann, es war und ist sehr schön und ich kann auch abschalten weil kein Termindruck da ist. Kaum bin ich zurĂŒck stehen 4 arzttermine in einer Woche an 🙄 ich wĂŒrde mich ĂŒber alleinige 3-monatliche Nachsorgeterminen freuen. Pustekuchen, aber nicht zu Ă€ndern.

    Liebe GrĂŒĂŸe

    Biggi

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    Das Wesentliche ist fĂŒr manche Augen unsichtbar!

  • Chippsy danke, das hast Du schön geschrieben,,.Balsam fĂŒr meine Seele

    BiggiL wie wahr Dein Gedanke, “willste mal meinen Tag fĂŒr nur eine Stunde haben?“ hab ich schon öfter auch mal gedacht. Und nee, ich biete Dir meinen nicht an und ich will auch Deinen nicht. Wir können nichts abgeben, es wĂ€re aber schön, wenn es eine Schmerzdeponie gĂ€be. Da wĂŒrde ich ganze SĂ€cke voll SondermĂŒll hinfahren

  • Hallo ihr Lieben,


    ich möchte jetzt niemanden hervorheben, denn ihr alle sprecht mir so sehr von der Seele... dafĂŒr alleine schon mal ein paar dicke Knuddler :hug::hug::hug::hug:.

    Ich ertappe mich auch manchmal dabei, dass ich anderen Menschen gerne mal die Pest an den Hals wĂŒnsche. Habe ich auch schon vor meiner Erkrankung gemacht. Nur wird es mir heute bewusster, dass ich neidisch geworden bin. Ich sehe und lese wie es weniger gesunde und auch gesunde Menschen schaffen, in den Urlaub zu fahren. Wie sie allgemein Sport machen können. Gut essen gehen und genĂŒsslich ein schönes Glas Rotwein am Abend trinken. Also einfach etwas machen ohne darĂŒber nachzudenken, ob es gerade geht oder net.

    Da fÀllt mir dann auch die Kinnlade runter, wenn vor laufender Kamera auf höchstem Niveau gejammert wird, dass ein Fingernagel angebrochen ist. Wenn so eine Z Promitussie heulend zusammenbricht , weil sie in der Holzklasse sitzen muss und ihr komischer Vogel erste Klasse fliegt.

    Da frag ich mich auch manchmal, ob so manche Leute den Schuss net gehört haben. Ich wÀre froh wenn ich meine NÀgel mal auf eine Reihe bekomme und mal eben irgendwo hinfliegen kann.

    Ich hĂ€tte lieber einen gebrochenen Arm oder Fuß. Das ist etwas was ich sehe und wo ich weiß, da kommt der Schmerz her. Wo ich dann auch weiß, das ist in ein paar Wochen vorbei. Ich kann sehr schwer mit Dingen umgehen, die ich net sehen kann. Ok... die Aufnahmen von meinem Innenleben sehe ich schon. Aber es fĂŒhlt sich net wirklich wie "meins" an.

    Ich bin kaum neidisch auf die Menschen, die es geschafft haben, endlich das Schalentier loszuwerden. Im Gegenteil. Ich freue mich darĂŒber, denn ich denke, genau diese Menschen wĂŒrden sich auch fĂŒr mich oder euch ebenso freuen, endlich mal positive Neuigkeiten zu hören. Im Idealfall die Heilung.

    Es ist hier ja schon erwĂ€hnt worden, dass wir bewusster Leben. Sei es in der Wahrnehmung oder eben die GlĂŒcksmomente, wo wir ohne Schmerzen aufstehen können.

    Heute ging es mir weniger gut. Ich war so kaputt, dass ich erst gegen halb vier nachmittags wach geworden bin. Da war der Tag schon gelaufen. Seitdem wabert so eine unterschwellige Letargie im Kopf rum und ich fĂŒhle mich so unkomplett. Das sind die Tage die ich hasse, weder Fisch noch Fleisch. Aber was soll ich machen? Ich muss es annehmen wie es ist. Ich höre schon die Worte meiner Therapeutin... Ich darf damit sein. Jo.... morgen vielleicht...


    LG Vollmondalarm <3

  • Ach Loewenzahn60 und BiggiL mein Schmerzsack ist zwar mehr ein SĂ€ckchen, aber ich verstehe wie sehr man sich nach einem Abgabeplatz sehnt.

    Hab mal gehört Hypnose kann helfen - ich trau mich da aber nicht hin. Das Chaos in meinem Kopf sollte keiner auslesen ^^ wÀhrend ich im Ihrgendwo bin.


    Meine Mutter war nach der Krebsdiagnose bei einem Hypnotiseur. Nachdem seine Eltern beide an Krebs gestorben sind, hatte er damals die Sitzung auf Spendenbasis gemacht. Die nÀchste Sitzung hÀtte ich dann bezahlt. Leider kam es dann ja nicht mehr dazu.

    Als ich mit meiner Mutter dahin ging, kam sie kaum die Treppen rauf. Nach der Hypnose war sie wie ausgewechselt. Plötzlich lief sie in einem Stechschritt neben uns her. Sie konnte am Tag der Hypnose nicht darĂŒber sprechen. Aber am nĂ€chsten Tag war ich zum Kaffee bei ihr. Und sie hat von der Hypnose geschwĂ€rmt. Ihr ging es einige Tage richtig gut.

    Leider hat das nur 3 Tage angehalten. Dann waren die Schmerzen wieder da. Nichts desto trotz war es fĂŒr mich die beste Entscheidung ihr das zu ermöglichen. Ihr hat das so gut getan.


    Nach dem Tod meiner Mutter war ich ebenfalls zur Hypnose. Er hat mich in eine Tiefenhypnose versetzt, damit ich zur Ruhe komme. Ich hab mich danach gefĂŒhlt als ob ich 2 Wochen im Urlaub war.

  • Chippsy . Hypnose ist mein Hauptverfahren (ich bin FachĂ€rztin)-- ich kann dir versichern, dass du keine Sorge haben musst, dass da irgendwas außer Kontrolle gerĂ€t, oder der Therapeut etwas aus deinem Kopf "herausliest", was du nicht möchtest.

    Diese Boulevard-Gruselgeschichten am besten ganz fix vergessen.

    Hypnose ist ein Zustand entspannter Wachheit, das kann man gut im EEG erkennen.


    Du bekommst alles mit, was passiert. DU hast die Kontrolle.

    Der Therapeut begleitet dich nur. Du machst das . Nicht er.

    Also keine Angst.


    Liebe GrĂŒsse MoKo

  • Ein Hallo in die Runde,

    seit meiner Erkrankung habe ich auch das "Neid-Problem" bei mir festgestellt. Ich denke an meine Arbeitskollegen und werde neidisch. Ich bin sehr gern arbeiten gegangen. Im Februar nĂ€chsten Jahres gehe ich zwar sowieso in Rente, aber das ist ein anderes GefĂŒhl.

    Im Moment bin ich auch angefressen, weil die Therapie nicht richtig funktioniert. Seit ĂŒber einer Woche nehme ich Kisqali, wovon die StrahlenĂ€rztin wĂ€hrend der Zeit der Bestrahlung abgeraten hatte. Nun habe ich Hautausschlag und daraufhin wird das Kisqali erst mal abgesetzt. Xgeva sollte ich im mittlerweile 3. Versuch heute bekommen. Das ist nun auch wieder angesetzt, bis die Hautgeschichte abgeklĂ€rt ist. :cursing:

  • Hallo positiv_denken

    es tut mir leid, dass deine Mutter es nicht geschaft hat.

    Finde ich aber ganz toll das du ihr ĂŒber die Hypnose so ein schönes Geschenk machen konntest.Ein paar Stunden ohne gr. Beschwerden sind ja unbezahlbar.

    Das es fĂŒr dich dann auch noch eine Entlastung in dieser Trauer gab freut mich echt. Die Trauer um einen geliebten Menschen fordert ganz schön viel Energie und das merkt man erst im Nachhinein. Und du hast deine Mutter ja auch auf ihrem Weg begleitet, was sicherlich auch nicht einfach gewesen ist. Zwei Wochen wie nach einem Urlaub, dieses GefĂŒhl sei dir von Herzen gegönnt.

    Und evtl versuche ich es doch mal mit Hypnose - danke fĂŒr deine RĂŒckmeldung.

    LG Chippsy

  • Sorry liebe paetzi , ich wollte hier natĂŒrlich keinen angreifen. Ich weiss, dass man lange damit leben kann, ich wollte damit auch nur zum Ausdruck bringen, das diese Diagnose ( mit Metas) fĂŒr mich noch schlimmer gewesen wĂ€re. Bitte entschuldige 💐

    L.g.von Amy

  • Amy48

    Ich hab es nicht als Angriff gelesen und paetzi bestimmt auch nicht.

    Ich fand deine Zeilen ehrlich und einfĂŒhlsam.


    Metas sind sch..se und kosten viele das Leben und viele schaffen viele Jahre damit. Aber du wolltest ja nur sagen das du froh bist das du keine Metas hast und das bin ich auch fĂŒr dich.

    Liebe GrĂŒĂŸe

    Biggi

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    Das Wesentliche ist fĂŒr manche Augen unsichtbar!

  • Hallo liebe Uhu ,


    Du hast oben erwÀhnt Du nimmst Kisqali und hast HautausschlÀge bekommen.

    Wie auch in meinem Profil beschrieben hatte ich ganz schlimme juckende HautausschlÀge vom Kisqali.

    Die Ärzte haben mir verschiedene PrĂ€parate verordnet, letztendlich hat aber keines geholfen. Der Zustand wurde so schlimm dass ich bei der Herstellerfima N.....s angerufen habe und Kisqali absetzten wollte. Sie haben mir dringend geraten dies nicht zu tun. In den vorherigen Studien hat es keine Teilnehmer gegeben die wegen HautausschlĂ€gen absetzen mussten und mich um etwas Geduld gebeten.

    Meine Onkologin hat die Dosis von Kisqali runtergesetzt auf tgl 400 mg. Danach verschwanden die HautausschlÀge komplett.


    Alles Gute und LG nach Sachsen aus Sachsen - Blume