Mein Vater weiß noch nichts von meiner Krankheit

  • Mein Vater ist fast 70 und hat seit 15 Jahren eine Lebensgefährtin.

    Sie lebt in Bayern, wir in Norddeutschland.

    Die beiden waren mal hier im Norden ein paar Wochen, dann wieder bei ihr in Bayern.

    Im September letztes Jahr hat sie erfahren, das sie Metastasen im Bauch, Nieren und an der Leber hat.

    Sie hat Chemo bekommen, mußte diese aber im Dezember abbrechen, da sie es körperlich nicht gepackt hat.

    Jetzt hat sie eine Schmerzpumpe bekommen, um ihr "die letzte Zeit" so erträglich wie möglich zu machen.


    Mein Vater ist seit Dezember überwiegend bei ihr, kommt nur alle paar Wochen mal her um uns zu besuchen für zwei oder drei Tage.

    Und ich habe es echt nicht gepackt, in seiner eh schon heftigen Situation von meiner Krankheit zu berichten.


    Nach meiner Diagnose war erst im Gespräch, das ich "nur" Operation und dann antihormon Therapie bekomme.

    Da wollte ich dann meinen Vater nicht beunruhigen, da ich glaube, er würde hier her kommen und mich unterstützen, dabei braucht seine Lebensgefährtin ihn jetzt doch viel mehr.

    Darum habe ich nichts gesagt:(


    Jetzt weiß ich, das ich die Chemo machen muss, habe am 13.05. die erste EC und gestern rief mein Vater an.

    Seine Lebensgefährtin geht ab 14.05. in die Kurzzeit Pflege und er kommt eine Woche in den Norden.

    Er wohnt dann nicht bei uns, hat noch eine Wohnung, aber wir werden uns sicher ein paar mal sehen.


    Ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich ihm von mir erzähle, fährt er nicht wieder sondern will bei mir bleiben.


    Ich weiß echt nicht, was ich machen soll;(

    Ich habe so viel Unterstützung von Familie und Freunden hier, ich brauche ihn nicht so dringend hier

  • Hallo Mama44 ,

    ich würde es deinem Vater trotzdem erzählen. Du kannst ihm dann sagen das du schon viel Unterstützung hast und er seiner Lebensgefährtin weiter helfen soll. Er wird schon das richtige machen. Wenn er es von jemanden anderem erfährt wäre es viel schlimmer.

  • hallo Mama44 ,

    sprich bitte mit deinem Vater und erzähl es ihm. Ihr werdet schon einen Weg finden um diese Zeit bestmöglich (auch gemeinsam) zu bewältigen. Bestimmt wirst du in der Chemozeit auch froh darüber sein Hilfe zu bekommen ... diese Zeit ist ja doch recht lang.

    Mit einem Geheimnis zu leben ist definitiv nichts ... finde ich.

    Dein Vater kennt dich und wird dir bestimmt früher oder später etwas anmerken ... und wenn dein Vater dies über andere Wege erfährt, wäre dies sicherlich sehr schlimm für ihn (und auch für dich). Der direkte Weg ist der Beste - quäl dich bitte nicht damit sondern "lass es raus". Du brauchst deine ganze Kraft für deine Genesung.

    Deswegen gibt es den Spruch: Geteiltes Leid ist halbes Leid ... da ist was wahres dran.

    Prima wenn du so viel Unterstützung um dich herum hast, das kannst du ihn ja sagen ... wird ihn sicher beruhigen und er wird merken dass er kein Dauergast bei dir sein muss, aber gib ihm die Chance diese Erkenntnis zu erlangen.

    Du bist seine Tochter und er möchte nur das Beste für dich.

    LG und alles erdenklich Gute für dich, Möhrchen 🥕

  • Ich habe es meiner Familie auch erst später gesagt. Ich wohne in Süddeutschland, meine Familie wohnt in Berlin.

    Ich habs tatsächlich nicht übers Herz gebracht ihnen zu sagen.

    Meine Diagnose war Mitte April letztes Jahr und erzählt habe ich es ihnen dann mal im Sommer. Da gabs die ersten guten Nachrichten von den Kontrolluntersuchungen. Ich hab hier Freunde, Partner etc. die mir beigestanden haben. Meine Familie hätte ich, in meinen Augen, nur unnötig belastet. Ich wollte auch nicht, das sie permanent nachfragen und das meine Erkraknung ständig thematisiert wird. Mein Umfeld hier habe ich entsprechend instruiert, so das alle ganz normal mit mir umgegangen sind. Der Familie fällt es ja immer noch mal schwerer sich zusammen zu reißen.

    Es hätte mir unnötig Kraft abgezapft, mich noch mit dem Kummer meiner Familie auseinander setzen zu müssen.

  • Liebe Mama44


    Ich würde es erzählen und sag dir auch den Grund: deine Kinder!

    Du zwingst sie sonst ja auch den Opa anzulügen bzw. Nichts zu sagen.

    Wenn ich an die Altersspanne bei dir denke könnten die großen es wohl meistern, aber die kleinen?


    Ich habe auch gewartet bis meine Familie hier war und wir uns gegenüber gesessen haben und nicht am Telefon.

    Und wie die anderen schon geschrieben haben kannst du ja sagen das du zuhause die gute Unterstützung hast und er sich um seine kranke Partnerin kümmern muss. Was er bestimmt auch tut und sie nicht alleine lässt.

    Danach kann man ja telefonieren oder sich öfters kurz sehen und erzählen wie es geht.


    Liebe Grüße

    Biggi

    Liebe Grüße

    Biggi

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    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • Ich habe es auch meiner Mama gleich gesagt , sie lebt 600 km weit weg von mir in Berlin .

    Ich denke ich wäre sehr betroffen gewesen wenn mir meine Mama oder Schwester eine ernsthafte Erkrankung verschweigen ...da wäre ich wirklich sauer geworden . Ich finde das Eltern wenn man einen guten Kontakt hat es wissen müßen was mit dem Kind ist . Wenn meine Mädels etwas haben will ich das auch wissen . Und ja ich stimme auch BiggiL zu ,stimmt sie Kinder werden auch zum anlügen verdammt . Ich würde es deinem Papa sagen ....

    Knuddels :hug:

    Gabi

    🙏🏽 Herr schmeiß Nerven vom Himmel 🙏🏽

    😉 Lieber eine Glatze am Kopf und Nebenwirkungen als einen Zettel am großen Zeh 😉

    👍🏽 Wer in den Krieg zieht muß auch Kratzer einstecken können 👍🏽

  • danke für eure Tips :*

    Ich denke, ihr habt Recht.

    Es ging mir auch nicht darum, etwas zu verheimlichen oder so, ich mache mir einfach sorgen um meinen Dad :(

    Seit seine Lebensgefährtin erkrankt ist, geht es ihm psychisch echt nicht gut.

    Schon wenn ich am Telefon Frage, wie es seiner Freundin geht, dann weint er erstmal ne Weile, bis er überhaupt drüber reden kann.

    Und was mir noch im Hinterkopf ist, er ist seit 7 Jahren trockener Alkoholiker nach einem wirklich harten Kampf, diese Sucht zu überwinden.

    Ich habe Angst, das er es psychisch nicht mehr packt und wieder zur Flasche greift, oder er der Meinung ist, er MUSS sich um sein Kind kümmern, anstatt um seine Freundin. Sie hat ihre Kinder zwar in ihrer Nähe, die sich auch kümmern, aber trotzdem braucht sie ihn mehr als ich es tue.

    Wenn er diese Entscheidung treffen würde, ich weiß das ich ihm das im Leben nicht ausreden könnte.


    Aber ich denke, ich muss es ihm sagen, wenn er kommt und hoffe halt, das er dann einsieht, das ich wirklich prima Unterstützung habe.

    Und das er es psychisch gut verkraftet :(

  • Liebe Mama44,


    ich denke nicht, das du es unbedingt sagen mußt. Du kennst Deinen Vater besser, als wir hier im Forum. Wenn ich Deine Geschichte so lese,

    muß ich sagen, würde ich nichts sagen. Deine Bedenken ob er das psychisch packt, sind ja nicht unbegründet. Lass Dich mal fest drücken, ich bin sicher du triffst die richtige Entscheidung für Dich und Deine Familie, und wenn es heißt erstmal nichts zu sagen dann ist es richtig und gut.


    LG

    Fidi

    Anfangs wollt ich fast verzagen,

    und ich glaubt, ich trüg es nie,

    und ich hab es doch getragen -

    aber fragt mich nur nicht wie?

    Heinrich Heine

  • Ich sehe das wie Fidi , unter dem Aspekt der Alkoholsucht und der Tatsache das er gerade auch seine schwer an Krebs erkrankte Lebensgefährtin pflegt, würde ich nix sagen.

    Was passiert denn mit der Lebensgefährtin, wenn er plötzlich lieber bei Dir sein möchte?? Dann ist er hin und her gerissen zwischen seiner geliebten Tochter und der Frau, die er liebt...wirklich eine sehr schwierige Situation.

  • Hallo Mama44 ,


    ich hab es meiner Mutter bisher auch nicht gesagt. Sie lebt knapp 900 km entfernt, ist fast 80, hatte vor 3 Jahren eine Whipple-OP wegen Verdacht auf BSD-Krebs und ist danach auch nicht wieder so „fit“ geworden, wie sie vorher noch war. Ich hab es ihr bisher aus Sorge um sie nicht gesagt, ich hab einfach Angst, dass sie es nicht verkraftet.


    Auf der einen Seite komme ich mir vor wie eine Lügnerin, weil ich ihr etwas verheimliche, auf der anderen Seite weiß ich - nüchtern betrachtet - dass es weder mir noch ihr helfen oder gut tun würde, es ihr zu sagen.


    Einen Rat geben kann ich Dir leider nicht, das muss letztendlich jeder für sich unter Einbeziehung aller individuellen Umstände entscheiden. :|

  • Tempi , das Wort Lügen finde ich immer etwas negativ behaftet. Du belügst Deine Mama nicht, um eigene Interessen zu vertreten, sondern um sie zu schützen:*

    Steht es Dir zu, zu entscheiden in wie weit sie geschützt werden muss??? Keine Ahnung, da kann man drüber diskutieren. Aber Du hast es so entschieden und dafür musst Du Dich nicht schuldig fühlen:*


    Mein Vater hatte meine Entscheidung übrigens sofort verstanden, er meinte er hätte es genauso gemacht.

    Meine Mutter und Schwester waren vielleicht etwas, wie soll ich sagen... traurig, das ich es ihnen nicht gleich gesagt habe, vielleicht auch etwas "eingeschnappt"

    Aber ich habe gleich klar gemacht: mein Leben, mein Krebs, meine Regeln. Wer eingeschnappt sein möchte, kann das sein, soll mich aber damit in Ruhe lassen. Wer Anteil am Verlauf meiner Krankheit nehmen möchte, ist willkommen. Ich will nicht ständig Whatsapps kriegen und auch nicht permanent angerufen werden, wo dann mit so mitleidiger Stimmlage " wie geeehts Dir denn" gefragt wird.

    Haben am Ende alle akzeptiert und respektiert und das hat mir am meisten geholfen. Und nur das war für mich wichtig, wie komme ICH am besten durch diese sch.... Zeit.

  • Ich sehe das wie Fidi , unter dem Aspekt der Alkoholsucht und der Tatsache das er gerade auch seine schwer an Krebs erkrankte Lebensgefährtin pflegt, würde ich nix sagen.

    Was passiert denn mit der Lebensgefährtin, wenn er plötzlich lieber bei Dir sein möchte?? Dann ist er hin und her gerissen zwischen seiner geliebten Tochter und der Frau, die er liebt...wirklich eine sehr schwierige Situation.

    Genau das ist meine Befürchtung, das er in dieser Zwickmühle steckt, sich entscheiden muss oder eher gesagt, will. und er ist psychisch sehr labil seit Monaten.

    Ist echt nicht leicht grad😞

  • Hallo ihr Lieben

    Es ist ja kein belügen wenn man es den Angehörigen nicht sagt. Ich habe es meiner Mutter erzählt, aber heute meinte sie, wir würden nur noch über Brustkrebs reden und ich solle mir eine Auszeit von der Krankheit nehmen. Nicht mehr dran denken und noch warten mit weiteren Behandlungen. Als ich überlegte ob mir das gut täte rief heute der aufgebrachte radiologe an. Wir müssten endlich die Strahlentherapie machen. Nächste Woche wäre ja schon die sechste woche nach der Op. Wie lange Zeit darf denn verstreichen nach Bet bevor bestrahlt wird? Zudem habe ich eine Entzündung im Lungen Gewebe was ich laut Diagnostikum für keine Metastase hielt. Nun meinte der Strahlentherapeut es könnte doch eine Metastase sein oder ich bin im Brustzentrum bei der Op mit der Drainage verletzt worden. Aber hätten die mir das denn verschweigen dürfen? ;(LG Bella

  • und zum Thema Eltern... Ich werde Zukunft weniger über krebs reden. Es tut den alten Menschen nicht gut. Meine Mutter betont immer sie kann mir nicht ins Grab nach schauen. Und eine beste Freundin meldet sich auch nicht mehr. Sie sagte letzte Woche sie hätte keine Lust mehr gehabt weil ich dauernd von Krebs und Panik Attacken erzählt hätte.

  • Hallo Mama44 ich kann dich zu gut verstehen! Ich habe das Problem mit meiner Oma! Ich muss dazu sagen, meine Mama ist vor 12 Jahren an Krebs gestorben und meine Oma und ich haben keinen Kontakt mehr zu meinem Vater - ihr Sohn! Daher haben meine Oma und ich ein sehr tiefes Verhältnis! Im Grunde hat sie ja nur noch uns! Sie ist 86 Jahre und hatte am Donnerstag einen kleinen Herzinfarkt! Am Freitag habe ich meinen Befund bekommen! Und dann die große Frage im Kopf: was sage ich ihr?? Wir wohnen in einem kleinen Ort und jeder kennt uns hier, also habe ich gedacht, ich kann nicht, gar nix sagen! Irgendwer wird sie nach mir fragen! Zumal ich auch einige Tage ins KH muss! Was soll ich den sagen, wo ich bin!

    Wir haben es ihr gestern dann gesagt, aber ohne die Worte, Krebs, Tumor und Metastasen! Ich hatte einen Muttermal der sah jetzt nicht ganz so toll aus und deswegen muss als Vorsichtsmaßnahme nach geschnitten werden! Das nimmt sie auch grade so hin!

    DIE WAHRHEIT IST: DU MUSST DA DURCH. DU HAST ABER DIE WAHL, OB DU DAS LÄCHELND ODER JAMMERND MACHST.

  • Danke ihr liebe,


    Ich habe letzte Woche mit meinem Papa gesprochen. Wir hatten Zeit, ohne Kinder einen Kaffee zu trinken, und dann habe ich ihm alles erzählt.

    Er hat erstmal sehr viel geweint, hat es dann aber sehr gut aufgenommen und auch verstanden, daß ich das Thema erstmal von ihm ferngehalten habe.


    Wir haben viel geredet, zusammen geweint und dann ist er mit mir los gefahren, Mützen und Tücher kaufen.


    Er wollte tatsächlich bleiben, ich konnte ihn aber überzeugen, das seine Freundin ihn viel dringender braucht. Mit ihm kann sie noch eine Weile zu Hause bleiben. Wenn er hier bleiben würde, wäre sie nun im Hospiz :(

    Es geht ihr nicht gut und er hat eingesehen, das sie ihn viel dringender braucht im Moment. Also ist er am Wochenende gefahren, schweren Herzens und auch nur unter der Voraussetzung, daß ich ihm immer über jede Einzelheit Bericht erstatte.


    Und was soll ich sagen, nachdem es dann raus war, ist mir eine riesen Last von den Schultern gefallen. War wirklich besser so, wenn auch sehr schwer

  • Mama44


    Das freut mich das er nach Hause fährt und du ihn auf den laufenden hälst.

    Wenn Eltern weinen finde ich immer das es keine schönere Liebeserklärung für einen gibt 😉 und schön das du ihn mitgenommen hast bei einem emotionalen Einkauf der Teil deiner Krankheit ist.


    ✊🏻✊🏻 Meine Daumen für deine Woche

    Liebe Grüße

    Biggi

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    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • Wie schön, daß du mit deinem Vater geredet hast! Ich glaube dir, daß du dich erleichtert fühlst. Außerdem könnt ihr offen mit der Situation umgehen, was mit Sicherheit allen ein besseres Gefühl gibt. Ich denke, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht, sollte man offen miteinander umgehen. Gut finde ich, daß dein Vater sich trotz deiner Erkrankung um seine Lebensgefährtin kümmert und zu ihr gefahren ist.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.